mittag waren sämtliche Offiziere und Kadetten der „Charlotte"' nach Peterhof geladen.___
Das ZOjahrige Stistaogsfest der Aurscheoschsst „Germania".
Gießen, 22. Juli.
Einige fröhliche Tage hat die Burschenschaft „Germania" in der vorigen Woche verlebt. Allenthalben sah man in den Straßen der Stadt die schwarz-rot-goldenen und schwarz-rot-grünen Fahnen lustig wehen. Galt es doch das 50iährige Bestehen der Burschenschaft zu feiern und ihr eigenes Germancnhaus einzuwerhen. Schon tu den Tagen vor Beginn der eigentlichen Feier konnte man die Alten Herren" mit den bunten Müßen auf den oft ichon weißen Häuptern und zahlreiche auswärtige Burschenschafter mit andersfarbigen Mützen und Bändern durch die Straßen ziehen sehen.
Tie eigentliche Feier begann Dienstag abend mit einer zwanglosen Zusammenkunft im Cafe Großherzog, wo der festlich geschmückte Garten die Teilnehmer zu fröhlichem Gelage empfing, und die Gruppen, die sich in den Lauben und im Lokale plaudernd und zechend zujammen- thaten, bewiesen, daß die Gemütlichkeit und der Frohsinn hier eine trauliche Stätte gesunden.
Ter zweite Tag begann mit einem Frühschoppen in den unteren Räumen des „Andres", die sich bei der großen Anzahl der Teilnehmer fast als zu klein erwiesen. Hier wartete man lustig zechend, bis die Aufstellung zum Festzuge um 3 Uhr ihren Anfang nahm. Der Festzug wurde von den drei Chargierten und zwei Fahnenfüchsen mit den ältesten Fahnen der Burschenschaft eröffnet. Es folgten zwei Wagen mit den beiden ältesten „Alten Herren" der Burschenschaft und dem Borstand der Hausbau-Kommission. Hieran schlossen sich die übrigen A.H. und die Aktiven mit den Vertretern der auswärtigen Burschenschaften. Der Zug bewegte sich vom Andres nach dem neuen Heim, wo er von den Damen und Vertretern der Behörden empfangen wurde. Erster Redner war der Erbauer des Hauses, Architekt Meyer. Er übergab den Schlüssel des Hauses mit folgender Widmung:
„Ihr fröhlichen Burschen, zieht nun ins Haus, Belebt die traulichen Räume
Und traget von hier in das Land hinaus Was Eurer Jugend Träume: Für was Ihr hoffet, für was Ihr strebt, Für was Ihr kämpfend den Schläger hebt — „Gott, Vaterland, Ehre und Freiheit!" — Ein Bollwerk sei es dem Burschengeist, Daran sich die Stürme brechen, Und was auch kommende Zeiten durchreist. Es mög' Ihnen zeugen und sprech-en: „Für was Ihr gekämpft, für was Ihr gestrebt. Für was Ihr gehofft und liebend gelebt: — „Gott, Vaterland, Ehre und Freiheit!" — Darauf übernahm Rechtsanwalt Kraft hier, als Vorsitzender der Hausbau-Kommission, den Schlüssel mit folgender Ansprache:
Hochansehnliche Festversammlung! Liebe Bundesbrüder! Es ist mir die Ehre und die Freude zu teil geworden, im Namen des Ehrenmitgliedervereins der Burschenschaft „Germania" zu Gießen zur Gründung und Unterhaltung eines Germanenhauses dieses Haus seiner Bestimmung zu übergeben. Ich begrüße Sie alle, die Sie auf unsere Einladung- sich hier zusammengesunden haben, um der Einweihung dieses Hauses und dessen Uebergabe an die aktive Burschenschaft beizuwohuen, und danke für Ihr zahlreiches Erscheinen. Es ist wenig mehr als ein Jahr, seit wir den Grundstein zu diesem Hause legten, und nun steht es vollendet da, ein weithin rag en des Zeugnis deutscher Baukunst! Es ist vor allem unsere Pflickst, an dieser Stelle denjenigen unseren Dank abzustatten, die uns bei Gründung und Erbauung dieses Hauses unterstützt haben. An erster Stelle gebührt unser Dank Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog, unserem verehrten Landesherrn, der unserem Vereine die Rechte einer juristischen Person verliehen und es uns dadurch ermöglicht hat, unseren Zweck bereits seit 1898 in rechtsgesicherter Weise zu verfolgen. Sodann statten wir unfern Dank ab der Stadt Gießen, insbesondere auch ihrem früheren Oberbürgermeister, dem jetzigen Herrn Ministerialpräsidenten Gnauth. Der Letztere hat diesen hervorragend schönen Platz sür uns ausgesucht und es uns so ermöglicht, denselben zu erwerben. Die Stadt Gießen aber hat in diesen Jahren bei jeder Gelegenheit unseren Wünschen in der zuvorkommensten Weise Rechnung getragen, wofür wir ihr zu besonderem Danke verpflichtet sind. Wir sagen herzliche Dank denen, die den Plan zu diesem schönen S^rnife ersonnen haben, den Herren Architekten Stein & Meyer, insbesondere dem letzteren auch sür die freundlichen Worte, die er vorhin zu uns gesprochen. Ich sage nicht minder Dank denen, die unter der sachkundigen Leitung der genannten Herren dieses Bauwerk ausgeführt haben. Ich danke endlich allen anderen, die die Erreichung unserer Zwecke gefördert haben. Wir weihen nun dieses Haus seiner Bestimmung mit dem Spruche: „Möge ein gütiges Geschick über diesem .Hause walten und es bewahren vor äußeren und inneren Feinden. Möge das Haus, so lange es besteht, eine Pflanzstätte echten burschenschastlichen Sinnes sein, wie wir ihn von unseren Altvordern überkommen und zu bewahren gesucht haben. Mögen viele tüchtige und überzeugungstreue Männer aus diesem Hause hervorgehen zu Nutz und Frommen des deutschen Vaterlandes!" — Und nun wende ich mich an Euch, meine lieben jungen Freunde, die Ihr als die Ersten berufen seid, dieses Haus in Benutzung zu nehmen. Wir haben aus den Wunsch der aktiven Burschenschafter dieses schöne Haus erbaut; wenn wir es Euch jetzt übergeben, so dürsen wir hoffen und erwarten, daß Ihr es in unserem Sinne benutzt. Gedenkt, daß wie dieses Haus durch seine bevorzugte Lage die Blicke aller aus sich zieht, bedenkt, daß auch aus Euch die Blicke weiter Kreise gerichtet sind, Eurer Ehrenmitglieder, Eurer Lehrer, Eurer Kommilitonen. Es handelt sich nicht bloß um gesellige Zusammenkünste, und ritterliche Uebungen zur Wahrung Eurer äußeren Ehr e. Es handelt sich noch weit mehr darum, die innere wahren, die sich zur äußeren verhält, wie Ursache und Wirkung, die Ehre, welche den Widerstrahl bildet der Selbstachtung, der Pflichttreue, der Treue gegen sich selbst. Und toie dieses Haus weit hinausschgut über die Grenzen unseres engeren Heimatlandes, so erhaltet Euch den weiten Blick Haltet Euch fern von jeder Engherzigkeit, sie ist der Feind aller freien Entwicklung und aller Entwicklung zur Freiheit m jedem Sinne. Richtet Euren Blick <mfs Ganze, auf das teure deutsche Vaterland, dem wir unsere Liebe Nicht besser beweisen können, als indem wir Pflichttreue und Treue gegen uns selbst in seinen Dienst stellen.
Nach Absingen des Burschenschaster-Liedes: „Schwört's bei dieser blanken Wehre!" übernahm nun der Sprecher der Burschenschaft, Stud. forest. Weigand, das Haus und
sprach den A. H. den Tank der B. aus für das großartige Geburtstagsgeschenk mit dem Versprechen, daß die Aktiven das Haus stets in dem Sinne benutzen wollten, in dem es ihnen übergeben worden sei. Daran schloß sich eine Besichtigung der inneren Räume des Hauses und Uebergabe der sehr geschmackvollen Damengeschenke durch Frau Sanitätsrat Dr. Dickore und Frl. Strack, die Herr Stud. math. W a l d e ck e r im Namen der B., mit einem Hoch auf die Damen dankend annahm. Die Teilnehmer blieben noch einige Zeit zusammen, um die neuen Räume mit einem fröhlichen Trünke einzuweihen.
Aus Stadt und Land.
Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
** Heber eine Entgleisung auf der neuen Strecke Friedberg- Homburg erhallen wir aus Friedberg folgendes Original Telegramm:
k- Friedberg, 21. Juli. Der Zug Homburg—Friedberg, 7,15 hier eintreffeud, ist heute früh kurz vor dem Bahnübergang über die Maiuweferbahu entgleist. Die Lokomotive und 6 Wagen sprangen aus dem Geleise, der Postwagen blieb stehen. Die Ursache ist noch nicht genau ermittelt, vermutlich ist sie in der Bodenbeschaffenheit des neu anfgeschütteten Dammes zn suchen. Die Aufr'äumungsarbeilen waren bis 4 Uhr nachmittags bereits beendigt, sodaß die Abendzüge bereits wieder verkehren konnten. Bis dahin wurde der Verkehr durch Umsteigen vermittelt. Der Materialschaden ist gering, nur eine Anzahl Schwellen ist zerdrückt. Verletzt ist niemand. Die Paffagiere kamen mit dem Schrecken davon.
Die brieflliche Nachricht unseres (-)-Korrespondenten lautet:
Friedberg, 21. Juli. Heute morgen um halb acht Uhr entgleiste in der Nähe der hiesigen Station der von Homburg kommend» Personenzug, in dem sich etwa 200 Paffagiere befanden. Zum Glück wurde ec rasch zum Stehen gebracht, sonst hätte eine furchtbare Katastrophe eintreten können, da er, wenn er weiter gefahren wäre, einen ziemlich hohen Damm hinuntergestürN wäre. Die Reisenden wurden tüchtig durcheinander geschüttelt und kamen größtenteils mit dem bloßen Schrecken davon. Einige trugen Verletzungen davon, dir tn- deffen meist leichter Natur sind.
Wir wollen in diesem Unfall kein böse- Omen sür die neue Bahnstrecke erblicken, müssen aber doch einige Worte über das besondere Mißgeschick hier auknüpfen, von dem die Gießener Reisenden betroffen wurden, die gestern die neue Bahnstrecke benutzen wollten. Die Reisenden, die mit dem Mittagsschnellzug die Station Gießen verließen, wurden über Frankfurt nach Homburg gewiesen, während die Reisenden, die denselben Zug von Butzbach aus benutzten, auf der dortigen Station nichts von einer Sperre der Strecke Friedberg-Homburg erfuhren und von Friedberg aus ohne weiteres über Ober-Roßbach rc. nach Homburg befördert wurden! Offenbar also ist der Station Gießen nicht rechtzeitig von Friedberg aus die Mitteilung geworden, daß die Strecke Friedberg—Homburg am Nachmittag wieder frei war. Die Gießener Reisenden haben, wenn auch nur eine unwesentliche Zeitverzögerung, von 2.7 bis 2.24, so doch eine wesentlich teurere Reise nach Homburg gehabt. Gestern abend erfuhr man dann auf dem alten Homburger Bahnhofe wieder, daß die Strecke nach Friedberg wiederum gesperrt sei! Der Gießener Reisende, der also am Nachmittag erfahren hatte, daß die Strecke fahrbar sei und infolgedeffen den fahrplanmäßigen Abeudzug 11.2 benutzen wollte, mußte am Abend wieder den Um- weg über Frankfurt machen und traf hier erst um 1,38, oder vielmehr, infolge weiterer Verspätung, um 1.50 nachts ein, -alte also nun einen Zeitverlust von etwa 2i/2 Stunden. Man ersieht daraus, wie schlecht geregelt der Nachrtch teu- dienst zwischen den einzelnen Eisenbahnstattonen ist! Wäre rechtzeitig hierher Mitteilung gelangt von der Freigabe der Strecke und hätte man auf den Zwischenstationen, in Butzbach und Friedberg, durch Ausrufen, durch große Tafel- aufschristen oder sonstwie den Reisenden Mitteilung davon gemacht, dann wären alle diese Umständlichkeiten rc., denen üe Gießener Reisenden ausgesetzt waren, vermieden worden. — Wir möchten noch hinzusügen für den, der von Frankfurt aus Homburg besucht und zur Fahrt nach Gießen die neue Bahnstrecke benutzen will, darauf acht zu geben, daß es seit )em 15. d. M. in Homburg zwei Bahnhöfe giebt, einen Frankfurter und einen Friedberger, die weit von einander entfernt liegen.
Gewitter. AuS den verschiedensten Gegenden Mittel- und Süddeutschlands laufen Berichte ein über schwere Gewitter, die am Samstag und Sonntag niedergingen. So wurde besonders, wie man uns aus München schreibt, Nieder- und Oberbayern von starken mit Hagelschlag vermischten Gewittern heimgesucht. Mehrere Bauern, auch Vieh wurde vom Blitz aus dem Felde erschlagen, etwa 30 Anwesen wurden eingeäschert. Das Pfarrdors Unterkreuzberg im bayer- scheu Wald brannte zu drei Vierteln ab. Der Schaden ist allenthalben enorm, stellenweise ist die Ernte gänzlich ver- nichtet. Auch über Oberheffeu find in diesen Tagen schwere Gewitter niedergegangen, die vielfachen Schaden angerichtet jaben. So schlug der Blitz während des am Samstag mittag über Gießen und Umgegend niedergegangenen Gewitters, wie uns unser k-Korresp. meldet, in der Nähe der ehemaligen Margaretenhütte unmittelbar hinter der Rüfing'schen Wirtschaft in einen Kornhausen, der sosort in Flammen ausging. Der Acker gehört einem Kleinlindener Landwirt. Auch in der Frankfurterstraße schlug, wie wir hören, der Blitz in ein Haus ein, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Aus Lauterbach meldet unser Z--Korresp. vom 20. d. M.: Heute nachmittag zog über unserer Stadt ein schweres Gewitter auf. Ein auf der Freiherrlich Riedesel'schen Ziegelei bei Angersbach arbeitender Spengler von hier wurde von einem Blitzstrahl getroffen und sofort getötet. Ein anderer Arbeiter wurde durch den Blitzstrahl betäubt und mußte in das Krankenhaus gebracht werden.
** Silberne Hochzeit. Das Fest der filbernen Hochzeit feiern am Dienstag den 23. Juli Herr Georg Weber und Frau. Frau Weber kann dabei gleichzeitig ihr 25jährigeS Berufsjubiläum als Hebamme in Gießen feiern. Der Ehemann steht feit einer Reihe von Jahren in städtischen Diensten. Bei mehr als tausend Geburten hat Frau Weber mit größter Gewiffenhaftigkeit und treuer Pflichterfüllung in diesen Jahren ihres schweren Berufs gewaltet.
* * Lotteriegewmu. Ein Achtel der mit einer Prämie gezogenen Nr. 33680 fiel in die Verkaufsstelle von H. Lubliuski in der Steiuftraße. Der Loosanteil ist in den Händen einer hiefigen Wärterin, die den ihr zugefallenen Gewinn gewiß gut wird brauchen können.
(!) Einbruch. In der Nacht von SamStag aus Sonntag wurde zum drittenmale in einem Geschäftsbureau in ber Grünbergerstraße eingebrochen, wobei dem Diebe jedoch nur ein Paar Schuhe in die Hände fiel. Der Einbrecher ist diesmal mittelst einer Leiter in das Innere des Gebäudes gelangt.
(!) Unfug. In verschiedenen HauSgärten an der Schützenstraße und am Gleibergerweg wurden in der Samstagnacht Gartenthüren und Postamente von Thorpfeilern und Pumpen abgehoben und fortgeworfen. In einem Garten wurden die Bohnenpflanzen aus der Erde und von den Stangen gerissen.
(!) Bettrrt. In seiner Wohnung geirrt, hat sich in der vergangenen Nacht ein stark bezechter Glaser, der in eine fremde Wohnung in der Wetzsteingaffe eindrang. Er muß aber immerhin noch ziemlich fest auf Den Beineu gewesen fein, da man ihn in diesem Hause für einen Einbrecher hielt und die Polizei zur Hilfe holte.
• * Verhaftungen. Gestern Abend mußte ein tobsüchtiger junger Mensch von hier, der einen großen Menschenaufluf in der Grünbergerstraße verursacht hatte, mittelst Wagen iw das Hastlokal gebracht werden. Weiter wurden mehrere Arbeiter verhaftet, die des Guten zu viel gethan hatten, so daß sie Die Herrschaft über ihre Gliedmaßen nicht mehr besaßen und das Straßenpflaster als Erholungsort beuutzten. Ferner wurde in der Nacht von SamStag auf Sonntag ein zugereister Maurer wegen fortgesetzter Ruhestörung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhaftet. Der Fefige- nommene ist erst vor einigen Tagen, nachdem er eine sechswöchige Haftstrafe verbüßt hatte, entlaffen worden.
• • Schlägerei. An der Ecke der Schul- und Sonnen- straße kam es in der vergangenen Nacht zu einer Schlägerei zwischen mehreren wohl dem Arbeiterfiande angehörenden Leuten, die sich gegenseitig vornehmlich mit Fußtritten traktierten.
* * Landwehrübung. Am vergangenen Mittwoch traten ungefähr 320 Landwehrleute im hiesigen Regimente eine vierzehntägige Hebung an. Es wurden drei Landwehr- kompagnien gebildet.
* * Felddien st Übungen. Das hiesige Infanterie- Regiment und die von dem großen Kavallerie-Exerzierplatz Senne bei Paderborn zurückkehrenden beiden hessischen Dragoner-Regimenter machen gegenwärtig in der Umgegend unserer Stadt größere Felddienstübungen. Am Freitag rückte unser Regiment gegen 1 Uhr in nördlicher Richtung nod); Lollar und Umgebung aus, um den Feind (die beiden Dragoner-Regimenter), der von Marburg kommen ollte, zu erwarten. Am Abend gegen halb 8 Uhr mar- chierten die Bataillone in die Kaserne zurück. Samstag rüh brach der Feind von Marburg auf. Es galt nun, für unser Regiment die Uebergänge bezw. Brücken über die Wieseck und Lahn zwischen Großen-Buseck und Dutenhofen zu sichern. Diese Aufgabe fiel hauptsächlich dem dritten Bataillon zu, während das erste und zweite Bataillon um )ie Orte Lützellinden, Großenlinden und Groß-Rechtenbach lagen und von dem letzteren Orte aus eine Verbindung mit den Butzbacher 168ern, die gleichfalls übten, her- tellten. " Abends gegen 7 Uhr traten die Kompagnien den Rückweg an. Heute, Sonntag, haben die beiden Dragoner- Regimenter nördlich von Gießen in der Gegend von Stauffenberg, Ruttershausen, Lollar, Krofdorf usw. Stellung genommen. Montag früh marschiert das hiesige Regiment in der Richtung nach Butzbach, um wieder mit den 168ern in Fühlung zu treten. Das Regiment wird erst Dienstagnachwittag wieder hier eintreffen, nachdem es an ien größeren Uebungen bei Butzbach und Bad-Nauheim teilgenommen hat. Die Truppen werden keine Quartiere beziehen, sondern im Freien bivouakieren. An den Uebungen nehmen sämtliche Regimenter der 21. und 25. Division teil. Die beiden Dragoner-Regimenter werden Montagabend in der Gegend von Watzenborn, Steinbergs Lang-Göns und Rechitenbach Quartiere beziehen und voraus- ichtlich nächsten Donnerstag wieder in Darmstadt ankommen.
* * Die Feldpost nach China. Die Briefpost wird den Angehörigen des ostasiatischM Expeditionskorps und der Besatzungsbrigade nach wie vor mit besonderer Sorgfalt zugeführt. Sendungen an die Angehörigen der ostasiatischen Besatzungsbrigade werden wie früher der immer noch in Thätigkeit befindlichen Feldpost gesammelt zugeführt und von dieser in Ostasien auf "hie einzelnen Standorte und Truppenteile verteilt. Den Angehörigen des heimkehrenden Expeditionskorps werden die Brieffendungen entgegengeführt, soweit es die Zeit erlaubt. Die Truppen erhalten die Sendungen demnach! beim Anlegen der Transport- dampfer in den einzelnen Häfen. Den Transportdampfern werden für die auf der Heimreise befindlichen Truppenteile nur Briefe und Postkarten entgegengeführt. Sie erhalten ebensowenig Postanweisungen wie Pakete und Geldbriefe.- An Angehörige des Expeditionskorps können dagegen nach wie vor alle Gattungen der Feldpost, Briefe, Karten, Anweisungen, Pakete und Geldbriefe, geschickt werden. Postanweisungen gehen von Neapel wieder am 24. Juli, am 7. und 21. August, sowie am 4. September ab. Pakete und Geldbriefe verlassen Hamburg am 24. Juli und 21. August, Bremerhaven am 6. August.
** Kleine Mitteilungen auf Hessen und den Nachbarstaaten. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten gestern das Ehepaar Ang. Sauerbier und Frau, geb. Grüninger. Das Jubelpaar ist noch verhältnismäßig rüsttg. — In Lauterbach machte am nachmittag des 20. Juli ein Arbeiter, der dem Alkohol sehr ergeben war, in einem Garten in der Nähe des Billsteins durch Erhängen feinem Leben ein Ende. — Bekanntlich kommt die neue hessische Steuerreform ausschließlich dem flachen Lande zu gute. Für die Bezirke mit vorwiegend städtischer Bevölkerung hat die Steuerreform eine wesentliche Steuererhöhung, für die ländlichen Bezirke dagegen eine beträchtliche Steuerherabsetzung ergeben. In Rheinhessen haben die drei städtischsen Steuerbezirke Mainz, Worms, Bingen ein Mehr von 208 020 Mk. aufzubringen, während die fünf ländlichen Steuerbezirke Alzey, Ingelheim, Oppenheim, Osthofen und Wörrstadt 246301 Mk. weniger zu zahlen haben. — In Bretzenheim goß am 19. Juli der 13jährige, die Mainzer Realschule besuchende Sohn des Dreschmaschinen- Besitzers Dörr aus einer Kanne Petroleum ins Feuer, wobei die Kanne explodierte. Die Kleider des Unglücklichen fingen Feuer und brannten lichterlohe. Mit schweren Brandwunden bedeckt wurde der unglückliche Knabe noch


