stellten den Laden, während ein Teil von ihnen eindrang und Lahr erschoß. Seine Leiche warfen sie später in den Hua-Ho; da der Fluß in der jetzigen Jahreszeit sehr reißend ist, ist es unwahrscheinlich, daß sie je ausgcfunden wird. Die Hauptthäter sind dem Namen nach bekannt; vier an dem Dt-orde beteiligte Individuen sind bereits eingeliesert und werden demnächst hingerichtet. Es handelt sich um Mitglieder einer organisierten, berittenen und mit moderner: Feuerwaffen versehenen Räubergesellschast, die sich auf chinesisch „Pao-hsien-tu-fei", d. h. „Assekuranz-Räuber", nennen, womit gesagt sein soll, daß man sich gegen sie durch Zahlung von Prämien versichern kann. Diese Banden üben eine große Macht aus; sie terrorisieren die Bevölkerung derart, daß kein Mensch wagen würde, freiwillig gegen sie auszusagen oder sie zur Anzeige zu bringen. Auch in diesem Falle war aus den Dorfältesten von San-C Ehia-tien und den benachbarten Ortschaften, die zweifellos jedes Mitglied der Gesellschaft mit Namen kannten, nur mit vieler Mühe und nur gegen die Zusicherung, daß die „großen Soldaten" zu ihrem Schutze entsendet würden, eine Aussage zu erlangen. Selbstverständlich hatte es auch keiner von ihnen gewagt, an jenem Tage, als Lahr von den । Räubern in das Dorf verfolgt wurde, dem Europäer zu Hilfe zu kommen; um nicht Zeuge zu sein, schlossen sie sich alle, vom Bürgermeister bis zum Straßenküli, schleunigst in ihre Häuser ein und verriegelten die Thüren."
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 23. Oktober 1901.
* * Theaterverein. Die gestrige Notiz, betr. das Gastspiel von Karl William Büller am Mittwoch dem 13. November, enthält einen entstellenden Druckfehler: das Gastspiel fällt in die zweite, nicht in die 26. Vorstellung. Die Abonnenten des Theatervereins seien bei dieser Gelegen- cheit nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Karten bei Herrn Challier abgeholt werden müssen.
* * Eine weitere Verbreiterung des Seltersweges und da- .mit eine endgiltige Regelung der Baufluchtlinie dieser Straße zwischen Maigasse und Goethestraße steht im kommenden Jahre, falls die Stadt ihre Einwilligung dazu giebt, bevor. Wir erfahren, daß der Inhaber der Adler-Drogerie, Otto Schaaf, beabsichtigt, das Parterre seines Hauses, also sein Geschästslokäl, umzubauen, und plant, hierbei den Vorsprung seines Hauses, wenigstens im unteren Stock, zurückzubauen. Es bleiben dann auf dieser Seite der Straße nur noch die Lampus'sche und Leo'sche Besitzung übrig, die zwischen Selters- thor und Maigafse über die Baufluchtlinie, und zwar recht störend, hervorstehen.
* * Die sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. David, Haas und Ullrich haben in der zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Die Kammer wolle beschließen, die großh. Regierung zu ersuchen, zur Linderung der überall sich fühlbar machenden Arbeitslosigkeit alle irgendwie in Frage kommenden Staatsarbeiten in beschleunigter Weise in Angriff nehmen und eventuell der Kammer eine Vorlage über Notstandsarbeiten zugehen zu lassen.
* * Warnung. Neuerdings hat sich ein in Aquidanana ^Matto Grosso) in Brasllien als Auswandetungsagent thätiger Carlos Rottender g er unter verlockenden Vor- fpiegelungen an auswanderungslustige Personen in Deutschland gewandt, um sie zur Auswanderung nach Brasilien zu bestimmen. Vor einer derartigen Auswanderung kann nur gewarnt werden, weil die gemachten Anerbietungen nur mit größter Vorsicht aufzunehmen sind.
* * Militärdienstzeit und Kommunalwahlrecht. Verschiedenen aufgetauchten Unklarheiten und Irrtümern zu begegnen, sei darauf verwiesen, daß die Militärdienstzeit in Bezug auf die Ausübung des Wahlrechts so gut wie nicht vorhanden betrachtet wird. Durch sie können weder Rechte als Kommunalwähler verloren noch erworben werden. Wer also z. B. vor seiner Mllitärzeit ein Jähr in Gießen wohnte, erwirbt den Unterstützungswohnsitz bei Rückkehr nach beendeter Dienstzeit schon nach einem Jahr. Der Verlust des Unterstützungswohnsitzes, der nach zweijähriger Abwesenheit eintritt, tritt nicht durch die Ableistung der Militärdienstzeit ein. Was also aus diesen Gründen nicht Aufnahme in der Wählerliste gesunden hat, beantrage seine Aufnahme in dieselbe.
* * Gewerbeinfpeklion. Die für die diesjährigen Jahresberichte der Gewerbeinspektionen zu veranstaltenden Erhebungen
sollen im laufenden Jahre für die Gewerbeinspektionsbezrrke in gleicher Weise wie in den Vorjahren vorgenommen und derart bewirkt werden, daß für jeden Gewerbetricb von dem Gewerbeunternehmer selbst ein besonderer Fragebogen ausgefüllt wird. Gleichzeitig mit diesen Erhebungen soll eine Revision bezüglich der Arbeitsbücher, Anmeldungen der jugendlichen Arbeiter, Arbeitszeit, Plakate und Listen der jugendlichen Arbeiter u. s. w. ausgeführt werden. Die Ausnahm en sollen bis zum 1. November nächsthin vollendlt sein.
§ Münzenberg, 22. Oft. Unser landwirtschaftlicher Kreditverein, G m. u. H., hat auch im abgelaufenen Rechnungsjahre gute Fortschritte gemacht und segensreich gewirkt. Es betrugen zu Beginn des neuen Etats die Aktiva 56 677 Mk. 41 Pf., die Passiva 55 976 Mk. 85 Pf. und der Reingewinn aus 1900 über 700 Mk. Den verbrieften Darlehensausständen mit rund 29 119 Mk. und den Käuf- schillingcn mit 19 205 Mk. stehen Einlagen mit 44 686 Mk. gegenüber. Der Reservefonds ist auf 5003 Mk. gestiegen. — Das zweite hiesige Sparinstitut, nämlich die seit achtzehn Jahren bestehende Pfennig-Sparkasse, wurde im letzten Jahre recht fleißig als Sammelstelle benutzt. Die Gesamtsumme der Einlagen betrug 2616 Nck. 30 Pf. Zurückerhoben wurden 3276 Mk. 80 Pst; der Reservefonds ist auf 758 Mk. 30 Pf. angewachsen.
A. Bad Salzhausen, 21 Oktbr. Unser Kurort hatte sich auch in der nun beendeten Saison eines guten Besuches 511 erfreuen. Nicht allein hatte die Zahl der Kurfremden zugenommen, auch die Anzahl der verabreichten Bäder ist bedeutend gestiegen, indem annähernd 1000 Bäder mehr als im Vorjahre abgegeben wurden. Wie man hört, soll die kürzlich neu crbohrte Quelle ein sehr stark salzhaltiges Wasser liefern; auch hofft man noch bei den jetzigen Weiterarbeiten an der Quelle auf Kohlensäure zu stoßen.
ko. Mainz, 21. Okt, Ein 76jähriger Lehrer, der vor vier Wochen eine 48jährige Witwe geheiratet hatte, starb dieser Tage. Tie hinterlassene Witwe wurde nun mit ihrem Anspruch auf Pension abgewiesen, weil sie offen eingestanden hatte, daß sie die Ehe nur zum Zwecke der Versorgung eingegangen habe. Die Behörde stützt sich dabei auf einen Artikel, in dem bestimmt wird, daß eine Pensionsberechtigung nicht besteht, wenn die Ehe mit dem Verstorbenen innerhalb drei Monaten vor seinem Ableben geschlossen ist, und zwar nur zu dem Zwecke, um der Uebcrlebenden die Pension zuzuwenden.
Mainz, 20. Okt. Der Mainzer „Goethebund" hatte gestern seine Getreuen zu einer Generalversammlung in die „Liedertafel" entboten. Es hatten sich etwa 100 Personen, darunter auch einige Damen, eingefunden. Der Bund zählt nahezu 1000 Mitglieder, darunter befinden sich über zweihundert Frauen. Im verstossenen Jahre hat man einen Kassenüberschuß von über 300 Mk. erzielt. Der seitherige Vorstand wurde durch Akklamation wiedergewähtt; in diesem Jahre sollen abermals verschiedene Theateroorstellungeo statt- findcn, Vorträge und Rezitationen gehalten werden. Stadtverordneter Weber will, daß den Mitgliedern des Bundes auch plastische Kunst vorgeführ; werden soll.
n. Wehlar, 22. Okt. Unsere Stadt hat nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 8906 Einwohner (4276 männl., 4630 weibl.). An Wohnhäusern sind 1046 vorhanden. Dem Glaubensbekenntnis nach stnd 7180 evangelisch, 1516 katholisch, 134 Juden; anderen christlichen Konfessionen gehören an 71, konfessionslos sind 5.
** 4- Frankfurt, 22. Okt. Die Ausstellung für Unfall- Schutz und -Verhütung, Sanitäts- und Rettungswesen besuchten gestern der Kultusminister Dr. Studt und der Handelsminister Möller in Begleitung des Oberpräsidenten, Dr. Grafen von Zedlitz und des Geh. Oberregierungsrats Dr. Schmidt vom Kultusministerium. Sie wurden erwartet vom Organisations-Komitß, Exzellenz von Chappuis, Oberstabsarzt Dr. Funcke rc. Außerdem waren zum Empfange anwesend: Regierungspräsident Dr. Wentzel, Regierungsrat Dr. Seidel, Oberbürgermeister Dr. Adickes, Korpsgeneralarzt Dr. Großheim und viele Andere. Die Minister besichtigten zuerst das Bild des Kriegssanitätsdienstes, sowie die am Eisenbahndamm aufgestellten Hülfs- und Lazarethzüge und begaben sich hierauf in die Maschinenhalle. Hier wurden die einzelnen Objekte eingehend in Augenschein genommen, und der Handelsminister ließ sich eingehende Erklärungen über die ausgestellten Gegenstände geben. Nach Besichtigung der städtischen Ausstellung der Straßenbahn wurde die
pneumatische Leiter vorgeführt, und es erfolgte dann etn eingehender Rundgang in der großen Halle. Von da aus gingen die Minister in die Behördenhalle und dann nochmals durch die Maschinenhalle zu den Gegenständen im Freien. Zum Schluffe wurde daS Kohlenbergwerk besichtigt, und speziell sprach der Handelsmini,ler seine besondere Anerkennung über die außerordentlich geschickte und wahrheitsgetreue Nachahmung der Wirklichkeit aus. Um halb 12 Uhr verließen die Minister die Ausstellung. Die Ausstellung hat derart Anklang gefunden, daß beschlossen wurde, einen illustrierten Bericht in 2 Bänden im amtlichen Auftrage herauszugeben, um das zur Ausstellung Gebrachte dauernd festzuhalten, und Kreisen, die keine Gelegenheit hallen, die Ausstellung zu besuchen, hierdurch die Möglichkeit zu bieten, sich über dieselbe zu informieren. — Bekanntlich ist die Dauer der Ausstellung bis zum Sonntag Abend verlängert.
• * Frankfurt, 21. Okt. Ganz Frankfurt beschäftigt sich momentan mit dem Riejenprojekt der Internationalen Baugesellschaft, eine moderne Verkehrsstraße — die Gutenberg- 1 kraße — von dem Roßmarkt nach der neuen Mainzerstraße, bezw. der Mainzerlandstraße mit Durchbrechung der Promenaden zu bauen. Von Seite unserer Stadt wären etwa 600,000 Mark nötig; die Stimmung der Bürgerschaft ist jedoch fast ausnahmslos gegen das Projekt, weil erstens fein Bedürfnis vorhanden ist und zweitens die Promenade an einem ihrer reizvollsten Punkte nahe dem Goldfischweiher zerstört werden müßte. Die Stadt selbst vermag das Projekt nur durch den Hinweis auf die Schaffung von Arbells- gelegenheit für Bauhandwerker zu empfehlen. Am Dienstag kommt die Sache im Stadtparlament zur Sprache.
Kassel, 22. Okt. Ein interessanter politischer Prozeß hat heute nach jahrelanger Dauer vor dem Schöffengericht hier seinen Abschluß gesunden. Es handelt sich um den Beleidigungsprozeß des ankisemiti- ,chen Reichstags- und Landtagsabg. Werner gegen den Redakteur Erdmannsdörsser in Wilhelmshaven (früher Marburg). Letzterer hatte Anfang 1898 eine Broschüre erscheinen lassen, in der er die antisemitische Partei kritisch beleuchtete und u. a. die Behauptung einfließen ließ, antisemitische Abgeordnete lieferten gegen Entgelt einem jü- dischen Journalisten Nachrichten parlamentarischer Art (Kommissionsberichte). Von den „Deutsch. Soz. Blättern" des Abg. Liebermann v. Sonnenberg wiederholt aufgeiordert, Namen zu nennen, „widrigenfalls er sich dem Verdacht aussetze, Verleumdungen verbreitet zu haben", nannte Erdmannsdörsser endlich die Abgg. Werner und Hirschel. Werner drohte Klage an, diese. erfolgte aber nicht. Erst im August 1899 griff Erdmannsdörffer auf Grund eines anderweitigen Angriffs der „Deutsch. Soz. Bl." gegen ihn auf die Anklage gegen Werner zurück, und erweiterte sie mit der Beschuldigung, daß Werner, als er seine Verbindung mit einem jüdischen Journalisten ableugnete, eine bewußte Unwahrheit ausgesprochen habe. Nunmehr kündigte Werner wiederum Klage an. Als diese aber im Oktober 1899 noch nicht erhoben war, interpellierte ibn Erdmannsdörffer in seiner Zeitung und in einer Versammlung zu Hersfeld daraufhin und erhielt zur Antwort, daß Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgt fei. Diese lehnte kurz darauf .die Strafverfolgung Erdmanns- dörfsers ab. Erft int April 1900 endlich wurde von Werner gegen Erdmannsdörffer die Privatbelellngungsklage erhoben. Erst im Frühjahr dieses Jahres kam es jedoch zur ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht zu Kassel. Erdmannsdörffer lehnte hierbei jede Ehrenerklärung ab, da seine Beschuldigungen wahr seien. Werner sagte, er habe nicht für den jüdischen Dr. Hamburger, sondern für den Antisemiten Dahsel gearbeitet. Was dieser mit den Berichten mache, sei ihm gleich. Erdmannsdörffer behauptete demgegenüber, daß Dahsel nur Deckadresse ge» wesen sei. Der Gerichtshof beschloß daraufhin, Zeugen kommissarisch zu vernehmen. Und zwar wurden in den nächsten Monaten vernommen: Dr. Hamburger (inzwischen wegen der Zolltarif-Verhökerung aus Deutschland verschwunden), die Parlamentsjournalisten Woth und Dahsel und die Reichstagsabgg. Müler-Fulda, Liebermann von Sonnenberg, sowie der frühere Abg. Zimmermann. Heute wurde Erdmannsdörffer zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Zugleich wurde dem Privatkläger Werner die Befugnis zuerkannt, das gerichtliche Erkenntnis auf Kosten des Angeklagten in der Presse zu veröffentlichen. In der heutigen Verhandlung gestand der Kläger die Richtigkeit der Behauptung des Beklagten zu. Er habe thaksächlich an Dr. Hamburger allerdings unter dem Decknamen des Journalisten Dahsel solche B e *
lerrfch wirkenden protzigen, breiten Goldrahmen sehr zu seinem Nachteil beeinträchtigt. Wie oft schon wurde künstlerisches Empfinden durch solche mehr äußerlichen Mißgriffe schwer verletzt! Es wäre verwunderlich, wenn eine feinfühlende Kiinstlerseele solche Disharmonien nicht bemerken sollte, und nur anzunehmen, daß ein Agent derartige Geschmacklosigkeiten begeht. Gewiß, der Rahmen eines Bildes ist und bleibt Nebensache, aber gerade deshalb darf er auch in keinem Falle aufdringlich erscheinen;^ er soll das Gemälde zu einem einheitlichen Ganzen abschließen, die oft unruhig wirkende Umgebung durch den ruhigen Uebergang von Bild zu Rahmen und Wand mildern. Möchten doch die Künstler in ihrem eigensten Interesse auf diesen anscheinend so nebensächlichen Punkt etwas mehr Gelvicht legen! Von Frankfurts bedeutendster Malerin, Frl. Ottilie Röder stein, hatten wir mehr erwartet, als sie uns in ihrer Kollektiv-Ausstellung von Studienköpfen und Portraits bietet. Sehr korrekt in der Zeichnung, zeugen sie ja von einem bedeutenden Wollen und zugleich Können, aber sie vermögen nicht zu fesseln und zu erwärmen. Das Leben fehlt diesen Bildnissen. Sie scheinen gleichsam auf den Zauberschlag der Erweckung zum Leben zu warten. — Die Oefterreicherin Tina Blau-Lang ist mit einer Anzahl am besten wohl elegant Zu nennender Landschaften, die durch ihre Gleichwertigkeit im Ton wenig ansprechen, vertreten. Die Helligkeit ihres Tones wirkt nicht heiter, sondern matt, es fehlt ihnen auch der unbefangene subjektive Charakter, den wir heute verlangen. In Oesterreich bedeutet die Schule noch fast alles. Gut gelungen ist ihr die architektonische Perspektive der Terrasse in Dürnstein. Erwähnen wir noch Fr. v. Lenbachs vortreffliche Portraits, Ka.ser WilhelmI- und eiuen Bismarck aus dem Jahre 1894, Gil foul mit einigen breit und flott ausgeführten Bildern, worunter besonders eine Straßenszene Beachtung verdient. Ad. von Menzels charakteristisch Kohlenzeichnung „Letzte Gäste",
Ed. v. Gebhardts „Kreuzigung", so werden wir wohl auf das Interessanteste aufmerksam gemacht haben. Gutes leisten außerdem noch Zimmermann, Zumbusch und C. Krummacher.
Jedenfalls ist der Kunftsalon Hermes stets bemüht, dem verschiedenartigsten Geschmack des kunstliebenden Publikums Rechnung zu tragen, und es mit alten sowie auch neuen Werken der hervorragendsten Künstler unserer Zeit bekannt zu machen.
w.
— Unter dem Titel „Natur und Schule" wird, wie man uns mitteilt, vom Januar n. Js. an in Leipzig eine von B. Landsberg, O. Schmeil und B. Schmidt herausgegebene naturwissenschaftliche Zeitschrift erscheinen, die dem gesamten naturkundlichen Unterricht aller Schulen dienen und den Schulbetrieb aller naturwissenschaftlichen Fächer behandeln will.
— Königin Elisabeth von Rumänien (Carmen Sylva) hat da§ alleinige Aufführungsrecht ihrer dramatischen Werke ausschließlich an Frau Gertrud Giers übertragen, und Frau Gertrud Giers hat ihrerseits dem Theaterverlag Eduard Bloch in Berlin die Vertretung ihrer Interessen übergeben.
Von dem ftanzöfischen Schriftsteller Capus ist in der letzten Woche widerholt im Frankfurter Schauspielhause eine Komödie unter dem Titel „Glück" aufgesiihrt worden, die namentlich wegen ihrer vortrefflichen Darstellung der Hauptfiguren durch die Damen Sella und Jrmer und die Herren Bauer und Bolz vielen Beifall findet. Das Stück ist leidlich amüsant, aber ziemlich handlungslos und giebt auf die im Titel aufgeworfene Frage nach dem Glück eine geradezu ärmliche Antwort. Jetzt ist von demselben Autor ein neues Sittenstück „Brignol und seine Tochter" herausgekommen, das, wie man aus Paris berichtet, den starken Erfolo bei der (Generalprobe am Odeon-Tbeater der
glänzenden Charakteristik eines liebenswürdigen, modernen Bruders Lüderlich dankte.
— In Dresden ist der Landschaftsmaler Geh. Hofrat Prof. Friedrich Preller am 21. Oktober gestorb en. Preller, der am 1. September das 63. Lebensjahr vollendet hatte, hinterläßt die dauernden Zeugnisse eines reichen Schaffens. Er verfolgte die Richtung seines Vaters, der zu den Hauptvertretern der historischen Landschaft in Deutschland gehörte und namentlich durch seine Weimarer Odysseebilder berühmt geworden ist. Preller wirkte in Dresden, wo er seit 1880 die Professur der Landschaftsmcllerei an der Akademie inne hatte. Sein Hauptwerk sind die Wandbilder für die Albrechtsburg in Meißen.
— Adolf L'Arronge's Lustspiel „Die Wohl« tHüter" wurde bei der Erstaufführung im Hamburger Thalia-Theater mit Beifall ausgenommen, in Stuttgart abgelehnt.
Berlin, 19. Okt. Schönthan's und Koppel- Ellfeld's Schelmenftück „Florio und Flavio" wurde im Schauspielhaus freundlich ausgenommen, aber der Schelmenstreich ist nicht sonderlich originell und lustig. Grobe Äomip muß oft die Laune ersetzen.
— Aus Mainz wird berichtet: Dreyer's Einakter „Unter blonden Bestien" ging Samstag nicht ohne Opposition in Szene. Auch dem hieraus folgenden dreiaktigen französischen Schwank „Wenn die Liebe erwacht" von Veber war kein rechter Erfolg beschieden. Mit Ausnahme von zwei nicht sehr bedeutenden Rollen, von den Herren Wirth und Herz gespielt, war die Darstellung wenig ansprechend. In Halävy's „Jüdin" am Sonntag fanden die Damen Materna (Recha), Hanger (Eudoria), die Herren Krämer-Helm (Eleazar), Düssing (Cardinal). Strätz (Leopold) roieberbolt lebhaften Beifall.


