9 MM. Mark gegen 5,3 Mill. Mk. int Vorjahre Bedarfsartikel seitens der Kassen bezogen. Tie Bezugsgerrossen- schasten, deren Zahl von 1013 auf 1055 stieg, und deren Mitgliederzahl sich von 78 284 auf 83 472 vermehrte, hatte einen gemeinsamen Warenbezug in Höhe von 24 Mill. Mark gegen 19,7 Mill. Mk. im Vorjahre. Tas, gesamte Betriebskapital stieg von 9,9 auf 11,7 Mill. Mk. und machte damit 53 Prozent des Einkaufswertes der Waren aus. Tie Molkereigenossenschaften vermehrten sich um 65, sodaß ihre Zahl zur Zeit 859 beträgt. Tie 74 394 Mitglieder der Genossenschaften lieferten insgesamt 1039 Millionen Liter Milch gegen 942 Millionen im Vorjahre ein. Tie Gesamtzahl der Mitglieder der Spar- und Tarlehnskassen des Verbandes beträgt nach den in der Versammlung gemachten Angaben gegenwärtig 290 367. Am Nachmittage fand in demselben s^aale die Generalversammlung der Be-< amten - Wohlfahrtskasse statt, an die sich eine Sitzung des Ausschusses der Versicherungskasse anschloß. Beide Institute sind dem Wohle der zahlreichen Beamten des Allgemeinen Verbandes gewidmet.
Ter Genossenschaftstag wurde durch den Verbands-Anwalt Geheimrat .Haas eröffnet. Prinz Ludwig von Bayern übernahm auf Einladung den Ehrenoorsitz mit einer längeren Ansprache, worin er betonte, daß neben allen sonstigen notwendigen Maßnahmen zur Hebung der Landwirtschaft aucy der Landwirt selbst thätig vorwärts streben und dabei mit anderen sich zusammenschließen müsse, um seine Produkte richtig auf den Markt zu bringen und zu entsprechendem Preise verkaufen zu können. Hierfür seien die Genossenschaften eines der besten Mittel. Ter Prinz verbreitete sich dann über die verschiedenen Arten der landwirtschaftlichen- Genossenschaften, die Einkaufs-, Kredit-, Verkaufsgenossenschaften und andere nnd betonte dabei, wer einer Genossenschaft sich anschließe, gebe einen Teil von seiner eigenen Selbständigkeit auf. Ter Vorteil, der daraus entspringe, komme jedoch nicht nur ihm selbst, sondern der Allgemeinheit zugute. Auf die Rede des Prinzen, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, folgten Begrüßungsansprachen seitens der Vertreter des bayerischen Ministeriums des Innern, der Stadt München, des preußischen Landwirtschaftsministeriums und der österreichischen Genossenschaften. An den Kaiser und den Prinzregenten wurden Huldigungstelegramme gesandt. Tann hielt Reichsrat Freiherr von Soden einen Vortrag über die geschichtliche Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Bayern. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde > eine Resolution des preußischen Land- tagsabg. Ring-Düppel angenommen, die betont, daß im Hinblick auf den stetig wachsenden Viehverkehr von Süddeutschland nach Norddeutschland die genossenschaftliche Zusammenfassung der deutschen Produzenten dringend erfor- derlich und sofort in Angriff zu nehmen sei.
Votttische Tagesschau.
Steuerfragen werden in der kommenden ReichstagSsesfion wiederholt Gegenstand der Erörterung sein, gilt es doch, angesichts des Defizits im Etat dem Reich neue Einnahmequellen zu erschließen. Schon die zweite Lesung des Schaumwein- steuergesetzeS dürfte die fieuersuchenden Parlamentarier an der Arbeit sehen. Das Centrum ist, wie es heißt, geneigt, zu beantragen, daß der Steuersatz für die Flasche Schaumwein, den die Kommission bereits auf 60 Pfg. erhöht hat, um weitere 40 Pfg., also auf 1 Mk., heraufgesetzt wird. Der dadurch sich ergebende Mehrertrag würde zwar nicht unerheblich sein, aber nicht entfernt ausreichen, die Lücke im Reichshaushalt zu füllen. Auch ist mit dem Protest der Schaumweinfabrikanten zu rechnen. Daß eine Reichsbiersteuer in Aussicht genommen ist, wurde vor einiger Zeit — irreu wir nicht, seitens des Oberbürgermeisters von Danzig — auf Grund spezieller Informationen versichert. Gin offiziöses Dementi erfolgte bisher nicht. Wenn nicht Alles trügt, ist am ehesten mit der Möglichkeit einer ge- staffelten Biersteuer zu rechnen.
Wie die „D. W." aus wohlunterrichteten militärischen Kreisen erfährt, ist, nach den nunmehr getroffenen Dis- Positionen, die aller Wahrscheinlichkeit nach! eine Abänderung nicht mehr erleiden werden, das ehedem geplante Zusammenwirken von Heer und Flotte bei den Kaiser-Ma- növern, die am 17. September früh in Gegenwart des Kaisers ihren Anfang nehmen, aufgegeben worden. Die Annahmen der Manöverdispositionen sind derartig, daß voraussichtlich auch ein erzwungener Uebergang über die Weichsel unnötig sein wird. Die Behauptung, daß Kanonenboote zur Deckung des Ueberganges der einen Kriegspartei in Aussicht genommen seien, korrigiert sich insofern von selbst, als diese Fahrzeuge wegen der Stromverhältnisse nicht hätten Verwendung finden tonnen. Es wären nur Torpedoboote in Frage gekommen, von deren Hinzuziehung man Abstand genommen hat, da erstlich deren Gefechtskraft gegen Landtruppen nur gering ist und ferner bei den nunmehrigen Dispositionen ein Flußübergang im großen Stile angesichts des Feindes nicht stattfinden soll. Nach, dem durch Wegfall der Festlichkeiten abgeänderten Programm ist das Eintreffen des Kaisers in Danzig am 14. September vormittags zu erwarten. Am 16. September soll die Kaiserparade auf dem Strießer Felde bei Langfuhr stattfinden, und am 17. beginnen die Manöver in der Richtung auf Tirschau zu. Die Anwesenheit des Kronprinzen bei den Kaisermanövern gilt bis jetzt als ausgeschlossen; dagegen werden Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, Prinz Eitel Fritz und Prinz Leopold, der im Gefechtsgelände einer Kavalleriedivision Quartier nimmt, daran teilnehmett.
Herr Schroers, Geschäftsführer der „Westlichen Poch' in der nordamerikanischen Stadt St. Louis, deschiihrenden deutschen Blattes daselbst, hat an einen vertrauten Korrespondenten im Auswärtigeit Amt die vertrauliche Anfrage gerichtet, ob wohl Aussicht vorhanden wäre, daß der Kaiser Die für das Jahr 1903 geplante Weltausstellung in St. Louis besucht. Tie selbstverständlich gänzlich un- offizielle Antwort soll gelautet haben, die M ö g li ch feit, hafe der Kaiser veranlaßt werden könnte, die Tradition beiseite zu setzen und die Weltausstellung mit seiner Gegenwart zu beehren, sei immerhin nicht ganz aus- ge sch la ss en. Der Kaiser habe die Gewohnheit, sich über dre ^.radttwn zu erheben, wenn die Gelegenheit ihm dies zu rechtfertigen scheine. Tie „Newyorker Staatsztg." meint, es wurde nun dem Präsidenten Mac Kinley obliegen, eine formelle Einladung zu erlassen und zu deren Uebermittelung eine Kommission hervorragender Deutsch-Amerikaner zu ernennen. Gleichzeitig damit würde natürlich eine Einladung von feiten der Weltausstellungs-Gesellschaft, des Mayors von St. Louis und des Gouverneurs von Missouri ergehen Um diesen Einladungen noch mehr Gewicht zu verleihen
sollten speziell sämtliche Gouverneure der Union ersucht werden, sich derselben anzuschließen. Eine weitere Einladung würde von den Redakteuren der 942 in den Vereinigten Staaten erscheinenden deutschen Zeitungen ergeheii und eine dritte von den Bürgermeistern der Großstädte. — Und der Zweck, für den dieser ganze Apparat arbeiten soll? Reklame für die Weltausstellung in St. Louis! Dazu aber möge man sich doch andere Leute aussuchen, als den i>cutfd}en Kaiser!
Der bisher ziemlich harmlose Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei hat sich urplötzlich scharf zugespitzt: Der Botschafter der Republik, Constans, erklärte die diplomatischen Beziehungen zwischen seiner Regierungen und der Türkei für abgebrochen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine Kriegsdrohung, falls der Sultan nicht in letzter Stunde eine Verständigung anzubahnen sucht und sich den Forderungen Frankreichs bedingungslos fügt. Von dem Vorwurf des Wortbruchs — er zog seine Zusage betreffend den Quai-Rückkauf und die Liquidation der strittigen Schuldforderungm zurück — vermag er sich freilich nicht mehr reinzuwaschen. Doch es dürften „mildernde Umstände" in Betracht kommen. Aus mancherlei Maßregeln, die AbdulHamid in letzter Zeit getroffen hat — es sei nur an die Ausweisung der staatsgefährlichen europäischen Gouvernanten aus der Türkei erinnert — geht hervor, daß der Sultan Einbuße an seiner Urteilsfähigkeit erlitten hat, wohl eine Folge der steten Angst vor Komplotten, Attentaten nsw. Vielleicht hat Herr Constans, ein scharfer Beobachter, dem der Zustand des Sultans schwerlich entgangen ist, in seinem Bericht an die Regierung auf diesen Umstand hingewiesen, sodaß eine Verständigung auf diplomatischem Wege immerhin im Bereich der Möglichkeit bleibt. Die Streitfrage selbst ist es wirklich nicht wert, eine ernste Situation herbeizuführen.
Engländer und Buren.
Eine Abteilung Buren hat sich seit einigen Wochen nach dem Bezirk von Barkly East hingezogen. Ihr Vormarsch wurde durch die Polizei der Kapkolonie und andere Lokaltruppen aufgehalten. Barkly East ist zwar besetzt, aber infolge der Nähe des Feindes völlig von der Post- und Telegraphenverbindung abgeschnitten.
Die Burenkommandanten bedrohen jeden mit dem Tode, der die Kundmachung Kitcheners in Umlauf setzt. Der Berichterstatter eines Londoner Blattes führt zwei Fälle an, wo englische Offiziere, welche die Kundmachung Befehlshabern von Burenabteilungen überbrachten, ihrer Pferde und ihrer persönlichen Habe beraubt und zu Fuß zurückgeschickt wurden. — Das ist die von den Engländern veranlaßte „Auge um Auge, Zahn um Zahn--Politik. Dr. Hendrik Muller, Vertreter des Oranje-Freistaats im Haag, teilt mit, daß elf. )is zwölftausend Kapkolonisten die Waffen ergriffen haben. In dem Bericht, den er aus Südafrika erhalten hat, heißt es weiter: Der Zustand hier wird sehr kritisch, die Engländer ind rathloS. Sie halten alle Berichte auf, damit diese nicht )ic Kapstadt erreichen. Daö, was man dort hört, ist lauter Lüge. Die ganze englische Politik hier wird bald zusammen- irechen und England selbst hier verbluten.-
Deutsches Keich.
Berlin, 21. Aug. Aus Wilhelms höhe wird gemeldet : Gestern nachmittag unternahm das Kaiserpaar mit Gefolge einen Ritt auf den Essigberg, wo auch das Souper eingenommen wurde. Heute vormittag unternahm das Kaiserpaar einen.Ritt durch den Habichtswald. Später hörte der Kaiser den Vortrag des neuen Chefs des Zivilkabinetts, Conrad, der heute hier eintraf.
— Aus Danzig wird berichtet: Tie Absperrungsmaßregeln bei der zum 14. September zu erwartenden Anwesenheit des Kaisers werden streng und umfassend ein. Tas gesamte große fiskalische Terrain, über das die Bahnverbindung von der Werft nach dem Zentralbahnhof führt, wird durch einen Eisendrahtzaun abgeschlossen und außerdem streng bewacht. Frei bleibt nur die große Zufuhrstraße zur Werst; für den Zutritt zur Werst werden besondere Vorkehrungen getroffen werden. Tas Terrain vorder Werft erhält außerdem eine großartige elektrische Beleuchtungsanlage; audji die Beleuchtungslaulage der kaiserlichen Werft wird erheblich verstärkt- Tas ständige Militär- Wachtkommando kommt unter den Befehl eines Offiziers; eine ständige, aus sechs Berliner uniformierten Schutzleuten bestehende Polizeimannschaft der Werft wird durch echs Tanziger Schutzleute verstärkt.
— Ter König Don Italien mit feiner Gemahlin oll, wie eine Korrespondenz erfahren haben will, noch in diesem Herbst zum erstmaligen Besuche des Kaisers im Neuen Palais in Potsdam eintreffen. Ter Besuch dürfte voraussichtlich nach Beendigung der großen Manöver und der Landestrauer stattfinden.
— Tie Geschäftsführung des Deutschen Flotten- V er ei ns ist dem Generalmajor z.. D. Menges in Darm st a d t übertragen worden.
- Ter TeutscheLandwirtschaftsrat versendet, „ohne Unterschrift", wie die „Deutsche Tagesztg." behauptet, eine Erklärung, worin er sich gegen die Behauptung der „Deutschen Tagesztg." wendet, daß die Anträge des ständigen Ausschusses des Deutschen Landwirtschaftsrates zum Zolltarifgesetze von der bisherigen Stellung der Plenarversammlung dieser Körperschaft einigermaßen abweichen. Tiefe Behauptung sei völlig aus der Luft gegriffen, da in den Plenarversammlungen des Deutschen Landwirtschaftsrates über die Höhe der Zollsätze bisher keine Beschlüsse gefaßt worden seien. Dagegen habe die diesjährige Plenarversammlung den ständigen Ausschuß beauftragt, zu eingehender Beratung und Beschlußfassung über den Entwurf eines neuen Zolltarifgesetzes zusammenzutreten. Ter ständige Ausschuß habe deshalb nur seine Pflicht gethan und werde der nächsten Plenarversammlung über seine Beschlüsse Rechenschaft ablegen. Die „Deutsche Tagesztg." erwidert auf diese Erklärung ziemlich gereizt. Man hätte sie sich ersparen können. Mindestens erschien die Redewendung: „völlig aus der Luft gegriffen" ungerechtfertigt. Die Auffassung, daß die Anträge des ständigen Ausschusses des Deutschen Landwirtschaftsrates von der bisherigen Stellung der Plenarversammlung dieser Körperschaft „einigermaßen abweichen", hält das Matt vollkommen aufrecht. Im übrigen möchte es sich in keine weitere Polemik einlafsen, sondern die Entscheidung der ganzen Frage der Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates überlassen.
— Die vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen vereinnahmten im Juli bei einer Betriebslänge von 30 950,10 Km. (Plus 435,74 Km.) aus
dem Personen- und Gepäckverkehr 42 806000 Mk. (Minus- 142 000 Mk.), aus dem Güterverkehr 72 727 000 Mk. (Minus 758000 Mk.). Verschiedene Einnahmen ergaben 6 588 000 Mark (Minus 104 000 Mk ), die Gesamteinnahmen im Juli betragen somit 122121000 Mk. (Minus 1004000 Mk.). Auf 1 Km. entfallen 3955 ,Mk. (Minus 83 Mk ). Seit dem 1. Aprib werden insgesamt 462510000 (Minus 3 650 000 Mk. > vereinnahmt. Tie Kilometereinnahme beträgt 15 003 Mk. (Minus 352 Mk.).
— Trotz den Schwierigkeiten, die mit Rücksicht auf die gegenwärtige Sage der Finanzverhältnisse im Reiche dem Plane einer Erweiterung der Kommission für Arbeiter st ati st ik entgegenstehen, rechnet man in den beteiligten Kreisen doch mit ziemlicher Bestimmtheit darauf, den Plan mit Hilfe des Reichstags verwirllicht zu sehen und zwar erforderlichensalles auf dem Wege der Einbringung eines Nachtragsetats.
Rix d o r f, 21. Aug. Ein Ko nflikt zwischen Bürgermeister und Magistrat ist ausgebrochen. Tie Stadtverordnetenversammlung hatte beschlossen, an den Reichstag eine Petition zu gunsten langfristiger Handelsverträge abzusenden. Ter Magistrat war diesem Beschlüsse beigetreten, dagegen erklärte der erste Bürgermeister den Magistratsbeschluß für ungesetzlich, da es sich hierbei nicht um eine Gemeinde-Angelegenheit handelt. Ter Magistrat protestierte gegen diese Auffassung und beschloß gegen die Beanstandung seines Beschlusses durch den Bürgermeister im Verwaltungsstreitverfahren Klage zu erheben.
K a 11 o w i tz , 20. Aug, Gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr wurden auf russischem Gebiet, 70 Meter von der Grenze entfernt, bei Borken hiesigen Kreises, zwei russische jüdische Schmuggler vermutlich! von Grenzsoldaten erschossen. ■
Fulda, 21. Aug. Ms gestern früh die Landgräfiu von Hessen vor dem Dom anfuhr, empfing sie der Bischof von Fulda am Portal und geleitete sie zum Grab des Bonifazius, wo die Bischöfe, die heute ihre Jahreskonferenz beendeten, zur Eröffnungsandacht versammelt waren. Die Landgräfin reichte jedem Bischof die Hand.
Sigmaringen, 21. Aug. Ter Generalminister der Franziskanerorden, Lauer, ist hier gestorben.
Ausland.
Ediuburg, 21. Aug. Der deutsche Kronprinz ist heute hier eingetroffen und hat sich später nach Dalmeny zum Be- suche Lord Rosebery's begeben.
Paris, 21. Aug. Wie nunmehr feststeht, trifft die Zarin zugleich mit dem Zaren auf der Dacht „Standard" in Dünkirchen ein. Die Dacht „Swetlana- trägt das Gefolge res Kaiserpaares. Die Zarin bringt eventuell alle ihre Töchterchen, sogar ihr jüngstes, mit, falls sich ermöglichen läßt, die schottische Milchkuh, ein Geschenk der Königin von England, mitzuführen. Den Zaren begleiten sein Onkel, Großfürst AlexiS, Fürst Dolgoruky, Graf Benkendorf und General Heffe. Im Programm der Festlichkeiten von Tom- piägne figuriert eine große Treibjagd, wozu sämtliche Jagd- besitzen der Umgegend das Wild beitreiben werden, sowie eine intime Galavorstellung im kleinen Theater des Schlaffes. Ueber Besuche des Kaiserpaares in Paris, deren mindestens zwei sicher sind, werden Details erst später festgesetzt.
Belgrad, 21. Aug. Von zuständiger Seite wird gemeldet: Ein türkischer regulärer Soldat namens Uso scho- in der Nähe des GrenzwachthauseS Tuuovo auf den Serben Perischa Obradowitsch, der sich auf seinem Felde befand, und verwundete ihn schwer. Uso gestand seine That vor dem erbischen und dem türkischen Patrouillenführer und gab an, n dem Glauben gehandelt zu haben, eS sei ein türkischer Flüchtling. CS ist festgestellt worden, daß die That auf serbischem Gebiete geschah. — Ja der Nacht vom 18. zum 19. August versuchten türkische Schmuggler bei den Wacht- Häusern Kainovicse und Scharpelatz die serbische Grenze zu überschreiten, wurden jedoch von einem serbischen Grenzwächter bemerkt und zogen sich nach kurzem Kampfe auf türkisches Gebiet zurück; hier wurden sie von türkischen Grenzwächterv empfangen. Dabei fiel ein Schmuggler.
Aas Stadt und Land.
Stachrckchten von allgemeinem Jntereffe sind UNS stets willkommen unb werden arrgerrrefser» honoriert.
Gießen, den 22. August 1901.
*• Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dea Stellvertreter des evangelischen Dekans des Dekanats Grün- berg, Pfarrer Friedrich August Röschen zu Winnerod auf fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit von diesem Amte enthoben. — Der Groß Herzog hat der durch die Dekanatssynode des Dekanats Nidda für den Rest der laufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des Pfarrers Lad' wig Fischer in Eichelsdorf zum Dekan und des Pfarrer- August Hildebrand in Echzell zum Dekanstellvertreter bei Dekanats Nidda die Bestätigung erteilt und den Revision!' koutrolleur bei dem Hauptsteueramt Offenbach Philipp Weiß zum HauptfieueramtSkontrolleur bei dem Hauptfieueramt Gießen ernannt.
•» Prof. Dr. Steiubrügge f. Ein schwerer Verlust hat unsere Landesuniverfität betroffen: Gestern nachmittag verschied nach längerem, schweren Leiden der außerordentliche Professor der Medizin Dr. Steiubrügge. Hermann Johann Friedrich Steinbrügge wurde am 25. Juli 1831 zu Hamburg geboren. Ec studierte von Oktober 1851 bis zum Herbst 1854 in Heidelberg. Im Oktober 1854 promovierte er bei der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und wurde im folgenden Jahre Assistenzarzt an der medizinischen Klinik derselben Universität. 1857 ging er als Assistent der chirurgischen Station des Allgemeinen Krankenhauses nach Hamborg und im Sommer 1858 studienhalber nach Wien. Bon 1859—18 wirkte er als praktischer Arzt in Hamburg. Am 5. November 1881 habilitierte er sich in Heidelberg und am 24. Januar 1885 in Gießen für Ohrenheilkunde. Am 29. Januar 18» i erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Am 5. Februar 1889 erhielt er den Lehrauftrag für Otiatne, von welcher Zeit ab er die otiatrische Klinik leitete. Die Leiche wird am Freitagnachmittag 3 Uhr nach seinem Geburtsort Hamburg übergeführt.
** In Amerika verstorbene Heffen. Mathias Hartleb au- Albig bet Alzey, gest. in Erie (Pa.), 78 3. alt. — Heinrich Preffer aus Rheinheffen, gest. in LomSvtlle (Sy.), 40 3. alt. — Konrad Bickel aus Bleichenbach, gest. in LouiSvtlle («Y ),


