Ausgabe 
20.7.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zeitpunkte sind die übrigen Formationen des genannten Expeditionskorps aufzulösen. , t A A

Bremen, 18. Juli. Ter Norddeutsche Lloyd hat neue Vorschriften über die Ausbildung von Soernaschrmiren aus feinen großen Post-- und Passagier-Dampfern erlaufen, wo­nach weiterhin die Berechtigung zum einjährig- sremulllgen Dienst die Voraussetzung für den Eintritt der Icaschmisten- Zöglinge ist. Die Vorfchrifteri verlangen eine dreijährige Ausbildung auf deutschen Werften, und neben den gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzeiten jedes Mal den einjährigen Be­such einer technischen Lehranstalt mit abgeschlossener Prüf­ung. (Unter-Ingenieur- und Jngenreur-Prufung.)

H a m b ii r g, 18. Juli. Aus Anlaß der neuesten Rekord­leistung des SchnelldampfersDeutschland" der Harn- Lnrg-Amerika-Linie, der auf seiner letzten Reise von New- York nach Plymouth eine Durchschnittsgeschwindig- keit von 23,51 Knoten in der Stunde erzielt hat (gegen bis­herige 23,38 Knoten), ist der Direktion der Hamburg-Ame- rika-Linie folgender Glückwunsch vom Kaiser aus Gud- vangen zugegangen:

BravoDeutschland"! Ein bisher noch von keinem Schiffe der Welt erreichtes, vorzügliches Ergebnis. Ehre den Erbauern, der oft erprobten Vulkanwerst, und Ehre dem Personal des Schiffes! Beide tragen den Ruhm würdig über die Meere! Ich freue Mich, daß das Schiff Deutschland" heißt."

Osterburg, 18. Juli. Bei der heutigen L a n d t a g s- ersatzwahl im zweiten Wahlbezirk des Regierungs-Be­zirks Magdeburg wurde Deichhauptmann v. Lucke-Büttners­hof (konservativ) gewählt.

Stuttgart, 18. Juli. In der Tarifkommission der zweiten Kammer hat die Regierung eine Erklärung dahin abgegeben, daß auch sie mit der Einführung der 45 tägigen Giltigkeit der Rückfahrkarten die Tarifreform nicht als abgeschlossen betrachte, und daß sie die Einführung eines einheitlichen und billigeren Tarifs unter möglichster Beseitigung der bestehenden Ausnahmetarife für erstrebenswert halte. Die Kammer der Abgeordneten lehnte in ihrer heutigen Sitzung den Antrag der sozial­demokratischen Abgeordneten auf Einführung einer Ver­mögenssteuer mit allen gegen 6 Stimmen a b. Hierauf wurden die Entwürfe der Regierung zur Steuerreform an ine Steuer-Kommission überwiesen.

Ausland.

Stockholm, 18. Juli. Die45tägige Giltigkeit der Rückfahrkarten soll jetzt auch in Schweden eingeführt werden. Diese Rückfahrkarten sollen auch im Verkehr zwischen Schweden und Deutschland gelten. Die einschlägigen Unter­handlungen sind im Gange.

Loudon, 18. Juli. Im Unterhause richtete Herbert Roberts an den Unterstaatssekretär Cranborne die Frage, ob er nicht eine Erklärung abgeben könne über die S ch w i e r i g- keiten, die dazu geführt hätten, daß die Frage der Regel­ung der chinesischen Entschädigung auf den toten Punkt gelangt sei, und ob das indische Kavallerie-Regiment, das Tientsin verlassen sollte, Gegenbefehl erhalten habe. Cran borne entgegnete, die Schwierigkeit, die sich erhoben habe, stehe in Beziehung zu der Auswahl der Einnahmen, die für den Dienst der für die EntschädigungSzahluug auszugebenden Bonds bestimmt seien. Die Verhandlungen seien noch immer im Fortgang. Die Abfahrt des indischen Regiments sei nicht verschoben worden.

Brüssel, 18. Juli. Repräsentantenkammer. Im Lause der Erörterung über das Budget deS Unterrichts wurde der Sozialist Demblon zur Ordnung gerufen. Weiterhin kam es zu stürmischen Szenen. Ein Mitglied der Rechten rief DemblonInfamer Verleumder!" zu. Demblon er­widerteElender!" und erging sich inmitten großen LärmS in schweren Angriffen und Beleidigungen gegen den König. Der klerikale Abg. Verhaegen beschuldigt die Sozialisten der Unfittlichkeit, weil das litterarische WochenblattTerminal", an dem sozialistische Abgeordnete Mitarbeiten, eine unsittliche Novelle veröffentlicht habe.Kanaille",Jesuit",Lock­spitzel" und andere Schimpfworte wurden gegen Verhaegen geschleudert. Hubin geht mit erhobener Faust auf den Depu­tierten Verhaegen zu. Die Kammerpolizei schreitet ein. Der Präsident unterbricht die Sitzung aus eine halbe Stunde. Nach Wiederaufnahme derselben droht der Präsident mit endgiltiger Aufhebung im Wiederholungsfälle.

Paris, 18. Juli. Die Budgetkommission strich mit allen gegen 2 Stimmen den Posten der Gesandtschaft beim Vatikan.

Madrid, 18. Juli. Die gestrigen Vorgänge in Sara­gossa sind hochervst. Geistliche und viele andere Teilnehmer der Prozession waren mit Revolvern und Schießvorrat versehen. Ein Geistlicher, der die Fahne vorantrug, schlug mit einem Knüttel ein, sobald er das erste Pfeifen vernahm. Biele Tonsurierte schossen unaufhaltsam auf die Menge. Nachdem die Prozession durch dazwischengeschobeue Karren getrennt war, flüchtete ein Teil in die Kirche St. Philipp Neri, dort schoffen Geistliche, Sakristane und Chorknaben vom Turm herab auf die Massen. Die Polizei las in der Kirche 13 Revolver auf. Ein Toter warde aufgefunden, über 50 Leute find verwundet, 12 schwer, durch Kugeln und Dolchstiche. Viele Straßen find blutgerötet. Das Rote Kreuz intervenierte emsig. Die Thüren der Kirche Philipp Neri uud des KlostersHeilige Agnes" wurden mit Petro­leum begoffen und verbrannt. Das Jesuitenkloster und das der Karmeliter wurde mit Steinen bombardiert. Die Redaktion des katholischenNoticiero" wurde zertrümmert und ein Redakteur verwundet. Weitere Prozessionen wurden untersagt.

Petersburg, 18. Juli. Die von der russischen, italienischen uud französischen Preffe in der letzten Zeit wiederholt Der« breitete Nachricht von einem Besuch deS italienischen Königspaares am Hofe des Kaisers von Rußland im Herbste dieses Jahres bestätigt sich nicht. Maßgebende Persönlichkeiten erklären, das italienische Köuigspaar beab­sichtige, in diesem Jahre keine Reifen an fremde Höfe zu uvternehmen.

Aus Stadt und Kand.

Machrichter» von allgemeinem Interesse sind unB stets wUrtomme* und werden angemessen honoriert.

medizinische Fakultät lädt auf Mon­tag den 22. Juli Nm, 7 Uhr, zu einer öffentlichen Vorlesung

überDie neuesten Forschungen auf dem Ge­biete der Malaria" ein, die der Assistenzarzt an der medizinischen Klinik Dr. Franz Volhard zum Zweck der Habilitation für innere Medizin an der Landes- uwiversität halten wird.

**Pros. Bier merin Frankfurt. Wie wir hören, wird der ordentliche Professor der Nationalökonomie an der hiesigen Universität Dr. phil. et jur. M. Biermer im kommenden Wintersemester an der neu eröffneten Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M. Vorlesungen überGeld-, Kredit- und Bankwesen" halten.

** Das Vorlesungsver zeächnis unserer Universität für das Winter Halbjahr 1901/02 ist erschienen. Von den neu berufenen Professoren sind die Herren Drews, Gross und Schwally aufgeführt. Aus den angekündigten Vorlesungen seien folgende hervorgehoben, die allgemeines Interesse haben dürsten: Prof. Dr. Holtz­mann lieft u. cl ein Publikum überChristentum und Gesell­schaft", Prof. Tr. Schmidt liest überGrundzüge des deut­schen Privatrechts, mit Berücksichtigung der Rechtsentwick­lung in Hessen", Prof. Dr. Groos überDas Seelenleben des Kindes", der demnächstige Rektor Prof. Dr. Hansen überDie Vegetation der Erde", Prof. Dr. Biermer überVolkswirt­schaftliche Tagesfragen", Prof. Dr. Thaer, der seinen Rück­tritt angekündigt hatte, überTechnologie der landwirt­schaftlichen Gewerbe", Prof. Dr. Sauer überKunstkritische Hebungen über italienische Malerei", Prof. Dr. Behaghel überSprachgebrauch und Sprachrichtigkeit" undDieWort- bildungen des Deutschen", und Musikdirektor Trautmann überMozart und Beethoven in ihrem Leben und ihren Werken, mit Beispielen am Klavier".

** Studentenversammlung. Gestern abend fand im Hotel Einhorn ein eStudenkenversammlung statt, in der Dr. phil. K. Heim über das ThemaDer moderne Stu­dent und die Sittlichkeitsfrage" spracht Der Redner wies an der Hand von Beispielen auf die ungeheure Schädigung hin, die die deutsche Volkskrast durchs die Unsittlichkeit und ihre Folgen erleide. Die Gesetzgebung fei ohnmächtig im Kampfe gegen die Unsittlichkeit. Da sei in erster Linie der Student, der einstige Träger der Volkskultur, dazu berufen, diesen Kampf aufzunehmen. Erfolgreich könne er das aber nur, wenn er aus dem Kampfe mit der eigenen Sinnlichkeit als Sieger hervorgegangen sei. Das fei durchaus notwendige Vorbedingung. Die Kraft zur Selbst­überwindung aber könne ihm weder angestrengtes Stu- duim, noch Philosophie, noch' irgend etwas anderes geben, diese sinde er nur im Christentum, im Anklammern und völligen Sichhingeben an Christus.

** Auszeichnung. Der Großherzvg hat dem Wachtmeister a. D. Frieß, seither im 2. Großh. Dragoner- Regiment (LeMDragoner-Regiment) Nr. 24, die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Sch. Folgender Schnlwih, wird uns aus unserem Leser- reis mitgeteilt: Lehrer: Abraham wohnte im Haine Mamre iei Hebron. Also wo wohnte Abraham? Schüler: Abraham wohnte bei seiner Mama in Herborn.

§ Butzbach, 19. Juli. Gestern abend traf aus Anlaß der in der Umgegend stattfindenden militärischM Ueb- ungen der Kommandeur der 21. Division, Generalleutnant v. Deines zu einem dreitägigen Aufenthalt hier ein. Morgen wird eine Eskadron der 21. Kavalleriebrigade in Butzbach« Quartier nehmen, wo sie bis zum 22. Juli bleibt. Während dieser Zeit befindet sich auch das Hauptquartier in unserer Stadt.

k. Bad-Nauheim, 18. Juli. Am nächsten Dienstag eiert Herr Carl Machts hier sein 25jähriges Jubi­läum als Musikdirektor der Kurkapelle des Bades Nau­heim. Machts ist in Weimar geboren; er gehört zu den Schülern Liszts und war mit Rich Wagner eng befreundet. Der Jubilar ist ein ausgezeichneter Dirigent und hat auch als Komponist nicht Unbedeutendes geleistet. Bei den Kur­gästen von Nauheim erfreut er sich großer Beliebtheit. Wie man hört, sind ihm von feiten der Großh. Kurver­waltung, wie auch von der Gemeinde verschiedene Ehrungen zugedacht.

** Bad-Nauheim, 18. Juli. In den letzten Tagen lief der neue Karlsbrunnen etwas schlechter. Nachdem nunmehr aber Reinigungsarbeiten vorgenommen worden ind, ist der Sprudel stärker als zuvor. Er liefert ein Liter Wasser in 44 Sekunden.

-h- Selters (Kreis Büdingen), 17. Juli. An der Do­mäneKonradsdorf" läßt der hessische Staat ein zweistöcki­ges Ar beitshaus mit etwa 20 Räumen bauen. Die Kosten des Baues sind auf ungefähr 12 000 Mark veran- chlagt. Das Material läßt der derzeitige Pächter des Gutes unentgeltlich zur Baustelle fahren. Damit wird einem dringenden Bedürfnisse Rechnung getragen, da im Sommer und Herbst viele vstpreußische Arbeiter hier beschäftigt wer­den, für die es bisher an den nötigen Schlafräumen fehlte. Auch sollen Zimmer für einen Obstbaumwärter und Ver­walter in dem Neubau vorgesehen werden.

S. Darmstadt, 18. Juli. Während des gestern abend m Platanenhatn stattgehabten sog. Doppelkonzertes, dem auch der Großherzog beiwohnte, wurde eine Dame namens Schneider fest genommen, die sich in auffallender Weise in der Nähe eines mit Artillerie-Offizieren besetzten Tisches zu schaffen machte; sie hatte einen mit 6 scharfen Patronen geladenen Revolver bei sich. Bei ihrer Vernehmung er­kürte sie, sie habe sich erschießen wollen, da sie von ihrem Verehrer, einem Offizier, dessen Namen sie auch nannte, verlaffen worden sei. Die Verhaftete, eine sehr hübsche Er­scheinung von zirka 25 Jahren, wurde nach ihrer Ver­nehmung in ihre in der Kirchstraße gelegene Wohnung ge­bracht. Die Ziehungstage für die nächste 4. Großh. Hess. Landeslotterie sind wie folgt festgesetzt: 1. Kl. 11. Sep­tember 1901, 2. Kl. 8. Oktober, 3. Kl. 4. November, 4. Kl. 3. Dezember, 5. Kl. 3. Januar 1902, 6. Kl. vom 24. Jan. bis 4. Februar 1902. In der heute nachmittag stattge­habten Gesamtfitzung des Verwaltungsrates und VergnügungS- komiteeS der Künstler-Kolonie wurde beschloffen, auf dem an die Kolonie anschließenden Terrain eine vollständige Parodie auf die Ausstellung herzustelleu. Es soll ein Kostüm­fest, Eröffuungsszeue :c. stattfinden. Sin größerer Betrag ist hierfür bewilligt worden. Man verspricht sich von dem Unternehmen einen bedeutenden Erfolg. Nach der Meinung Eingeweihter ist das Vorhaben allerdings mit einem ziemlich bedeutenden Risiko für die neue Leitung verbunden. ES wäre vorerst viel ratsamer, wenn etwas mehr Abwechslung in die Konzerte im Platauenhain gebracht würde. Für Sonntag den 28. Juli ist ein großes Volksfest mit Verlosung borge sehen, wobei jeder Besucher gegen Lösung einer Eintrittskarte das Anrecht auf einen Gewinn hat. Es sind bereits eine ganze Anzahl größerer und kleinerer Sunstgegenstände auS-

grsucht worden, die zur Verlosung bestimmt sind. Am nächsten Mittwoch soll wieder ein Feuerwerk stattfinden.

() Offenbach, 17. Juli. 25. Mittelrhein- Ju­biläums-Turnfest. Auf dem Festplatze hatte sich gestern gegen Abend das bekannte festliche Treiben noch einmal recht stark entwickelt. Bei dem geringen Eintritts­preise von 20 Pf. benutzten viele, die bisher nicht dazu ge­kommen waren, die Gelegenheit, auch einmal das Fest zu besuchen. Die 168er und die Feuerwehr-Kapelle er­ledigten den musikalischen Teil des Programms in gewohn­ter zufriedenstellender Weise. Am Samstag winkt noch ein- mal eine echt volksfestliche Veranstaltung: es wird auf dem Festplatz ein ganzer Ochse gebraten. DasOpfer­tier" wird am Samstag morgen um 9 Uhr unter Boran­tritt des Knaben-Trommlerkorps vom Schlachthaus au$ durch die Stadt geführt, dann im Schlachthaus geschlachtet, und von Mittag ab auf dem Festplatz gebraten. Das große Ereignis des Sonntags wird die Luftballon-Auffahrt des Frl. Käthchen Paulus aus Frankfurt bilden, zu der die Vorbereitungen schon jetzt getroffen werden.

() Hanau, 18. Juli. Wir haben seinerzeit bereits von derDiebstahls-undHehlerei-Affaire, zum Nach­teil der Kleher'schen Fahrradfabrik, berichtet. Nachdem der Vertreter der Kl.'scheu Fahrradwerke in Offenbach, schon kürzlich in Haft genommen worden ist, erfolgte gestern auch, wie derHan. Anz." meldet, die Verhaftung deA Geschäftsführers'der Hanauer Zweigniederlassung. Zugleich wurden in der hiesigen Zweigniederlassung eine große Anzahl Reserveteile von Rädern, selbst ganze Räder, be­schlagnahmt, die von einem Angestellten der Frankfurter Werke dem hiesigen Geschäft zugeschmuggelt worden sind. Die beschlagnahmten Waren dürften eine ganze Wagen­ladung repräsentieren. Das Hantieren mit Schuß­waffen seitens halbwüchsiger Burschen hat wiederum ein Menschenleben gefordert. Am Dienstag nachmittag begab sich der 17jährige Schuhmacher Valentin Hohe in Gemein­schaft mit dem 18jährigen Taglöhner Karl Roye nach der Volksbadeanshalt, um dort zu baden. Roye trug ein Terzerol bei sich, das er, am Mainkanal angekommen, aus der Tasche nahm, um seineSchußsähigkeit" zu prüfen. Der jSchuhmgcher Hohe trug die Patronen des Roye und ließ sich dann die Schußwaffe geben, um einen Schuß abzugeben. Als er die Waffe mit einer Patrone versah, kam er unvor­sichtiger Weise dem Abzug zu nahe, die Waffe entlud sich, und das Geschoß drang dem Roye in den Unterlieb. Der! Getroffene verschied bereits am folgenden Tage. Der un­glückliche Schütze wurde in Hast genommen.

* Kleine Mitteilungen <ml Hessen und den Nachbarstaaten. Der Bezirksfeldwebel (5t ölte in Mainz, der am 174 Juli früh vom dritten Stock auf die Straße herabstürzte, ist wieder bei Bewußtsein und vernehmungsfähig. Dasl Unglück hatte sich in der von uns berichteten Weise zuge­tragen. Die Aerzte hoffen, den Schwerverletzten am Leben zu erhalten. Mehrere rheinhessifche Abgeordnete haben in der 2. Kammer für die Erbauung einer Nebenbahn von Bingen nach Rüdesheim einen den Bestimmungen des Nebenbahngesetzes von 1884 entsprechenden Staats-Zu­schuß beantragt. Die Veruntreuungen des kürzlich, ver­storbenen Kassierers des Spar- und Vorschußveretns zu Langenselbold dürften sich auf mehr als 40000 Mk. belaufen. Die Revision ist jedoch noch nicht beendet.> Der frühere demokratische Landtagsabgeordnete Prof. Dcm. Krebs, ein alter Achtundvierziger, ist am 16. Juli in Mannheim gestorben. Der Ortsvorstand zu Fried- b e r g beabsichtigt, mit dem am 22. Oktober stattfindenden Herbst-Fohlen- und Pferdemarkt dort eine Verlosung von Pferden, Fohlen usw. zu verbinden. Das Ministerium des Innern hat die Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Ver­losung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 12 000-Lose,'zu 1 Mark dasiMück, ausgegeben werden dürfen, und mindestens 55 Prozent des Bruttoerlöses aus dem' Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinn gegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Groß Herzogtum gestattet worden.

KeruriWes.

* Ensisheim i. Oberelsaß, 18. Juli. Der frühere Oberleutnant Rüger vom 17. Infanterie-Regiment in Merchingen ist heute aus dem Arresthause zu Metz unter Bedeckung eines Vizefeldwebels und eines Gefreiten hier­her übergeführt worden.

* Gumbinnen, 18. Juli. Im Prozeß Krosigk haben heute vormittag zu Gumbinnen die Zeugenvernehm­ungen, die fünf Tage in Anspruch nehmen sollen, unter der Leitung des Oberkriegsgerichtsrates Meyer in der Ka­serne des Dragonerregiments v. Wedel 9ir. 11 begonnen. Die beiden Verteidiger, die Rechtsanwälte Burchard und Horn sind heute hier ein getroffen uni) wohnen den Ver­handlungen bei.

* Berlin, 18. Juli. Zwei aus Stettin zugereist^ Schwestern, 43 bezw. 41 Jahre alt, die hier ein Zimmer gemeinsam gemietet hatten, stürzten sich, als ein Kri­minalbeamter nach ihnen fragte, aus dem Fenster auf den Hof. Sie erlitten Knochenbrüche und Verstauchungen. Dem Beamten war das verstörte Wesen der Schwestern beim Wohnungsuchen aufgefallen. Anscheinend liegt Geistes­gestörtheit vor.

* Berlin, 18. Juli. Die kürzlich verstorbene Witwe des Hofmalers Richter bestimmte ihren Nachlaß von einer halben Million größtenteils, und der verstorbene Kom­ponist Professor Vierling, Senator der Akademie der Künste, vermachte sein Vermögen im Betrage von 1 einhalb Mill. Mark der Stadt Berlin zu wohlthätigen Zwecken.

* K ö l n , 18. Juli. Die Kunde von einem grauenerregen­den Mord v er such durcheilte gestern abend den Vorort Nippes. Der dortige Postdirektor Jngemey hatte dienstliche Unregelmäßigkeiten des beurlaubten PvstschaffnersHaessy festgestellt und begab sich gegen 8 Uhr in Begleitung des Geldbriefträgers Bilstein in Haessys Wohnung. Freundlich empfing Haessy seinen Vor­gesetzten und führte ihn ins Empfangszimmer, während Bilstein im Vorzimmer stehen blieb. Als Jngemey gesprochen hatte:Nun Haessy, geben Sie das Geld, was Sie noch haben, heraus, dann ist alles gut", murmelte Haessy einige Worte, die wie:Da haben Sie es" oder So mach ich es" klangen, und stieß demPostdirektor mit Wucht ein breites Dolchm esser etwa 10 Ctm. tief in die linke Brustseite. Mit dem Rufe:Bilstein, ich bin gestochen!" fiel Jngemey vornüber, riß das steckengeblie- bene Messer aus der Brust und fiel seinem Begleiter in die Arme. Der Schwerverletzte wurde in seine Wohnung ge­schafft. Der Thäter wurde alsbald verhaftet und in Unter­suchungshaft gebracht. Haessy ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Der Zustand des Postdirektors Jngemey ist sehr bedenklick). Die zur That benutzte Waffe ist ein Jagdmesser mit feststellbarer Klinge und Hirschhorngrifft das in einem besonderen Futteral aufbewahrt wurde.