Ausgabe 
20.9.1901 Erstes Blatt
 
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der Höhe europäischer Diplomatie.

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zwer 25,8 Auch Auf- in

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Jnteresse, daß das Kleinkapital im Kampfe gegen das Groß­kapital nicht unterliege. Es sei jedenfalls ein sehr stiges Zeichen, daß die Kleinbetriebe, also die mit bis fünf Personen in den letzten zehn Jahren von vom Hundert, auf 33,5 vom Hundert gestiegen sein, lehre die Statistik, daß in Zeiten wirtschaftlichen schtvungs die Bevölkerung in Deutschland zunehme,

landwirtschaftlichen Zölle vorgenommen werde, es notwendig, eine genaue Erhebung über Intensität der Landwirtschaft, den etwaigen Rückgang elben usw. zu veranstalten. Die wirtschaftliche Krisis dürfte licht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch ermäßigte Lohn- ätze im Gefolge haben. Umsomehr müßte eine Verteuerung >er notwendigsten Lebensbedürfnisse vermieden werden. Der Staat dürfe in den öffentlichen Handels- und Gewerbe­verkehr nicht hemmend eingreifen, seine Pflicht sei es aber, die wirtschaftlich Schwachen zu stärken. (Lebhafter

Die Regelung der Differenzen zwischen Frank­reich und der Pforte ist auch durch die Anerkennung, 'ne die Ansprüche Tubinis von türkischer Seite gefunden haben, anscheinend nochnicht weiter gefördert wor­den, und man darf sich vielleicht in der Folge noch auf manche Zwischenfälle gefaßt machen. Nach einer Meldung aus Konstantinopel erheben Franken, die als ftan- zösische Bürger geboren sind, uno gleichfalls Geldforder­ungen an die Türkei haben, Einspruch gegen die Bevor­zugung, die die französische Regierung den naturalisierten Franzosen Lorando und Tubini gewährt habe, und vei> langen, daß auch ihre Forderungen in den diplomatistben Feldzug einbeschlossen werden. Weiter heißt es in oec Meldung, glaubwürdige Nachrichten aus Paris besagten, daß die französische Regierung beabsichtige, der Pforte die Anerkennung der Angliederung von Algier und-Tunis ar, Frankreich als Bedingung für die Beilegung des Zwistes aufzuerlegen, was den Widerstand Frankreichs gegen die direkten von der Pforte unternommenen Ausgleichsversuche mit Tubini und Lorando erkläre.

Zu den Meldungen über eine Niedermetzelung von Armeniern schreibt die WienerPol. Korresp.": Wie man uns aus Konstantinopel berichtet, sind dort die Gerüchte von einer Niedernietzelung von Armeniern in Musch chon seit Wochen in Umlauf, ohne daß man über diese Vorgänge die volle Wahrheit erfahren konnte. Jedenfalls lassen verschiedene Anzeichen darauf schließen, daß das Massacre thatsächlich stattgefunde n hat. Es war nämlich schon Ende August- zur Zeit, als der General Salih Pascha sich in Sassun befand, um daselbst den Bau dreier Kasernen ausführen zu lassen, davon die Rede, daß die dortigen Armenier wegen dieses Baues sehr besorgt seien, weil sie befürchteten, sie würden hierdurch viel größeren Gefahren ausgesetzt sein, da die Ortsbehörden stets mit den Kurden Hand in Hand gehen. Man sprach auch schon damals von der erregten Stimmung der Kurden gegen die Armenier, und die Gegenwart des genannten Generals soll diese Erregung gesteigert haben, da er, statt friedliche Wege einzuschlagen, sich darin gesiel, Sassun einzuschließen und alle Verbindungen nicht bloß durch die Truppen, son­dern größtenteils durch Kurden abzusperren. Hierdurch seien die Besorgnisse der Armenier noch gesteigert worden. Die Gerüchte von den Niedermetzelungen gewinnen durch die aus türkischen Quellen aus Erzerum und Karput in Umlauf gesetzten Nachrichten an Konsistenz, wonach armenische Revolutionäre im türkischen Stadtteile von Musch Feuer angelegt hätten. Hieraus habe sich ein Kampf zwischen den Truppen und den Revolutionären entspannen, infolgedessen auf beiden Seiten viele getötet und verwundet worden seien; die Revolutionäre seien in der Richtung nach Sassun geflohen und hätten dort eine Kaserne mit den darin befindlichen Soldaten in die Luft ge­sprengt. In armenischen Kreisen glaubt man, daß auch in Sassun eine MetzAei stattgefunden hrche. Aus Kreisen des Yildiz-Kiosk wird berichtet, der Kriegsminister habe den Kommandanten des 4. Korps in Crzinghian, Marschall Zeki Pascha, beauftragt, acht Bataillone nach Musch zu ent- senden. Eine bestimmte Auskunft über die Vorfälle von Musch und Sassun war bisher nicht zu erhalten." Nach diesem Berichte wäre die Niedermetzelung auf die revo­lutionären Umtriebe der Armenier selbst zurückzuführen. Thatsächlich soll sich, wahrscheinlich infolge englischer Wühlereien, wieder einmal eine stärkere Bewegung unter den Armeniern geltend machen.

anstalten für Bazillen sind, ist selbstverständlich Die Chi­nesen begreifen es allerdings nicht, da es doch immer so war. Diese Zustände haben sich allerdings in letzter Zeit durch das thatkräftige Einschreiten der internationalen (spez. der deutschen) aus Militärpersonen bestehenden Polizei ent­schieden gebessert.

Schon öfters habe ich den Ausspruch gelesen: China den Chinesen. Durch meine hier gemachten Erfahrungen bin ich darüber entschieden anderer Ansicht. Es wäre das größte Unrecht, wenn tnait ein wirklich gut veranlagtes Volk in dem es umgebenden Schmutz und der dem Volke aufgezwungenen Willensbehinderung weiter leben ließe. Wenn man einen tieferen Einblick in chinesische Sitten und Gebräuche gewonnen hat, kommt man zu der Ueberzeug- ung, daß der Chinese allerdings schilau und berechnend ist, doch> ist dies gewiß keine schlechte Eigenschaft. Daß er gegen alles Fremde mißtrauisch und abstoßend ist, kann wohl daher kommen, weil er glaubt, dem Europäer noch über zu sein.

Daß der Arbeiter entschieden genügsamer sein muß als der europäische, geht daraus hervor, oaß er in Friedens­zeiten außer einer täglichen Portion Reis einen Tages­verdienst von, sage und schreibe, 30 bis höchstens 60 Pf. bat. Während der Arbeiter bei uns zum weitaus größten Teil seine Sonn- und Feiertage hat, arbeitet hier der Kuli während des ganzen Jahres ohne Unterbrechung mit Ausnahme des Neujahrsfestes, das er, je nachdem es ihm die Verhältnisse gestatten, drei bis acht Tage feiert.

Ich möchte nur noch auf die sogenanntenChina­briefe" zurückkommen. Weil viele Leute vor ihrer Abreise sich ein Bild von China und seinen Bewohnenr nicht machen konnten, sind sie zum Teil entschuldbar; jedoch lag in den meisten Fällen Böswilligkeit vor. Bedauerlich aber ist es, daß es in Deutschland noch Leute giebt, die solche Sachen glauben, ja, sogar noch verteidigen; das ist einesteils unglaublich- andeniteils haben diese Leute durchs aus feine Ahnung von deutscher Tiszjpiin und entschieden wenig Zutrauen zu guter deutscher Sitte.

via Konstantinopel nach London, wo er von einem alten Kameraden gefunden uno zu den Anarchisten gebracht wurde. Seitdem ist er gelegentlich der Fälschung vem Banknoten öffentlich aufgetreten. Ein anderer erzählte, er sei nur deshalb in Moskau ins Gefängnis geworfen worden, weil ;'er einem Freunde die Geschichte seines Vaters berichtete, was dieser der Polizei wieder erzählt habe. Ter besagte Vater hcibe nämlich einen sehr schönen, langen Bart und eine stattliche Figur gehabt uno sei deshalb ausgewählt worden, im Namen der Juden Moskaus dem Großfürst Konstantin bei einem Besuche desselben Salz und Brot zu reichen. Der Prinz habe in St. Petersburg bei Hofe von diesem prächtigen Barte erzählt und man habe den Wunsch aus­gesprochen, den Mann zu sehen. Sofort sei derselbe vor den Gouverneur von Moskau gerufen und nach St. Peters­burg transportiert worden. Aber der Hof habe inzwischen die Hauptstadt verlassen gehabt und man habe den alten Juden zurückgesandt, und in der Annahme, daß er sich irgend etwas habe zu Schulden kommen lassen, zwei Jabre lang im Gefängnis behalten. Erst al.s der Großfürst wieoer nach Moskau kam und den Mann mit dem schönen Barte wiederzusehen wünschte, kam die Sache heraus, und man lieh den Unschuldigen, der nun keinen Bart mehr hatte, frei mit der Instruktion, keinem Mitglied der kaiserlichen Familie vor Augen zu kommen. Zu dieser Geschichte meint der Verfasser, sie würde mehr Eindruck auf chn machen, wenn er nicht wüßte, daß der Erzähler vor einem Jahre mit Mühe und Not der Auslieferung nach Rußland wegen Rubelfälschung entgangen sei.

Der Verfasser dieser anschaulichen Schilderung spricht von dem Anarch-isten-Typus, der seine Ideen aus irgend einer verschrobenen Auslegung von Talmud- oder Bibel­stellen ableite. Neben im äußeren Sinne religiösen Leuten finbe man solche, die an den religiösen Versammlungen der jüdischen Anarchisten teilnähmen, um bei ihnen besser Einfluß zu haben; dabei höhnten sie nachher auf jede Re­ligion und Religionsübung in den stärksten Ausdrücken. Dann schildert er den unglaublichen Aberglauben dieser Leute, die, unterdrückt in ihrer Heimat, extrem in ihrem religiösen Fanatismus und in ihren sozialen und politischen Anschauungen aber weniger gefährlich als die besser er­ogenen Leute seien, die die Beiträge der anderen in ihre Taschen stecken.

Vor der russischen Judenauswanderung sei die offene Aufreizung zu Mord und Gewaltthätigkeit, wie man sie heute im Osten Londons überall antreffe, nicht bekannt ge­wesen. Heute spreche man dort von Herrschermord wie von etwas Selbstverständlich,em. Die Behörden und das Volk Englands könnten diese Zeichen der Zeit nicht mehr lange ignorieren. Zur obigen Schilderung bemerkt der Oberrabbiner Dr. Adler, der jüdische Anarchist sei ein Mann, ber jede Uebung und Tradition seines Glaubens abgeworfen

10. ordentliche Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gewerbevereine.

Hannover, 17. Sept.

In der gestrigen Versammlung spielte auch der neue Zolltarif eine Rolle. Professor Gothein (Bonn) hielt nämlich einen Vortrag über die Bedeutung der Han d e ls- verträge für den Handwerker stund. Der Vor­sitzende bemerkte vorher, diese Angelegenheit sei noch nicht derartig spruchreif, daß der Verband dazu eine bestimmte Stellung nehmen könne. Er sei auch der Meinung, daß der Vortrag darauf nicht berechnet sei. Prof. Dr. Gothein führte Folgendes aus: Tie Caprivischen Handelsverträge, insbesondere die mit Oesterreich und der Schweiz seien nicht genügend vorbereitet, ja etwas überstürzt gewesen. Auch die gegenwärtige Zolltarifvorlage sei durchaus kein fertiges Gesetz. Die deutsche ReichDregierung erhebe auch .darauf keinen Anspruchs Es werde gesagt: Die Vorlage stehe vorläufig erst auf dem Papier. Sie sei ein Kampf­mittel, um möglichst günstige Bedingungen zu erzielen. Es sei auch kaum zu fürchten, daß diese Vorlage zur un­veränderten Annahme gelangen werde, da alsdann der Ab­schluß von Handelsverträgen in Frage gestellt würde. Wenn die Großindustrie nicht mehr in der Lage sei, zu expor­tieren, dann sei dieselbe genötigt, ihre Erzeugnisse im Jnlande abzusetzen. Dann werde aber das Handwerk aufs ärgste geschädigt. Der Staat habe jedoch ein wesentliches

Beifall.)

Es meldete sich hierauf Senator Dr. Glackemeher zum Wort. Der Vorsitzende bemerkte, im Vorstandsrat sei be- chlossen worden, nicht blos von einer Beschlußfassung, son- >ern auch von einer Erörterung über diesen Vortrag Abstand zu nehmen. Jedenfalls wolle der Verband lan g- ristige Handelsverträge und erstrebe das Wohl­ergehen aller Berufsstände, die Landwirte eingeschossen.

Gewerbelehrer Lohr-Baden sprach hierauf über die Lieferung von 93aii6et)arf§lartifelii durch Bauleiter. Mechaniker Lincke-Erfurt hielt sodann einen Vortrag über die Beförderung und Erweiterung des Zeichen­unterrichts.

Hierauf wurde Köln wiederum zum Vorort, als Ab­haltungsort für die nächstjährige Hauptversammlung Kai- erslautern, die turnusmäßig ausscheidenden Vor­landsmitglieder wieder-, Kommerzienrat Schildknecht neu n den Vorstand gewählt Danach wurde die Hauptver- ammlung mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser und Reich geschlossen.

Politische Tagesschau.

Zum Gumbinuer Mordprozeffe wird derNat.-Ztg." geschrieben:

DieTägl. Rundschau" veröffentlicht eine Zuschrift von maßgebender <veite" in oer Gumbinner Prozeßsache, in der es heißt:Schneider (Vizewachtmeister) hat schon vor der ersten Hauptverhandlung in Gumbinnen seine Entlassung wegen Halb­invalidität beantragt. Tie Halbinvalidität war ärztlich und amt­lich festgestellt, ehe Schneider überhaupt in irgend eine Beziehung atm Prozeß trat." Hier ist alsoärztlich und amtlich" festgestellt, oaß Schneider invalide ist. Vielleicht sagt nun dieTägl. Rundsch.", weshalb denn trotz dieserärztlichen rnd amtlichen" Feststellung das Gesuch Schneiders, chn als Halbinvaliden zu erklären, zurück- aewiesen ist, und zwar nach dem Prozeß. Wie war das möglich? Vielleicht läßt sich diemaßgebende Seite" auch hierüber aus und auch darüber, weshalv nur von dem Gesuch des Schneider Mit­teilung gemacht ist, nicht aber auch von dem Bescheid auf dieses Gesuch, diesen Bescheid mußte die maßgebende Stelle doch wohl auch kennen. Wachtmeister Buckpesch soll nach der Zuschriftun­zuverlässig" sein, weil er nicht gemeldet hat, baß Marten auf die alsche Seite zu den im Dienst gewesenen Unteroffizieren getreten ist. Buckpesch stand aber neben Rittmeister v. Krosigk in der Reit­bahn, als der tätliche Schuß fiel; wie konnte er davon KennMis Haven, was außerhalb der Reitbahn geschah, und wie konnte er wissen, ob Marten tm Dienst gewesen war oder nicht?

Bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Festessen hielt Staatsminister v. Köller eine längere Rede, der wir folgende Sätze entnehmen:

Was die nordschleswigschen Angelegenheiten betrifft, wo ich mit harter Hand habe eingreisen müssen, so geschah das nicht aus dem Grunde, weil ich an Härten und Dazwischenfahren ein Ver­gnügen hatte, sondern das Ziel war ein friedliches Zusammenleben mit unseren Nordschleswigern. Klarheit zwischen uns und klare Situation in dieser Frage führt am besten zum eigenen Frieden. Meine Freude soll es sein, wenn nach meinem Tode, ja, wenn nach zehn Jahren gesagt wird:Recht hat er doch gehabt." Dann will ich auch gern das Gescheite und Geschimpfe aus mich nehmen, das ich ausgeyalten habe." ________

Ter allgemeine deutsch e Frauen verein tagt vom 29. September bis 2. Oktober in der Wartburgstadt. Mit dieser 21. Generalversammlung, welche eine große Zahl der führenden Damen der Frauenbewegung in Eisenach versammeln wird, wird alter Gepflogenheit gemäß ein öffentlicher Frauentag verbunden. Tie Leitung der Verhandlungen liegt in den Händen von Frl. Auguste Schmidt-Leipzig.

Der Rücktritt Liord Salisburys wird wieder einmal in Aussicht gestellt. Während bisher die De­mission erst nack) der Königskrönung im Juni 1902 erwartet wurde, bezeichnet die letzte Nachricht diesen als unmit­telbar bevorstehend und bestimmter als bisher den Ersten Schatzlord Arthur Balfour als mutmaßlichen Nachfolger seines Oheims, an dessen Stelle als Parteileiter int Unter­hause Chamberlain träte. Nach dem Londoner Korrespon­denten desNew-Dork Herald" hegte die Mehrzahl der Minister-Kollegen Salisburys den lebhaften Wunsch, daß dieser fein Amt niederlege. Salisburys Gesundheit sei sehr schwach, fein Gedächtnis lasse ihn häufig im Stiche, seine letzten Reden hätten seine aufrichtigsten Bewunderer durch ihren matten Ton und ihren Mangel an packendem Ausdruck befremdet. Arthur Balfour habe als Nachfolger die meisten Aussichten. Mr. Chamberlain stoße bis jetzt noch auf zu großes Mißtrauen.

Der chinesische Sühnegesandte für Japan, Natung, wurde dieser Tage vom Kaiser Japans in Audienz empfangen. Er verlas eine Note, in der der Zweck seiner Entsendung klargelegt ist, und überreichte alsdann dem i Kaiser ein Schreiben, in dem das Bedauern über den , Tod des Kanzlers der japanischen Gesandtschaft in Peking, Sugiyama, ausgesprochen und Dank gesagt wird für die : Unterstützung, welche Japan für die Äufrechterhaltung des Friedens im Osten geleistet. Der Kaiser nahm die Ent­schuldigung für die Mordthat der chinesischen Soldaten an und sprach, die Hoffnung aus, daß der Wunsch Chinas, den Frieden im Osten aufrechfzuerhalten, anbauern möge."

Zetten des Niederganges dagegen abnehme. Das Aufblühen Ein Kotaukonflikt scheint dem Empfang nicht torange* )es Handwerks hänge aber in der Hauptsache von der gangen zu fein. Japan steht eben doch noch nicht auf Zunahme der Bevölkerung ab. Ein ganz besonderes In­teresse haben die Handwerker, daß nicht die Rohmaterialien verteuert werden. Es würde alsdann nicht nur der Ver­brauch sich verringern, das Publikum würde auch mehr Schundware kaufen. In erster Reihe müsse aber dafür gewirkt werden, daß die notwendigsten Lebensmittel nicht lerteuert werden. Er gestehe der Landwirtschaft, die wohl >er wicht gifte Produktionsberuf sei, ohne weiteres einen Schutz ihrer Erzeugnisse zu. Ganz besonders dürfte aber »as Brotgetreide nicht durch hohe Zölle verteuert werden. Es empfehle sich daher, den Weizen in anderer Weise int Zolltarif zu behandeln, als den Roggen, und Rußland günstige Bedingungen zuzugestehen. Amerika gegenüber, dem Haupteinfuhrland für Weizen, brauche man weniger entgegenkommend zu sein. Es sei auch noch unbewiesen, ob durch erhöhte landwirtschaftliche Zölle die Kaufkraft wirklich wachsen würde. Jedenfalls dürfen niemals Zölle erhoben werden, die die Gesamtheit schädigen und einem Stande Vorteil bringen. Ehe eine Erhöhung

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: ,,Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 19. September 1901.

* Der gestrige Pferdemarkt, der, wie schon mitgeteilt wurde, mit etwa 300 Pferden befahren war, zeigte gegen das Ende zu noch einen ziemlich flotten Handel. Das Komitee hatte auf große Zufuhr nicht gerechnet, die Erwartungen wurden aber doch übertroffen. Der Landes-Pferde- Zuchtverein war durch seinen Schriftführer, Rittmeister von Naegelä, vertreten. Nachstehend teilen wir das Er­gebnis der Prämiierung mit. Es wurden zuerkannt: 1) für W agenschläge (paarweise prämiiert) 1. Preis (Ehrenpreis) der Aktienbrauerei Gießen; der Betrag des Preises (100 Mk.) wurde von Direktor Lemins der Pferdemarktkommission überwiesen. 2. Preis (70 Mk.) Simon Kaufmann-Friedberg. 2) für ein Paar Wagenpferde 1. Preis (100 Mk.) Isidor Strauß- Obermockstadt. 3) Schwere Arbeitspferde (paarweise prämiiert) 1. Preis (80 Mk.) und 2. Preis (60 Mk.) S. Michel-Gießen. 3) Mittelschwere Arb eitspferde (paarweise prä­miiert) 1. Preis (80 Mk.) A. Frensdorf-Gießen, 2. Preis (60 Mk.) S. Michel- Gießen, 3. Preis (30 Mk.) S. K a u f m a n n - Niederweisel, 4. Preis (30 Mk.) L. Kaufmann-Niederweisel. 5) Einzelne Arbeits- pferde: 1. Preis (50 Mk.) Johs. Faber X. - Leihgestern, 2. Preis (30 Mk.) Konrad G e i ß Kleinfelda, 3. Preis (20 Mk.) Johs. Walbrecht - Frankenbach. 6) Dreijährige Fohlen: 1. Preis (50 Mk.) Konrad Wagner- Kirchgöns, 2. Preis (40 Mk.) H. Lud los f-Hof-Merlau. 7) Zwei­jährige Fohlen: 1. Preis (40 Mk.) Gg. Weiß II.-Alten- burg, 2. Preis (30 Mk.) Philipp Müller- Oberhörgern, 3. Preis (30 Mk.) Jac. Reuter V.-Niederweisel, 4. Preis (20 Mk.) Jac. Brunnet- Frauenberg b. Marburg, 5. Preis (10 Mk.) Ph. Rock- Hattenrod, 6. Preis (10 Mk.) Johann Konr. Brückel-Langgöns. 8) Stuten mit Fohlen 1. Preis (75 Mk.) Heinrich Marx-Niederweisel, 2. Preis (50 Mk.) Aug. Dietz-Niederweisel, 3. Preis (30 Mk.) Herm. Wilh. Straßheim-Griedel und Friedr. Fenchel-Griedel, 4. Preis (20 Mk.) Wilh. Bender-Eberstadt. 9) Ge­deckte Stuten: 1. Preis (50 Mk.) Georg Dietz-Nieder­weisel, 2. Preis (40 Mk.) Georg Weiß- Altenburg, 3. Preis (30 Mk.) PH. Winter - Niederweisel, 4. Preis (20 Mk,) Johs. Langsdorf-Leihgestern. Die für Reitpferde vorgesehenen Preise blieben unverwendet, da geeignetes Ma­terial nicht vorgeführt wurde. Wir tragen obigem Bericht nach, daß die Firma S. Michel hier die mit den ersten Preisen ausgezeichneten Pferde, ein Paar Mohrenschimmel an die Aktienbrauerei Gießen und ein Paar Füchse an Bauunter­nehmer Winn verkauft hat. Es ist dies ein Beweis dafür, daß Liebhaber guten Pferdematerials ihren Bedarf recht gut auf den hiesigen Märkten decken.