Ausgabe 
19.5.1901 Erstes Blatt
 
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Verletzten

Duell gekommenen

es gleich große Üebertreibungen. bald, daß diese Auffassung irrig den Quellen vollendet und heute auf das Beste sprudelten.

Hirzenhain, 17. Mai.

wie daS so üblich ist, gab Man überzeugte sich jedoch war, als die Arbeiten an morgen alle drei Quellen

neuen Besoldungsgesetz

den Schüssen

Patrouille cher-

sollen von

rühren. In dem

e. Bad Nauheim, 16. Mai. Gestern nachmittag wurden die zum Schutze der Steigerohre der Sprudel geplanten Einhängerohre in die Quellen eingesenkt, mit dem Er­folge, daß die Quellen jetzt mit erheblich größerer Energie springen. Selbstverständlich mußten während der Arbeiten die verschiedenen Sprudel zeitweise etwas zurückgedrängt werden. Dieses rief bei den Uneingeweihten die Ansicht hervor, eine Quelle sei von selbstweggeblieben; es entstanden alsbald auch Schwätzereien und,

, - Gestern fand hier die

17. Hauptversammlung des Vogelsberger HöheuklubS statt. Nachdem die Teilnehmer im Gasthaus zur Hirzen­hainer Hütte Frühstück und Frühschoppen eingenommen hatten, schritt man gegen 12 Uhr mittags zur Erledigung der Tages­ordnung. Zuerst ergriff dec Vorsitzende des Gesamtvereins Oberförster Dieffevbach zu Schotten das Wort und begrüßte die zahlreiche Versammlung mit warmen Worten. Die Prüfung deS Stimmverhältnisses ergab die Vertretung von 11 Zweigvereinen mit 566 Stimmen. Die neugebildete SektionTaufstein" in Gießen wurde einstimmig in den verband ausgenommen. Auf die Verlesung des Protokolls der vorjährigen Hauptversammlung wurde verzichtet und der Geschäftsbericht über die Thätigkeit des Gesamtvereins ver­lesen. Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt war, wurde als Ort der nächsten Hauptversammlung Schotten bestimmt. Der Antrag der Zweigvereine Grebenhain und Herchenhain, die beide wünschen, daß zur Erbauung eines AuSfichtsgerüsteS 200 Mk. bewilligt werden, wird einstimmig angenommen. Dem Antrag Grebenhain, zur Wegmarkieruug eine Summe zu bewilligen, wird entsprochen, dagegen zieht der Delegierte desselben Zweigvereins den dritten Antrag zurück, der eine Sammlung im Großherzogtum Heffen (ev. Lotterie) für die Erbauung eines BiSmarckSturmes auf dem Taufstein bezweckte. Der Antrag des Direktors Wagner, Lich, eine Sammlung für denselben Zweck in den einzelnen Sektionen vorzunehmen und das Ergebnis bis zum 1. November d. I. an den Zentralausschuß des V. H.-K. gelangen zu laffen, wird ein­stimmig angenommen. Der Antrag des Zweigvereins Lauter- dach, der Ersatz des bei der vorjährigen Hauptversammlung gehabten DefiziteS von 62,05 Mk. verlangte, wurde ein­stimmig abgelehnt. Die Anträge des Vorstandes des Gesamt­vereins wurden alle angenommen und Bezirkskassierer Kreutzer- Schotten in den Vorstand gewählt. Die Mitteilung, daß in aller Kürze ein neues Klavier vom Hohenrodskopf schallen würde, wurde freudig ausgenommen. DaS Mittagessen ivurde von zirka 200 Personen im Stolberger Hof eingenommen. Dann folgte ein Spaziergang zu der schön gelegenen KirchnerS- brück. Noch lange saß man beim Glase Bier und unterhielt sich aufs Beste bei den Klängen der Musik des Hanauer UlauenregimentS. Als aber diese den großen Zapfenstreich spielte, trennte man sich nach und nach mit einemFrisch auf! am 1. Juli auf dem Hohenrodskopf!"

§ Bermuthshain, 17. Mai. Heute morgen gegen 1 Uhr wurden die Bewohner unseres OrteS plötzlich durch Feuer erschreckt. Ein großer Haufen sehr dürres Fichtenreifig in Wellen u. s. w. brannte hell lodernd zum Himmel empor, nahe der Hofraite des Landwirts Christoph Läufer. Das Feuer wurde alsbald durch die hiesige Feuerwehr gelöscht.

§ Hartmaunshain, 17. Mai. Ein Radler fuhr gestern Abend bei ziemlicher Dunkelheit ohne Laterne von hier nach Grebenham. Unterwegs stieß er mit dem Schneidermeister Langlitz von Grebenhain zusammen. Beide, samt dem Rad

.C* ~ 3 gegen den un-

vorsichtigen Radler,st erstattet worden.

_ t e r, 17. Mai. Das freundliche Kirchlein unseres

Dorfes war am Himmelfahrttage bis auf den letzten Platz gefüllt. Galt es doch, die neue Orgel einzuweihen Bon nah und fern waren Gäste erschienen, um dieser Feier beizuwohnen. Förster Stendal aus Weickartshain kam mit seiner Musikkapelle, sodaß auch die Anfangschoräle mit Begleitung gesungen werden konnten. Auch durch Ge­sänge der Kinder und des Gesangvereins wurde die Feier gehoben. Nachdem Pfarrer Franz das neue Werk einge

ür die Volksschullehrer wurde bei der Beratung durch die Zweite Kammer und zwar bei der Bemessung des Woh­nungsgeldzuschusses der Beschluß gefaßt, daßverheiratete und verwitwete Lehrer, sowie unverheirateteLehrer mit eigenem Hausstände" eine Mietentschädigung von 600 Mark per Jahr erhalten, während unverheiratete Lehrer ohne eigenen Hausstand 300 Mark Mietentschädigung zu beanspruchen haben. Der hiesige Schulvorstand, der sich mit dieser Angelegenheit zu befassen hatte, da diese Miet­entschädigungsfrage eine Aenderung in den Ausgaben für )ie Volksschullehrer bedingt, hatte die Frage der unver­heirateten Lehrer mit eigenem Hausstände derart ausge­legt, daß diesereigene Hausstand" nur so verstanden werden könne, daß damit nur ein sogen.Pietätshausstand" gemeint sein könne, d. h. ein Hausstand, der durch die nächsten Angehörigen des Lehrers, etwa von dessen Mutter, Schwester rc. geführt werde: ein Hausstand, dem etwa eine Haushälterin" vorstehe, sei unter diesemeigenen Haus­tande" nicht zu verstehen. Es sei diese Anschauung ganz icher im Sinne des Gesetzgebers. Die Stadt Mainz wird ür die Folge, um Weiterungen vor den Gerichten zu ent­gehen, sich ganz strenge an dem Beschlüsse der Zweiten Kammer halten, zur gegebenen Zeit soll aber die Frage der Zweiten Kammer nochmals zur eingehenden Begutacht­ung unterbreitet werden, die Kammer soll ausdrücklich er­klären, was sie bei unverheirateten Lehrern unter eigenem Hausstände verstanden wissen will.

Kleine Mitteilungen aus Heffen and den Nachbarstaaten. Der hessische Geschichtsforscher Major von Stamford, der Verfasser derGeschichte von Heffen" und der Untersuchungen von den Orten der Varusschlacht ist in Kassel gestorben. Am 28. Mai hat der mittelrheinische Aerztetag in Bingen seine jährliche Hauptversammlung.

wunden des einer zu dem

Vermischtes.

* Berlin, 17. Mai. Eine ungewöhnliche Eifer­suchtsszene spielte sich in der Nacht zum Himmel'-- fahrtstage auf dem Grundstück Fruchtstraße Nr. 33 ab. Dort wohnt die 37 Jahre alte Frau Helene Nerlich mit ihrenr 15 Jahre alten Sohne Max und einem 29 jährigen Drechsler Emil Leikert, mit dem sie seit drei Jahren ein Liebesverhältnis unterhält. Frau Nerlich ist sehr eifer»

egnet hatte, wurde es in Gebrauch genommen. Es ist ein Kunstwerk im Innern wie im Aeußern, ein herrlicher Schmuck unserer Kirche, und macht seinem Erbauer Karl Nikolaus (Firma: Förster & Nikolaus) zu Lich alle Ehre. Die neue Orgel ist nach neuestem pneumatischem System erbaut und hat folgende acht klingende Register: Subbaß 16', Principal 8', Flöte 8', Salicional 8', Bourdon 8', Flöte 4', Octave 4' und Rauschquinte. Die einzelnen Register zeigen eine mannigfaltige Abwechselung in Tonstärke und Klangfarbe. Das Salicional miit seinem zarten streichenden Ton wirkt geradezu bezaubernd. Ebenso wirkt das volle Werk kraftvoll und kirchlich würdig. Durch Pedalkoppel sowie durch auf- und abwärts wirkenoe Koppeln (Octav- und Baßkoppel) gewinnt die Orgel derartig an Stärke, daß man glaubt, ein doppelt so großes Werk zu hören. Durch zwei Pistons (Piano und Forte) läßt sich die Orgel spielen, wie wenn sie zwei Manuale hätte. Die einzelnen Pfeifen prechen so schön an, und die Klaviatur geht so leicht, daß sich Triller und Läufe anhören wie am Klavier. Auch das Material ist von vorzüglicber Beschaffenheit. Architektur und Anstrich sind der Kirche angepaßt.

Mainz, 17. Mai. Zu dem Zweikampf, der am Himmelfahrtmorgen, wie schon berichtet, hier ausgefochten wurde, schreibt derMainzer Anz.": Die beiden Gegner waren der seit zwei Jahren verheiratete Oberleutnant Richter (bis vor einem Jahre Adjutant des Infanterie- Regiments Nr. 88) und der unverheiratete Leutnant Vogt von der hiesigen Abteilung des (Frankfurt-Bocken­heimer) Husaren-Regiments Nr. 13 (dieser ist erst seit einem Jahr Offizier). Als Sekundanten fungierten ein Stabs­offizier und ein weiterer Offizier. Ferner waren ein Mili- tär-Arzt und ein Zivilarzt zugegen. Der Ausgang des Duells war vorauszusehen, da Leutnant Vogt als Scharf- chütze sehr bekannt ist. Oberleutnant Richter erhielt einen Schuß. Er wurde in einem Krankenwagen in das Vincenz- Hospital gefahren, lieber die dem Duell vorausgegangcnen Begebenheiten wird berichtet: Leutnant Bogt war ständiger Gast im Hause des Ehepaares Richter, dessen Ehe bis jetzt kinderlos ist. Frau Oberleutnant Richter ist die Tochter des jetzigen Obersten L., der bis zum Jahre 1894 hier in Garnison stand und zuletzt Bataillons-Kommandeur im 88. Regiment gewesen i)t, und dessen Sohn seit einem Jahre diesem Regiment als Leutnant angebört. Häufig waren Herr und Frau Richter in Gesellschaft des Leutnants Vogt zu ehen, oft auch Frau Richter mit diesem allein. So wurde >as Ehepaar auch noch am Montag gesehen, als es mit Leutnant Vogt zusammen ausritt. Wie Bewohner der Nach- Iiarschaft der Eitadelle gehört haben wollen, sollen im Festungsgraben mehr als sechs Schüsse beim Duell gefallen ein; die Bedingungen scheinen also sehr scharf gewesen zu sein, wahrscheinlich Kugelwechsel bis zur Kampfunfähig­keit. Oberleutnant Richter war hier allgemein bochge- chätzt und beliebt. Leutnant Vogt soll nach beenoigtem Duell an der Seite des am Boden liegenden Oberleutnants Richter niedergekniet sein, diesem die Hand gereicht und ihn wahrscheinlich um Verzeihung gebeten haben. Richter nahm die Hand und flüsterte einige Worte mit seinem Gegner. Oberleutnant Richter hat einen Schuß in die Hüfte erhalten. Er befindet sich im Vincenzhospital, wo eine Operation an ihm vorgenommen wurde. Es soll keine Lebensgefahr mehr für den Verletzten bestehen. Vogt ist in Untersuchungshaft. Frau Richter, die den Anlaß zum Duell abgab, ist gestern morgen eiligst zu ihren An­gehörigen nach auswärts gegangen. In der Wohnung Richters wurde noch gestern abend in später Stunde von einem höheren Offizier und dessen Adjutanten eine Haus- uchung vorgenommen. Unser -k-Berichterstatter schreibt uns: Beide Schüsse, durch die Oberleutnant Richter ge­troffen wurde, würden unzweifelhaft von tätlicher Wirkung gewesen sein, wenn die Durchschlagskraft der Geschosse nicht mrch harte Gegenstände, die der Getroffene in seinen Taschen hatte, geschwächt worden wäre. Schon vor einigen Tagen hat Leutnant Vogt seine Versetzung in ein auswärtiges Jägerbataillon erhallen. Nach einer anderen Meldung oll es sich nicht um ein Pistolen-Duell, sondern um ein Duell auf schwere Säbel gehandelt haben. Die Schuß­

süchtig. Vor sechs Wochen mackste sie schon einmak einen lärmenden Auftritt, in dem sie die Frau eines Bierabziehers, blutig schlug. Am Dienstag traf an L. ein Brief ohne Namensunterschrift ein. Bald darauf kam eine namenlose Postkarte mit den Worten: Lieber Emil, wo bleibst Du so lange? Komm 'in meine Arme! Ob nun wirklich eine Frau oder ein Mädchen Brief und Karte geschrieben hat oder ob sich jemand, der die Eifersucht der Frau Nerlich kennt, mit ihr einen Scherz machen wollte, steht dahin. Die Folgen waren sehr ernst. Als Leikert am Mittwoch abend um! halb sechs Uhr von der Arbeit nach Hause kam, gab es einen cheftigen Streit. Aergerlich ging der Mann in die Kneipe und kehrte erst um 2 Uhr zurück. Frau Nerlich war noch nicht versöhnt und verweigerte ihm den Eintritt in ihr Zimmer. Nun drohte Leikert, mit einem Beil die Thür einschlagen zu wollen. Ta er ein Beil nicht fand, stieß er mit einem Stemmeisen eine Füllung heraus. Unterdessen hatten Frau Nerlich und ihr Sohn aus Furcht, daß oer Wütende ihnen etwas anthun könnte, einen Strick am! Fenster befestigt, um sich aus der im zweiten Stock im Hofe gelegenen Wohnung hinabzulassen. Als sie sich in der Höhe des ersten Stocks befanden, riß der Strick, und beide sielen auf den gepflasterten Hof hinab. Max Nerlich, zog sich einen Bruch des rechten Armes zu, seine Mutter kam mit einer Verstauchung des rechten Beines und einer Verletzung des rechten Zeigefingers davon, den sie sich durch die Reibung am Strick verbrannte.

* Die Hohkönigsburg. Die Arbeiten auf der Hoh- königsburg haben, wie dieStraßb. Post" mitteilt, jetzt wieder begonnen, nachdem im Winter die Vorbereitungen soweit beendet worden sind, um den Bau in großem Stile aufzunehmen. Auf dem Bergfried erhebt sich ein starkes. Gerüst für den Krahn, der die großen Quadern versetzen soll. Der Krahn wird elektrisch betrieben werden; die Loko­mobile, die die Kraft liefern soll, wird demnächst erwartet. Auch der Damm der Feldbahn ist fertig, die den Schutt abfahren und das Baumaterial, soweit nötig, heranschaffen soll; sie hat mehrfach eine Steigung von 60 Grad zu über­winden. Endlich ist die Wasserleitung bis auf die Aufstell­ung der Maschinen fertig; das Brunnenhaus im Westen! der Burg ist gebaut und zwar in altertümlicher Form aus den'Sandsteinblöcken, die man gewann, als die Röhren durch die Felsen heraufgesprengt wurden. Die Aufgrab­ungsarbeiten sind ebenfalls im großen und ganzen beendet, sodaß mit den Untermauerungen begonnen werden kann. Solche sind namentlich an den großen Felsen, auf denen) die Mauern stehen, nötig geworden. Hier sind auch die großen Mauereinstürze weggeräumt worden, aus denen man eine Unmenge noch brauchbarer Steine, zum Teil gewaltige Blöcke, gewonnen hat. Andere, die sich zur Ver­wendung nicht mehr eigneten, werden, wie schon früher, zur Sandgewinnung benutzt. Große Abstützungen sind üb­rigens an der benachbarten Oedenburg vorgenommen wor­den, deren Einsturz sich leider befürchten ließ. Der Brunnen ist jetzt bis auf 62 Meter ausgegraben; er ist gegenwärtig mit Brettern zugedeckt. Die wenigen Tage der Arbeit dieses Jahres haben übrigens auch schon einige Entdeckungen gebracht. So ist vor dem Löwenthor ein Graben. aufgedeckt worden, über den seiner Zeit eine Zugbrücke geführt hat. Am Thore der Südseite hat man die Stallungen der Pferde gefunden, deren Anlage darauf schließen läßt, daß selbst hier die prachtliebenden Erbauer der Burg keine Kosten gescheut haben und geradezu Musterhaftes geleistet haben. Endlich ist man an der östlichen Spitze des Tiergartens in einer Tiefe von 2 Metern auf mächtige Fundamente gestoßen, eine Entdeckung, die geeignet ist, den Plänen in mehrfacher Hinsicht eine endgiltige Form zu geben. Funde werden fortwährend gemacht; ihre Zahl beträgt jetzt über 5000. Die Sammlung, die in dem kleinen Hause an der Südseite untergebracht ist, ist während des Winters über­sichtlich geordnet und gezeichnet worden. Es finden sich darunter einige wertvolle und wunderhübsche Arbeiten. An den Plänen ist übrigens auf Grund der bisher gewonnenem! Aufschlüsse fortdauernd weiter gearbeitet worden. Sie sind zur Zeit in der Großen Berliner Kunstausstellung int Landesausstellungspalast am Lehrter Bahnhof ausgestellt, wo sie eine ganze Wand einnehmen. Ein großes Fries von 9 Meter Länge zeigt die Lage der Burg in dem lang­gestreckten Waldgebirg der Vogesen. Das Modell findet sich da, außerdem verschiedene große Studien blätter, die neu angefertigt sind, Grundrisse und anderes mehr. Alle diese Vorarbeiten geben für den Bau die allgemeine Grund­lage, die im einzelnen auf Grund etwa noch zu machender Entdeckungen immerhin mancherlei Abänderungen erfahren könnte, wenn auch, wie gesagt, das Ganze jetzt enogittig feststehen dürfte.

* Napoleon III. und seine Freundinnen. Von dreiFreundinnen" Napoleons III. erzählt der Pariser Kor­respondent desWien. Extrabl.": Marion Morris, die in ihrer Jugend die bevorzugteste Maitresse Napoleons III. gewesen ist, kehrte vor kurzem der französischen Haupt- ladt den Rücken, um in ihre Heimat nach ÜLordamerika zurückzukehren. Sie ist an Leib und Seele gebrochen, und macht die weite Reise nur, um in der Erde ihres Vater­landes bestattet zu werden. Gemeinsam mit Marron be­saßen zwei andere Schönheiten die Gunst des Monarchen. Helene Esclande, Escher Beaulieu und Marion Morris! Helene Esclande und Esther Beaulieu waren Französinnen von niederer Abkunft. Auf recht romantische Art setzte Napoleon sich in den Besitz von Helene Esclande. Die einfache Pächterstochter begegnete eines Morgens auf einem schmalen Waldpfade einem Offizier. Sie ahnte nicht, daß es der Kaiser war, der einige Augenblicke mit ihr plauderte. Am Abend desselben Tages wurde sie entführt und nach dem Schloß Compiegne gebracht. Als Zwanzigjährige hatte sie es satt, von einem regierenden Fürsten angebetet zu werden. Sie entfloh mit einem Pagen. Als sie später unter anderem Namen in Paris als Schauspielerin auftrat, ver­liebte sich Napoleon aufs neue in die Treulose und ver­anlaßte die einstige Geliebte, in den Tuilerien zu bleiben. Im vergangenen September starb sie vor Entkräftung in einer armseligen Dachkammer, deren Mietzins sie längst nicht mehr erschwingen konnte. Esther Beaulieu war eine schmucke, junge Wäscherin. Zu ihren Kunden zählten erste Berühmtheiten. So kam sie auch häufig in das Jung­gesellenheim des damaligen Direktors der Comedie Fran- caise, Arsene Hussaye. Dort sah sie einmal der Kaiser, er verliebte sich in die schöne Wäscherin und brachte sie nach einem Landsitze bei Neuilly. Auch Esther Beaulieu war nach dem Tode Napoleons dem Elend ausgesetzt. Am 20. De­zember 1900 fand man sie im Quartier Latin in einem kahlen Stübchen verhungert vor. Marion Morris, die letzte lleberlebende der drei Frauen, hat gleichfalls feit dreißig.

** Untersuch un a. In der Lederfabrik von R. Ihm in Mainz kam dieser Tage, wie wir mitteilten, der Ar­beiter Fleischer ums Leben. Es wurde angenommen, daß er einer Vergiftung erlegen sei. Im pharmakologischen Institut der hiesigen Universität ist jetzt festgestellt worden, daß die Sumac-Brühe, die den Tod herbeigeführt haben sollte, giftige Bestandteile nicht enthält. Es wird nun an­genommen, daß der Tod des Mannes durch Herzlähmung yerbeigeftihrt wurde.

-ü- Lützellinden, 17. Mai. An dem Himmelfahrt­tage fand wieder, wie alljährlich, nachmittags auf der sogen. Holzburg, einem Tannenwäldchen an der Kleinlindener, Straße, eine kirchliche Feier statt. Zu dieser Feier war wieder Pfarrer D e g g a u, der früher in Heuchelheim wohnte und gegenwärtig am Diakonissenhaus in Darm­stadt wirkt, erschienen. Verschönert wurde die Feier durch die Mitwirkung des hiesigen Posaunenchors und des Kirchengesangvereins. Die Bewohner unseres Ortes, sowie die aus Kleinlinden, Großenlinden und Allendorf a. d. Lahn waren äußerst zahlreich erschienen.

e. Bad-Nauheim, 17. Mai. Das hiesige Großh. Kurtheater eröffnete am letzten Mittwoch die Theater­saison mit derversunkenen Glocke" von Hauptmann. Heute abend gab es zwei Einakter:Zum Einsiedler" undIn Zivil", sowie unter Mitwirkung der Kurkapelle Ballet eines Frankfurter Gastspiels. Die beiden Vorstellungen erfreuten sich eines recht guten Besuches. Die Aufführungen sind besser wie die in früheren Jahren; es dürfte das an dem Umstande liegen, daß der Direktor, Karl v. Maixdvrff,, früher Herzogl. Meiningenscher Hofschauspieler, feit dem vorigen Jahre mit einem und demselben Ensemble das ganze Jahr spielt. Die Direttion, die schon feit 7 Jahren ovs Saisontheater in Bad-Nauheim hat, spielt im Winter in Meran. Die Gesamtfrequenz des Bades betrug mn 15, Mai 2514 Personen, Zugang in der letzten Woche .755 und noch anwesend waren am 15. Mai 2150 Personen. Die Zahl der abgegebenen Bäder beträgt 17 334.