Ausgabe 
23.7.1901 Zweites Blatt
 
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am Abend ins Spital nach Mainz gebracht. Sein Zustand soll besorgniserregend sein. Tie Mutter, welche die Flam­men mit ihren Händen löschen wollte, erlitt an den letz­teren ebenfalls schönere Brandwunden. Tompsarrer- decker in Mainz wurde zum Tekan des Dekanats Mainz- Stadt ernannt.

Vermischter.

* Berlin, 21. Juli. Eia großes Hehler- und Diebesnest ist in der Gollnowstraße 32 von der Kriminal Polizei aufgedeckt worden. Dort wurde der 28 Jahre alte Fahrradhändler Oscar Wolko, der im Quergebäude genannten Grundstücks lange Zeit ein bedeutendes Fahrradgeschäft be­trieb, wegen Hehlereien verhaftet und sein Geschäft polizeilich geschloffen. Weiter sind bis jetzt 17 mit Wolko in Verbind­ung stehende Fahrraddiebe hinter Schloß und Riegel gebracht worden, welche die meisten der in diesem Sommer besonders zahlreichen Diebstähle an Fahrrädern in Berlin und in den Bororten auSgeführt haben dürften.

* Die Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz im Harz wurde dieser Tage eingeweiht. Tie Schöpfung des Malers Hermann Hendrich und des Architekten Bernhard Sehring ist ein eigenartiges Kunstwerk, geschaffen aus dem Reichtum der Walpurgissage und der Schönheit des Harzes. Prächtig ist das Hexentanzbild, die Gretchen- erscheinung und der Aufstieg Fausts und Mephistos zum Blocksberg. T-ie Architektur der Halle schließt sich würdig der heidnisch-germanischen Sage an. Staatsminister a. D. Oberpräsident v. Boetticher widmete den Schöpfern des .ttunstwerkes Worte der Anerkennung. Er freue sich, daß das Werk in seinem Aufsichstsgebiete erstanden sei und er verspreche, die Halle in Schirm und Schutz zu nehmen. Jeder Gebildete und jeder, der die germanische Volkssage mit ihrem gesunden Sinn und Kern verstehe und schätze, werde in Zukunft bei einem Besuche des Harzes auch die Wal- Mrgishalle besuchen.

* Leipzig, 20. Juli. Eine Arbeiterfrau in Leipzig- BolkmarSdorf warf heute anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung ihre beiden 2i/g und 1 Jahr alten Kinder zum Fenster hinaus auf die Straße. Das jüngere Kind war sofort tot, das andere wurde schwer verletzt.

* Eine Kriegserinnerung. Vor kurzem fand in Paris eine Begegnung statt, die ein Nachspiel zum Kriege 1870/71 bildet. Ein bei Weißenburg schwer verwundeter und von einem Preußischen Assistenzarzt (jetzt Professor an der Berliner Universität) behandelter französischer Offizier war 30 Jahre hindurch nicht müde geworden, in seinen Briefen seiner Dankbarkeit für die ihm geleisteten Dienste Ausdruck zu geben. Nachdem er wiederholt den Wunsch nach einem persönlichen Zusammentreffen geäußert, hatte der nun­mehr Siebzigjährige jetzt eine weite Reise nach Paris nicht gescheut, um seinem in der Pfingstwoche dort für einige Tage weilenden früheren Arzte noch einmal die Hand zu drücken. Auch ein kleiner Beitrag zu dem in unserer Zeit öfter her­vortretenden Umschwung der Stimmung in den Köpfen vieler Franzosen.

* Doppelmord in Sardinien. In der Stadt Sorso auf Sardinien wurden auf offener Straße der Rechts­anwalt Lopez und der Verleger Dessi erschossen. Lopez war Steuerpächter von Sorso und hatte die Ent­eignung mehrerer Güter veranlaßt, die wiederum von Dessi gekauft werden sollten. Es wird vermutet, daß diese An­gelegenheit die Mörder zu der Blutthat bestimmte.

* Wien, 20. Juli. Nach den im Auftrage der Re­gierung angestellten Untersuchungen ist in Obermais und Kaltern bei Meran und St. Magdalena bei Bozen das Auf­treten der Reblaus festgestellt worden. Alle notwendigen Maßregeln find ergriffen worden; eine Sachverständigen- Kommisfion hat sich an Ort und Stelle begeben.

Gerichtssaal.

t. Gießen, 20. Juli. Vor dem Schöffengericht hatte sich der Rechtsanwalt August 2Vagner von hier wegen Betrugs zu erantworten. Er hat sein Dienstmädchen, weil es nach zweieinhalb Monaten den Dienst kündigte, sofort ohne Gewährung der Mittel zur Heimreise entlassen, und bei einem Bankier, bei dem das Mädchen auf seine Ver­anlassung von einer früheren Lohnzahlung 7.50 Mk. de­poniert hatte, diesen Betrag auf Grund des ihm zur Auf­bewahrung übergebenen Depotscheines erhoben mit der Erklärung, er benötige für das Mädchen den Betrag. Er verwandte die Summe aber zum eigenen Nutzen. In dieser Wandlung erblickte der Amtsanwalt das Vergehen des Betruges und beantragte acht Tage Gefängnis. Der Ange- klagte erklärte, er habe das Mädchen auf ein Jahr gemietet und sei zur Lohnzahlung erst nach Ablauf eines Viertel- la$r gewesen. Nur geschenkweise habe er

dem Mädchen nach Ablauf des ersten und zweiten Monats Geld gegeben; davon habe das Mädchen die Mk. 7.50 hinterlegt. Er habe nur nach seinem guten Recht das Geschenk zurückgenommen. Wolle man aber die Zahlungen als Lohn ansehen, so sei ihm durch den an- gedrohten^Weggang des Mädchens vor der ausbedungenen Zeit ein schaden erwachsen, und er habe das Recht gehabt, sich wegen des Schadens an das Depot zu halten. Ter Amtsanwalt erklärte, keine Veranlassung zur Widerlegung der Deduktionen des Angeklagten zu haben, denn für jeden Laien jei das, was zur Anklage stehe, ein kompletter Be­trug, der um )o schwerer ins Gewicht falle, als er von einem berufenen Vertreter des Rechts ausgeübt worden Angeklagte wurde zu 100 Mk. Geldstrafe oder 20 Tagen Gefängnis verurteilt.

Arbeiterbewegung.

SS , »ervyork, 21. Juli. Der Stahltrust entschloß sich zu Löhn­er Höhungen in den Ohioer-Werken; auch wirbt er Neger aus den südlichen Gebieten an. Inzwischen hat heute der Arbeiterbund mehrere Versammlungen abgehalten und energische Anstrengungen ge- macht, die Mannschaften der ursprünglichen Carnegiewerke zu gewinnen

Jagd und Sport.

m Gieße«, 22. Juli. Gestern fand auf dem Trieb daS Fuß- £ n.V®«ttfpiel zwischen der ersten Mannschaft deS Frankfurter Fuß- ^uklubs Viktoria" und der ersten Mannschaft des Gießener Gymnasiasten-Fußballklubs statt. DaS intereffante Spiel wurde von den zahlreich erschienenen Zuschauern mit lautem Beifall begleitet, .kyre Synrpathieen galten durchweg unseren tapferen Spielern, waS

namentlich dann zeigte, wenn einer der Gegner in unsanftem iMll den Boden berührte. DaS Spiel endete nach P/i Stunden mit

dem Siege der Gießener Mannschaft mit 2:1. Dieser Sieg hat um so höheren Wert, als hier eine Schülermannschaft gegen eine der besten deutschen Männer-Fußballk.'ubs gewonnen hat. ES ist jetzt das dritte Wettspiel, das unser Klub in diesem Jahre siegreich aus- qefochten hat.

Kandwirtschast.

Berlin, 20. Juli. Saatenstand in Preußen Mitte Juli. Nr. 2 gut, 3 mittel, Durchschnitt, 4 gering. Winterweizen 3,7 (15. Juni 1901 3,7, 15. Juli 1900 2,5); Sommerweizen 2,9 (2,8 resp. 2,5); Winter­roggen 3,1 (3,1 resp. 3,0); Sommerroggen 3,1 (3,0 resp. 3,0); Gerste 2,8 (2,7 resp. 2,5); Hafer 3,0 (2,6 resp. 2,4); Kartoffeln 2,7 (2,5 resp. 2,3); Klee 3,8 (3,5 resp. 3,4): Wiesenheu 3,4 (3,0 resp. 3,0). In den Bemerkungen der fiatist. Korresp. heißt es, wo nicht schwerer oder in den Niederungen und Moorkulturen belegen-r Boden Widerstand zu leisten vermag, würden die Ernteaussichten mitunter als trostlos bezeichnet. Futter sei schon knapp Aus einzelnen Gegenden werde über Futternot berichtet, die die kleinen Landwirte bereits zur Abschaffung des Viehs, die größeren zur Stallfütterung zwinge und in einzelnen ostpreußischen Kreisen dazu geführt habe, das unreife Sommergetreide als Viehfutter zu verwenden. Während vielfach über Jnsektenschäden, namentlich durch Zwergcikaden und Fritfliegen, meist aber nur aus dem ostelbischen Staatsgebiete be» richtet wurde, wurden die Klagen über andere Jnsektenschädlinge nur ganz vereinzelt, nirgends dagegen solche über Mäuse laut. Der Stand des WinterweizenL änderte sich gegen den in dem vormonatlichen Bericht erörterten nicht. Der dann spärlich und zu spät gekommene Regen ver­mochte nichts m-hr zu beffern. Winterroggen hielt der Dürre noch kräftig Stand. Allerdings habe mit wenig Ausnahme das Stroh nicht sehr lang werden können. Der Körnerertrag werde, wenn er im August keine Störung erleide, einer guten Mttelernte entsprechen. Für die Sommer­halmfrüchte seien Dürre, Wind und die oft kalten Nächte verderben­bringend, wo nicht Regenfälle eine erquickende Wirkung ausübten oder bald bringen. Auch Kartoffeln kämen nicht zu Kräften. Das vor Ein­tritt der warmen Witterung Gesetzte sei gut aufgegangen, die später ge­setzten Kartoffeln stünden lückenhaft. Wo zeitig Regen hintraf, hätten sich auch letztere gut entwickelt, jedoch solle infolge der nun mehrere Wochen dauernden Trockenheit der Knollenansatz vielfach zu wünschen übrig lassen. Klee, Luzerne, Felber und Wiesen find überall nach der Ernte infolge der Dürre mehr oder weniger ausgebrannt.

Krieskastrn der Redaktion.

B. Si- geben unS freundlichst die Anregung, für eine Reform des AlterSversorgungsgefetzeS etnzutreten, und schlagen vor, wir möchten für die Frstfetzung der Altersgrenze auf das 65. Lebens­jahr platdteren. Wir ftnd im Prtnzipe mit Ihrem Vorschlag vurch- aus einverstanden. Aber wollen Sie gefl. erwägen, ob die Forderung gegenwärtig opportun ist mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage im Reiche und bte viel schlechtere der Einzelstaaten, namentlich unseres Landes, und die rückgäng'ge wtrischaftliche Konjunktur. Gelegenllich d-S Antrages Bebel und Gen. im Reichstage, der u. a verlangte, daß der Beginn der Altersnnte beim vollendeten 60. Lebensjahr etntreten sollte, ist eine Berechnung Über den dadurch etntretenden Mehrbedarf gemacht worden. Danach würden rund 600000 Altersrentner von 60 bis 70 Jahren hinzukommeo. Der Mehrbedarf hierfür und die Gewähr der Invalidenrente schon an die Halbinvaliden wurde auf ztlka 160-160000 Mill. Mk. jährlich geschätzt. Beim Bezug der Altersrente vom 65. Jahre ab kämen wohl mindestens 250 000 Per­sonen in Betracht. Nach Lage der Verhältnisse würde der Neichs- zuschuß in entsprechender Höbe nur auszubrtngen sein durch eine neue Masse steuer, wovon die Bevölkerung natürlich nichts wissen will, oder durch Zuschläge, und zwar recht erhebliche, zu den Einkommensteuern. Ist aber unsere hessische Etrkomm-nstluer z.B. nicht nachgerade hoch genug? Seinerzeit hatte ja auch der Bund der Landwirte eine Reihe von Vor­schlägen für die Reform deS Alters- und JnvalidttStsgesitzes gemacht und für den Mehrbedarf Zuschläge zu den Einkommensteuern em pfohlen. Diese Vorschläge wurden selbst von befreundeter konservativer Sette abfällig beurteilt, und der Bund der Landwirte hat cB selbst für rätlich gehalten, nicht wieder auf den im Jahre 1896 dem Reichstag überreichten Antrag zurückzukommen. Wie gesagt, der Z-itpunkt ist augenblicklich sehr ungünstig, die Herabsetzung des Rentendezieberjahres zu fordern. Kaum eine Partei außer den Sozialdrntokraten würde da­für jetzt zu Haden sein, noch viel weniger die Regierung. Am schärfsten würde die Industrie gegen die Mehrbelastung protestieren.

Kandel und Uerkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurt a. M«, 20. Juli. In der Generalversammlung der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Lahmeyer, die mehrere Stunden dauerte, wurde der Vorschlag einer Dividende von 10 Prozent angenommen. Die Verwaltung änderte den ursprünglichen Antrag, das Grundkapital um lOVe Mill. Mk zu erhöben und die neuen Aktien den Aktionären brr Deutschen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen im Verhältnis von 7 zu 10 anzubleten, auf ver­schiedene Anregungen auB den Kreisen der Aktionäre dahin ab, daß nur 10 Millionen Mark neue Aktien ausgegeben und gegen drei Aktien der Un ernehmungen zwei Lahmeyer-Aktten angeboten werden, so daß sich erstere kursmäßig auf 66% anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, auf 70 Prozent stellen. Verschiedene Aktionäre, namentlich Lvctan Bäunner aus Wien, machten Bedenken gegen den Antrag geltend. Nachdem 2er Generaldirektor Professor Salomon den Antrag aus­führlich begründete, wurde er mit 5599 gegen 245 Stimmen ange­nommen, der Antrag auf Vertagung der Beschlußfassung über die Kapttals-rhöbung wurde verworfen.

Leipzig, 20. Juli. Die heutige Vorversammlung von Gläubigern der Leipziger Bank, an der 300 Personen teilnahmen, beschloß, der Gläubigerversammlung am Montag vorzuschlagen, daß aus den Reihen derselben vier Herren dem Ausschuß beigegeben werden. Hierzu wurden die Herren Tobias i. Fa. Tobias u. Schmidt, Eramer i. Fa. Polter u. Co., Kommerzienrat Kummer und Stadtrat Hübner-Zschopau vorgeschlagen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: 1. Mit allen Mitteln die Verantwortlichkeit des AuffichtSrats festzustellen; 2. daß eine baldige Prorata-Verteilung an die Buchgläubiger stattfindet; 3. daß Gelder nach Kassel nur dann gegeben werden, wenn solche absolut sichergestellt sind; 4. daß ein Vergleich mit den Aktionären nur nach voller Befriedigung der Gläubiger stattfinden kann, andernfalls es der Zustimmung einer ein­zuberufenden Gläubiger-Versammlung bedürfte.

ko. Frankfurt a. M., 22. Juli. (Orig. Telegr. deSGießen. Anz.") Amtliche Nolterung der heutigen Fruchtm arktpretse. Wetzen Mk. 17.25-17 50, Kurhessischer Mk. 17.25, La Viata Mk. 17.00-00 00 KansaS Mk. 00.00 btS Mk. 00.00, Roggen (hi-siger) Mk. 0000, Gerste (Wetterauer) Mk. 1660-00, Hafer Mk. 1450-15.00, Mats Mk. 11.80-00.00, Weizenmehl 0 Mk 25.00 bis Mk. 25 50, 1. Qual. Mk. 23 00 bis Mk. 23.60, 3 Qual. Mk. 2121.50, Rogaen- mehl 0 Mk. 22 00-23.00, 1. Qual. Mk. 20.75-2150, Weizercklete Mk. 9.00-9.25, Roggenkleie Mk. 100010.25, MatLkeime Mk. 0.00 bis Mk. 0000. Alle« p-r 100 Kg. ab hier.

FC. Frankfurt CU M», 22. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht de«®. A."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkauf standen 442 Ochsen, darunter 140 aus Oesterreich, 36 Bullen, da- runter 2 aus Oesterreich, 912 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 201 Kälber, 146 Schafe und Hämmel, 1225 Schweine, 0 Ziege, 0 Ziegen-, 2 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 6466 Mk., 2. Qual. 6062 Mk., 3. Qual. 5860 Mk.; Bullen 1. Qual. 55-57 Mk., 2. Qual. 51-54 Mk; Kühe 1. Qual. 60-62 Mk., 2. Qual. 5759Mk., 3.Qual. 41^-43 Mk., 4. Qual. 3032 Mk., 5. Qual. 2829 Mk. Bezahlt wurden für 1 Pfd. Schlachtgewicht Kälber 1. Qual. 7779 Pfg., Lebendgewicht 45-48 Pfg., 2. Qual. 6769 Pfg, Lebendgewicht 3740 Pfg., 3. Qual. Schlachtgewicht 5055 Pfg.; Schafe l.Qual. Schlg. 6264Pfg., 2.Qual. 5759Pfg.; Schweine l.Qual. 65 Pfg., Lebendgewicht 51 Pfg., 2. Qual. 64 Pfg,, Lebendgewicht 51 Pfg., 3. Qual. 5758 Pfg , Lebendgewicht 50 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gedrückt, bei Kleinvieh gut. Ueberstand bedeutend.

Neueste Meldungen.

Berli«, 22. Juli. Auf dem Krossen-See bei Königs- Wusterhausen kenterte gestern Nachmittag bei einem Gewitter- sturm ein Kutter. Drei Frauen und vier Kinder ertranken.

Köln, 21. Juli. Im heutigenWestdeutschen Deriy" siegte Arend nach hartem Kampfe gegen Huber-München.

Metz, 22. Juli. Gestern erstach hier ein Arbeiter seinen 19jährigen Sohn im Streite. Letzterer starb nach einer Viertelstunde. Der Vater wurde sofort verhaftet.

Portsmouth, 21. Juli. Die Wettfahrt des Kreuzers Minerva" der mit einem Röhrenkeffel versehen ist, und des KreuzersHyacinth-, welcher einen Belville-Kessel hat, endete mit einem Siege derMinerva". Die Wettfahrt ging von Gibraltar nach PortSmuth und sollte erweisen, welches Kessel­system den Vorzug verdiene. DemHyacinth" platzte im Kessel eine Röhre des Belville-Kessels, wodurch ein Heizer schwer verbrüht wurde.

Paris, 22. Juli. Generalratswahlen. Bis V/2 Ahr früh waren gezählt 587 Republikaner, 113 Konservative und 67 Stichwahlen. Bisher haben die Republikaner 32 Sitze gewonnen und 16 verloren. Unter den Wiedergewählten befinden sich Delcassö, Desschauel, Rouvier, Mougeot, Paul Loubet, Krantz, Meline, der frühere Kriegsminister Mercier und sein Bruder, General Mercier.

Perpignan, 21. Juli. Ein heftiges Gewitter mit Hagel ging im Dorfe Palau nieder. Kinder eilten auf den Kirchturm und läuteten die Glocken in der Meinung, sie könnten dadurch den Blitz abwenden. Plötzlich schlug der Blitz in den Kirchturm, tötete vier Kinder und verletzte vier Kinder und eine Frau schwer.

Vlisfingeu, 21. Juli. Der LloyddampserWeimar-, von Antwerpen nach Australien bestimmt, stieß bei Vlisfingen mit dem Stettiner DampferCäsar", der Getreide von Ibrahim nach Antwerpen brachte, zusammen.Cäsar- wurden mehrere Platten eingedrückt, lief halb voll Waffer und wurde an Strand gesetzt. Niemand ist verletzt.Weimar- setzte die Reise fort.

Rom, 21. Juli. Der Herzog von Aosta wird den großen Manövern in Deutschland beiwohnen und dem Kürassierregiment Nr. 4, deffen Chef er ist, sein Portrait schenken.

Neapel, 22. Juli. Crispi ist erkrankt unter An­zeichen großer Herzschwäche. Sein Zustand ist beunruhigend.

Belgrad, 21. Juli. Gestern früh wurden an mehreren Orten Serbiens Erdstöße von wechselnder Stärke und Dauer in der Richtung von Südosten nach Nordwesten wahr­genommen.

Petersburg, 22. Juli. In der Stadt Soloki-Nova- AlexandrowSky (Bezirk Kowno) wurden 260 Häuser durch eine Feuersbrunst eivgeäschert. Im Gouvernement Kiew find 20 Prozent der Zuckerrüben-Pflanzungeu durch Käfer und Raupen vernichtet worden. Amtlichen Nachrichten zufolge beträgt daS Defizit bei der Charkower Handelsbank 2 300 000 Rubel.

Suez, 21. Juli. (Lloyddepesche.) Der DampferRhipluS- meldet, daß der nach Kalkutta bestimmte DampferNumidia" der Anchorlinie bei der nördlichen Brüderinsel im Roten Meer ausgelaufen sei. Drei Tanks und ein Schott seien leck; der Dampfer könne gerettet werden, wenn sofort Hülfe gesandt werde. Ein bedeutender Teil der Ladung müsse ge- löscht werden, um das Schiff flott zu machen.

Telephonischer Kursbericht.

81/! % RefohBenleihe . . 100.85 8 0/c do . . 90.15 B*/t c/o Konsole . . . . 100 90 8"/c do .... 90.59 81/s u/o Hessen .... 98.90 5% Italien. Bente . . . 97.10 4% Griech. Monop.-Anl. 43. 8 o/o Portugiesen , . . 25.95 8 o/o Mexikaner . , . . 26.30 41/t c/o Chinesen .... 81.00

Tendenz

Frankfurt, den 22. Juli.

Kreditaktien..... 199 80

Diskonto-Kommandit . . 173 60 Darmstädter Bank . . . 127.00 Dresdener Bank . . . . 128.80 Berliner Handelsgei. , . 135 20 Oesterr. Staatsbalm . . 137.30 Gotthardbahn .... 152.00 Laurahütte..... 180 50

Bochum......165.80

Harpener......151 00

schwach.

Meteorologische Beobachtungen

der Stativ« Gieße«.

Juli

Barometer auf oo reduziert

£

"c

j

£

der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

i

ca e 5

3- C o

- 3

Windstärke

Wetter

20. 9« |

747,4

4- 17,0

14,0

97

Sttll

Heller Himmel

21. 7»

747,2

+ 14,5

11,6

95

NE.

1

Bew.

21. 2»

746,1

+ 22,4

13,8

69

SSW.

1

Leichter Regen

21. 9«

745,2

+ 17,4

13,4

91

Still

Heller Himmel

22. 7«

744,6

+ 16,0

12,2

90

Sttll

22. 2«

744,9

4- 24,2

14,1

63

w.

2

Bew.

Höchste Temperatur am

19.-20. Juli

4- 25.10 C.

Nledrigfie

4- 11.40 c.

Höchste Temperatur am 20.21. Juli

4- 25.6° C.

Niedrigste

n

n

4- 114' C.

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