Schuß ging jedoch fehl und eS gelang dem Attentäter, bei der entstandenen allgemeinen Verwirrung zu entkommen.
— Der frühere Botschafter in Berlin, Herbette ist beute abend plötzlich gestorben.
— Deputiertenkammer. Bei der Beratung des Kultusbudgets erklärteMinisterpräsidentWaldeck-Rouffeau, solange nicht Staat und Kirche getrennt seien, könne das Kultusbudget nicht abgeschafft werden, denn man entbehre im letzteren Falle die Garantien, die diese Trennung begleiten würden; bei dem Konkordat stehe der Staat sich besser als bei der Unabhängigkeit der Kirche. Für die Trennung der Kirche und des Staates sei nie eine Mehrheit vorhanden gewesen. Die Kammer könne nicht das gegenwärtige Verhältnis schlechthin durch ein neues ersetzen, denn es wäre gefährlich, ein so großes Werk ohne Schaffung der nötigen Garantien durchzuführen. Das Kultusbudget müsse daher wieder in den Etat ausgenommen werden. (Beifall auf vielen Bänken. Lebhafte Bewegung.) Der Berichterstatter für das Budget, Merlou, besteht auf die Aufhebung des Budgets des Kultus und verlangt von der Regierung, daß sie Verhandlungen einleite zur Kündigung des Konkordats. Sembat betont, es sei wohl möglich, sofort die Trennung von Kirche und Staat durchzuführen. Endlich beschließt die Kammer, in die Beratung der einzelnen Artikel des Kultusbudgets ein- zutreten.
Rom, 17. Dez. Kammer. Der Präsident stellt den von Paulano und Genossen eingebrachten Antrag zur Abstimmung, wonach dieCensur überFerri aufgehoben und dieser zur Erläuterung seiner Worte zugelassen werden solle. Der Antrag Paulano wird durch Sitzenbleiben und Aufstehen abgelehnt. In diesem Augenblick schlägtFerri, der hinter einer Glasthür steht, die Scheiben ein und schreit: Die parlamentarische Camorra dauert fort! (Heiterkeit, minutenlange Unruhe.) Der Antrag Luzzatti, betr. Besserung der Zustände in Neapel und Süditalien wird alsdann angenommen. — Ein neuer Sturm erhob sich, als General Afan Rivera den Antrag begründete auf Einsetzung eines Komitees von fünf Abgeordneten zur Prüfung der Anklagen gegen chn. Die Sitzung wird darauf suspendiert. Defelice forderte Afan Rivera auf, vor den bürgerlichen Gerichten die verleumderischen Blätter zu verklagen, was der General ab lehnt, da die Sozialisten in chm nur. das Heer treffen wollten. Darauf wurde der Antrag angenommen.
Wien, 17. Dez. Abgeordnetenhaus. Der Pole Olczewski interpelliert den Ministerpräsidenten wegen des Verbots der Lemberger Statthalterei an die Staatsbeamten, an den Versammlungen und Sammlungen für Wreschen sich zu beteiligen. Der Alldeutsche Bareuther begründet einen Antrag auf Eröffnung der Debatte über die Antwort v. Körbers auf die Anfrage wegen der Vorbereitung des Staatsstreichs. Der Antrag wird abgelehnt. Die Alldeutschen wendeten sich mit entrüstetem Zwischenruf gegen die Linke. (Lärm.) Abg. Berger ruft: Ihr seid feiges Gestndel.
Triest, 17. Dez. Die Uebertritts-Bewegung bei der slawischen Bevölkerug nimmt größere Dimensionen an. Nachdem bereits die gesamte Bevölkerung mehrerer größerer Landgemeinden vom römisch-katholischen zum griechisch-katholischen Glauben übergetreten ist, sind nunmehr auch in der hiesigen Vorstadt Rojano 800 Personen diesem Beispiele gefolgt.
Budapest, 17. Dez. Der Landesverband der Landwirt- schastsvereine beschloß, die Regierung aufzufordern, die landwirtschaftlichen Maximalzölle des gemeinsamen Zolltarifs wenigstens so hoch, als diejenigen des deutschen Zolltarifs zu bemessen.
Konstantinopel, 17. Dez. Drei bulgarische Grenzsoldaten, die im Nebel einige Schritte über die türki- sche Grenze gerieten, wurden am 11. ds. im Bezirk Paschmakla bei Tschiltepe im Vilajet Adrianopel von 10 türkischen Soldaten unter dem Leutnant Mustafa und von mehreren Civil-Personen überfallen und beschossen. Die türkischen Soldaten waren vorn 15. Bataillon in Kirdialj. Zwei bulgarischen Soldaten gelang es zu entfliehen, der dritte aber wurde 4 Kilometer weit ins Innere bis nach dem Dorfe Dolahar geschleppt, wo Leutnant Mustafa ihn enthaupten und seine Leiche vollständig berauben und entkleiden ließ. Der abgeschlagene Kops wurde dem türkischen Kaimakam von Paschmakla gesandt. Bulgarien verlangt zunächst die Auslieferung der Leiche, des Kopfes, der geraubten Kleider und Waffen, kündigt aber gleichzeitig an, daß es sich darüber hinaus Genugthuung verschaffen werde.
Vom Burenkriege.
Der englische Oberst Price stieß, wie die Engländer aus Kapstadt melden, am 14. d .Mts. bei Twaaihontein auf die Schützen Odendals und Wessels. „Der Feind", der 60 Mann stark war und 85 Pferde hatte, befand sich in einer festen Stellung unterhalb der Patriotsklip-Berge und hielt auch die Höhen besetzt. Eine Abteilung Ko^- nialtruppen erstürmte das Lager, wobei ein Offizien und zwei Mann.verwundet wurden. Die Buren flohen in die Berge, sie ließen 79 Pferde und Maultiere,, ihre Munition, Sättel und andere Ausrüstungsgegenstände zurück. Oberst Price hat die Verfolgung ausgenommen.
Lord Kitchener meldet ferner mit alter Schönrederei aus Pretoria: Während der verflossenen Woche wurden 31 Buren getötet, 7 verwundet, 372 gefangen, 48 ergaben sich. Nach eingehender Beschreibung der Einzelheiten der verschiedenen im Gange befindlichen Operationen schließt Kitchener seinen Bericht: Es bestätigt sich, daß Maritz ernstlich verwundet. Die Fortschritte des letzten Teils der Woche seien sehr befriedigend. Die einzelnen Truppenabteilungen arbeiteten sehr eifrig. Alle Truppen sind von einem vorzüglichen Geiste beseelt und leisteten das Aeußerfte, um den hartnäckigenWider st anddes Feindes zu brechen. — General French berichtet: Kommandant Kruitzinge r ist bei dem Versuche, die Blockhäuserlinie in der Nähe von Hanoverrvad zu überschreiten, schwer verwundet und gefangen genommen worden.
Dieser Tage kam erst die Meldung von der Gefangennahme Bothas und heute die Kruitzingers. Wie die erstere, wird wohl auch diese Meldung eine Bestätigung nicht finden. Es ist so oft in die Welt hinausposaunt worden, daß Dewet gefangen, Stein tot sei usw., daß man auch dieser neuesten Meldung vorläufig keinen Glauben zu schenken nötig hat.
Tie belgische Kammer setzte am 17 .d. M. die De- oatte der Interpellation Vandervelde über die Konzentrationslager fort Ter Minister Beornaert, der cu5 Ver
treter Belgiens der Haager Friedenskonferenz beiwohnte, hielt eine längere Rede, worin er die Tragweite der Haager Beschlüsse darlegte. Er bedauerte, daß nicht auch diejenigen Mächte, welche dieselben nicht unterzeichnet haben, Zuflucht zu dem Schiedsgerichte nehmen könnten. Redner bedauert weiter, daß seit der Haager Konferenz Kriege auf Kuba, aus ,en Philippinen, in China und in Südafrika stattgefunden haben. Leider, sagte er, werde die Gew alt immer vor Recht gehen, und was könne das kleine Belgien dagegen thun! Ter Redner schließt, indem er die Hoffnung ausdrückt, daß die Haager Beschlüsse bald von der That in die Praxis übergehen mögen. Belgien könne in dieser Beziehung eine Rolle spielen. Er beabsichtige bei Beratung des Budgets des Aeußern diesbezügliche Vorschläge zu machen. Die Rede wurde von der gesamten Kammer mit Beifall aufgenomen. Staatsminister Woeste schlägt folgende Tagesordnung vor: „Im Bewußtsein der Pflichten, welche die Neutralität ihr auf erlegt, und in der U -eb erzeugung, daß die Krieg- ührenden sich, die Pflichten der Menschlichkeit angelegen sein laifcn (??), geht die Kammer zur Tagesordnung über." Diese Tagesordnung wird von den Sozialisten bekämpft. Der Minister des Auswärtigen de Favereau lehnt auch diese ab, da sie das englische Violk verletze. Ter Minister schließt sich der einfachen Tagesordnung an, die von der Kammer mit sehr knapper Majorität angenommen wird.
Die Mitglieder des Rates von Bern haben, bis auf einige wenige Ausnahmen, ihre parlamentarischen D i ä t e n in die Kasse zurUnterftützungderBuren- familien fließen lassen.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik desindtichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 18. Dezember 1901.
Gedenket der hungernden Vögel!
" Ernennungen. Zu Regierungsassessoren wurden ernannt die Jinanzaccessisten Karl Hanack aus Kirch-Göns, Wilhelm Ploch aus Gießen, Anton Ueberl.e aus Mainz und Julius Wörner aus Bad-Nauheim.
S. Ernennungen. (Telephon-Meld, des „Gieß. Anz.") Der Gvoßherzog hat dem Pfarrverwalter Rud. Marx zu Lißberg (Dek. Büdingen) die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen und den vom Grafen zu Schlitz gen. v. Goertz, auf die erste evang. Pfarrstelle zu Schlitz (Dek. Lauterbach) präsentierten zweiten Pfarrer Fritz Schmidt für diese Stelle bestätigt.
** Eissport Wie man uns mitteilt, wird morgen vormittag 10 Uhr die Eisbahn eröffnet. Heute abend einhalb 6 Uhr wird die Bahn probeweise elektrisch beleuchtet werden.
** Aus dem Theaterbureau. Am Donnerstag beginnen „die Tegernsees ihr auf fünf Vorstellungen berechnetes Gastspiel mit dem oberbayrischen Volksstück „die schöne Millibäuerin vonTegernsee". Tie Tegernseer benutzen für ihre Aufführungen eigene Originaltrachten und Requisiten. In jeder Vorstellung treten Nationalfänger und Schuhplattlertänzer auf; ferner werden die Zwischenpausen durch Zither- und Streich-Melodien- Vorträge des vorzüglichen Tegernseer Virtuosen-Quintetts ausgefüllt Der Vorverkauf der Billets findet in der Musikalienhandlung des Herrn Ern st Challier statt
*• Sonder-Personenzüge. Zur Bewältigung"des Weihnachtsverkehrs verkehren auch in diesem Jahre Sonderzüge auf den Eisenbahnstrecken. Einer von der Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. herausgegebenen Zusammenstellung entnehmen wir folgendes:
I. Strecke Cöln-Gießen. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Cöln 9.50 vorm., Betzdorf an 12.20, Wetzlar an 2.15 nachm., Gießen an 2.30. Am 21., 22., 24. und 27. Dezember ab Kalk (Süd) 12.23 mittags, Betzdorf an 2.37, Wetzlar an 4.30 nachm., Gießen an 4.47. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Cöln (Hauptbhf.) 2.57 nachm., Betzdorf an 5.22, Wetzlar an 7.26, Gießen an 7.40. Am 21. Dezember ab Köln (Hauptbhf.) nachm. 7.25, Betzdorf an 9.54 (sämtlich 1—4. Klasse).
II. Gießen-Cöln. Am 27. Dezember ab Dillenburg 7.47 vorm., Betzdorf an 9.04, Cöln an 11.14. Am 21. Dezember ab Betzdorf 12.32, Cöln an 2.58 nachm. Am 22., 24., 27. Dezember und 2. Januar ab Dillenburg 11.08 vorm., Betzdorf ab 12.32, Cöln an 2.58 nachm. Am 21. und 27. Dezember ab Betzdorf 2.52, an Cöln 5.12 nachm. Am 2. Januar ab Dillenburg 1.35, Betzdorf an 2.52, Cöln an 5.12 nachm. Am 21., 22., 24. und 27. Dezember ab Gießen 5.35 nachnu, Betzdorf an 8.25, Cöln an 10.37 nachm. (sämtlich 1.—4. Klasse).
III. Frankfurt a. M. — Gießen — Marburg — Kassel. Am 21., 22., 23., 24. und 27. Dezember ab Frankfurt 2.40 nachmittags, an Gießen 4.17, an Marburg 5.44, Kassel an 8.44 abends. Am 21. und 24. Dezember ab Frankfurt 5.30 nachmittags, Gießen an 7.38, Marburg an 8.35, Kassel an 11.16 (1.—4. Klaffe). Auf der gleichen Linie verkehren in umgekehrter Richtung folgende Züge: Am 21., 22. und 24. Dezember ab Kassel 8.07 vormittags, Marburg an 10.52, Gießen an 11.41, Frankfurt an 2.03 nachmittags (1.—4. ' Klasse). Am 21. und 27. Dezember ab Frohnhausen 2.48 nachmittags, Gießen an 3.11, Frankfurt an 8.40 (2.-4. Klasse).
IV. Gießen — Fulda. Ab Gießen am 21. und 24. Dezember 5.00, an Alsfeld 6.43 nachmittags; Fulda—Gießen am 27. Dezember ab Fulda 2.12, ab Alsfeld 3.09, an Gießen 4.31 nachmittags.
V. Gießen — Cöln. Am 21., 22. und 24. Dezember ab Gießen 3.15 nachmittags, Betzdorf an 5.36, Cöln an 7.56 nachmittags.
(o) Von der Rabenau, 17. Dez. Man hört gegenwärtig die Landwirte oft über die Unzuverlässigkeit ihrer Arbeiter klagen. Daß die Klagen nicht ungerechtfertigt sind, beweist folgender Vorfall: Am 4. ds. hatten die Knechte eines hiesigen Pachters einen kritischen Tag erster Ordnung. Sie wurden bei der gelinden Witterung mit Ackerfahren beschäftigt und machten Eingespanne. Während der Frühstückszeit ließen sie die Pferde und Ochsen auf dem Felde stehen und gingen in den mindestens 1000 Meter entfernten Gemeindewald zu den Holzhauern. Run wurden von diesen 4 Liter Branntwein geholt (obgleich diesen das Trinken in Gemeinschaft verboten ist), den sie gemeinschaftlich mit den Knechten tranken. Als sich die letzteren genüaenb gelabt hatten und
die Stunde kam, wo ausgespannt werden sollte, machten sie sich auf den Weg zu ihren Gespannen. Die Knechte S. und Th. kamen zu Fall, der Knecht K. aber nahm den Th. mit und warf ihn auf den Wagen, S. ließ er liegen. Dann spannte er die vier Pferde an und kettete die Ochsen mit einer Spannkette an den Hinterwagen. So ging es im Trab nach Hause. Die Ochsen, die keine Freunde vom Lausen sind, wurden gewaltsam mitgerissen. Am Dorfe angelangt, begnügte sich der Leiter des Fuhrwerks nicht einmal mit Trab, fahren, jetzt ging es in den Galopp über, sodaß alle Bewohner des Oberdorfes zufammenliefen. Man muß sich wundern, daß kein größeres Unglück vörgekommen ist, als daß der eine Ochse dem Erkehlen nahe ipar. Die Holzhauer fanden, als sie abends nach Hause gingen, den anderen Knecht auf dem Felde liegen und nahmen chn mit. Bevor sie ihn aber heimbrachten, ließen sie ihm in dem am Wege gelegenen Sauplatzteich eine Erfrischung zu Teil werden.
-n. Aus dem Vogelsberg, 16. Dez. Wie wir hören, haben die Bewohner des hohen Vogelsberges an den Groß. Herzog während seines Aufenthaltes m Birst ein eine S)epu. tation geschickt, um ihm die Bitten der Anwohner bezüglich der Bahnfrage, die die Gemüter immer mehr aufregt, noch einmal vorzutragen. Ueber den Erfolg der Unterrebuug ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Es mag über die Sache noch so viel „für” oder „wider" geschrieben werden, so viel jedenfalls steht fest, daß im Vogelsberg große Erbitterung über den Kammerbeschluß bezügl. des Bahnbaues herrscht. Daß gerade die Abgeordneten des Vogelsberges für die Bahn über den hohen Vogelsberg gestimmt haben, ändert nichts an der Sache. Wir im Vogelsberg, haben Beweise dafür, daß auch Abgeordnete recht unpraktisch sein können. Dafür, daß Ingenieure nicht immer das Richtige treffen, haben wir auch im Vogelsberge Beweise. Denken wir nur an die Straßen Gedern—Ober-Seemen und Herchenhain—Sichenhausen, für die auch die höchsten Stellen ausgesucht wurden und die heute von Fuhrwerken nur unter Lebensgefahr benutzt werden können.
A. Darmstadt, 17. Dez. Der Großherzog, der heute Abend wieder wohlbehalten von der Jagd des Fürsten Birstein zurückgekehrt ist, wird kommenden Samstag Abend 8 Uhr 5 Min. nach Kiel abreifen, um die Weihnachtsfeiertage in der Familie des Prinzen Heinrich mit seiner anderen aus Ruß. land daselbst eingetroffenen Schwester und deren Gemahl Großfürst Sergius zu verbringen. Die Rückreise erfolgt voc Neujahr. Die russischen Fürstlichkeiten werden den Großherzog hierher begleiten, um einige Wochen am hiesigen Hofe zu verweilen. Da der Umbau des „neuen Palais" bis dahin fertiggestellt und die Einrichtung der Wohnräume vollendet ist, wird der Großherzog von da ab wieder im neuen Palais residieren.
Hanau, 16. Dez- In einer hiesigen Wirtschaft kam es in der Nacht auf Sonntag zwischen dem in Bergen bei Frankfurt ansässigen Major a. D- Wa gner und einigen anderen Gästen zu tz a n d g r e i f l i ch k e i t e n, wobei Major Wagner so unglücklich in ein Fenster fiel, daß er durch die Glassplitter im Gesicht und am Kops schwere Verletzungen erlitt. W- mußte in ein hiesiges Krauten haus gebracht werden. — Hier macht seit einiger Zeit ein Mensch in den Straßen der Stadt Angriffe aus Frauen und, Mädchen. Es ist das Gerücht, er habe eine zur Kirchss gehende Dame in den Arm gestochen.
Vermischtes.
• Kiel, 17. Dez. Der Messerstecher wurde in der Person eines aus Oesterreich stammenden, von der Universität wegen Diebstahl verwiesenen Studenten der Medizin festgestellt.
* Hamburg, 17. Dez. Noch nicht dagewesen dürfte der Fall fein, daß ein deutscher Referendar und Doktor juris unter dem Verdachte, ein Zuhälter xu sein, in Haft genommen wird. Ein hiesiger Referendar, der eben im Assessorexamen steht und schon die schriftliche Arbeit abgeliefert hat, ist auf Anordnung des Untersuchungsrichters! unter dem Verdachte, sich gegen die Lex Heinze vergangen zu haben, verhaftet worden. Er habe, so heißt es, ein Mädchen zur gewerbsmäßigen Unzucht verleitet und den Ertrag mit ihr geteilt.
• Freiberg i. S., 17. Dez. Heute Mittag flog die Gelatinebude der Dresdener Dynamitfabrik bei Freiberg in die Luft. Zwei Arbeiter wurden getötet, einerschwer, mehrere andere leicht verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt.
• 5. Zionisten-Kongreß. Man schreibt uns aus Basel: Das Programm der seit einigen Jahren in den verschiedenen Ländern aller Weltteile existierenden zionistischen Bewegung geht dahin, daß die Schaffung einer öffentlichen, rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden im Lande ihrer Väter anzustreben sei. Auch heuer wird in Basel ein Zionisten- Kongreß stattsinden. Die Verhandlungen beginnen am 26. Dezember und sollen 4 Tage währen.
Universitäts-Nachrichten.
Berlin, 16. Dez. Für den Neubau der Berliner Universität ist jetzt endgiltig das Baugelände gewählt. Auf Anregung des jetzigen Prorektors Prof. Adolf H a r n a ck und mit Zustimmung des Kaisers hat sich die Unterrichtsoerwaltung für das Gelände entschieden, das sich nördlich von: Universitätsgrundstück jenseits der Dorotheenstraße besindet. Als Mittelpunkt der neuen Anlage wird das schon jetzt der Hochschlnle gehörige Haus Dorotheenstraße o dienen, worin zurzeit das Institut für Altertumskunde, das botanische Universüätsinslitut, das englische, germanische und historische Seminar untergebracht sind. Hinzugenonnnen werden ferner die Nachbarhäuser Torotheenstraße 4 (dein Militär- siskus gehörig) und das neugebaute Eckhaus Dorotheenstraße 6 (an der Unioersitätsstraße), ferner die auf der Rückseite gelegenen Grundstücke in der Georgenstraße und die Häuser an der Ogseite der Universitätsstraße bis einschließlich 3 a. Es ist also das ganze umfangreiche Geviert, das von der Dorotheenstraße, dem Hegelplatz, der Georgen- und Universitätsstraße begrenzt wird, für den Neubau der Universität ins Auge gefaßt. Ferner ist noch eine Erweiterung des Universitätsgebäudes geplant. Zum Mindesten soll der an die Universitätsstraße grenzende Westflügel ausgebaut und die ganze Universitätsstraße entlang bis zur Toroiheenstraße geführt werden. Damit käme die alte Universität mit der neuen in saft unmittelbaren Zusammenhang. Der jetzige botanische Unwersitätsgarten würde verschwinden, da der neue große botanische Garten In Dahlen hinreichenden Ersatz bietet Auch die beiden Baracken im Kastanienwäldchen, von denen eure von der akademischen Lesehalle benutzt wird, die andere erst neuerdings für Vorlesungszwecke erbaut wordm ist, werden mit der Neugestaltung der Verhältnisse zum Abbruch kommen. Verhandlungen mit den Eigentümern der anzutaufenden


