dieses Projekts sei innerhalb kurzer Zeft nicht möglich. Ta die Mehrheit des Zentrums und der konservativen dem Dortmund-Rheinkanal nur unter der Bedingung dtzr Lippe- Linie, statt der von der Regierung gewählten Ernscher-Linie, zustimmen will, so ist aber schlechterdings kein Boden für die Verständigung vorhanden. Wie sollen diese diametral entgegengesetzten Ueberzeugungen zusammenkommen? Welchen Zweck hat überhaupt diese ganze Beratung, da die Absicht der Rechten, den Mittellandkanal abzulehnen, nach Äußerungen eines konservativen Führers „unerschütterlich" ist? Ohne den Rhein-Elbe-Kanal hat wieder die Regierung an dem Dortmund-Rhein-Kanal kein Interesse, erst recht nicht mit der Lippe-Linie. Ohne viel Prophetengabe läßt sich unter allen diesen Umständen voraussehen, daß die Kanalvorlage samt allen ihren „Kompensationen" unter den Tisch fallen wird. Darüber könnte man sich aber bald klar sein, über dies' unfruchtbare Endergebnis.__________
Parlamentarisches aus Hessen.
Tie Regierungsvorlage betreffend den den Denkmalschutz behandelnden Gesetzentwurf ist jetzt der Zweiten Kammer zugegangen. Wir haben diesen Entwurf bereits früher in einem ausführlichen Artikel behandelt. Eine andere Regierungsvorlage betrifft die Einreihung des technischen Lehrers Tr. Aug. S ch e u e r m a n n zu Worms unter B. D. 10 der Besoldungsordnung vom 9. Juni 1898. Tr. Scheuermann hat das Gymnasium zu Darmstadt durchlaufen und wurde mit dem Zeugnis der Reife für die Universitätsstudien entlassen. Er besuchte alsdann die Uni- verfttüten Leipzig, Berlin und Gießen und betrieb — außer musikalischen — 6 Semester lang germanistische und geschickt! ixfye Studien. Von dem Konservatorium für Musik in Leipzig erhielt er ein vorzügliches Zeugnis, von der Universität Gießen wurde ihm auf Grund gramen rigo- rosum in Deutsch und Geschichte die Würde eines Doktors der Philosophie magna cum laude verliehen. .
Ein neuer Gesetzentwurf, die Ergänzung der Bestimmungen über die Pensionierung der Volks schnl- l ehr er betreffend, wünscht, daß Schullehrern, die nach! zeitweiser Pensionierung im Schuldienste wieder angestellt worden sind, bei Berechnung der Pension die Zeit ihrer früheren Pensionierung in Anrechnung gebracht wird. Das ist ein billiger Wunsch, der zweifellos die Zustimmung der Kammer finden wird.
Eine Vorstellung des Gemeindevorstandes von Osthofen geht dahin, daß für eine neue staatliche Irrenanstalt in Rheinhessen die Gemarkung Osthosen in Aussicht genommen werden möge.
Ter Zweite Ausschuß beantragt die Annahme des Entwurfs eines Gesetzes Iber die Anwendung der Artikel 41 bis -51 des Gesetzes vom 21. April 1880, die Disziplinar- verhältnisse der nicht richterlichen Staatsbeamten, auf die Untererheber staatlicher Gefälle und die Ortsein- nehmer, ferner die Annahme des Gesetzentwurfs über das Verfahren auf Grund der Vorschriften in den §§ 20 und 21 der Gewerbe-Ordnung; endlich die Zustimmung zum Gesetzentwurf, die Abänderung des Artikels 22 des Gesetzes vom 12. August 1896 über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogtum.
Hessischer Zandtag.
Zweite Kammer -er Stände.
NN. Darmstadt, 23. März.
Die Sitzung wird um 9.15 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Justizminister Dr. Dittmar, die Ministerialräte Ewald, Breidert und Oberbaurat Meier. Zur vorläufigen Beratung steht zunächst ein Antrag des Abg. Dr. Heid eure ich, die Verwendung der für die landwirtschaftlichen Ausstellungen im Staatsbudget 1900/01 vorgesehenen Mittel betreffend, sowie ein Antrag des Abg. Weidner, das Ausschreiben der Großh. Regierung über die L a n d w i r t s ch a f t vom 30. November 1900 und 29. Januar 1901. Die beiden Anträge werden zur Vorberatung an den Ausschuß verwiesen. Ein Antrag der Abgg. Leun und Genossen,< bie Ergänzung des Art. 47 des Gesetzes vom 28. September 1890, die Vrandversicherungsanstaltfür Gebäude betreffend, wird nach dem Antrag des Berichterstatters Abg. Häusel für erledigt erklärt. Zu dem Antrag des Abg. Dr. Heidenreich, den.Bau einer Nebenbahn von Wahlen nach Ham meld ach i. O. betreffend, bemerkt
Ministerialrat Ewald, die Regierung habe die Ueber- zeugung, daß dort nicht unerhebliche Interessen auf dem Spiel stehen. Sie habe sich bereits mit einem Bahnprojekt beschäftigt und durch Herstellung eines Anschlußgleises an die Hammelbacherbahn werde den Wünschen der dortigen Bevölkerung Rechnung getragen werden könne.
Abg. Dr. Heiden re ich beantragt, die Mittel für diesen Zweck ins laufende Budget zu stellen.
Ter Antrag wird angenommen und die Vorstellungen der Gemeinden Hammelbach und Litzelbach für erledigt erklärt.
Ein Antrag der Abgg. Molthan und Genossen, die Erbauung einer Nebenbahn Mainz-Essenheim- Elsheim betreffend, wird vom Ausschuß der Großh. Regierung zur Berücksichtigung empfohlen.
Abg. Molthan hebt den volkswirtschaftlichen Wert dieser Bahn für die dortige Gegend hervor und bittet die Regierung, den Bau derselben möglichst bald in Angriff zu nehmen.
Finanzminister Gnauth erwidert, diese Bahn könne nur als Schmalspurbahn und nicht auf Staatskosten gebaut werden, wenn sich ein geeigneter Privatunternehmer hierzu finde. Damit gstaube er auch die Ansicht des Hauses zu treffen. Große Erwartungen brauche man sich aber für diese Bahn nicht zu machen.
Die Kammer beschließt dem Ausschußantrag gemäß. Zu der Vorstellung d-er Gemeinde Frischborn, die Erbauung einer Nebenbahn von Lauterbach nach Grebenhain, beantragt der Llnsschuß, die Regierung zu ersuchen, die Errichtung einer Haltestelle mit Stückgutverkehr in Frischborn zu veranlassen.
Finanzminister Gnauth erklärt, daß diesem Wunsche bereits entsprochen sei.
Die Vorstellung wird daher für erledigt erklärt. Zu der Vorstellung des Eisenbahn-Comites Mücke- Ulrichstein, das Bahnprojekt Mücke-Ulrichstein- Rixfeld betreffend, erklärt
Ministerialrat Ewald, daß die Großh. Regierung keine Veranlassung habe, diesem Ansinnen zu willfahren, da über
die Führung der Bahnlinie unter den Interessenten die größten Meinungsverschiedenheiten bestehen. Sie behalte sich aber vor, in eine nähere Prüprng über die Führung der Bahn zu geeigneter Zeit einzutreten. . .
Nachdem noch der Abg. Schmalbach für Rixfeld über Stockhausen-Salzschlirf und die Abgeordneten Brauer und Korell für das Projekt Mücke- Ulrichstein eingetreten sind, wird die Vorstellung für erledigt erklärt. Ein Antrag des Abg. Leun, Abänderung >es Tarifs zum Urkunden stempel vom 12 August 1899 betreffend, gelangt zur Beratung. Ter Antragsteller wünscht, daß bei Ueberschreibungen von Grundstücken außerhalb des Großherzogtums für den Erbschein nur der Stempel und die Gerichtskostengebühr nach dem Werte des zu überschreibenden Grundbesitzes zur Erhebung gelangen öll. Abg. Leun beantragt ferner:, daß die Verordnung, wonach die O r t s g e r i ch t s v o r st e h e r in Gemeinden mit 2000 Einwohnern für 50 Mk. Stempelmarken vorrätig halten müssen, aufzuheben. Dadurch würde den betreffenden Gemeindebeamten eine bedeutende Last aufgelegt, die zu ihrem Gehalt in keinem Verhältnis stehe. Ein kleineres Depot cCn Stempelmarken, etwa von 20 Mk., reiche vollkommen aus.
Justizminister Dr. Dittmar stellt fest, daß dieser Gegenstand nicht nur sein, sondern auch das Ressort des Finanzministeriums und das Ministerium des Innern betreffe. Wenn er die Geneigtheit dieser Faktoren erlangt habe, so würde den Wünschen des Abg. Leun Rechnung getragen werden.
Abg. Weidner wünscht, daß auch die Ortspolizeibehörde Stempelmarken für Schaustellungen usw. verab- olgen könne.
Abg. Köhler-Langsdorf tritt für eine Reform des ganzen Stempelwesens ein. Das jetzige System sei veraltet und es sei damit zu brechen. Er verweist auf das System der Reichspost, bei der die verschiedensten Arten von Stempelmarken zu haben seien. Der Stempelankauf müsse dem Publikum leicht zugänglich sein.
Abg. Weidner glaubt, daß auch mehrere Stempelmarken zu verwenden seien, um den vorgeschriebenen Betrag zu erreichen.
Der Antrag des Abg. Leun bezüglich der Stempelmarken wird gegen sieben Stimmen abgelehnt und der Antrag wegen der Abänderung des Urkundenstempels nach dem Antrag des Referenten Abg. Jöckel, einem Ausschuß überwiesen. Die Sitzung wird hierauf um 12 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung am Dienstag den 26. März Vorm. 10 Uhr.
-ck- Darmstadt, 23. März.
Die heute behandelten Anträge des Abg. Leun bezweckten Aenderungen auf dem Gebiet des Stempelmarkenwesens, auf dem er als Ortsgerichtsvorsteher Mißstände bemerkt zu haben glaubt. Der eine richtet sich gegen die Verfügung der Regierung, wonch die Behörden, die es mit Stempelmarken zu thun haben, angewiesen wurden, bei Verstempelungen eine möglichst kleine Anzahl von Stem- ;elmarken zu verwenden. Der Zweck dieser Anordnung vollte manchen Vertretern nicht einleuchten. Für die ver- chiedenen Stempelmarken sind verschiedene Provisionstufen für den verwendenden Beamten bestimmt, und zwar e höher die Stempelmarken, desto niedriger die Provisions- irozente. Diese Bestimmung war demnach unbedingt nötig, um nicht die verschiedenen Abstufungen illusorisch zu machen. Dadurch, daß ein höherer Stempelbetrag mit einer Menge niederer Marken gebildet wurde, könnten nicht zu- ommende höhere Provisionen geschaffen werden. Darauf teht Disziplinierung. Von feiten der Regierung wurde anerkannt, daß diese Verfügung nicht zu den schönsten gehöre, aber in Ermangelung der Möglichkeit, diese Frage anders zu lösen, sei man genötigt, an ihr festzuhalten. Wäre nicht vielleicht diese Frage auf folgende Weise zu lösen: Der Beamte führt ein Verzeichnis sämtlicher Stem- relbeträge, die in seiner Amtsthätigkeit zur Verwendung ommen, eventuell zur Erleichterung der späteren Provi- ionsberechnung je ein Verzeichnis der verschiedenen Provisionssätze unter Angabe des Datums und Zwecks der Stempelverwendung und des Stempelpflichtigen. Die Provision richtet sich direkt nach dem Stempelbetrag. Diese Aufstellungen sind dann alle Vierteljahre oder in anderen Zeitabschnitten an die Hauptstempelverwaltung einzusenden, die die Provisionstabellen prüft und die Beträge direkt auszahlt. Wenn die Ortsgerichtsvorsteher, wie geplant, einen eisernen Bestand an Stempelmarken erhalten, wäre auch die Abrechnung bedeutend vereinfacht. Daß es hier zu Schwierigkeiten rc. käme, ist nickt zu befürchten, zumal )er Beweis leicht zu führen ist, da der Name des Stempel- >flichtigen angegeben ist und man hier sofort die Richtigkeit der Angaben ergründen könnte. Auf diese Art wäre aber die Zahl und die Höhe der einzelnen Stempelmarkeü einerlei, nur der gesamte Stempelbetrag würde in Berücksichtigung gezogen werden.
Heber die ßom Abg. Leun schon gelegentlich! der Generaldebatte über das Justizministerium zur Sprache gebrachte Bestimmung, daß jeder Ortsgerichtsvorsteher einen Stempelmarkenvorrat im Betrage von 50 Mark haben solle, scheinen sich die beschwerenden beschwerten Gemüter jetzt etwas beruhigt zu haben. Der Grund, der dastnals schon von feiten der Regierung angegeben wurde, daß nämlich jedermann in der Lage sein soll, sich Stempelmarken zu verschaffen, ist zu durchschlagend, als daß es hier noch einer Erörterung bedürfte.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, den 25. März 1901.
** Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat am 20. März den LehramiSasfessor Paul Helmke aus Freien- walde a. O. zum Oberlehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg ernannt. — Ernannt wurde am 20. März der Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz Jakob Meixner zum Amtsgerichtsdiener bei diesem Amtsgericht mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers, und der Fußgendarm in Lich Albert Holland zum Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts.
•* Die Landpostfahrt Altenbufeck-Gießen erhält vom 1. Apri ab folgenden Gang: ab Gießen vorm. 630, ab Wieseck 726, an Altenbuseck 8 Uhr; ab Altenbuseck vorm. 11, ab Wieseck 1135, an Gießen mittags 1210 Uhr: ab Gießen nachm. 4, ab Wieseck 4.55, an Altenbuseck 5.30 Uhr; ab Altenbusei nachm. 6.30, ab W'eseck 7.05, an Gießen 7.40 Uhr.
** Großh. Hess. Landeslotterie. Wie in allen Staaten, die eigene Klassen-Lotterien besitzen, macht man jetzt auch in Hessen die Erfahrung, daß die Spiellustigen am liebsten aus denjenigen Kvllekturen Lose beziehen, in die viele und hohe Gewinne gefallen sind. Dies ist sehr erklärlich, man ist immer geneigt, sich nacl> den Erfolgen zu richten. Es ist aber diese Richtschnur für den voraus- etzlichen Erfolg in einer Lotterie keineswegs ein geeigneter Anhalt. Tenn die Erfahrung lehrt, daß sich Gewinne im Laufe der Lotterieausj'pielungen mit fast mathematisch genauer Gleichmäßigkeit auf alle Losnummern verteilen, daß also jedem Tausend Nummern nach Ablauf einer gewissen Zeit die nach dem Lotterieplan rechnerisch je 1000 Losen zukommenden Gewinne auch wirklich zufallen. Ta jedem Kollekteur die Lose in bestimmten dtummern nicht blos für eine, sondern für die ganze Dauer der Jnnehabung der Kollektur zum Vertriebe überwiesen sind, so ergiebt sich hieraus,' daß die Lose jedes Kollekteurs einmal gewinnen müssen. Also gerade umgekehrt zu verfahren und demgemäß vielmehr am lie b sten in solchen Koll^kturen zu spielen, die in der Gewinnerzielung besonders auffallend zurückgeblieben sind, muß als erfolgversprechend bezeichnet werden. — Selbstverständlich läßt sich auch auf diesem Wege das Glück nicht erzwingen. Göttin Fortuna ist unberechenbar. Es kommt in der That vor, daß manchen Nummern und den sie besitzenden Kollekturen scheinbar andauernd das Glück hold ist. Wer in der Lotterie spielt, soll es nur thun, um dem Glück die Hand zu bieten, und er soll es unter keinen Umständen mit Beträgen thun, deren Verlust er nicht gut erschwingen kann. Beteiligt er sich nach diesem Maßstabe, so wird er schwerlich jemals Veranlassung haben, ich über seine Beteiligung an der Lotterie zu ärgern, er wird vielmehr, auch wenn ihm das Glück nicht hold zu ein scheint, seine Beteiligung gern fortsetzen, weck eine olche in Gestalt einer Hoffnung eine fortwährende Anregung und Unterhaltung bietet, die er kaum durch eine andere Einrichtung oder Beteiligung für ein verhältnismäßig so leines Risiko erlangen kann.
** Lauterbach, 23. März. Der Jahresbericht der höheren Bürgerschule ist soeben erschienen. Wir ent- nehmen ihm folgendes: Dirigent ist der Oberlehrer und Rektor H. FoermeS. Es unterrichten an der Anstalt etn- chließlich des Dirigenten 7 Lehrer und 2 Lehrerinnen; die Schule ist von 190 Schülern und Schülerinnen besucht. — Die Haltestelle Lauterbach (Rimloserstraße) der Nebenbahn- inie Lauterbach.— Grebenhain, hat den amtlichen Titel Lauterbach (Neu) erhalten.
Darmstadt, 24. März. Der Großherzog empfing am 23. März u. a. den Generalleutnant v. Perbandt, Kommandeur der Großh. (25.) Division, deu Geheimen Hofrat Professor Dr. Netto von Gießen, den Forstmeister Hallwachs von Nidda.— Der Großherzog und die Großherzogin nebst der Prinzessin Elisabeth begaben sich Freitag abend 10 Uhr 24 Minuten zu längerem Aufenthalte nach Nizza. In Begleitung befindet sich der Großherzogliche Flügeladjutant Rittmeister Kraemer. — Die Erste Kammer der Stände wird am 28. d. M. zu einer zweitägigen Sitzung zusammentreten. Aus Anlaß der Eröffnung der Lungenheilanstalt in Sandbach fand am Donnerstag hier eine außerordentliche Ausschußsitzung des LandeSauSschusieS der JnvaliditätS- und Altersversicherungsanstalt für das Groß- -erzogtum Hessen statt. Im Anschluß daran wurde auf ergangene Einladung das Therapeutische Institut des ^errn Dr. med. Lossen besichtigt.
•* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tas neue Justizgebäude in Mainz wird, nachdem die Verhandlungen mit der hessischen Regierung und der Stadt zu einem definitiven Abschluß gekommen sind, auf dem Platze der alten Bauhofkaserne errichtet. Ter jetzige Justizpalast wird vollständig unter Verwendung der historischen Facade neu aufgebaut und für das zweite großh. Gymnasium eingerichtet. — Mit Mittwoch schloß eine lange Zeitperiode von 100 Jahren ab, während her in der Gemeinde Gensingen im Kreise Bingen das Bürgermeisteramt ununterbrochen ein und derselben Familie Lorey (Großvater, Vater und Sohn) übertragen, und in ein und demselben Hause seßhaft ist. Gewiß ein im Großherzogtum Hessen einzig dastehender Fall. — Samstag vormittag gegen 9 Uhr wurde in Wetzlar die Leiche des beim Hochwasser am 4. d. M. ertrunkenen 16 jährigen Ludwig Schmelz an der Starkenweide an der Mündung der Dill in die Lahn geländet. — Dem Gastwirt im Gasthaus zum „grünen Laub" in Viernheim wurde dieser Tage ein Pferd auf brutale Weise ruiniert Die oder der Thäter versetzten dem Tiere zwei Stiche in die Brust, sodann leerten sie ihm Säure in die Ohren, sodaß das Pferd anderen Tages getötet werden mußte. Donnerstag wurde nun wieder auf ähnliche Art eine Ziege mißhandelt. Von den Thätern hat man noch keine ©pur. — Die Großh. Staatsanwaltschaft aus Darmstadt nahm auch diese Woche wieder in Sachen der Rheinischen Zuckerfabrik in Gernsheim Untersuchung vor. Wie noch immer, scheinen diese auch jetzt wieder resultatlos verlaufen zu fein. — An Blattern erkrankt ist eine seit dem 6. v. M. in Offenbach befindliche polnische Arbeiterin. Sie wurde auf Umwegen unter polizeilicher Aussicht in das sanken Haus gebracht, während ihre sechs Genossinnen, die mit ihr zusammen arbeiteten, in die sogenannten Blatternbaracken überführt wurden.
Schisssnachrichteil
Norddeutscher Lloyd,
ta Gieß« vertret« durch Inn »g«t« teil LooS.
Bremen , 22. März. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer „Dresden", Kapitän A. Koenemann. vom Norddeutschen Lloyd to Bremen, ist heute 8 Uhr vormittags wohlbehalten in Baltimore anyekommen.
Kunst und Wissenschaft.
Am 25. März 1801 starb der Dichter Friedrich v. Hardenberg oder „Novalis", wie sein Schriftstellername lautet, aus dessen aus übervollem Herzen quellenden Liedern heute nock jedes andachtsvolle Gemüt Segen, Trost und Erbauung schöpft. Bon Haus aus schwächlichen Körpers, wurde Novalis beständig von Krankheiten heimgesucht. Das ließ ihn seinen Bilck frühzeitig von der unbeständigen, ihre Gaben und Schätze launisch verteilen-


