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22.8.1901 Erstes Blatt
 
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es nicht einfacher, anzunehmen, daß er gleich unter Menschen gelaufen ist? Verteidiger Horn: Ter Kom­missar ist ein alter Kriminalist. Jchm ist seinerzeit Skopeck unglaubwürdig erschienen, weil er u. a. gesagt hat, daß er nichts wüßte. Ta wäre es doch Pflicht des Zeugen ge­wesen, diesen Umstund, daß er nämlich den Skopeck selbst angewiesen hatte, zu sagen, er habe nichts gesehen, zu den Akten mitzuteilen. Tenn das l)ätte doch den Skopeck entlastet, und niemand hätte wohl in die Nichtvereidigung Skopecks cingewilligt, wenn man geahnt hätte, daß der Zeuge jetzt mit Angaben auftreten würde, daß er Skopeck angewiesen batte, die Unwahrheit zu sagen. Nunrpehr beantrage ich die nock-malige Zitierung Skopecks. v. Bäck­mann: Ich habe erst jetzt Kenntnis von den Aussagen der Wachtmeister Metzer und Schneider erhalten.

k^as Gericht beschließt, Skopeck, der bereits nach Allenstein abgereist ist, zu morgen telegraphisch zurückzu­rufen.

Auf Anregung des Verteidigers Horn schließt sich an die Sitzung ein nächtlicher Lokaltermin zur Besich­tigung des Krümperstalles und der Reitbahn zwecks noch­maliger Prüfung der Angaben Skopecks.

Hierauf wird die Sitzung auf heute vormittag vertagt. (Fünfter Verhandlungslag.)

Gumbinnen, 20. August.

Rittmeister v. Treskow: Durch Generalleutnant von Alten wurde mir zwei Tage nach dem Morde der Befehl erteilt, die Leute im Stall zu befragen, wann die Unter­offiziere in den Stall gekommen seien. Ich habe die Leute einzeln vernommen. Keiner wußte, worüber er aussagen sollte. Aus den Angaben gewann ich die Ueberzeugung, daß Hickel in keiner Hinsicht als verdächtig anzu­sehen sei.

Kriminalkommissar v. B ä ck m a n n: Ich sagte zu Sko­peck: Wenn etwa Unteroffiziere oder andere Sie ausfragen, so geben Sie immer an, daß Sie nichts gesehen haben, v. Bäckmann (fortfahrend): Ich füge dabei ausdrücklich hinzu, daß ich erst gelegentlich dieser Verhandlung aus Zeitungsberichten ersehe, daß das Hauptgewicht gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen Skopeck sich, aufbaue auf die Aussagen der Wachtmeister Melzer und Schneider. Bisher glaubte ich immer, daß man Skopeck in erster Instanz un­vereidigt gelassen habe, auf Grund der Aussagen der Stall­mannschaft.

Hickel: Ter Herr Kommissar behauptet auch- ich hätte ihm angegeben, ich wäre aus dem Remontenstall gekom­men. Tiefe Angabe habe ich nicht gemacht, v. Bäckmann: Es verhält sich so, wie ich in meinem Bericht angeführt habe.

Es wird darauf Skopeck hereingerufen. Präs.: Kennen Sie den Herrn? Skopeck: Ja. Der Kommissar v. Bäckmann. Präs.: Hat er Ihnen die Weisung gegeben, wenn Leute Sie ausfragen sollten, so möchten Sie antwor­ten, Sie wüßten nichts oder Sie sollten gar nichts sagen? Skopeck: Das weiß ich nicht, v. Bäck mann: Besinnen Sie sich, Skopeck, ich sagte Ihnen: Sagen Sie nur vor Gericht aus. Skopeck: Ja, das haben Sie gesagt. Verl. Horn: Ich bitte, den Skopeck zu fragen, ob er gerade mit Rücksicht auf diese Anweisung die Unwahrheit zu Melzer und Schneider gesagt hat. Skopeck: Das weiß ich nicht. Ich habe mir nichts dabei gedacht Präs.: Wen sahen Sie damals thatsächlich? Skopeck: Ich sah zwei Schirm­mützen. Vert. Horn: Ich bitte, Skopeck zu fragen, ob, als er vorbeikam, sich einer der Leute umsah. Wenn einer von den beiden Schmiere stand, ist das doch anzunehmen. Skopeck: Nein, beide drehten mir den Rücken zu.

Kmminalschutzmann Richter- Berlin: Ich führte mich als Kasernenhofaspirant ein, und verkehrte hauptsächlich in der Kantine in Unteroffizierkreisen, um deren Gespräche zu belauschen. Ich erfuhr zunächst die Vorgänge in Stallu- pönen und gewann den Gesamteindruck, daß die Unter­offiziere den Marten, der infolge der Stellung seines Vaters verwöhnt sei, für sehr ehrgeizig und empfindlich hielten. Buppersch sagte: Na, es ist nun mal geschehen. Ter Rittmeister war nicht, wie er sein sollte. Mir hat er auch so zugesetzt, daß ich mir das Leben genommen hätte, wenn ich nicht Familie hätte. Inzwischen meldeten die Zeitungen, daß zwei Kriminalbeamte von Berlin nach Gum­binnen gesandt seien. Seitdem waren die Leute sehr ver­schlossen. Präs.: Auf wen halten die Leute Verdacht? Zeuge: Von positiven Angaben hielt sich jeder zurück, höchstens wurde angedeutet, daß Marlen durch die Vor­gänge in der Reitbahn empfindlich verletzt sein könnte. Einer der Beisitzer fragt, ob nicht Buppersch gesagt habe, die Wände hätten Ohren? Zeuge: Diese Worte habe ich nicht gehört, sondern nur den Ausspruch: Am besten ist's, man sagt nichts, es ist eine kritische Zeit. Buppersch sagte

noch, der Rittmeister sei ein Mensch gewesen, der einen habe zur Verzweiflung bringen können.

Kriminalschutzmann Schröder-Berlin: Ich war bis 1896 in Gumbinnen Oberfahnenschmied und mit dem Wacht­meister Marten befreundet, als der Angeklagte Marten in Berlin auf der Telegraphenschule war. Ich besuchte damals den alten Marten öfters. Tamals Hörle ich, daß der Rittmeister sehr streng sei. Marten sprach trotzdem seine Zufriedenheit aus, und daß er dem Rittmeister Tank schulde. Einmal erzählte er mir, sein Sohn sei in Berlin von einer Zivilperson angesprochen worden, die ihn nach dem Rittmeister ausfragte. Präs.: Marten, wer war denn das? Marten:. Ein Unbekannter. Präs.: Wenn einen eine unbekannte Person anspricht, so fragt man sie doch nach ihrem Namen. Marten: Nach dem Namen habe ich nicht gefragt. Schröder: Mich besuchte der Wacht­meister Marten auch und erzählte mir dabei, daß er seinem Sohne vorgeschlagen habe, er möge doch zur Schwadron des Herrn v. Barnekow übergehen. Ter Sohn hätte das aber abgelehnt. Es gefalle ihm bei der vierten Schwadron und er wolle da bleiben.

T o m n i n g bestreitet, daß er v. Bäckmann angegeben habe, Hickel sei aus dem Remontestall gekommen. Er kam von der entgegengesetzten Seite; denn er kam an mir vorbei. Staatsanwalt Meyer hält Tomning vor, daß er früher ausgesagt habe, Hickel habe sich ein bis zwei Minuten im Stalle aufgehalten. Tomning: Nein, er hat sich min­destens zehn Minuten aufgehalten. Hickel: Domning sagte mir nur, er sei verhört, eine Zeit hat er nicht ausgesprochen.

(Fortsetzung im 2. Blatt.)

DolMsthe Tagesschau.

Das afrikanische Abenteuer. Die Erwerbung von Erythrea als Kolonie für Italien, ist dem Heimgegangenen Crispi aus'sSchuldkonto- gesetzt worden. Freude hat das savoyische Königreich an diesem Besitz in der That nicht erlebt, wohl aber sind ihm daraus gewaltige Kosten erwachsen. Die Ge­samtsumme der in den Jahren 1882 bis 1900 für Erythrea verausgabten Gelder beträgt, einer soeben veröffentlichten Aufstellung zufolge 3871/4 Millionen Lire, auf das Jahr also durchschnittlich 2P/2 Millionen Lire. Es wäre zweck dienlicher gewesen, wenn diese Gelder im Mutterlande selbst, für wirtschaftliche und soziale Reformen, verwendet worden wären. Doch Crispi hat die Entwicklung der Dinge in der afrikanischen Kolonie schwerlich voraussehen können. Kam doch der für Italien so unglückliche Verlauf des 1896 er Feldzugs gegen Abeffynien, der auch territoriale Einbußen zur Folge hatte, aller Welt überraschend. Eine vielversprechende politische und wirtschaftliche Zukunft hat Erythrea nicht. Italien behält seine Kolonie sozusagen ehren­halber. Der mißglückte Versuch, in China Gebiet der Sau-Mun-Bai Landbesitz zu erwerben, dürfte den italienischen Staatsmännern vollends die Neigung für Kolonial­politik genommen haben. Diese Politik entbehrt auch des Rückhalts im Volke.

Georges Villain schreibt im PariserTemps- über den wirtschaftlichen Auffchwuug Deutschlands, er sei hauptsächlich dem festen Einvernehmen zwischen den Industriellen und den Kaufleuten, dem Anpaffen an den Wunsch der Kundschaft und dem Umstande zuzuschreiben, daß die junge deutsche In­dustrie sofort von allen Fortschritten der Wiffenschaften pro­fitieren konnte. Wenn der Handel und die Industrie Deutsch­lands aber in der Ausfuhr einen großen Aufschwung nahm, so dürfe man nicht vergessen, daß der innere Markt viel zur Hebung des wirtschaftlichen Verkehrs beigetragen habe. Villarn weist dies auf Grund der Ziffern der letzten Volks­zählung nach, die nicht weniger als 33 Städte von mehr als 100 000 Einwohnern aufwies, indes es 1871 nur 8 derselben gab. Diese stellenweise verblüffende Zunahme der Bevölkerung zog einen außergewöhnlichen Aufschwung aller mit dem Bau von Wohnhäusern in Verbindung stehenden Industrien nach sich, so der Zementfabrikation, die nunmehr auch einen ge­waltigen Export aufweist, und der Eisengießerei. Da der allgemeine Wohlstand sich bedeutend gehoben habe, so habe auch die Kunstindustrie dadurch erheblich gewonnen, und die verbündeten Regierungen ihrerseits trugen reichlich das ihrige zu der ansehnlichen Ausdehnung des Eisenbahn- und Waffer- straßen-Netzes bei. Die neuen Bahnhöfe von Dresden, Köln, Hannover, Frankfurt a. M., Bremen usw. stellen die meisten französischen Bahnhöfe außerhalb Paris in den Schatten.

Was zur Hebung des Verkehrs auf den Wafferstraßen grthan wurde, gehe aus den Ziffern des Verkehrs in Mannheim, Frankfurt a. M., Breslau, Magdeburg und Berlin hervor. Ueberall stoße man auf das zielbewußte und methodische Vorgehen der verbündeten Regierungen aus Deutschland eine Nation zu machen, deren wirtschaftliche Macht auf der Höhe ihrer militärischen Macht stehe.

Columbia und Venezuela.

Wenn in den Schluchten des Balkans die Grenz - Be­wohner zornig auf einander schlagen, weil getreue Nach­barn Pferde und Rindvieh stahkn, oder eine blühende Maid entführten, so pflegte em fr die Menschheit zu erzittern, daß vielleicht jene .Händel den berühmten Funken im Pul­verfaß bilden möchten. Jetzt hat die schöne, freundliche Gewohnheit das ihrige gethan, mit Gleichmut vernimmt man es, wenn wieder einmal dort hinten wo in der Türkei die Völker aufeinander schlagen. Auch den Kämpfen, die jenseits des Ozeans in südlichen Breiten von Bolivia, und Chile, Columbia, Venezuela und Ecuador ausgefochten werden, folgt man im allgemeinen nur mit gelangweiltem Blick; das Bild ist gar zu eintönig, und von den Schlachten, die zwischen den barfüßigen Scharen ausgefochten werden, wird kein Homer uno fein Ossian berichten. Man könnte bei uns füglich eine Prämie für den aussetzen, der den jeweiligen Präsidenten jener interessanten Republiken auch nur beim Namen zu nennen weiß.

Tie Händel, die dort drüben ausgefochten werden, sind denn auch in der That herzlich gleichgiltig, so lange sie in ihrer Wirkung nicht über die Grenzen hinausgreifen. Wenn Herr Castro von Venezuela von heiligem Zorn er­füllt ist gegen Sperrn Marroquin, den hochgebietenden Prä­sidenten Columbiens, und wenn wieder die Einheimischen in beiden Ländern, die gerade mit der Regierung unzu­frieden sind und unzufrieden ist man immer! unter oem General Uncle sich zu Sennor Castro und unter General Gardicis zu Sennor Marroquin schlagen, so wird deshalb der Erdball noch nicht in Trümmer gehen, 'Und der pom- mersche Grenadier kann ungefährdet seine Knochen auf den Strohsack strecken. 916er wie am Balkan die Grenz­händel stets genährt und entfacht werden von Leuten, die ein Interesse daran haben, einen Zustand dauernder Ordnung nicht aufkommen zu lassen, weil das Fischen am Besten im trüben Wasser gelingt, so gewinnt man all­mählich auch den Eindruck, als ob in den ewigen Kämpfen dort drüben ein stärkerer Arm die Mächte leitet, der bereit ist, im günstigen Augenblick die Braut zu umarmen und liebevoll heimzuführen. Wer l)at denn ein Interesse daran, der Welt die Ueberzeugung beizubringen, daß südlich vom mexikanischen Golf eine Rasse lebt, die unter gar feinen Umständen fähig ist, sich selbst zu regieren und stetige Ordnung za schaffen? Wer hat denn, längst ehe der Krieg mit Spanien ausbrach, den Tollar nach Cuba gesandt, und schließlich die' Perle der Antillen gleichmütig dem Staatsschatz einverleibt? Wer predigt denn den lockenden Lehrsatz von der Solidarität aller Amerikaner? Es sind die Vereinigten Staaten, die längst die Doktrin Monroes, die doch nur den Norden umfaßte, ausgedehnt haben auf alle Lande, die zwischen Kap Horn und der Baffinsbai liegen, die, frei von allem politischen Ehrgeiz, sich ein ungeheueres, von ihnen sklavisch abhängiges Wirtschafts­gebiet schaffen wollen, das, mit turmhohen Zollschranken umgeben, alljährlich den Zehnten nach dem Nordert sendet und jedem Einfluß der europäischen Staaten sich hermetisch verschließt. In wenigen Monaten soll zum Schutze gvgt« die Eroberungsgelüste Europas der Wolf berief die Schafe zur Beratung ein Kongreß in Mexiko stattfinden und ein ständiges Schiedsgericht zur Herstellung friedlicher Ver­hältnisse eingesetzt werden. Ist erst der Anfang gemacht, so braucht man des Endes nicht lange zu harren. Nun bestehen zwar taufend Gründe für die europäischen Staaten, einer Entwickelung, wie sie die Pankees anstreben, rechtzeitig und energisch entgegenzutreten. 9lber genau so, wie man untbätig dem Vernichtungskampfe in Südafrika zu schaut, weil jeder sich vor dem anderen fürchtet, so wird man auch geduldig es ertragen, daß dem ungeheuren englischen Wirt­schaftsgebilde sich ein zweites, ebenso Ungeheures, fest in sich geschlossenes Gebiet unter der Aegide Mac Kinleys zur Seite stellt, dessen wuchtige Last uns Licht und Lust rauben muß.

Zwei amerikanische Kreuzer und zwei Kanonenboote sollen bei Panama, zwei andere Kriegsschiffe bei Kolon und ebensoviel bei La Guyara stationiert werden. Der Vorwand ist ja leicht gefunden: Nach irgend einem verstaubten Vertrage haben die Pankees die Pflicht, über die Neu­tralität des Isthmus zu wachen. Aber es giebt auch für

Für den Gang der Entwicklung sind die Verbände der japanischen Malerschulen von grundlegender Bedeutung. Diese Schulen, die sich nach dem Namen ihres Stifters bezeichnen, entsprechen künstlerischen Richtungen, etwa wie bei uns die Sezession, die sich in Auffassung und Wahl des Stoffs, in Anzahl, Art und der Pinselführung, in Farbengebung und Zeichnung unterscheiden. Die festen Tra- intionen des Schulverbandes, die sich im Anschluß an die Malweise des Meisters durch Generationen erhalten, er­kennt der Japaner in viel höherem Maße als Grundlage seines künstlerischen Schaffens an, als es der individuelleren Auffassungsweise heutiger europäischer )tzunst verständlich ist. Tas Bestreben, narfy möglichster Selbständigkeit in In­halt und Form, ist dem Japaner fremd. Wie er schon in seinem Künstlernamen sich affen als Nachfolger eines Meisters zu erkennen giebt, so will auch sein Schaffen nichts fein, als ein Ring in einer gleichen Kette. Das Persön­liche, was er hinzuthut, liegt vor allem in der größeren oder geringeren Liebe, nut der er sich in die überkommene Idee zu versenken weiß Aus diesem grundlegenden Cha­rakter der japanischen Kunst erklärt sich sowohl der Charakter wie die Vertiefung ihres Schaffens, die Beschränkung an geistigem Inhalt und das feine Taktgefühl, dem alles Täppische und Aufdringliche, alle Uebertreibung und Ein­seitigkeit fern ist.

Auf den ersten Blick scheidet sich die ganze Menge der ausgestellten Holzschnitte in zwei Gruppen. In der älteren Periode (18. Jahrhundert) konzentriert sich das Interesse der Darstellung ausschließlich auf den Menschen, in den jüngeren Blättern auf die Landschaft, oder richtiger auf die Natur. Der Uebergang ist nicht unvermittelt. Von den ersten Versuchen der Raumandeutung durch eine Wand, ein neben die Figuren gestelltes Gerät usw. bis zur Ausbild- ung eines landschaftlichen Hintergrundes und endlich der Entdeckung eigentlicher Landschaftsmalerei durch Hokusai findet sich stufenweise die ganze Entwicklung.

Ter charakteristische Zug der Beschränkung und Ver­tiefung tritt in den figürlichen Tarstellungen des 18. Jahrhunderts in einer Form entgegen, die für die Lebens­

auffassung der Japaner in hohem Grade bezeichnend ist Druck mit zwei und bald einer unbeschränkten Zahl von Als Spanbtung, als That bietet ihm das gegenwärtige Leben Platten. Tas Schwarz tritt zurück, wird aber zu einer kein Interesse. Die beschauliche Ruhe eines heiteren und wundervollen, sammetartigen Tiefe ausgebildet, die tn wohlwollenden Genießens ist das fast ausschließliche wirkungsvollem Kontrast zu den zarten Farben steht. Bor- Thema, das zu wiederholen er nicht müde n»ird. Die wiegend werden Nuancen von rot, braun und gelb ver- vornehme Dame mit freundlichem Gesicht und prachtvollem wendet. Violett spielt eine große Rolle, dagegen lutrb Anzug, auf dem Spaziergang oder bei der Unterhaltung blau vor der Entwicklung der Landschaftsmalerei ganz ver- einer Theegesellschaft, die decent gekleidete Kurtisane int mieden. Nach kurzen Schwankungen entwickelt sich das Gespräch mit ihrem Verehrer, die leichtlebige und Harm- .Farbenempfinden zu einer Feinheit, die auch die gewag- lose Anmut des täglichen Lebens, das ist es, was das testen Zusammenstellungen möglich macht.

Herz der Künstler gefangen nahm. Zu diesem Fehlen aller Auch die Zeichnung hat sich unter dem Einfluß des äußeren Handlung kommt dann noch die Beschränkung indi- Kolorits völlig geändert. Der schwarze Kontur wird ver- viduellen Lebens im Ausdruck der Gesichter. Bewegtes einfacht und die Pinselführung zu einer erstaunlichen Mienenspiel ist dem Japaner unbekannt, und nur die heit vervollkommnet. Um die zarte Kolorierung von einem Stellung der Augenbrauen, die leichte Neigung des Kopfes zuviel an schwarzen Linien zu entlasten, bedienen suh und vor allem die bei größter ZurückhÄtung in allen einzelne Künstler einer Blindplatte, die die Jnnenzeichnung Gesten so unendlich ausdrucksvolle Bewegung des ganzen auf weißen Flächen, z. B. auf Schnee oder auf einem Ge- Körpers find die Mittel, durch die er eine reiche Fülle wand, nur in farblosem Relief andeutet, ohne farbig mit- feinster Charakteristik zu geben weiß zuklingen. Die ihrer eigenen Mäßigung und ihres Takt-

Äußer der Darstellung der Frauen hat es eigentlich gefühls sichere Freiheit gestattet in einzelnen Fällen sog^ nur einen menschlichen Typus gegeben, der den Künstler Kühnheiten, wie die Verwendung von Stickerei in Goll» des 18. Jahrhunderts gereizt l-at: die Charaktermaske des und 'bunter Seide zur Konturierung und Aussetzung der Schauspielers. Die groteske Mischung komischer Uebertreib- hellsten Lichter Experimente, die bei uns selten anders ung und feinen Maßhalteus, die das japanische Schauspiel als barbarisch wirken.

kennzeichnet, hat immer von neuem die Künstler ange- Die ausgestellten Bronzen und Eisenarbeiten bieten eme zogen, obwohl der in diesen Bildern entwickelte Realis- kleine Auswahl älterer Arbeiten, die von dem wunder- inus und die Darstellungunehrlicher Leute" den heftigsten baren Geschick eine Vorstellung geben, das die empfindende Widerspruch aristokratischer Greife wachrief. Mit der Ent- Liebe zu künstlerischer Arbeit den Japanern verliehen Y<u. Wicklung der Landschaftsmalerei hat sich dann naturgemäß Die kurzen Bemerkungen, die wir der reichen Äus- auch die Auffassung der menschlichen Figur und die Dar- stellung an dieser Stelle widmen konnten, wollten vor stellung menschlichen Lebens völlig geändert. allem darauf Hinweisen, daß hier eine Gelegenheit ge-

Für die 9lnwendung des Farbendruckes, der uns beim geben ist, mit ehrfürchtigem Staunen das Walten einer japanischen Holzschnitt vielleicht am unmittelbarsten und solchen geduldigen Hingebung an die Stinijt zu '

ungeteiltesten Bewunderung abzwingt, bietet die historische Selten wird es uns ermöglicht, anderes al» nto Anordnung der Ausstellung zu einer Reihe von Beobacht- Exportware aus Japan zu Gesicht zu bekommen ui ungen Anlaß. Wir sehen die ersten noch mit der Hand Sammlung wie die vorliegende ist wohl 9^6 9

kolorierten Drucke, in wenigen Farben, verschiedene gleichen. Möchte die Gelegenheit hier nicht.ungenutzt^ver- Nuancen von braunrot und gelb, mit stark vorwiegendem schwinden v V

schwarz. Tann in schneller Folge den Uebergang zum ------