Issue 
24/07/1901 Erstes Blatt
 
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willkommen und

abhalten. ,

-k- Staden, 22. Juli. Glück im Unglück hatte em hiesiger Einwohner, der in einer engen Donne Kalk löschen wollte. Als er das Wasser über den Kalk gegossen hatte, trat eine heftige Explosion ein, durch die die heißen Kalkmassen mit großer Gewalt nach allen Seiten geschleu­dert wurden. Er hatte glücklicherweise im Moment der Gefahr eine solche», Stellung, daß ihm der Kalk nicht in die Augen spritzen konnte, sonst wäre er sicher um fern Augenlicht gekommen, doch hat er einige Brandwunden erlitten. _____ . , . _

(!) Büdingen, 22. Juli. Zur Jubiläumsfeier des hiesigen Gymnasiums, welche in den ersten August­tagen stattfindet, werden die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Gegenwärtig wird die geräumige Festhalle auf einer Wiese in der Nähe des Salinenhofes errichtet, ^ie Halle bildet ein großes Rechteck von 72 Meter Lange und 14 Meter Breite und wird in der Mitte von zwei Nebenhallen für Küche und Tanzraum flankiert. Dem Ein­gang gegenüber wird am anderen Ende ein anderthalb Meter höher gelegenes Zelt für die Gäste errichtet. Links vom Eingang ist eine Festbühne errichtet, auf der von Gymnasiasten Szenen ausWallensteins Lager" aufgeführt werden. Die Halle wird zum Schutz gegen etwaiges schlechtes Wetter mit Brettern verschlagen, das Dach mit Dachpappe gedeckt. Das nötige Holz liefert Fürst Bruno von Äjsenburg und Büdingen unentgeltlich, von dem auch ein Teil der namhaften Baukosten getragen wird. Die Ka­pelle des 6. Thür. Ulanen-Regiments wird die Musik stellen. Ein Gastwirt in Hanau hat die Wirtschaft übernommen. Bereitwilligst gewährt die hiesige Bürgerschaft den ftüheren Schülern der Anstalt während der Festtage Unterkunft.

Frankfurt a. M., 22. Juli. Im benachbarten König-

** Hessische Handwerkskammer. Am Montag, den 29. Juli, nachmittags 3 Uhr, tritt in den Räumen der Handwerkskammer zu Hannover der Ausschuß der Deutschen Handwerkskammern (Berlin, Breslau, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Hannover Lübeck und München) zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Neben einer Reihe wich­tiger das gesamte Handwerk betreffenden Fragen wird die F-eststellung der Tagesordnung für den am 27. und 28 September in Darmstadt stattsindenden zweiten deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag vorgenom­men werden.

**(!) Alpenö-erein. Die Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins unternahm am letzten Sonntag ihre siebente Monatstour nach dem Taunus. Die Naturschönheiten dieses waldreichen Gebirges sind all­gemein bekannt, der starke Fremdenbesuch ist dafür der beste Beweis. In aller Friihe, um 5 Uhr schon, war man nach! Nauheim abgefahren, um die Höhen des Taunus zu ersteigen. Tie Jugend, die gewohnt ist, ihrer fröhlichen Stimmung etwas energisch Luft zu machen, veranstaltete

Aus Stadt und Land

Nachrichten von allgemeinem Interesse find unB stets : werden arrgemessen honoriert.

desrecht beruhende Einrichtungen, f^er alle.sonstig en auf Landesrecht beruhenden öffentliche ! . ungsanstalten, welche unter der 2>erw $ $ Leitung staatlicher, tommunalei: otei faWfytx

w wgÄtg&Mi (Re chs-Gesetzbl S. 54) errichteten Kassen, die im 8 75 Abi 4 des Ärankenverucherungsgesetzes be­zeichneten,' auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hilfskassen, die au^ Grund der Gewerbe­ordnung von Innungen oder Jnnungsverbanden er­richteten Unterstützungskasfen, sowie die auf Grund beraaesetzlicher Vorschriften errichteten Knappschafts­kassen (§ 122 des Gesetzes über die privaten Ver­sicherungsunternehmungen);

c Unternehmungen, welche die Versicherung gegen Kursverluste oder die Transportversicherung oder ausschließlich die Rückversicherung zum Gegenstände haben, soweit es sich nicht um Versicherungsvereine aus Gegenseitigkeit handelt (§ 116 des Gesetzes).

Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß die Vor­schriften des Gesetzes auf Versicherungsunternehmungen, die sich bei seinem Inkrafttreten in Liquidation oder im Konkurse befinden, keine Anwendung finden. (8 104). Solche Unternehmungen unterliegen daher nickst der Verpflichtung, die vorstehend bezeichneten Angaben zu machen.

Der Präsident des Kaiserlichen Aufsichtsamts für Privat­versicherung.

Dr. v. Woedtke, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat.

PotWhe Tagesschau.

Das protestantische Pfarrerblatt hat in diesen Tagen einen Artikel gebracht, der betitelt ist: »Welche Stellung zur- Zollpolitik haben die Freunde de- Vaterlandes zu nehmen? Eine Mahnung an die Geistlichen und Lehrer Deutschlands." Der Versasser bezeichnet sich al-deutscher Lehrer". Dieser Artikel richtet sich gegen die beabfichttgte Zollerhöhung. Es heißt da:Möchte unsere Geistlichkeit an der Hand der hier gegebenen Richtlinien dahin wirken, daß dies (nämlich küvst« lich geschaffene Trugbilder zu zerstören) geschehe, und die Einsicht verbreiten helfen, daß die neugeplanten Zollmaßregeln den deutschen Landwirten die schwersten Enttäuschungen be« reiten, die ganze Nation aber in verhängnisvolle Nöte und Kämpfe stürzen müffen." In protestantischen Pfarrerkreisen hat die Veröffentlichung dieses Artikels durch das Pfarrer- blatt große Aufregung hervorgerusen. DerReichsbote" schreibt, daß ihm viele Zuschriften zugingen, die dagegen protestierten, daß sich ein Pfarrerblatt dazu hergebe. Gleich- zeitig bringt dieD. TageSztg." an ihrer Spitze aus der Feder eines Landgeistlichen eine Zuschrift, die ebenfalls da- gegen protestiert, und in der es u. a. heißt: Es ist eine Unverschämtheit sondergleichen, die Geistlichen und Lehrer aus dem Lande denn au diese richtet sich doch in der Haupt« suche das Flugblatt so niedrig einzuschätzen, daß man mit solchen Gedanken, die aller Erfahrung ins Gesicht schlagen, glaubt, Eindruck machen zu könneu. Wir kennen die stetig wachsende Belastung der landwirtschaftlichen Be« völkerung was für einen Lärm würde der Städter bei gleicher Belastung machen, wir kennen die Nöte des land­wirtschaftlichen Gewerbes, und bitten denHerrn Lehrer", doch einmal aufs Land zu kommen und einige Jahre ein Bauerngut zu bewirtschaften, bann wird er anders reden lernen. Es ist ein bitterer Hohn, jetzt, wo die Landwirt« schäft des Ostens infolge der anhaltenden Dürre einer schweren Zeit entgegengeht, an Landgeistliche, die mit ihren Gemeinden fühlen und leben, mit solchem Anfinnen heranzutreten."

Der Entwurf deS Bagdadbah« Projektes befindet fich z. Z. im türkischen Bautenministerium, wo eS in- Türkische über­setzt wird, um daun dem Sultan lediglich noch zur formellen Bestätigung vorgelegt zu werden, da die Kilometergarantie bereits bewilligt wurde. Das dürfte in nächster Zeit zu er­warten fein. Die Beteiligung russischer Finauzkräfte an dem Unternehmen bestätigt sich nicht; diese haben sich auS finanziellen Gründen zurückgezogen, sodaß nur deutsches und ftauzöfisches Kapital in Betracht kommt. Ganz besonders verdient hervor- gehoben zu werden, daß der Bagdadbahn in der von Ruß« land in Persien bis zum Persischen Meerbusen geplanten Bahnverbindung eine lebhafte Konkurrenz entstehen wird. In bestunterrichteten Kreisen hegt man sogar die Befürchtung, daß dieses Projekt eher zur Ausführung gelangt als das deutsch französische Unternehmen, waS wesentlich von dem Verhalten der Deutschen Bank abhängen würde. Trifft diese Vermutung zu, so würde die Rentabilität der Bagdadbahn jedenfalls leiden, denn aller Voraussicht nach wird ein großer Teil des Güterverkehrs auf der russischen Bahn dauernd Be­förderung suchen, wodurch natürlich eine Schädigung des deutschen Unternehmens entstände. Dasselbe würde dann in der Hauptsache nur mehr der Personenbeförderung dienen.

Uermischtrs.

Bernburg, 22. Juli. Samstag nachmittag stürzten von der Altstädter Kirche drei Dachdecker ab, Vater, Sohn und Neffe. Ersterer war sofort tot. Die beiden anderen verstärken im Krankenhaufe.

* Aurich, 22. Juli. Gestern abend ging ein heftige- Hagelwetter nieder. Die Hagelkörner erreichten die < ttöße eine- TaubeueteS und richteten an den Fenstern, Ge­wächshäusern und Gärten, sowie Feldern großen Schaden an.

* Wackere Turner. In Reichenbach i. V. ar­beiten seit dem 15. Juni allabendlich von 810 Uhr eine Anzahl Turner an der Ausschachtung zu einer neuen Turnhalle. Die ausgeworfene Erde wird zur Planierung des Turnplatzes verwendet. Die Turner ersparen mit dieser reiwillig übernommenen Arbeit dem Verein ca. 3500 Mk.

* Mannheim, 22. Juli. Heute früh 5 Uhr fand int Hofe des hiesigen Amtsgefängnisses die Hinrichtung des 26 Jahre alten Taglöhners Jakob Heckmann ausi Eite rbach bei Heidelberg statt. Heckmann batte am 20. November v. I. seine Schwägerin, die Frau des Land­wirts Michael Heckmann, mit der er in einem Hause wohnte, in der Abwesenheit ihres Ehemannes in den Wald gelockt und erschossen. Das Motiv war Rachsucht. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den Mörder am 22. April zum Tode. Heckmann legte gegen dieses Urteil Revision beim Reichsgericht ein, die jedoch! verworfen wurde. Das hierauf dem Großherzog unterbreitete Begnadigungs­gesuch wurde abschlägig beschieden. Nachdem am Samstag vormittag der Bescheid von der Verwerfung des Gnaden­gesuches hier eingetroffen war, wurden sofort die Vor­bereitungen zur Hinrichtung getroffen. Heckmann soll die Nachricht von seiner bevorstehenden Hinrichtung mit tiefer Niedergeschlagenheit ausgenommen haben. Er hatte be- ttmmt auf Begnadigung gehofft.

* Plymonth, 22. Juli. Der DampferOrmuz", )er heute von Sydney hier eingetroffen ist, hatte zwei Mann )er Besatzung an Bord, die an einer verdächtigen Krankheit eiben, bie ähnliche Erscheinungen, wie bie Beulenpest eigt. Die beiden Kranken, bie an Borb isoliert waren, vnrben sofort nach ber Ankunft in Plymouth ins Hospital- schiff gebracht. Die Reisenben wurden einer strengen Unter­suchung unterworfen, bevor sie mit der Bahn nach London weiterfahren durften.

Davos, 22. Juli. Der Tourist Jakob Müller aus Zürich, der seit einigen Tagen^vermißt war, ist beim Scaletta- paß-Gletscher ab gestürzt. Ausgesandte Expeditionen fanden Hut und Stock des Verunglückten und sahen deutlich bie Absturzstelle im Schnee. Der Leichnam selbst scheint von ber nachjagenden Lawine weggerissen zu sein.

New-Aork, 22. Juli. Ein besonderer Bericht des Wetterbureaus in Washington meldet, daß beinahe das ganze

auf dem Steinbergskopf in der Nähe des Winterstein ein Wettkraxeln" an dem trigonometrischen Meßgerüst, zur allgemeinen Heiterkeit derer, die sich das Schauspiel von unten betrachten konnten. Das Ziel der Wanderung, die Sa al bürg, wurde erst gegen 1 Uhr erreicht, oa man von der Capersburg aus nicht den Weg längs des Pfahl­grabens, sondern über den Bimstein, einen schön gelegenen Aussichtspunkt, gewählt hatte. Zudem ließ man sich auch die nötige Zeit, um die Lochmühle, die doch nicht unbe- ichtigt gelassen werden durfte, zu besuchen. Und damit auch, der übrige Mensch zu seinem Rechte kam, Ichlvß man daran eine Siesta im Walde. Ein Gewitter hielt die Gesellschaft längere Zeit auf der Saalburg fest, und von innen gut angefeuchtet, brach man gegen Abend nach Hom­burg auf, von wo die Heimfahrt angetreten wurde.

** Alp en verein. Anfang August werden 15 Jahre verstrichen sein, seitdem durch Gründung der Sektion Gießen den Bestrebungen des Deutschen und Oester­reichischen Alpenvereins auch! in unserer Stadt eine Pflege- tätte geschaffen wurde. Den Abschluß einer 15 jährigen erfreulichen Entwickelung begeht die Sektion Gießen am Samstag, den 27. Juli, durch eine auf Burg Gleiberg zu veranstaltende Feier, der in ihren einzelnen Teilen die Idee einesFestes auf der Alm" zu Grunde gelegt ist. Das abwechselungsreiche Programm sieht eine Reihe hübscher Überraschungen vor, über die wir leider Sttll- chweigen zu beobachten gebeten wurden. Gäste, durch Mit­glieder eingeführt, sind willkommen.

FC. Katholischer Lehrerverein im Großh. Hessen. Nach dem soeben erschienenen Mitgliederver­zeichnis des katholischen Lehrervereins im Gvoßherzogtum Hessen gehören zu dem Verein 895 Mitglieder. Davon ind 448 Volksschullehrer, 169 Volksschulleherinnen, 223 Geistliche, und 55 sonstige Mitglieder. Aus einem dem Verzeichnis beigegebenen Begleitworte geht hervor, daß die Mitgliederzahl eigentlich noch etlvas größer ist, denn es heißt dort:Einige Mitglieder haben aus bestimmten Gründen ausdrücklich gebeten, daß ihre Namen vorerst noch nicht ins Mitgliederverzeichnis ausgenommen wer­den möchten. _

** Tabakbau im Großh. Hessen. Im Erntejahre 1899/1900 wurden in der Provinz Starkenburg 33 492,36 und in Oberhessen 0,30 Ar mit Tabak bebaut. Der Hanpt- anteil davon entfällt auf die Hauptsteueramtsbezirke Darm- 1 tadt und hier wiederum auf die Ortschaften Viernheim mit 10808,30 und Lampertheim mit, 10 202,75 Ar, dann fölgt Wimpfen mit 9333,42, Lorsch mit 3147,29, und Lang­waden mit 0,60 Ar. Im Hauptsteueramtsbezirk Offenbach Iommt nur Großt-Steinheim mit 34,94 Ar in Betracht. In Oberhessen bebaut Nieder-Mocksyadt eine Fläche von 0,24 und Bönstadt von 0,06 Ar. Die Menge des geernteten Tabaks in dachreifem trockenen Zustande weist für die Hauptsteueramtsbezirke Darmstadt, Offenbach und Gießen ein Gewicht von 502 031, 517 und 4 Kilogramm auf. Der mittlere Preis für 100 Kilogramm Tabak (einschl. der Tabak- ' teuer) stellt sich auf 90,60 Mk. Der Wert der Tabakernte beziffert sich für Darmstadt auf 454 843, für Offenbach auf 468 und für Gießen auf 4 Mark. Die Zahl der Tabak- oflanzer beträgt in Viernheim 361, in Wimpfen 319, in Lampertheim 293, in Lorsch 149 und in Langwaden, Groß-- Steinheim, Bönstadt und Nieder-Mockstadt je 1.

** Die Zahl der Hunde beträgt im Rechnungsjahr 1900/1901 in Oberhessen 8010, für die 80100 Mk. Steuern gezahlt wurden/ Im ganzen wurden für 733 Hunde 7330 Mark Steuern gezahlt.

Bad-Nauheim, 22. Juli. Der Kölner Lieder­kranz gab gestern in den Kuranlagen ein Konzert vor einer außerordentlich großen Zuhörerschaft. Der Verein trat mit mehr als 100 Sängern auf und leistete unter Dr. Burkhardt ganz Vortreffliches. Sämtliche Vorträge anden stürmischen Beifall und mehrere Zugaben mußten gewährt werden. Der Liederkranz steht hier von seinen frü- : eren Konzerten her noch im besten Andenken.

r. Stangenrod, 21. Juli. Am Samstagabend hielt Kreis-Obstbautechfliiker Metternich aus Büdingen in dem Lokale des Gastwirts Bock hier einen Vortrag über Obsh- bau. Es hatten sich viele Zuhörer dazu eingefunden. Alle auschten mit Spannung den trefflichen Ausführungen des Redners, der in seinem nahezu einstündigen Vortrage fol­gende Fragen beantwortete: 1. Wie soll der Boden des zu pflanzenden Baumes beschaffen sein? 2. Wie soll die Lage ein, event. welches ist die beste Lage, die Nord- oder Süd­lage? 3. Wie soll das zu pflanzende Material beschaffen sein? 4. Wie sollen Grundstücke behandelt werden, auf denen abständige Bäume stehen, und die wieder bepflanzt werden sollen? 5. Wann sollen die Obstbäumchen zuerst zurückge- chnitten werden? Am Schlüsse des Vortrages sprach Lehrer Bender im Namen aller Anwesenden dem Redner für den schönen Vortrag Dank aus und ermahnte, das Gehörte auch zu befolgen. Die nächste Folge des Vortrags war, daß der bereits bestehenden Ortsgruppe des Oberhess. Obstbauver­eins sofort noch einige der Anwesenden beitraten.

Hs. Schotten, 22. Juli. Der Oberhessische Obst­bauverein wird im Herbst hier eine Obstausstellung

Land von einer Hitzwelle bedeckt werbe, mit Ausnahme des in nächster Nähe des Stillen Ozeans gelegenen Bezirks. In Iowas, Miffonri und Illinois fei die Hitze fast durch­weg größer, als bisher je verzeichnet wurde.

* Das 25jährige Jubiläum des Kampfes gegen die Schleppe hätte man in diesem Monat eiern können. In der Nr. 155 desMainz. Tagbl." vom 6. Juli 1876 also 25 Jahre zurück finden wir zufällig olgendeSttmme aus dem Publikum":Wer hat sich noch nicht darüber geärgert, wenn er bei schönem, trockenem Wetter durch die Straßen wandelt oder seine Schritte vor das Thor lenkt, und eine Dame, angethan mit einem Schleppkleid, an ihm vorbei rauscht, das eine Staubwolke aufwirbelt, daß man auf 10 Schritt im Umkreis nichts mehr sehen kann? Es ist mit unserem Modeteufel wirklich arg geworden; nicht genug, daß die Damen den Straßen­kehrern ins Handwerk pfuschen, sie verderben mit dem Staubauswirbeln derart die Luft, daß einem alle Lust vergeht, nach gethaner Arbeit sich im Freien aufzuhalten und einen Spaziergang vor das Thor zu machen. Der in Dresden erscheinendeAnzeiger" meldet folgenden höchst praktischenStraßenkamps" gegen die Damenschleppen: Ein junges hübsches Mädchen ging dieser Tage in der Blasewitzer Straße mit leider ellenlanger Schleppe, welche die ihr folgenden Personen durch das Aufwirbeln des Staubes arg inkommdierte. Ein Herr trat infolge dessen an sie heran und bat höflichst, sie möchte doch! ihre Schleppe in die Höhe nehmen, worauf sie etwas spitz antwortete, das sei ihre Sache. Im 9hi waren aber fünf Herren zu­sammen, gaben sich die Hände und tanzten so um die betreffende Dame herum, daß sie nicht fort konnte, a la Leipziger Karneval. Nachdem das vorbei war, blieben die genannten Herren noch, die Hände zusammengefaßt, stehen und fragten die Dame nochmals höflich, ob fte nun ihre Schleppe in die Höhe nehmen wollte, worauf sie beschämt ein leisesJa" flüsterte, und, die Schleppe in der Hand, davonging."" Wenn das Mittel hilft, wäre es ja sehr empfehlenswert, es auch einmal hier zur Anwendung zu bringen." Ob das dann auch jemals geschehen iflj, wissen wir allerdings nicht, das aber steht jetzt sest, wankel-

'tein besitzt eine Frau B. ein neben einem Nonnen­kloster gelegenes Grundstück, das mrt hohen rannen be- 'tanden ist. Tie Nonnen beschwerten sich, daß hierdurch einigen Lehrsälen Luft und Licht genommen wurde und Frau B. wurde daher polizeilich aufgesordert, die Tannen zu entfernen. Eine hiergegen beim Negierungspraftdenten er­hobene BeschMerde wurde abgewiesen, da em GuMchteu des Kreisphysikus die Tannenpflanzung als eine Oe fahr ür die Gesundheit der Schülerinnen des Klosters erttart hatte. Tas Oberverwaltungsgericht hob jedoch die polizei­liche Verfügung auf, indem es geltend machte, dieselbe greise in das Eigentumsrecht der Frau B. em, da» die Be­rechtigung in sich schließe, hohe Bäume aus dem Grum^ tück zu besitzen. Tie Verfügung könnte höchstens 101/ )es Allg. Landrechts gestützt werden, der auch jetzt noch ür das Königreich Preußen Geltung habe. Hernach sei jeder Eigentümer verpflichtet, Sorge zu tragen, daß das Grundstück sich stets in einem mit dem Gemeinwohle ver­träglichen Zustande beftnde und das Grundstück derart zu benutzen, daß Interessen, welche die Polizei zu schützen habe, nicht gefährdet werden. Im vorliegenden Falle sei aber nicht anzuerkennen, daß eine Verminderung des Zu­tritts von Luft und Licht in Räume des Klosters einen mit dem Gemeinwohl nicht verträglichen Zustand herbeiführe und daß es im öffentlichen Interesse geboten erscheine, den betresfenden Räumen Lust und Licht zuzusühren. Es handle ich! hier um eine privatrechttiche Angelegenheit, deren Ord­nung der Polizei nicht zustehe. Jene Gefahr, die der Gesundheit der Schulkinder drohe, könne dädurch befeitigfc werden, daß dem Vorstande des Klosters verboten werde^ die fraglichen Räume zu Schulzwecken zu benutzen.