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auf eine Million beläuft. — Ja der gestrigen Generalversammlung der neuen Theater-Aktiengesell schasl wurde der Beschluß gefaßt, daS Grundkapital durch Em ziehung und Vernichtung von abgegebenen PrioritätS-Akt'eri um 42 000 Mk. herabzusetzen. Die Aktien wurden der Ge sellschaft unentgeltlich zur Verfügung gestellt, außerdem sollen hier reduzierte Prioritätsaktien nicht mehr ausgegeben werden. Der Theaterbesuch hat sich im letzten Quartal in beiden Häusern gehoben, besonders das Opernhaus hat gute Tages einnahmen zu verzeichnen. Der seither probeweise eingefllhrte Theaterbeginn um 7 Uhr soll bleiben, späterer Theaterbeginn wurde nicht für vorteilhaft erachtet Intendant Claar besprach die Chancen des neuen Schauspielhauses, in welchem besonders das klassische Schauspiel bevo zugt werden sollte, und Intendant Jensen sicherte die sorgfältigste Prüfung und Auswahl neuer musikalischer Erscheinungen zu und legte unter allgemeinem Beifall sein vorläufiges JahreSpro gramm dar.
Vermischtes.
• eine Hörnerschlittenfahrt alter Lands, mannschafter. AuS Hirschberg in Schlesien wird uns geschrieben: Arn letzten Samstag und Sonntag tagten alte Landsmannschafter — die Mitglieder des Bezirks Hirschberg des schlesischen A. H. L. C. im Loburger L. C. Verband — in HtrschbergS Mauern, um nach alter LandSrnannschasterart wieder einige fröhliche Stunden gemeinsam miteinander zu verleben. Diesmal war aber eine besondere Festivität vorgesehen, galt eS doch die winterlichen Reize des Riesenge- birgeS zu genießen und eine lustige Hörner, ober Sportschlittenfahrt Dom Kamm des Gebirges herunter mitzumachen. Darum waren aus Nah und Fern viele Landsmannschafter herbeigeeilt, um sich diesen ganz besonderen Genuß nicht ent« gehen zu lassen. Nach feuchtfröhlicher Samstag Kneipe wurde am Sonntag früh zunächst em Schltttenbummel nach Agneten- darf gemacht. Bon hier aus ging es per Hörnerschlitten — einige auch zu Fuß — zur Peterbaude. Nach zweistündigem Aufstieg kam man auf der in Böhmen gelegenen Baude an. Hier herrschte bereits munteres Treiben, daS aber seinen Höhepunkt erreichte, als die Landsmannschafter in ihren bunten Miltzen such noch erschienen. Nach fröhlichem Aufenthalt wurde kurz vor Eintritt der Dunkelheit die Fahrt zu Thal angetreten. In rasender Eile flog der Hörnerschlitten unter der sicheren Führung eines Gebirgsbewohners, der Sportschlitten unter bet gewandten Leitung seines Besitzers zu Thal. In kaum 20 Minuten wurde Agnetendorf wieder erreicht, wo die vielen mannigfaltigen Eindrücke auf der Fahrt einen fröhlichen Gedankenaustausch fanden. Im Schlitten ging es alsdann nach Hirschberg zurück, wo im geselligen Beisammensein die letzte P-ogrammnummer ihr Ende erreichte. Für viele Landsmannschafter wird diese Fahrt eine stete Erinnerung fein, und mancher, der das Riesengebirge nur vom Sommer her kennt, wird auch bekennen müssen, daß die Reize desselben im Winter nicht minder sind.
* Das Tintenfaß auf der Zugspitze ist auch im Winter Nicht eingefroren. Dort oben, in 2964 Meter Höhe, auf dem höchsten Punkte des Wettersteingebirges in den bayerischen Alpen, dem höchsten Gipfel im Deutschen Reiche, haust Sommer und Winter I. I. EnzenSperger, der dort seine wissenschaftlichen Naturbeobachtungen macht und sie mit flotter Feder darzustellen versteht. Schon seit längerer Zeit hatte EnzenSperger die Redaktion der „Münch. N. Nachr." verständigt, baß ein Feuilleton für sie bereit läge. „Bitte, es nur holen zu lassen,- fügte er in seinem Humor, der auch dort oben im Fasching gut zu gedeihen scheint, hinzu. Da war guter Rat teuer. Aber her mußte es. Und so er suchten wir, schreibt daS genannte Blatt, den Sommerwirt des Hauses, eine Expedition in die Wege zu leiten, um das Manuskript zu holen. Den letzten Sonntag und Montag benutzte dieser mit seinem Sohne, um die schwierige Aufgabe zu lösen. Und zu großer Freude brachte uns dieser Tage die Post aus Partenkirchen einen eingeschriebenen Brief, dessen Rückseite die Worte trug: „Absender I. EnzenSperger, Zug
spitze.- Soweit wäre nun die schwierige Frage gelöst, aber eine neue, viel wichtigere drängt sich vor: Wie wir ihm das w hlvcrdiente Honorar Übermitteln können. Wir kehren am Men den Spieß einfach um und telephoniere» hinauf: „Bitte, es nur holen zu laffen.**
♦ Faule Professoren und fleißige Studenten besitzt die Universität Cagliari in Sardinien. An den übrigen Universitäten Italiens pflegen die Studenten Thüren uno Fenster einzuwerfen, die Bänke und Tische zu verbrennen, wenn sie glauben, zu wenig Ferien zu haben Die Caqliaresen aber brachten mit derselben elementaren Wucht zum Ausdruck daß sie zu viel Ferien hätten. Die Studenten der Medizin entsandten darauf ein Manifest an den Minister dcS Unterrichts, daS folgenden Inhalt hat: Professor Gonella, Dozent für Augenklinik, welcher kurz vor Weihnachten den Lehrstuhl übernommen hat, ist jetzt noch nicht aus seinen Ferien zurück gekehrt. Professor Rutto, Titular für Zoologie und vergleichende Anatomie, hat bis jetzt seinen Posten noch nicht angetreten. Da jetzt die „KarnevalSferien" beginnen, kann Herr Rutto vor März nicht lesen. Professor Sauro, Dozent der Ostetrik und ostetrischen Klinik, ist drei Monate nach Beainn deS Universitätsjahres noch nicht in Cagliari einge- troffen und verlangt weitere zwei Monate Urlaub, welche ihm aber die Fakultät verweigerte, indem sie gleichzeitig das Ministerium um Ersatz bat. Das Manifest schließt mit den Worten, daß, wenn daS Ministerium nicht ein schleuniges Verfahren gegen die säumigen Professoren einleite, weitere Demonstrationen bevorständen. — Unter solchen Umständen haben die Cagliareser Studenten wirklich Recht, zu demonstrieren.
* Studenten und Theaterdamen. Die be< rühmte^ Harvard-Universität in Cambridge im nordamerika- schen Staate Massachusetts' scheint seit kurzem ein reines Heiratsbureau für Operetten-Choristinnen geworden zu sein. Das Studium der verschiedenen Schönheitstypen, dem sich die Musensöhne hinter den Coulissen des Kolumbia-Theaters in der Nachbarstadt Boston hingeben, hat in letzter Zeit eine wahre Epidemie von „elopements" zur Folge gehabt. Nicht weniger als 25 Fälle, in denen Harvard-Studenten mit hübschen Choristinnen durchgingen und sich heimlich trauen ließen, resp. trauen lassen wollen, sind innerhalb dreier Monate vorgekommen. Ein Bostoner Rechtsanwalt, der die Regelung dieser pikanten Angelegenheiten bereits zu seinem Spezialfach gemacht hat, behauptet zwar, daß es gelang, die Mehrzahl der jungen Durchgänger beiderlei Geschlechts in aller Stille zurückzuholen, ehe sie einen willfährigen Geistlichen aufstöbern konnten, und sie zur Raison zu bringen, ohne Aussehen zu verursachen. Bei fünf Fällen aber war es nicht zu vermeiden, daß die Presse davon erfuhr, die es sich natürlich nicht nehmen ließ, ihren Lesern die „romantische Heirat" des Millionenerben L. . . oder die „skandalöse Liebesaffaire" des Dollarprinzen B. . . recht ausführlich zu erzählen. Manche beunruhigten Pankceplutokraten erwägen schon in al em Ernste die Frage, ob es nicht besser sei, die Herren Söhne an einer weniger bedeutenden, aber auch in weniger gefährlicher Nähe befindlichen Quelle des Wissens zu installieren. Die fünf Studenten, deren Liebes- affairen in den Kreisen der Vierhundert so peinliche Sensation erregt haben, nennen sich Arnold Lawson, John Brice, Gerald und Reginald Foster und William Kibbey. Der erstgenannte Musensohn, dem dereinst ein Erbe von 30 Millionen Dollars zufällt, wurde vor kaum acht Wochen von Detektivs daran gehindert, der liebreizenden Marjorie Lee, einem im Aufgehen begriffenen Bühnenstern, sein aegebenee. Eheversprechen zu halten. Sans facons bemächtigten sich die von seinem Vater beorderten Geheimpolizisten oes feurigen Liebhabers und entführten ihn ihrerseits nach dem einsamen Landhause des Millionärs, wo er Tage und Wochen hindurch wie ein Gefangener gehalten wurde. Die enttäuschte Miß Lee strengte sofort Die Entschädigungsklage an und verlangte 20000 Dollars. Sie mußte sich jedoch schließlich mit einer bedeutend geringeren Summe zufrieden geben, die man ihr überdies nur unter der Bedingung aushändigte, daß sie in Zukunft jeden Annäherungsversuch des jungen Mannes zurückweise. Mehr Glück mit ihrem Durchgehen hatten John Brice, der Sohn des verstorbenen Senators von Ohio, und die fascinierende Chorsängerin Florence La Vergne, geb. Ricketts, die schon eine andere, aber mit Scheidung endende romantische „Heirats-Episode"
hinter sich hatte. Das Pärchen entfloh, liest sich traue«, uni} nachdem der Widerstand der Familie bc liegt war und öiefe die Ehe anerkannte, kehrte der kaum 19jährige (Satte mit feiner Frau nach Cambridge zurück, wo er nun ruhig meiter studiert. Die nächste Sensation führte Gerald Foster lca indem er mit Jessie Jordan einen kleinen Ausslug nach der Empire City unternahm. Innerhalb' weniger stunden waren sie Mann und Frau. Die Ehe wurde lehr schnell wieder geschieden und die lieblid>e Jessie klagt lefct auj Zahlung einer beträchtlichen Abfindungssumme. Ta- Beispiel dev Bruders wirkte ansteckend auf den jugendlichen nyeginalb zoster, der gerade Anstalten traf, eine Circe mit filberblonden Locken zu entführen, als die bereits vorsichtig gewordenen Eltern Wind von der Sache bekamen und den liebeglühenden Jüngling rechtzeitig nach Hause holten D« ihr der eine Millionen-Liebhaber entschlüpft war, fing sich Miß Chase im Handumdrehen einen anderen in der Person William Kibbeys ein, der ebenso liebenswürdig und dreimal so reich ist als sein Vorgänger. Der galante Studiosus veranlaßte ganz kürzlich im Columbia-Theater dadurch eine Panik, daß er ein Streichholz anzündete, um dem Liebcheq zu zeigen, wo er saß. Man erwartet täglich ein neue« „elopement".
• Felix Dah« veröffentlicht folgende Ballade:
,3obn Bull, w>S ist dein Schwert so tot?" Viel Frau'n und Kinder schlug eS tot.
„Carl Roberts, was ist dein Schild nicht retat" Zu viele Flüche haften darein.
„Lord K'tchener, was ist so stumpf dein Speer?" DaS rühit vom durchstoßenen Rechte her.
„Fromm England, wa» treibt der liebe @ott?” Er schläft, der Buren Herr Zrbaot.
Er schlief zu lang, er schlief zu fest:
I tzt tft er erwacht und schicke die Pest.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
— Die Künstlerkolonie in Darmstadt baut sich auf ihrem AuSstillungtzterraln ein kleines Theaür, L- dem unter dem Name» „Darmstädter Spiele — Künstlerkolonie 1901" kleine intime szmische Darstellungen stat finden werden. An zwei obir drei Abenden jeder Woche will man geschmackvoll inszenierte kleine Dichtungen moderner Dichter, an anderen Abenden Tänze aufführen. Das kleine SpielhauS wird nur 400 Zuschauern Raum bieten, und auch intimen Konzerten, Kammermusik und Vorträgen dienen.
Gerichtssaal.
Jena, 20 Febr. Der Fall Strubel! von der medizinische» Klinik darf jetzt als endgiltig erledigt gelten. Die Angelegenheit war Gegenstand eines Erörterungsverfahrens bei der Staatsanwaltschaft in Weimar. Die Untersuchung ist eingestellt worden und der Erste Staatsanwalt Siefert, der daS Ber fahren geleitet hatte, veröffentlicht nunmehr das Ergebnis im „Archiv für Kriminalanthropologie und Kriminalstalistik". In dem Facit, das er zieht, erklärt der S>aats- anwakt, daß die Svitzmarke „Ein unerhört grausames Experiment an Kranken" nach keiner Richtung auf die Behandlung deS Ge.berS Hertel in der medizinischen Klinik zu Jena paffe. Die Darstellung deS Falles durch Dr. Neumann, von der die öffentliche Behandlung der Sache ausgegangen ist, bezercknet er als ein „Phantasiegebilde". „Nirgends", so erklärt der Erste Staatsanwalt, „zeigt lsich ein widerrechtliches Handeln. Weder § 223 noch § 239 des Strafgesetzbuches kann auf die Behandlunoswerse des Hofrats Dr. Stintzing und feine® Assistenten Dr. Strudel! Anwendung finden".
Krieskasten der Redaktion.
R. Pfund ist kein russischer Wertbetrag. Pud ist ein russisches Gewicht. Es ist gleich 40 Wund oder 16 38 Kilogramm.
Familien Nachrichten.
Geboren: Eine Tod?'er dem Generalleutnant z. D. von Pfubl- stein In Freienwalde ». d. Oder. — Eine Tochter dem Martin Bondß in Mainz.
Gestorben: In Darmstadt: Anna Martha Bertsch, geb Hüter Susanne Osterrath, geb. Simon; Peter Schneider; Karl Sin tisson. — In Groß-Bieberau: Marg. Elisabethe Reinheimer V. Wwe., geb. Ruths. — In Rödelheim: Franz Schulz.
Schiffsnachrichten.
Der Postdampser „FrieSland bet „Red Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 19. Februar wohlbehalten in New-York angekommen.
vornehrnlichste Hoffnung auf die Heranbildung junger Talente, einer neuen künstlerischen Jugend.
Daß in diesem neuesten Stil älteste Kunstformen und Bestrebungen wiedör aufleben, liegt auf der Hand. In solche Forderungen klangen von jeher alle rein und ausgeprägt idealistischen Auffassungen aus, denn sie machen eben das Wesen idealistischer Aesthetik aus. Indem wir die Kunst als Darstellerin eines zweiten Lebens zu ergreifen versuchen, stellen wir uns auf den Boden Schillers, und deutlich genug tritt in allen wesentlichen Zügen die nahe Verwandtschaft dieses Darmstädter Stiles mit dem weimari- schen Stil hervor. Die Bühne aber wird wiederum zum einfachen Festfaal, wie sie es in ihren neuzeitlichen Anfängen, in den Tagen der Renaissance schon einmal gewesen ist: wohl sucht sie nicht ihr Vorbild in der ärmlichen Volksbühne Shakespeares, aber umsomehr erinnert sie dafür an die des italienischen Hoftheaters im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, an die Bühne des Hirtendramas. Auch das „zweite Leben", das unsere Darmstädter als echte Aestheticisten in künstlerischen Spielen zu erringen hoffen, dürfte wohl am innigsten verwandt fein mit bem; „Leben in Arkadien", von dem die aristokratifch-höfifche Schäfer- und Hirtendichtung der Renaissance gesungen hat.
Der Idealismus von heute zieht gegen den Naturalismus von heute zu Felde, wie damals der Schäferroman gegen den Schelmenroman sich wandte. Es ist immer derselbe Streit der einseitigen Geister widereinander, und nur beschränkte Kunst ist dort wie hier zu Hause. Die Schwächen und Gebrechen, die Begrenztheit und Enge unserer naturalistischen Schauspielkunst verlangt notwendig ein Gegengewicht, und hier vermag die Darmstädter Bewegung in vieler Hinsicht heilsam zu wirken. Was wir gestern einen Fehler nannten, das nennen wir heute einen Vorzug. Darin liegt der Wechsel des Geschmacks und der Moden begründet. Das Theater des Naturalismus verachtete und haßte nichts so sehr, wie Pathos und Pose. — Pose und Pathos ist deshalb das Ideal der neuen Bühnenkunst. Dort sollte man Verse wie Prosa sprechen, hier wird man Prosa
als Verse behandeln. Die feine, melodifch-rhytmifche Reci- tation, welche alle Klang-, Farben- und Formenwerte von Reim und Maß einer kunstvoll gebundenen Sprache zum Ausdruck bringt, muß man in Darmstadt zum Gesetz erheben, wie die naturalistische Kunst die geräusperte und gespuckte Sprache des Alltags zum Gesetz erhob.
Es ist gewiß, daß sich auf dem Wege, den die Darmstädter Künstler gehen wollen, viel erreichen läßt: feine, tiefe und innerliche ästhetische Wirkungen, große Weihe und reine Erhebung. Der Rahmen dieser Bühne paßt sich aufs vollkommenste dem Drama unserer Symbolisten und Neuromantiker an. Maeterlinck und Hoffmannsthal wollen in solchem Stile dargestellt werden. Ohne Frage haben die Darmstädter das eigentliche Wesen dieser unserer jüngsten Dramatik viel tiefer an den Wurzeln erfaßt, als es die Leiter unserer Berliner „Sezessionsbühne" vermochten. Der Boden einer Weltstadt ist auch wohl nicht der beste Boden, daß sich eine so zarte und ätherische Blume, wie diese neue Bühnenkunst, recht auf ihm entwickeln kann. Will sie doch die Kunst eines zweiten, übersinnlichen Lebens sein. Predigt sie doch die Flucht aus dieser Welt und rauhen Wirklichkeit. Ihr Land ist ein Land der Träume, der Stille und der Einsamkeiten. Ein Theater, wie es die Darmstädter planen, kann an keiner Heerstraße liegen. Es muß die Zuschauer mehr abwehren, als zu sich heranlocken. 9hir mäcenatische Gunst kann es aufrecht erhalten. Indem man es sich vorstellt, denkt man zugleich an einen kleinen Residentenhof, an fürstliche Männer und Frauen, Geistesverwandte der Medici, die eine Akademie platonischer Seelen um sich versammelt. Wohl mag diesen so das Leben zu einem Feste werden, aber können ihre künstlerischen Feste auch zum Leben werden?
Träumend vom zweiten Leben, vergißt diese Kunst nur zu sehr das nächste und das erste Leben. Kunst der Weltanschauung nennt Peter Behrens sie. Aber in Wahrheit verhüllt sie sich vor der Welt. Geist und Natur, Sinnlichkeit und Uebersinnlichkeit, Form und Inhalt kann die Darmstädter Aesthetik nur voneinander trennen und fd)eiben;
sie hält die ewigen alten Widersprüche aufrecht und kehrß nur das, was der Naturalismus sagte, genau ins Gegenteil um. So bleibt ihre Kunst ebenso einseitig und befangen, wie die naturalistische es war und ist. Man mufc sie in ihrer besonderen Art gelten lassen, aber sie ist aud| nicht mehr als ein Stück und Teil aller Kannst. Maeterlinck kann man in dem neuen Stil darstellen, auch GoetheD „Iphigenie" und „Tasso", aber für Shakespeare reicht eq schon nicht mehr aus. Ihn wird die Darmstädter Schauspielkunst ebensowenig bewältigen, wie ihn die naturalistische Spielweise unseres „Deutschen Theaters" zu bewältigen vermochte. Tas konnte man dem „Deutschen Theater" vorher prophezeien; man kann es auch den Darmstädtern schon im voraus ankündigen. Auch die Zeit des „Weimarer» Stiles" ist gar kurz bemessen gewesen. Und Maeterlinck ist doch kein Goethe und Hoffmannsthal noch viel weniger! Wie lange wird wohl die neue Bühnenkunst Darmstadt- Gesetz sein? Heute spricht man in der hessischen Residenz mit großem Hohn und tiefer Verachtung von Naturalismus. Sollte dieser Hohn sie nicht ein wenig irre machen könnet im Glauben an ihre eigene Unfehlbarkeit? Ihnen nicht nahe legen, wie beschränkt und einseitig auch ihre fünfte lerischen Auffassungen sind? Sie kommen als Verkünde» des zweiten ewigen Lebens. Ich fürchte, daß dieses Ewig« nur etwas zu zeitlich Beschränktes und ein Menschliche- Allzumenschliches ist.
— Am Großh. Hoftheater zu Darmstadt gelangte am 18. d. M. zum ersten Male „Es war einmal oder die Reise durch das Märchenland", ein Mürchenspiel in 7 Bildern von Life Ramspeck, Musik vo» Fritz Keiser, zur Aufführung. Die Verfasserin hat in diestm Stück auö dem reichen Born des deutschen Märchrnschatzes geschöpft und den Kinder« die bekanntesten und liebsten Gestalten desselben vor Augen geführt. Die Einkleiduna des Ganzen bekundet technisches Geschick und poetisches Empfind«. Die Verfasserin gebietet über eine letchtfließend« Sprache, die Naivetät tu* Poesie glücklich vereinigt.


