Ausgabe 
23.6.1901 Erstes Blatt
 
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Liesen Beschlüssen bei. Tem Gesuche der staatlich ange­stellten älteren Geometer 1. Kl-, die anderweitige Fest­setzung ihrer Besoldungs-Penfionsfähigen V or dienstzeit betr., wird mit der Zweiten Kammer keine Folge gegeben. Tem Ansinnen der Großh. Regierung daß 1., ein Betrag von 930 000 Mk. auf dem Wege des Staatsanlehens aufgebracht wird, um den neuen Betrieb auf der Grube Ludwigshoffnung einrichten zu können; 2. daß die bisher im Besitze des Großh. Familien-Eigentums befind­liche Grube Ludwigshoffnung im Austausch gegen die in der Zusammenstellung genannten Waldparzetften mit einer Flächengröße von 4 337 371 Hektar ohne gegenseitige Herauszahlung in das Eigentum überführt werde, hat die Zweite Kammer zugestimmt und das Haus beschließt in gleichem Sinne. Auch der Veräußerung resp. Umtausch der zum Landeseigentum gehörigen Parzelle Flur III. Nr. 61 der Gemarkung Kornsand gegen ein gleich großes und gleichwertiges zum Großh. Familieneigentum gehöriges Grundstück der Gemeinde A st h e i m findet keine Bean­standung. Tie Regierungsvorlage betr. die Abtretung von fiskalischem Gelände zur Erbauung einer evangeli­schen Kirche in Ba d -N a u h ei m, (es betrifft bekanntlich das Gelände, aus welchem zurzeit das fiskalische Hotel Kursaal steht) wird entsprechend dem Beschluß der Zweiten Kammer genehmigt.

Regierungsrat Roßmann in Friedberg soll wegen Auf­hebung der Rentämter in den Ruhestand versetzt werden; es fehlen ihm aber zur pensionsfähigen Dienstzeit noch! drei Tage; auf Ansucheri soll die Dienstzeit von 40 Jahren voll angerechnet werden. Tas Gesuch findet in Ueber- einstimmung mit der Zweiten Kammer Annahme. Die Vorstellung des Großh. Bezirkskassierers Haas in Mainz, der sich, in Romrod eine eigene Wohnung erbaut hat, eine Gewährung von Mietentschädigung usw. wird im Sinne der Zweiten Kammer für erledigt erklärt. Ebenso wird dem Beschluß der Zweiten Kammer beigetreten, der die Vor­stellung des Großh. Bezirkskassierers Riet in Mainz, betr. die Regelung seiner Gehaltsverhältnisse für erledigt erklärt. Auch das Gesuch des von dem Direktor der psychia­trischen Klinik in Gießen für dienstuntauglich er­klärten Hauptsteueramtsassistenten i. P. Kammer zu Vil­bel kann keine Berücksichtigung finden. Tas andere Haus hat die Vorstellung des Verbandes der katholischen kaufmännischen Ve r ei iiig ungen Deutschlands, die Warenhäuser und V e r s a n d g e schä f t e und deren Filialen mit einer sog. Unisatzsteuer zu belegen, für erledigt erklärt, da die Untersuchungen über eine zweck­mäßige Warenhaussteuer oder eine Reform der Gewerbe­steuer noch nicht beendet seien. Das Haus tritt diesem Beschlüsse bei. Tas Gesuch der Hochbauaufseher und Äreisstraßenmeister um anderweite Festsetzung ihrer Ge­halte wird als zurzeit ungerechtfertigt, ebenso wie durch die Zweite Kammer abgelehnt. Tie Bestellung der Brückenwärter zu Oppenheim und Gernsheim betr. Gleich­stellung mit den Brückenwärtern zu Worms wird im Sinne des Regierungsberichtes im Einverständnis mit dem andern .Hause abgelehnt. Tie Regierungsvorlage betr. den Ent­wurf eines Gesetzes über die Anwendung der Art. 4151 des Gesetzes vom 21. April 1880 die Tisziplinarverhältnisse, der nicht richterlichen Staatsbeamten, auf die Untererheber staatlicher Gefälle und die Ortseinnehmer wird, wie vom andern Hause, angenommen. Ter vom andern Hause ab­gelehnte Antrag des Abg. Tr. Schmitt und Genossen betr. die Eisgewinnung an der Floßlandestekle zwischen Kastel und Kostheim findet gleichfalls keine Annahme.

Bei Eintritt in die Beratung der Regierungs­vorlage betr. die Herstellung weiterer Neben­bahnen erklärt der Präsident des Finanzministeriums Gnauth, daß er sehr gern das statistische Material ge­liefert habe, damit aus dem Ausschußbericht, wie geschehen, ein anschauliches Bild der Entwickelung des Betriebs v o r und nach dem Abschluß der Preußisch^Hessischen Eisenbahn­gemeinschaft zu ersehen sei. Mit Freuden sei zu konsta­tieren, daß sich die Erwartungen, die man an die Preußisch- Hessische Eisenbahngemeinschaft geknüpft habe, erfüllt, ja in finanzieller, wie in verkehrstechnischer Hinsicht über­troffen hätten; ebenso müsse er anerkennen, daß die Ge­

meinschaftsverwaltung den Wünschen der hessischen Re­gierung in loyaler Weise entgegenkomme und Rückständig­keiten, wo solche in Hessen noch vorhanden seien, bal­digst beseitige. Richtig sei, daß man jetzt nicht mehr in der Lage sei, ohne weiteres vielleicht unrentable Nebenbahn­strecken zu bauen, doch sei die Bewegungsfreiheit nicht gehindert, da man ja event. auf eigene Rechnung bauen könne. Was die von dem anderen Hause als Voll­spurbahn genehmigte Strecke PfungstadtGernsheim angehe, so glaube er nicht, daß trotz des von der Regierung von 15 000 auf 20 000 Mk. pro Kilometer in Aussicht ge­stellten Staatszuschusses, sich so rasch ein Unternehmer finden würde, sodaß dieselbe voraussichtlich doch als Schmal- spurbahn gebaut würde.

Zu dem Antrag hatte Freiherr Heyl zu Herrns­heim als Berichterstatter des Ausschusses einen ausführ­lichen Bericht erstattet, in dem er u. a. ausführt, daß ohne die Eisenbahngemeinschaft die sozialpolitische Steuerreform unmöglich gewesen sei und daß man dadurch die Abhängig­keit des Staates von einer Aktiengesellschaft glücklich be­seitigt habe, sodaß die weitere Entwickelung des hessischen Eisenbahnwesens, die Sicherung und Verzinsung der Eisen­buhnschuld, die Verbesserung der Stellung der Eisenbahu- beamten, sowie die glänzende Vermehrung der Staatsein­nahmen herbeigeführt worden sei, während Hessen vor dem Abschluß der Verstaatlichung eine uneinbringliche von 43 856 500 Mk. aufzuweisen hatte.

Zum Schluß des sehr ausführlichen und interessanten Berichtes wird beantragt, die von dem anderen Hause gestellte Frage 1, die Großh. Regierung zu ersuchen, in eine Revision des 1884er Nebenbahn-Gesetzes einzutreteu und den Landständen wegeu^Abänderung desselben alsbald eine Vorlage zugehen zu lassen, mit Nein zu beantworten und die übrigen Fragen zu bejahen. Ties geschieht und somit ist die ganze Nebenbahnvorlage gesichert.

Tas Gesuch der Gemeinden Ebersbach, Schönen und Heisterbach um Errichtung einer Haltestelle an der Oden­waldbahn war von der Zweiten Kammer abgelehnt worden und man tritt diesem Beschlüsse bei. Ter Antrag des Abg. Tr. .Heidenreich, sowie Vorstellungen der beiden Gemeinden Lützelbach und Hammelbach betr. den Bau einer Nebenbahn von Wahlen nach Hammelbach wird im Sinne des Beschlusses der Zweiten Kammer für erledigt erklärt, dagegen beantragt das Haus: nach dem Antrag des Abg. Tr. Heiden reich zu beschließen, an Stelle des von der Regierung in Aus­sicht genommenen Anschlußgeleises au die Hammelbacher Steinbrüche ein Nebengeleise bis Hammelbach zu führen.

Nach dem Bericht der Regierung hat die Zweite Kammer seinerzeit beschlossen, die Vorstellung des Eisen­bahn-Komitees Mücke - Ulrichstein, das B a h n p r o j e k t M ü ck e U l r i ch st e i n R i x f el d betr., zunächst für er­ledigt zu erklären, da in Anbetracht der 2 Mill. Mark erfordernden Baukosten mit Rücksicht auf die derzeitige! finanzielle Lage, die augenblicklichen Verhältnisse des Geld­wertes an dem Bau der Bahn auf Staatskosten nicht ge­dacht werden könne. Ta auch über die Führung der Bahn­linie unter den Interessenten die größten Meinungs-Ver­schiedenheiten bestehen, behalte sich die Regierung vor, in eine nähere Prüfung der Frage einzutreten und zu geeigneter Zeit auf die Angelegenheit zurückzukommen. Das Haus schließt sich diesem Beschlüsse an. Tas Gesuch der Gemeinde Frischborn um eine Bahnstation wird im Sinne des Beschlusses der Zweiten Kammer für erledigt erklärt, da die Station inzwischen im Bau und somit dem Wunsche entsprochen ist. Der Finanz-Ausschuß beantragt dem von dem anderen Hause gefaßten Beschluß ^den Bau der Nebenbahn MainzEssenheimAlsheim (Selz­thalbahn) zu genehmigen, nicht beizutreten, da man neue Linien nicht bewilligen könne, bis der völlige Ausbau der genehmigten Strecken vollzogen sei. Geh. Kommerzien­rat M iche l- Mainz spricht gegen diesen Antrag, mit der Motivierung, daß diese Bahnstrecke sehr wohl ein Bedürfnis, von großer Bedeutung sei. Präsident Gnauth erklärt, daß auch die Befürworter dieses Bahnprojektes dem ablehnenden Standpunkt des Ausschusses beitreten können; denn bis ein Privatunternehmer koinme, der

selbst mit staatlich,er Subvention an die Ausführung heran--, trete, kann man ruhig zusehen. Entgegen Geh. Kom­merzienrat Michel findt der Ausschußantrag Annahme. Auch dem Beschluß des andern Hauses aus Errichtung einer Haltestelle Tienheim bei Oppenheim wird nickst beige- treten, vielmehr soll der Regierung ein,Ersuchen unter­breitet werden, Erhebungen darüber anzustellen, wie groß die Zahl der Gemeinden im Lande ist, die bei ähnlicher Lage die gleichen Ansprüche erheben könnten. Auch der! Antrag Wolf, die Erbauung einer Nebenbabn von Uden­heim nach Arnsheim betr., wird entgegen dem Beschlüsse der Zweiten Kammer aus den gleichen Gründen, wie andere Neuprojekte abgelehnt.

Ten Beschlüssen des anderen Hauses entsprechend, wer­den die Vorstellung der Wag en wär ter der Marn- Neckarbahn, betr. die Regulierung ihrer Gehaltsverhältnisse, sowie der Antrag Backes, die Haltestellen-Aufseher der Preußisch-Hessischen Eisenbayngemeinschaft betr., für er­ledigt erklärt, und zum Schlüsse wird im Prinzip dem wiederholten Beschlüsse der beiden Kammern betr. die Vor­stellung der Eisenbahntelegraphisten der früheren Hessischen Ludwigsbahn, Versetzung ui die Klasse der Subaltern­beamten beigetreten, hier aber ein Appell an den Preußi­schen Minister für öffentliche Arbeiten empfohlen.

Hierauf schließt der Präsident die Sitzung mit der Erklärung, daß vorerst eine neue Sitzung des Hauses n i ch t zu erwarten sei.

Tie Sitzung verlief ohne erhebliche ^ebatte^ Allgemein erstaunt war man über die Anwesenheit des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim, der aus Gastein hierhergeeilt war. Man hatte besondere Erklärungen verschiedener Art erwartet, namentlich eine Erklärung in Sachen der langen Preß­fehde zwischen der notorisch von ihm abhängigen nationallib. Worms. Ztg." s'md dem soz.Offenb. Abendbl." des Abg. Ulrich. Seit dem Ausscheiden des inzwischen verstorbenen Grafen Solms-Laubach fehlt in der Ersten Kammer jede Anregung; fast nur die Herren Michel und Frhr. v. Heyl bringen etwas Leben in das sonst eintönige Haus.

Volitische Tagesschau.

Der Postdampferverkehr mit Südafrika hat durch den Krieg wiederholt unliebsame Störungen erfahren. Nament­lich in den kapländischen Häsen war an ein ordnungs­mäßiges Löschen und Laden der Schiffe nicht zu denken. Zumeist mußten deutsche Rheder und Kapitäne unter diesen Widerwärtigkeiten leiden. Durch den Subventionsvertrag zwischen dem Reich und der Ostafrikalinie vom Juli vorigen Jahres ist der deutsche Postdawpferverkehr bekanntlich neu geregelt und dahin erweitert worden, daß das Kapland in den regelmäßigen subventionierten Verkehr einbezogen wurde, und Rundfahrten um Afrika in vierzehntägigen Zwischenräumen, abwechselnd von Westen und Osten, statt­haben sollen. Infolge der durch den Krieg hervorgerufenen Störungen auch an Chikanen englischerseit- ist ja kem Mangel läßt sich der Fahtiplan naturgemäß nicht em- halten. Die Rhederei hat sich deshalb erboten, einstwerlen die Rundfahrt durch die Fahrten zweier getrennter Linien, mit Umgehung der Kaphäfen, zu ersetzen. Obgleich dies eine größere Leistung in sich schließt, wird eme Er­höhung der Subvention nicht gefordert. Die englische Re­gierung plant übrigens,um den britischen Handel nicht völlig in deutsche Hände übergehen zu lassen," die Subventio­nierung einer Schiffsverbindung zwischen England und Sansibar.

Seit einer Reihe von Monaten schon verhandelt die amerikanische Regierung mit der dänischen über die Abtretung der dänischen Antillen, ohne daß eine Einigung erzielt wurde. Während eS früher hieß, man könne sich über den Preis nicht verständigen, verlautet jetzt ans Kopenhagen, daß Amerika das Anfinnen stelle, Dänemark solle die Inseln in moderner Weise befestigen, was dieses ablehne. Wenn die Meldung zuttifft, dann muß die Forderung der Herren

mächlichen Hineindämmern in den Hofrat und verwandte Berufszweige betrachten könnten.

Der Architekt Olbrich hat also die Pläne gehabt, und der Großherzog hat ihm seinen Schutz gegeben zu ihrer Aus­führung. Ties Verhältnis ist richtig und gesund. Und Olbrichs Kommilitonen wurden mitgerissen zum Schaffen und zum Hergeben ihres besten Könnens, um gemeinsam hinzustellen, was wir heute auf der Mathildenhöhe sehen. Es hat auch jeder mitgethan, der eine viel, der andere- wewig, der eine hat Gesundes geschaffen, des anderen' künstlerisches Kranksein hat sich voll offenbart.

Behrens, der Maler, ist hier auch^ Architekt gewor­den, und sein Werk, sein eigenes Wohnhaus, erscheint vielen Kritikern ebenso lobenswert wie sie Olbrichs! Häuser tadeln. Vielleicht studieren sie einmal die Süd­seite des Hauses Behrens, und das Verhältnis von deren oberer Hälfte zur unteren. Umgefallen ist das Haus zwar noch! nicht, aber die ästhetische Wirkung kippt um. Und vb dies Moment so über alles Lob erhaben ist, ist min­destens fraglich«. Was gefällt eigentlich den Leuten am Haus Behrens so gut? Sehr einfach. Es ist das sichtbare Ziegelmauerwerk. Ten Olbrichsschen Pntzbau verstehen sie nickst, weil sie durch Generationen hindurch dem Putz­bau kaum mehr begegnet sind, da es das ewige Aufwärmen von abgelebten historischen, vonteutschen" Baustilen mit sich! gebracht hat, daß man in Steinen, in Quadern, in Licken Profilen und weiß Gott sonst noch was geradezu wÄtet. Und ein steinernes Haus zu sehen, wenn es auch: in diesem Falle nur Backstein ist, heimelt die Leute an.

Fortsetzung folgt.

Gießener Stadttheater.

GaSparoue.

Operette von Zell und Genee. Musik von Millöcker.

Die bekannte und beliebte OperetteGasparone" ist -am Freitag unter dem lebhaftesten Beifall und zur hellen Freude des erschienenen Publikums in Szene gegangen. Die reizenden Melodien, die uns liebe alte Bekannte sind, ihr köstlicher Humor und das fast durchweg ausge zeichnete Spiel, unterstützt von geschmackvollem Gesang und

teilweise mit großem Geschick und Verständnis vou- Einzelheiten gewählten Kostümen, konnten ihren von An- ang bis zu Ende anhaltenden durchiaus günstigen Ein- >ruck auf die Anwesenden nicht verfehlen. Die Aufführ- ung vermittelte uns die Bekanntschaft mit weiteren Mit­gliedern des Personals. Als Gräfin Carlotta trat mit unbestrittenem! Erfolge Frl. Opel auf. Eine sehr an­genehme, höchst stattliche schlanke Erscheinung, gewandtes, icher abgegrenztes Spiel, guter Vortrag und eine sehr hübsche, wohlgeschulte, umfangreiche und noch in höchster Höhe ausgiebige Stimme, das waren die Eigenschaften, die der Künstlerin allgemein Anerkennung brachten. Gleich ihr AuftrittsliedGefährlich ist der Aufenthalt zu zwein im dunkeln Pinienwald" gefiel, und immer mehr fesselte die Ausgeglichenheit und wohlthuende Leichtigkeit von Ge­sang und Spiel. Aufs neue erfreuten wir uns an der kräftigen, sympathischen und biegsamen Stimme des Herrn Jäger, die, mit Vorsicht verwendet, in der Mittellage von blühendem Reiz ist und auch iw der Höhe noch leicht und klangvoll und durchdringend. Tabei ist sein Spiel diskret und taktvoll, seine Bew>egungen haben Maß und sein Gesang Wärme. Wir freuen uns auf seine weiteren, gewiß trefflichen Leistungen.

Frl. Tischer (auf dem ersten Theaterzettel war sie Fischer genannt worden) war in der Rolle der Sora recht gut und übertraf die Erwartungen, die ihr erstes Auftreten erweckt hatte; sie fühlte sich gestern entschieden heimischer auf unserer Bühne, und mit ihrer Sicherheit war atlck). die Wirkung, die sie als Sängerin und Tar- stellerin ausübte, gegen den Dienstag erheblich, gewachsen. Ihren! Gatten Benozzo gab Herr Endtresser (neulich! Engeltresser genannt) mit ergötzlichster Wirkung; er blieb der dankbaren Charge in Spiel und Gesang nichts schuldig, gab ihr hier und da sogar etwas mehr, wie den zweifel­haften Wortwitz Sarah-Sora. Seine Nummer im dritten Akte, der Gasparone-WalzerEr soll der Herr sein",^war von durchschlagender Wirkung. Tas spaßhafte DuettStock­dunkel war die Nacht" gelang aufs allerbeste. Wir schätzen in ihm einen Künstler von außergewöhnlicher darsteller- rscher Begabung, von leichtem Humor, außerordentlicher musikalischer Sicherheit. In der Besenszene war seine Hand­fertigkeit aber allzu groß. Eine sehr ergötzliche Leistung

bot Fräulein Eckers berg (der Tienstagszettel nannte sie Genell) als Zenobia. Ihre Vortraysart iftl ja wohl von Operetten- und possenhafter Uebertrrebenheit, aber dabei doch auch wieder nicht ohne zureichende Zurück­haltung. Ihr berühmtes SoloCs gicbt ja keine Männer mehr" fand jubelnden Applaus. Die Dame ist gesanglich ehr vorsichtig und sparsam, mehr als es hier und da wünschenswert war. Im zweiten Akte unterließ sie sögar den rechten Einsatz. An anoerer Stelle aber erwies sich ihre Stimme als ganz gut erhalten, ja fast von frischem Klange, und ihre Vortragsart dou höchster Wirkung. Herr N o t h m a n n war ein recht erheiternder Sindulso. Er gab uns ein prächtiges kleines Kabinettstück von so eigen­artiger wie verständnisvoller Auffassung, hohlköpfig und mutterwitzig, schlapp und verliebt, stutzerhaft und zimper­lich in einer Person. Als derwürdige Urheber der Tage" des teils blaubebänderten, teils in tintige Trauer ge tauchten Bürgcrmeistersohnes von Syrakus war Herr Kos- witz nicht so erfolgreich wie als Sck)weinefürst und Nachbar des Zigeunerbarons.

Tie übrigen Darsteller und Darstellerinnen führten chre kleinen Aufgaben ganz angemessen durch. Namentlich ver­dient der Chor für seine Leistung alle Anerkennung. Hier und da freilich zeigte er sich doch nicht ganz teilnahms­voll genug und nahm er die Sache aus die leichte Achsel. Sein Gesang aber klang immer flott und frisch. Herr Kapellmeister Büchel zeigte große Umsicht und Tempe­rament.

Das Zusammenspiel war im ganzen vortrefflich, es klappte fast immer. Manche kleine Unbeholfenheit mag eine Folge der ungenügenden Zustände hinter der Bühne gewesen sein. Was bei den Hauptstützen des Ensembles besonders zu rühmen ist, das ist die deutliche und gute Aussprache, nicht nur im Gesänge, sondern auch die Sprech­kunst in der reim- und musiklosen Wechselrede, die hervor­ragende darstellerische Schulung und Geschicklichkeit.

Tas Haus war wieder gut besetzt, und man spendete so reiche als verdiente Anerkennung. Wir sind der Hebet» zeugung, daß die folgenden Operettenabende die größte Anziehungskraft ausüben werden. W.