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24.7.1901 Erstes Blatt
 
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mutig sind die Damen nicht, so eigenartig es auch klingen mag, in punctoMode"._______

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Ausstellung der Künstler-Kolonie Darm­stadt. Man schreibt uns: Die Gastspielreise der 11 Scharf­richter aus München, die am 26., 27. und 28 er. rn der Ausstellung der Künstler-Kolonie beginnt, erstreckt sich nur auf sehr wenige Plätze, z. B. in Frankfurt a. M. werden sie vorab nicht auftreten. Borausbeshellungen auf Brllets werden von der Geschäftsführung der Ausstellung ent­

Bayreuth, 22. Juli. Die Feier des 251ahrigen Bestehens der Festspiele ist gestern von der Stadt­vertretung und der Bürgerschaft festlich begangen worden. Am Morgen wurde der Frau Wagner eine Adresse über­reicht. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Fest- spiele, v. Groß, wurde zum Ehrenbürger von Bayreuth ernannt. Am Abend fand großer Fackelzug statt. Bürger­meister Casselmann hielt eine Ansprache, worin er Frau Wagner dankte, und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Familie Wagner treu an Bayreuth festhalte. Frau Wagner erwiderte dankend und versicherte, daß sie und ihre Nachkommen sich nie von Bayreuth trennen würden. Die Königin von Württemberg ist inkognito hier einge­troffen. Ihr zu Ehren fand in der Villa Wahnfried Em- pfangsabend statt. Der Prinzregent verlieh dem Vor­sitzenden Geh. Kommerzienrat v. Groß> den Verdienstorden vom heiligen Michael; dem Musikdirektor Kniese den Titel Professor", dem Opernsänger Anton van Rooy den Titel Kammersänger". Ferner erhielten Konzertmeister Brückner aus Wiesbaden die Ludwigsmedaille für Wissenschaft und Kunst.

London, 22. Juli. Der Tuberkulose-Kon­greß wurde heute vom Herzog von Cambridge eröffnet. Minister Lansdowne versprach, die Regierung wolle die Arbeiten des Kongresses unterstützen. Viel Kummer und Sorge habe der südafrikanische Krieg mit sich gebracht, aber jein Krieg verursache solche Fülle von Unglück wie die Tuberkulose. Professor Leyden-Berlin legte eingehend dar, welche Fortschritte in Deutschland in den letzten Jahren in der Bekämpfung der Tuberkulose gemacht sind. Er er­wähnte besonders, daß zahlreiche Lungenheilstätten er­richtet worden sind, und daß die Erfolge sehr befriedigend seien. Aber noch immer werde über die besten Mittel zur Linderung der Leiden der Schwindsüchtigen debattiert und noch stehe nicht fest, welches diese besten Mittel seien. Lord Lister begrüßte Die Gäste Namens der britischen Aerzteschaft und sprach von den Fortschritten, die man in Abwehr und Selbstheilung der Schwindsucht gemacht habe. Der Kon­greß wirke sehr nützlich, indem er die öffentliche Aufmerk­samkeit auf diese Frage lenke. Der Herzog von Cambridge verlas ein Telegramm des Königs Eduard, worin es heißt, er begrüße die hervorragenden Männer aus fast jeder Nationalität, die auf dem Kongreß versammelt sind, und hoffe zuversichtlich, daß die Beratungen des Kongresses dazu beitragen werden, die schreckliche Krankheit abzu>- schwächen, die so lange der Kunst der Aerzte gespottet hat. Der König schließt mit der Mitteilung, er habe gehört, es solle eine Summe von Lst. 120000 für das erste nach den Wünschen des Kongresses zu errichtende öffentliche Sanatorium aufgewendet werden.

Handel und Urrkrhr. Volkswirtschaft.

Berlin, 22. Juli. Gerhard Terlinden, der Vor­stand der Aktiengesellschaft Gerhard Terlinden in Ober­hausen, ist seit einigen Tagen flüchtig. Wie sich jetzt herausgestellt hat, nahm er für sich und die genannte Gesellschaft umfangreiche Bankkredite in Anspruch, die er sich durch Vorlegung gefälschter Bücher und Bilanzen zu verschaffen wußte. Auch scheint eine unrechtmäßige Ausgabe von Aktien stattgefunden zu haben. Der anschein-- end mitschuldige Prokurist Koßatt wurde verhaftet. Die Verhältnisse der Gesellschaft sind noch nicht klar zu über­sehen, doch erscheint die Eröffnung des Konkurses unver­meidlich. Beteiligt an der Finanzierung des Unternehmens sind die Firmen: Robert Warschauer u. Co., Bank für Handel und Industrie, Diskontogesellschast, Norddeutsche Bank, Schultze und Wolde, Ephraim Meyer und Sohn, Hannoversche Bank, Magdeburger Privatbank von der Heydt, Kersten und Söhne, Barmer Bankverein, v. Beckerath- Heckmann, Veit L. Homburger, Deutsche Esfekten- und Wechselbank, Robert Suermondt Co. und Dortmunder Bank^- Verein.

Das Ende einer Spekulationsbank. Wieder­um ist eine der zahlreichen Schöpfungen der letzten Grün-

dungsaera dem Schicksal verfallen, das allen Unternehm­ungen von zweifelhafter Daseinsberechtigung in Zeiten kritischer Musterung droht. Tie Rheinische Bank wird der Liquidation zuge.führt, nachdem die Mitglieder des Aufsichtsrats im Verein mit der Berliner Hochfinanz sich entschlossen haben, dem durch seine industtiellen Werte und Beteiligungen festgefahrenen Institut rund 3 Mill. Mark zur Ablösung von Aceept- und anderer dringender Verpflichtungen vorzusttecken. Aus der Bankfirma Gustav Hanau in Mülheim an der Ruhr hervorgegangen, hat das Unternehmen mit seinem 10 Mill. Mark betragenden Aktien­kapital weit weniger den legitimen Bedürfnissen des Ge­schäftsverkehrs in seinem hochindushriellen Bezirk als denen des Großspekulanten Leo Hanau, dessen wilde Millionen- Operattonen geraume Zeit hindurch den Berliner Markt in Atem hielten, gedient. Das Schicksal dieses zur Zeit mit enormen Engagements zeitweilig den Montanaktien­markt beherrschenden und stimulierenden Börsenspielers war mit der sinkenden Konjunktur besiegelt, viele Monate hin­durch währte die Lösung der durch den gründlichen Ten­denzumschwung unhaltbar gewordenen Hausseverbindlich­keiten (man schätzte sie auf etwa 9 Mill. Mk.), deren all­mähliche Lösung nur durch das Dazwischentreten der Großf- finanzwelt ermöglicht worden war. Der Besitz an schwer oder auf absehbare Zeit überhaupt nicht realisierbaren Kuxen, die Beteiligung an zweifelhaften, verlustbringenden Unternehmen (vor allem Differdingen-Tannenbaum) hatten die Mittel der Rheinischen Bank mit Eintritt der industti­ellen und der Börsenttisis schon im vorigen Jahre derart festgelegt, daß die beteiligten Banken und Bankfirmen zu Zwangsverkäufen schritten, die im Grunde genommen für Rechnung des spiritus rector der geldlich beengten Bank erfolgten. Der Umstand, daß diese ihrem ehemaligen Auf­sichtsratsvorsitzenden beträchtliche Kredite gegen Hinter­legung vorderhand nicht verwertbarer Objekte eingeräumt hatte, verschlimmerte die Lage des Unternehmens mit den sich verschärfenden Verhältnissen im Wechselverkehr derart, daß ihre diesbezüglichen Operationen auf einem toten Punkt anlangten. Nach der letzten Bilanz betrugen die Debitoren 8.87 Mill. Mark, die Guthaben bei Banken und Vorschüsse auf Effekten rund 4 Mill. Mark. Es ist anzunehmen, daß der größte Teil der geleisteten, zurzeit nicht eindringlichen Vorschüsse auf das Konto Hanau kommt. Die H^fsaktion des mit 2 Mill. Mark einspringenden Auf­sichtsrats, dem notorisch reiche Leute, wie der bekannte rheinische Großindusttielle August Thyssen und Bankier Karl Cahn, Teilhaber der Firma Hardy u. Co., angehören, sowie die Unterstützung der Großbanken des Berliner Platzes haben einen neuen Bankzusammenbruch verhütet und zu­gleich den Aktionären der Rheinischen Bank die Möglichkeit eröffnet, wenigstens einen Teil ihres Kapitals zu retten. Es wird noch zu prüfen sein, ob Verfehlungen der Ver­waltung nachzuweisen sind, auf die sich Regreßansprüche gründen lassen.

L e i p z i g, 22. Juli. Jn der heutigen Versammlung der Gläubiger der Leipziger Bank teilte der Konkurs^Ver- walter mit, daß die Bank sich bei der T r e b e r t r o ck - nungsgesellschaft mit weit über 87 Mill. Mark engagiert habe, und aus diesem Grunde gestürzt sei. Die Konkursverwaltung habe bereits die Mitglieder des Auf­sichtsrats verklagt, da diese sich zum mindesten der Fahr­lässigkeit schuldig gemacht hätten. Ein Termin sei für den 12. Oktober angesetzt. Die Aufsichtsratsmitglieder, die sämtlich Ehrenmänner seien, hätten sich bereit erklärt, wenn sie verurteilt würden, ihr Vermögen der Konkurs­verwaltung zur Verfügung zu stellen. Che nicht alle Gläubiger befriedigt seien, könne an eine Befriedigung der Aktionäre aus gesetzlichen Gründen nicht gedachst werden. Er hoffe, daß im Januar die Gläubiger eine Abschlags­dividende erhalten werden. Justizrat Barth und Rechts­anwalt Freytag wurden als Konkursverwalter bestätigt. Freytag teilte mit, daß sich das Gesamtvermögen der ver­klagten Aussichtsratsmitglieder auf insgesamt 10 Mill. Mk. beziffern dürfte. Die Depots seien in Ordnung. Betreffs der Herausgabe der Depots bei der Deutschen Bank und Warschauer u. Co. werde wohl geklagt werden müssen. Frey­tag teilte endlich mit, daß die Aktiva etwa 45 Mill, betragen. Dazu komme das Vermögen der verklagten Auf­sichtsratsmitglieder, sowie das, was noch bei dem Kasseler Konkurs zu erzielen sein dürfte. Die Passiva betragen 85 Mill. Mark. In den Gläubiger-Ausschuß wurden gewählt: Der Kgl. sächsische Staatsfiskus, Vertreter Rechts­anwalt Paul Frenkel, der großh. weimarische Staatsfisiüs, die Sächsische Bank, die Reichsbankfiliale in Leipzig, die Leipziger Hypothekenbank, die Leipziger Filiale der Deut­schen Bank, ferner Kommerzienrat Kummer, S. I. Tobias in Firma Tobias und Schmidt-Leipzig, sowie Kaufmann Wilhelm Andreas Müller-Plauen i. V. In Berlin hat

sich der Bankier Salo Rawicz vergiftet, nach einem hinterlassenen Briefe wegen seiner geschäftlichen Verluste beim Zusammenbruch der Leipziger Bank. Rawicz hatte Accepte der Leipziger Bank im Betrage von einer Million giriert und seinerzeit der Berliner Zulassungsstelle einen Prospekt bett. Zulassung von 6 Mill. Mark Aktien der Kasseler Trebertrocknungsgcsellschaft eingcreicht, der aber zurückgewiesen wurde.

UnwersMs Nachrichte«.

3um Rector magnificas der Universität München für das Studien« iahr 1901/1902 wurde Geh. Rat Prof. Dr. Lujo Brentano gewählt.

Gerichlsfaai.

Darmvadl, 22. Juli. (Ferien-Strafkammer.) Hinter ver­schlossenen Thüren wurde gegen den Landwirt Peter Seeger I. und dessen Dienstmagd Susanne Reimund, beide von Brandau, zurzeit hier in Untersuchungshaft, verhandelt. Sie werden eines Betrugsversuchs gegenüber den Richtern der II. Zivilkammer beschuldigt; der Angeklagte Seeger soll sich überdies an einer Sache, die $ 49 a deS St.-G.-B. unter Strafe stellt, beteiligt haben. Es sind 29 Zeugen, größtenteils aus Brandau, erschienen. DaS Urteil, das spät am Abend erging, lautete gegen den Angeklagten Seeger wegen Betrugsversuchs und Vergehen gegen den $ 49 auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust, gegen die Angeklagte Reimund auf 6 Monate Gefängnis. Die Unter« suchungshaft wurde den Angeklagten wegen ihres Leugnens nicht ange« rechnet. Das Urteil wurde von den Angeklagten nicht anerkannt.

Arbeiterbewegung.

Nordhause«, 22. Juli. Die neuen Verhandlungen zwischen Ar­beitgebern und Arbeitnehmern der Tabakindustrie haben zum Abschluß eines Waffenstillstandes von einigen Tagen geführt, da man beiderseits im Prinzip zu einer Einigung sich bereit zeige. Die Vermittlung hatte der Syndikus des Deutschen Tabalvereins, Schloßmacher Frankfurt, über, nommen. Für die Verhandlungen blieb der Spruch des Ginigungsamtes außer Betracht.

Krieftmsten der Redaktion.

Deutsche BolkSwacht. Die Katze läßt das Mausen nicht. Jn der Nr. 65 derDeutschen Volksmacht finden wir unseren Bericht über daS Langder Fest, soweit er die einzelnen Reden wiedergiebt, zum allergrößlea TeU abgedruckt, was unwiderleglich schon daraus hervor­geht, dah unser T-xt genau wiederholt wird auch an Stellen, an denen unser Berichterstatter Zusammenfassungen und Kürzungen vorge« -rommen hat. Und dabei wird unser Bericht kort als Origivalarblit auSgegeben, indem der Redakteur jenes Blättchens mit dem scherzhaft stolzen Namen mit seinen werten Initialen dieses sein abschrist- stellertscheS Werk einer halben Woche krönt Auf eine Unanstäadigk tt mehr kommt etz eben jenem amerikareifen Herrn nicht an. Doch wer Pech ansaßt, besudelt sich. Die ehrliche Deutsche Volksmacht möge fortan ihr übelduftevdeSVetscheodafiin uneezüchttgt weiterführen. Einem dummen Jungen zupft man wohl am Ohr, wenn er eine Unart be­gangen hat, man wirft ihn aber zum Tempel hinaus auf die Straße, von der er aufgelesen wurde, wenn man sieht, daß seine Geffeububen- Manieren unausrottbar find.

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mit Musik ist für unsere Kleinsten erfunden worden. AlS ob es nicht schon genug Marterwerkzeuge gäbe. Lieber sollte man den kleinen Lieblingen die Fliegen fern batten. Großartige Erfolge erzielt man bei der Vernichtung der Fliegen durch die Anwendung des welt­bekanntenCri*.

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Bekanntmachung»

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß Kaspar Becker zu Gießen als Friedhofsaufseher angenommen und verpflichtet worden ist.

Gießen, den 19. Juli 1901. 5117

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Bekanntmachung.

Die Ausstellung von Zeichuuugeu «ud Schüler- arbeite« der Handwerker» und Gewerbeschulen der Provinz Oberheffeu, sowie der Webschule in Lauterbach findet zu Sich in den Räumen des Rathauses stall. Dieselbe ist ge­öffnet vom 4. bis 18. August d. I. zur allgemeinen unent­geltlichen Befichttgung an Vor- und Nachmittagen, einschließlich der Sonntage. /

Darmstadt, den 20. Juli 1901.

Großh. CentralstMe für die Gewerbe.

______________________Noack. ______________5131

Pflichtfeuerwehr.

DouuerStag de« SS. Juli d. I., abends S1/3 Uhr, im Turmhaufe am Braud:

Uebung

der 1., Ä., 3. u. 4. Rotte.

Gießen, am 19. Juli 1901. 5066

Der Brauddirektor: Traber.

Aufgebot.

Luise Nürnberger, geboren am 9. Juli 1814 zu Reiskirchen, ist durch Urteil des unterzeichneten Gerichts für tot erklärt und ihr Nachlaß, bestehend in einer seither kura- torisch verwalteten Sparkaffeneinlage in Höhe von jetzt 341 Mk. 72 Pfg. dem Heinrich Rolleri, z. Zt. in Magdeburg, Olvenstedterstraße 65a, wohnhaft, zugewiesen. Das Spar­kassenbuch wurde gerichtlich gesperrt, da die Auslieferung des Vermögens nur gegen Sicherheitsleistung erfolgen konnte.

Heinrich Rolleri hat nun feine an erwähnte Sparkassen­einlage bestehenden Ansprüche laut ordnungsmäßig beglaubigter Cessionsurkunde, de dato Magdeburg den 12. November 1884, an seine Schwester, die Restaurateurin Elisabeths Bassow, geborene Rolleri, zu Frankfurt a. M., Klostergaffe 28 wohn­haft, abgetreten und die Rechtsgllttgkeit der Session zu Protokoll de» Gerichtes ausdrücklich anerkannt.

Elisabetha Bassow hat nun am 5. Dezember 1900 be­antragt, die Sperre dieser Sparkasseneinlage, da inzwischen die Gründe für den Eintrag derselben weggefallen find, auf­zuheben und ihr die Sparkasseneinlage auszrüiefern.

Jn Gemäßheit des § 947 der Civilprozeßordnung werden deshalb alle etwaige Berechtigte aufgefordert, ihre Ansprüche und Rechte an genannter Sparkasseneinlage spätestens im Aufgebotstermia

Montag den 1L November 1901,

vormittags 9 Ilhr,

anzumelden, widrigenfalls die Sperre aufgehoben und die Ein­lage der Anttagstellerin überwiesen werden wird.

Gießen, am 9. Juli 1901. 5119

Großhsrzogliches Amtsgericht Gießen.

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