Ausgabe 
25.5.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1 40, i.5q

170

ettbtg#

ZeAavd.

Nr. 121 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Samstag 25. Mai 1001

"täglich mH SsUeä&Rt WC Montag».

SMe ftmtliei-

Kautt »ttltn dem Hn« ^-Vri»rS<cht«<mitHeff 2Wr*6 ^Blätter Ml tzaE♦fWinile* »kr- »al »Bch-nUich bdykgl.

*a»*.«.94 |6r ben «» erlch«tnr»beu **. wne 10 Uhr ä«m<» hfäteRinl

RMNa, und

®att6w<S: T.

smwTO^ann

GietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger v "*s*7

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

veznyspretr oifrkifM* Mk. 2 -U, monoil. 7v Pt», mit Bringerlohn; durch le Abholcstellen viericiiVh^t. Mk. l.SO, monatl. 65 PjA

Cd Postbezug Vierteljahr Mk. 2.00 ohne BesteSOM

Alle Brrmittlue*

b<« §tu uni VuOkmAM nehmen vnjeiacu für Ne tefreiter K»ize<tzer tntweb Zeilenyreio lokal 11 WM» uiwirte X) Ptg.

«dreffe für DepelchE Anzeiger Gietze».

Fernsprechanfchluh IHM.

vlgtzp

^totrasse 5.

W^TLL DLIL ^'9 iu öermieten.

-__3«r Ltadt Ach.

S®°6«""9ju öermieten. E^___«eueuwtgro. N'Ljimmn-Loh^ung ml jjv tt-or zu vem Wesertzr,, Familienloüis ju oer-

MuSbvr-11 inblmöbl. dimmet o.l Sjnol Mubenn, SMMützr rz, ibl. 8limn mit Rabtreti jo> M vermieten. SbnMe 1. TlaiiiF

Selierslve^, Laben, Jtorw, mmer und 5 Mansal-emdm, sofort ober später ii'ttmiden, it. zu verkaufen. Whmtz

Semttvl- 71, I.

rine Wohnung i 4 biS 6 ßimmtr uoifaffend, aHtm Zubehör, lvird zu

n acjuit. Anerbieten mit tangabe u Nr. 8881 find A WWk VÖVV^

"«

10081 ff'

llchtiger Ss>M d dauemde Beschäftigung^ «ebaFstaeckt, Echan,eK MMch gesucht«

-T^uTTeigiHe®

isdlll W sofort Mcht.

Ätttrowte?*!-

.ftx inchlt

oigelM^ **

»AR

K-KUr

SKS» Ä?"

SgSgt

-ld) it

Graf Goluchowski über die Politische Lage.

In den im Frühjahr regelmäßig stattfindenden De­legationen hat Graf Goluchowski, der österreich-ungarische Minister des Aeußeren am Mittwoch die Unerschütterlich- feit des Dreibundes betont; er hob aber auch noch hervor, daß alle Ausstreuungen, etwaige wirtschaftliche Kämpfe der Treibundstaaten untereinander würden die politische Allianz bedrohen, unrichtig seien. Graf Goluchowski sieht die gegenwärtige Situation nicht allzu rosig an, er warnt vor aller Schönfärberei und läßt es dahingestellt sein, ob die Dinge in Europa auch in Zukunft einen ruhigen Verlauf nehmen. Der Minister hat dabei hauptsächlich die Balkanhalbinsel im Auge, Ivo ja Oesterreich-Ungarn im hohen Grade interessiert ist. Was er mit den Worten sagen will, daß im nächsten Orient selbst das glücklich bestehende Einvernehmen Oesterreich-Ungarns mit Rußland nicht immer wirksam aufzutreten vermöge, ist im ersten Augen­blick nicht recht verständlich, aber der Graf wollte wohl damit andeuten, daß Rußland mehr als billig aus dem Balkan Sonderinteressen verfolge, die es verhinderten, seinen vollen Einfluß gegen Machenschaften auszuüben, die auf eine Veränderung des status qua hinauslaufen, und es klingt fast wie eine Drohung, wenn Goluchowski erklärt, Oesterreich-Ungarn könne Anschläge gegen die bestehende politische Ordnung oder Verschiebungen nicht zugeben. Der Form nach mögen diese Warnungen ja zunächst nach Sofia gerichtet sein. Also auch die europäischen Kabinette schreiben die Beunruhigung auf der Balkanhalbinsel dem Umstande zu, daß die bulgarische Regierung der mazedo­nischen Bewegung nicht energisch genug entgegentritt, sie vielleicht gar noch im Geheimen schürt. Es wird der Zeit­punkt kommen, wo die bulgarischen Staatsmänner mit Schrecken sehen werden, daß sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden können. Vor diesem Zeitpunkt will jedenfalls Graf Goluchowski den Fürsten Ferdinand warnen, denn niemand weiß im Voraus zu sagen, ob nicht eine Aufrollung der mazedonischen Frage verhängnisvolle Folgen für ganz Europa mit sich bringt. Hoffentlich nützt die Warnung, die von Wien aus gen Sofia ergangen ist, ebenso toie die vor einigen Jahren an Serbien gerichtete. Auch die Serben hatten damals begonnen, unklug zu han­deln und den Frieden aufs Spiel zu setzen; glücklicher­weise besannen sie sich- noch im letzten Augenblick eines Besseren. Alles in allem genommen, kann man aus den Worten Goluchowskis den Schluß ziehn, daß zwar heute noch die Lage ruhig und friedlich ist, daß aber Ueberraschungen nicht ausgeschlossen sind, und jeder gut thue, sich diesen Ueberraschungen gegenüber zu wappnen.

e

Unser Berliner Mitarbeiter schreibt unterm 23. Mai: Tie hochpolitische Rede des österreich-ungarischen M i - nisters des Auswärtigen hat in den hiesigen Re- -ierungskreisen, wie bei der öffentlichen Meinung einen günfligcn Eindruck erzielt. Aucb in formeller Hinsicht zollt man dem Bortrage Anerkennung. Man findet, daß die geschickte diplomatische Diktion an die des Grafen Bülow erinnert. Materiell steht naturgemäß im Mittelpunkte des Interesses der auf den Dreibund bezügliche Redeabschnitt. Wirkt auch die Versicherung des Grafen Goluchowski, daß «lle Gerüchte von der Erschütterung des Dreibundes aus der Luft gegriffen seien, nicht gerade mit der Vollkraft der Ueberraschung, so erregt doch die Schärfe und Präg­nanz dieses Dementis Aufsehen, insbesondere die aus­drückliche Betonung, daß das politische Bündnis über wirt­schaftlichen Meinungsverschiedenheiten (Handelsverträge) nicht in die Brüche gehen werde. Die Bezugnahme auf die extrem-agrarischen Zollkriegsneigungen ist unverkennbar. Ueberhaupt hat die Rede einem Scheinwerfer gleich die Situation beleuchtet. Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich die italienische, russische und französische Presse über die Angelegenheit äußert.

Die Lage in China.

Wie dieD. W." aus guter Quelle erfährt, hat der unlängst in Urvöle stattgehabte Vortrag des Grafen Bülow beim Kaiser nicht nur, wie wir bereits berichteten, die Zurück­ziehung eines Teils, der Landtruppen in China, sondern auch) die R ü ckb eord er u n g der dort befindlichen Schlachtschiffe zum Zweck gehabt. Falls nicht unvorher­gesehene Ereignisse eintreten und eine Mänderung des Beschlusses nötig wird, ist die Rückkehr der Linienschiffe Kurfürst Friedrich Wilhelm",Brandenburg",Weißen­burg" undWörth" in die £>eimat schon in nächster Zu­kunft zu erwarten. An eine Schwächung unseres ostasiatischen Kreuzergeschwaders ist freilich auf lange hinaus kaum zu denken, und die Flotte der Flußkanonenboote und der für die Flüsse armierten Fahrzeuge wird eher verstärkt als vermindert werden.

Graf Wal der fee meldet aus Peking vom 22. d. M.: -Lordwestlich Wan, 28 Kilometer von Paotingfu, fanden «'eitere Zusammenstöße von Teilen des Bataillons Wichura mit zersprengten Boxer-Abteilungen statt. Die feindlichen Verluste betragen 110, die eigenen 2 Verwundete.

Im englischen Unterhaus erwiderte der Staats­sekretär für Indien auf eine Anfrage, betr. Verleihung einer internationalen Dekoration an die Truppen ver- sühiedener Länder, die an den Operationen in China teil- Aenommen haben, die Sache werde erwogen, sei aber noch «richt soweit vorgeschritten, daß er darüber eine Erklärung ergeben könne.

Politische Tagesschau.

Daß Abdul Hamid bei dem Rechtsbruch, den er in Sachen des internationalen PostdieupeS den Mächten gegen über verschuldete, so glimpflich davongekommen ist, hat er Deutschland zu danken. DieKöln. Zig." stellt, ersichtlich offiziös, fest, daß der freundschaftliche Rat Deutschlands den Sultan zur PreiSgave seiner Buffaffung bewog, die ihm schwere Demütigungen hätte einbriugen müßen. Man geht wohl kaum fehl in der Annahme, daß der deutsche Botschafter am Goldenen Horn, Frhr. v. Marschall, dem der Sultan sein besonderes Bertrauen zuwendet, hier erfolgreich sich ins Mittel legte. Ts war ein Liebesdienst, denn Deutschland hat niemals das Bedürfnis empfunden, eine leitende Rolle am Bosporus zu spielen. Eine Liebe bleibt gleichwohl der anderen wert, noblesse oblige. Abdul Hamid könnte jetzt recht wohl Anlaß nehmen, die KonzesfionS Erteilung für den Bau der Bagdad-Bahn, auf die bekanntlich ein deutsches Unternehmer-Konsortium seit geraumer Zeit wartet, zu er­teilen. Ein stichhaltiger Grund für die Verzögerung ist ohne- din nicht zu ersehen.

Deutsches Ueich.

Berlin, 28. Mai. Der Kaiser schenkte dem Chef der Firma Schichau, Geh. Kommerzienrat Ziese, der gestern nach Prökelwitz zur kaiserlichen Tafel geladen war, zwei große Bilder mit eigenhändiger Unterschrift. Der Kaiser hat die Weisung gegeben, daß die Bilder in den Arbeiterspeise- sälen der Schichauwerke in Elbing und Danzig aufgehängt werden.

Entgegen dem ursprünglichen Plane werden der Kaiser und das sächsischeKönigSpaar dem am 6. Juni in Danzig stattfindenden Stapellaufe des SchlachtschiffesD" nicht persönlich beiwohnen, vielmehr wird Prinz Johann Georg von Sachsen als Vertreter des Königs Albert den Taufakt vollziehen.

Staatsminister Dr. v. M i q u e l ist gestern zu zwei­wöchigem Aufenthalte in Zeffel, Kreis Oels, eingetroffen. Er geht dann nach Berlin zurück, wo er zu einer Privat- audienz beim Kaiser befohlen ist, und fiedelt Anfang Juni nach Frankfurt über.

Wie ein Berichterstatter mitteilt, sollen Vorkehrungen getroffen werden, damit die unkontrollierte Wieder­gabe kaiserlicher Reden in der Preffe möglichst ver mieden werde. Diese Vorkehrungen sollen schon bei der Enthüllung deS Nationaldenkmals für den Fürsten Bismarck Platz greifen. Inwieweit dieses letztere richtig sei, wiffen wir nicht. Bisher war nur bekannt, daß bei dieser Ent hüllung im Namen des Komitees der Abg. Dr. v. Levetzow und im Namen des Reichs der Reichskanzler sprechen werde.

General Bonn al, Direktor der französischen Kriegs- Akademie zu Paris, der militärwiffenschaftlich gebildeten Welt der europäischen Heere als hervorragender Militär-Schrift­steller bekannt, trifft am Pfingstsonntag, vom Kaiser zur Truppenschau eingeladen, in Berlin ein und steigt als Gast des Kaisers im Hotel Bristol ab. In seiner Begleitung befindet sich der Oberstleutnant Gallet, Attachee des Kriegs- Ministers Andree. Als eine weitere Etappe in der Besftrung unserer Beziehungen zum französischen Nachbarstaat darf dieser Besuch wohl allgemeine Beachtung beanspruchen. General Bonnal, in der Militärschule St. Cyr ausgebildet Diente zuerst in Afrika, wurde 1870 schwer blessiert, war 1880 Direktor der Ecole gymnastique in Joinv.lle le-Poni, 1885 Organisator der anamitischen Armee in Tonkin (Ost- Indien), später Professor der Taktik, Strategie und Kriegs­geschichte an der Kriegs-Akademie zu Paris, 1899 Brigade- Kommandeur. Durch die Heirat seinem Bruders, früheren Gouverneurs von Tonkin, mit der Freiin von Steinaecker, einer Enkeltochter mütterlicherseits des 1859 verstorbenen Königlich preußischen Generalleutnants Karl von Bagensky und väterlicherseits des Generals Baron von Steinaecker, früheren Kommandanten von Kolberg, steht der General Bonnal mit hochgeachteten alten preußischen Soldatenfamilien in verwandtschaftlicher Beziehung. Wir heißen diesen her­vorragenden Gast unseres Kaisers sowie seinen Begleiter, den Herrn Oberstleutnant Gallet, freundlich und herzlich willkommen.

Der Bundesrat überwies in feiner heutigen Sitzung den Antrag Bayerns, betreffend die Anerkennung der Reifezeugnisse der bayerischen Industrieschulen als vollgiltige ÄorbildungSnachweise für die Zulaffung zur Prüfung der Nahrungsmittel Chemiker, den zuständigen Ausschüssen. Der Gesetzentwurf, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen, wurde in der vom Reichstage beschlossenen Faffung angenommen. Dem AuS- schußantrag, betreffend die Rückvergütung der Brau steuer bei der Ausfuhr von Bier, wurde die Zustimmung erteilt; ebenso dem Ausschußantrag zur Vorlage vom 14. Dezember v. I., betreffend die Approbation als Arzt, und den Aus­schußberichten über die Vorlage, betreffend den Entwurf eines Nachtrages zu bem Vertrag über die Einrichtung und die

Unterst cktung von Postdampfer Verbindungen mit Afrika vom 21./9. Juli 1900, und über die Vorlage, betreffend den Bezug von Unfallrenten durch Hinterbliebene eines Aus­länders in ausländischen Grenzbezirken.

Auf Anregung der Deutschen Kolonial-Gesellschast ist die Ausführung von Eingeborenen sämtlicher deutscher Schutzgebiete zu SchuustellungSzwecken uutcrsagt worden.

Wie wir hören, beabsichtigt die Regierung, die Zu» laffungl der Realgymnasial. Abiturienten auch zu« Studium der Rechte durchzuführen.

In Düsseldorf fand gestern eine Versammlung der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl * Industrieller statt, in der einstimmig be- schloffen wurde, den Bundesrat zu ersuchen, er möge der vom Reichstage angenommenen Abänderung des Gewerbegerichls- gesetzes die Genehmigung versagen.

Die gesamte Besatzung der Kaiseryacht Hohenzollern, vom Obermaat abwärts, wurde auf Be­fehl des Kaisers gestern mit Stroh hüten, nach englischem Muster geformt, versehen.

Unter Vorsitz des Unterstaatssekretärs Fleck bat sich gestern der Landescisenbahnrat konstituiert. Die Vor­lagen des Ministeriums wurden ohne Debatte dem ständige« Ausschuß zur Vorberatung überwiesen.

Der elsaß-lothringische LandeSauSschnß hat nach längerer Debatte eine Resolution angenommen, iw der ein ausreichender Zollschutz für dieLandwirt- schäft bei den abzuschließenden Handelsverträgen verlangt wird.

Greifswald, 23. Mai. Nach den bis jetzt vor­liegenden Feststellungen wurden bei der am Dienstag er» folgten Reichstags-Ersatz wähl im Wahlkreise Greifswald-Grimmen abgegeben für v. Behr (kvns.) 7304, Gothein (freis. Ver.) 6019 und für Knappe (Sozialdemokrat) 1830 Stimmen.

Bremen, 23. Mai. Gegenüber der Behauptung des Generals Spitz erklärt dieWeserzeitung", es sei als gänzlich bedeutungslos unerwähnt geblieben, daß, das Wei la nd- sche Eis en stück nach dem Kaiser noch einen Herrn auL dem Publikum getroffen habe. Dieser habe keine Kontusion, nicht einmal einen blauen Fleck davongetragen. Auch nach­dem er vom Attentat erfahren, habe er den Zusammenhang mit dem ihn treffenden leichten Wurf nicht geahnt.

Wiesbaden, 23. Mai. Gegenüber verschiedenen sen­sationellen und unrichtigen Meldungen wird festgestellt- Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar hat sich ant 10. Oktober v. Js. mit der verwitweten Frau Gräfin. Lucchesini geb. Brvckmüller in London trauen lassen. Prinz Bernhard hat freiwillig Verzicht auf seine fürstlichen Titel­geleistet und der Großherzog von Sachsen hat in feiner Eigenschaft als Chef des weimarischen Hauses Prinz Bern- hard und der Gräfin Lucchesini Rang und Titel eine& Grafen und Gräfin von Crayenberg verliehen. DaS- gräfliche Paar plant für die nächsten Monate einen Aufent­halt an der See und wird später seinen dauernden Wohn- sitz in Deutschland nehmen.

Ausland.

Stockholm, 23. Mai. Ter Reichstag nahm endgiltig einen Gesetzentwurf an, nach welchem das alte System der nationalen Verteidigung nach 6 Jahren ab* läuft, und ein neues auf die Tienstpflicht begründetes System eingeführt wird; und zwar soll danach in Friedens­zeiten die Tienstpflicht bei der Infanterie und dem Trairr 240 Tage, bei der Artillerie und der Kavallerie 365 Tage und bei der Marine 300 Tage betragen.

London, 23. Mai. Im Unterhaus erklärt auf eine Anfrage bezüglich des Baues schneller Kreuzer durch Ruß­land und Frautreich der Zivil-Lord der Admiralität Prety- man, daß die Admiralität nach genauer Prüfung dieser Schiffe beschlossen habe, schnelle Kreuzer^ nach dem Mon- mouth-Typ zu bauen. Mmr glaube, daß dieselben den in sie gesetzten Erwartungen entsprechen würden.

Paris, 23. Mai. Eine Lex Heinze-Debatte entspann sich heute in der Teputiertenkammer. Bernard (Nationalist) brachte einen Antrag auf Abschaffung derTheater- zensur ein, und führte aus, es würden oft Theaterstücke verboten, die nichts Umstürzlerisches oder Anstößiges ent­hielten, während der Vortrag obscöner Lieder geduldet werde. Bernard verlangt die Dringlichkeit für seinen An­trag. Unterrichtsminister Leygues erklärt, er sei zwar eben­falls für Abschaffung der Tl)eaterzensur, meine aber, datz die Sache nicht eilig sei, und beantrage deshalb Ablehnung der verlangten Dringlichkeit. Das Haus lehnt die von Ber­nard beantragte Dringlichkeit ab.

Tie russische Anleihe ist stark überzeichnet wor­den. Von den nicht voll eingezahlten Stücken werde«, nur 10 Prozent, von den voll eingezahlten 50 Prozent, zugeteilt.

Rom, 23. Mai. Heber den Selbstmord B r e s c i s wird gemeldet: Bresci war seit seinem Strafantritt trübe gestimmt, sprach jedoch sehr gerne. Als ihm ©^^meige»L anbefohlen wurde, erwiderte er:Sie werden sehen, daß mein Tag nicht mehr fern ist, und Sie werden dann be­dauern, mich so behandelt zu haben." In den ersten Tagen der Vergangenen Woche versuchte Brescr sich auf einem