ung des Gesundheitsbeamten von dem unsauberen Zustand des Hauses Gefahr für die Gesundheit der Bewohner in Aussicht stellt. Ist ein Haus nach dem Urteil des Gerichtshofs „zur menschlichen Wohnung ungeeignet", so kann das Haus geräumt oder geschlossen "werden, bis die verlangten baulichen Aenderungen ausgeführt sind. Keller dürfen zu menschlichen Wohnungen (d. h. zu einer Schlafstelle) nicht eingerichtet werden. Bereits im Gebrauch befindliche müssen geräumt werden, wenn sie nicht u. a. mindestens 7 Fuß Höhe im Lichten und davon mindestens 3 Fuß oberhalb des Straßenniveaus, ferner ein genügendes Abzugsrohr, eine Feuerstelle und ein Fenster, das sich öffnen läßt, haben. Für die Beschränkungen in der Benutzung des Eigentums wird keinerlei Entschädigung geleistet.
Im Jahre 1875 wurde für das ganze Land ein besonderes Gesetz erlassen, das der Behörde das Recht verleiht, Straßen und ganze Viertel, die zu enge und dicht bebaut sind, ganz oder teilweise zu expropriieren, niederzureißen und durch neue, breitere Straßen mit gesunden Wohnungen zu ersetzen. Tie Stadt Glasgow wurde zur Aufnahme einer Anleihe von ‘25 Millionen ermächtigt zum Ankauf und zur Niederreißung von über 1000 Häusern im ungefähren Wert von dreißig Millionen. . . Wie die Wohnungsvorschriften ins Einzelne gehen, erhellt daraus, daß z. B. das Polizeigesetz für Glasgow für jedes Schlafzimmer an ordnet, daß 'es ein Fenster von einer bestimmten Größe im Verhältnis zum Zimmer haben, daß oas Fenster zu einem Tritteil sich bequem öffnen lassen, daß vor dem Fenster ein freier Luftraum fein muß in einer Tiefe von mindestens drei Viertel der Zimmerhöhe. — In Liverpool waren schon im Jahre 1876 11 ‘278 untervermietete Häuser eingetragen, ausgemessen und an jede Zimmerthür Blechschilde mit Angabe der erlaubten Zahl von Bewohnern angeschlagen. In einem Jahre statteten die Inspektoren diesen Häusern 11001 Besuche in der Nacht und 57 084 bei Tage ab. — Tas Herbergswesen fand Tr. Sander in England vorzügliche geordnet. „In London und den schottischen Städten habe ich eine große Anzahl der Logierhäuser untersten Ranges besucht und überall Reinlichkeit, genügenden Raum, Sorge für frische Luft, leidliche Betten angetroffen, den Tag über darf niemand in den Schtasräumen bleiben, und die Fenster müssen offen stehen."
Im Rahmen eines Zeitungsaufsatzes kann natürlich! ein Thema wie die Wohnungsgesetzgebung im Auslande nur gestreift werden. Aber es ist immerhin wissenswert, in welcher Weise man anderwärts die hier sich ergebenden Probleme zu lösen gesucht hat, und daß dies gerade in Ländern unternommen worden ist, in denen sonst eine sehr behutsame Behandlung der Privatrechte anerkannter Grundsatz ist. Es erhellt aus den erwähnten Umständen, daß da das große Interesse der öffentlichen Gesundheits- pflege gesiegt hat über das Interesse des Einzelnen, und zwar zu einer Zeit schon, als, nach Fürst Bismarck, diese Frage in Deutschland „kaum zum Bewußtsein der gebildeten Kreise gekommen" war.
Politische Tagesschau.
Die Konferenz für die Einheitlichkeit der deutschen Recht- schreibnug wurde am Montagvormittag im Reichsamt des Innern zu Berlin von dem Staatssekretär des Innern, Dr. Graf v. Posadowsky-Wehner, eröffnet. In seiner Bc grüßungSansprache wies der Minister Darauf hin, daß nach Ansicht der deutschen Bundesregierungen die Zeit gekommen sein dürfte, um dem kostbarsten Gute des ddutfchen Volkes, der deutschen Sprache, auch ein einheitliches Gewand zu geben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen zu einem Erfolge führen möchten, der in gleicher Weise die Schule, das Amt und das deutsche Schrifttum befriedige. Mit Freuden sei es zu begrüßen, daß die österreichische Re gierung sich an der Konferenz beteiligt und zu dem Zwecke einen Kommissar in der Person des HofratS Dr. Hueme? abgeordnet habe. Graf v. Posadowsky bat alsdann de-> preußischen Minister der geistlichen rc. Angelegenheiter, Dr. Studt, den Vorsitz zu übernehmen, der namens der preußischen Staatsregierung die Teilnehmer der Konferenz willkommen hieß und hervorhob, daß angesichts der bekannten Mißstände in der deutschen Rechtschreibung die baldige Beseitigung derselben und eine Verständigung über die nicht mehr zahlreichen Differenzpunkte eine unabweisbare Not Wendigkeit sei. Für die Konferenz, an der die nachstehend verzeichneten Kommissare teilnehmen, ist eine Dauer von zwei bis drei Tagen in Aussicht genommen. Das Reich ist vertreten durch die Herren Schöll, Geh. Legationsrat, vortr. Rat in der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, Lewald, Geh. Negierungsrat, vortr. Rat im ReichSamt des Innern, und Wagner, Geh. Oberpofirat; Preußen durch die Herren v. Rheinbaben, Geh. Ober-RegierungSrat und vortr. Rat, Dr. Althoff, Ministerialdirektor, Dr. Köpke, Geh. Ober-Re- gierungSrat und vortr. Rat, Dr. Schmidt, Geh. Ober-Re- gierungsrat und vortr. Rat, Dr. WilmanuS, Geh. Regie rungSrat, orbentl. Professor an der Universität in Bonn, und Dr. Duden, Direktor des Gymnasiums in HerSfeld; Bayen durch Dr. v. Ot lerer, Gymnasialrektor in Eichstätt, und Dr. Brenner, ordenll. UniverfitätSprofeffor in Würzburg; Sachsen durch Kockel, Geh. Rat im Ministerium des Kultus, und Professor Dr. Lyon, Stadtschulrat in Dresden; WÜrttem berg, Baden, Hessen (Nodnagel, Geh. Oberschulrat), Mecklenburg- Schwerin, Sacysen-Weimar, Braunschweig, Sachsen-Altenburg, Anhalt, Lübeck, Bremen, Hamburg und Elfaß-Lothringen haben je einen Vertreter entsandt, die anderen Staaten sind nicht vertreten. Vertreter des Buchhandels find Ernst Vollert, in Firma Weidmann'sche Buch Handlung in Berlin, und Dr. Alfred Gtesecke, in Firma B. G. Teubner in Leipzig.
Graf Bülow hat einen großen Erfolg zu verzeichnen. Seme in der Thal so gedankenreiche, wie freimütige, jeglichen höfischen Zuges entbehrende Rede zur Enthüllung des Bis marck Denkmals in Berlin wird von der Presse auf das lebhafteste gerühmt. Die „Voss. Ztg." nennt die Ausführungen des Kanzlers „ein stilistisches wie politisches Meister wert"; das Blatt rechnet es dem Grafen Bülow als ein Verdienst an, daß er auch mit Dankbarkeit Derer gedachte, die gekämpft und gelitten haben als Märtyrer der deutschen Idee — die „Demagogen", die Burschenschafter, die Liberale .
Sehr zutreffend hebt die „Nat.-Ztg." hervor den Unterschied der Bewertung Bismarcks in der Rede des früheren ersten Präsidenten des Reichstags, Dr. v. Levetzow, und derjenigen BülowS. „Hatte Herr v. Levetzow den Fürsten Bismarck den „treuesten Diener" Kaiser Wilhelms I. genannt, „unter dem und mit dem" er das Deutsche Reich geschmiedet habe, so trat aus des Grafen Bülow Rede die gigantische Persönlichkeit des großen Kanzlers herrlich und machtvoll hervor." Aehnliche Empfindungen werden viele Teilnehmer an dem gewaltigen und unvergeßlichen Schauspiel gehabt haben. Der Höhepunkt, der leitende Gedanke in der auch durch den Vortrag großartig wirkenden Bülow'schen Rede ist in dem markanten Satz enthalten: „In jeder Hinsicht stehen wir auf seinen Schultern". Diese Rede, weitaus die beste, vollkommenste Leistung des Grafen Bülow, wird in dauerndem Gedächtnis bleiben. „Eine Ministerfest rede", sagt das „Bert. Tagebl.", „die eine Thal bedeutet, und eine mutige und stolze Thal obendrein." . . . Aus den Schilderungen der konservativen „Kreuzztg." dagegen ist zu entnehmen, daß ihr mehr Herr v. Levetzows Worte zugesagt haben. Die „Kreuzztg." begnügt sich mit der etwas kühlen Feststellung, daß die Rede des Grafen Bülow mehrfach von Zustimmungen begleitet gewesen sei.
Kolonialpost.
Heber die Anbesitznahme einiger Inseln der Palas-Gruppe macht der kaiserliche Gouverneur von Deutsch-Neu-Guinea folgendes bekannt: Zufolge Auftrags der Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amts vom 6. Dezember 1900 sind für das deutsche Reich folgende, innerhalb der durch den Vertrag vom 6. April 1886 festgesetzten deutschen Machtsphäre liegende Inseln in Besitz genommen worden: 1. Sonsorol, 5° 20 N. 132° 16 O., am 6. März 1901, W/2 Uhr vormittags; 2. Moris, 40 20 N. 132° 28 O., am 7. März 1901, 6i/z Uhr vormittags; 3. Pul (Pulo Ana), 40 38 N. 132« 2 O., am 7. März 1901, 1% Uhr nachmittags. Die Kenntlichmachung der Besitzergreifung ist durch Einrammung je eines schwarz-weiß-rot gestrichenen Pfahles bewirkt, an dem sich ein Schild mit der Aufschrift „Kaiserlich deutsches Schutzgebiet" befindet. Nach Einrammung der Pfähle ist von dem mitanwesenden Polizeitrupp in Anwesenheit eines großen Teils der Einwohnerschaft ein dreifacher Salut gefeuert worden. Auf der Insel Sonsorol ist ferner eine deutsche Flagge gehißt worden. Die Häuptlinge der genannten Inseln und zwar: Gurrut und MoseS von Sonsorol, Tobirau und Sas von Moris und Maier von Pul, hatten "ich mit der Besitzergreifung einverstanden erklärt. Sie Der» prachen, für die Instandhaltung der Pfähle Sorge tragen zu wollen.
An Bord des Regierungsdampfers „Stephan", Südsee, 8. März 1901.
R. v. Bennigsen Senfft.
Kaiser!. Gouverneur Kaiserl. BezirkSamtmann a. o. von Deutsch-Neu-Guinea.
Aus Stadt und Land.
lDer Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gietz. gestattet.)
** Landwirtschaftlicher Provinzialverein. Am 27. d. M. nachmittags sindet im .Hotel „Zum Prinz Carl" eine Ausschußsitzung statt. Gegenstände der Verhandlung werden u. a. sein: Erlas; von Normalsatzungen für Schweinezuchtvereine, Schweinezuchtbuchführung usw., Antrag des Schweine^uchtvereins Lang-Göns auf Anerkennung; die dienstlichen Verhältnisse des vormaligen Landwirt- chaftslehrers Köslin zur landw. Winterschule Alsfeld; Antrag der Verwaltungskonimission für die Jungviehweide Tiergarten, betr. Beschaffung von Kleegrassaat für die Weideschläge; Wahl eines Mitglieds zum Deutschen Landwirtschaftsrat; Ernennung eines Referenten für Veterinärwissenschaft.
** Ter Vorstand des Berliner Tierschutz- Vereins (zur Bekämpfung der Tierquälereien im Teut- chen Reiche) versendet folgenden „Aufruf und Bitte". Tie Gesittung der Menschen und die wahre Religiosität erweist ich stets auch durch eine barmherzige Behandlung der Tiere. Tas Jnslebentreten der Tierschutz-Vereine hängt innig zusammen mit allen anderen humanen Bestrebungen unserer Zeit. Diese Vereine haben schon seit Jahren die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine Massentierquälerei ge- 'enkt, welche sich leider bis heute im größten Teile Deutschlands erhalten hat und die jeden nicht gemütsrohen Menschen mit tiefem Mitleid erfüllen muß. Es handelt sich nm die ganz unnötigen Martern, welche im Deutschen Reiche beim Töten von über 100 000 Schlachttieren täglich verübt werden. Diese Martern können leicht vermieden werden durch die Betäubung der kleinen wie der großen Schlachttiere mittelst Beilschlag, SchlachMaske oder anderer zweckmäßiger Vetäubungsinstrumente. Selbst wenn wir absehen von dem Erbarmen für die gequälten Tiere, so müssen wir schon aus Rücksicht auf die Sitten der Menschen ein humaneres ^-chlachtverfahren anstreben; besieht doch ein unleugbarer Zusammenhang zwischen der Grausamkeit gegen die Tiere und den Rohheitsvergehen und Verbrechen gegen Menschen. Alle Schritte der deutschen Tierschutz-Vereine um eine gesetzliche Anordnung der — von verschiedenen Schlachthäusern und vielen rationellen Schlächtern bereits eingeführten — Betäubung auch der kleineren Sck)lachttiere sind bis jetzt vergeblich gewesen. Es muß deshalb das Volksgewissen geweckt werden, damit das unnötige Totmartern unserer Schlachttiere allgemein als ein Unrecht erkannt werde, obgleich es bis jetzt nicht durch das Gesetz verboten ist. Es muß besonders dahin gewirkt werden, daß möglichs viele Gemeinde- und Bezirksbehörden mit der ihnen zuslehenden Polizeigewalt die Betäubung der Schlachttiere anordnen. Wir sind überzeugt, daß das Gefühl aller guten gesitteten Menschen verletzt wird durch die Massenfolter, wie sie heute noch bei unserem Schlachtbetrieb stattfindet, und wir bitten sie, die Bestrebungen der Tierschutzvereine zur Beseitigung dieser ganz unnötigen Tierquälereien in jeder ihnen möglichen Weise zu unterstützen." Unterzeichner dieses Aufrufes sind u. a.: Professor Tr. Hinschius, Berlin; Graf v. Blumenthal, Gene- ral-Feldmarschall; Professor Dr. Friedrich v. Esmarch Kiel; Dr. v. Seydewitz, Oberpräsident von Schlesien, Breslau; Dr. v. Bennigsen; Dr. Paal Leopold Haffner, Bischof von Mainz;
Tr. Wehland, Bischof von Fulda; Professor Ludwig Knaus, Berlin; Anton v. Werner, Direktor der Kgl. Hochschule für die bildenden Künste, Berlin; Bolko Graf v. Hochberg, General-Intendant der Königlichen Schauspiele, Berlin; Professor Dr. Schütz, Rektor d. tierärztl. Hochschule in Berlin; Ernst v. Wildenbruch, Berlin; F. A. v. Kaulbach, Direktor der Kunst-Akademie, München; Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Worms; Görz, Oberlandesgerichts-Präsident, Darmstadt; Friedrich Spielhagen, Berlin; Tr. Goldmann, Wirkt. Geh. Rat in Darmstadt; Professor Dr. Dernburg, Geh. Justizrat, Berlin; Dr. Paul Heyse, München; Professor Adolf Menzel, Berlin; Ernst Wichert, Berlin; Professor Reinhold Begas, Berlin; Tr. Wilhelm I rdan, Frankfurt a M.; Prinz Emil von Schoeriaich-Carolath, Haseldorf; Frhr. v. Öfagern, Provinzial-Direktor, Mainz; Professor Tr. Gustav Schmoller, Berlin; Professor Dr. Felix T^hn, Geh. Justizrat, Breslau; Tr. Klein, Bischof von Limburg; Franz Defregger, Professor, München; Professor Paul Meyerheim, Berlin.
! Beuern, 17. Juni. Leider wird der Bau einer Kleinbahn, ähnlich der Bieberthalbahn, von Gießen über Wieseck, Altenbuseck, Großenbuseck nach! unserm Dorfe n icht zu stan de ko m m e n. Für unser etwas entlegenes Torf wäre diese Kleinbahn von unschätzbarem Werte gewesen, und aus diesem Grunde war auch die hiesige Gemeinde sofort bereit, das Bahngelände usw. zu stellen. Ta aber die übrigen Orte mehr oder weniger nahe an der Bahn liegen, so haben diese dem Plane von Anfang an wenig Sympathie entgegengebracht, sodaß an die Ausführung nicht mehr zu denken ist.
() Allendorf an der Lahn, 17. Juni. Gestern und heute beging der hiesige Gesangverein „Einheit sein20jährigesStiftungsfest verbunden mit einem Sängerfest. Tie Bewohner hatten meistens ihre Häuser mit Kränzen, Fahnen und Wimpeln geschmückt, und in dem Torf waren mehrere Ehrenpforten errichtet. Zwischen einhalb 2 und einhalb 3 Uhr wurden die eintreffenden auswärtigen Gesangvereine empfangen und ttad)i dem schön gelegenen, geräumigen Festplatze im Garten des Gastwirts Hörr geführt. Nachdem der Festzug aufgestellt worden war, fand der Umzug durch die Straßen des Torfes statt. Drei Radfahrer, die ihre Räder mit Blumen prächtig geziert hatten, eröffneten den Zug; ihnen folgten die Festdamen, die die von den hiesigen Jungfrauen dem Vereine gestiftete Fahnenschleife trugen; hieran schlossen sich der hiesige Kriegerverein, die erschienen auswärtigen Vereine und zuletzt der festgebende Verein. Nach dem Umzuge bewegte sich! der Zug auf den ebenfalls geschmückten Festplatz. Während des Vormittags und Mittags der Himmel diM bewölkt war, brach nun die Sonne durch und hob wesentlich, die Festfftimmung. Der Festredner Herr Heep, begrüßte die erschienenen Festgäste und schloß mit einem Hock), auf den Gesangverein „Einheit" zu Allendorf. Die Festjungfrauen überreichten die schöne, mit Widmung versehene Fahnenschleife, die die Farben rot, weiß, blau zeigt. Hieran schloß sich der Vortrag der Festlieder der einzelnen Gesangvereine. Von den größtenteils recht gut vorgetragenen Liedern war unstreitig das Lied: „Am Waldrand steht ein Tannenbaum", das von der Germania-Heuchelheim gesungen wurde, das schönste und ansprechendste. Außer den answärtig-en Sängern hatten sich noch sehr viele Festgäste aus den umliegenden Orten, sowie aus Gießen eingefunden, sodaß der Festplatz dicht besetzt war. Die Sonne lachte freundlich von dem blauen Himmel hernieder und so entwickelte sich bald auf dem Festplatze ein fröhliches Treiben. Dazu kam noch, daß die Musikkapelle lustige Weisen ertönen ließ. Im ganzen nahmen 14 auswärtige Gesangvereine an unserm Feste teil, eine Zahl, die selten erreicht wird. Erschienen waren die Gesangvereine: Harmonie und Ger- mania-Großen-Linden, Germania und Liederkranz-Heuchel- heim, Eintracht-Steinberg, Sängerkranz-Watzenborn, Lieder- kranz-Tukenhofen, Frohsinn-Atzbach,, Liederkranz-Waldgrr- mes, Liederhain-Bieber und die Gesangvereine von Lützellinden, Münchholzhausen, Hörnsheim und Salzböden. So nahm der erste Festtag einen recht schönen Verlauf. Leider ging am zweiten Tage ein starker Regen nieder, wodurch, das Fest etwas gestört wurde.
Bad-Nauheim, 17. Juni. Tas Programm der Unterhaltungen für die nächsten Tage ist folgendes: Mittwoch nachm. von 4 bis halb 6 Uhr und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Tie Großstadtluft". Donnerstag nachm. von 4 bis halb 7 Uhr und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale Tanz. Freitag nachm. von 4 bis halb 7 Uhr und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Die Geisha". Samstag nachm. von 4 bis halb 7 Uhr und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Künstler-Konzert (Cäcilie Rüsche-, Therese Pott-, Reimar Poppe-Köln, Hermann En- dorf-Hambnrg).
e. Bad.Nauheim, 17. Juni. Der Verwaltungs- Gerichtshof in Darmstadt hat entschieden, daß die Gemeinde Bad-Nauheim die gesamten Kosten für die Polizei zu tragen hat, d. h. eS sind also jetzt 1800 Mk. für den Wachtmeister zu zahlen. Früher mußte die Gemeinde diese Summe zu den 3500 Mk. Gehaltskosten des Polizeiamtmanns beitragen. In Zukunft soll der Posten eines Polizeiamtmanns ganz wegfallen und ein Wachtmeister oder eventuell ein Kommissär die ausgedehnten und oft recht schwierigen Geschäfte hier führen. Da der jetzige Wachtmeister Weiß, früher in Gießen, sich hier infolge seiner großen Arbeitskraft und Energie eingearbeitet hat, ist man allgemein der Ansicht, Weiß dauernd hier zu behalten. — Die am 14. Juni eröffnete 3. Geflügel- und Kaninchen- Ausstellung in der Turnhalle, veranstaltet vorn Wetterauer Geflügelzucht-Verein und dessen Sektion Bad Nauheim, ist heute abend geschloffen worden. Der Besuch war ganz un- erwartet groß. Arn Sonntag besuchten etwa 4000 Personen die Ausstellung, die viel Intereffantes bot und sehr übersichtlich in allen Teilen angeordnet war. Der Gewinn, den die Ausstellung machte, soll sehr erfteulich sein. — Das Kurtheater hat in der vergangenen Woche gezeigt, daß eS in der Operette gutes leisten kann. Störend find recht oft die alten Dekorationen. Die Badedirektion sollte wirklich ein Einsehen haben und einige hundert Mark für neue Kouliffen spenden. Mitleidiges Lächeln der Kurgäste über die Kouliffcn, die immer die gleichen sind, dürfte


