Vorschlag, ihnen eine lOprozentige Steuer von ihrem Reingewinn aufzuerlegen und berechnet den Ertrag auf neun Millionen. Die Transvaal-Regierung, deren „Erpressungen" als so himmelschreiend bezeichnet werden, hat nie mehr als 5 Prozent verlangt. Gleichwohl würden sich die armen Kapitalisten recht gut dabei flehen, denn dieser neuen Abgabe muß man den Fortfall des Dynamit-Monopols gegenüberstellen, das aus den Minen jährlich etwa 12 Millionen zog. Aber auch diese Minensteuer mit ihren 9 Millionen, nebst anderen 3 Millionen, die „vielleicht aus anderen Quellen" fließen könnten, machen den obigen Fehlbetrag von 20 Millionen immer noch zu keinem Ueber- schuß. ES bleibt ein Defizit von 8 Millionen und dabei läßt auch Sir David Barbour sein erstes „britisches Transvaal-Budget".
Und wo bleiben wir mit unseren zweieinhalb Milliarden Schulden und 75 Millionen Zinsen? fragen sich die englischen Steuerzahler. Wahrscheinlich da, wo sie jetzt schon sind. Der Bericht fügt allerdings hinzu, daß, wenn sich die Finanzen Transvaals günstiger gestalten und noch andere Bergwerksbezirte entdeckt werden sollten, das Land allmählich im stände sein würde, England einige der gemachten Anleihen abzunehmen, wenn dieselben in 3, 5 oder 6 Jahren rückzahlbar werden. Diese so entfernt liegenden Möglichkeiten sind die einzige Hoffnung, 8 Millionen Defizits in Kriegssteuern abwerfende lieber» schüsse verwandeln zu können. Vorläufig heißt es deshalb: selber zahlen und nicht nur die Kriegsausgaben und die Zinsen der Kriegsanleihen. Die 4000 Mann der militärischen Polizei, die England vor der Hand auf seine Rechnung übernimmt, werden jährlich 20 Millionen kosten, und rechnen wir dazu nur eine Mehrbesatzung von 30 000 regulärer Truppen — der Kriegsminister sprach jüngst sogar von 45 000 —, die im Durchschnitt gerechnet 2000 Mark pro Kopf und Jahr kosten, so steht England vor einer Jahres- ansgabe von 80 Millionen zum Zweck der Beruhigung der eroberten Länder. Für die englischen Steuerzahler dürfte sich daher das Transvaal-Budget — wenn der Krieg bald vorüber ist — eher so stellen: Pacifikationskosten 80 Millionen, Zinsen für die Kriegsschulden 75 Millionen, Ausgaben zusammen 155 Millionen, Einnahmen: die Hoffnung: Transvaal wird alles bezahlen. Aber wer weiß, wie lange der Krieg noch dauern, was für Ausgaben noch hinzukommen mögen?!
Aus Stadt und Kand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mrr unter genauer Quellenangabe: „Gietz. Anz." gestattet.)
*• Parlamentarisches. Die Tagesordnung der Donners, tag, 20. Juni, stattfindendea Plenarsitzung der Ersten Kammer ist äußerst umfangreich, indem sie nicht weniger als 70 Beratungsgegenstände anfweist. Hierzu gehören neben der Wahl eines dritten Präsidenten eine große Anzahl von der Zweiten Kammer bereits erledigter Gesuche von Beamten- klasien und Pensionären um Regelung ihres Einkommens, bezw. ihrer Pensionsverhältnisse. Zur Erledigung der um« fangreichen Tagesordnung ist eine weitere Sitzung für den 21. Juni in Aussicht genommen.
" Theater-Vereiu. Auf die Bekanntmachung des Vorstandes in dem gestrigen Anzeigenteil betr. die Vorstellungen des Wiesbadener Operetten-Enfembles weisen wir die Mitglieder des Theatervereins auch an dieser Stelle nochmals hin.
d. Dorf-Gill, 18. Juni. In den letzten Tagen hat man hier mit der Heuernte begonnen. Sie fällt im allgemeinen befriedigend aus. Leider wird durch das kalte Wetter die Güte des Heues beeinträchtigt. — Gestern abend verletzte sich ein hiesiger junger Mensch mit Namen Mulch beim Holzspalten nicht unerheblich an der linken Hand. Der Hieb traf den Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger und durchschnitt eine Sehne sowie einige Adern. Tie Verwundung muß ernster Natur sein, da der Arzt den Verletzten nach Gießen in die Klinik wies.
() Darmstadt, 18. Juni. Am 24. Juni findet die vierte öffentliche Plenarversammlung der Handwerks- Kammer in dem Sitzungssaale der Gr. Zentralstelle für die Gewerbe statt. Die Tagesordnung umfaßt: Mitteilungen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes. Wahl der Vorsitzenden bei den Ausschüssen. Erteilung der Ermächtigung zur Abnahme der Gesellenprüfungen an die freien Innungen. Tie Verleihung des Rechts zur Abnahme der Gesellenprüfungen an die nicht wahlberechtigt gewesenen Ortsgewerbevereine. Beschlußfassung über die Prüfungsordnung zur Vornahme der Gesellenprüfungen. Beschlußfassung über die Bestellung der Prüfungsausschüsse. Beschlußfassung über die Höchstzahl der zu haltenden Lehrlinge und die Dauer der Lehrzeit. Abnahme der Jahresrechnung 1900/01, vorbehältlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer. Genehmigung der Voranschläge für 1901/02 und 1902/03. Tie genossenschaftliche Organisation des .Handwerks. Tie Uebernahme des II. Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages durch die Handwerkskammer Darmstadt. Beschlußfassung über vorliegende Anträge. Verschiedenes.
Mainz, 18. Juni. Tie 21jährige Ehefrau des Arbeiters Karl Feuer aus Wickers hatte am 9. April 1900 in ihrer Wohnung im Gartenfelde ihr 6 Wochen altes! uneheliches Kind in einer Waschbütte ertränkt. Ihr Ehemann hatte sie fortgesetzt wegen des Kindes schwer aufgeregt und stets dem Kinde den Tod gewünscht. Er drohte auch mit Ehescheidung. Nachdem am Mittag des 9. April die Frau wieder von ihrem Manne mit Vorwürfen überhäuft wurde, ertränkte sie das Kind nach dem Weggang des Mannes. Sie hatte in mißverstandener religiöser Auffassung auch« geglaubt, daß das Kind als Engel im Himmel besser aufgehoben sei. Nachdem sie die That verübt, irrte sie planlos in der Stadt umher, begab sich dann in den Tom und von dort aus zu dem katholischen Pfarrer Gillig in das Gartenfeld, dem sie von ihrer That unter Mitteilung aller Verhältnisse ausführlich berichtete. Ter Pfarrer verwies sie an die Polizei. Die Feuer hat sich deshalb vor dem Schw ur ge r i ch t e wegen Mordes zu verantworten. 6 Wochen war die Angeklagte zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in der städtischen Irrenanstalt in Frankfurt. Nach, dem Gutachten des Direktors Tr. Sioli-Frankfurt und Professor Dr. Sommer in Gießen ist die Angeklagte für ihre That nicht strafrechtlich verantwortlich zu machen, weil ihre Nerven-Be- schaffenheit während der That durch große seelische Aufregung jede freie Willensbestimmung ausschloß Die hochinteressanten Gutachten der beiden Psychiater waren für die Geschworenen und Richter ausschlaggebend. Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt beantragte selbst die Freisprechung, ebenso der Verteidiger Rechtsanwalt Canse. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage verneint, wurde die Angeklagte, die seit 15 Monaten in Untersuchungshaft sich befindet, freigesprvchen.
z. Frankfurt a. M., 18. Juni. Gestern abend spät traf, von Dresden kommend, Herr Marquardt mit seiner Samoaner-Truppe hier ein und bezog das im Zoologischen Garten bereitete Quartier. Heute schon sieht man das samoanische Dors im Garten entstehen, mit großem Geschick errichteten die Leute ihre Hütten und fingen damit an, sie mit Palmen zu umgeben. Ueberall gewahrte man fleißige Hände, die an der Vollendung der für die Unterkunft und die Vorführungen notwendigen Einrichtungen arbeiteten, und so wird ja wohl bis zum Donnerstag das schöne Bild sich entwickeln, das der Unternehmer vor Augen zu führen versprochen hat. Hoffentlich wird auch daS Wetter dann so, daß nicht die braunen Tropenmenschen schnatternd vor ein frierendes Publikum treten müssen.
Nassau a. L., 18. Juni. Am Sonntag hat eine Versammlung über die Maßnahmen beraten, durch die ein Zusammenbruch des etwa tausend Mitglieder zählenden bisher nicht eingetragenen Vorschuß-und Kredi - Vereins verhütet werden soll. Nach den offenen Dar- legungen des Verbandsrevisors Seibert aus Wiesbaden muß
ganz unglaublich gewirtschaftet worden sein. Eine definitive Abrechnung ist zur Stunde unmöglich. Die letzte Rechnungslegung ist vor 19 Jahren, also 1882, erfolgt. Die eigentliche Kassenführung des Rechners ist tadellos. Die Unterbilanz werde auf 37 000 Mark beziffert. Hierunter befinden sich allein 16 000 Mark, die schon im Jahre 1882 als uneinbringbar bezeichnet, trotzdem aber bis heute in den Büchern geführt worden sind. Der Revisor hat eine ganze Anzahl Schuldner gefunden, die fast seit Gründung der Kasse, das heißt in mehr als 40 Jahren, keine Zinsen gezahlt haben. Weitere Verluste mit 10 500 Mark sind durch Vergleiche in einem langwierigen Prozesse Blanck und Sckrupp entstanden, ferner durch den notgedrungenen Ankauf des Hotels „Zur Krone". Dieses hat 6000 Mark Unterhaltungskosten erfordert, die beim Verkauf nicht wieder eingebracht werden konnten. Im Jahre 1882 seien an 40 000 Mark Zinsen rückständig gewesen. Das bedeutet jährlich 2000 Mark Zinseszinsverlust. Der Verantwortung treffe den Vorsitzenden, aber auch die Mitglieder, die solche Zustände geduldet haben. Die fiatutarisch verlangte Einzahlung eines vorerst unverzinslichen Stammanteils _jn Monatsraten bis zu 50 fl. ist fast niemals erfolgt. Tie Versammlung beschloß einstimmig gemäß dem Vorschlags des Revisors, den Mitgliedern aufzugeben, diese Stamme anteile im Lause von ein bis eineinhalb Jahren nachträglich einzulegen im Verhältnis zur Länge der Mitgliedschaft. Würden alle dem nachkommen, so ergäbe das 87 000 Mark, also 40 000 Mark mehr als die Unterbilanz. MU dem Ueberschuß als Grundstock könnte die Umwandlung der Kasse in eine Genossenschaft m. b. H. erfolgen. Die in der Versammlung anwesenden Gläubiger haben sich bis auf vier sogleich bindend verpflichtet, die Zurückzahlung ihrer Kap^ talien vor dem 1. Januar 1903 nicht zu fordern. So hofft man, unter Vermeidung zweckloser Prozesse der Kasse wieder aufhelfen zu können.
•* Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Montag mittag ist in Marburg der Riemenfabrckant und frühere Gastwirt Hönle beim Fischen in der Lahn ertrunken. Der Verunglückte wurde bald ans Ufer gebracht. Die an- gestellten Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. — Die Provinzialdirektion Rheinheffen macht bekannt, daß der Rhein zwischen Oppenheim und Nierstein am 24. und 25. Juni für Flöße und für Schiffe tetlwetse gesperrt ist, da das Hessische Pionierbataillon Nr. 11 während dieser Zeit einen Brückenschlag zwischen den beiden Rhern- ufern ausführt.
Vermischter.
* Der Großherzog soll heiraten! Die getreuen Unterthaninnen des jungen Großherzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach wollen partout eine Landesmutter und deshalb haben sie ihm wiederholt sub rosa zu verstehen gegeben, sie möchten ihn baldigst auf FreierSsüßen sehen. Ganz schlau hat es nun eine Eisenacherin angefangen. Für den Geburtstag des Großherzogs buck sie einen sehr appettt- lichen Kuchen, formte ihn in Gestalt einer Evatochter, suß und duftig zum Anbeißen, und sandte ihn unter Beifügung folgender selbstgedichteter Verse per Post in das großherzogliche Schloß nach Weimar:
Was Dir heut' ward von mir beschert
Das hast Du nimmermehr begehrt.
Tritt flink heran, greif' zu und schau: 'S ist doch was Süßes — eine Frau! Unterschrieben war der wohlgemeinte Rat: „Eine alte treue Nnterthanin aus Eisenach". Der Herzog soll über solch deutliches, halb scherzhaft, halb ernsthaft gemeintes Winken mit dem Zaunpfahl weidlich gelacht haben. Jedenfalls ist er der besorgten Unterthanin ob ihrer über alle Hofetikette sich hinwegsetzenden zuckergebackenen Immediateingabe mcht gram, den umgehend langte bei ihr folgendes Telegramm an: „Se. Königliche Hoheit der Großherzog lassen für Ihre
dem Berliner Polizeipräsidium in der letzten Woche nicht weniger als 42 Konzessionsgesuche für Neberbrettl und Institute ähnlicher Art zugegangen sein sollen. Auch verschiedene ältere Spezialitätentheater haben ihre Umwandlung in „Ueber- brettl" für die kommende Saison in Aussicht genommen.
Vom Frankfurter Schauspielhaus zum Hippodrom, auf der anderen Seite des Mains, ist ein weiter Weg, der aber durch bequeme Straßenbahnverbindung erheblich abgekürzt wird. Dort fand die Eröffnung eines neuen Brettl- TheaterS am selben Abend statt, während das Neberbrettl sich zum erstenmal in der Goethestadt produzierte. Anständiger ging'S im Hippodrom ganz gewiß zu, dazu erheblich abwechslungsreicher, und auch ganz vergnüglich. Der Besuch dieses neuen Frankfurter Spezialitäten-TheaterS kann Familien bestens empfohlen werden. La Roland ist eine Serpentin- tänzerin, die die wunderbarsten Tänze aufführt. In ihrer Schlußnummer glauben wir sie leibhaftig vor uns verbrennen zu sehen, eine verblüffend effektvolle Täuschung. Die drei Herren Hegelmann turnen an ihren Trapezen mit so vollendeter Anmut, so schöner Leichtigkeit, daß man sie gern echte Künstler nennt. Denn das ist ja gerade Kunst, mit Mühe Erreichtes als größte Einfachheit vorzuführen. Daß Amüsanteste aber sind die drei dressierten Elefanten, ein Dick Häuterkleeblatt von erstaunlicher Intelligenz. Die plumpen Kerle tanzen — und man sieht ihnen die eigene Freude an ihren Kunststücken an — mit wunderlichster Elefantengrazie, indem sie sich mit den Rüffeln an den Schwänzen fassen, im Kreise umher, schweben bald auf drei, bald auf zwei Beinen und schieben Kegel, schreiben Zahlen an eine Wandtafel, kurz machen die unglaublichsten menschlichen Dinge. Zum Singsang ist der Riesensaal des Hippodroms freilich nicht geeignet. Die Akustik ist schlecht, und die Kouplets sind wohl nicht viel besser. Aber schließlich will sich ja hierin das Brettl mit dem Ueberbrettl auch garnicht messen. DaS ist gewiß, des Ueberbrettls wird man früher überdrüssig werden als des Brettls. Das Ueberbrettl wird wohl schon recht bald verschwinden, um in dieser Form nicht mehr aufzu tauchen. DaS Brettl aber, dessen Sänger und Sängerinnen allerdings gar viel vom Ueberbrettl lernen können, das die graziöse Liedform, den Geist und Witz des Ueberbrettls,
am besten befreit von aller häßlichen Gliederverrenkung ebenso
Brettl wird weiter leben.
P. Wittko.
wie von taktloser Vorspiegelung von Patriotismus, der an olchem Orte stets erniedrigt und cntweiht wird, — das
Gießener Stadllyeater.
Der Zigeunerbarou.
Operette von Johann Strauß.
Eine Operettengesellschaft ist für kurze Zeit in unser Shadttheater ein gezogen, unter oer Leitung des Herrn Max Heinrich, früheren Direktors des Lübecker Stadttheaters und späteren willkommenen Gastes des Theaters des Westens in Berlin. Auch die Gießener werden sich einer wohl noch erinnern von der Zeit der Direktion Rudolph zu Ausgang der 80 er Jahre hier.
Ter erste Abend brachste uns den unverwüstlich jugend- frischen „Zigeunerbaron" von Meister Johann Strauß, Das Theater war, während draußen Rosen und Jasmin im Regen Tust vergeblich: spendeten, gut besetzt und der Beifall groß Gesang und Spiel und Orchester, Kapellmeister wie Regisseur — alles sand berechtigte Anerkennung. Tie Ouvertüre, der es vielleicht ein wenig an Schwung fehlte, wurde leider durch Zuspätkommen und laute Unterhaltung arg gestört, sobald aber der Vorhang aufging, ward alles, trotz der langweiligen Albernheit des Textes, gespannt. Bald erkannte man, daß man die Musik, die einen ganz opern- hasten Charakter hat, abgesehen vom Text genießen müsse, und bereitete dem Werke, von dessen musikalischen Schönheiten gewonnen, einen vollen Erfolg. Tie Ausführung war redlich bemüht, dem Werke gerecht zu werden. Tie männlichen Rollen waren fast durchweg gut, die weiblichen Rollen allerdings nicht ganz so gut besetzt. Herr Jäger, der den Sandor Barinkay gab, hat schauspielerisches Talent und ist auch gesanglich recht begabt. Seine Stimme hat Fülle und große Kraft, ist allerdings wohl ein bischen hart und hat kein Piano, aber seine gesangliche wie darstellerische Art ist von wohlthuender Frische. Herr K o s w i tz, der Regisseur, war zugleich der liebenswürdigste aller Schweinezüchter, groß in der Handhabung des Mi- kosch-Tialektes, ein Mann der geschickten Improvisation und „ausgezeichneten", nicht aus der Fassung zu bringen»
ohne dessen Schlüpfrigkeit, übernehmen müßte und das sich «den Humors. AM von den Herren Carlo No th mann --- r-.ei" T.-t.-V? .............- und E n g e l t r e s s e r, die wir wohl noch mehr kennen
lernen werden, wäre nur Gutes zu sagen.
Von den Damen hatte die größte Partie Frl. Penne inne, eine Sängerin von sehr respektablem Stimmfonds und sehr bemerkenswerter musikalischer Sicherheit. Ihr Organ ist klangschön und ihr Vortrag geschmackvoll. Es wäre nur wünschenswert gewesen, daß Figur und Maske die Illusion mehr unterstützt hätten. Tie Dame singt wirklich sehr gut; sie kommt sichtlich von der Oper. Um in der Operette zu glänzen, fehlen der geschätzten Künstlerin aber doch wohl manche Äußerlichkeiten; ihr Spiel hat die weit ausgreifenden Bewegungen, die auf der Opernbühne heimisch sind. Die Saffi ist doch wohl erheblich leichter zu fassen. Doch wir werden weitere Abende abzuwarten haben, um ihrer reifen Kunst voll gerechtwerden zu können. Frl. Durand gab die alte Zigeunerin, eine stets undankbare Partie, mit allem Geschick. Im Sologesang zeigte sie viel Kraft und Wohllaut. Frl. Fischer, als Tochter des Schweinezüchters, war wohl nicht so flott, keck und frisch, wie Komponist und Librettist sich diesen Part gedacht haben mögen. Als Gouvernante bot Frl. Genell ein recht komisch wirkendes Bild.
Der Chor i st im „Zigeunerbaron" viel beschästigt. Dank dem kräftigen, klangvollen, sicher verwendeten und auch numerisch recht stattlichen Material, das dem Ensemble zur Verfügung steht, wurden in dieser Hinsicht die Absichten des Komponisten vortrefflich erfüllt. Zudem zeigte er Leben und Bewegung. Im ganzen erzielte die Ausführung eine volle Wirkung, wenn es auch hier und da an wienerischer Wärme und Temperament vielleicht ein wenig fehlte. In der Darstellung war nicht alles ganz exakt, es kamen kleine Störungen im Spiel vor. Aber das alles crgiebt sich ganz natürlich aus den neuen, ungewohnten, für die notwendigen Mafseneutfaltungen zu engen Bühnen- Verhältnissen. „Hart im Raume stoßen sich die Sachen", der obendrein auch akustisch nicht besonders vorteilhaft ist und an den sich auch die Sänger erst gewöhnen müssen. Tas gab sich schon int Laufe des Abends mehr und mehr, und es ist nicht zu bezweifeln, daß die nächsten Abende in dieser Hinsicht nichts werden zu wünschen übrig lassen. So werden gewiß die nächsten Vorstellungen sicher noch erfolgreicher jein. P- W.


