Ausgabe 
22.10.1901 Erstes Blatt
 
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beste Beweis dafür, daß die Buren keineswegs vernichtet ind. Die Buren müssen aber auch siegen, damit die reutsche Kultur dem Lande erhalten bleibt. Was Buren­oder Asrikandertum genannt wird, besteht zu 60 Prozent aus Reindeutschen, die früher namentlich aus der Pfalz, aus Hessen, Schwaben und Mecklenburg eingewandert sind. Die Engländer haben erst einen Nutzen gezogen aus dem, was unsere Landsleute im Bunde mit den Hugenotten und Holländern dort geschaffen haben. England hat nichts gethan als seine Bahnen gebaut, um zu den Diamant­minen zu kommen. Ae jetzige Not in Südafrika aber ist eine Wirkung der englischen Herrschaft. Das unausbleib­liche Ende wird sein, daß der Kampf, den die Buren seit zwei Jahren mit solchem Heldenmut gegen England führen, die Vereinigten Staaten von Südafrika zeitigen wird, die niederdeutsch sein werden und der deutschen Weltmacht die Stellung in Südafrika sicher,! werden, die ihr zukommt.

Schon während feines Vortrags war der Redner häufig durch Bravorufe und Beifallklatschen unterbrochen worden. Jetzt, als er geendet, erhob sich ein förmlicher, langanhal-i tender Beifallssturm. Darauf forderte der Vorsitzende auf, es möge jeder der Anwesenden etwas boisteuern. Der ganze Ertrag der Burensammlungen des Alldeutschen Verbandes beziffere sich auf 345 711,40 Mark. Davon eien 228104 Mark nach Südafrika bereits abgeführt wor- >en, so daß noch 117 607 Mark zur Verfügung ständen. Das genüge aber nicht, um der Not zu steuern.

länder dies auch gethan und sich den 5 Buren ergeben. Ein anderes Mal hätten die Burenvorposten ihren Truppen, die in der Mhe eines Flusses lagerten, die Nachricht gebracht, ein englisches Korps von 600 Mann sei im Anzuge. Sofort )ätten die Buren in den Verstecken die die Flußufer', loten, Stellung genommen. Drei englisch Vorposten, die ich dabei dem Fluß näherten, seien entwaffnet worden, roraauf 3 Buren ihre Waffen und Kleider anlegten, den Fluß überschritten und die Rolle der Engländer spielten. Nun sei ein anderer Vorposten gekommen. Er habe sich arglos ge­nähert, zumal er die 3 anderen sah. Sein Schicksal sei das- elbe gewesen wie das der ersten Paterrolle. Das sei ihre Taktik. Ost habe man gehört. Botha, Dewet, Steijn u. a eien umzingelt gewesen, wie jetzt wieder .Botha umzingelt ein sollte, so daß ein Entkommen unmöglich sei. Jooste erzählt nun, um diese Meldungen ins richtige Licht zu stellen, ein bekanntes Geschichtchen, wie Dewet, auf allen Seiten um- tellt, rettungslos verloren schien und doch entkam. Auf einem Kampf wollte er es nicht ankommen lassen, um Verluste zu­vermeiden. So schlug er denn ein Lager auf und zündete Wachtfeuer an. Die Engländer, die auf allen Seiten standen, ließen ihn ruhig gewähren und fammetten sich auf einem Punkt, denn jetzt konnte ihnen, wie sie glaubten Dewet nicht entgehen. Dieser aber ließ, als es dunkel geworden war, alle Wagenräder mit Decken umwickeln, so daß sie kein Ge­räusch machten. Die Zelte blieben stehen, die Feuer wurden neu angeschürt. Dewet aber zog mit seinen Leuten durch em enges Thal und drehte den Engländern eine lange Nase, die am nächsten Tage das leere Lager stürmten. Jooste childerte sodann die jetzige Lage der Buren. Seinerzeit habe man gesagt, es sei Hoffnung vorhanden, daß die Sache gut enden werde. Jetzt sei das Thatsache geworden. Jeder Monat, der vergehe, führe näher zur Freiheits Die Gewehrfabrik in Johannesburg, ebenso die Magazine,, diese aber ohne Munition, seien in die Hande der Engländer gefallen. Jrn Anfang des Krieges habe man Mausergewehre gehabt. Es sei aber die Zeit gekommen, wo diese nicht mehr gut waren; jetzt habe man ein englisches Gewehr und in London eine Fabrik für die Munition. Auf die oft gestellte Frage, daß die Buren ihre Gefangenen frei­ließen, statt sie zu erschießen, könne er nur antworten, wenn England gemein handle, so müßten das die Buren noch längst nicht thun. Noch niemals habe man gehört, daß die Buren einen gemeinen Mordkampf gegen englischen Frauen und Kinder führten, wie die Engländer gegen die Angehörigen der Buren. Wenn die Buren auch keine Kultur hätten, be­säßen fte doch wenigstens Humanität. Freilich bekämen sie von niemand in der Welt Unterstützung, wohl aber die Eng­länder; doch was diese erhielten, hätten indirekt auch die Buren, die es chnen wieder abnähmen. Sie brauchten kein Geld, England bezahle alles. Jedenfalls würden sie kämpfen bis auf den letzten Mann. Sie wollten fallen oder den Tag der völligen Unabhängigkeit erleben. Sie brauchten keine Intervention mehr, sie könnten sich selber helfen. Nur um eines bitte er die Versammlung, die Not der Frauen und Kinder der Buren lindern zu helfen. Nicht sei es die Sache der Versammelten, für sie zu kämpfen, wohl aber ihre Pflicht nicht zuzulassen, daß das Burenvolk entgegen den Artikeln der Genfer Konvention, wie ein schmutziger Lappen in den Kot getreten werde. Es gebe kein Kind mehr unter zwei Jahren bei den Buren. Es sei schrecklich mit anzusehen, wie neben den Gräbern der Männer die der Frauen und Kinder zunähmen. jNach einer letzten Nachricht seien in den Konzen­trationslagern auf 1000 Lebende 742 Sterbefälle gekommen. Der Redner schloß mit Dankesworten gegen die Veranstalter der Versammlung.

Wie Dr. Gadow, so wurde auch Jooste von lauten Beifallsbezeugungen oft unterbrochen. Und das nicht enden­wollende Beifallsklatschen nach Beendigung seiner Rede dürste ihm der beste Beweis dafür sein, wie groß die Sympathie der Versammelten mit den leidenden Stammesbrüdern in Süd­afrika ist. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Bemerken, er wolle der Rede nichts mehr hinzufügen, um ihre Wirkung auf die Anwesenden nicht zu zerstören.

sie. Die Engländer kämen ohne Blei um. Der Krieg koste England täglich eine große Summe, und England müsse nicht nur für den Krieg auf seiner Seite, sondern auch auf Seite der Buren zahlen. Jooste erzählte nun einige Epi­soden aus dem Kriege; die die Taktik der Buren beleuchten: die Buren hätten in Stärke von vielleicht 20 bis 30 Mann eine versteckte Stellung in den Bergen. Aber nur 2 Mann würden vorgeschickt, die schössen. Ein englischer Vorposten von 5 bis 6 Mann nehme mit diesen den Kampf auf. Nach­dem er sich überzeugt, daß nur 2 Mann da seien, hole er eine Verstärkung, und nun werde gestürmt. Die beiden Burm lüchteten. Die Engländer verfolgten sie und gerieten in den Hinterhalt, den die übrigen Buren ihnen gelegt. Des öfteren hätten 5 Buren gegen eine 10 und mehrfache Uebermacht gekämpft. So hätten einmal etwa 80 Engländer in Natal eine Farm völlig ausgeplündert und in Brand gesteckt. Da­rauf seien sie mit 5 versteckten Buren ins Gefecht gekommen, die tüchtig geschossen hätten. Und als sie dann den Eng- ändern zuriefen:Hände in die Höhe", da hätten die Eng-

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baß die Eisenbahn^ die Brücken, die Turrnels usw. zerstört Mer­iden. Dazu kommt, daß die Engländer jeden Mecken im Lande garnisonieren mußten, weil die kapholländische Bevölkerung aufsässig wurde. Dafür muß England mindestens wieder 80 000 Mann von der regulären Armee fortnehmeu. Was jetzt von der britischen Armee noch übrig bleibt, sind höch­stens 4050 000 Mann. Damit aber werden die 15 000 Buren aus den Republiken, die noch im Felde stehen, und die 15000 aufständischen Kapholländer allein fertig. Die Sache der Buren steht heute bedeutend besser als je im Kriege. England ist nicht im stände, weitere Truppen nach Südafrika zu schicken. Wenn wirklich noch 20 bis 30 000 Mann hingeschickt werden, so müssen ebensoviel Meuterer und Marode nach Hause geschickt werden. Eng-

Aus Stadt und Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 21. Oktober 1901.

** Prof. Dr. Maercker f- In der hiesigen Neuen Klinik starb Samstag nacht Professor Max Maercker, Dr- reltor der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Halle a. S, an einem Herzleiden. Maercker hatte schon verher in Bad-Nauheim Heilung gesucht, doch war die Kur erfolg­los. Seit dem 30. September befand er sich in der Neuen Klinik. Seine Leiche wurde nach Halle übergeführt. Maercker zählte zu den hervorragendsten Agrikulturchemi­kern. Sein Hauptverdienst liegt auf dem Gebiete des Gährungsgewerbes. Er hat hier Grundlegendes geleistet, was der Gährungsindustrie praktisch vom größten Nutzen geworden ist. Zu Maerckers 25jähriaem Jubiläum als Professor hat diese Industrie durch besondere Ehrungen zu erkennen gegeben, wie viel sie Maercker verdankt. An­dere Arbeiten beziehen sich auf die Zuckerfabrikation, auf die Theorie und Technik der Düngung und der Fütterung. Das Hauptwerk MaerckerS ist seinHandbuch der Spiritus­fabrikation", das weite Verbreitung gefunden hat. 184?

land besitzt aber auch nicht die Geldmittel, um den Krieg weiterzuführen. Es ist ein Irrtum, daß das reiche England die Buren schließlich erdrücken muß. Der Reich­tum ist ein Besitz von Privatpersonen. Man hat aber noch noch nicht gehört, daß diese viel zu den Mitteln zum Kriegführen beigetragen hätten. Die Staatsschuld Englands, die vor' dem Kriege 600 Millionen Pfund betrug, hat sich auf über 1 Milliarde erhöht. Aus den Republiken aber kann das Land nichts holen. Hat doch ein englisches Blatt vorgerechnet, daß man mit der Art der Verwallung, die man in den Republiken bereits versucht hat, ein jährliches Defizit von 200 Millionen Mark erzielen würde. Die ganze Bevölkerung Südafrikas ist aber durch die englische Art der Kriegführung so aufgebracht, daß England die Armee in der jetzigen Stärke ein ganzes Menschenalter dort lassen müßte. Das kann es mit seinem verrotteten Militärsystem nicht. Nun fragt man:Warum sind die Kapholländer nicht ftüher aufgestanden?" Bis zum Jame- son-Raubzug fühlte sich das holländische Volk in der Kap- kolonie verhältnismäßig wohl unter dem englischen Re­giment. Damals bestand noch das alte England. Dieses besteht nicht mehr, feit die englische Regierung die Pläne der Jameson und Rhodes aufgenommen hat. Es ist eine der größten Unwahrheiten, daß dieser Krieg von vornherein ein Rassekrieg war, daß es sich darum handelte, eine Ver­schwörung der Kapholländer und der Oranje- und Trans­buren niederzukämpfen. Der Afrikanderbond war vor dem Jamesonschen Einfall lediglich eine landwirtschaftliche Ver­einigung zum Schutz der Interessen. Als aber die eng- lichse Politik darauf ausging, die Nationalität auszurotten, wurde er eine politische Institution und ist jetzt der Tod­feind Englands. Immerhin blieb das Asrikandertum währ- rend des Krieges ruhig, bis der Druck von englischer Seite zu arg wurde. Die Kapholländer pflegten seit Jahrzehnten ihre Kinder nach den Freistaaten zu schicken, well sie dort bessere Aussichten hatten. Diese Leute wurden natürlich Transvaal- und Oranjeburen und traten in die Reche ber Kämpfer. Da begann der erste Druck auf die Verwandten. Es erfolgte die Erklärung des Kriegsrechts für die Kap- kolonie und die Häfen. Man nahm den Kapburen chren schönen Biehstand, vernichtete chre Ernte il f. to- Auch da blieben sie noch ruhig, erst als man die Vorstände des Bundes und die Geistlichen ohne Gelegenhell zur Ver­teidigung verhaftete, sie vielfach mit schwarzen Arbeitern Zwangsarbeit verrichten ließ, und mit Hinrichtungen be­gann, erst als man am Ui Oktober das Standrecht über die ganze Kapkolonie verhängte und das Parlament nicht einberief, wurde der letzte Rest von Loyalität gegen die englische Krone zu nichte. Alle, die die Stimmung dort kennen, sind der Ansicht, daß der Aufstand jetzt all­gemein wird. England konnte nicht thörichter handeln. Die englische handeltreibende Bevölkerung kann nicht be­stehen ohne den Rückgrat des Landes, das Farmertum. Port Elizabeth ist z. B. mit seinem Handel durchaus auf den Oranjefreistaat angewiesen. Dort wirtschaften die Händ­ler bereits seit zwei Jahren ans ihrer Tasche und haben keine Lust mehr, das noch weiter zu thun. So erwächst Eng­land aus seinen eigenen H andelskreisen ein Widerstand, ber gewiß ball) zum Enbe des Krieges führen wirb. Dazu kommt weiter bie Thorhell, ben eng- UschQi Thronfolger nach Südasrlla zu schicken in ber naiven Voraussetzung, baburch das Volk zurückzugewinnen. Eine große Anzahl von Leuten, darunter Abgeordnete int Kap- parlament, haben erklärt, eine solche Verschwendung, wie sie da getrieben worden, nicht mehr mit ansehen zu können. Sie sind aus der britischen Partei ausgetreten und bilden die Partei der Separatisten mit der Losung ,^Los von Eng­land". Nun erhebt sich die Frage,welches wird die nächste Zukunft sein?" Der Krieg wlld noch größere Ueberrasch- ungen bringen als bisher. Die Buren sind jetzt wirklich die disziplinierten Massen, die die europäische Kritik von ihnen verlangte. Leute vorn Schlage Bothas, Dewets, De­loreys, vor allem des Präsidenten Steijn, werden nie­mals einem faulen Frieden zustimmen, der ihnen nicht völlige Unabhä ngigkeit und völlige Amnestie für die kämpfenden Kapholländer bringt. Wir sind der Ansicht, daß der Krieg noch Jahre lang Weller gehen wird. Man braucht nicht bange zu sein, daß den Buren die Mittel ausgehen werden. Die Buren sind auf Fahre mit Waffen, Proviant usw. versehen, und Kleidung haben sie durch die Wegnahme englischer Züge bekommen. Außerdem ist es jetzt Sommerszeit bei ihnen, die ihnen bie Kriegführung erleichtert. Zwei Drittel ber Kapkvlonie ftnb jetzt ent- weber in birett aktiver ober stlllschweigenber Aufsässig- kckt gegen Englanb. Auf jeder Farm finden bie umher- schweifenden Buren Gelegenheit, sich über den Standort ber Engländer zu erkundigen, Unterstützung burch Lebens­mittel usw. Ein plötzlicher Zusammenbruch des Wider- stanbes ist ganz ausgeschlossen. DieDally News" füh^e letzthin richtig aus, England befindet sich seit mehr als einem Jahr thatsächlich in ber Defensive nnb tierteibigt seinen Besitzstanb in ber Kapkolonie. Die Buren werben siegen. Die Sache ist im übrigen barauf zu­gespitzt:wer hält es am längsten aus?" Die Buren halten es aus. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Es bleibt ihnen nur ber Verzweiflungskämpf, ber bis aufs Messer geführt wird. Die Kriegführung ist jetzt verschärft. Was Lord Roberts ihnen gezeigt hat, haben die Buren gelernt Sie sind jetzt dazu gekommen auch britisches Eigentum niederznbrennen; trotzdem jeboc kämpfen sie noch mit berfeiben Menschlichkeit wie bisher. Die Buren müssen aber auch siegen, um in Südafrika die Kultur des Wei ßenMannes zu erhalten. Jeder Kenner Südafrikas weiß, daß die große Gefahr Südafrikas die GefahrSchwarz aegen Weiß" ist Die Buren sind in den Kämpfen gegen Die Eingeborenen viel glücklicher ge­wesen als die Engländer. Sie allein sind im staube/ einen großen Aufstanb der Neger niederzuschlagen. Dieser Vernichtungskampf totrb kommen, wenn' bie Buren unter­liegen. Wären die Buren im Dezember vorigen Jahres vernichtet gewesen, wie Lorb Roberts sagte, so wären bie Schwarzen aufgeftanben unb zwar gegen die englische Herrschaft .Sie haben es nicht gethan, unb bas ist ber

Nun sprach ber Burenkommanbant Jooste, ber von ben Anwesenben, als er sich erhob, enthusiasttsch begrüßt würbe. Er spreche hier schon zum zwellen Mal. Es freue ihn, baß man bas erste Mal nicht genug von ihm gehabt habe. Inzwischen habe er auch so viel Deutsch gelernt, um sich .besser verständlich machen zu können. Er wolle ein wenig aus bem täglichen Leben ber Buren erzählen Da sei alles anders als in Deutschland. Hier gingen >ie jungen Leute auf bie landwirtschaftliche Schule, um Bauern zu werben, unb auf die Kriegsschule, um fähig zu fein, für bie gerechte Sache einzutreten. Beides gäbe es in seiner Heimat nicht Nur in Pretoria seien 200 Artilleristen ausgebildet worben. Das sei aber auch bie einzige Kaserne, bie es gegeben habe. Ihre Artillerie, Kavallerie, Infanterie seien einfache Buren, bie von ben Englänbern als bumm, schwarz unb schmutzig bargestellt würben Aber ganz so Dumm seien sie doch nicht. Sie wohnten auf ihren Aeckern In Deutschlanb fei jeher Fuß Landes bearbeitet Wer hier über eine Hecke steige, habe ein

Gesetz überschritten

Wie anders sei eS bei ihnen. Da sei jeder noch ganz rei. In ihrem Lande gäbe es auch viele Deutsche. Diese hätten eine Verbindung und drängten von ben Buren ab. So fei es nach dem Gefühl der Buren bis zum Aus- yruch des Krieges gewesen Äe hofften, daß es nach dem ;b:ieg ganz anders werden würde, daß dann ein großer Verein entstehen werde, ber zusammen wohne wie Brüder; denn während des Krieges sei es klar geworden, daß sie das- elbe Blut, dasselbe Fleisch und Bein seien, wie die Deutschen, iin Volk, das niemals England wieder über- trömen solle. Bei ihnen sei es nicht Sitte, sich mtt Herr Professor",Herr Doktor",guädige Frau" usw. an» j ureben. Da heiße esOhm",Nichte",Neffe". Sie seien kein Kultur-, aber ein Naturvoll. Jetzt freilich gebe es keine Famllie, in die nicht die Trauer eingezogen sei. Auch bie Erziehung sei eine ganz andere als in Deutschland. Die Buren hatten viel größere Anhänglichkeit an das Vaterhaus. Selbst wenn der Bursche schon lange selbständig ei, fahre er doch, wenn er ein Geschäft oder dergleichen vor- jabe, nach ber Farm des Vaters, um deffen Ansicht zu hören. Die Buren hatten keine Soldaten, aber Männer und Knaben, die allezeit bereit seien, ihr Recht und chre Unabhängigkeit zu vetteidigen. Das lernten sie nicht auf der Kriegsschule. Jedes Kind bekomme bei der Geburt als Geschenk ein Pferd, einen Ochs und ein Schaf, die durch einen Schnitt am Ohr ge­zeichnet würden. So viel Kinder und es seien meist 15, 18, 20 Kinder in den Familien vorhanden, er selbst stamme aus einer Familie mtt 11 Kindern soviel Tiere mit Ein­schnitten. Nach vierzehn Jahren werde dem Kind sein Eigen­tum gezeigt. So bekomme es Interesse dafür, und nach 15 ober 20 Jahren sei es ein Bur. Wie aber werde der Bur bann kriegstüchtig - Der Bur nehme überallhin, selbst zum Tanz, sein Gewehr mtt. Er habe, ehe er nach dem kriegs­mächtigen Deutschlanb kam, geglaubt, hier sei jeher ein Solbat, jeber habe ein Gewehr. Er sei sehr enttäuscht gewesen, baß bies nicht so sei. Bei ben Buren heiße eS, ein großer Mann ohne Gewehr, sei eine Schanbe. Die Natur beS Lanbes, auch bie Gefahr, bie von ben Eingeborenen brohe, erforbere jegliche Bewaffnung.

Man habe vor bem Jameson-Einfall keinen Krieg bei ben Buren erwartet. Sie seien bei ber Neujahrsfeier gewesen, als ein Felbkornet gekommen sei unb sie zu ben Waffen gegen bie räuberischen Einbringlinge gerufen habe. Erst hätten sie an einen Scherz geglaubt. Als man aber ben blutigen Emst einsah, ba seien sie in ihren Festtleibem zu Pferbe gestiegen, unb in kurzer Zeit fei es Jameson entgegen» gegangen, der dieses Neujahrsschießen gewiß nicht roieber ver­geßen werbe. Die Hauptsache im Kriege sei bei ihnen ein gutes Pferd und ein gutes Gewehr. Die Engländer hätten bis zum Kriege in Freundschaft unter ihnen gelebt unb oft erzählt, wie bie ganze Welt bas mächttge Englanb fürchte. Die Buren hätten das für richtig gehalten, nun aber von ber englischen Kultur etwas lernen wollen. Aber schon vier­zehn Tage nach Beginn bes Krieges hätten sie gesehen, wie unenblich sie sich getäuscht. Der Zusammenstoß bei Elanbs- laagte sei keine Schlacht, sonbern ein Morben gewesen. Fünf-, sechsmal hätten bie Englänber die verwunbeten Buren burchstochen. Bei Mafeking habe ber große Baben- Powell seine Leute trunken gegen bie Laufgräben ber Buren vorgeschickt. Mit bem Schwinben bes Rausches sei aber auch ihre Tapferkeit vorbeigewesen. Für eine solche 1 Kultur bankten bie Buren. Ein nochmaliges freunbschaft- liches Einvernehmen mit Englanb sei unmöglich. Jebermann hasse Englanb. Die Devise sei jetzt:Lieber unter die Fahnen ber Kaffem wie unter bas Kulturvoll Eng­land." Englanb kämpfe für Gelbmänner wie Chamberlain, ' Rhobes und Jameson, die Buren aber für Weib unb Kind, für . die Freiheit des Lanbes. Nun sagten bie Englänber, e§ sei nich möglich, bie Buren in eine Schlacht zu verwickeln, weil sie stets : flüchteten. Für bie Buren sei aber jetzt nicht Hauptsache zu - kämpfen, sonbern ihre Leute zu schonen. Sie brauchten ' auch nicht zu kämpfen, baS thue bie Natur des Landes für