Ausgabe 
19.6.1901 Erstes Blatt
 
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Aerztlioh empfohlen für___

Mund* und Zahnpflege.

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17- Juni. Gestern unh ingvereinI ill^^brbunden mit einem M meiitens ihre Läufer i S geschmückt, und in I Ö er^et: fischen | würben die eintreffenden 'Tangen unb nach^ dem schön e im Garten des Gastwirt^ tzug ausgestellt worden war, Wii des Torfes statt. Trei t Blumen prächtig geziert neu folgten die Festdamen, ngfrauen dem Vereine lugen,- hieran schloffen sich ^schienen auswärtigen Bei- Verein. Nach dem Umzuge ebenfalls geschmückten Fest. 1 und Mittags der himme die Lonne durch und hoi Ter Festredner Herr Heep, De und schloß mit einem iheit" zu Mendorf. Tie M- I ine, mit Widmung vey'ehene 1 ot, weiß, blau zeigt, öieran tiieber der einzelnen Gefang- cht gut vorgetragenen Liedern Waldrand fleht ein Tannen- Heuchelheim gesungen wurde, te Außer den auswärtigen hr viele Festgäste aus den Gießen eingepnM W Jie Lonne lachte freundlich ter Md fv entwickelte frch öhliches Treiben. Tazu tam ustiae Weisen ertönen ließ, swärtige Gesangvemne an >ie selten eneicht wird. Er­wine: Harmonie und Ger- >ia und Liederkranz-Heuchel' laerkranz-Wchenborn, Lieder-

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ivurde Hütteningenieur R. K. Friedrich aus Oberschlema vom 1. Sep­tember ab berufen. An der Technischen Hochschule in Wien wurde der o. öffentliche Professor der Bauttmst Architekt K. König zum Rektor für das Studienjahr 1901/1902 gewühlt.

Gerichtssaal.

^Gießen, 17. Juni. (Gewerbeger icht.) Heute stehen nur zwei Termine an und zwar ist in beiden Sachen Beweis zu erheben. Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolff, als Beisitzer fungieren Zäckermeister Fr. Hennings und Wilhelm Laucht. Hennings hatte de-. erkrankten Beisitzer E. H. Müller wiederum zu vertreten. In der Sache des Knechts WUhem Krätzer gegen den Wirt Ottto Luf l rechnen die Parteien dahin ab, baß Krätzer 132,16 Mk. rückständigen Lohn fordert, während Luft nur 72,16 Mk. zu zahlen sich bereit er­klärt. Der Streitpunkt besteht darin, daß der Kläger behauptet, rntt dem Beklagten vereinbart zu haben, daß der Wochenlohn neben Kost unb Logis 9 Mk. betragen solle, während der Beklagte entgegnet, die Vereinbarung sei dabin gegangen, daß er für die Sommermonate 9 Mk. und für die Wintermonate 7 Mk. Lohn pro Woche zu zahlen versprochen habe. Di« vernommenen Zeugen erklären, von dem Kläger selbst gehört zu hoben, daß er von Luft im Sommer 9 Mk. und im Winter 7 Mk. Wochenlohn erhalte. Der Kläger bleibt trotzdem dabei, die Vereinbarung mit dem Beklagten so getroffen zu haben, roh von ihm angegeben und schiebt dem Beklagten den Eid darüber zu, welchen dieser annimmt. Nachdem Luft den durch Beweisbeschluß festgesetzten Eid über die Wahrheit der von ihm behaupteten Abmachung -rbgeleiftct hatte, erklärten beide Teile die Sache vorerst beruhen lasse,, zu wollen. In der Sache des SchirmmacherS Paul Breit! o p gegen die Firma Joh. Spies L Co. (Inh.: M. Levi), über welch, wir bereits unterm 11. Juni in Nr. 136 berichtet haben, erschienen nur der beklagte Ftrmeninhaber und die geladenen Zeugen. 2lui Grund des § 41 des Gesetzes über die Gewerbegerichte kann Ver- säumnisurteU nicht erlassen werden, es muß vielmehr, da es sich um einen zweiten Termin handelt, die angeordnete Beweisausnahme er­folgen. Die beiden Zeugen können nicht sagen, daß Breitkopf mit der Erklärung gekündigt, daß erSarnötag" in 14 Tagen aufbören werde zu arbeiten, sie haben vielmehr nur gehört, daß das Arbeitsverhältn.s gekündigt worden sei. Zur Vernehmung eines weiteren Zeugen, bet SchirmmacherS Hammel, der s. Zt. gegen die Firma Spieß die gleiche Klage erhoben hatte, im Termin jedoch nicht erschienen war und sich jetzt in Köln aufhalten soll, wurde die Sache vertagt.

k. Mainz, 17. Juni. Das Schöffengericht verurteilte in seiner letzten Sitzung drei Metzgermeister wegen Nahrungsmittel- Verfälschung zu je 50 Mk. Geldstrafe. Die VerurteUten hatten dem sogenannten Hackfleisch Konservensalz beige fügt, um das Fleisch frisch und rot erscheinen zu lassen. Das Gericht fuhrtt bei Begründung des Urteils aus, daß das Hackfleisch ein beliebtes Volksnahrungsmittel sei. Bei Rekonvaleszenten und Magenkranken, die dieses Fleisch zur Hebung ihrer Gesundheit genießen, könnten sehr leicht ernste Folgen entstehen, die durch die Beimengung von Kon ieroensalz herbeigeführt würden. Auch glaube daS Publikum, daß es sich beim Kaufe des Hackfleisches, das oft einige Tage alt sei, un frisches Fleisch handele.

Mainz, 17. Juni. Vor der Straflammer hatten sich die Post­schaffner Wilhelm Ulges und Ludwig Hübner wegen Vergehens im Amte zu verantworten. Im Jahre 1899 wurde auf einer auswärtigen Poststelle die Entdeckung gemacht, daß von Mainz kommende Pakete mit schon früher entwerteten, künstlich zusammenge­setzten Marken beklebt waren. Es wurde damals ein älterer Post­schaffner, Namens Sauer, der den Schalterdienst versah, in Untersuchung gezogen und ihm nachgewiesen, daß er die gefälschten Postwertzeichen ver­wendet hatte. Trotz seines Leugnens wurde damals Sauer zu vier Mo­naten Gefängnis verurteilt. Nun wurden auch seine Mitschuldigen in den obigen Angeklagten entdeckt. Ulges, ein ftüherer Buchbinder, eignete sich aus dem Papierkorb entwertete 20-, 2b- und bO-Pfennig-Postwertzelchen an. zerschnitt sie und setzte die nicht vom Stempel getroffenen Teile wieder künstlich zusammen. Die Marken verkaufte er sodann zu der Hälfte des kursmäßigen Preisos an die den Schalterdienst versehenden Postschaffner Sauer und Hübner. Diese klebten die gefälschten Marken auf die Pakete und steckten das Porto der Absender ein. Das Geschäft wurde fünf Monate betrieben. Ulges wurde zu fünf, Hübner zu drei

Arbeiterbewegung.

Budapest, 17. Juni. Beim Handelsminister erschien heute eine Abordnung der Reschitzaer Arbeiter. Nachdem der Minister der Ab­ordnung beruhigende Zusagungen gegeben, erklärte diese, sie werde den Arbeitern die sofortige Aufnahme der Arbeit anraten. Der Ausstand dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach beendet sein.

Jagd und Sport.

Berlin, 16. Juni. Der heutige zweite Renntag derBerlins Regatta" auf dem Langen See bei Grünau hatte eine Völkerwanderung nach den Ufern der Oberspree veranlaßt Gegen,-/«5 Uhr erschren» dro DampfyachtAlexandria", auf Deck der Kaiser, in Jnfantene-Uniform, die Kaiserin, Prinz Joachim und Prinzeß Viktoria Luise, die Damen und Herren der Umgebung vom Dienst, außerdem Mimster Studt, Staats­sekretär v. Tirpitz und die Admirale Frhr. v. Serien-Blbran und Büschel. DieAlexandria" legte am Kaiserpavillon an, der Regatta-Ausschuß, un er Führung des Vorsitzenden des Regatta Verems Kommerzienrats Büxenstem, und Landrat v Stubenrauch begaben sich an Bord und d.e höchsten Herr­schaften erwarteten so den Akademischen Steter bet dem betÄla- demische Rudet-Vetein Berlin" mit 8,21 Mm. den Wandetpreis des Kaisers gewann. Das nächste Rennen (zweiter Achter) be6( tete dieAlexandria" vom Start bis zum Ziel, der Berliner .W)kmg siegte. Es folgte derKaiser-Vierer", um den vom Katser Frtednch gegifteten silbernen Pokal, den dieAlexandria" ebenfalls begleitete. atnfl b«c .Spindlersfeldet Rudetverein" mit 7,54'/- Mm. M erster durch daS Ziel, nach seht hartem Kampf mit demBerliner Ruderklub , der nur 7,55 Mm. hatte. Während des nächsten Rennens (Leichter Steter) wurden die Sieger­mannschaften an Bord geführt und empfingen m Gegenwart der Majestäten die Kaiserpreise. Etwa um 53/< Uhr dampfte die .Alexandna nach Ber.in zu^ck. Juni. Bei dem heutigen Rennen zu Horn

wurde im brutschen Derby Major v. GoßlerS FuchshengstTackt rster, H.rrn Nck. v. Szemere's br. StuteMargaret »weiter, Herrn Pappen's br. Stute .Regenwolke" britter unb Herrn R. FölzerS vr- HengstLaerte" vierter.

Paris, 16. Juni. Bei bem Rennen zu LongchampS um Den Grand Prix wurdeCleri" erster,Ttbere" zweiter,Lady Kyllrs dritter; alles französische Pferbe. Präsident Loubet mit Gemahlin, Rinisterprästdent Walbeck Rousseau, brr größereTiil ber Minister unb Die Mitglieder beS biplomatischen KorpS wohnten bem Rennen bei.

Herr Medizinalrat Bezirksarzt Dr. Greiff erstattete und worin die Möglichkeit gegeben wurde, das; die ungluck- liche Geburt das Gemütslebcn der Angeklagten start ve- einflußt habe, erkannte das Gericht aus eine Gefängnis­strafe von 4 Wochen.

Hamburg, 14. Juni. Gegen den hiesigen Mehrer Alpers, der auf der welfischen Landesversammlung in Lüneburg am 19. Mai den Ausspruch that:Preu fri­sche Kleptomanie", infolgedessen die Auslosung der Versammlung erfolgte, ist jetzt das Strafversay r e n ans Grund des § 131 des Strafgesetzbuches wegen Verächt­lichmachung von Staatseinrichtung eingeleitet worden.

Ter fliegende Gerich tsstand der Pref) e. Zurzeit findet ein vom Reiche Justizamt angeregter Mein­ungsaustausch über etwaige Abänderungen des obige Ma­terie' betreffenden Gesetzes innerhalb der deutschen desstaaten statt. Welcher Art diese sein werden, lasit sich bei dem augenblicklichen Stande der Angelegenheit noch nicht übersehen. Eine Einigung über die schwebenden Fragen ist aber mit Sicherheit zu erwarten, und die Neuformulierung des Gesetzes wird im September beendigt sein. Tem später zusammentretenden ReickMage wird dann die betreffende Vorlage zur Beratung zugchen.

Kermischltt.

* Madrid, 17. Juli. DerJmparcial" erhielt ein langes Telegramm, welches mitteilt, daß in Becerrea (Pro vinz Lugo) Goldminen entdeckt seien, die nach Aussage hervorragender englischer und französischer Techniker denen Transvaals gleichkämen. Das Blatt verspricht eine ein­gehende Beschreibung der Minen.

* Barcelona, 17. Juni. Eine sehr heftige Ga§' explosion ereignete sich in der Werftstraße. Das Pflaster wurde an verschiedenen Stellen emporgehoben und die Flammen schossen bis zur dritten Etage der Häuser empor. Vierzig Personen wurden verletzt, darunter einige schwer.

* Oedenburg, 17. Juni. Im Elisabethparke, während die Militärmusik spielte, entstand zwischen dem Oberleutnant Schüssel und dem Realschulprofessor Meszaros ein Wort st reit, der alsbald in eine Rauferei auSartete. Schöffel zog den Säbel und schlug auf den Kopf des Pro- feffors, der bewußtlos zusammensank und in ein Krankenhaus befördert werden mußte.

Kandwirtschast.

Linderung der Futlernot. Der preußische Landwirffchafts' ministet hat in einer Verfügung die Regierungen angewiesen, zur Ltndetung ber herrschenden Futternot das Vieh der Waldanwohner in diesem Iahte nach Möglichkeit zur Waldweidenutzung zuzulaffen. Die Verfügung be- timmt ferner, daß ausnahmsweise auch eine Einmiete für einzelne Monate gestattet werden kann und daß bann das monatliche Weidegeld auf ein Sechstel des für die ganze Weidezeit geltenden SatzeS bemessen werden oll. Bei vorliegender Bedürftigkeit sind die taxmäßigen Weidegeldsätze nach dem Ermessen bet Königlichen Regierung bis auf bie Hälfte zu er­mäßigen.

Stuttgart, 17. Juni. In der heutigen Versammlung bcs Vet- banbes der lanbwirtschaftlichen Genossenschaften würbe konstatiert, baß sich infolge bes guten Vorjahres anstatt eines Defizits ein Gut­haben von stark 2 Millionen ergeben hat. Der Gesamtumsatz ber Zentralkaffe betrug über 25 Millionen.

Unwersitüls Nachrichten.

__ Geh Rat Professor Dt. Joh. Schmibt feierte das 25jährige Jubiläum als Ordinarius an der Berliner Universität. Das Fach des Gelehrten ist die indogermanische Sprachwissenschaft. Die Betlrner Akademie der Wissenschaften bewilligte dem a.-o. Professor der Ana­tomie Vrosektor Dt. Hermann Braus in Heidelberg, zu Untersuchungen über 'die Entwicklungsgeschichte nieberet Gelachter ^00 Mk., dem a.-o. Professor für Paläontologie und Stratigraphie, Dt. Wilhelm S a l o m o n in Heidelberg, zur Beendigung seiner geologisch-minercüogsschen Durch- fotMuna b« SbameUo-Sruppe 1000 M. - Pr°s. Dr. Stiebens, bürg, der langjährige Leitet des preußischen Historischen Instituts m Ron?, verläßt am 1. Juli seinen bisherigen Ä, des Staatsarchivs in Stettin zu übernehmen. Hoß Fnedensbutgs Be­rufung nach Stettin war bereits vor mehreren Monaten erfolgt, doch wurde der Gelehrte später von der Generalditektwn der pteußlschen Archive ersucht, den römischen Posten noch solange zu verwlüten, vis eine geeignete Persönlichkeit für diesen gefunden wäre. DaPtofeffor Fnedens- butg nun Rom verläßt, ist die Leitung des dortigen Instituts vetmuttich schon anderweit vergeben worben. Doch verlautet noch nicht, auf wen bie Wahl ber maßgebenben Stelle gefallen ist. Man schreibt aus Frei­berg (Sachsen): Die an ber königlichen Bergakabemie burch ben Tob des Geheimen Bergrats Dr. Weisbach erledigte Professur für $hneralogte würbe d-m Pr°s-ff°- Dr. K-Ibeck übertragen ber eine Weffur für Löthrohr-Probierkund- an der genannten Lehranstalt berbehält. Als Dozent für metallurgische Probierkunde, Pyrometrie und Metallographie

Monaten Gefängnis verurteilt.

Marburg, 17. Juni. Ein interessanter Prozeß beschäftigte das hiesige Landgericht. Der hiesige kaufmännische Verein, be­ben gesellschaftlichen Verkehr seiner Mitglieder pflegt, hatte ein Mit­glied ausgeschlossen, weil sich gesellschaftlich mit ihm nicht verkehren lasse. Der Ausgeschlossene verklagte den Verein unb wollt' bie ©rünbe seines Ausschlusses wissen, weil er sonst ehrlos bastehe. Er würbe jeboch mit seiner Klage abgewiesen, weil ber Verein nach seinen Satzungen nicht verpflichtet sei, nähere Gründe für ben Aus schluß anzugeben. Gegen das Urteil soll Berufung eingelegt werben

Frankfurt, 13. Juni. (Ob erkriegsgericht.) Ein Soldat des Hess. Leibregiments in Darmstadt hatte auf einer Liste Beiträge für das Moltke-Denkmal einzu­sammeln. Dabei trug er zweimal, wo er 5 Mk. erhalten hatte, nur 3 Mk. ein, und änderte einen Eintrag von 20 Mk. in 10 Mk. um, lieferte aber schließlich das erhaltene Geld rick)tig ab. Außerdem ließ er sich für einen Militär­paß 2 Mk. statt 1 Mk. 50 Pf. geben. Tas Kriegsgericht in Tarmstädt hatte ihn dafür zu 6 einhalb Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt, indem es Betrug und 3 Fälle schwerer Urkunden­fälschung annahm. Tas Oberkriegsgericht aber hob dieses Urteil auf, weil blos eine versuchte Urkundenfälschung und ein vollendeter Betrug vorliege, und erkannte auf 14 Tage Gefängnis, die auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden.

M a n n h c i m, 1 Juni. S t r a f k a in m e r. Seit einer- unglücklichen Niederkunft ist die 24 Jahre alte Frau des Fabrikarbeiters Rudolf Hellmann von Hockenheim schwer­mütig und sehnt sich na-ch einem 5Ande, zumal auch ihr Verhältnis zu ihrem Mann seit jener Zeit eine Trübung erfuhr. Ta keine Aussicht bestand, daß ihr Mutterfreuden beschert sein sollten, versuchte sie es mit einer Kindes­unterschiebung. Sie gab sich ihrem Manne gegenüber als guter Hoffnung aus und sagte, sie wolle sich der Ent­bindungsanstalt in Heidelberg anvertrauen, um einem aber­maligen Mißfall vorzubeugen. Sie ging also fort, begab sich aber nicht nack) Heidelbelrg, sondern nach Schwetzingen zu einer Frau Müller, deren ledige Tochter, Elisabeth Berthold, mit einem Kinde überrascht worden war. Gegen eine Abfindung von 24 Mk. sollte das Kind, welches am 17. März d. I. das Licht der Welt erblickt hatte, in den Besitz der Frau Hellmann übergehen. Hellmann reiste, während seine Frau sich in Schwetzingen aufhielt, nach Heidelberg, um jene dort zu besuchen, erfuhr aber in der Entbildungs anstatt, daß seine Frau gar nicht dort war. Als er wieder heimkam, fand er die Vermißte zu Bett und neben ihr einen jungen Weltbürger, den sie dem Ueberraschten als sein Kind vorstellte. Hellmann meldete es darauf als am 26. März geboren beim Standesamte an. Allein seine Vaterfreude war nicht von langer Dauer. Eines Tages er schien die alte Müller, die Großmutter des Kindes, und verlangte die ihr noch nicht bezahlte Abfindungssumme Doti 24 Aiark, nicht ahnend, daß es sich bei der Abtretung des Kindes um einen Betrug handle. Tas Gesicht des Mannes kann man sich ohne große Phantasie vorstellen. Tas Kind wurde natürlich sofort zurückgegeben. Heute stand Frau 5oellmann wegen Kindesunterschsiebung vor Gericht. Unter Berücksichtigung des medizinischen Gutachtens, welches

endlich Berücksichtigung finden. Die kühlen Tage sind für den Theaterbesuch sehr günstig, für die Kur an sich aller ' bings nicht. Durch bie mächtige Bauerei in den letzten ' Jahren, sind hier selbst in ben besten Lagen Wohnungen genügend zu haben, weil sich der Fremdeustrom zu sehr verteilt.

S. Friedberg, 17. Juni. Unsere herrliche Stadt- kirche sieht in ihrer Restauration der Vollendung ent­gegen. Tie Einweihung, bei der der Großherzog zugegen sein wird, findet am 26. d. Mts. statt; dazu wird eine von Direktor D. Weiffenblvh-Friedberg verfaßte Denkschrift er­scheinen. Tie Kirche wurde in den Jahren 1270 bis 1410 in gothischem Stile als eine dreischisfige Hallenkirche er­baut, an Stelle einer romanischen Kirche, die dem Ver­falle nahe war. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde ein gut erhaltener romanischer Altar aufgefunden, der in der Kirche an dem Platze, da früher der Pfavrstuhl stand, auf- aestellt wurde, zunMst aber leider nicht benutzt wird. Wir hoffen jedoch, daß der den Platz versperrende und dahin gar nicht gehörende jetzige Altar entfernt und der roma Tiische Altar in Gebrauch genommen wird. Tie vom Archi­tekten Kratz aus Magdeburg geleitete Restauration kostete 600 000 Mark. 9hin steht aber auch ein klassisches Denkmal gothischer Baukunst, eine der schönsten Kirchen im Lande, würdig da.

h K a u l st o s, 17. Juni. Ter hiesige Landwirt Hein­rich Usinger XI. fand beim Ackern ein österreichisches T r e i ß i g - K r e u z e r - S t ü ck aus dem Jahre 1807. Das Geldstück hat die Größe eines Thalers; die Schrift ist noch gut leserlich. Seit einigen Tagen hat sich im sogen. Breiten Busch" eine Nachtigall eingestellt, ein seltener Gast im hohen Vogelsberge.

§§ Bobeahaufeu (Rr. Schotten), 17. Juni. Ein entsetz­licher Unglücköfall ereignete sich am Samstag auf der zwischen Höckersdorf und Bobenhausen gelegenen Zöckler'schen Holz­schneiderei. Dort war der 18 jährige Sohn des Besitzers Zöckler an der Zirkelsäge beschäftigt, als plötzlich ein Stück Holz absprang und den jungen Mann ins Genick traf, mit einer solchen Wucht, daß er tot vom Platze getragen werden mußte. Der Unglücksfall ist umso erschütternder, als der Vater seinen ältesten Sohn ganz auf ähnliche Weise vor einigen Jahren verloren hat.

§ Merlau, 17. Juni. Das Bezirksfest des Hassia- Bezirks Grünberg verbunden mit der Fahnenweihe des hiesigen Kriegervereins wurde gestern und heute hier gefeiert. Der Himmel machte zwar dem wirklich reich geschmückten .Festorte ein trübes Gesicht und ein Festlüfterl wehte, daß man sogar auf dem Festplatze Herren im Winterüberzieher sehen konnte; aber dessenungeachtet war doch das Fest sehr gut besucht und der Verlauf recht befriedigend. Merlau versteht es eben, derartige Feste zu feiern, das bewies sein erstes Bundesfest des Ohm-Lumdathal-Sängerbundes. Sehr zu statten kommt ihm dabei der herrliche Festplatz auf histor­ischem Grunde, dem alten Schloßteichplatze. Hier begrüßte Lehrer Gemmer nach Einzug des großen Festzuges, in dem ca. 30 Vereine schritten, Kriegerkameraden, Gesangvereine und Feftgäste. Pfarrer Frank hielt sodann die Fest- und Weihrede, und gedachte der gleichzeitig stattfindenden Eut hüllung des Denkmals des Fürsten Bismarck in Berlin. Wir könnens uns auch nicht versagen, aus der eindrucks vollen Rede das darin gezeichnete Beispiel aus dem Feldzüge 1870/71 zu erwähnen, wonach man damals auf dem Felde der Ehre das blutgetränkte Notizbuch eines Soldaten ge­funden, dec als seine letzten Worte hineingeschrieben:Ich sterbe unter großen Schmerzen, aber ich sterbe gern für Kaiser und Reich!" Fräulein Hörle überreichte hiernach unter entsprechenden Worten die neue Fahne. Allgemeiner Gesang der Festversammlung schloß die Feier, deren gemüt licher Teil nun in allen Richtungen eines schönen Volks­festes verlief.