Ausgabe 
25.12.1901 Erstes Blatt
 
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dafür einen Landstrich int Osten. § 3- England ver­pflichtet sich eine Pauschalsumme als Entschädigung für das vernichtete Privateigentum an beide Republiken zu zahlen. § 4. Die Entschädigungssumme für den Jameson-- schen Einfall ist sofort an Transvaal auszuhändigen. § 5. Es tritt sofort eine gegenseitige Amnestie für alle Vorkommnisse aus dem Krieg ein, einschließlich der Kapkolonisten. § 6. England erhält das Recht, eine eigene Bahnverbindung von Johannisburg in nördlicher Richtung nach seinen Grenzen zu führen. Bis zu deren Fertigstellung sind die Republiken verpflichtet, bett eng­lischen Verkehr nach Johannisburg unter, Kontrolle frei ju lassen, jedoch nicht länger als auf zwei Jahre. § 7. Alle sonstigen gegenseitigen Ansprüche erlöschen mit dem Friedensschluß. § 8- Zur Verhütung künftiger Streitigkeiten wird em Schiedsgericht eingerichtet, das­selbe setzt sich aus Dänemark, Holland und der Schweiz zusammen, dergestalt, daß Dänemark selbständige Ver­treter ernennt, Holland die gleiche Zahl, und die Schweiz sämtliche Mitglieder seines höchsten Gerichtshofes ernennt. Die Abstimmung erfolgt nach absoluter Ma­jorität und der Beschluß ist sofort rechtskräftig.

Die Abtretung der Minen erachte ich für keinen Nach­teil, wohl aber für einen großen Vorteil, da die Buren dadurch vor künftigen liebeln bewahrt bleiben. Ein Terri- itorialersatz kann ja leicht im Osten ausbedungen werden. Der Paragraph über die Garantien des Friedens ist nicht ohne Erwägung aller politischen Zustände abgefaßt, er ver­hindert jedenfalls die Einmischung anderer Mächte.

Aus Stadt uni» Saud.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind nn6 stets willkommen und.werden angemessen honoriert.

Gießen, 24. Dezember 1901.

Gedenket der hungernden Vögel!

** Weihnachten.O du fröhliche, o du selige ^nadenbringende Weihnachtszeit!" So klingt es in dieser Weihnachtszeit aus Kindermund durch die .Häuser und Straßen unserer Stadt. Und wir Alten horchen auf und stimmen mit ein. Es ist wie ein Zauber darin, der uns .gefangen nimmt. Und wäre es nur der Kinder Jubel,, der les uns augethan hat. Denn der Jugend Freude, ist der lAlten Lust, der Alten Verjüngung. Aber das ist's doch micht allein. Was macht denn die Jugend so fröhlich am sWeihnachtsfest? Ist's nicht die Liebe, ine sie umgiebt? Was die Augen glänzen macht, ist erfahrene Liebe und ITreue. Und ist das nicht int letzten Grunde das, wonach jade Herzen hungern und dürsten, auch die ältesten und die ärmsten? Ja, gerade die am meisten, wenn sie es auch vielleicht nicht worthaben wollen, weil das Leben sie zu viel enttäuscht hat, weit sie irre geworden sind an Liebe und hEreue. Da kommt denn Weihnachten, das Fest der Liebe, ftmd klopft mit seiner Himmelsbotschaft an die üebebedürf- stigen Herzen. Wohl denen, bei denen es kommt mit Liebe Her Menschen im Bunde, wo es im Hause einkehrt bei leuch­tenden Augen von Jung und Alt! Wie köstlich, wenn am Weihnachtsabend die Hausgemeinde vollzählig versammelt fist, wenn die Kinder aus weiter Ferne herbeigeeilt sind, um int Elternhause um den Hellen Christbaum sich zu scharen! Wie genießen da die Eltern die Liebe der Kinder, die Kinder die Liebe der Eltern! Da rotrh es leicht, an die ewige Liebesmacht zu glauben, die die Welt mit ver­borgener Weisheit lenkt, und die an Weihnachten si'ch in vollem Glanze offenbart. Wollten doch alle glücklichen Herzen ijidji an Weihnachten dankbar dieser eitrigen Liebe erschließen, Möchte doch in allen frohen Häusern die Weihnachtsfeier fausklingen in das dankbare Bekenntnis:S e h e t, w e l ch ' leine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß !wir Gottes Kinder sollen heißen!" Aber diese iBotschaft ist doch nicht bloß für die Glücklichen dieser Welt iba. Sie will mit ihrem Freudenschein auch in die Stüblein !ber Einsamen, der Leidenden und Betrübten, der Sorgen­vollen und Geängsteten einziehen und ihnen Trost und Freude '.bringen. Es giebt in diesem Jahre in unserem Vaterlande besonders viele, die Weihnachten feiern mit banger Sorge ifür die Zukunft. Arbeitslosigkeit, drohender. Arbeitsmangel tairft dunkele Schatten in viele Gemüter. Und wenn es in Unserer Stadt damit auch noch nicht zum Schlimmsten ge­kommen ist, wenn die Behörden und private Liebesthätigkeit jwachsam bereit stehen, um der drohenden Gefahr zu be- tgegnen, so bedarf es doch einer besonderen Herzstärkung für bie, die ihr Brot mit harter Arbeit von Tag zu Tag ver­dienen müssen, nm den Mut und den Glauben an die .ewige Liebe nicht zu verlieren. Ihnen soll Weihnachten '.vor allem die Gewißheit stärken: Gottes Liebesmacht ist ungebrochen, und seine Vaterliebe ist stark genug, uns auch

durch schwere und dunkele Zeiten hindurchzuführen. Das Licht, das im dunklen armen Stall zu Bethlehem der Welt aufgegangen ist, ist uns die Bürgschaft dafür. Wenn die Glocken und der Posaunen Schall von den Türmen unserer Stadt, wenn der Orgel Ton und der Gemeinde voller Chor und der Prediger Mund in unseren Kirchen diese frohe Botschaft jetzt wieder verkündigt, möchte dann in aller Herzen die rechte Weihnachtsfrende aufwachen, und mochten namentlich auch die Glücklichen und Besitzenden willig wer­den, Helfer der großen Freudenbotschaft bei den Armen und Gedrückten zu werden, damit auch |ic ben Mut gewinnen, mit einzuftimmen in den frohen Ruf:

Freue dich, freue dich, - O Christenheit!"

b. Lollar, 23. Dez. Die Feld- und Waldjagd unserer Gemeinde, welche einen guten Bestand an Rehen, Fasanen, Hasen und Hühnern aufweist, wird demnächst zur Neuverpachtung ausgeschrieben werden. Bei der günstigen Lage des Jagdgebietes wird es an Liebhabern wohl nicht fehlen, sodaß die Gemeinde eine wesentlich höhere Pachtsumme wie bisher erzielen dürfte.

Grünberg, 23. Dez. Nachdem erst vor wenigen Wochen der zweite Geistliche unserer Stadt, Pfarrer Koch, vom Tode dahingerafft wurde, hat die Gemeinde nunmehr auch das Hinscheiden des ersten Geistlichen, des Kirchenrats Pullmann, zu beklagen, lieber 40 Jahre hat der Ver­blichene zuerst als Milprediger und Rektor der ersten Knaben­klasse, dann als zweiter und zuletzt als erster Pfarrer hier gewirkt. Mit Rücksicht auf sein hohes Alter und seine ge­schwächte Gesundheit legte er im Frühjahr das Amt des Dekans nieder und mußte sich auch im Pfarramt durch einen Vikar vertreten lassen. Nun ist der allezeit thätige, weithin bekannte und allgemein beliebte 70jährige Greis zur ewigen Ruhe eingegangen.

§ Ober Mörlen, 23. Dez. Der von hier gebürtige Dr. tlieol. Schmidt ist nunmehr mit Versetzung der Assisten­tenstelle am bischöflichen Seminar in Mainz betraut worden. Sicherem Vernehmen nach haben auch die Grundbesitzer im nahen Fauerbach v. d. H. die Absicht, Feldbereinig­ung eintreten zu lassen, da man sich von den großen wirt­schaftlichen Vorteilen eines solchen Unternehmens .wohl über­zeugt hat.

Darmstadt, 22. Dez. Wie dieDarmst. Ztg." sicher vernimmt, sollen verschiedene der im vergangenen Jahre vom hessischen Staat erworbenen vormals Für st l. Isen burg- Birstein's chen Besitzungen in der Gemarkung Offenbach am Montag den 30. Dezember d. I. beim Ortsgericht Offen­bach einer einmaligen öffentlichen Berste igerung aus­gesetzt werden. Abgesehen von einigen Feldgrundstücken und Bauplätzen erstreckt sich die Versteigerung auch auf das vor­mals Fürstlich Jsenburgische Palais (sogen. Fürstliches Haus) an der Frankfurterstraße zu Offenbach. Da die Landstände ihre Zustimmung zum Verkauf bereits erteilt haben, wird bei annehmbaren Geboten am Schluffe der Versteigerung voraus­sichtlich der Zuschlag alsbald erteilt werden. Erwähnung verdient noch, daß iiach landständischem Beschluß aus dem Kauferlös des Fürstlichen Hauses 100000 Mk. als Baufonds für das alte Isenburger Schloß am Main reserviert werden sollen. Das letztere bleibt selbstverständlich tm Eigentum des hessischen Staats, der der 9ieftaurierung nunmehr in Bälde näher treten wird.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Aenderung der Postordnung. Die Postordnung hat eine lange Reihe von Steuerungen erfahren, die mit dem 1. Ja­nuar in Kraft treten. Die wichtigsten sind die folgenden:

Bei Warenproben kann von der doppelten Verpackung abge­sehen werden bei Kästchen aus starker Wellpappe, wenn sämtliche Zwischenräume mit aufsaugenden Stoffen angefüllt und die Fläschchen pcher verschlossen sind, sowie wenn, bei Vereinigung mehrerer Fläschchen zu einer Sendung, jedes Fläschchen mit einer besonderen Umhüllung von Wellpappe verseheri ist. Bei gleichzeitiger Ab­tragung mehrerer Eilsendungen durch denselben Boten an denselben Empfänger wird, wenn die Zahlung des Botenlohnes dem Em­pfänger überlassen ist, der Botenlohn bei Briefsendungen für eine der Sendungen zum vollen Betrage und für die anderen mit je 10 Pfg., bei Packeten aber für jedes Packet mindestens der Betrag von 40 Pfg. erhoben. Sind mit Eilbriefsendungen zugleich Eil- packete abzutragen, so koinmen die Botenlohnsätze für Packele und außerdem für jede Briefsendung der Satz von 10 Pfg. in Anwen- dun. Briefe mit Zustellungsurkunde müssen verschlossen und au der Ausschriftseite mit der Angabe von Namen und Wohnort des Absenders handschriftlich oder durch Stempeldruck usw. versehen sein. Für Briefe mit Zustellungsurkunde werden erhoben: 1. das

gewöhnliche Briefporto; 2. eine Zustellungsgebichr von 20 Pfg.: 3. das Porto von 10 Pfg. für die Rücksendung der Zustellungs- urkunde. Tie Beträge zu 1 bis 3 müssen sämtlich entweder vom Absender sogleich bei der Einlieserung oder vom Empianger bet der Aushändigung entrichtet werden. Tie für Bewohner von ^andorlcn mit Posthilfstelle bestimmten gewöhnlichen Bneffendungen und Packete fönnen der Posthilfstelle zugeführt und entweder durch den Inhaber der Posthilfstelle abgetragen oder zur Abholung be­reit gehalten lverden. Vorausbezahlte Bestellgebühren werden nicht erstattet, wenn die Aushändigung der Sendung am Bestim­mungsorte im Wege der Abholung erfolgt ist. Drucksachen, Ge- chäslspapiere und Warenproben, die nach der Ortstaxe frannert ind, werden in den Fernverkehr nur auf ausdrücklichen Wunsch des Abfkpders oder des Empfängers nachgesendek. Kann die Postanstalt am Aufgabeorte den Absender einer unbestellbaren oder von der Beförderung ausgeschlossenen Sendung nicht ermitteln, so wird die Sendung <m die vorgesetzte Ober-Postdirektwn eingesendet und dort zur Feststellung des Abfenders nötigensalles geöffnet. Gleichzeitig sind hierzu u. A. folgende Ausführungsbestunmungen erlassen worden: Bei unsraiikierten Briefen mit Zustellungsurkunde wird der Gesanitbetrag der Gebühren aus dem Briese als Porto ausgeworfen und der Bestimmuiigs-Postanstalt zutaxiert oder in der Ortsgebührenkarte vereinnahmt. Unzureichend frankierte Briese mit Zustellungsurkunde werden an den Absender zur Ergänzung des Brankos zurückgegeben.

Gießen, 24. Dezember. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Psund 1,151,30 Mk., Hühner- cier pr. Stück 811 Ps., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 57 Pf.. Käsematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Tauben pr. Paar 0,700,90 Mk., Hühner pr. Stuck 0,901,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,10 Mk., Enten pr. Stück 2,002,50 Mk., Gänse pr. Psd. 5670 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- Uiid Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,203,50 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,005,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepstl per Pfd. 915 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 8 Ubr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden.

Kandwirtschast.

Der Ausschuß des landw. Bereius für die Provinz Oberhesseu hielt am 19. Dezember imHotel zum Prinzen Earl" hier eine Sitzung ab, der vom Großh. Ministerium Landesökonomie- rat Müller und vom Hessischen Landwirtschastsrat General­sekretär Dr. Müller beiwohnten. Den Vorsitz führteOekonomie- rat Schiente. Nachdem wieder 33 neue Mitglieder ausgenommen worden waren, wurde über die Frage betr. die Errichtung zweier neuer Jungviehweiden für die Kreise Alsfeld und Lauterbach verhandelt. Es lagen Pläne und Voranschläge vor, welch' letztere für die ErrichtungvonStallbauten, Einfriedigungusw. für beide Weiden ea. 25000 Mk. forderten. Der Ausschuß ge­nehmigte die geforderten Mittel, und es soll nunmehr die bauliche Einrichtung so beschleunigt werden, daß beide Weiden im Juni n. I. besetzt werden können. Die Alsfelder Weide kommt in den sogen. Göringer Grund bei Zell, die Lauterbacher Weide an die Straße LauterbachSchlitz, unweit Lauterbach, zu liegen. Tas betr. Ge­lände, für die Alsfelder Weide über 60 Morgen, für die Lauter­bacher ca. 140 Morgeii, ist auf 12 Jahre vertragsmäßig gepachtet worden. Weiter wurde über die Errichtung eines Ver­sicherungsfonds der im Besitz des Vereins befindlichen Stationsbutten und der auf die Jungviehweiden aufzutreibenden Rinder verhandelt und beschlossen, daß diese Tiere in Selbstver­sicherung genommen werden sollen. Es wird zu diesein Zweck ein Fonds gebildet, aus welchem entstehende Unfälle gedeckt werden. Verunglückte Weidetiere werden hiernach dem Besitzer mit 75 pEt. des Wertes vergütet. Schließlich wurden der Schweinezuchtverein Groß-Felda, der Rindviehzuchtverein Ulfa und der Kreisziegenzucht- verein Lauterbach als Organe des Provinzialvereins anerkannt.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

1. Weihnachtsfeiertag den 25. Dezember.

In der Stadtkirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- uni) MarkuSgemeinde^ Anmeldimgen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Abends 6 Uhr im Konfirmandensaal: Weihnachtsfeier der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.

In der Johauneskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Euler.

Nach allen Gottesdiensten wird eine Kollekte für die Klein- kuider-Bewahranstalt erhoben.

Abends 6*/< Uhr im Schwesternhaus: Weihnachtsfeier für die konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde.

2. Weihuachtsfeiertag den 26. Dezember.

In der Stadtkirche.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 5 Uhr: Liturgischer Gottesdienst.

Pfarrer Dr. Grein.

Abends 6'/. Uhr im Konfirmandensaal: Weihnachtsfeier für die konfirmierte weibliche Jugend der Matthäusgemeinde.

Der Kaiser und die Künstler. Heber den Verlauf des /Künstlerabends beim Kaiser tragen wir heute noch einige weitere Mitteilungen nach. Der Raum, in welchem man sich versammelte, war der ovalförmige Pfeilersaal, den ein ft -Friedrich der Große hat umbauen lassen. Die Tafel war in dem wundervollen, nicht übermäßig großen und sehr wohn­lichen Speifesaal aufgebaut. Die Teilnehmer saßen an einer einzigen langen Tafel, in der Mitte der Kaiser (in Husaren - Uniform) zwischen Reinhold Begas, Schaper und Siemering, gegenüber die Kaiserin. Die Tafel war mit Blumen und 'kostbaren Silberstücken wahrhaft königlich geschmückt. Die Speisekarte zeigte die von Zweigen umgebenen Wappen des Kaiserpaare?, über den Wolken schwebend darüber die um­strahlte, von Gemen gehaltene Kaiserkrone, darunter einen 'Putto mit der Friedenspalme. Die Speisefolge lautete: /Russische Suppe, Forellen, Kalbsrücken garniert, Rehschnitte auf italienische Art, getrüffelte Kapaunen, Früchte, Salat, (frische Artischocken, Aprikosen-Auflauf, Käsestangen, Nachtisch. ^Von den Bildbauern erschienen die Herren Schott, Uphues, ,'Boese, Baumbach, Felderhoff, die beiden Begas, Henter, Graf Görtz-Schlitz, Brüti, (Sauer, Börmel, Manzel, Manche, Mag- nuffen, Götz, Wolff, Pfretzschner, Breuer, v. Uechtritz, Schaper, Eberlein und Siemering; es fehlten Unger und Kraus, die ,zur Zeit in Italien weilen, ferner Calandrelli und Lessing. ,Zu den Künstlern gesellte sich der Direktor des Staatsarchivs <Geh. Rat Koser, der da§ geschichtliche Material für die An­flage in der Siegesallee geliefert hat, der architektonische eSetter Geh. Rat Spitta und Tiergartendirektor (Seltner. Von iden Museen waren der Generaldirektor Schöne und Geh. Ra ^Kekulb v. Stradonitz zugegen. Auch die beteiligten Reffort- -chefs, der Fmanzminister Frhr. v. Rheinbaben, der KultuS- 'Minister Dr. Studt und der Geh. KadinetSrat v. LucanuS wohnten der Feier bei. Ein Relief v. Manzel, die Madonna

mit dem Kinde, das der Kaiser dem Künstler in Auftrag ge­geben hatte, wurde aufgestellt und der Gesellschaft gezeigt. Das Werk ist in Majolika hergestellt; bemerkenswert ist es dadurch, daß als Material Thon von Cadinen, der west- preußischen Besitzung des Kaisers, verwandt ist. Nach dem dritten Gang nahm der Kaiser das Wort zu seiner langen, reigehaltenen, schwungvollen Ansprache. Die Rede wurde tehend angehört. Die Tafel währte etwa 2 Stunden. Dann begab man sich in den ersten Saal zurück, wo bei Kaffee von neuem Cercle gehalten wurde. Hierauf verabschiedete sich die Kaiserin mit ihren Damen. Der Kaiser aber führte die Herren nach den Heinrichshallen. Hier zündete er sich eine Zigarette an und nahm mit seinen Gästen an Tischen Platz, um bei Bier und Punsch anregend und heiter zu plaudern. Ernst und Scherz wechselten in bunter Fülle; man war bei allen Ge­sprächen erstaunt über das außerordentliche Wissen und die geistvolle Schlagfertigkeit des Kaisers. Bald war von ge­lehrten Fragen die Rede, bald von Kunst und Technik. Zu einer launigen Bemerkung gab ein kleines Gespräch über die wilden Kaninchen im Tiergarten Anlaß. Es wurde erzählt, daß die Tiere sogar schon auf den Marmorwerken der Sieges­allee herumspringen, und daß es Zeit wäre, gegen die Plage etwas zu thun; ein schüchtener Bildhauer meinte, sein Schwiegervater habe eine ganz besondere Art, Karnickel zu fangen. Aha, rief ein jovialer Kollege dazwischen, so hat er gewiß auch Sie gefangen. Natürlich schallendes Gelächter, tn das auch der Kaiser einftimmte. Die kleine Episode kenn­zeichnet die urgemütliche Stimmung, welche bei diesem zwang­losen Zusammensein herrschte. Es war schon 1 Uhr vorüber, als der Kaiser sich von fernen Gästen trennte.

Eine Sympathiekundgebung für den Kaiser wird in Rom au? Anlaß der Ansprache des Monarchen an die Schövser der Denkmäler in der Siegesallee aepfant. Die

Academia di Sanluca beschloß, eine Glückwunschdepesche an Kaiser Wilhelmden erhabenen Ehrenakademiker, den Ver- echter höchsten Kunstideals" zu senden.

Im Dezemberheft der neuen ,,Deutschen Monatsschrift ür das gesamte Leben der Gegenwart", heransg. von Jnl. Lohmener (Berlin, Alex. Tuncker), findet man in einem vortreff­lichen AufsatzDom deutschen Theater" von Max Martersteig geifr» volle Betrachtungen über Björnsonslieber unsere Kraft", sowie dessen neueres TratnaLaboremus" (Verlag von Albert Langen) und HeyermannsHoffnung" (Verlag von K. F. Köhler-Leipzig und Otto Hendel-Halle), die der genannte Theater­kundigedie Fntcht eines feinsten KünstlergeisteS" nennt.

Soeben wird uns die Weibnachtsnummer der in Marburg erscheinenden ,,Christlichen Welt" auf den Redaktionstisch gelegt Wir finden darin u. a. eine nachdenkliche, sinnige Weihnachts- geschichte von dem Heidelberger Stadlpfarrer Adolf Schmiuhenner Ter Dickkopf und das Peterlein" und Bücherbesprechungen von den Gießener Professoren G. Krüger, F. Kattenbnsch und Trews. Der letztere widmet ein paar sehr anerkennende Worte dem von uns schon erwähnten, bei Velhagen u. Klasina in Bielefeld erschienene» schönen Buche überWeihnachten" von Prof. D. Georg Rwtfchel.

Röntgen und Behring über die Nobelpreise. Ein Mitarbeiter desFigaro" hat die Professoren Röntgen und Behring besucht, um mit ihnen über die ihnen zugefallenen Nobelpreise zu sprechen. Der Entdecker der X-Strahlen nahm den Glückwunsch des Franzosen sehr freundlich auf und erwiderte als höflicher Mann:Ich weiß, daß man meine Entdeckung m Frankreich sehr vcrvolllommnet hat.Mag sein," entgegnete der Journalist, aber die Thür mußte doch erst geöffnet werden."Das ist aller­dings wahr," sagte darauf der deutsche Gelehrte,ich habe sie ge­öffnet, aber Ihre Landsleute sind zuerst durchgegangen."Man kann unmöglich bescheidener und gerechter sein," meint der Mit­arbeiter desFigaro". Professor Behrings Bewunderung gilt dem Doktor Roux vom Pasteur-Institut.Ich habe die größte Bewunderung für den Professor Roux," jagte er.Zwischen ihm und mir giebt es keine Rivalität, feine Konkurrenz. Ihr hervor­ragender Landsmann steht ohne Zweifel in der ersten Reihe unter den Forschern, die sich mit der Serumtberapie beschäftigen. Er ist mein Freund und fam vor einiger Zeit nach Marbllrg, um der Taufe meines jünaiten Kindes beizuwohnen."