Ausgabe 
19.12.1901 Drittes Blatt
 
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I imnbffütfe sind schon eingeleitet oder beendet, so daß bereits rchlußfcheine abgegeben werden konnten.

Petersburg, 17. Tez. Ter .Regierungsbote' teilt mit: $n \ji letzten Tagen ließen sich an der Charta wer Universität rüderholt Studenten Ruhestörungen au schulden kommen, nblge deren 52 Studenten von dem Profeiforen-Kollegiuin von Pti Universität ausgeschlossen wurden. Tas Professoren-Kollegium ^suchte den Unlerrichlsnrinisler um Verhaltnngsmaßregeln, um die Ordnung sicher zu stellen. Ter Minister empfiehlt zur Regelung I Ganges des Unterrichts: 1. Tie Vorlesungen in den Labora- 3 Ti en der Kliniken sind nicht abzubrechen; 2. die Universitäts- Börden haben sogleich zur Ausklärung der Schuld der Studenten r ihritte zu unternehmen, damit die Schuldigen Verweisungen oder ! keftrasungen bis Ausschluß von der Umveriität auf eine gewisse ![ *Jcat erhalten; 3. die Professoren sollen diejenigen Studenten, die "cb an den Ruhestörungen beteiligt haben, um ihre Mitwirkung er­suchen und den im letzten Semefter stehenden Studenten bekannt geben, daß diejenigen, welche den regelmäßigen Gang des Unter­richts hindern, nicht zum Staatsexamen zugelassen werden.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter Oper. Die Spekulation Burgstaller ist verunglückt und die Frankfurter Oper kostet der Luxus eines .Wagnerjängers" Alk. 25 000, zuzüglich der diversen Tausende, die fiic die Heranziehung fremder Tenöre zur Bewältigung des uiuim- cäirglich nötigen Repertoires verausgabt werden mußten. Die ipantiurter Oper ist finanziell so gestellt, daß sie sich sehr wohl timen tüchtigen Wagnersänger leisten könnte, vor allem muß dieser Wiagnerspezialist aber Lohengrin, Tannhäuser und Tristan, sowie 9i enzi singen tonnen. das kann aber der in Bayreuth durchaus einseitig gebildete Burgstaller nicht. Außerdem müßte dieser Ldagncrfänger auch Repertoiresänger sein und das wird Herr Burgstaller leider Gottes nie. Was speziell den Taiinhäuser anbe- ir sft, so sollte ihn Burgstaller vor geraumer Zeit schon in Tärm­ste dt fingen, doch wurde die Vorstellung in letzter Minute abgesagt, der letzten Zeit sanden hier zahlreiche Proben statt, aber es ging nicht; die Intendanz ist auch nicht gesonnen, das Experiment ni cymals zu wagen, weil sie zu gewissenhaft ist, das Renoimnö des Künstlers zu gefährden und well sie keine Lust hat, für das Fiasko Hinhalten zu müssen. Herr Burgstaller hat den Sigmund unb cuegfrieb schon prachtvoll gesungen, aber sein Ritter Stoltzing läßt on nach, und es ist ein recht peinliches Gefühl, an ben langen Äagner-Abenden ben Kampf des Künstlers gegen das Nachlaßen dar stimmlichen und physischen Kräfte beobachten au müssen. Burg­staller bedarf absoluter Ruhe und Schonung, jein künstlerisches R'iturell ist nicht süc den theatralischen Tagesbetrieb geschaffen, des- i)t Ib war auch der fatale Ausgang des Frankfurter Engagements mnauszusehen. In Bayreuch wird Burgstaller der tonschöne ideale Suegineb bleiben; hoffentlich zwingt ihn die grausame Rot nicht in bau harten Dienst der Tagesarbech denn dieser ist er nicht g! wachsen.

ftöln, 16. Dez. Der Goetheforscher Prof. D ü n tz e r ist heute srlh gestorben.

Auf der unter dem Protektorate des Königs von Sachsen im Jahre 1903 in Dresden stattfindenden Deutschen Städte-Ausstellung wird sich auch eine Ausstellungsgruppe für Statistik und Litter atur befinden. Im statistischen Teile werden neben der Organi- ftckion der amtlichen Statistik auch statistische Thatsachen aus den letzten 25 bis 30 Jahren zur Ausstellung gelangen. Da in einer Ausstellung auf eine die Vergleichung er­möglichende Darstellungsweise der statistischen Ergebnisse dns größte Gewicht gelegt werden muß, dies aber nur bei einheitlichem Vorgehen der beteiligten Städte erreicht wer­fen kann, so ist in Aussicht genommen worden, das ge­samte in Betracht kommende statistische Thatsachenmaterial tu eine Anzahl von Gruppen zu verteilen, und die Be­arbeitung jeder einzelnen derselben einem der statistischen Fachmänner, die sich hierzu bereit erklärt haben, zu über­tragen. In der statistischen Gruppe sollen nach den gegen­wärtigen Planungen der Stand und die Bewegung der Bevölkerung einschließlich der Todesursachen, die Berufs- umb Gewerbeverhältnisse, die Wohlstands- und Gmndbesrtz- rserhältnisse, die Wohnungsverhältnisse, die Schülerstatistik, biie Jndividualarmenstatistik, die Krankenversicherung, die Wahlen, die klimatischen Verhältnisse, die Lebensmittel- ir nb Warenpreise unb bas Stabtgebiet zur Veranschaulich- irng gelangen, unb außerbem sind statistische Leistungen ber Stabte, bie über ben Rahmen ber geplanten, ver- glleichenben Darstellung hinausgehen, in hohem Grade er­wünscht. In der Gruppe für Sitteratur soll bie gedruckte Lütteratur über Gemeindeversassung und -Verwaltung seit d em Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gezeigt werden, wobei jedoch beabsichtigt ist, von rein rechnerischen Ver- c ffentlichungen (Haushaltpläne, Rechenschaftsberichte und Lermögensverzeichnisse) sowie von den Sitzungsvrotokollen ber städtischen Körperschaften in ber Regel nur die ältesten mnb neuesten Jahrgänge auszunehmen. An der Spitze des Ausschusses für die Gruppe Statistik und Litteratur steht Dr. Würzburger, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Dresden.

Gerichtssaal.

-z- Gieße«, 17. Dea. Schöffengericht. Unter dem Vorsitz Anitsgerichtsrats Gebhardt verhandelte bas hiesige Schöffen­gericht heule u. a. gegen ein Dienstmädchen aus Wetzlar, zuletzt hier rot Stellung. Sie entwendete hier chrer Dienstherrschaft Geld und «Äenußmittcl, wofür sie in ihrem Liebsten, einem Vaterlandsvertei- iriger, einen bereitwilligen und dankbaren Abnehmer fand. Die 5?lngeHagte erhielt eine Gefängnißstrase von 3 Wochen, bezw. eine Haslstrase von 1 Woche, welch letztere durch die erlittene Unter­suchungshaft als veibüßt gilt. Wegen des gleichen Telllts wird rin Arbeiter aus Lang-Göns in eine Gefängnisstrafe von 5 Tagen verurteilt. Ein hiesiger, vielfach vorbestrafter Hausierer wurde liegen Ruhestörung, Beamtenbeleidiaung und Widerstandes in eine «jesängnisstrafe von 3 Monaten 4 Wochen genommen und wegen Aebertretung des § 360 Abs. 11 in eine Hallstrafe von 20 Tagen, Joie durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Ein hiesiger Installateur, der sich wegen Unterschlagung zu verantworten hat, rnürd trotz feiner Unschuldsbeteuerung für schuldig befunden, von einem ihm zur Reparatur übergebenen Fahrrad Gummischlauch rund Mantel entfernt und diese Teile anderweitig verwertet zu haben. Der vorbestrafte Angeklagte erhält für diese seine Strafchat eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen.

Limburg a. d. L., 17. Dez. In der gestrigen Schwurgerichts- fntzung wurde gegen ben Arbeiter H. Nagel von Klein-Altenstädten roegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg ver- biandelt. Nagel kam bekanntlich auf bem Wege nach Klein-Alten- Mdten kurz vor der Heger'schen Wirtschaft m Streit mit dem Mechaniker Schäfer, Kaufmann Luy und Frau, unb Schreiner- rmeister Haupt und Frau aus Wetzlar. Ueder den Thatbestand arg ab bie Berhandlugg folgendes: Im Vorbeigehen stieß Siegel den Mechaniker Schäfer dermaßen mit der Faust gegen die Brust, daß «övchäfer auf die Erde flog und Nagel über ihn. Beide walzten fisch mehrereniale auf der Straße hm und her und waren denn plötzlich wieder auf den Beinen. Kaufmann Luy, der Schäfer zu Gllfe kommen wollte, nahm sodann wahr, daß Nagel das Messer Mezückt hatte und rief dem Schreinernieister W. Haupt zu:Willy, münm Dich in Acht, der hat ja ein Messer!" In demselben Moment dtrang Nagel mit dem gezückten Messer auf Kaufmann Luy und Nchreinermeister Haupt ein, die sich mit ihren Stöcken, so gut wie möglich, zu wehren suchten. Nagel sprang aber trotz der Stockhiebe, rwelche ihn trafen, auf Haupt los und versetzte ihm mit großer Wucht mehrere Stiche, worauf Schreinermeister Haupt und Kauf­mann Luy fchleunigst Kehn mochten und davonftefen. Nach un­

gefähr 30 Schritten fiel der Schreinermeisier Haupt zu Boden und verschied in wenigen Sekunden. Er hatte zwei Verletzungen, die beide unbedingt tödtlich waren. Tie Verteidigung des Arbeiters Nagel, daß er in Notwehr gehandelt, erwies sich als vollständig unwahr. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen beantragte die Staats­anwaltschaft eine Zuchthaus st rafe von 12 Jahren und Ehrverlust auf die Tauer von 10 Jahren. Tas Gericht erkannte dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend.

Arlicitcrdcwtginig.

3t. Etienne, 17. Dez. 3000 Weber sind in den Aus­stand getreten. Tie Ausständigen durchziehen truvpweise die Straßen der Stadt. Unruhen sind bis jetzt nicht vorgekommen.

Barcelona, 17. Tez. Ter Metallarbeite raus st and nimmt einen ernsten Charakter an. Tie Streckenden übten allerlei Gewaltthätigkeiten aus. Tie öffentlichen Gebäude werden stark bewacht, C-endarmerie patroulliert durch die Straßen. Einige Renkontre haben bereits stattgefunden.

Fiume, 17. Tez. Tie Matrosen der Ungarisch-Kroatischen Seeschiffahrtsgesellschaft organisierten im (Geheimen einen Aus­stand und die Bemannung eines SchnelldampfersPamronia" verweigerte heute kurz vor der Abfahrt des Schiffes den Dienst. Die Direktion wandte sich an die Seebehörde, welche genügend Hafenpiloten auf den Dampfer entsandte, sodaß derselbe nach Tal- matien abgehen konnte. Tie Ausständigen lärmten und protestier­ten, wurden jedoch von der Polizei zerstreut. Auch die Bemannung der anderen Dampfer der Gesellschaft will zwecks Verbesserung der Löhne in den Ausstand treten.

Zandcl und Ncrlrchr. Nolkswirlschast.

Wetzlar, 17. Tez. Die chemische Fabrik Wetzlar ging am Samstag in öffentlicher Versteigerung für 175.000 Mk. an den Hauptgläubiger, das Bankhaus Oppenheimer in Köln, über.

Dortmund, 17. Dez. Ter Hör der Verein entläßt mit Jahresschluß gegen 100 Arbeiter, hofft aber zu größeren Enllassungen nicht schreiten zu müssen.

Petersburg, 17. Dez. Aus Baku wird gemeldet, daß in einer Privatversammlung der Naphtha-Industriellen, die sich mit der Frage des Naphtha-Exports oescyäfttgte, Nobel und Manta- schew sich vom Verbände lossagten. Die übrigen Teilnehmer mit Rothschild an ber Spitze hätten einen93 e r b a n b f ü r Naph­tha a u s s u h r" gegründet, wodurch man eine Besserung der Preise erwarte.

Sport.

Paris, 16. Dez. Wie es heißt, soll König Leopold dem Vor­sitzenden des Automobil-Klubs mitgeteilt haben, daß er beabsichtige, einen Weg von Norden nach Süden durch Belgien zu bauen, ber nur für Automobilwagen und F ahrräder be­stimmt sein soll.

Litterarische Neuerscheinungen.

(Besprechung Vorbehalten.)

Draufewetter, Ernst, Knecht Ruprecht. Jllustr. Jahr­buch für Knaben und Mädchen. Bd. 111. (63 ö.) Köln, Schas- ftein u. Co. Geb. 3 Alk.

D e h m e l, Paula u. Richard,Fitzebutze/ Allerhand Schnick­schnack für Kinder. Nick Bildern von Ernst Kreidolf. Neue »erb. Ausl. 15. Tausend. (40 S.) Ebenda. Geb. 3 Mk.

Kreidolf. Ernst, ..Die schlafenden Bäume". Ein Märchen in Bildern und Versen. Ebenda. Geb. 1 Mk.

Blumenmärchen." Bilder, Texte und Lckhographie. Ebenda. Geb. 3 Mk.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Dezember

17.

17.

18.

5 'S'

742,5

5,8

2,9

83

739,9

11,6

1,8

90

NW

735,7

10,7

2,0

98

N.

Wetter

2 Sonnenschein

2 sternh. Himmel

2 Nebel

Höchste Temperatur

Nieorigste

am 16. bis 17. Dez. 4,9° C.

, 16. , 17. ,11,6° C.

Neueste Meldungen.

Lriginaldrahtnreldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 18. Dez. Der Rektor der Universität hat die vom Verein deutscher Studenten nachgesuchte Studenteuversammluug zur Besprechung der Polen- frage untersagt. Es haben nun in der üblichen Weise drei Alte Herren, die Doktoren Zeidler, Wendland und Hozsch, eine allgemeine akademische Versammlung nach der Ton- halle auf heute Abend einberufen und ein Flugblatt zu diese« Zwecke verbreitet, in dem es zum Schluffe heißt:Ein Haufe polnischer Studenten hat das Kolleg des Prof. Schiemann über die Polenftage in unerhörtester, allen studentischen Anstandsbegriffen Hohn sprechender Weise zu ver­hindern gesucht. Kommilitouen, wollt Ihr diese Verletzung Eurer nationalen Ehre, die Euch auf Eurem eigensten Boden zugefügt wurde, ruhig hinnehmen? Eure Würde als Deutsche, Eure Ehre als Studenten gebietet Euch, auf diese polnische Anmaßung eine deutliche deutsche Antwort zu geben."

Paris, 18. Dezember. Hauptmann Guyot de Ville- neu ve, der wegen eines Glückwunschschreibens an den Natio­nalisten Sylveftol mit 60 Tage» Arrest bestraft wurde, hat seine Entlassung eingereicht. Zn einem imGaulois" veröffent­lichten 9rief an den Kriegsminister erklärt er. er trete aus der Armee aus, weil er über verschiedene Maßnahmen des Kriegsministers Andree und seiues Vorgängers Gallifet empört sei.

Paris, 18. Dez, Zwischen dem wegen seiues Romans gemaßregelten Schiffsoffizier de Raisou und dem Schisssleut- aaut Roubiot, der sich durch mehrere Anspielungen in diesem Roman getroffen fühlt, fand gestern Abend ein Degenduell statt, bei dem ersterer leicht am Arm verwundet wurde. Es heißt, daß de Raisou noch von verschiedenen Seeoffizieren wegen dieses Romans Forderungen erhalten wird.

Marseille, 18. Dez. Die Lage des 800 Meter von der Rhonemündung gestrandeten DampfersKleber" ist kri­tisch gewoidev. Der Obermaat wurde über Bord gespült und ertrank. Rettungsboote konnten sich bisher dem Dampfer nicht nähern.

Brest, 18. Dez. Hier fand gestern eine Versammlung von 3000 Arbeitern des Kriegshafens statt, in der eine Resolution angenommen wurde, daß nur eiu Gesamt au 8 st au d den Ar- beitem zur Erlangung ihrer Forderungen verhelfen könne»

Don den Hafenarbeitern in Cherbourg wurde ein ähnlicher Do schloß gefaßt.

Rom, 18.Dez. Eine Anzahl italienischer Studenten richtete au die deutsche und russische Botschaft folgendes Tele­gramm:Die Studenten des römischen AthenaeumS rufen; ihren von russischer und deutscher Tyrannei unter­drückten polnischen Kommilitonen Beifall zu unb erklären ihre Solidarität mit der Sache der polnischen Un­abhängigkeit." Gleichzeitig bildete sich ein Komitee zur Wiederaufnahme der polnischen Propaganda in Italien.

New-Aork, 18. Dez. Der Vuudessenat genehmigt e mit 72 gegen 6 Stimmen den Kanalvertrag unb beantragte iw JustizauSschuß baldigst ein Gesetz gegen den Anarchismus vorzulegen. Ter Marineminister hat das Urteil des Ehren- gerichts in der Assaire Schley-Sampsou noch nicht bestätigt. Er wartet erst den Eingang von Schic y s Protest ab.

93 er (in, 18. Tez. Auf Veranlassung der Staatsanwalb- schaft wurde gestern bie von der BuchhandlungVorwärts" yerausgegebene WeihnachtszeitungArbeitslos" konfisziert. Gesunden wurden in der Buchhandlung ca. 13 OOu, in ber Truckerei 17 000 teilweise noch unfertige Exemplare. Auch die Platten wurden aus der Maschine ge­nommen und mit Beschlag belegt Tie Beschlagnahme er­folgte auf Grund des Aufreizungs-Paragraphen des Straf­gesetzbuches. Wie derVorwärts" berichtet, hat die Staats^- anwaltschaft diese Aufreizung in dem Gesamtinhalt, befon* ders aber in dem Gedichte auf der Titelseite gefunden. Marquis Ito hat mit seiner Begleitung gestern Berliw nach zwölftägigem Aufenthalt wieder verlassen, lieber den Eindruck, mit dem die Herren von hier scheiden, sprach sich einer derselben dahin aus, daß die Herren sehr be* friedigt von Berlin obreren. Mit besonderer Dankbar­keit gedachten sie des Kaisers. Er sei überaus gnädig zu ihnen gewesen und wie in der Audienz habe der Kaiser diese seine Stimmung auch gestern bei dem Festmahl zu Ehren des russischen Thronfolgers bezeugt Wie dieNat Korr." hört, besteht regierungsseitig bie Absicht, bie Tauer ber kommenben La ndtags-Session mög­lichst abzukürzen. Alles Interesse wirb sich in ben nachsterr Monaten auf bie Fertigstellung bes Zolltarifs richten, fi> baß es begreiflich erscheint, wenn bavon Abstanb ge­nommen wird, im Landtage neue Ausgaben zur Diskussion zu stellen, welche die Einheit ber Aktion ber Regierung bis zu einem gewissen Grade stören könnten. Ten Lemberger Polenblättern wirb aus Berlin gemelbet, es sei allen dortigen polnischen Vereinen von der Polizei die Weisung erteilt, daß in Zukunft in allen polnischenVersamm- l u n ge n in Berlin nur deutsch verhandelt werden dürfe. Im Polytechnikum zu Braunschweig wurde der p o l< nische Leseverein vom Senat aufgelöst Tie pol^ nischen Skubenten traten korporativ aus und siedeln nach Lemberg über. Einem Bürger-jKomitee in Samber, das eine Protest-Versammlung einberufen hatte, erklärte ber Bezirks-Hauptmann, bie Besprechung ber Wreschssner Vor­gänge unb bes Griesener Urteils werbe nicht geduldet

New-York, 18. Dez. Tem Senat wurde heute ein neuer Gesetzen^ .rf betr. Einwanderung unterbreitet Der­selbe bestimmt, daß Einwanderer einer Prüfung unterworfen werden sollen, um ihren Bildungsgrad feft* zustellen, daß ferner Inspektoren ernannt werben sollen^ um am Landungshafen die polizeilichen Ausweise ber Einwanberer zu prüfen, und dadurch Anarchisten fern* zuhalten.

London, 18. Dez. Auch heute rwch kommentieren die Blätter die R e d e Ro s e b e r r y s.Daily Mail" macht darauf aufmerksam, daß man jene Organe beklagen müsse, welche aus der Rede Roseberrys etwas anderes heraus­lesen wollen, als sie wirklich bedeute. Im übrigen wird die Rede nur von solchen Blättern angegriffen, deren Leiter der konservativen Partei angeboren. Das BlattMorning Leader" gesteht offen, daß die Erklärungen Roseberrys chm insoweit nicht gefallen, als er den Rat erteile, keine Rücksicht zu nehmen, auf frühere Verpflichtungen bei liberalen Parket Das Blatt sagt, man könne keine Re­formen einleiten, wenn man früyere Verpflichtungen nicht einlöse. Aber ber Hauptpunkt der Rebe bestehe noch immer in ben Anstrengungen zu Gunsten bes Friedens und aus diesem Grunde müsse man die Rede mit Wohlwollen auf­nehmen.Daily Mail" meldet aus Brüssel, die Rede Roseberrys habe einen großen Eindruck auf Krüger ge­macht, jedoch jei dieser weit entfernt davon, die Unabhängigkeit aufzugeben. Mehrere Blätter berichten, Roseberry habe die Absicht, einen politischen Feldzug noch vor Eröffnung des Parlaments zu beginnen. Daily Expreß" meldet, Roseberry werde in den nächsten Tagen in sechs großen Versammlungen sprechen.Zen­tral News" berichten aus New-York: Der Kaufvertrag über bie dänischen Antillen sei gestern zwischen dem Staatssekretär Hay.und dem dänischen Gesandten unter­zeichnet worben. Der Kaufpreis betrage vier Mill i o n en Dollar. Tie Inseln würben bieselbe Verfassung erhalten, wie bie Philippinen. Der Vertrag sei bereits nach Koperv- Hagen zur Ratifikation gesandt worben.

Paris, 18. Dez. lieber den Tod des früheren fran­zösischen Botschafters in Berlin Herbette werben folgende Einzelheiten gemelbet: Erwürbe auf ber Straße vomSchlage getroffen und war sofort tot. Man brachte ihn nach bem Pvlizeikommissariat. Seine Jbentität konnte zunächst nicht festgestellt werben, da sich in seinen Taschen keinerlei Papiere befanden, die Aufschluß hätten geben können. Erft sein Schneider, dessen Firma im Uederrock eingetragen war^ erkannte die Leiche. Man glaubt, daß er an einer Gehirn­bongestion gestorben istz.

Malaga, 18. Dez. Am Jahrestag des Unter­gangs der FregatteGneisenau" sand hier in der Kapelle bes englischen Friedhofs in Gegenwart bes deutschen Kon­suls ein feierliches Totenamt statt. Auf die Gräber wurden Kränze niedergelegt. Der deutsche Pastor hielt eine ergreifende Rede.

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. M., 18. Dezember.

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Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresd ner Bank . , Beniner Handelsges. Oeetorr. Staatebahn , Gotthardbahn ... Laurahütte . . . .

3% Mexikaner

4/a /a Chinesen

. 25.50 Bochum . , .

. 86.90 Harpener , , ,

Tendenz; ruhig.

. 205.7Q . 180.30 . 126.70 . 127.80 . 139.30 . J41.00 . 164.80 . 182.001 . 168d0j .läuo|