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Nr. 44 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Donnerstag 21. Februar 1901
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.
Di« Girßkner Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechlel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess Volkskunde" vier» mal wöchentlich beigelcgt.
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GieKenerAnreiger
General-Anzeiger v xv
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Amtlicher Eeil.
Beknnntmn^nng.
Bon dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau Grünberg—Londorf durch den Kreis Gießen in 1895 aufgenommenen Anlehen von 80 000 Mark sind die Obligationen Lit. A Nr. 33 zu 1000 Mk. und Lit D Nr. 14 und 99 zu je 200 Mk. durch das LoS zur Rück Zahlung per 1. März d. I. bestimmt worden.
Gießen, den 15. Februar 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Borträge über Obstbau.
Herr Oberlehrer Reichelt zu Friedberg wird nächsten Samstag, den 23. d. M., abends 8 Uhr, im Lass Ebel dahier einen Vortrag über Beerenobstkultur halten, wozu die Mitglieder deS Oberhessischen Obstbauvereins und sonstige Interessenten hiermit eingeladen werden.
Gießen, den 20. Februar 1901.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.
Dr. Heinrichs.
Bekanntmachung,
Behufs Vornahme von Arbeiten zur Einbauung einer weiteren Notbrücke im Zuge der Klrnikstraßenüberführurg wird letztere für den 21. und 22. l. M. für den Fußgänger und Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, 19. Februar 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bckauntmachung.
ES wird hiermit das Folgende zur Kenntnis der Mannschaften des BeurlaubtenstandeS gebracht:
1. In diesem Jahre erfolgt die Aushändigung der Kriegs beorderungen und Paßnotizen in der Zeit vom IO. bis LS März, und zwar für die Stadt Gießen durch Ordonnanzen, für die übrigen Ortschaften durch Vermittelung der OrtSbehörden.
2. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis ge brachten Wohuuugsveräuderuuge« — auch diejenigen innethalb der Stadt Gießen — find sofort dem Bezirksfeldwebel zu melden.
Aus der Custodia
Philipps des Großmütigen.
Aach einem Vortrag des Gymnasialdirektors Profeffor Dr. Schädel im Oberhessischen Geschichtsverein.
Schluß.
Der Landgraf und die Leute des Landgrafen hatten ihre Vorbereitungen zur Flucht mit heilloser Unvorsichtigkeit getroffen. Am deutlichsten zeigt das ein bei den Akten befindlicher Bericht des Küchenmeisters Jung. T-er Landgraf hatte seinen Köchen streng befohlen, erst zu fliehen, wenn seine Flucht gelungen sei, trotzdem machten sie sich, von ihm reichlich mit Geld versehen, schon vorher davon. Durch seine Menschenfreundlichkeit hat er sich schwer geschadet. Man kann sich nur schwer der Vermutung enthalten, daß die Spanier einen Fluchtversuch nicht ungern gesehen hätten, da in dem Versuch eine neue Schraube für den Gefangenen jag. Schließlich scheint per Landgraf jedoch die Falle gemerkt zü haben. Das einzige Surrogat für die so heiß ersehnte Freiheit, das den Landgrafen mit der Heimat in Verbindung erhielt, war seine Korrespondenz. Jedoch durfte er, geschlossene Briefe nicht empfangen, sie wurden alle ge- «öffnet. Es ging zwar daneben eine unkontrollierte Korrespondenz, von der die Spanier nichts wissen sollten, jedoch von den meisten Briefen sicherlich unterrichtet waren. Selbst öie verdeckten (sog. palabras cobierdas) Worte sind häufig von ihnen am Rand übersetzt worden. Solche sind: Der xroße Mann — Kaiser Karl, der Mann — Philipp, Krumb- masen — Herzog Mrecht von Preußen, Morman — Moritz, der gute Gesell in Spangenberg — Marg. v. der Sahl. Ja in einem Brief wird zu einer völlig allegorischen Einkleidung gegriffen. Tie Fürbitte der bei Karl auffallend beliebten Lungen Gräfin Waldeck für Philipp wird unter dem Bilde einer Hirschjagd verbildlicht. Neber eine besondere Art der Verschleierung erzählt Buchs handschriftliche Chronik, die ün Darmstädter Archiv liegt, daß die Livreen, die dem Gesinde des Landgrafen von Kassel geliefert wurden, als Wergeort für heimliche Briefchen, zwischen Stoff und Futter benutzt wurden, und Philipp giebt selbst die Maße für diese Miniaturbriefchen an. Kaiser Karl nennt in seiner Korrespondenz bei Lanz die Stiefel als expediens. Im Jahre L548 läßt Philipp 116 Briefe ausgehen und empfängt deren
3. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes der Reserve, Ersatzreserve, Landwehr I und Landwehr II, welche in Gießen ihren Wohnsitz haben, beauftragen — falls fft selbst nicht zu Hause sein können — einen erwachsenen Anverwandten, den Hauswirt oder einen zuverlässigen Mitbewohner mit der Empfangnahme der Kriegs beorderungen, bezw. der Paßnotizen.
4. Jeder Mann — ausgenommen die als unabkömmlich Bezeichneten, die im Bahndienst befindlichen und vom Waffendienst zurückgestellten und die ungeübten Ersatz reservisten — der bis zum 28. März abends feine Kriegsbeorderuug oder Paßuotiz erhalten hat, meldet dies sofort schriftlich oder mündlich dem Bezirksfeldwebel.
5. Die vom 1. April ab nicht mehr giftigen alten roten KriegSbeorderungeu und die weißen Paßnotizen find am 1. April durch die Mannschaften selbst zu ver> Nichten, die neuen gelben Kriegsbeorderungen, bezw die neuen weißen Paßnotizen sind einzukleben, und zwar nach dem Muster, welches für Gießen jede der austragenden Ordonnanzen in Händen hat, für die übrigen Ortschaften dem betreffenden Bürgermeister vom Hauptmeldeamt Gießen übersandt wird.
Gießen, den 15. Februar 1901.
Großherzogliches BezirkSkommaudo Gießen. Detring.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 19. Februar 1901.
Die Beratung des Bunbesratsbesch'uffes über Ausdehnung der Kvnzessionspflicht der Kalk, Z egelei- und Gypsöfen auf Anlagen zur Herstellung der Materialien überhaupt, sowie von Zement und gebranntem Thon führt in erster Beratung zu Auseinandersetzungen über die Begrenzung dieser Genehmigungspflicht. Die zweite Beiatung wird vorläufig noch ausgesetzt. Dann fährt der Reichstag in der Beratung des Postelats fort.
Abg. Eickhoff (Freis. Vp.) empfiehlt die Berücksichtigung der Wünsche der Postkassierer und Postinspektoren, warauf sich
Staatssekretär v. Podbielski entgegenkommend äußert, aber in Bezug auf die Reform zur höheren Laufbahn zur Geduld mahnt.
Erne auesührlichere Besprechung findet dann die von der Kommission vorgeschlagene Resolution auf Ein sührung höherer Zwilchen gehaltsftusen für Post- und Telegraphenasfistenten und B-ffer- stellung der Diätare.
Referent Abg. Dr. Paasche (nl.) empfiehlt die Resolution und be« merkt, die Einstellung eines Nachtrages von 1700000 Mk. in den Etat sei nötig, um der Resolution Nachdruck zu v> riechen.
Abg. Singer (Svz.>: Der Staatssekretär rühmte, daß seine Ver Wartung nicht politischen Zwecken dienstbar gemacht werde. Nun richtete der deutsche Flottenveretn an viele Postdirektionen ein Zirkular, worin gebeten wird, den Flotteuverein zu unterstützen und aus die Zeitschrift ,U beiaU* zu abonnieren. Das Z rkular enthalte eine direkte Bee>n fiufiung. Bezüglich der Resolution habe der Bundesrat bis jetzt drei Jahre
32. 1550 dagegen sind die Zahlen nur noch 58 und 15, und zuletzt kommt die Korrespondenz völlig ins Stocken.
Zeitweise erschließt uns die Custvdien-Korrespondenz insofern eine mehrfache Quelle, als nebeneinander herlaufen die Korrespondenz des Landgrafen nach Hessen, die mit Moritz und Kurfürst Joachim und diejenige aus Kassel an die beiden Kurfürsten: so für Ende 1548, wo ohnehin die wichtigste Entscheidung, die Exilierung in die Niederlande, fiel, und ihre Gegenmaßregeln verlangte. Aus den niederländischen Gefängnissen durfte Philipp offenbar nur mit der Kasseler Regierung selbst verkehren, sonst direkt mit niemanden. Selbst seine Grüße an den „guten Gesellen in SpangenbeirH" , Margarete v. d. Sahl, ja was er an seine Frau zu bestellen hatte, geht durch sie.
Kaiser Karl hat hierin eine besondere Strafe gesucht, über die Philipp natürlich niemals klagen durfte. Außer Grüßen darf er nichts schreiben. „Wünscht ihr viel selige gute Nacht", schreibt etr für seine Schwester wohl, für Margarete hat er nur immer den einfachen Gruß. Tie Korrespondenz enthält nur noch den Befehl, falls Hessen kriegerisch überzogen würde beim nahen Konflikt mit Kaiser Karl, solle man 3000 ft. und einen treuen Mann bereit halten, daß Margarete in eine Reichsstadt sicher geleitet werde. Viel inhaltreicher waren die Bestellungen an sein Weib. Sie trug ihm nichts nach. Sie beteuerte, außer Gottes Gnade nitchs so hoch zu begehren, als sich noch einmal auf Erden mit Philipp zu unterreden. Ist der Hauptgegenstaud seiner Korrespondenz auch der Kampf um die Befreiung, so läßt es Philipp doch nicht fehlen an treuer Regentensorge für sein Land. Die Allendorfer Salzsohle, den Salzbau an der Werra empfiehlt er mehrfach zu achtsamer Pflege. Mit Wärme gedenkt er der Prediger und ihrer Waisen, seiner Prinzen, „daß man sie zu Gottesfurcht und Ehre ziehe", und der Gefängnisse — er fühlt ja die Qual der Haft an sich selbst — „daß die Gefangenen trocken fitzen und wohl versorgt sein sollen". Oftmals schreibt er, der Armen zu gedenken. Dies alles ist bei dem starken humanen Zug in seinem ganzen Wesen gar nicht anders zu erwarten. Auch seiner Dienerschaft nahm er sich ganz besonders an, versorgte sie reichlich mit Speise und Trank. Gerade an diesem liebenswürdigen Gefühl der Menschlichkeit verwundete ihn Kaiser Karl. Die gefangenen Hessen ließ er gegenüber seinem Gefängnisses am Galgen hängen. Ter Kaiser war nicht zu
die Beschlüße des Reichstages nicht beachtet. Der Wid-rstand liege weniger bei dem Reichsschatzsekretär als bei dem preußischen Finanzminister. Die diätarische Anst. ll»ng dürfe fünf Jahre nicht überschreiten. Der Wohnnng«- geldzufchuß für die kleineren und mittleren Beamten in Berlin reiche nicht aus. Mit bloßen Teuerungszulagen fei die Frage nicht erledigt Die Sozialdemokraten würden für beide Resolutionen eintreten, aber der Reichstag sei in dieser Frage zu langmütig. Er solle einfach eine Summe ht den Etat einfetzen.
Abg. Dr Müller-Sagan (Freis. Vp.): Ich kann mich den Ausführungen des Vorredners nur anfchlüßen Die „Deutsche Verkehrszlg." hat sich wiederholt für die in der Resolution niedergelegten Forderungen ausgesprochen. Gegenüber dieser Haltung des postofsiz'ösen Organs ist ei unverstSnt>lich, daß die Regierung der Forderung des Reichtsags noch immer nicht nachgekommen ist. Wo bleibt da die vom Reichskanzler in Aussicht gestellte Einheitlichkeit innerhalb der Regierung? (Sehr richtig! links.) Der Redner findet es ausfallend, daß unter den Oberassifbnten und Assistenten, von benni viele das Abiturientenexamen gemacht haben, nur äußerst wenige als Reserveoffiziere geführt werden. Man hört, daß viele von chnen qualifiziert erachtet worden sind wegen ihrer dienstliche» Stellung. Darüber sollte der Staatssekretär Auskunft geben. In der T'telsucht steckten wir alle noch bis über die Ohren darin; Profeffor, Doktor, Geheimrat, ohne das gehts nicht! (Heiterkeit.) Da sollte matt nicht über die Titelsucht anderer reden; und wenn auch der Mann darüber erhaben ist, die Frau ist es nicht! (Heiterkeit) Es ginge vielleicht sogar nvt einem „Dr. post.“ (Heiterkeit.) Redner tadelt bie Verwendung der Beamten für die Agitation-zwecke des Flottenvereins und die damit verbundene unzulässige Beeinfiuffung der Beamten und Unterbeamten durch ihre Vorgesetzten Das ist der Postverwaltung unwürdig. (Bravo! links.)
A g. Möller (nl.): Wir kamen in der Kommt sion zu der Annahme der beiden Resolutionen, weil wir keinen offenen Konflikt herbeiführen wollten, denn sonst hätten wir den Etat in der Dudgetkommission erhöht.
Abg. v. Kardorsf (Rp.) meint, die Sozialdemokraten seien immer eifrig bemüht, die R ichsausgaben zu erhöhen durch Verb-fferung der Beamtengehälter, was ja an sich gut und nützlich sei. Die verbündeten Regierungen müßten aber das Gesamtintereffe im Auge haben.
Abg Werner (Antis.) erkennt an, daß unter dem neuen Staatssekretär viele Mängel abgestellt worden seien. Auch die Behandlung der Beamten sei beffer geworden. Die Reffortchefs müßten aber energischer vorgehen, wenn sie beim Reichsschatzamt etwas durchsetzen wollten.
Staatssekretär v. Podbielski tritt biekr Ansicht entgegen, daß er mit feinen Wünschen beim Reichsschatzsekretär auf Widerstand stoße, und bestreitet bann, baß eine Mißachtung ber Beschlüsse bes Reichstag- vorliege. Der Reichstag habe selbst bie Anomalie in ber Skala Altersstufen geschaffen. Eme Aenberung sei ja zu wünschen, aber es bedürfe sorgsamer Erwägung wegen ber Rückwi kung auf bie gleichalterigen Beamten in anberen Verwaltungen, auch in benen ber Einzelstaaten. In Bezug auf ben Flottenverein liegen keine allgemeinen Verfügungen vor, sondern der Verein habe sich direkt an die Einzelpostämter gewendet. Singer verlangt noch mehr Beamtenstellen, aber ich habe eigentlich schon zu viel. Es wachsen mir nicht blos die Diätare, sondern auch die s, Militäranwärter zu; ich bekomme einen immer stärker verdorbene« Magen, ich bekomme mehr, als ich ordnungsmäßig verdauen kann, lHeiterkeit.) Ich muß mich also von diesem Ueberstand befreien. (Stürmische Heiterkeit) Bezüglich ber Aufsorberung zum Abonnement bet Zeitschrift bes Flottenvereins bemerkt ber Staatssekretär, baß weder von ihm noch von einer Ober-Pofidirektion ein Abonnement auf eine Zeitschrift empfohlen sei.
Geh Rat Neumann bittet, die Resolutionen abzulehnen.
Abg. Dr. Müller-Sagan: Die Anomalie ber Gehaltsskala ist nicht vom Reichstag verschuldet; er hat es erreicht, daß wenigstens am Ende ber Skala die Verschiebung eintrat; wenn bie Regierung bie Verschiebung am Anfang zugestanben hätte, so wäre bie Anomalie vermieben
der leisesten Verheißung zu bewegen, wenn man von des Landgrafen Befreiung sprach. Und Philipp hatte Fürsprache genug; der Bischof von Trient bat für ihn u. a. Aber- alles vergebens. So war denn der Landgraf auf seine eigene Kraft angewiesen, und nur dieser verdankt er schließlich seine Befreiung allein.
Als alle Fürbitten versagten, da beschritt er den Weg der Gewalt und verlangte kategorisch, daß die beiden Kurfürsten, die sich für feine persönliche Freiheit vor der Haller Zusammenkunft verbürgt hatten, eingemahnt, und wenn fte dieser Mahnung nicht nachkämen, nach altdeutschem Recht abgemalt und ihre Bilder mit der Unterschrift „Verräter^ in alle Städte des Reiches verbreitet würden. Die Kurfürsten leugneten ja nie, daß die Kinder des Landgrase» Philipps das Recht hätten, sie zu mahnen, aber der ttaijer Karl leugnete es und drohte sogar, wenn tue Kurfürsten Folge leisteten. Moritz hatte es fertig gebracht, nntterwerle eine Verständigung mit Frankreich zur Befreiung Philipps! 5U eüml ab er dem steten Drängen Philipps auf Einreiten der Kurfürsten in Kassel zu entgehen, hatte Moritz es schfteß- licb dienlich gefunden, seinen Schwiegervater von dem Plane gewaltsamer Befreiung zu verständigen. Dieser aber glaubte nicht daran und erklärte das Ganze für eine List, um dem Einreiten zu entgehen. Er ging sogar so weit, daß er dem Kaiser Aufklärung geben wollte, wenn man so seine Pläne kreilze. Tatsächlich hat der Landgraf es soweit kommen lassen. Im Brüsseler Archiv befinoet sich ber urkundliche Beweis.
Gottlob, dieses Anerbieten kam zu spät. Sonst hätte die Welt das traurige Schauspiel erlebt, daß Philipp in seiner Verzweiflung den aussichtsvollsten Versuch seiner Befreiung selbst vereitelt hätte. Kaiser Karl traute dem Landgrafen nicht, er wies die Offenbarung zurück. Kurfürst Moritz griff rasch zu, durch Philipps Drohen mit Gewalt wurde er scharf gemacht. So hat der Landgraf Philipp seine Beftemng gewissermaßen selbst herbeigeführt, als alle seine Festungen gebrochen waren und auch unser Gießen, wie er einmal Nagt, „für ewige Zeiten ruiniert" war.
Daß dem nicht so ist, daß Gießen nicht für ewige Zeiten ruiniert ward, und wir heute in der Lage sind, de^ pai - haften Landgrafen ehrend zu gedenken, das verdanke apres tont doch nur ihm selber.


