Gemeinden geleistet wurden
Kapstadt, 19. Aug. Ter Herzog und die Herzogin von Cornwall und York sind heute mittag hier eingetroffen und von der Bevölkerung lebhaft begrüßt worden. Tie Stadt ist festlich geschmückt.
Darmstadt, 19. August. Der Militär-Invaliden, üüb Anwärter-Verband Deutschlands hielt gestern im Saale der „Stadt Pfungstadt" seinen Verbandstag ab, verbunden mit dem zehnjährigen Stiftungsfest des Jnvaliden- AereinS Darmstadt. Hierzu waren Delegierte aus allen Gegenden Deutschlands, auch auS Gießen, erschienen. Der Vorsitzende, B. Köhler-Darmstadt, gedachte des Ablebens der Kaiserin Friedrich und brachte dem Kaiser ein Hoch aus. Er verbreitete sich sodann in längerer Rede über das Gesetz vom 31. Mai, daS nach jahrelangen Kämpfen endlich wenigstens den Kriegsinvaliden die Erfüllung ihrer gerechten Forderungen gebracht habe. Der Berbandsfchrift- sthrer, L. Schmitt-Darmstadt, gab sodann einen Rückblick auf die Entwicklung des Verbandes und erstattete den Jahresbericht. Danach zählt der Verband gegenwärtig 19 Zweigvereine mit 924 Mitgliedern. Nach den Mitteilungen des LerbandsrechnerS, R. Junge-Darmstadt, betrugen die Einnahmen 2317,86 Mk., die Ausgaben 2295,83 Mk. Es ist gelungen, eine aus früheren Jahren vorhandene Schuld zu decken, sodaß der Verein jetzt schuldenfrei ist. ES wurde be- schloffen, abermals eine Petition an den Reichstag zu lichten, in der namentlich die Forderungen der Friedens- - in valid en vertreten werden sollen. Die Wahl des Ortes str die nächste Delegierten Versammlung bleibt dem Vorstand lberlaffen. Ein Eingehen auf die Wünsche einzelner Beamten- Kaffen wegen Regelung ihrer GehaltSverhältuiffe soll vom krrband nicht statifinden. Die Neuwahl der Verbands leitung ergab Wiederwahl der seitherigen Inhaber. Bei dem anschließenden gemeinsamen Mittagstisch brachte Zünd- iarf-Effen daS Saiserhoch aus, Köhler-Darmstadt ließ teir Großherzog hochleben, während Schupp-Darmstadt in in men Worten der deutschen Armee gedachte. Den drei krteranen der Jnvalidenbewegung, B. Köhler, L. Schmitt int) Krausch, wurden Ehrenurkunden zur Erinnerung an kti zehnjährigen Stiftungstag überreicht.
Mainz, 18. August. Nach einer Mitteilung des Ministe- -riilriS in Darmstadt ist betr. der Einleitung der Fäkalien •ii den Rhein durch Verhandlungen mit dem Reich-amt des Innern und der badischen Regierung in Karlsruhe jetzt ein Unverständnis dahin erzielt wurden, daß die badische Re- ^riing das gesamte darüber erwachsene Aktenmaterial zur chubeiführung einer gutachtlichen Aeußerung dem R e i ch s Des undheitSamt zur Verfügung stellt. Don der Ent- stnLung des ReichSgesnndheitSamteS wird es abhängen, ob Manheim und Mainz, wie überhaupt andere Rheiustädte, ihre Fäkalien in den Rhein ableiten dürfen. In Mainz liegt flhom ein vollständig ausgearbeitetes Projekt vor, das genau auf den Grundsätzen des Mannheimer Projektes, Klärung
Jeder Verein sollte Gesellenprüfungen abhalten, und wenn auch nur mit einem Prüfling. Die Ortsgewerbevereine sollten beizeiten daran denken, ihr jährliches Winterprogramm aufzufiellen und namentlich bezüglich der Vorträge sich recht» zeitig bei der Zentralstelle melden. WaS die Handwerker- schuleu aubetrifft, so hat eine Vermehrung derselben keinen Wert, da sonst die einzelnen Schulen nicht gehörig unterstützt werden könnten. Vielmehr sollten sich mehrere Vereine zusammenschließen.
Sodann ergriff Ober-Regierungsrat Dr. Usinger da» Wort zu einer Aufklärung über die Gesellenprüfungen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen haben nur die Innungen und die Handweikerkammern das Recht, Gesellenprüfungen abzu- halten. Doch den einzelnen Gewerbevereineu kann diese« Recht verliehen werden. Diese Berechtigung besteht jedoch nur solange, als kein Mißbrauch damit getrieben wird.
Nach einigen Bemerkangen zu diesem Punkte geht sodann Regierungsrat Noack zum folgenden Punkte der Tagesordnung über, der Abhaltung der nächsten Generaloersamm- ung. Es soll damit eine Ausstellung größeren Stils ver- »unden werden. Auch will man den Verband deutscher Gewerbevereine zur Abhaltung seiner Wanderversammlung in Heffen einladen. Als Ort für die nächste Geveralversamm- lung wird Darmstadt gewählt.
Sodann nimmt Gewerbeschul-Inspektor Meyer da« Wort zu einem Bericht über das gewerbliche Schulwesen. Nach seiner Ansicht genügen die bestehenden Handwerker- chulen vollständig. Darunter befinden sich freilich einige, deren Leistungen nicht befriedigten, was seinen Grund wohl
wieder verlassen. Die zurückbleibenden Festteilnehmer aber vergnügten sich noch manche Stunde bei Tanz und fröhlichem Liedersang.
Marburg, 19. Aug. Die hiesige Turngemeinde ver- anstaltete gestern zur Turnhallen Einweihung eine Turn- fahrt nach Alsfeld. In Alsfeld wurden die Ankommenden von Radfahrern etngeholt und in die Stadt ge- leitet. E« fanden bei der Feier ein Festzug, EinweihungS- alt, turnerische Aufführungen, Konzert und Ball statt. Gauvertreter Helm auS Gießen hielt eine Ansprache. Auc> der Kirchhainer Verein hatte eine Turnfahrt nach Alsfeld unternommen.
EmS, 19, Aug. Gestern Nachmittag verschied hier in seinem Hause „Sesenheim", 75 Jahre alt, der Dichter Emil Pohl, Verfasser zahlreicher Bühnenwerke, von denen wohl „Basantasena" und „Die Schulreiterin" am bekanvtestev geworden find. Er pflegte hier mit seiner Gattin den größten Teil des Jahres zu verbringen und nur zeitweise nach Berlin zu reisen, um in regem Verkehr mit dortigen litterarischen und künstlerischen Kreisen neue Anregung zu schöpfen. Aus dem von ihm angekauften ehemaligen katholischen Pfarrhause neben der Kirche auf dem „Spieß" hatte er sich ein behagliches Tuskulum geschaffen. Viele persön liche Freunde betrauern hier den Heimgang des liebens würdigen alten Herrn, der bis vor einigen Monaten noch außerordentlich rüstig war, in der letzten Zeit aber schwer unter asthmatischen Beschwerden zu leiden hatte.
** Kleine Mitteilungen an! Hessen und den Nachbarstaaten. Auf dem »Löwenhof in Ockstadt stürzten vor einigen Tagen 2 Arbeiter von der Scheuerleiter. Beide erlitten lebensgefährliche Verletzungen, denen der eine bereits nach wenigen Stunden erlag. — Sonntag Nachmittag fuhr ein Automobil- ahrer, der zur Kur im Kaiserhof in Bad Nauheim weilt, >en großen Prellstein an der Barriere der Bahn am Chauffee- auS aus dem Fundament heraus. Das Automobil ging in Trümmer. Der Insasse wurde herausgeschleudert, kam aber ohne große Verletzungen davon. — An demselben Nachmittag wurde einem Arbeiter kurz vor der Station Hom- >urg durch den Zug der Kopf abgefahren. Man vermutet, >aß er sich in seldmörderischer Absicht auf die Schienen gelegt hat. — In Laubach wie in Freienseen hat man in der vergangenen Woche mit dem Bahn bau begonnen. Leider ist bereits ein Unfall zu verzeichnen, indem beim 1 Fahren mit einem Rollwagen ein Italiener so unglücklich zu i all kam, daß er nach dem Johann-Friedrich Stift in Lau- ! !,ach verbracht werden mußte. — Der Vogelsberger Höhen-Club hat einen neuen schönen Spazierweg am Saume des Altenburgskopfes Herstellen lassen. Man hat
(Eine hervorragende Aufgabe für die Ortsgewerbevereine findet Regierungsrat Noak in der Pflege und Ausbildung des genossenschaftlichen Wesens. Auch in diesem Jahre sind wieder Gesellenprüfungen abgehalten worden und zwar 27 mehr als im Vorjahre, was jedoch im Verhältnis nur einen kleinen Zuwachs bedeutet.
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Aus Stadt und Kand.
1S)er Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original Nachrichten ist unter genauer Quellenangabe: „Gieß. ÄtnaZ gestattet.)
Gießen, den 20. August 1901.
** hohe Gaste. Mit bcm Zuge Nr. 76 von Wilhelms Hafen kommend, pasfirten heute früh 7.57 Uhr der Köni; und die Königin von Württemberg die hiesige Station unb nahmen in den Salonwagen das vorher bestellte Früh stück ein.
-k. Kleinliudeu, 19. Aug. Gestern fand in dem Lokale des Gastwirts Spuck, von dem herrlichsten Wetter begünstigt, die Gravelottefeier statt. Haus und Galten waren bis auf den letzten Platz besetzt. In dem schön dekorierten Garten konzertierte die Kapelle Gröninger aus Gießen. Die Feier war, obwohl sie nicht offiziell von den Kriegervereinen veranstaltet war, von Mitgliedern der Sleinlindener und Gießener Vereine zahlreich besucht. Bier und Küche waren vorzüglich.
(:) Allendorf a. d. Lda., 20. Aug. Gestern Nachmittag wurde der Joh. Georg FormhalS in dem Pferdestall des Gastwirts Ludw. Löll tot aufgefunden. Die Todesursache konnte noch nicht festgrstellt werden.
(:) Nieder Florstadt, 10. Aug. Dieser Tage stürzte beim Strohlegeu der Taglöhner Wilhelm Kautz auS dem Gerüst tu die Schruerteune und blieb auf der Stelle tot liegen.
Bad-Nauheim, 19. Aug. Profeffor Karl Weinhold, der verdiente Germanist der Berliner Universität, ist am 15. d. M. hier, wo er Erholung und Stärkung suchte, im Alter von fast 78 Jahren gestorben. Ein feinsinniger deutscher Gelehrter und ein ausgezeichneter akademischer Lehrer ist mit ihm dahingegangen. Er war 1823 in Reichenbach (Schlesien) geboren, studierte in Breslau und Berlin Theologie und Philologie und habilitierte sich 1847 in Halle, 1849 wurde er außerordentlicher Professor der deutschen Sprache und Litteratur in Breslau, folgte 1850 einem Rufe nach Krakau, 1851 nach Graz und 1881 nach Kiel. 1876 kehrte er als ordentlicher Profeffor an die Universität Breslau zirück und bekleidete seit 1889 als Nachfolger MüllenhoffS dieselbe Profeffur an der Universität Berlin, die einst Jakob Grimm eingenommen hat. In demselben Jahre wurde er z»m Geh. Regierungsrat und zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ernannt. DaS erste Werk, daS Weinholds Namen bekannt machte, heißt „Die deutschen Ivanen im Mittelalter" und schildert in geistvoller und volkS- tLmlicher Weise daS Bild der deutschen Frauen als Göttinnen, Priesterinnen, weise Frauen und Hexen, ihre Erziehung, ihre rr-chtlichen Verhältnisse als Mädchen, Braut und Frau, als Mutter oder Witwe, ihr gesellschaftliches Leben, endlich ihre Tracht, ihren Schmuck rc. Neben seinen fittengeschichtlichcn mb mythologischen Forschungen beschäftigte sich Weinhold viel mit Sprachforschung, namentlich den deutschen Mund- arten; feine Schrift „lieber deutsche Dialektforschung" wirkte bahnbrechend auf diesem Gebiete, der später „Bairische Grammatik", Mittelhochdeutsche Grammatik" rc. folgten. Litterarhistorisch von Wert find seine „Weihnachtsspiele und Lieder aus Süddeutschland und Schlesien", sein Buch über Bme und die Herausgabe des dramatischen Nachlasses des liv-ländischeN Dichters Lenz. Verdienstvoll sind endlich Weinholds Arbeiten auf dem Gebiete der Volkskunde; bald nach seiner Uebersiedelung nach Berlin rief er hier den „Verein für Volkskunde" ins Leben und gab feit 1891 die Zeitschrift dieses Vereins heraus.
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bet Fäkalien vor Eiusührung in den Rhein, beruht. Die Ausführung desselben würde jedenfalls mit großen Kosten verknüpft fein. — Am Samstagnachmittag wurde eine ältere hiesige Hebamme unter dem Verdacht eines Verbrechens, das nach § 219 des Strafgesetzbuchs bestraft wird, in Unter suchungsyaft genommen. Das betr. Mädchen, dem Bci Hilfe geleistet wurde, befindet sich auswärts und ist so schwer erkrankt, daß sein Ableben zu befürchtrn ist.
Wehlar, 19. Aug. Der Männer gesang v e rein Wetzlar feierte gestern fein 60jäh ri ges Stiftungsfest. Von auswärtigen Vereinen waren erschienen der Bauerlche Gesangverein Gießen, Mgv Wetzlar, Mgv Grünberg, Orpheus Butzbach, Liederkranz Weilburg, Lkr. Marburg, Harmonie Gießen, Liedertafel Marburg, Cäcilia Lich und L-ederkranr Dillenburg. AuS den Verhandlungen dcS SängertageS ist folgendes hervorzuheben: Die Vereine „Heiterkeit" und „Gemüthlichkeil" in Gießen, sowie auch der Verein „Frohsinn" in Londorf wurden in den Bund neu ausgenommen. Herrn Ehr. Reitz, „Harmonie" Gießen, wurde von Seiten deS Bundes für 25jährige Mitgliedschaft ein Diplom aus gestellt. Der von verschiedene»' Vereinen gestellte Antrag, zu der Beurteilung der Einzelchöre fremde Preisrichter zu ernennen und ein Antrag Dillenburg behufs Abänderung des § 2 der Bundessatzungen wurden bis zur nächsten Versamm lung vertagt. Nachdem die Vertreter zu einem außerordentlichen Sängertag für nächstes Frühjahr nach Butzbach ein« geladen sind, wurden die Verhandlungen geschlossen. Ein gemeinschaftliches Mittagsmahl fand statt. Bei demselben toastete der Bundesvertreter Hauptlehrer Schneider- Marburg auf die drei anwesenden aktiven Seniors des Wetzlarer Vereins, Feilenhauer Wagner, Wagnermeister P. Ritter und Oekonom Dav. Vorwerk. Der Vorsitzende des Butzbacher Vereins Storch des Dichterfürsten Goethe und dessen Beziehungen zu Wetzlar. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Fest zu g durch die fahngeschmückten Straßen der Stadt nach dem Schützengarten, der sich bald als zu klein erwies, um die Zahl der Festteilnehmer aufzunehmen. Hier hieß der Vorsitzende des Wetzlarer Vereins Heinzenberg Alle im Namen des Wetzlarer Männergesangvereins herzlich willkommen. Es erfüllte den Verein mit großer Freude, so viele Brudervereine von auswärts wie auch die hiesigen Vereine, den Krieger- wie den Turnverein als Teil nehmer an dem Feste begrüßen zu können. Er gab sodann einen Rückblick auf die 60 Jahre des Bestehens des Vereins und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Zwei der nod) lebenden Gründer, die Herren August Heertz und Fritz Rödig, waren zugegen. Die beiden anderen waren durch Krankheit verhindert. DaS nun beginnende Konzert wurde eröffnet durch das Weihelieb „Brüder weihet Herz und Hand" vorgetragen von dem Gesamtchor. In bunter Reihenfolge wechselten Vorträge der einzelnen Vereine mit Konzertstücken der Kapelle ab. Besonders stürmisch applaudirt wurde das Lied „Schöner Rhein, Vater Rhein" des Bauerschen Gesangvereins Gießen. Im Laufe des Nachmittags nahm der Bundesvertreter -Schneider Marburg Gelegenheit, dem Jubelverein im Namen des Lahnthalsängerbundes seine Glückwünsche auszusprechen. Er gedachte dabei der Verdienste, welche sich der Verein nicht allein im Bunde, sondern auch in der Wetzlarer Bürgerschaft erworben habe. Er habe den Lahnthalsängerbund mit ins Leben gerufen, auch könne er im Bund die meisten Mitglieder aufweisen, die das Diplom für 25jährige ununterbrochene Mitgliedschaft besitzen. Redner schloß mit einem Hoch auf den Wetzlarer Verein. Storch Butzbach feierte in beredten Worten daS deutsche Lied und besonders das deutsche Volkslied und die gute deutsche Sitte Sein Hoch galt dem deutschen Lied und der Pflege des Idealismus. Leider mußten Abends viele Gäste die Stadt
von dem schönen Waldwege, fast immer im Schatten wandelnd, ganz prächtige Ausblicke auf Schotten, die nahen Höhen und das Niddathal. — Frau Marianne Scharwenka-Stresow, seit langen Jahren eine der geschätztesten Lehrkräfte für die Violine am Klindworth Scharwenka-Konservatorium in Berlin, weilt zur Zeit eines Herzleidens wegen zur Kur in Bad Nauheim. — In der Nacht vom 17. zum 18. ist von einem der im Wilhelms höher Park in der Umgebung des Schlosses aufgestellten militärischen Absperrungsposten scharf geschaffen worden. Der Posten soll durch einen gegen das Schilderhaus geschleuderten Stein in die Meinung versetzt worden sein, es erfolge ein Angriff gegen ihn. Da auf Änruf keine Antwort erfolgte, habe er in bad Dickicht geschossen. Es ist aber Niemand dort in der Nähe ermittelt nwrden, der Stein soll von dem Posten auf der Wache ab= geliefert worden fein.
Hauplvkrskmmlllug der Mitglieder des kavdesgewerbrvereiks in jich.
Originalbericht des „Gieß. Anz." t f Lich, 18. August.
Unter Vorsitz des Regierungsrats Noack - Darmstadt tagte heute in der Turnhalle die Hauptversammlung der Mitglieder des Land eSgewerbevereinS. Der Plan, mit der Versammlung eine Ausstellung gewerblicher Erzeugnisse der Provinz Oberheffen zu veranstalten, mußte der Kürze der Zeit halber aufgegeben werden. Unser freundliches Städtchen hatte ein fefilichcS Gewand angelegt. Ein Teil der Gäste, darunter hauptsächlich die Herren von ccr Großh. Regierung und der Zentralsttlle, waren schon am San.Stag Abend hier eingetroffen. Die beiden Morgenzüge brachten dann daS Gros der Besucher.
Nach einem gemeinschaftlichen Frühstück im „Holländ. Hof" fand eine Sitzung deS Ausschusses des Landesgewerbe. Vereins in der Turnhalle unter Leitung de» Reg. Rats N o'a ck statt, in dcr Über Schulangelegenheiten, Anträge u. s. w. vorberaten wurde.
Um halb 12 Uhr wurde dann durch Reg.-Rat Noack die Generalversammlung, an der 210 Personen teilnahmen, eröffnet. Er begrüßte zunächst die Anwesenden und teilte dann mit, daß einige Gäste, darunter der Fürst zu Lich, Geheimrat v. Bechtold-Gießen und Bürgermeister Heller Lich, ihr Fernbleiben entschuldigten. Bon mehreren Vereins- verbänden waren Begrüßungsschreiben eingelaufen, die zur Verlesung gelangten.
Sodann begrüßte der Vertreter der Regierung, Ober- Regierungsrat Dr. Usinger-Darmstadt, die Versammlung. Ec hob besonders hervor, baß gerade die zeichnerischen Leistungen einen bedeutenden Fortschritt zeigten, und ermunterte zu frischem Weitcrstreben auf dem eingeschlagenen Wege. Darauf hieß Beigeordneter Dörmer die Ver- . sammlung willkommen. Nach ihm ergriff der Vorsitzende des OrtSgewerbevereinS Lich, Glasermeister Sch er ff, daS Wort. Er sprach über den Stand der Gewerbethätigkeit in Lich. Hierauf referierte Reg. Rat Noack über den „Tätigkeitsbericht der Großherzoglichen Zentralstelle". Der Thätig- keitsbericht ist in diesem Jahre zum ersten Mule in dem „Gewerbeblatt für das Großherzogtum Hessen" abgedruckt. Danach beträgt der Zuwachs von Mitgliedern im verfloffenen Jahre über 1000. Im Mitgliederbestand findet ein rascher Wechsel statt, sodaß die Kontrole dadurch erschwert wird. RegierungSrat Noack rät tarum den Ortsgewerbevereinen, für einen festen Bestand von Mitgliedern zu sorgen. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt jetzt fast 10000. Zu Ehren der im Laufe des Jahres verstorbenen 96 Mitglieder erheben sich die Versammelten von ihren Sitzen. In bett von feiten der Zentralstelle abgehaltenen Fachkurfen haben sich 60 Meister ausgebildet. Gerade für die OrtSgewerbe- veretne ist es eine vornehme Aufgabe, Fachkurse abzuhalten, namentlich für Gesellen und Lehrlinge des Schuhmacher- und Schneiderhandwerks, da für die fachliche Ausbildung derselben in den bestehenden Lehranstalten wenig geboten werden kann. Die Bibliothek, die Sammlungen und das Museum sind im verfloffenen Jahre reichlicher benutzt worden, doch dürfte die Bibliothek für den einzelnen Handwerker noch mehr nutzbar gemacht werden dadurch, daß jeder O. G. V. den Katalog der Bibliothek anschafft. Die fittanziellen Verhält- niffe des Vereins find gut. Der Gesamtaufwand betrug 550220 Mk. Davon konnte der Verein 49pCt. aus eigenen Mitteln aufweisen, während 51 pCt. vom Staat und von


