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Sonntag 23 Juni 1$>O1
151. Jahrgang.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
kleinen Mengen ins Ausland, unb zwar nur nach dem
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Du -tdiit-ll, «dkffis siir du A,sl»hr mn Snl,ktreidr.
Auf wiederholte Anregung der landwirtschaftlichen Ver treter im Reichstage find den deutschen Vertretungen im AuSlande landwirtschaftliche Sachverständige beigegeben worden, vie die Aufgabe haben, die Lage der Landwirtschaft in allen ihren Zweigen vom AuSlande zu studieren und der Regierung Bericht zu erstatten. Diese Beuchte werden im Auswärtigen Amte gesichtet und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Jetzt liegt der Bericht unseres landwirtschaftlichen Vertreters bei der deutschen Botschaft in Petersburg vor, der sich mit oer Bedeutung Odessas für die Ausfuhr von Brotgetreide befaßt und wertvolles Material enthält. Wir entnehmen dem
Bericht das folgende:
Das wesentliche Zufuhr»Gebiet umfaßt im Westen Befiarabieu, im Norden Podolien und Cherson, im Osten endlich Tannen und Jekaterinoslaw. Durch die neuen Schwarzmeerhäfen, bezw. deren Erweiterungen hat Odessa eine ohne weiteres beweisbare Abschwächung als Getreide« platz nicht erfahren. Dagegen ist der wirtschaftliche lleber- gang des südlichen Rußland zu verwehrtem Anbau von Getreide in dem Odefiaer Geschäft nicht genügend zum Ausdruck gekommen. Haben die genannten Provinzen eine gute Ernte, so ist Odefia auf zwei bis drei Jahre versorgt Eine schlechte Ernte legt dagegen daS dortige Geschäft derart lahm, )aß beispielsweise im vergangenen Jahre die Oelkuchen- auSfnhr die Ausfuhr von Weizen übertreffen konnte.
WaS den Weizen betrifft, so beherrscht den Markt die sogenannte „Ulla", eine braune, Halbharle Sommerweizenart, die an Stelle der früheren „Arnoutka" und „Glucka" getreten ist. Am zweiten Platze steht der Handel in weißem und gelbem „Sandomicka" (weichem Weizen). Allgemein kommt Winzerweizen als roter, rotgelber, gelbroter und gelber auf den Markt. Die goldglafigen harten Weizen gehen in
ung von Ausstellungsgegenständen als Pflanzen, Geräten und ähnlichem zu verbinden.
Großherzogliches Ministerium des Innern hat die nach- gesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 20 000 Lose zu 50 Pfg. das Stück, avsgegebeu werden dürfen und mindestens 50 Proz. bt» B^üttoerlöseS aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewivngegenständeu zu verwenden sind. Die Abstempelung der Lose kann in Partien von je 1000 Stück erfolgen, jedoch müffen bei Ausgabe der Lose mindestens 1000 Stück zur Abstempelung gelangt sein.
Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum gestattet worden.
Gießen, den 21. Juni 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Heinrichs. -
Pie Darmstädter KünstierKolonie.
(Ortgiualbericht deS „Gieß. Aoz.")
Nachdruck verboten.
Mittelmeer. „
Roggen wird hauptsächlich vom Dujeppr und mittels Achse eingeliefert. Die Abnahme des deutschen Geschäfts ist für den Odessaer Markt eine Thatsache und eine Folgeerscheinung des russischen Ausfuhrverbots ton 1891. Tain btu Odessaer Elevator (Süowestbahn) aufgenommene Ge- treibe wirb vor Uebernahme in Klaffen eingeschätzt. DaS Börsen-Komitee arbeitet bie bieSbezüglichen Bestimmungen aus. Jebes Hektoliterkilo mehr oder weniger bient zur Unterscheidung von Klaffen. Wer sich hierüber genauer unterrichten will, finbet genügenben Stoff in ber Beilage Nr. 59 zu Hest 22 ber „Mitteilungen ber bentschen Land- Wirtschaftsgesellschaft". Sämmtliche Erzeugniffe müffen gut, gesund, geruchfrei und trocken (unter 13*/e Feuchtigkeit) aus- geliefert werden. _ ..
Die wichtigeren Verkaufsgebräuche find für den betreibe» Ausfuhrhandel Odessa- folgende:
Gerste und Hafer. Deutschland und Holland kaufen „fair average quality “ Gerste geht gewöhnlich mit 60 bi« 61 Ailogr. das Hektoliter, Haser mit 4 bis 5 Proz. Besatz. England und Frankreich, neuerdings auch Antwerpen und Bremen, kaufen Gerste unter Bristolklausel (3 Proz. Höchst- besatz). Die Folge davon ist, daß die deutschen und hoÜän- dischen Häfen die billigeren Angebote, zugleich aber auch eine nicht zu verhindernde Sand, Kaff- und Unkrautsamen-Beimischung in der Ware erhalten.
Weizen wird mit Angabe des Roggenbesatzes nach Probe und Gewicht mit 1 Proz. Erlaß, Roggen nur nach Gewicht gehandelt. Frankreich hat die Besatzklausel auch ans Weizen ausgedehnt, wobei 3 Proz. erlaubt find (Korn zur Hälfte gerechnet). Italien erlaubt durchweg 5 Proz., rechnet jedoch
Bekanntmachung.
Der Mainzer Gartenbau-Verein beabfichtigt mit der vom 14. bis 25. September b. I. in Mainz stattsinbenben ..Allgemeinen Deutschen Gartenbauausstellung" eine Verlos
anferungen, — aha, wir wissen schon, das ift Gsckyias, Wiener Gschnas. Leider versteht keiner, der den Äusoruck braucht, was Gschnas ist, sonst brauchte er ihn eben nicht. Nur der Wiener versteht, was er mit diesem Worte sagen will, niemand sonst — wie nur der Frankfurter weiß, was Llwel ist. Fragen Sie mal einen Wiener was Olwel bedeutet. v , ...
Tie Bauten als wienerisch zu bezeichnen, ist gleichfalls ganz verkehrt. Ter Architekt, also Olbrich, baut nicht wienerisch, sondern reinweg olbrichsch. Ter Mann ist bekannt als der Erbauer des Wiener Tezessionshauses, und das gefällt ihm heute so wenig wie anderen Leuten. Tas Sezessionshaus war ein Totument seines damaligen Äunst- status — muß er nun sein ganzes Lebenlang dasselbS bauen? Erlaubt die Kritik ihm nicht, daß er sich seitdem entwickelt hat, daß er reifer geworden ist? Als Charakteristikum für Olbrichs Bauweise führen einige „Kritiker" ins Treffen, daß er Wagnerschüler sei. Wer nun aber Wagners und Olbrichs Tätigtet! verfolgt, genau verfolgt, ber wird zu einem etwas anderen Resultat kommen, als zu ber Entschuldigung: Llbricb ist Wagnerschüler. Olbrich wird nicht ohne triftigen Grund Wien den Rücken gekehrt haben: in Tarmstadt schien sich ihm zu bieten, was er, besonders in ber Form, in ber es dann entstand, tn Wien nie gesunden hätte, nämlich durchaus ungehinderte Aussprache seiner selbständigen Ideen.
Tie ttünstlerkolonie hätte sehr leicht etwas ganz schiefes werden können. Ueberall bilden sich riünstler-Ber- einigungen, bie durch nichts geschützt, protegiert sind, als. burd; die Tüchtigkeit unb lleberzeugungssympathie ihrer Mitglieder. Wo ein fürstliches Protektorat einer solchen, Bereinigung einen .Hintergrund giebt, liegt die (Gefahr im Bereich der Möglichkeit, daß die ftunft durch fleißige Iimmergymnastik mit „Rumpf vorwärts beugt" allmählich verflacht, wie etwa die Kunst des Portraitierens in Byzanz. Tas hätte audh das Schicksal der Tarmftädter Mnstler- lolonie werden können, wenn nicht der Großherzog einerseits ein bemerkenswert taktvolles Verhältnis zur Kunst eingenommen hätte, und wenn nicht andererseits seine Wahl auf einen Mann gefallen wäre, dessen Ideenkreis und Thatkraft aus eigenen Fußen ruht. Tadurch war von vornherein der Gefahr ein Tamm entgegengefetzt, daß die Koloniemitglieder ihre Situation als Gelegenheit zum ge»
Wohnhaus, und baut den .Kollegen, die sich gleichfalls ansiedeln wollen, ihre Häuser. Ter Architekt der Kolonie löst also seine natürliche Aufgabe, indem er alles baut. Dazwischen baut ein anderer allein, ein Maler Sehr interessant, aber es bleibt ein Erperiment, wie alle diese Versuche, in denen der Maler einmal Architekt wird. Bitte nicht Michelangelo nennen; es ist die Rede von einer Erscheinung der letzten drei, vier Jahre; wir bleiben ganz in der Gegenwart, unter Zeitgenossen, die Maler sind, unb sich bei Gelegenheit ihr Häuscyen allein bauen.
Ter Architekt der Künstler ko lonie baut also alle Häuser da oben, unb außer diesen auch die provisorischen Gebäude, die nur der Ausstellung als solcher dienen; ein anderes Mitglied der Kolonie baut sich sein Haus selbst. Ter Architekt hat viel Rücksichten zu nehmen, auf das Terrain, auf die Landschaft, auf bie persönlichen Wünsche seiner Auf- traggeber, auf bie kosten — und auf seinen eigenen Stil. Alles hat er in Betracht gezogen, aber die Schwierigkeit der Aufgabe hat ihn wachsen lassen. In unglaublich kurzer Zeit ist alles entstanden, überall klappte alles zusammen, und wo es nicht klappte, waren die Handwerker und sonstigen Lieferanten bummlig. Tas kam aber nur ganz vereinzelt vor. Im allgemeinen ist willig gearbeitet worden, wenn auch manchmal mit einigem Äopfschütteln, weils nämlich bei den Bauten keine Profile, Verkröpfungen und steinernen Schnickschnack nach bekannten Mustern gab Und da kommen wir auf den gewissen Punkt. Eine gewisse Kritik kann sich nicht darüber beruhigen, daß sie hier vor Puybauten steht. Sie sieht keine Steinguadern bis unters Tack, sie sieht keine schweren Simse, sie sieht nicht Tächer, die mit Ziergiebeln unb Türmchen gefront sind — was soll das bedeuten'^ Niemand weiß es. Tie reine Loreley.
Also Pappschachteln. Ten Ausdruck hat der sehr kunstverständige Sberr E. Engels in der „Magdeb. Zig" erfunden. Pappschachteln — und die noch obendrein mit jeglichem Mangel an Statik ausgebaut. Tas sagt nämlich gleich kunstunverständig der eben citierte Herr Engels in der „Magd ttg.", auch nachdem £err Stahl im „Berk. Tagebl." kurz vorher in ganz demselben Sinne sich — geäußert hat. Seine Steine, sondern Putz, und keine dicken Profile, sondern feine, zarte: fein Wein-, Eichen- unb Lorbeerlaub als Malerei auf den Häusern, kein einziger heiliger Sankt Georg im Trachenkampf darauf; keine schmiedeeisernen Ber-
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Fortsetzung.
Nun kommt eine Sorte Kritik, stürzt sich hinein ins volle Menschenleben und sieht den Wald vor Bäumni nicht, meint, was es hier zu sehen giebt, sei ein Befehl an alle Welt: So baue unb so lebe! — und ahnt nutzt dast alles nichts weiter ist, als wenn ein Maler ein Bild malt unb ausstellt, ohne daß er den Anspruch stellt, der -anzen Welt zu diktieren: So male und so laß .ruh malen; oder als wenn ein Musiker ein Lied komponiert ohne zu befehlen: Es ist unmöglich, diesen Tert anders in Musik zu setzen, als wie ich es gethan habe'.
L nein. Es ift bekanntlich sehr wohl möglich, daß ein Anderer zu dem gleichen Gedickt eine andere Musik schreckt, und wie verschieden der glei< c Gegenstand von den unter- ickiedlichsten Malern behandelt werden kann, bedarf keines weiteren Wortes der Erklärung. Unb so hätte bie Mw rbildenhöhe, wären andere stünftler hier thwig gewesen, »Merlich wohl ein anderes Aussehen erhalten aber sie iväre darum nichts anderes geworden, als fie heute ift ein Beispiel wie sich gerade bestimmte Äunstler zu einer bestimmten allgemeinen Aufgabe stellen am ^hud ihrer Charaktereigentumlichkeiten und ihres inbiDibuellen Künstlertums, und wie jeder von ihnen die Aufgabe iw Bereich seines eigenen S^sens zu vertiefen, zu oer innerlichen vermag — oder auch nicht vermag.
Sehen mir uns nun nochmals gründlich an, was ge- chaffen worden ist. Tas Terrain war gegeben, ein schöner '?ügel mit alten Bäumen und prächtiger Fernsicht am die Berge und hinüber nach der Rheinebene. Tart oben onnte man bauen. Aber wer baut, wer tu der .Baumeiiier . icht irgend ein beliebiger Architekt, sondern ein t.dtgheb ber Äün stier ko lonie. Tazu ift sie ja, diese Kolonie, baß ihre Mitglieder sich selbst ihre Werke tchatfen, das ist bas -sunäckstliegende. Toch wer von ber Kolonie? Ter Bildhauer / Ter Ciseleur Ter Landschafter ? Ter Archi- eft der Bünstlergruppe baut, baut für bie Kolonie das allgemeine KolonieKrus mit den Ateliers, baut fein eigenes
alles voll an.
Hessischer Landtag.
Lrfie Kammer der SLSude.
S. Tarmstadt, 21. Juni.
Tas Haus fetzte in Anwesenheit des Staatsministers Rothe, des Präsidenten des Finanzministeriums Gnauth, der Ministerialräte Breidert und Ewald heute vormittag dreiviertel 10 Uhr die Beratungen fort und tritt dem Beschluß der 2. Kammer die Vorstellung des katholischen Meßners M. Frey zu Wimpfen abzulehnen, ohne Debatte bei Ebenso wird der Vorstellung des Bürgermeisters! Zimmer zu Offenthal betr. die Wiederherstellung der zttrche daselbst keine Folge gegeben. Tie Zweite Kammer hat für Wiederherstellung oer Stiftskirche weitere o9 000 Mark zur Verfügung gestellt, sowie die Genehmigung erteilt, baj ber noch nicht verwenbete Restbetrag von 15600 Mart aus ber Bewilligung für 1899 gleichfalls zu Gunsten der vorgesehenen Arbeiten verwendet werden solle. Man tritt
Bekanntmachung.
AottStage des Großherzoglicheu SreiSamtS Gießen betreffend.
Die unterzeichnete Behörde wird
Tamstag dea 6. Juli 1901, vormittags 9 Uhr, einen AmtStag im Rathause zu Grünberg abhallen und »itb den LreiSeingeseffeuen aufl den AmtSgerichtSbezirken GrÜoberg, Homberg und Lanbach aaheimgestellt, etwaige An^ liegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 20. Juni 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Gießen, den 20. Juni 1901. vetr.: Wie vorher.
Das (Sroßherzogliche Kreisamt Gießen a* die Grofth. Bürgermeistereien der in de« Amts- gerichtsbezirkeu Grüuberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden deS Kreises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weife zur öffentlichen Kenntnis bringen kaffen.
.v Bechtold.
Bekanntmachung.
Das Proviantamt Hanau lauft bereits trockenes unb gut gewonnenes Pferdeheu neuer Ernte; setzt aber auch den Ankauf von Roggen-, Flegel- und Maschiveustroh fort. Beide Strohforten müffen gesund, trocken, ohne Mäusefraß, Abfall oder Gemüll, glatt gelegt und fest gebunden sein. Bei Bahnsendungen ist die Adresie für den Frachtbrief: Hanau Bahnhof Nord. Die Abfuhr von ber Bahn kostet 15 Pfennig pro Zentner Heu oder Stroh. Abfuhr- und Frachtkosten werden verauslagt. Bei gutem Wetter kann jeden Tag geliefert werden; schnelle Abfertigung und sofortige Bezahlung wird zugesichert.
Jede weitere Auskunft wird von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich erteilt.
Gießen, den 19. Juni 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.


