Ausgabe 
25.5.1901 Zweites Blatt
 
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Fol-

das

den der

Ao« dem Einkommen

Die Rückvergütungen ab Bleibt In 1899/1900

Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein, sowie für die gewerblichen UnterrichtSanstalten ernannt.

** Nach dem Jahresbericht des Oktroi-Inspektors Maser pro 1900/01 beträgt.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, den 24, Mai 1901.

Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat Staatsschuldenkassebuchhalter Ludwig Götz zum Rechner

»vald verlief in der herrlichsten Weise. Es hatten sich 3 3 Abgeordnete aller Parteien, sowie 8 Herren von der Regierung, darunter Finanzminister Gnauth, Ministerial­rat Braun rc. beteiligt. Tie Herren fuhren mittelst Extra­zugs vormittags 8.13 Uhr nach Hetzbach; von hier gings per Wagen nach Beerfelden, wo großartiger Empfang und Früh­stück mit Konzert stattfand. Beerfelden hatte geflaggt.

gender Willkomm-Gruß war angebracht:

Seid willkommen Ihr Herren in unserer Stadt, Tie noch keine Eisenbahn hat.

ernteten die lebhafteste Anerkennung der zahlreichen Be- sucher. Auch der Großherzog besuchte nach dem Theater nodj längere Zeit in Gesellschaft des russischen Legations­sekretärs von Toubensky, sowie des französischen Malers de Scevola, dem z. Zt. die Großherzogin zu einem Bilde sitzt, in lebhaftester Stimmung die Parterre-Räume der Restauration. Tie Stadtverordneten beschlossen in ihrer heutigen Sitzung gemäß § 139 f der Reichsgewerbe­ordnung den Ladenschluß auf abends 8 Uhr fesHu- setzen; ausgenommen sind Bäcker-, Metzger-, Zigarren- und Barbiergeschäfte und alle Geschäfte des Nahrungsmittel­gewerbes. Für Vergrößerung des städtischen Elektrizitäts­werkes wurden 143 000 Mk. bewilligt. Tie einzige hessische Stadt mit 8 Uhr-Ladenschluß ist Offenbach a. M. Voraussichtlich wird es in der Zweiten Kammer wegen des nach der neuen Bestimmung zu wählenden Zweiten Vizepräsidenten lebhafte Tebatten geben. Während von nationalliberaler Seite der Abg. Köhler-Worms, event. Reinhard vorgeschlagen wird, verlangte die in der letzten Session neugegründete freie wirtschaftliche Ver­einigung unter dem Vorsitz Schönoergers den zweiten Vizepräsidenten ans ihren Reihen, die Nationalliberalen wollen indessen diese Vereinigung nicht anerkennen.

Ter heutige Ausflug der Zweiten Kammer in den Oden-

Tieburg angekommenen Herrn Wachtmeister Lommel fest­genommen und geschlossen in das Amtsgerichtsgefängnis nach Groß-Umstadt erngeliefert.

Frankfurt a. M., 23. Mai. Der BezirkS-Eiseu- bahn rat hielt hier gestern eine Sitzung ab. Die Behänd- ung des Antrags Koch-Gießen betr. Errichtung einer Haltestelle der Main-Weser-Bahn im Norden Gießens wurde von der Direktion auf Grund der Ge- chäftSordnung, die Gegenstände lokaler Natur ausschließt,

Wächter zu stürzen. Tanach wurde er tobsüchtig, so daß ihm die Zwangsjacke angelegt wurde. In den letzten Tagen schien sich Bresci ganz geändert zu haben, sprach nicht mehr, und schien über einen traurigen Entschluß zu brüten. Vergangene Nacht riß er aus seinen Beinkleidern vier Streifen, verfertigte daraus ein Seil, dies befestigte er an die Tecke und hing sich daran auf. In die Gefängnis­wand ritzte er mit dem Fingernagel das WortRache" ein. Ter Minister des Innern sandte den Generalinspektor der Gefängnisse zur Feststellung der Umstände des Selbst­mordes nach Santa Stefano. Ebenso reiften dorthin von Neapel der Untersuchungsrichter und ein Amtsarzt ab. Ein Wächter will gesehen haben, wie Bresci mittels eines Handtuches an der 2 Meter über dem Boden befindlichen Gitterstange sich erhängte. Der Wärter sei sofort hinzugeeilt, habe ihn aber bereits sterbend vorgefunden. Bresci hatte jede Hoffnung auf den baldigen Ausbruch einer Revolution, die ihn befreien sollte, verloren. Er geriet in Verzweifel- ung, zumal er das Schweigegebot und die vollständige Isolierung, die sieben Jahre dauern sollten, nicht ertragen tonnte. Es ist noch nicht bekannt, welche Schuld die Ge- kängnisbeamten trifft, die einen Extrasold empfingen und oen Gefangenen nie außer Augen lassen durften.

Wien, 23. Mai. Im Polen kl u b provozierten die Demokraten angesichts der Delegationsverhandlungen eine Debatte über den Dreibund. Romanowitz meinte, man dürfte 'sich nur sehr kühl zum Dreibund stellen und die Verfolgungen der Polen in Preußen nicht mehr unerwähnt lassen. Todoszynski sagte, Goluchowsky möge sich mit der Mahnung, den Dreibund in der öffentlichen Meinung nicht zu untergraben, an Preußen wenden; Preußen dürfte nicht vergessen, daß im Ernstfälle mehrere hunderttausend polnische Soldaten aus Oesterreich und Preußen Schulter an Schulter kämpfen sollen und wenn Preußen so weiter fortfahre, dürfte es nicht genügen, daß man sie, wie 1870, mit polnischen Melodien in den Kampf werde führen wollen. Abg. Tanielak behauptet, daß die Allianz mit Preußen in der öffentlichen Meinung bei den Polen bereits gerichtet fei, und daß sich immer mehr slawische und panslawische Sympathien geltend machen. Kozlowski erklärte, auch er werde eine kühle Reserve beobachten; man dürfte jedoch nicht ganz dem Gefühle folgen und erwägen, ob den Lands­leuten in Preußen nicht geschadet werde; mit großer Energie müsse gegen die dem Völkerrechte hohnsprechenden Aus­weisungen protestiert werden.

Franzensbad, 23. Mai. Hier verlautet, die Königin Draga von Serbien werde sich auf ärztlich? Anordnung einer Franzensbader Moorkur zu unterziehen haben.

Johannesburg, 23. Mai. Reutermeldung. Der frühere Präsident Pretorius ist am 19. Mai in P-ot- schefshoom nach zweitägiger Krankheit gestorben. Heber 1000 Einwohner und Flüchtlinge nahmen an dem Be- Uräbnis teil.

108 993 04

13 001 57

95 991 47

90 241 54

104 150 66

13 909 12

90 241 64

Eine Nebenbahn haben genehmigt Sie wohl. Darob sind wir des Tankes voll.

Wir sollen nvn schauen eine Schmalspurbahn, Auf der kommt man billiger den Berg hinan. Da sagen wir Ihnen, Ihr hohen Herrn, Wir sehen für immer die T^rehscheib nicht gern. Möchten Sie doch, nochmals Kraft entfalten Und eine Vollbahn uns gestalten." (®ine hübsche, aber sehr staubige Fahrt durch Finkenbacherthal brachte die Herren in den Naturalisten nach! Hirschhorn, wo nach hübschem Empfang ein ausgezeich­netes Mittagsmahl, von launigen Reden und Konzert ge- Erzt, eingenommen wurde. Die Gesellschaft brach als­dann nach Neckarsteinach, auf, wo sie ebenfalls großartig empfangen wurde. Dann benutzten sie den weiteren Zug, um über Heidelberg nach Darmstadt abzureisen. Die be- ^sichtigte Bootfahrt auf dem Neckar mußte wegen der Windstille und des niedrigen Wasserftandes unterbleiben, doch wird der Ausflug allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Allseitig fiel es auf, da'ß an den meisten Plätzen, die man durchfuhr, weitere Wünsche nach Nebenbahnen und Kreisstraßen laut wurden.

Dieburg, 23. Mai. Eine wirklich originell-dreiste Gönnerschaft im Fahrkarten schwindel entwickelte in letzter Zeit ein etwa 30jähriger Fuhrknecht aus dem benachbarten bayerischen Grenzdorfe Wenig-Umstadt. Er wußte sich den Tienstanzug eines Lokomotivführers zu verschaffen und fuhr, also legitimiert, wiederholt ohne Bittet auf der Bahn. Als er gestern nachmittag in dieser Weise wieder mit dem Schnellzug 4.02 nach Darmstadt fahren wollte, erregte er Verdacht und wurde zur Vorlegung seiner Papiere aufgefordert. Der geriebene Bursche legte dann auch ein ganz regelrecht abgefaßtes selbstgefertigtes Anstell­ungs-Dekret als Lokomotivführer auf der Strecke Homburg- Usingen vor, dem aber der behördliche Stempel fehlte. Der Schlaue sah sich entlarvt und entfloh eilig nach Alt- Heim zu. Das dortige Bahnpersonal wurde sofort tele­graphisch benachrichtigt und ein Bahnwärter in Begleitung oes Polizeidieners, Beide zu Rad, machten sich schleunigst an die Verfolgunng des Signalisierten. Sie trafen ihn bei Gastwirt Heil gerade noch rechtzeitig in dem Augen­blicke an, als er den Wagen des Wirtes besteigen wollte, um ich von demselben als wohlbestallter preußisch-hessischer Lokomotivführer nach Schafheim fahren zu lassen. Er wurde natürlich zurückgehalten und von dem mittlerweile aus

.. Das Oktroi'Einkommen der Stadt

Gießen: in 1900/01 Mk. Pfg.

In 1899/1900 Mk. Pfg.

i. Von

Schlachtvieh 35 525 98

36 884 63

2.

Fleisch und Wildpret 5 996 61

6 475 88

s.

Brennmaterialien 29 625 90

32 678 74

4-

Mehl und Früchten 4 520 04

5 126 15

5- ,

Getränken 28 482 13

27 827 64

Im Ganzen 104 150 66

108 993 04

Im 1899/1900

104 150 66

Mithin in 190i /01 mehr

4 842 38

B.

Die Rückvergütungen betragen:

1. Für Schlachtvieh und Fleisch { "

861 54

2.

Brennmaterialien 1 180 27

608 98

3. ,

Mehl und Früchte H 2 550 47

2 553 06

©etränle { 6 J

6 366 22

r. ,

An das Militär 2 850 44

2 611 82

Im Ganzen 18 909 12

13 001 57

In 1899/1900

13 909 12

Mithin in 1900/01 weniger

907 55

C. Abschluß.

Daher in 1900/01 mehr 5 749 98

* Durchgehendes Pferd. Am Mittwoch ging einem Kutscher, der Mineralwasser geladen hatte, in den Neuen Bäuen das Pferd durch und kam zu Fall, wobei die Scheere brach. Ein größeres Unglück hätte leicht passieren können, wenn nicht sofort Borübergehende hinzu geeilt wären.

-a- Saasen, 23. Mai. Bezugnehmend auf eine kürzliche Rotiz über die Haltestelle Wetterfeld, die mit dem etwa 10 Minuten abgelegenen Dorfe durch eine Straße ver­bunden wurde, machen wir an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam, daß es auch im Interesse der hiesigen Haltestelle und unseres Dorfes gelegen wäre, wenn von hier nach der Gtaatsstraße in direkter Richtung nach Harbach ein chauffierter Sßcg angelegt würde, zumal der bereits vorhandene Feldweg »ber sehr nasses Gelände führt, sodaß Reiselustige nicht selten abgehalten werden, die hiesige Haltestelle zu benutzen.

a. Allendorf a. d. L, 22. Mai. Da die Arbeiten an der neuen Bahnstrecke Londorf Lollar infolge der mrVn cjalnteifröJte Jc^r gehindert und durch die bedeutenden Niederschläge teilweise beschädigt wurden, so dürfte die ur­sprünglich im Herbst beabsichtigte Eröffnung der Bahn nicht vor dem 1. Januar 1902 erfolgen.

Ä N deute im Darmstädter

Spielhaus stattgehabte Earl Friedberg-Abend hatte sich eines verhältnismäßig guten Besuches zu erfreuen, cmch ber Großherzog war (ganz ohne Gefolge) anwesend. F. spielte Improvisationen über Gedichte von öeme und Holz- «mer, und daraus eine Etüde und eine Ballade von (Stjopin. Morgen findet im Spielhause großes Sinfonie Konzert statt. Die ausgezeichneten Garten-Konzerte der KapelleStix"

beanstandet. Der Antragsteller ließ es im Interesse der Sache auf eine Abstimmung hierüber nicht ankommen und zog den Antrag zurück. Nach Beendigung der Tages­ordnung nahm er Veranlassung, mit dem Präsidenten diese Angelegenheit zu besprechen, der seine Geneigtheit zu erkennen ab, wegen Errichtung dieser Haltestelle nochmals in Ber- , and langen etnzutreten. Hiermit ist dasselbe erreicht, was eine günstige Abstimmung im Bezirks-Eisenbahnrat hätte erzielen können. Vom Präsidenten des Finanzministeriums, Gnauth, lag der Direktion eine telegraphische Zustimmungs­erklärung zu diesem Anträge, der sein letztes Schmerzenskind betraf, vor.

Der von Kommerzienrat Koch gemeinsam müden Herren Friedr. von Schenk-ArnSberg und Wüstefeld-Münden gestellte Antrag, betr. Ermäßigung der Lagerplatzmieten ür Mafsenprodukte wurde nach längerer Debatte dem Ausschüsse überwiesen, und wird in der November-Sitzung zur Erledigung kommen. Der Antragsteller beschwerte sich speziell über die auf den Oberheffifchen Stationen in jüngster Zeit stattgefundene Erhöhung dieser Mieten um über 50 Pro zent. Es dienen gerade diese vorzugsweise der Ansammlung von Holz, welches meist in Kleinfuhren zur Bildung eines Doppelladers herangebracht werden müße. Zugleich sei in diesen Lagerplätzen auch eine BerkehrSerleichterung für die Stationen selbst zu erblicken, indem dieselben sehr häufig bei geschehener Anfuhr es an der rechtzeitigen Gestellung der Wagen fehlen ließen. Die Erhöhung sei zumal in Anbe­

tracht der geringwertigen Produkte, um welche eS sich handle, nicht zu rechtfertigen. Die Direktion gab Herrn Komerzienrat die Erklärung ab, daß sie betr. der Oberheffifchen Stationen alsbald, nach Einbringen des vorliegenden Antrags die Er­höhungen zurückgezogen habe.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstantt«. Der Schutzmann Zesch in Wiesbaden ist wegen des gegen chn eingeleiteten Meineidsverfahrens auf Veranlassung des Regierungspräsidenten vom Dienst suspendiert worden. Im sränklschen Dorfe Gersbach wurde die 82 Jahre alte Ehe­frau des Landwirts Güllich von einer scheu gewordenen Kuh mit den Hörnern buchstäblich aufgespießt, sodaß der Magen und die Gedärme hervortraten. Nach einigen Stunden qual­vollen Leidens erlag die Greisin ihren gräßlichen Verletzungen.

Vermischtes.

* Hebet die Vorgänge beim Rücktritt Dr. o. Miquels, insbesondere bei dem Besuche deS Herrn v. WilmowSki werden in der liberalen Presse allerlei Ge­schichten erzählt, die beweisen sollen, daß Herr v. Miquel durch seine Verabschiedung ganz überrascht und erschüttert worden sei. Er soll bei der Mitteilung deS Herrn v. Wil­mowSki nicht nur auf den Stuhl gesunken, sondern sogar in Thränen auSgebrochen sein. Die Post erklärt diese Erzählungen für Legenden, lächerliche Behauptungen und dümmste Schwin- deleien und versichert, sie wisse bestimmt, daß niemand mehr erstaunt und entrüstet über diese und andere auf freier Et- findung beruhende Behauptungen über seinen Besuch bei Herrn v. Miquel sei, als gerade der Chef der Reichskanzlei. TS handele sich bei den in der linksliberalen Presse beliebten Darstellungen jenes Vorganges nicht um auf tatsächlichen Unterlagen beruhende Angaben, sondern um die Absicht einer Legendenbildung zu dem Zwecke, Herrn v. Miquel noch bei seinem Scheiden etwas anzuhängen, wie in der Fabel der Esel dem toten Löweu.

* Heber den angeblichen Eigarrenschmuggel, in den der Name des neuen deutschen Generalkonsuls von Haxthausen in Marschau verwickelt wurde, wird von frort geschrieben:Der polnischeWarszawSki Kurjer" wußte kürzlich zu berichten, daß in dem UmzugSgut des General­konsuls sich 12 000 Cigarren vorgefunden hätten, die somit also zollfrei eingeführt werden sollten, und daß die Strafe für Zollunterschlagung in diesem Falle also 4000 Rubel be­tragen hätte. Es ist erfreulich, daß der Vorstand deS War» schauer Zollamts selbst sich beeilt hat, in dem halbamtlichen russischenWarszawski Dnewnik" den wahren Sachverhalt aufzuklären. Er schreibt:In dem aus Berlin mit Nm- zugSgut eingetroffenen Möbelwagen für beX deutschen Gene- ralkonsul in Warschau, Herrn von Haxthausen, wurde, nach­dem die Güter aus dem Wagen im Zollamt auSgeladen worden waren, entdeckt, daß sich dort auch 4500 Cigarren befanden im Werte von 450 Rubel. (Eine sofort angestellte Untersuchung ergab, daß diese Cigarren in den Wagen hinein- gelegt worden waren, um sie zollfrei nach Warschau einzuführen, und zwar von einem der Packer der Firma Gustav Knauer in Berlin, der die Sendung nach Warschau begleitete. Der Packer hat auch sofort ein reumütiges Geständnis abgelegt, war aber nicht in der Lage, die Zollsumme im Betrage von 900 Rubel (doppelter Wert des unterschlagenen Zollgutes) zu entrichten, und infolgedessen wurde einstweilen der Wagen elbst mit Beschlag belegt und in Warschau zurückbehalten." Dieser Sachverhalt erklärt zur Genüge, daß Generalkonsul von Haxthausen persönlich mit der Angelegenheit gar nichts zu thun hat, und von dem polnischen BlatteWarszawSki Kurjer" ganz unbegründeter Weise hineingezogen worden ist.

* Tie Tragödie eines angeblichen beut» chen Offiziers. Eine hochromantische Geschichte er» »ählt derNewyorker Herald" (Pariser Ausgabe) von einem ireußischen Offizier, der nach 45 Jahren des Exils in wenig Tagen hier in seiner Heimat wieder eintreffen soll, um ich bei seinem alten Regiment vorzustellen und später vom Kaiser in Gnaden empfangen zu werden. Ter Warne des vielgewanderten einstigen Leutnants beim 4. Ulanen» Regiment ist Graf Edmund von Larisch. Er war im Jahre 18Z6 in Salzwedel garnifoniert, damals 22 Jahre alt, und >er schmucksten und schneidigsten Offiziere einer. Eine leidenschaftliche Neigung hatte ihn immer dem ge­nannten Blatt zufolge für die schöne Gräfin von Arnim- Boytzenburg ergriffen. Aber auch sein Vorgesetzter, Graf von Ponitza, ein Offizier polnischer Abkunft, war von hef­tiger Liebe für die gleiche Dame entbrannt. Diese Ri­valität führte zu schweren persönlichen Konflikten zwischen )en beiden Offizieren, die zuletzt ein erbittertes Ren- kontre im Kasino fcur Folge hatten. Am selben Tage, es war am 22. Mai 1856, also genau vor 45 Jahren, gerieten )ie Nebenbuhler bei der Regimentsparade an einander. Major von Ponitza nahm Gelegenheit, seinen Untergebenen in Gegenwart des Regiments auf das tiefste zu demütigen. Graf Larisch, in blindem Zorne über diese Kränkung, schleu- >erte seinem Vorgesetzten den Handschuh ins Gesicht. Ter Major, in Erwiderung, zog seinen Säbel und hieb dem Leutnant damit quer über das Gesicht. Graf Larisch zog nun seinerseits blank, ein kurzes Gefecht folgte, Graf Ponitza sank mit durchbohrter Brust tot vom Pferde. In )cr allgemeinen Aufregung gelang es Graf Larisch, zu ent­kommen. Er fand zunächst Aufnahme bei einer befreun- biteu Familie in der Nähe von Salzwedel und wandte sich von dort nach Calais und segelte später nach Amerika. Tort hat er die buntesten Schicksale erlebt. Unter einem Mädchennamen trat er im Sezessionskriege in die Armee ein und zeichnete sich vielfach aus. Als Kapitän im 2. Louisiana-Rifles-Regimen t wurde er in der Schlacht bet Tonnelsonville im Juli 1863 schwer verwundet.

* Würzburg, 23. Mai. Beim Spielen mit einem Revolver hat im Hügel'schen Bad der Realschüler Happt den Sohn des Postoffizials Mahr erschossen.

* Straßburg, 23. Mai. In verschiedenen Gegenden des Ober Elsaß, in Altkirch, in der Umgebung von Mül­hausen, in Landser, Blotzheim, Niederhagenthal, Kembs uod anderen Orten wurde gestern früh 8 Uhr ein Erdbeben verspürt.

Amsterdam, 23. Mai. Nach einer amtlichen Mel­dung aus Batavia von heute gingen bei dem Ans brach des Vulkans Kelut heftige Aschenregen über den sechs