Ausgabe 
24.1.1901 Erstes Blatt
 
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ständen das so überhäuft konkurrieren äußert sich Münch.

deutsche Produkt mit sozialpolitischen Lasten wäre, daß es mit dem Auslande nicht mehr könnte. (Zustimmung.) Der Staatssekretär weiterhin entgegenkommend zur Resolution

Abg. Albrecht (Soz.) spricht über die Lage der Kon- sektionsarbeiter, und greift Dr. Hitze wegen seiner Aus­führungen über die Gewerkschaften an.

der That einen erhebenden und nachhaltigen Eindruck au alle Teilnehmer gemacht haben. Der Kaiser, umgeben von Vertretern aller Großmächte der Welt, Fürsten und Prinzen in der Hofloge, das diplomatische Korps, die Minister und ' Staatssekretäre mit ihren Damen in den Prosceniumslogen, die eigentliche Hofgesellschaft im ersten Rang, ein unüber­sehbares Meer von Uniformen aller Art im Parquet, wo nur der Oase gleich einzelne bürgerliche Gestalten in Frack und weißer Weste sich abhoben, das war in der That eine festliche Umgebung, die auch im Gemüt des Kaisers ihre tiefe Wirkung nicht verfehlen konnte. Vom Festspiel, das man einer so illustren Gesellschaft vorgesetzt hat, möchten wir nicht dasselbe sagen. Die Ausstattungskünste des Berliner Hof theaters in Ehren. WaS au wirksamer Dekoration und Be­leuchtung und an tadellos funktionierendem Berwandlungs- Mechanismus geleistet werden kann, das leistet die Berliner Hofbühne, und auch in der Schönheit und Treue der Ge­wänder wird kein anderes Theater mit ihm konkurrieren wollen. Aber, aber Herr Laufs! In einzelnen Blättern waren wir der Besorgnis begegnet, daß dieses Festspiel G e- schmacklosigke.it en oder gar Taktlosigkeiten gegen­über den geladenen Gästen aus fremden Ländern vielleicht sogar gegenüber denen aus anderen deutschen Bundesstaaten zu Tage bringen werde. Diese Sorge ist heute gegenstandslos geworden. Wir möchten beinahe sagen: bis zu einem solchen Niveau, auf dem man wenigstens irgendwo anstoßen kann, erhebt sich Herr Lauff längst nicht mehr. Die Dichtung eit venia verbo begnügt sich mit Plattitüden und Gemeinplätzen. Wenn nur in jeder dritten Zeile eine dichterische Ab sonderheit wie dasHarfen der Zweige" u. s. w. oder ein verletzender Reim, wie die ewige Wiederholung von Funkengeknatter" (fl) undNatter", die Zuhörer­schaft daran erinnert, daß jetzt etwas ganz Besonderes los ist. Wir haben zum guten Geschmack des Kaisers selbst das Ver­trauen, daß ihm diese dichterische Leistung des Herrn Lauff des Guten zu viel war. Gewiß muß an solchen Tagen eine gewisse Ueberschwenglichkeit mit in Kauf genommen werden. Aber wenn jeder Dichter beweisen muß, daß er mit dem König gehen soll, weil er auf der Menschheit Höhen steht, so wäre es hier angebracht, und gerade hier muß der Be­fähigungsnachweis erbracht werden, ob dem Dichter diese Gunst zukommen soll, daß er dem Fürsten auf die höchsten Zinnen folgen darf. Daun muß aber auch irgend etwas gesagt werden, was das Empfinden des Monarchen tiefer anfaßt, und gerade den Monarchen in einem solchen Augen blicke weihevoll und lehrreich durchdringt.. Statt dessen dieser Zeitgeist nicht die Beilage zumBerliner Tageblatt" sondern ein alter Harfner, der die unglaublichsten Dinge von seiner Macht und Gewalt erzählt, und diese ober- lächliche, äußerliche Behandlung angeblich symbolischer Ge »anken, die aber sich in ihr Nichts auflösen, sobald man den ymbolischen Gestalten das Theatergewand auszieht. Es wäre beklagenswert, wenn wir derart im gewerblichen und male« riellen Treiben versunken wären, daß keine Dichter­natur mehr von hoher Warte aus zum Fürsten und zum Volke zu reden vermöchte. Die Dichter und die 'dichterischen Ideen sind nicht tot und sterben nicht aus, nur, wie Goethe den Faust erkennen lehrt:Dein Sinn ist zu, Dein Herz ist tot." Berlin könnte und sollte eine Stadt der schönen Künste sein, es brauchte nur der erlösende und erweckende Gedanke von oben herab zu dringen. Hoffen wir, daß das Festspiel auch den Kaiser hat erkennen lassen, daß der Versuch, Herrn Lauff zu einem Sänger der Ver- xangenheit und Gegenwart und ihrer Größe und ihrer Lehren heranzuziehen, verfehlt war, daß also die Dicht- ünst im Dienste der deutschen Geschichte und des preußischen Königtums anderswo geweckt werden muß. Dieses Bedürfnis cheint selbst in der Brust der Excellenzen und sonstigen hoch estellten Personen, auch der Militärs, die das Parquet illustrierten, überwiegend die Empfindung beherrscht zu haben.

Natitische Tagesschau.

Die peinliche Angelegenheit des Prinzen Alfons von Bayern findet in der bayerischen Presse eine verhältnismäßig ruhige Beurteilung. Anderswo urteilt man schärfer. Schon deshalb ist es zu bedauern,, daß amtliche Aufklärungen ausgeblieben sind. Den Vermut-

Deutscher Reichstag.

Berlin, 22. Januar.

Bei der fortgesetzten Beratung des Etats des Reichs­amtes des Innern bestreitet

Geheimrat Meißner die gestrige Behauptung des Abg. Sachse, daß in dem Bergbaubetriebe die Zahl der Unfälle von Jahr zu Jahr gestiegen wäre.

Abg. Horn (Soz.) bespricht nochmals die Lage der Arbeiter in den sächsischen Glasschleifereien und der Por- zellandreher.

Abg. Pauli (Antis.) bekundet dem Grafen Posa- dowsky sein Vertrauen und polemisiert dann gegen die ozialdemokratischen Redner, wobei er den Arbeitern die Organisierung in christlichen Arbeitervereinen empfiehlt.

Abg. Münch-Ferber (ntl.) begründet eine Resolution um Errichtung einer Zentralauskunftsstelle für Fragen der Landwirtschaft, des Handels und des Gewerbes.

Staatssekretär Graf Posadowsky: Ter Abg. Bebel hat auf Grund einer Broschüre behauptet, daß die vom Reichsversicherungsamt in Verbindung mit dem statistischen Amt auf der Pariser Weltausstellung, ausgestellten Tafeln geeignet seien, eän falsches Bild über die Grundlage und Wirkung der deutschen sozialpolitischen Gesetzgebung zu geben. Dieser Vorwurf hat mich ziemlich empfindlich berührt. Wir Haven in Deutschland das lebhafteste Interesse, daß die Staaten, mit denen wir im wirtschaftlichen Kampfe liegen, dieselben Aufwendungen für sozialpolitische Zwecke machen wie wir. Davon hängt es ab, ob wir überhaupt unsere sozialpolitischen Fortschritte zum Besten der Arbeiter fortsetzen können oder nicht. (Zustimmung.) Bleiben andere Staaten im Stillstand, so könnte schließlich der Erfolg der sein, daß die deutsche sozialpolitische Gesetzgebung zu einem gewissen Stillstände verurteilt wäre, weil dann unter Um­

ungen ist der weiteste Spielrauin gewährt. Die liberale Augsb. Abendztg." erfährt, der Prinz habe als Brigadier beim letzten Manöver mit dem Divisionär v. Könitz, der den kranken kommandierenden General Prinzen Arnulf vertrat, wegen der Kommandoführung Differenzen gehabt. Die Sache sei vom Prinzen Arnulf an den Kriegsminister geleitet und von diesem am Tage nach der Rückkehr des Prinzen Alfons aus Weimar dem Prinzregenten vorgetragen worden. DenM. N. N." wird heute noch näheres

geteilt: Prinz Alfons habe mit v. Könitz wieder­holt Auseinandersetzungen über die Ausführung von Be­fehlen gehabt, v. Könitz habe die Anordnung des Prinzen, beim Abstiege über ein äußerst steiniges und gebirgiges Terrain die Pferde an den Zügeln zu führen, scharf kritisiert, auf den Einwand des Prinzen kurz erwidert: Se. Majestät Pferde können ja wieder ersetzt werden", und den Prinzen stehen lassen. Den Bericht des Frei­herrn v. Könitz, daß Prinz Alfons zur Führung einer Division nicht befähigt sei, habe Prinz Arnulfunterstützt. Beide Blätter stellen bestimmt in Abrede, daß es sich um Mißhelligkeiten bei der Beisetzung des Großherzogs in Weimar gehandelt habe. Auch die Allgem. Ztg." versichert, lediglich Gründe militärischer Natur seien maßgebend gewesen. DerBayerische Kurier" ergänzt aber seine früheren Mitteilungen noch dahin: der Kaiser habe einenschlichten" kommandieren­den General nach Weimar abgeordnet, der Prinzregent dagegen ein Mitglied seines Hauses; daraus hätten sich Etikettenschwierig­keiten ergeben. 'Aber auch zahlreiche andere Mitglieder regierender Häuser waren in Weimar versammelt und ließen dem Vertreter des Kaisers den Vortritt. Anderseits ist es allerdings auffällig, daß der Zwist am Tage nach der Rück­kehr des. Prinzen von Weimar zum Ausbruuch kam.

Das niederländische Staatsblatt hat jetzt die von den Generalstaaten angenommene ehegesetzlichen Bestimmungen über die Heirat der Königin der Niederlande veröffentlicht. In erster Linie steht die Genehmigung der vonIhrer Majestät mit Seiner Hoheit Heinrich Wladimir Albrecht Ernst, Herzog von Mecklenburg, Fürst der Wenden, von Schwerin und Ratzeburg, Graf von Schwerin, Herr der Lande Rostock und Stargard einzugehenden Ehe". Als Standesbeamter tritt der Justizminister auf, der die bürgen liche Eheschließung im königlichen Palaste im Noordeinde im Haag vollziehen wird. Bemerkenswert ist, daß die gesetzlichen Vorschriften über Namensveränderung oder Beifügung von Namen auf die aus dieser Ehe zu erwartenden Kinder nicht anwendbar sind, sodaß also die Königin in dieser Hinsicht durchaus freie Hand hat. Endlich wird der Gemahl der Königin als zu den Mitgliedern und Prinzen des königlichen Hauses gehörend anerkannt. Noch nicht veröffentlicht ist das zweite der angenommenen Gesetze, wodurch der Herzog in den niederländischen Staatsverband ausgenommen wird; die Verzögerung dürfte darin ihren Grund haben, daß die für die Entlaffung des Herzogs aus dem deutschen Staatsverband nötigen Förmlichkeiten noch nicht erledigt find. Wie aus dem Haag mit Bestimmtheit gemeldet wird, wird Herzog Heinrich unmittelbar vor der Vermählung einen höheren Rang in der niederländischen Armee erhalten. Von ftemden fürstlichen Persönlichkeiten werden, nachdem der König von Württemberg und der Großherzog von Luxemburg abgesagt haben^ bei der Vermählung erscheinen: Großherzog von Mecklenburp-Schwerin, Fürst Heinrich XVIII. und Fürstin Charlotte von Reuß, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Prinz Ulrich von Schönburg-Waldenburg, Erbgraf von Erbach, Prinz Albrecht von Preußen, Prinz Hermann von Schönburg- Waldenburg, Fürst und Fürstin von Bentheim. Steinfurt, Fürst und Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt, Prinzessin Thekla von Schwarzburg-Rudolstadt, Prinz und Prinzessin Heinrich von Schönberg, Großherzog von Sachsen Weimar- Eisenach, der Fürst von Wied und Gemahlin, Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, Fürst und Fürstin von Waldeck, Großfürst Wladimir mit Gemahlin, Großherzogin Marte von Mecklenburg Schwerin, der Herzog-Regent von Mecklenburg-Schwerin, Herzogin von Albany und Prinzessin Alice, Prinzessin Adolf von Schwarzburg-Rudolftadt, Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg.

Von dem Schlußakte der Berliner Zubiläumsseierlichkeiteu entwirft der Berliner Mitarbeiter eines Thüringer Blattes ein ansehnliches Bild. Der Bericht lautet:

DaS Fest ist aus. Es hat Freitag abend mit einer prunkvollen Vorstellung im Opernhause seinen Abschluß ge­funden, und nach ihr zu urteilen, müssen die einzelnen Szenen im Schloß und vor dem Schloß, deren Zeuge zu sein dem gewöhnlichen Sterblichen unmöglich gestattet sein kann, in

Abg. B1 ell (fr<.Vp.) äußert sich im Sinne der Anregung; von Münch-Ferber.

Abg. v. Vollm ar (Soz.): Herr Pichler war so liebens­würdig, von einem königlich bayerischen Sozialdemokraten äu sprechen, den man mit anderem Maße messen müsse. Mich kitzelt man durch derartige Redewendungen nicht, ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich ein guter Deutscher, und ein ebenso guter Bayer bin, was mich aber nicht hindert, auch an andere Völker zu denken, und was die blau-weißen Farben betrifft, so habe ich sie immer für recht schön gehalten, aber auch gefunden, daß eine gewisse Dosis Rot sehr gut dazu paßt. (Große Heiterkeit.) 2r. Hitze lehnt die Verantwortung für die Sozialpolitik von seiner Partei ab, weil das Zentrum allein nicht maßgebend sei. Wo bleibt denn aber das berühmte Wort: Zentrum ist Trumpf, das aus den Reihen seiner Partei in die Welt gegangen ist? (Heiterkeit.) Und hat man in Bayern nicht gesagt, das Zentrum sei das irdische Werkzeug Gottes? (Heiterkeit.) Hat nicht Dr. Lieber das Zentrum die ausschlaggebende Partei des Reichstags ge­nannt und daraus die Notwendigkeit hergeleitet, daß das­selbe in scheinbar gleichgiltigen Dingen auf den

Luxus einer eigenen Meinung verzichten können, um in religiösen Dingen um so mehr Macht

ausüben zu können? (Hört! hört! bei den Soz.) Im übrigen, wenn Sie eine ache, die in der Welt bekannt ist, noch bestreiten wollen, dann läge es nahe, an das Jahr 1887 zu erinnern und an ihre Abstimmung zum Septennat, die Sie ausdrücklich damit begründet haben, daß Sie Rücksicht auf Rom damit zu nehmen hätten. (Zuruf im Zentrum: Das gerade Gegenteil ist der Fall!) Sie haben damals das Septennat auf das äußerste bekämpft; der Reichstag wurde aufgelöst. Sie haben sich als Vorkämpfer der Volks­rechte aufgeworfen, und als die Wahlen vorbei waren, die doch ausschließlich über die Frage des Septennats stattfanden, haben Sie sich der Abstimmung enthalten, weil Sie einerseits nach den Vorgängen in diesem Hause nicht für das Septennat stimmen konnten und weil Sie anderer­seits auf die Meinung des heiligen Vaters in Rom Rück-> sicht nehmen mußten. (Sehr richtig! bei den Soz.) Dr. Hitze hat sich gestern zu Gunsten seiner Partei auf die Arbeiter­versicherungsgesetze berufen; da möchte ich daran erinnern, daß, als es sich 1897 um die Revision der Unfallversicher­ung handelte, das Zentrum alle unsere auf weitere Aus­gestaltung der Unfallversicherung gerichteten Anträge mit niederstimmen half, obwohl es vorher für die von uns beantragten Verbesserungen selbst eingetreten war. (Hört! hört! bei den Soz. Unruhe im Zentrum.) Sie erinnern sich wohl aller dieser Dinge nicht mehr? (Heiterkeit.) Es ist viel Wesens davon gemacht worden, daß meine Partei für die Revision der Unfallversicherungsgesetze schließlich gestimmt hat. Ich kann mir wohl denken, daß das aus der Erwägung heraus geschehen ist, das Zentrum könne bei seiner sozialpolitischen Unzuverlässigkeit später noch für ein schlechteres Gesetz stimmen, wenn inan nicht sofort das Erreichte in Sicherheit bringe. (Heiterkeit.) Sie haben sich auch für eine Verteuerung der Lebensmittel, also für eine eminent arbeiterfeindliche Politik rückhaltlos ausgesprochen. Es hat mich gewundert, wie ein so erfahrener Parlamen­tarier einer so brenzlichen Sache wie der Gewerkschafts- srage nicht in weitem Bogen aus dem Wege ging, sondern sich daran die Finger verbrannte. (Heiterkeit links.) In alten Zeiten hat Bischof v. Ketteler in Mainz den katho­lischen Arbeitern direkt den Eintritt in die Arbeiter-Orga^ nisationen angeraten. Dann kam eine lange Zwischenpause, und erst als wir angefangen hatten, in den katho­lischen Landesteilen Organisationen zu schaffen, kamen Sie darauf, daß eine Organisation für die Arbeiter nötig sei, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern als Gegen-Orga- nisationen gegen unsere Gewerkschaften, und diese Ihre Gegenorganisationen haben nur zu oft als Hilsstruppen ür die Arbeitgeber und als Streikbrecher gedient. Ich würde kaum eine solche Behauptung wagen, aber auf dem Schweizer Arbeitertage zu Luzern hat Professor Beck erklärt, ne katholischen Arbeiter hätten sich allerdings so oft gegen die übrigen organisierten Arbeiter gebrauchen lassen, beispielsweise als Streikbrecher, daß eine gewisse Mißstimmung besteht. (Hört! hört! bei den Soziald.) Auf dem Kongresse der christlichen Gewerkschaften in Frank- urt wurde ausgesprochen, daß der Platz der christlichen Bergleute an der Seite der Sozialdemokraten sei, und laß sich die Fabrikanten nicht träumen lassen sollten, daß ie sich zum Kampf gegen die Sozialdemokraten gebrauchen assen würden. Ter Fuldaer Pastoralbrief der deutschen Bischöfe ist eine Antwort auf die Beschlüsse jenes Frank­furter Kongresses, die Kirche müsse auch der Leitstern bei der Lösung wirtschaftlicher Fragen sein, die katholischen Arbeitervereine seien stark genug, neben der geistigen Wohl­fahrt auch die materiellen und Standesinteressen zu ver­treten. Es wurde erklärt, die christlichen Gewerkschaften eien interkonfessionell und würden es auch bleiben; die christlichen Gewerkschaften seien nicht dazu da, die Sozial­demokraten abzumurksen. Wenn man im eigenen Lager nach Scharfmacherart gegen die katholischen Arbeiter vor­ginge, so würden sie schließlich zu den Sozialdemokraten übertreten müssen. (Hört! hört! und Heiterkeit.) Tie Dinge liegen heute so, daß die herrschenden Kreise sich nur ein Staatswesen vorstellen können, das nach ihren Ideen ge­modelt ist, während recht wqhl ein blühendes gerechtes Gemeinwesen bestehen kann ohne die Herrschaft der heutigen herrschenden Klasse. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Tr. Hitze (Zentr.) erwidert auf die Angriffe der sozialdemokratischen Redner und nimmt für seine Partei in Anspruch, daß sie den sozialpolitischen Fortschritt möglichst zu fördern gesucht habe.

Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Vp.) erklärt, daß seine Partei den Antrag Fischer aus formellen Gründen ablehne, aber ohne der Ablehnung etwa die Deutung eines Ver­trauensvotums geben zu wollen.

Darauf vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. An­träge über die Wohnungsreform.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, 23. Januar 1901.

** Personalien. Der Großherzog hat zum 22. Januar dem Rechtsanwalt und Notar, Geh. Justizrat Dr. Herman» Weber in Offenbach, au« Anlaß seines 50jährigen Dienst- jabiläumS die Krone zum Komturkreuz 2. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen und am 17. Januar de« Ministerialrevisor bet dem Ministerium der Finanzen,

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