worden. Also man kann dem Reichstag höchsten« vorwerfen, daß er nicht von Anfang an energychrr aufgetreten »st. (Sehr richtig! links.)
Abg. Kirsch (Zentr.) bittet um Annahme der Resolution, für die in der Kommission eine große Mehrheit gewesen sei.
Abg. Singer (Soz.) kommt nochmals auf das Zirkular des Flottenvereins zurück. Es ist sehr bequem, einerseits zu erklären, ich gebe meine Verwaltung nicht dazu her, politische Agitationen zu treiben, und andererseits zu sagen, wenn diese Leute sich direkt an die Oberpostdirektion wenden, so kann ich nichts thun. Ich möchte mit einer Gegenfrage antworten: Was würde der Staatssekretär thun, wenn der Vorstand der sozialdemo kratischen Partei an die Oberpostdirektion das Ersuchen richtete, unter den Nachgeordneten Beamten Petitionen zirkulieren zu laffen, gegen die Erhöhung der Getretdezölle, oder wenn der Verlag des „Vorwärts" die Oberpostdirektion bäte, bei ihren Beamten ein Zirkular umgehen zu lassen, das auf das Abonnement auf den „Vorwärts" verweist. (Sehr gut! bei den Soz.) Ich glaube, der Staatssekretär würde mit einem Male die Macht haben, seinerseits zu verhindern, daß die Oberpostdirektton einem derartigen Ansuchen nachkommt. (Sehr richtig! bei den Soz.)
Staatssekretär v. Podbielski: Herr Singer kann versichert sein, daß ich, wenn solche Wünsche, wie er sie geäußert hat, an dir Beamten herantreten, dem ganz unbedingt cntgegentreten würde und zwar umsomehr, wenn Tendenzen verfolgt werden, die ich vom Grund meine« Herzens au- nicht billige. Ich habe daS Bestreben, mit meinen Beamten nach einer Richtung hin zu fühlen und zu denken, unser Gut und Blut einzusitzen für die Erhaltung des deutschen Reiches wie es heute besteht. (Bravo! rechts.) Ich habe mich nicht um das Detail deS FlotlenveretnS gekümmert, aber den Eindruck gehabt, daß bis wett hinaus in die H-rren der Fortschrittspartei hinein, e« Mitglieder des Flottenoereins gibt, daß das gar keine politische Demonstration, sondern nur eine Vereinigung aller der Männer ist, die für eine E Weiterung der Flotte sind. (Lacher bei den Soz.) Das ist ein wesentlicher Unterschied, oo ich als Chef einer Verwaltung sage: ich empfehle dies Ding zur Subskriptton, da ist es ein Druck, oder ob ich sage: Ihr könnt es zur Einsicht schicken. (Widerspruch bet den Soztaldemokralen.)
Abg. Singer: Ein Verein, wie der Flottenoerein, der von Anfang an die Marinepoltttk der Regierung unterstützt hat, der keine andere Daseinsberechtigung besitzt, soll kein politischer Verein sein? DaS wird wohl in Deuischland auß r Herrn v. Podbteltzkt Niemand glauben. (Auf der rechten Seite deS Hauses wird laut gegähnt.) Wenn die Herren Ttersttmmen nachabm-n, dann zeigen sie dadurch, wo ihr gewöhnlicher Aufenthalt ist! (Heiterkeit und sehr gut! bet den Soz.) Der ganzen Sache nach können wtr als Ergebnis siststellen: Der Staatssekretär verhindert, wenn es seiner Tendenz nicht paßt, die Zirkulation von Drucksachen unter seinen Beamten, und fördert sie, sobald sie von Vereinen auSgeht, die einer ihm genehmen Tendenz huldigen. Unter dieser Feststellung muß tch sagen: Die Verwaltung deS StaatssekretäiS ist eine Parteioerwaltung und feine parteilose Verwaltung. (Bravo! bet den So,.)
Abg. Dr. Müller-Sagan (Frs. Vp): Der Staatssekretär kann sich freuen, daß er seiner Ansicht von der unpolitischen Natur M FlottenoeretnS nicht denselben Ausdruck gegeben hat wie der Ober- postdirtktor Becker in Gevelsberg. Dieser Herr berief eine Versammlung der „Jünger PodbtelSkt'S" ein und setzte ihnen den Nutzen des Flotten Vereins auseinander. Er unterließ es, diese Versammlung anzumelden «nd wurde nun zu einer Geldstrafe von Mk. 15 vom Gericht wegen B ranstaltung einer nicht angemeldeten Versammlung verurteilt. (Hört, hört! links.)
Damit schließ' die Diskussion. An daS Schlußwort des Referenten Abg. Dr. Paasche knüpsen die
Abgg. Müller-Sagan und Singer die Beschwerde, daß der Referent auch die Gründe der Minderheit der Kommission vorgetragen und dem Sinne nach für Ablehmma der Risolution plädiert habe. — Von den Abgg. Gras Roon» v. Staudy und Kirsch wird das Referat gebilligt.
Der Tiie> wird bewilligt, die R solntion angenomm-n.
Politische Tagesschau.
Aus Berlin, 19. Febr., ivirb uns geschrieben:
In der Budgetkom Mission des Reichstags würben heute an den einmaligen Ausgaben des M i - kitäretats mehrere erhebliche Streichungen vorgenommen. Der Zentrumsabgeordnete Müller-Fulda stellte in Aussicht, daß bei dem ganzen Militäretat 6 bis 10 Millionen abgesetzt werden sollen, da es an flüssigen Mitteln in diesem Jahre fehle, ebenso müßten an anderen Etats Abstriche erfolgen. Die Finanzverhältnisse des Reiches sind in der That sehr unbefriedigend, im Gegensatz zu Preußen, das noch immer „heidenmäßig viel Geld hat". Daß in naher Zeit die Reichsfinanzen sich wieder kräftigen werden, scheint bei der Ungunst der wirtschaftlichen Konjunktur ausgeschlossen. Es ist daher kein Wunder, wenn von „Erschließung neuer Steuerquellen" gemunkelt wird. „Die Bierschlange erhebt ihr Haupt!" signalisierte neulich das Organ des Abg. Richter, die „Freis. Ztg." Andere wollen das Dräuen der „Tab a ksch l an g e" - um in dem schönen Bilde zu bleiben — bemerkt haben. Aber ehwas Sicheres weiß niemand. Tie Regierung hüllt sich in Schweigen; sie bestätigt und sie bestreitet nichts. Mit unangenehmen Mitteilungen kommt sie immer noch früh genug, und das ist nach Erfahrungen klug, von Steuerprojekten nicht eher zu sprechen, um nämlich die Gegenagitation nicht vorzeitig mobil zu machen, als bis der Plan fix und fertig vorliegt. Ganz „rein" ist die Luft nicht mehr.
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 19. Februar:
Der Reichstag hat heute für die Postassistenten etwas gethan; er Hut mit großer Mehrheit dem Beschluß der Budgetkommission zugeftimmt, wonach die Gehälter der Assistenten durch eine andere Abgrenzung der Gehaltsstufen, besonders im Anfang, aufgebessert werden sollen., Es wurde gefordert, daß in diesem Jahre noch die Re- gierung dem wiederholt geäußerten Ersuchen des Parla-, wents mittels Nachtragsetats entsprechen möchte. Auch ein Titel ist in Sicht: der Titel „Post-Assessor" für die Postkassiercr. Die beiden Postspezialisten des Reichstags, Singer (Soz.) und Dr. Müller-Sagan (Frs. Volksp.) nahmen sich der politischen Meinungsfreiheit der llnter- veamten an. Beschwerden über die Agitation für den „Flottenverein" bei der Post beantwortete Staatssekretär Herr v Podbielski damit, daß er den Flottenverein nicht als eine politische Vereinigung betrachte. Der Debatte rn dein ausnahmsweise ziemlich gut besetzten Hause wohnte « •rr«11 -Hbunen wieder ein außerordentlich zahlreiches Publikum von Interessenten bei. Mit hochgezogencn Augenbrauen, mit gespanntester Teilnahme horchten diese Sachverständigen natürlich am meisten dann auf wenn der „Ches" sprach. Wer beim Anblick des unvenvüstlich guter Laune scheinenden, jovial lächelnden Herrn v. Podbielski nicht ebenfalls auf eine Weile seiner Sorgen vergißt, muß schon ein unverbesserlicher Hypochonder sein. 'Den entschiedenen Kontrast zu Herrn v. Podbielski bildet der streng und unnahbar wie die verkörperte Justiz aussehcndc Staatssekretär des Reichsjustizamts Herr Dr. Nieberding.
Aits dem preußischen Abgeordneten hause Wirb uns unterm 19. Februar geschrieben
Im Abgeordnetenhause bot heute die Verhandlung über den Etat der Berg- und Hüttenverwaltung dem Handels- nnnister B r e f e l d Gelegenheit, sein Verhältnis zum Zentralverband deutscher Industrieller („Bueck-Brief") und seine Charakterisierung des Handels als „notwendiges Uebel" klarzustellen. Bueck müsse sich geirrt haben; denn unmöglich könne er, der Minister, in der Unterredung, der er übrigens keine besondere Bedeutung beimaß, gesagt haben, daß er die staatliche Fürsorge für die Arbeiter als abgeschlossen betrackste. Gerade der Arbeiterschutz gehöre zu den vornehmsten Pflichten seines Amtes. Sein Urteil über die Stellung des Handels beim Kohlenverschleiß will der Minister lediglich in dem Sinne gefällt haben, als er unvermeidliche Uebelstände beim Zwischenhandel habe charakterisieren wollen. . . . Die weitere Erklärung des Ministers, er beabsichtige den Preis für die fiskalische Kohle vom 1. April ab um 50 Pf. pro Tonne zu erhöhen, paßt zu dem auf Linderung der Kohlennot gerichteten Regierungsprogramm wie die Faust aufs Auge. Und erst recht ver- wunderlich ist es, wenn Brefeld seine Maßregel mit dem Ausdruck der Hoffnung begründet, die Privatgruben würden dann eine Herabsetzung der Preise vornehmen. Die Herren vom Syndikat müßten ja — um mit Herrn von Miquet zu sprechen — „Esel" sein, wenn sie das thäten, und nickst einfach dem Beispiel folgten! —
Engländer und Bnren.
Welche Bedeutung Kitchener dem so vorzüglich gelungenen Einbruch De Wets in die Kapkolonie beimißt, ergiebt sich daraus, daß er sein Hauptquartier am 16. ds. selbst nach De Ar verlegt hat. Er kam zu spät, als De Wet die Eisenbahn überschritt, denn schon am Morgen des 15. war dieses Manöver geglückt. Freilich leider nicht ohne empfindliche Verluste. De Wet hatte den Bahnkörper nördlich und südlich von der Stelle, an der er den Uebergang bewerkstelligen wollte, zerstören lassen und dadurch verhindert, daß die Engländer ihm den Weg verlegten. Aber gleichwohl gelang es, je einen Panzerzug von Süden und Norden so nahe heranzubringen, daß zwei Fünfzehnpfünder im Süden und zwei Marine-Zwölfvfünder im Norden in Thätigkeit treten konnten, als erst der dritte Teil von De Wets Train die Bahn überschritten hatte. Die übrigen beiden Drittel wurden dadurch abgekniffen und gingen verloren. Besonders schmerzlich ist es, daß De Wet ein Maximgeschütz und Munitionswagen mit 600Granatenund500000Patronen,sowie100 Pferde im Stiche lassen mußte. Bis auf dieses Mißgeschick ist sein kühnes Unternehmen aber vollkommen geglückt. Nach den letzten Meldungen marschiertDewet noch nordwärts und soll jetzt westlich von Hope- t o w n stehen. Er wird, so meldet Kitchener vom 18., wahrscheinlich einen Rücksprung in südwestlicher Richtung unternehmen. Kitchener fügt hinzu: Unsere Truppen sind hierauf vorbereitet.
Es scheint kaum zweifelhaft, daß es De Wet glücken wird, die Verbindung mit den Kommandos unter Hertzog, Brand und Pretorius berzustellen. Diese letzter» sind scheinbar, nach Kenhardt oder dem nördlichen Teile des Bezirks Carnarvon ausgewichen, denn nach einer Meldung aus Carnarvon ist De Lisle, der den westlichen Flügel ber englischen Säuberungsstreitkräfte führt, am 16. in diese Stadt eingerückt. Knox und Bruce-Hamilton, die zur Verfolgung De Wets detachiert waren, kamen wesentlich zu spät. Knox überschritt den Oranje erst am 16. und Bruce-Hamilton ist am gleichen Tage, wie aus De Aar gemeldet wird, nach einer Reihe von Gewaltmärschen dort eingetroffen.
Kitchener meldet weiter vom 18.: Heute früh entgleiste ein Zug zwischen Vereeniging und Johannesburg. Ehe die Buren viel aus dem Zuge entnehmen konnten, wurden sie vertrieben. Auf unserer Seite ist ein Mann gefallen, einer leicht verwundet.
Es heißt, daß die Buren Vosburg besetzt haben, da die Verbindung mit Vosburg abgeschnitten ist. In Strydenburg stehen 1000 Buren, ebenso stehen zahlreiche Buren in dem 21 Meilen von Britstown gelegenen Hou- water.
Ein Brief des Kriegsberichterstatters des „Daily Telegraph bringt unter dem 30. Januar einige interessante Mitteilungen über die Absichten und Pläne der Buren. Meine Nachrichten — schreibt dieser Gewährsmann — stammen aus einer Quelle, mit der auch die Militärbehörden geheimen Verkehr haben, und werden ergänzt durch Leute, die an Ort und Stelle den Verlauf der Dinge beobachten konnten. Vor dem Einfall der Burenabteilungen unter Hertzog und Kruitzinger am 17. Januar waren unsere Behörden über die bevorstehenden Ereignisse in Kenntnis gesetzt worden, und bisher haben sich diese Warnungen noch, in allen Punkten bestätigt. Der weitere Verlauf bleibt allerdings abzuwarten. Unserseits wurden die sieben oder acht Uebergangspunkte des angeschwollenen Oranjeflusses beobachtet, um den Einfall wenn irgend möglich zu hindern. Die Buren schlüpften aber doch hinüber, indem sie mutig und geschickt den Uebergang mit Seilen bewert- stelligten. Menschen, Gepäck und Pferde lvurden auf diese Weise hinübergeschafft, und man sieht dabei wiederum, was kühneund entschlosseneMänner, d i e n i ch t in den Banden alter Schablone und einseitiger beschränkter Ausbildung liegen, unter schwierigen Verhältnissen zu leisten vermögen. Seitdem hat man sich btijtn auf unserer Seite darüber gewundert, daß die Buren in der Kolonie sich nicht mit bewaffneter Hand erhoben haben. Es war indessen vorher abgemacht, daß keine Massenerhebung stattfinden sollte. Hertzog und Kruitzinger hatten, wie es heißt, Weisung von Christian De Wet und Piet Botha, einfach den Kapholländern anzukündigen, daß sie sich bereit halten sollten. Dabei sollte denn ein vollständiges Inventar über alle Gehöfte, Waffenbestände und Gegenstände ausgenommen werden, die allenfalls nützlich sein könnten. Wer dann aufstehen wolle, solle als Kfamerad behandelt, die übrigen aber sollten ausgeplündert und wie tolle Hunde niedergeschossen worden. Nach diesem Plane schlug dann Hertzog die eine, und Kruitzinger die andere Mchtung ein. In Gruppen von zwei und drei haben die Buren seitdem in weitem Umkreise alle Gehöfte abgestreift, und festaestellt, was an Rekruten, Waffen, Munition, Fourage und Transportticren aufzutreiben wäre. Der fernere Teil des Planes ist entschieden wichtiger: Am 7. oder 9. Februar sollten die obigen Vorbereitungen beendet sein, und dann sollte die allgemeine Erhebung erfolgen. Christian De Wet, Delarey und Piet Botha sollten alsdann ebenfalls in die Kolonie
einfallen, und soweit als möglich alles vor sick) herfegen^ ehe sie wieder umkehren, und den Oranjefluß überschreiten würden. _ Sicher ist, daß neuerdings Piet Botha in Smithfield aufgetaucht ist und mit 2000 Mann und 7 Geschütze» im Anzuge auf die Kapkolonie war. Was das weitere anbelangt, so sollen nach der envähnten Quelle Delarey und De Wet im Zentt-um angreifen. Abteilungen sollen indessen nach verschiedenen Richtungen ausgesandt werden. Die Hauptpunkte, gegen die sich, sobald das Zeichen gegeben wird, dxr Angriff richtet, sind zunächst die Bahnstrecke Queenstown-Stormberg, wo die Verbindung unterbrochen werden soll. Sodann soll der Tunnel am Hexflusse zerstört werden, und ein Angriff auf De Aar, bekanntlich eine sehr bedeutende vorgeschobene Basis, erfolgen, und die Zerstörung der Bahn nach Port Elisabeth an mehreren Punkten unternommen werden. Als der südlichste Punkt, wohin der Vorstoß und wahrscheinlich eine Zusammenziehung in Aussicht genommen ist, wird das Hexgebirge, in nicht großer Entfernung von Kapstadt, bezeichnet. Der ganze Bezirk zwischen Knapdaar, Bethulie und Burghersdorp soll bereits (Ende Januar) in fieberhafter Aufregung diese» Ereignissen entgegensetzen. Sobald De Wet und die übrigen Burenführer, soweit sie es überhaupt wagen, die Kolonie ausgefegt haben, soll alles, Menschen, Vieh und bewegliche Habe, vor ihnen her in den weiland Oranjestaat getrieben werden. Von den Bahnlinien soll besonders die Strecke nach Bloemfontein nach Möglichkeit zerstört und Bloemfontein selbst in großer Stärke angegriffen werden. Piet Botha beabsichtigt, westlich von Oudendael in die Kapkolonie einzubrechen. Wie man sieht, ist der Plan der Buren kühn und umfangreich genug, und auch nicht übel aus- gedacht, vorausgesetzt, daß sie zur Ausführung Leute genug besitzen und auf erheblichen Zuzug aus der Kolonie wirklich rechnen können.
In amerikanischen und englischen Organen wird ein Brief veröffentlicht, der schildert, wie die Engländer sengen und brennen und schuldlose Frauen und Kinder ins Elend jagen. Ter Schreiber nennt sich Leutnant Morrison von der kanadischen Artillerie. Er schreibt über einen Marsch im Norden von Belfast: „Unser Vormarsch glich den Plünderungszügen in den schottischen Hochlanden vor zwei Jahrhunderten. Wir marschierten vou Thal zu Thal, nahmen Vieh und Schafe, steckten in Brand und plünderten, und wiesen die Frauen und Kinder aus den Häusern. Diese setzten sich dann nieder und weinten vor Verzweiflung neben den Ruinen ihrer einst so schönen Farmhäuser. Es war die erste That von Kitchieners „eiserner Hand" und schrecklich mit anzusehen! Wir setzten die Brandstiftungen in einem Umfange von sechs Meilen in diesen lieblichen Thälern fort. Unsere Kolonne ließ einen Streifen von Feuer und Rauch hinter sich" Er beschreibt die Plünderung der blühenden Stadt Devilstrom mit folgenden Worten: „Niemand, der dabei gewesen, wird jemals jenes Tagewerk vergessen können. Die Buren waren auf die benachbarten Hügel gegangen, und so waren nur Frauen und Kinder zurückgeblieben. . . . Die Ausplünderung begann." Er beschreibt, wie sich der Rauch der in Brand gesteckten Häuser in eine riesige Flammenglut verwandelte, groß genug, um auf viele Meilen hinaus gesehe» zu iverden. Tie Frauen und Kinder hatten sich auf den Treppen einer Kirche zusammengekauert. Ms ihm eine Frau zurief: „O, wie könnt ihr so grausam sein?" habe, er mitleidig geantwortet, daß ein Befehl dazu erging, und befolgt werden mußte. Sobald ein Haus durchsucht war, sei es jedesmal in Brand gesteckt worden. „Es war ein unendlich trauriger Anblick, diese kleinen Heimstätte» verbrennen zu sehen. Auch die Rosenbüsche in den reizenden Gärtchen verwandelten fidjt in Asche. Und obdachlos gewordene Frauen und kleine Kinder weinten im tiefen Jammer!"
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Telegramme deS Gießener Anzeigers.
London, 20. Febr. „Daily Telegraph" meldet auS De Aar: Eine Abteilung von 50 Buren brachte nachts einen Kohlenzug nahe bei Taaibuch zwischen De Aar und Nouwport zur Entgleisung, beschoß denselben und stürzte die Wagen um, welche voll Kaffem waren. Zwei Koffern und ein Yeomen wurden getötet. Panzerzüge trafen schleunig auf dem Schauplatz ein und eröffneten ein Feuer mit einem Geschütz. Ein Bur ist tot, zehn wurden gefangen.
London, 20. Febr. Die Morgenblätter melden aus Kapstadt: Es verlaute dort gerüchtweise, daß Präsiden t Steijjn gefangen genommen sei. (Steijn ist bekanntlich dreimal tot gesagt worden und lebt heute noch! D. Red.)
Kapstadt, 20. Febr. (Reuter Meldung). Theron, der Präsident des Afrikanderbundes, beschloß, den FriedenSge- sandten zu entwerten, er könne auf Grund der Bundkonstitution die Stellung der Kommissare nicht anerkennen und sei nicht in der Lage, in Verhandlungen mit einer Körperschaft zu treten, besten Grundsätze von denen der Afrikanderpartei abweichen. Nichtsdestoweniger biete er seine Dienste den eingesetzten Behörden au, um den Feinden unter ehrenvollen Bedingungen für beide Seiten und in Uebereinftimmung mit der erklärten Politik der Afrikanderpartei wiederherzu- stellen.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Febr. Der Kaiser und die Kaiserin machten heute vormittag den gewohnten Spaziergang im Kurpark zu Homburg. Zur gestrigen Abendtafel war der Chef deS Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. LucannS geladen. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag im Schloß FriedrichShof ein und kehrten um 5 Uhr nach Homburg zurück. Die Kaiserin begab sich 9.58 Uhr nach Frankfurt. Sie reiste von da mit dem V-Zug nach Berlin:
— Wie der „Berl. Börsenztg." gemeldet wird, ist der Staatssekretär des Innern Graf PosadowSky zum Domherrn von Brandenburg ernannt worden.
— Ein morgen im Reichstag zur Beratung stehender Centrumsantrag besagt:
Artikel 32 der ReichSverfasiung wird durch folgende Bestimmung« ersetzt: Die Mitglieder des Reichstages erhalten aus Reichsmitteln freit Fahrt auf den Eisenbahnen. Für die Dauer der Anwesenheit bei dm Sitzungen des Reichstage- AnwesenhettSgelder in Höh« von 20 Mark f ü r den Tag. Bon den Amoesenheitsgeldern werde» die Tagegelder abgerechnet, welche ein Mitglied des Reichstags eil Mit»


