Ausgabe 
20.8.1901 Erstes Blatt
 
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In den Reichslanden ist nun doch der bisherige Oberpräsident von Schleswig-Holstein, v. Köller, der früher einmal Unterstaatssekretär in Straßburg war und das An­denken eines sehr schneidigen Ostelbiers hinterlassen hatte, Staatssekretär geworden an Stelle des allgemein beliebten Herrn v. Puttkamer, zur größten Uebevraschung der Reichs­lande. Die gut national gesinnteStraßb. Post" hat dar­über ihre ernsten Bedenken ausgesprochen, und so kann man sich ungefähr vorstellen, wie es im Genrüte der Elsässer aussehen wird. Der neue Staatssekretär wird keine kleine Aufgabe haben für den Fall, daß die öffentliche Meinung für sich gewinnen will.

Frankreich hat in Stambul das Säbelrasseln ein­gestellt und unterhält sich in wiederholten Konferenzen ganz friedlich und freundlich mit dem Sultan. Die Fran­zosen werden ihr Reckst erhalten, das ist selbstverständlich Ausreichende Genugtbuung werden sie bekommen und zwar bald. Soweit bare Zahlungen dabei in Betracht kommen, werden sie allerdings warten müssen, denn das ist Landes­brauch und Sitte.

Italien steht unter dem Eindruck des Heimganges des alten Cnspi, in den: es den großen Patrioten und Mit- erkampser seiner Einheit betrauert.

In englischen Regierungskreisen und bei der Parla- mentsmehrhelt herrscht wieder einmal gegen die Iren eine erbitterte Stimmung; Chamberlain ist ihnen vor allem des- halb gram, weil sie seine gewaltthätige und völkerrechts- wwrrge Politik rn Südafrika verurteilen; dafür hat er dieser --tage Rache zu nehmen gesucht, indem er auf einer Versammlung der Regierungspartei seinem ganzeii Hasse gegen die Iren freien Laus ließ.

,,Was ist die irische Partei?" fragte er.Sie besteht aus 80 Personen, die alle den Lehnseid geleistet haben, aber sich offen als Feinde des Landes bekennen. Nette Bundesgenossen für eine englische Partei! Ihr Führer ist ein Herr, der vor einigen Tagen im Hause der Ge­meinen Gott bat, daß er den Widerstand der Buren ver­längern möge, damit die Republiken sich am britischen Reich rächen und ihre Unabhängigkeit und Freiheit wiedererlangen könnten. Nun, Großbritannien ist stark genug, um solchen hündischen Verrat mit Verachtiing zu strafen; aber wir tonnen nicht gleichgiltig gegen die That- sache sein, daß die Liberalen, die sich mit jenen Männern vereinigen, noch willens sind, Irland Homerule zu geben. Diese Männer versuchen, das Haus der Gemeinen herab- zuwürdigen. Dies sollte die Entrüstung jedes Freundes der freien Einrichtungen dieses Landes erregen, aber statt dessen billigen es die Radikalen und leider auch viele liberalen Imperialisten."

Wenn Chamberlain ehrlich sein wollte, dann müßte er dre Aehnlichkert des Verfahrens Englands gegen die Iren und gegen die Buren anerkennen.

England hat ein neues Mittel ausgedacht, um den b n k r i e g zu beenden. In der englischen Chauvinisten­presse konnte man schon seit mehr als Jahresfrist das Ver­langen ausgesprochen finden, die Buren sollten nicht mehr das Recht von Kriegführenden genießen, vielmehr als Banditen behandelt werden; die englische Regierung, vor allem Chamberlain, würde dieses Verlangen schon erfüllt haben, wenn nicht das Urteil der anderen Mächte wäre Aber letzt ist auf Veranlassung Chamberlains von Kitchener eine Proklamation erlassen worden, die dem Wunsche nach Behandlung der Buren als Banditen und Rebellen möglichst entgegenkommt, indem fi; die Burenstaaten als Gebiet des Königs von England bezeichnet, auf dem zu kämpfen natür­lich em Verbrechen gegen Seine Majestät, kein Krieg, son­dern nur räuberisches Unwesen ist. Kitchener droht den Burenführern, die sich bis zum 15. September nicht ergeben, dauernde Verbannung aus ganz Südafrika an; die Buren, die noch känipfen, sollen mit ihrer Habe für die Unterhalt­ung ihrer in den Konzentrationslagern zusammengepferch-- ten Familien haften. Da nun aber den Buren schon alles fortgenommen oder zerstört worden ist, wird diese letzte Drohung in den Wind geredet sein, so gut wie die andere; denn die Burenführer werden, wenn der Krieg den end- giltigen Untergang der beiden Freistaaten besiegeln sollte, ganz gewiß nicht unter englischer Herrschaft leben wollen.

Die Verhandlungen in C h i n a dürften nun bald völlig beendet sein, die Gesandten haben die Unterzeichnung des Friedensprotokolles bereits vollzogen.

Die Nachrichten über den Kriegszustand zwischen Vene­zuela und Columbien lauten noch recht verworren, es scheint, daß auch noch ein Eingreifen der Vereinigten Staaten zu gewärtigen ist.

Politische Tagesschau.

Kurz vor dem Parteitage der sozialdemokrati­sch e n P a r t e i Deutschlands pflegt der Parteivorstand über d i e L a g e der Partei B e r ich t zu erstatten. Dieser Bericht ist diesmal sehr ausführlich. Er beschäftigt sich u. a. recht breit mit den Vorgängen in der Druckerei derLeipz. Volksztg.", ferner mit der Ausstandsbewegung in Lübeck, mit den Arbeitsverhältnissen, mit der Agitation, mit den Wahlen, mit den Verhältnissen der Parteikasse, der Partei­presse usw. Wir beschränken uns darauf, ein Reihe inter­essanter thalsächlicher Angaben dem Berichte zu entnehmen. Von den 24 gesetzgebenden Körperschaften der deutschen Einzelstaaten haben jetzt 17 sozialdemokratische Abgeord­nete. Die Zahl dieser Abgeordneten beträgt 75, und zwar kommen auf Bayern 11, Sachsen 4, Württemberg 5, Baden 7, Hessens Weimar 2, -Oldenburg 1, Meiningen 6, Altenburg 3, Koburg 1, Gotha 9, Schwarzburg-Rudolstadt 1, Reuß j. L. 3, Reuß ä- L. 1, Lippe-Detmold 3, Bremen 11 und Hamburg 1. Mit besonderer Befriedigung wird hervor­gehoben, daß Bock im Gothaer Landtage zum Vize-Präsi- denten gewählt und damit zugleich Mitglied des Ober- verwaltungsgerichtshofes geworden ist. Auch in die Ge­meindevertretungen dringt die Sozialdemokratie mehr und mehr ein. Davon legen unsere hessischen Blätter in der letzten Zeit häufig Zeugnis ab. Der sozialdemokratische Parteibericht legt aber hauptsächlich über Sachsen zusam­menfassende Ziffern vor. Danach wurden im vorigen Jahre ml 45 Orten 270 sozialdemokratische Gemeindevertreter ge- wahlt. Insgesamt sind zurzeit 580 Genossen in Sachsen Gemeindevertreter. In Sachsen, Hessen, Schleswig-Hol- stem, Baden und Württemberg Haden die Genossen Kommu­nal-Programme auf den Landesparteitagen beraten und angenommen. In Bayern ist der Landesvorstand auf dem letzten Parteitag beauftragt worden, ein Programm auszu- arbeiten. Die Einnahmen der Parteikasse betrugen von 1901 rrund 322 500 Mk., di rund 68 000 Mk. mehr als im Jahre vorher. Doch ist zu berück­sichtigen, daß der vorige Jahresbericht nur 11 Monate umfaßte. Unter den Einnahmeposten interessiert am meisten der Reinertrag desVorwärts", der sich auf über 80 000 Mark beziffert. Die Zahl der Bezieher desVorwärts" stieg im vergangenen Jahre von 52 000 auf 56 000 und ist im

dritten Vierteljahre dieses Jahres auf 55 000 zurückgegangen. Die Einnahmen aus Anzeigen beziffern sich auf fast 200 000 Mark. Die Bezugsgelder durch die Expedition betrugen rund 464 000 Mk., durch die Post nur 39 000 Mk. Seinen Redakteuren bezahlt derVorwärts" Gehälter in Höhe von über 50 000 Mk. Die Ausgaben der Partei bezifferten sich auf über 291 000 Mk. Für allgemeine Agitation wurden ausgegeben fast 72 000 Mk., für Wahlagitation gegen 36 000 Mk., für Unterstützungen rund 12 000 Mk., für Ge­hälter und Verwaltungsausgaben fast 16 000 Mk., an Dar­lehen 42 000 Mk., an Preßunterstützungen 67 000 Mk., die Reichstagskosten betrugen annähernd 29 000 Mk., sodaß au jeden der Reichstagsabgeordneten fast 500 Mk. entfielen. Danach scheinen die Tagegelder nicht besonders hoch zu sein, man muß aber berücksichtigen, daß die in Berlin lebenden Abgeordneten geringere und die in den Diensten der Partei stehenden überhaupt keine Tagegelder beziehen.

Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht.

(Dritter Verhandlungstag.)

Gumbinnen, 17. August.

Unter gewaltiger Spannung wird der Schmied S ko - p e ck vernommen. Der Staatsanwalt stellt den Antrag, die Zeugen Melzer und Schneider, während dieser Zeit zu ent­fernen, da eine Beeinflussung des Skopeck durch deren» Gegenwart zu befürchten sei. Der Gerichtshof lehnt den, Antrag ab. Dagegen wird angeordnet, daß die Angeklagte^ ten entfernt werden.

Skopeck: Ich war am Mordtage bis 4 Uhr in der Schmiede, die anderen waren weggegangen. Gegen 4 ein­halb Uhr ging ich auch weg. Als ich durch die Vorhalle kam, sah ich an der Bandenthür zwei Leute stehen: Der, eine sah durch das' Guckloch der andere stand hinter ihm. Präs.: Haben Sie gesehen, wie die Leute aus­sahen? Skopeck: Nein, ich konnte nur die Kopfbedeckung sehen. Präs.: Wie sah diese aus? Skopeck: Wie runde Militärmützen. Präs.: Und sonst haben Sie nichts erkannt? Skopeck: Nein. Präs.: Auch keine Schnurrbärte? Skopeck: Nein, es war zu dunkel. Ich glaubte, daß der Wachtmeister eintrete, und ging deshalb schnell in den Krümperstall.

Präs.: Kennen Sie den Wachtmeister Melzer? Skopeck: Ja, er fragte mich in der Schmiede, was ich gesehen habe. Präs.: Und was sagten Sie darauf? Skopeck: Ich sagte, ich hätte zwei Leute gesehen, aber nicht, ob es Unter- offiziere oder Dragoner seien. Präs.: Sie sollen gesagt haben. Sie hätten nicht gesehen, ob die Leute steife Mützen aufgehabt hätten? Skopeck: Das weiß ich nicht. Präs.: Was haben Sie zu Melzer gesagt? Skopeck: Ich sagte, ich wisse nicht, ob es Unteroffiziere gewesen seien. Präs.: Sagten Sie zu Melzer die Wahrheit? Skopeck: Jawohl. Präs.: Was haben Sie nun wirklich gesehen? Skopeck: Ich sah zwei Leute an der Bandenthür mit runden Mützen stehen. Präs.: Sagten Sie, es könnten wohl Unter­offiziere sein? Skopeck: Ich sagte, es könnte der Wacht­meister sein. Ich kam in den Krümperstall und fragte, wieviel Uhr es sei, erhielt aber keine Antwort. Ich wollte mich umdrehen und zurückgehen, war aber noch nicht aus dem Stall heraus, als der Schuß ertönte. Als ich heraus­trat, hörte ich schon die Stimme des Oberleutnants v. Hoff­mann. Präs.: Es ist merkwürdig, daß niemand Sie ge­sehen hat. Skopeck: Als ich in den Krümperstall zurückkam, hörte ich Stephan hereinstürmen mit den Worten, der Rittmeister hat sich geschossen. Präs.: Stephan hat Sie aber auch nicht gesehen. Skopeck: Ich habe ihn aber ge­sehen, wie er die Hände hochhielt. Stephan hat mich beinahe umgerannt. Präs.: Tann müssen Sie doch auch gehört haben, wie der Gefreite Boinslawsky bemerkte: Da hat Skopeck wohl die Thür offen gelassen". Skopeck: Ja, das habe ich auch gehört. Präs.: Und trotzdem haben Sie sich nicht gemeldet? Skopeck: Nein. Präs.: Weshalb nicht? Skopeck: Tas weiß ich nicht. Präs.: Es' ist doch wunderbar, daß Sie niemand sah. Sie waren vielleicht in einen Stand getreten. Skopeck: Das weiß ich nicht mehr. Präs.: Erledigten Sie vielleicht irgend welche Be­dürfnisse, weil Sie sich nicht meldeten? Skopeck: Darauf kann ich mich nicht besinnen. Verteidiger Horn: Weshalb meldeten Sie sich nicht? Vorsitzender von Schimmelmann: Hat jemand versucht, auf Sie einzuwirken? Skopeck: Nein, niemand. Vorsitzender: Haben nicht Sck;neider und Melzer gesagt:Skopeck, sage nicht, daß Du gesehen hast, daß die Beiden Schirmmützen trugen?" Skopeck: Nein. Präs.: Oder Unteroffiziere oder die Familie Marten? Sko- ieck: Niemand. Beisitzer Oberkriegsrat Rößler: Weshalb agen Sie denn abweichend aus? Skopeck: Ich weiß es nicht. Tas Kriegsgericht beschließt die vollständige Pro­tokollierung der Aussage Skopecks. Präs.: Weshalb gingen Sie in den Krümperstall? Skopeck: Ich wollte mich nicht vom Wachtmeister abfassen lassen, da ich die Schmiede vor Feierabend, d. h. vor 5 Uhr, verlassen hatte. Vorsitzender von Schimmelmann: Der Krümperstall hat keine zwei Thüren. Wenn der Wachtmeister dort -eintrat, wären Sie doch ab^efaßt worden. Präs.: Ja, in seinen Gedanken­gängen ist viel Unklarheit, obwohl er der Schlaueste der Dummen ist. . . . Also, Skopeck, weshalb verließen Sie den Krümperstall gleich wieder? Sie mußten doch befürch­ten, daß Sie vom Wachtmeister abgesaßt würden. Skopeck: Sieuzten mir im Stall"! (Große Heiterkeit.) Staats- walt: Ich beantrage die Verlesung des Protokolls der ersten Verhandlung. Da ergiebt sich, daß Skopeck zur Probe sechsmal in der Dunkelheit an der Bandenthüv an den Angeklagten vorübergeführt wurde und stets dabei erkannte, ob sie eine Feldmütze oder eine Schirmmütze trugen. Bert. Horn: Oberleutnant v. Hoffmann hatte schon im Korridor die Leute aufgefordert, es möge sich melden, wer etwas gesehen hat; niemand werde doch dem Mör­der dienen wollen, sagte er dabei. In der Reitbahn ließ Oberstleutnant von Winterfeld dieselbe Aufforderung er­gehen. Skopeck aber trat mit seiner angeblichen, sehr er­heblichen Wahrnehmung, daß er zwei Leute mit Schirm­mützen an der Bandenthür gesehen habe, erst hervor, als er verhaftet war. Präs.: Skopeck, weshalb haben Sie ich nicht gleich gemeldet? Skopeck: Ich habe die Auf- orderung nicht gehört. In der Bahn fragte mich nur >er Herr Rat Lüdicke, wo ich gewesen sei. Bert. Horn: haben Sie angegeben. Sie hätten geschwiegen, weil Sie erst abends auf der Stube erfahren hätten, daß der Ritt­meister erschossen worden, und woher der Schuß gekommen ei. So lange hätten Sie nicht gewußt, um was es sich handelt. Präs.: Skopeck, Sie haben doch gleich, als Sie aus dem Krümperstall kamen, die Leiche gesehen; Sie wußten also, was vorgegangen war. Skopeck: Jawohl. Präs.: Man sieht, Sie sagen bald so, bald so aus. Weshalb sind Sie nicht gleich mit Ihrer Wahrnehmung hervorgetreten? Skopeck: Ich schwieg, weil mich niemand ragte. Dem Fahnenschmied Krieg sagte ich es schon am andern Morgen.

Damit ist die Vernehmung des Skopeck beendet. t Nach der Niederschrift von Skopecks Aussagen werden- die Angeklagten hereingeführt, und chnen dessen Erklär­ungen vorgelesen.

Präs.: zum Zeugen Schneider: Haben Sie heute die Wahrheit gesagt? Schneider: Zu Befehl. Präs.: Und Sie Melzer? Melzer: Zu Befehl. Präs.: Versichern Sie also die Wahrheit Ihrer Aussagen? Melzer und Schneider: Jawohl.

Präs.: lieber die Vereidigung Skopecks wird sich der Gerichtshof morgen schlüssig machen.

Darauf wird hie Sitzung vertagt.

Verth. Rechtsanwalt Burchard: Wie ich höre, ist Exzellenz v. Alten in Gumbinnen und als Zeuge ge­laden worden. Präs.: Ja, Exzellenz soll vernommen werden und zwar in seiner mililärischen Eigenschaft, nicht als Gerichtsherr, ob er hier Nachforschungen nach dem Thäter angestellt hat, und ob er bemüht war, die Spur auf gewisse Personen zu lenken. Ferner soll festgestellt werden, daß Nachforschungen in der Wohnung Martens und Hickels vorgenommen worden sind. Im übrigen bemerke ich, daß der Anlläger die Laduna Sr. Exzellenz beantragt hat. Verb Burchard: Ich muß diesem Anträge w i d e r s p r e ch eli, da die Stellung als Militär und als Gerichtsherr ent­schieden als untrennbar von einander aufgefaßt werden muß. Nach § 167 ist der Gerichtsherr unbefugt, in die Untersuchung in irgend einer Form einzugreifen. Wenn aber in diesem Falle danach derartige Handlungen statt­gefunden haben, so sind sie ungesetzlich gewesen. Es ist u n st a t t h a f t, Se. Exzellenz über derartige ungesetz­liche Ermittelungen zu^vernehmen. Staatsanwalt Meyer: Ich muß dieser Auffassung widersprechen. Tie Befugnisse des Gerichtsherrn erster Instanz hören auf, sobald Berufung eingelegt worden ist, und selbst wenn diese, wie hier telegraphisch angemeldet wurde, erscheint es mir dolch unbedenklich, Se. Exzellenz über das Beweis­thema zu vernehmen. Ter Gerichtshof setzt den Be^ schluß hierüber zunächst aus.

Es wird darauf in die For t s e tz u n g der Z e u g en- Vernehmung eingetreten. Oberleutnant v. Hoffmann: Ich revidierte das Spind Martens namentlich auf Brief­schaften hin, konnte aber nichts Verdächtiges finden. Ritt­meister v. Krosigk hatte sich in der letzten Zeit mehrmals tadelnd über das Reiten Hickels ausgesprochen.

Zeuge Schutzmann Märcker aus Berlin (diente 1897 in Stallupönen in der Schwadron des Rittm. v. Krosigk): Es. wurde seinerzeit bei der dritten Schwadron erzählt, daß man dem Rittmeister die Wagenpolster zerschnitten! habe, ferner wurde erzählt, es sei auf Herrn v. Krosigk! geschossen worden. Häufig habe man ihm auch die Fenster eingeworfen.

Fahnenschmied Krieg: Am Tage nach dem Morde erzählte mir Skopeck, er habe an der Reitbahnthür zwei Leute mit steifen Mützen gesehen, die er für Wachtmeister gehalten habe. Zeuge hat das sofort zur Anzeige ge­bracht. Verth. Horn: Zeuge hat finiher ausgesagt, Skopeck habe nichts zu ihm gesagt, wie viele Leute er gesehen habe. Krieg: Jawohl! Skopeck sagte mir, es hätten zwei dort gestanden. Präs, (zu Krieg): Weshalb haben Sie damals anders als-jetzt ausgesagt? Zeuge Krieg erklärt, daß er sich unwohl fühle. Der Präsident läßt den Zeugen ab­treten. R.-A. Horn: Derselbe Vorgang spielte sich bei der ersten Verhandlung ab. Ter Zeuge fing an zu schwanken, und erklärte, daß er sich unwohl fühle. Er mußte schließ­lich hinausgeführt werden. Präs.: Ter Mann macht sonst einen guten Eindruck. Bert. Horn: Danials sagte er aus, Skopeck habe ihm den Vorfall bald so, bald so erzählt. Als er ihn dann gefragt habe, wie er das meine, habe Skopeck nicht gewußt, was er antworten solle.

Zeuge Stu mb ries: Ich wurde am Vormittag des Mordtages beim Reiten auf Befehl des Rittmeisters von Krosigk dazu bestimmt, mich auf das Pferd Martens zu setzen. Marten sah ärgerlich zu. Nachmittags war ich auf der Stube, als Marten hineinkam und sagte, er werde abends nochIsidor" reiten, der Hund müsse Farbe be­kennen. Präs.: Sagte er auch, er solle heute noch Rot ehen? Zeuge: Nein. Ich erfuhr dann vom Sergeanten Fehler, daß der Rittmeister verunglückt sei. Etwa unt 4 Uhr 50 Min. traf ich Marten auf dem Korridor. Er kam anscheinend von unten herauf. Ich sagte zu ihm: Wissen Sie schon, daß der Rittmeister sich erschossen hat? Marten aßte mich darauf am Arm, und sagte: Mensch, Du bist wohl verrückt? Präs.: Welche Kleidung trug Marten? Zeuge: Mantel und Dienstmütze. Es fiel mir beim Antreten der Schwadron auf, daß Marten zu den diensthabenden Unteroffizieren getreten war. Es fiel mir dann auch dabei ein, daß Marten schon auf dem Korridor ein erregtes Aussehen gezeigt hatte. Präs.: In welcher Form äußerte ich das? Zeuge: Es schien so, als ob er sehr eilig rgend wohin wollte. Präs.: Ja, er sagte wohl, er wollte chnell seinen Säbel aus dem Stall holen? Zeuge: Tas ann auch sein. Präs.: Haben Sie zu andern davon ge- prochen, daß Ihnen das Benehmen Martens ausgefallen ist? Zeuge: Jawohl. Ich erzählte abends dem Dragoner Bartuleit, daß mir aufgefallen sei, daß Marien sich zu den diensthabenden Unteroffizieren gestellt habe, obschon er dienstfrei gewesen sei. Er müßte In der Packkammer gewesen sein. Bartuleit sagte: Er habe Marten auch im Korridor am Zimmer 59 a (in der Nähe des Karabiners 0) getroffen. Präs.: Kam es Ihnen vor, als wenn Marten angetrunken sei? Zeuge: Ja, schon beim ersten Gespräch auf der Stube kam es mir so vor.

Der Dragoner Sawatzki, ein neuer Zeuge, erfuhr von dem ihm begegnenden Stumbriies den Vorfall um 4 Uhr 50 Min. Gleich darauf begegnete er in dem denklen Korridor einem vom Hof kommenden Unteroffizier. kam dem Zeugen so vor, als ob es Marten sei. Präs.: Sprachen Sie zu ihm? Zeuge: Ja, ich rief ihm zu: Herr Unteroffizier, der Rittweisher hat sich erschossen. Präs.: Und was erwiderte Marten darauf? Zeuge: Er rief mir im Weitergehen zu: Geh, Du Dammelskopf! (Heiterkeit') Ter Präsident läßt Marten vortreten und die Mütze auf» etzen. Präs, (zum Zeugen): Sawatzki, erkennen Sie Martmr als den betreffenden Unteroffizier wieder? Sawatzki: Mirscheintes, al so b Marten es war. Marten: Ich bin gar nicht 10 Minuten vor 5 Uhr auf dem Korridor gewesen. Mir ist der ganze beschriebene Vorfall selbst unbekannt, auch unbewußt, daß ich einen Mann dort getroffen und gesprochen haben soll. Präs.: Sawotzk^ erkennen Sie Marien auch an der Sprachr al« den Betreffenden wieder? Sawatzki: Nein! Praß: Können Sie das auch beschwören? Zeuge: Ja! Präs.r Die Litauer sind sehr vorsichtig Wit dem Eid oder (zu Sae watzki gewendet) ist es nicht so? (Heiterkeit.) Der Zeuge wird vereidigt.

(Forffetzung im 2. Blatt.)