Ausgabe 
23.5.1901 Zweites Blatt
 
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in Bethel bei Bielefeld gegeben habe, als dieser sich er­laubte, ihn auf die burenf-reu n bliche Stimmung der Bevölkerung aufmerksam zu machen.

Wie dieTische. Tgsztg." mitteilt, verlautet in Dresdener politischen Kreisen, daß. der erste Vizepräsident des deutschen Reichstags, Abg. Tr. v. Fr ege, vor kurzem im Privatgespräche die bestimmte Absicht bekundet habe, sein Reichstagsmandat in allernächster Zeit nieder- z ule gen. (Tas wäre sehr zu bedauern, denn $?err Tr. v. Frege hat für lebhafte Heiterkeit in- und außerhalb des hohen" Hauses gar häufig in uneigennützigster Weise ge­sorgt. T. Red.)

Wie verlautet, beabsichtigt der Fürst zu Wied vom Vorsitz des deutschen Flottenvereins aus Gesund­heitsrücksichten zurückzutreten.

Tie Enthüllung des Nationaldenkmals für den Fürsten Bismarck erfolgt am 3. Juni vormittags 11 Uhr in Gegenwart des Kaisers und der kaiserlichen Familie. Geladen sind die Mitglieder der engeren Familie des verewigten Fürsten und alle, welche diesem im Leben nahegestanden haben. Einladungen sind ferner ergangen an Bundesrat, Reichstag, preußischen Landtag, an die Spitzen der Behörden, an die Rektoren der deutschen Hochschulen. Tie deutsche Studentenschaft entsendet Abordnungen, ebenso die Kriegervereine.

Ter Wirkt. Geheimrat v. Lucanus, der Chef des kaiserlichen Zivilkabinetts, wird am 24. d. Mts. sein 70. Lebensjahr vollenden. Herr v. Lucanus wurde in Halber­stadt geboren, studierte in Heidelberg und Berlin, trat 1854 in den preußischen Justizdienst ein, wurde 1859 als Hilfs­arbeiter in das preußische Kultusministerium berufen, 1866 zum Regierungsrat, 1871 zum Vortragenden Rat, 1878 zum Ministerialdirektor und 1881 zum Unterstaatssekretär er­nannt. Seit 1886 führt er den TitelWirklicher Geheimrat" mit dem PrädikatExzellenz" und 1888 wurde er vom Kaiser, unter gleichzeitiger Verleihung des erblichen Adels, zum geheimen Kabinettsrat und Chef des kaiserlick>en Zivilkabinetts ernannt.

Unter den in den letzten beiden Monaten zur Dis­position ge st eilten Generalen befinden sich, drei Generale der Infanterie rc., 9 Generalleutnants und 22 Generalmajors. Von den letzteren waren 9 Kommandeure von Infanterie-Brigaden, zwei von Kav.-Brigaden, und vier Festungskommandanten. Von den 12 am 18. d. M. zur Disposition gestellten Gen.-Maj. war der Dienstälteste der Gen.-Maj. Traudt von der 1. Feldart.-Brig. in Königs­berg, der 1864 beim großh. hessischen Artilleriekorps Ofii- zier geworden jstz Er war lange Zeit Adjutant der großh. hessischen Division. Der Gen.-Maj. v. Schotten bisher! Kommandeur der 3. Jnf.-Brig. in Lyck, ist schon 1862 bei dem Kadettenkorps b. 28. Jnf.-Regt. eingestellt worden. Vom -ysurti 1894 bis zu seiner im November 1897 erfolgten Er­nennung zum General-Major war er Kommandeur des l!>. x^nf.-Regts. in Darmstadt. Der bisherige Kommandeur der .50. Jnf.-Brig. in Darmstadt Frhr. v. Buddenbrock- 5oettersdorf, der im 56. Lebensjahre steht, gehörte von 1863 bis 1885 dem Elisabethregiment an.

Die vielfach'gehegten,Erwartungen, daß eine re i ch s - gesetzliche Regelung des Vereins- uni) Ver­sammlungsrechts in absehbarer Zeit in Aussicht ge­nommen sei, dürften sich, wie wir erfahren, so bald nicht erfüllen. Die Reichsregierung hält ein Bedürfnis dazu nichit für vorliegend, insbesondere nachdem in Preußen erst vor einigen Jahren der Gegenstand durch die Landesgesetz­gebung eine den modernen Verhältnissen entsprechende Neu­regelung erfahren hat. Insbesondere haben Bestrebungen, wonach den Frauen im Vereins- und Versammlungsrechte die gleichen Befugnisse wie den Männern zuerkannt worden, keine Aussicht auf Erfolg, soweit die Reichsqesetzaebunq dabei mitzuwirken hat.

Die I st - E i n n a h m e an Zöllen und Verbrauchs- steuern hat im Reiche im April 1901 61,8 Millionen Mark oder 3,5 Millionen Mark weniger, als im April 1900 betragen. An dem Weniger ist hauptsächlich die Zucker­steuer und zwar mit 2,6 Millionen beteiligt, aber auch! die Zölle mit 0,9 Millionen, die Maischbottich- und Branntwein- materialsteuer mit 0,4 Millionen. Die Branntweinver­brauchsabgabe hat ein Mehr von 0,4 Millionen ergeben, die Tabak- und die Brausteuer kleinere Mehrbeträge. Von den übrigen Einnahmen haben die Reichsstempelabgaben einen Ertrag von 4,7 Millionen abgeworfen, wovon 2,8 Millionen auf die Börsensteuer und 1,8 Millionen auf die Losesteuer entfallen.

Im ersten Monat des neuen Etatsjahres haben die hreußischenStaatsbahnen gegen die gleiche Periode des Vorjahres eine Mehreinnah kn e von insgesamt 1 298 000 Mk. erzielt, und zwar 370 000 Mk. im Personen­verkehr, 861000 Mk. im Güterverkehr und 67 000 Mk. aus sonstigen Quellen. Die Verkehrssteigerung beträgt 1,21 Pro­zent, sie hat damit nod} nicht diejenige Stärke wieder er­langt, welche sie vor etwa einem Jahre in sich trug. Immer­hin ist aber doch für den Monat April d. I. eine Verkehrs­steigerung zu verzeichnen; das ist nach derZtg. des Ver­eins deutscher Eisenbahnverwaltungen" ein Kennzeichen da­für, daß die wirtschaftliche Lage sich nach und nach erholt und auf neubefestigter Grundlage fortentwickelt.

In der Provinz Schlesien nimmt man lebhaft Stell­ung zu den jüngsten Grenzrepressalien Ruß­lands. In Kattowitz fand eine Konferenz der Beteiligten statt, woran auch der Regierungspräsident in Oppeln sowie ocr Landrat teilnahmen. An verschiedenen Orten Schlesiens sind Versammlungen geplant, in denen geeignete Maß- regeln gegen das russische Vorgehen in der Paßfrage be­raten werden sollen.

,.., ~ ^erD. Tagesztg." wird mitgeteilt, daß die Auf- \0 ' JL Ö c * Preußischen Abgeordnetenhauses lur^Jhtte .lugnst beabsichtigt sei. - In maßgebenden Kreisen ist von einem solchen Plane der Regierung noch nichts be- rannt, man ist vielmehr der Ansicht, daß, falls die Re- gicrung nach dem Scheitern der Kanalvorlage die Auf- £^9 beabsichtigt hätte, sie dieselbe auch sofort herbei- gefuhrt haben wurde.

Lüneburg, 20. Mai. In der D lung der deutsch-hannoverschen folgende Resolution gefaßt:

elegiertenversamm-

Partei wurde

Die deutsch-hannoversche Partei ist festgeg- ündet auf dem unwandelbaren Rechtsboden der zehn Gebote, sie ist eine rein politische Partei und hat in dem auf allen Gebieten zu führenden .Kampfe gegen die Revolution die Aufgabe, einzutreten für das Recht des engeren Vaterlandes Hannover und seines an ge stamm­

te u Für st eit Hauses unter Anerkennung des

Deutschen Reiches und der durch dasselbe ange­bahnten föderativen Einigung deutscher Länder, aber auch die Verpflichtung, für den Ausbau des Reiches als einer machtvollen Vereinigung aller deutschen Stämme unter Wahrung ihrer freien Entwickelung einzutreten. Wirt­schaftliche und soziale Fragen können in der Partei niemals eine entscheidende Wirkung ausüben, sie müssen unter sorgfältiger Festhaltung des Rechtsstandpunktes nach den Bedürfnissen aller Erwerbsklassen beraten und ent- fchiedeii werden."

D ü s s e l d o r f, 21. Mai. Ter Kronprinz übernahm heute nach Ermächtigung durch den Kaiser das Protektorat über die Düsseldorfer Ausstellung im Jahre 1902.

Karlsruhe, 21. Mai. Der Reichskanzler Graf von Bülow ist heute mittag hier eingetroffen und hat im Großherzoglichen Schlosse Wohnung genommen.

Stuttgart, 21. Mai. Im Landtage wurde der An­trag der Sozialisten auf Abschaffung der Württem- bergischen Gesandtschaften in Berlin und Mün- chen mit 63 gegen 5 Stimmen abgelehnt.

Ausland.

Paris, 21. Mai. Der Abg. Graf Castellane kündigte eine Interpellation an über die Thatsache, daß der russi­sche Botschafter in Berlin unmittelbar nach der Pe­tersburger Reise Delcasses dem deutschen Manöver in Lothringen anwohnt.

Wien, 21. Mai. Bei dem heutigen Empfange der beiden Delegationen erwiderte der Kaiser auf die Ansprachen der Präsidenten u. a. folgendes:

Mit Befriedigung kann ich auch diesmal auf unser unverändert herzliches Verhältnis zu den mit uns alliierten Reichen sowie auf unsere vertrauens­vollen und durchweg freundschaftlichen Beziehungen zu allen Mächten Hinweisen und aus dieser erfreulichen politischen Lage die berechtigte Hoffnung auf die w e i t c r e Erhaltung des Friedens ableiten. Die seit dem Vorjahre in China eingetretenen Wirren haben ein einvernehmliches Einschreiten der Mächte zum Schutze der dortigen Vertretungen und Angehörigen, wie nicht minder zum Zwecke der Wiederherstellung geordneter Zu­stände nötig gemacht. Unsere Teilnahme an dieser Kol­lektiv-Aktion bewegte sich von Anbeginn an innerhalb jener Grenzen, die durch die Großmachtstellung der Monarchie und durch den verhältnismäßigen Umfang unserer dortigen Interessen gezogen sind. Meine Kriegs­verwaltung hat für das nächste Jahr, wie die Vorlagen zeigen, die Ausgaben auf daS Aeußerste be­schränk t. Die Versuche zur Schaffung eines neuen Ge- fchützmaterials werden noch fortgesetzt.

Der Präsident der Ungarischen Delegation hob in seiner Huldigungsansprache an den Kaiser hervor, daß die fern von Europa eingetretenen Komplikationen die Eintracht der europäischen Mächte nicht berührten; dadurch werde die Aufrechterhaltung des Friedens gesichert. Seit Jahren bilde der Dreibund, der den Interessen Oesterreich- Ungarns so sehr entspreche, den Grundstein der aus­wärtigen Politik. Er wünsche, daß die Völker Deutsch­lands und Italiens gleiche Sympathien für Ungarn be­kundeten, wie Ungarn sie für diese beiden Nationen fühle. Bei dem Empfang der Oesterreichischen Delegation drückt^ der Präsident Prinz Lobkowitz den Wunsch auf einen baldi­gen befriedigenden Abschluß der Operationen in O st a s i e n aus. Er betonte, daß trotz der Verschiedenheiten der poli­tischen Anschauungen der Völker Oesterreichs-Ungarns die- elben nur ein Gefühl der Liebe zum Kaiser, der Anhäng­lichkeit an das gemeinsame Vaterland und der ent­schlossenen Bereitwilligkeit beherrscht, die Integrität und Unabhängigkeit des Vaterlandes vorkommenden Falls mit Gut und Blut zu verteidigen.

Konstantinopel, 20. Mai. Soweit Deutschland in Betracht kommt, ist der Post-Konflikt beendet. Vorgestern hatten sich die Botschafter in der deutschen Bot­schaft versammelt, um eine identische Note, die von der Pforte wegen der Verletzung der Postbeutel der fremden Postämter Genugthuung verlangt, zu unterzeichnen. Inzwischen war jedoch eine Aenderung der Lage dadurch herbeigeführt worden, daß der Sultan den Minister des Aeußeren, Tewfik Pascha, zu den vier Botschaftern gesandt hatte, um denselben weitgehende Entschuldigungen zu machen, und bindende Versicherungen gegen eine Wieder­holung gleicher Verletzungen abzugeben. Auf deutscher Seite nahm man die offiziellen Entschuldigungen und die Zusage der Herstellung des Status quo ante an und der deutsche Botschafter lehnte nunmehr für sich die Absend­ung der entworfenen Note ab.

P e t e r s b u r g, 20. Mai. Im Marienpalais fand heute in Anwesenheit des Zaren und sämtlicher Großfürsten die Feier des hundertjährigen Bestehens des ms si­ch en Reichsra-ts, der höchsten Behörde des Zaren­reiches, statt. Der Zar leitete persönlich die Festsitzung, verlas und unterzeichnete den Ukas, durch den der Thron- olger zum Mitglied des Reichsrats ernannt wurde.

Yokohama, 21. Mai. Drei russische Offiziere wurden. in contumacium zu je!f e ch sM o n a t e n G e f ä n g - nis verurteilt. Sie sind beschuldigt, Zeichnungen des Hafens von Nagasaki, in der Nähe der Befestigungen ge­macht zu haben.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 22. Mai 1901.

** Hessische Landes Lotterie. Bei der heutigen Ziehung fiel 1 Gewinn von 55 000 Mk. auf Nr. 9788 (nach Mainz), 1 Gewinn von 15000 Mk. auf Nr. 20402 (nach BenSheim), 1 Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 28012 (nach Alzey), 1 Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 29422 (nach Darmstadt), 2 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 15890 (nach Mainz), Nr. 38313 (nach Darmstadt), 3 Gewinne L 2000 Mk. auf Nr. 10896 (nach Darmstadt), Nr. 11910 (nach Darmstadt), Nr. 27391 (nach Mainz), 5 Gewinne ä 1000 Mk. auf Nr. 8461 (nach Darmstadt), Nr. 9306 (nach Isenburg), Nr. 14633 (nach Büdingen), Nr. 33102, Nr. 37332 (nach Mainz), 10 Gewinne L 500 Mk. auf Nr. 3661, 7597, 11438, 12138, 13749, 34617, 38267, 40228, 42572, 42864.

Militär-Personaloachrichteu. Haasrn, Bizefeldw. im Landw.-Bezirk Crefeld, ist zum Leutnant der Res. deS Jnf.- Regts. Raifcr Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, befördert worden.

* Personal-Nachrichten. Ernannt wurden die Forst, accesfisten Eduard Eckstein aus Grünberg und Karl Thum aus Laubach zu Forstaffefforen.

* * Das Großh. Regierungsblatt Rr. 35, auSgegeben am 20. Mai 1901, enthält: 1. Gesetz, die höheren Bürger­schulen betreffend. Bom II. Mai 1901. 2. Gesetz, die Abänderung des Gesetzes über die landständische Geschäfts­ordnung vom 17. Juni 1874 betr. Vom 18. Mai 1901.

* * Das Amtsblatt des Großherzogl. Ministeriums der Justiz- Nr. 10, vom 27. April, enthält ein Ausschreiben an sämt­liche Justizbehörden, betreffend die Geschäftsordnung für die Großh. Gerichtskosten-Revisoren. Das Amtsblatt N r. 11 vom 2. Mai richtet sich ebenfalls an sämtliche Justiz­behörden und betrifft den Erlaß einer Dienstordnung für die Provinzialarresthäuser und Haftlokale

Mathematiker-Versammlung. Wir werden um Auf­nahme der nachstehenden Zeilen gebeten: AuS unserer heu­tigen Anzeige geht hervor, daß noch nicht für alle Mitglieder der Mathematiker-Versammlung Wohnung gefunden ist. Wir machen deshalb auch an dieser Stelle auf die Anzeige auf­merksam. Gleichzeitig bringen wir in Erinnerung, daß der WohnungSauSschuß auch unentgeltlich zur Verfügung gestellte Wohnungen gerne annimmt, uud dafür zu großem Danke verpflichtet ist. Gütige Angebote nimmt ebenfalls Herr Ober­lehrer Block, Alicestraße, entgegen.

KriegerkameradschaftHasfia". Nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der KriegerkameradschaftHasfia- ausgenommen worden: Kriegerverein UellerShausen, Bezirk Lauterbach, mit 27 Mit­gliedern , Kriegerverein Grolsheim, Bezirk Bingen, mit 25 Mitgliedern, Kriegerverein Nieder-Breidenbach, Bezirk Alsfeld, mit 11 Mitgliedern, Kriegerverein Breungeshain, Bezirk Vogelsberg, mit 22 Mitgliedern, Krieger-Veterauen- vereiv Klein-Zimmern, Bezirk Darmstadt, mit 32 Mit­gliedern, Kriegerverein Billertshausen, Bezirk Alsfeld, mit 18 Mitgliedern.

e. Bad-Nauheim, 21. Mai. Von den Kranken aus dem China-Feldzug ist gestern der erste Mann, als Badegast hier eingetroffen. ES ist ein Gefreiter von der 5. leichten Haubitzen-Batterie im Ostasiatischen ^Feld- Artillerie-Regiment, Garnisonsort Tientsin. Am Sams­tag wird der neue Saal des Medico-mechanischen Zander- Instituts eröffnet. Die Arbeiten, die der Staat an den ausgedehnten Wirtschastsgebäulichkeiten des Teichhauses hat vornehmen lassen, sind nun vollendet. Jetzt können bequem 34mal soviel Personen am Teichhaus Platz finden, wie in früheren Jahren. Auch die neuen Plätze am Ufer des Teiches mit zahlreichen Bänken find sehr hübsch getvorden und finden bei den Kurgästen viel Beifall.

fc. Echzell (Wetterau), 21. Mai. Aus dem Pensionat Lucius (Forsthaus) dahier ist seit 14. d. M. ein 14jähriger Knabe namens Leo verschwunden. Der Vater setzt auf die Wiedereinbringuug des Knaben eine Belohnung von 100 Mk.

Darmstadt, 21. Mai. Der Großherzog und die Großherzogin empfingen gestern den Besuch der Prin­zessin HeinrichvonBattenberg, die von Schloß Heiligen- berg hierherkam und mit den Allerhöchsten Herrschaften die Mittagstafel nahm und die Ausstellung der Küustlerkolonic besuchte. Nach dem Thee, der in der Ausstellung einge­nommen wurde, kehrte die Prinzessin nach Schloß Heiligen­berg zurück. In ihrer Begleitung befand sich die Hofdame Miß Bultil.

8. Darmstadt, 21. Mai. Die hiesige studentische Ver­bindungWingolf- feierte gestern abend ihr 2. Stiftungs­fest durch einen Kommers, an dem auch der Rektor Magn- Prof. Dr. Schering teiluahm. Am Freitag findet voraus­sichtlich die Schlußsitzung der Zweiten Kammer statt. In der Ausstellung der Künstler-Kolonie streikten heute von über 40 Kellnern zirka 35, obwohl sie längeren Vertrag hatten. Auf der einen Seite wird als Grund un­genügende Beköstigung angegeben, während andererseits die Kellner durch einige unter ihnen befindliche fremde Agitatoren aufgehetzt sein sollen, sodaß sie nach einer gestern bei dem ReichstagSabg. Cramer hier stattgehabten Sitzung heute früh ein Ultimatum stellten, anscheinend um bei der jetzt be ginnenden Saison einen höheren Lohn herauSzuschlageu. Die Renitenten wurden sofort entlaßen und den Arbeitswilligen durch das Sekretariat eine Gratifikation von 10 Mk. pro Mann zugebilligt. Heute abend war wieder der nötige Ersatz eingetroffen. Der heute im Spielhause der Künstler- Kolonie stattgehabte Vortragsabend spielte sich wie gestern vor fast leerem Hause ab; es waren nur 37 Personen anwesend.

fo. Mainz, 21. Mai. Gegenüber entgegengesetzten Mit­teilungen toirö berichtet, daß sich Leutnant Vogt von den 13. Husaren wegen deS Duells nicht in UntersuchungS^ hast befindet.

Mainz, 20. Mai. Verflossene Nacht versuchte ein Ser­geant des 117. Regiments hier einen von der Polizei wegen nächtlichen Unfugs festgenommenen Techniker gewaltsam zu befreien. Die die Verhaftung vornehmenden Schutzleute griff er mit seinem Seitengewehr an und beleidigte sie außerdem mit Worten. Auf Anzeige der Schutzleute hin wurde der Sergeant von einer Patrouille verhaftet und in das Militär­gefängnis eingeliefert.

fo. Dietersheim bei Bingen, 21. Mai. Der Groß her« zog hat bei dem 7. Sohne des Herrn Georg Gerne« hier die Paten stelle übernommen.

Worms, 21. Mai. Die nationalliberale Land- tagSfraktion hat (wie uns gestern telegraphisch gemeldet wurde. D. R.) sich mit den Aeußerungen des Abg. Rein­hart zur politischen Freiheit der Arbeiter ein­verstanden erklärt. Auch eine Wählerversammlung am Samstag, hat sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen. Die Wormser Nachr.-, ein Centrumsblatt, schreiben von einer scharfen Abrechnung, die Reinhart mit den Matadoren der nationalliberalen Partei gehalten haben soll, und fügen hinzu:Der naticnalliberale Vorstand und seine Getreuesten waren natürlich über den völligen Mißerfolg ihres Umsturz­versuches gegen Reinhart völlig geknickt, und spielten demnach auch in ihren Verteidigungsreden eine Rolle, durch die sie