Ausgabe 
23.2.1901 Zweites Blatt
 
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Haartebeutfontein stieß sie auf 1400 Buren unter den Gene raten DovilleerS und Liebenberg. Die Buren leisteten in einer starken Stellung hartnäckigen Widerstand, wurden aber nach heftigem Kampfe aus ihrer Stellung geworfen. Die britischen Verluste betragen 3 Offiziere und 13 Mann lot, 5 Offiziere und 29 Maun verwundet. Die Buren hatten schwere Verluste und ließen 18 Tote zurück.

Kapstadt, 21. Febr. (Reuter-Meldung) Nachdem Dewet die Eisenbahn im Norden von De Aar gekreuzt, wandte er sich nach Westen. Plumer zwang ihn jedoch, seinen Weg nach Norden in der Richtung auf Strydenburg zu nehmen. Am 19. ds. Mts. war Dewet wieder in der Nähe des Oranje-FlusseS. Seine Steitmacht marschiert in ver schiedenen Kolonnen und beabsichtigt offenbar, in Grigua- land-West einzurücken. Plumer marschiert dicht dahinter. Hertzog mit der in Westen in die Kapkolonie eingedrungenen Abteilung zieht sich in derselben Richtung zurück.

Kapstadt, 22. Febr. Reuter-Meldung. Zwei neue Pestfälle sind unter den Weißen festgestellt worden.

Johannesburg, 22. Febr. Reuter - Meldung. Staats zerstörten die Buren den Bahndurchlaß bei Klip river, erbeuteten eine Zugladung mit Lebensmitteln, verbrannten ungestört den geleerten Zug und zogen als dann ab.

Standerton, 22. Febr. Reuter-Meldung. Ein Deserteur von Botha'S Armee erklärte, Botha habe seinen Leuten ge sagt, sie dürfen sich nie ergeben. Auf die Entgegnung der BurgherS, daß sie nicht länger kämpfen könnten, da die Eng länder das Vieh wegnähmen und die Munition fast erschöpft sei, habe Botha erwidert, Gott werde sie mit Kampfmitteln versehen.

China. ______

DieTime s" melden aus Peking, 20. Febr.: Ter Hof hat nachgegeben und in die geforderten Todesstrafen ein- gewilliat, nur verlangt er an Stelle der Enthauptung Tschao- tschutschiaos und Wngniens deren Erdrosselung. Die Ge­sandten haben dem zugestimmt. Die Frage ist also geregelt, und so ist fügt der Berichterstatter hinzu kein Grund mehr für einen Zug nach Taiyuan vor­handen. Vom selben Tage meldet der Berichterstatter, daß die großen militärischen Vorbereitungen fortdauern. Die Deutschen hatten 1 8<)0 Kameele für den Trans- portdienst angekauft.

DieTimes" meldet aus Newyork: Die von den Ame­rikanern gegen die vom Grafen Waldersee beabsich­tigte Expedition erhobenen Vorstellungen sind nicht an die Mächte direkt, sondern durch den amerikanischen Gesandten Conger an deren Vertreter in Peking gerichtet. Nachrichten aus Washington besagen, daß die Conger er­teilten Weisungen den Vertretern der Vereinigten Staaten in Europa als Auskünfte mitgeteilt seien. Mc Kinley sei noch im Begriff, den Wortlaut einer Note festzustellen, die an die Mächte gerichtet werden soll, falls die Ereignisse dies als wünschenswert erscheinen ließen.

Bei dem deutschen ost asiatischen Expedi­tionskorps ist bekanntlich auch eine Abteilung be- ritteneJnfanterie gebildet worden. Aus Peking wird demOstasiatischen Lloyd" darüber geschrieben: Die Leute wurden vom 1. ostasiatischen Infanterie-Regiment und dem 1. und 2. See-Bataillon gestellt. Die Abteilung besteht aus zwei Zügen, dazu vier Offiziere, ein Feldwebel, ein Vize- feldwebel als Zahlmeisteraspirant und zwölf Unteroffiziere. Die Reittiere sind P o n i e s, die vom Train-Depot gestellt worden sind. Welche unglaubliche Mühe es gekostet hat, das Sattel- und Zaumzeug anzuschaffen, davon macht sich kaum einer einen Begriff. Von den Chinesen mußten die Sättel gekauft werden, Chinesen arbeiteten an der Her­stellung von Zaumzeug, und wenn dann endlich alles für einen Pony da war und probiert werden sollte, dann rissen Zügel und platzten die Sattelgurte. Nun kamen die Ponies. Mit sehr wenigen Ausnahmen waren es alte, vor allem abgeklapperte, verhungerte Tiere? Was der deutsche In­fanterie-Offizier leisten kann, hat sich hier wieoer im vollsten Maße gezeigt. Der Führer der Abteilung, der Ober­leutnant Quassowski vom 1. Ostasiatischen Infanterie- Regiment, zeigte sich der Sache durchaus gewachsen. Wäh­rend er den Ponies eine Unterkunft besorgte, gaben andere der vier Herren Reit stunde; die Sättel wurden ge­flickt; die Zäume, die aus Bindfaden bestanden, durch lederne ersetzt, bis alles einigermaßen in Ordnung war. Bei der am 26. Dezember vor dem Feldmarschall stattfindenden Pa­rade nahmen nun zum ersten Male auch deutsche Infante­risten auf chinesischen Ponies mit chinesischen Sätteln teil. Die drei Leutnants, welche die Ausbildung der Abteilung leiteten, sind Leutnant Delius vom 2. Ostasiatischen In­fanterie-Regiment, Leutnant Freiherr v. Freiberg vom 1. Ostasiatischen Infanterie-Regiment, und Leutnant von Kleist vom 2. Seebataillon. Die Soldaten haben eine ausgezeichnete Haltung zu Pferde, tragen die Uniformen der Regimenter und haben ihr Gewehr umgehängt. Zweifellos wird diese berittene Infanterie bei etwa bevor­stehenden Expeditionen hervorragende Dienste leisten, be­sonders da das Pferdematerial bei der guten Pflege von Tag zu Tag besser wird.

Im englischen Unterhause bemerkte der Unter­staalssekretär Cranborne, der englische Gesandte in Peking habe keiner Mitteilung der chinesischen Regierung zuge­stimmt, worin gesagt sei, die fremden Gesandten stimmten dem Edikt zu, das von einigen chinesischen Beamten Selbst­mord fordere. Yerburgh fragt an, ob die Regierung Nach­richt habe von Bestimmungen, welche Witte, wie verlaute, dem russisch-chinesischen Abkommen bezüglich der Mand- schurei hinzuzufügen wünsche. Ob diese Bestimmungen nicht un Widerspruch ständen mit Cranbornes Miteilung, daß die von China betreffend die Mandschurei erwarteten Garantien nicht gestatten, einen Gebietserwerb oder ein Pro­tektorat anzunehmen. Cranborne erwidert, die erste Frage sei zu verneinen. Der Regierung sei keine Abmachung über die Mandschurei zur Kenntnis gebracht. Er nehme an, daß die in Rede stehenden Abmachungen solche seien, die zwischen den russischen und chinesischen Lokalbehörden in Verfolgung vorläufiger Zwecke abgeschlossen wurden, und solche Ver­einbarungen könnten ote Rechte, die England nach Ver­trägen mit China genieße, nicht beeinflussen. Auf eine Anfrage, ob die italienische Gesandtschaft in Peking das Eigentum in Besitz genommen habe, das der Generaldirektor Der Seezölle, Hart, und seine Beamtenschaft 22 Jahre lang

innegehabt, erwiderte Cranborne, die Regierung sei hier­über ohne Nachricht. Diese Frage sei übrigens mit der Frage der Verteidigung des Gesandtschaftsviertels ver­knüpft, die gegenwärtig den Erwägungen des militärischen Ausschusses unterliege, der noch zu keiner Entscheidung ge­kommen ist. Der Staatssekretär von Indien, Hamilton, erklärt, die Regierung habe die Miteilung erhalten, daß Graf Waldersee einen Armeebefehl erlassen habe, worin er ankündige, daß nach seinem Dafürhalten wegen des unbe- riedigenden Fortgangs der Friedensunterhandlungen die Wiederaufnahme von größeren Unternehm­ungen in kurzem notwendig werde. Hierauf ver­langte die Regierung, daß sie mit ausreichenden Informa­tionen über Zweck und Ziel der Expedition versehen werde. Nach Eintreffen derselben werde die Regierung beschließen, ob an General Gaselee Weisungen zu entsenden seien, die von den bisher erteilten abweichen. James Lowther fragt an, ob Vorkehrungen dafür getroffen seien, daß bis zum Eintreffen dieser Informationen keine Bewegung der englischen Truppen stattfinde. Hamilton erwidert, in gewissen Teilen Nordchinas herrsche der Kriegs­zustand. Es sei deshalb kaum zweckmäßig, ihm eine solche Frage ohne vorherige Mitteilung vorzulegen.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Febr. Gestern nachmittag unternahm der Kaiser eine Schlittenpartie nach der Saalburg und kehrte von dort zu Fuß nach dem Schloß zurück. Darauf erledigte der Kaiser RegierungSangelegenheiten. Heute unternahm der Kaiser mit dem Gesandten Graf Wallwitz und dem Gefolge einen Spaziergang und hörte darauf die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Generalstabs der Armee.

Eine Kaiserliche KabinetSordre vom 20. Februar ernennt den Kapitän zur See Truppe! zum Gouverneur des Kiautschougebietes, und bestimmt eine größere 8ln zahl anderweiter Stellenbesetzungen, darunter Kommandos in Ostasien befindlicher Schiffe nach deren Rückkehr in die Heimat. Unter Anderen ist der Chef der zweiten Division > ersten Geschwaders Kontre-Admiral Geißler unter Enthebung von dieser Stellung nach Rückkehr der Division in die Heimat zur Verfügung des Chefs der Nordseestation gestellt worden.

In der ReichstagSPetitionSkommisfion berichtete heute >er Abg. Dr. Weißenhagen (Zentr.) über ein mit vielen Unterschriften versehenes Gesuch von Apothekenbesitzern und von Angestellten in Apotheken, welche wünschen, der Nachtdienst solle um 9 Uhr abends statt wie bisher um 10 Uhr beginnen. Das Resultat der eingehenden Beratungen »er Kommission und des Regierungskommissars war der Be- chluß, die Petition zur Erwägung zu überweisen.

Der Bundesrat gab in seiner heutigen Sitzung seine Zustimmung zu den Ausschußberichten über die Vorlage betr. die Befreiung polnischer Arbeiter von der In­validenversicherung, über den Entwurf eines Gesetzes »etr. Aenderung des Gesetzes über das Posttaxwesen im Gebiete des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871 sowie über die Vorlagen betr. a) den Antrag des deutschen Vereins in Kairo auf Verleihung der Rechtsfähigkeit, b) einen Zusatz­vertrag zu dem AuslieferungSvertrage zwischen dem Reiche und Belgien vom 24. Dezember 1874.

Der Abg. Funck (Freis. 93p.) hat zum Etat der Eisenbahnverwaltung folgende Resolution eingebracht: Die Regierung zu ersuchen, dem Hause der Abgeordneten regelmäßig Mitteilung von den Ergebniffen der auf Beran affung deS Reichskanzlers abzuhaltenden Konferenzen über Verbesserungen von Einrichtungen bei den Eisenbahnen zur Erhöhung der Sicherheit des reisenden Publikums zugehen zu lassen."

Weimar, 21. Febr. Zur Aufbesserung der Pfarrer- »esoldungen geht dem Landtage eine Vorlage zu, nach der das AnfangSgehalt fest angestellter Geistlichen von 1800 auf 2000 Mk. erhöht wird; nach je 5 Dienstjahren werden Alterszulagen bis zum Höchstbetrag von 4000 Mk. nach 25 Dienstjahren gewährt.

München, 21. Febr. Nach der Information des Ber- iner Mitarbeiters derAllgem. Ztg." geht der Entwurf des neuen Zolltarifs, nachdem er im Reichsschatzamt fertig gestellt ist, noch einmal an daS Reichsamt des Innern, dann an daS preußische Staatsministerium und die Einzelregie rungen, wo er voraussichtlich mehrere Wochen erwogen wird. Er würde dann vielleicht im April an den Bundesrat, im Mai an den Reichstag kommen. MW

Ausland.

Paris, 21. Febr. (S enat.) Bei Beratung der Vor­lage betreffend Ausrüstung von Kriegshäfen und Er­richtung von Operativ ns punkt en für die Flotte wird die Dringlichkeit beschlossen. Cabast-Darneville findet die Küstenverteidigung ungenügend. Die Mehrzahl der eng­lischen Häfen seien große befestigte Plätze, dasselbe gelte von einigen deutschen und von einigen österreichischen Häfen. In Frankreich dagegen vermindere man alle Be­festigungen an der Küste. Man habe die Errichtung der Forts wieder eingestellt. Der Redner erklärt, er stimme trotzdem für die Regierungsvorlage, verlange jedoch einige Aenderungen. Er wünsche Anlage eines Zufluchtshafens im Etang de Berre bei Marseille, ferner Schaffung einer Torpedostation in Portovecchio. Dem Senat ging ein Gesetzentwurf der Regierung zu, enthaltend einen Zusatz zu dem französisch-italienischen Auslieferungs-Vertrag, wo­durch Attentate auf Souveräne und Mitglieder des Königshauses von den politischen Verbrechen ansge- nommen, also von der Auslieferung betroffen wer­den. Das Abkommen erfolgte auf Antrag Italiens und ist von Deleasse und dem Botschafter Tornielli unterzeichnet.

Wien, 21. Febr. Abgeordnetenhaus. Pacak, Kramar und Brzorad greifen aufs Heftigste den Prä­sidenten an.

Während der Rede des Abg. BrzoraL verteilen tschechisch- radikale Abgeordnete große mit roten Settern gedruckte Plakate, die in tschechischer Sprache den Text des die Gleichberechtigung der Nationalitäten verfügenden § 19 des Staatsgrundgesetzes enthalten und Heben diese auch

auf die Sitze der Minister, wo sie deutsche Abge­ordnete sofort entfernen. Abg. Fressel versucht, solch» Plakate auch 'hinter dem Präsidenten an die Wand zu Heben, deutsche Abgeordnete hindern ihn jedoch daran. Da Fressel sich wehrte, riß ihm Abg. Gloeckne, das Plakat aus den Händen und zerfetzte es.Wenn ihr Bubenstreiche machen wollt, so geht in den Wurstelprater rief Gloeckner den Czechen zu. Fressel und andere Czeche« bedrohten Gloeckner; es entsteht ein heftiger Tumults Die Sitzung war aufgelöst. Auf der rechten Seite entstand! ein Knäuel; zwischen deutschen und ezechisch-radikalen W» geordneten ereigneten sich Zusammenstöße. Schönerer- Stentorstimme übertönte den Lärm mit dem Rufe:Hoch der Präsident!" Ter Czeche SclMeny rief darauf:De, Markgraf von Brandenburg kommandiert!^ Die Lärmszene dauerte fast eine Viertelstunde, bis der Präsident den Abg. Brzorad zur Fortsetzung seine, Rede auffordern konnte. Abg. Dr. Stranzky erklärt, de, Protest der Tschechen werde es verhindern, daß hier in diesem Hause die deutsche Staatssprache aufgerichtet werde^ (Beifall b. d. Jungtschechen.) Abg. Ritter v. Plazek fagt, in Oesterreich seien die Deutschen die beati possidenteA kein Wunder, daß sie immer mehr fordern. De, Abg. Forscht beginnt in tschechischer Sprache und fährl dann in deutscher Sprache fort, ein Parlament, das öster­reichisch heißen wolle, dürfe nicht die Rechte der Natio­nalitäten dieses Staates mit Füßen treten. Abg. Daszinsky erklärt, der nationale Chauvinismus sei bis zum Wahn- inn gediehen. (Redner wird fortwährend von den Tschechen unterbrochen.) Abg. Dr. Groß erHärt im Namen de, deutschen Fortschrittspartei die Debatte als geschäftsord­nungswidrig und sagt, die Deutschen seien bereit,, die Arbeitsfähigkeit des Hauses große Opfer zu bringen, ausgenommen ihre nationale Rechte und Pflichten. Abg^ Lueger meint, die ganze Zeit hindurch werde die GeschästK- ortmung verletzt, vom Präsidenten angefangen bis zu Klo­atsch hinunter. Dabei werde die Arbeitswilligkeit ver- ichert. Das sei ein un erhö r t er Schwindel. Es« ei empörend und eine Schande, daß einige N a r r e n rechts und in der Mitte das ganze Parlament unmöglich machen. (Beifall.) Schönerer beantragt ein Mißtrau­ensvotum für den Prä sidenten Grafen Bette, wegen der Einführung der Doppelsprachigkeit. Der Redne, ragt, ob beide Vizepräsidenten mit der Erklärung des!

Präsidenten einverstanden seien. Der Präsident erwidert, daß eine Einigung im Präsidium nicht erzielt worden sei, die Vizepräsidenten würden sich jedoch an seine Entscheid­ung halten. Der Antrag Schönerer wird genügend untere tützt und daher der geschästsordnungsmäßigen Behand­lung zugeführt. Abg. Wolf ruft dem Vizepräsidenten Probe zu:Abdanken". Probe erwidert:Sie haben mir nichts zu kommandieren". Aie Sitzung wurde nach sechsstündige, Dauer geschlossen.

Konstantinopel, 21. Febr. Das SchiffKiew" de, russischen Freiwilligenflotte hat mit russischen, China bestimmten Truppen den Bosporus passiert.

New-Hvrk, 21. Febr. In M a n i l a wurden weiter» Verhaftungen wegen eines Komp lots vorge­nommen. Auch Regierungsbeamte sowie angeblich die Kon- uln üon Belgien und Uruguay sollen in die Angelegenheit verwickelt sein.

Vom Wetter.

P. Gießen, '22. Februar.

Heute morgen 21 Grad Kälte! Es scheint als ob wir den Höhepunkt oder vielmehr den tiefftcrt

Punkt des Thermometers noch nicht erreicht hätten^ Es ist ein ungewöhnliches, seit langen Jahren

bei uns nicht vorgekommenes Ereignis, daß eint Winter das Thermometer zu so tiefem Stand zwingt. UnN welcher Kontrast! Lustig und lebhaft flattert feit einigen Tagen ein prächtiger, farbenschillernder Schmetter­ling in unserem Redaktionsbureau herum. Ihm finSi die kalten Nächte anscheinend gut bekommen, ein Früh­lingsbote, der seine Zwecke verfehlt hat. Falb kündet in seinem Wetterkalender für den 22.-28. Februar u. a. an i In den ersten Tagen tritt sehr ausgebreitetes Regen- wetter ein. Die Temperatur steigt bedeutend übe» das Mittel. Es herrscht Gewitterneigung. Stellenweistz treten Gewitter ein, die von starkem Regen begleitet sind". Dagegen konstatiert für die nächsten Tage unse» Freund LattemannHundekälte, teilweise Schneefall, Eisbahn belebt, Grog begehrt, rote Gesichter (nicht zui verwechseln mit Rothäuten) und kalte Füße, auch kam» eventuell Kohlenmangel ein treten".

Unsere Lahn ist seit diesem Winter schon zum zweiten- male vollständig zugefroren, sie kann an vielen Stelle, überschritten werden. Die W i e s e ck jedoch rieselt an manchen Stellen noch munter weiter, wenn auch ein Teil mit Eis bedeckt ist.

fe. Karlshafen, 21. Febr. Die Weser geht ftarl mit Grundeis. Die Schiffahrt auf Weser und Fulda ist vollständig eingestellt.

Das Eis des Rheines hat sich bei 6aub gestellt. Im gesamten Rheingebiet hält die überaus strenge Kälte an. Aus der Eifel werden Unglücksfälle gemeldet. Ei, Kutscher stürzte vom Bock herunter, weil ihm beide Beine erfroren waren. Die Vögel liegen zu Hunderten erfroren auf den Feldern und in den Wäldern trifft man zahlreiches Wild tot an. In Elberfeld mußte infolge der strengen Kälte die Eröffnung des Schwebebahnbetriebs hinaus- geschoben werden. Die Mosel bei Coblenz ist zugefroren.

Aus dem fernen Süden liegen folgende Nachrichten vor: In Brun eck (Tirol), wo seit Anfang dieses Monats da­schönste Wetter herrscht, zeigte das Zchermometer bis zum 12. d. beständig 912 Grad Reaumur. In Toblach verzeichnete man am 16. d. gar 27 Grad Reaumur, in Sulden am 11. d. 25 Grad Reaumur. Im Puster- thal zeigte am 13. d. morgens das Thermometer 2427 Grad Reaumur. In Südtirol ist die Tempe­ratur seit 13. ds. Mts. so zurückgegangen, daß in Meran am 15. Februar das Thermometer morgens 15 Grad Reaumur zeigte, eine Kälte, an die sich die ältesten Leute nicht zu erinnern vermögen. Trotzdem ist der Gesund­heitszustand im allgemeinen vorzüglich und eine bedeu­tende Zunahme des Fremdenverkehrs zu verzeichnen. Seit 17. d. ist die Kälte auf 10 Grad Reaumur zurückgegangen. In Bozen gab es am 16. d. einen Thermometerstand von > 10 Grad Reaumur unter Null, in Rovereto am ver- ' gangenen Freitag früh 10 Grad Reaumur und mittag-