intimsten Freunde die Wahrheit. Jüngst verließ der Präfi-. dent die Hauptstadt, angeblich, um einen Jagdausflug zu machen, aber er war von einigen vertrauten Freunden begleitet, die ihn überwachten. Der wirkliche Grund seiner Abreise war, daß sein Zustand so beklagenswert ist, daß ein Luft- oder Ortswechsel eine gebieterische Notwendigkeit war. Der Gewährsmann der „World" fügt hinzu, eine Revolution könnte die Folge der Erkrankung Diaz' sein. Mehrere an mexikanischen Werten interessierte New-Iorker Kapitalisten erkundigten sich beim mexikanischen Gesandten, ob die Ge rüchte über den Zustand des Präsidenten Diaz begründet seien. Der Gesandte erwiderte, das Befinden des Präsidenten habe sich wesentlich gebessert, er kehre in wenigen Tagen in die Hauptstadt zurück.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 18. März 1901.
**DasProgramm deshiesigenGroßh. G.y m- n a s i u m s liegt uns vor. Es enthält außer Schulnachrichten und einer Chronik des Gymnasiums einen Aufsatz des Direktors Professor Dr. Schädel über „Immanente Parallelbehandlung des Goethe- und Schillerstoffes in Oberprima", der sicherlich allgemeine Beachtung finden wird.
** Bezirks-Lehrerturnverein. Man schreibt uns: Am letzten Samstag fand die erste Turnstunde unter Leitung von Lehrer B a ch - Großen-Linden statt. Der in den Vereinsorganen veröffentlichte Stoff und die klar entwickelte Methode befriedigten alle Teilnehmer, und man fand sich in dem Gedanken zusammen, daß solche Turn- stunderi d och vielseitige Anregung, besonders für das Turnen in der Schule, bieten. Der beste Erfolg der ersten Turnstunde aber ist sicher der, daß man einhellig beschloß, im nächsten Monat alsbald wieder eine Turnstunde abzuhalten.
♦* Ueber die Genossenschaftsbewegung, im Besonderen über die Konsumvereine sprach am Samstagabend der Leiter der Hamburger Groß-Einkaufs- genossenschaft, Kaufmann, vor gut besuchter Versammlung im Orbig'schen Lokale. Der Redner führt zunächst aus, daß die Genossenschaftsbewegung mit der Organisation der Arbeiter, der Gewerkschaftsbewegung eng verbunden sei. Richt nur mit dem Steigen der Löhne, sondern auch mit der Zersplitterung des Kleinhandels seien die Preise der Lebensmittel in die Höhe gegangen. Daß die großen Warenhäuser im stände seien, billiger zu verkaufen, als die mittleren und kleinen Händler, liege in der Macht des ihnen zur Verfügung stehenden Kapitals, vermöge dessen sie vorteilhafter einkaufen könnten. Der Großeinkauf ermögliche sonach auch den Konsumvereinen, ihren Mitgliedern billigere und bessere Waren zu bieten. Was die Konsumvereine in dieser Hinsicht zu leisten vermögen, zeigt der Redner an einigen mit Zahlen belegten Mitteilungen, besonders wies auf den vielfachen Millionenumsatz des gleichzeitig als ' Groß Produzent arbeitenden Konsumvereins Leipzig-Plagwitz hin, und stellte in Aussicht, daß die Konsumvereine in Zukunft erfolgreich mit den Großwarenhäusern konkurrieren würden. Der Redner schildert hierauf den Einfluß des Genossenschaftswesens auf die Produktion und damit auf die Lage der Arbeiter, die auf dem Umwege des Konsumvereinswesens selbst Produzenten würden, wodurch sie sich die wirtschaftliche Macht und in deren Folge auch die politische sicherten. T4e Frage, ob man in Gießen einen Konsumverein errichten könne, beantwortete der Redner nicht unbedingt mit: Ja! Die Thatsache aber, daß alle bereits bestehenden Vereine aus kleinen Anfängen heraus sich zu ihrer heutigen Größe entwickelt, und seiner Ansicht nach keine Stadt in Deutschland sei, in der die Gründung eines Konsumvereins unmöglich, berechtige zu der Annahme, daß auch in Gießen der Sache näher getreten werden könne, Mut und fester Wille würde auch hier zum Ziele führen. In der folgenden Diskussion äußerten mehrere der Anwesenden ihre Bedenken gegen eine derartige Gründung im Hinblick sowohl auf die politische Unsickferheit, die noch unvollkommene gewerkschaftliche und politische Organisation der Arbeiter und die besonderen lokalen Verhältnisse. Andererseits wurde empfohlen, den Versuch im Sinne der Darlegungen des Redners zu machen. Ein in einer früheren Versammlung eingesetztes Komite wird sich mit den Vorarbeiten befassen.
I. Pferdemarkt-Omnibus-Verbindung. Zu dem am Mittwoch den 20. d. M. auf dem Viehmarktplatze stattfindenden Pferdemarkt wird der Vorstand der Omnibus- gcsellschaft eine regelmäßige Omnibusverbindung von und nach dem Bahnhofe zu allen ankommenden bezw. abgehenden Personenzügen einrichten. Fahrpreis 20 Pfg.
* * 2b jähriges Jubiläum. Am Samstag abend feierte der Oberküfer Gg. Friedrich in der Jughardt- schen Wirtschaft im Kveise des gesamten Personals der Firma „Gießener Brauhaus Ad. Tenninghofs", seine fünfundzwanzigjährige Thätigkeit in der Brauerei. Der Jubilar wurde durch Ucberreichung einer größeren Geldspende, sowie prachtvoller Geschenke erfreut, und die Feier verlief in würdigster Weise und schönster Harmonie. Sie hat wieder gezeigt, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein recht gutes zu nennen ist.
**Ausdem Theaterbüreau wird uns geschrieben: Auf vielfachen Wunsch wird am Dienstag noch einmal „F l a ch s m a n n als Erzieher" aufgeführt, und zwar als letzte vo l ks tüin l ich e Vorstellung der Saison. Da auf die beiden folgenden Spieltage, Mittwoch und Freitag Theatervereinsvorstellungen fallen, so findet die nächste Abonnementsvorstellung erst Sonntag, den 24. ds. Mts. statt.
* * Irene Triesch Gastspiel. Um irrigen Gerüchten ent gegenzutreten, sei bemerkt, daß die Billets durchaus nicht vergriffen sind, sondern noch in allen Preislagen zur Verfügung stehen. ES sei ferner darauf aufmerksam gemacht, daß mit heute (Montag) abend das Recht der Theatervereins-Abonnenten, ihre Plätze zu belegen und für dieselben ein Billet zu ermäßigtem Preise zu lösen, aufhört. Don Dienstagmorgen an geschieht der Verkauf nur noch zu den vollen Preisen. Die nicht belegten Plätze werden dann an jedermann ab- gegeben.
* * Evangelischer Arbeiterverein. Am Soun tagabend sprach Rechtsanwalt Raab im Vereinslokal des Evangelischen Arbeitervereins über „Wohnungsmiete". Der Redner führte der.Versammlung in ctnxi einslündigem Porttag das Wesentliche aus den Bestimmungen des Bür
gerlichen Gesetzbuchs über diese Materie vor (z. B. Fehler und gesundheitswidrige Beschaffenheit der Wohnung, Abnutzung, Untermiete, vertragswidriger Gebrauch, Kündigung, -Eigentumswechsel, Pfandrecht an den eingebrachten Sachen). Der Redner stteifte auch den Prozeß, soweit es die Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter angeht, und brachte einen interessanten Fall einer Exmission zur Sprache, wobei er darauf hinwies, daß das Armenamt nicht helfen konnte, und daß auf diesem Gebiet überhaupt noch vieles zu thun sei. Ter Redner kam zum Schluß noch auf eine Anzahl Fragen aus dem Strafgesetzbuch, Polizeistrafgesetzbuch und aus lokalen Polizeiverordnungen zu sprechen. Er hatte es als sein Ziel bezeichnet, den Zuhörern den spröden Gesetzestext durch praktische Fälle und in der Form der Erzählung näher zu führen. Wir glauben, daß ihm dieses gelungen ist. Tas bewies das lebhafte Interesse, mit dem man seinen Ausführungen olgte, der Beifall und die Diskussion, bei der aus der Mitte der Versammlung eine wahre Fülle von einzelnen Fragen zur Erörterung gebracht wurde. Rach dem Vortrag kamen noch interne Angelegenheiten des Vereins zur Sprache. Allseitige Zustimmung fand dabei das Projekt des Vorstandes, den Vereinsmitgliedern nächstens zwei Volkskonzerte mit klassischer Musik zu einem Eintrittspreis von etwa 20'Pf. zu ermöglichen.
-o- Lang-Göns, 18. März. Am 23. Juni gedenkt der Gesangverein „Germania" sein zehnjähriges Stift- u n g s f e st, verbunden mit großem Sängerfest au feiern. Der Verein hat 125 Mitglieder. Dirigent ist Herr C. S o m - merlad aus Gießen. — Ter Gesangverein „Froh- i n n" besteht hier schon 46 Jahre. Dirigent ist Herr G. Lames-Holzheim.— Alle Mittwoch abend während der Passionszeit hält Pfarrer Weber einen Gottesdienst ab, der stets stark besucht ist. — In kurzer Zeit kamen hier 13 Verlobun gen zustande.
§ Rockenberg, 17. März. Ein ebenso frecher als rätselhafter Einbruchsdiebstahl soll gestern nacht hier verübt worden sein. Der Anstaltsgeistliche Fischer im Landeszuchthause hier, fand zu seinem Schnecken am Morgen den Kassenvorrat geraubt, auch waren diverse Eßvorräte re. gestohlen. Das Gaunerstückchen ist um so auffallender, als bei dem Gebäude, in dem die Wohnung des Bestohlenen liegt, ein militärischer Wachtposten steht, und der oder die Diebe gar nicht bemerkt worden sind. Von ben Thätern ehlt bislang jede Spur.
B. Lauterbach, 16. März. Wie schon mitgeteilt, wurde gestern, nachdem zwischen 11 und 2 Uhr die Prämiierungskommission ihres schwierigen Amtes mit großer Genauigkeit gewaltet hatte, die erste Vogel - und Geflügelausstellung zu Lauterbach durch Kreisrat Dr. Wallau-Lauterbach eröffnet. Pfarrer Licht-Angersbach wies daraus in kurzer, kerniger Rede auf die Bedeutung dieser ersten Ausstellung hier hin, die den Zweck habe, einmal au zeigen, was in unserer Gegend auf dem Gebiet der Geflügelzucht geleistet werde und sodann weitere Kreise ür diesen Zweig der Landwirtschaft zu interessieren. Seine Worte gipfelten in einem Hoch auf unseren Landesfürsten, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Darauf and unter Führung des Vorstandes des Lauterbacher Ge- lügel- und Vogelzuchtvereins, der Herren May und Diehm, eine Besichtigung der ausgestellten Tiere und Gerätschaften statt. Besonders reichlich vertreten ist das Jtalienerhuhn, von dem allein 40 Stämme mit über 100 Tieren vorhanden sind. Rach ihm dürften die schwarzen Minorka, Hamburger Silbersprenkel, Langshan, zu nennen sein, von denen wunderschöne Exemplare borhanden sind. Merkwürdigerweise fehlen jegliche Vertreter unseres hiesigen Landhuhnes. Auch die gewöhnliche Haustaube ist nicht in der Ausstellung zu finden, während andere Tauben, Brieftauben, Mohrenköpfe, Bagdetten, Indianer, Kröpfer, Mövchen, Trommler rc. in mehreren Stämmen vertreten sind. Eine Anzahl Truthühner, schöne Tiere, fesseln gleich beim Eingang in den Ausstellungssaal unseren Blick, während Enten und Gänse in einem anderen zur Ausstellung gehörigen Raume untergebracht sind. Von den ausgestellten Hühnereiern erregen die von Pfarrer Licht-Angersbach ausgestellten Jtaliener- und Minorka-Eier mit ihrem respektablen Gewicht von 75 bis 80-Gramm allgemeine Bewunderung. Ein kleiner Glassalon mit japanesischen Tanzmäusen ist wohl nur der Seltenheit und der Possierlichkeit seiner Bewohner wegen ausgestellt, weniger, weil er hierher gehört. Daneben befinden ich Pappschachteln zum Versand von Bruteiern, Nistkästen für Vögel aller Arten, Proben verschiedener Vogelfutterarten u. a. m. Eine sehr schöne Kollektion ausgestopfter Vögel, darunter ein kürzlich im Kreise Lauterbach geschossener Adler, gereichen der Ausstellung zur Zierde. Die ganze Anlage und Ausschmückung der Ausstellung ist sehr geschmackvoll und zeugt von großer Sachkenntnis, aber auch von emsigem Fleiß und vieler Mühe der Ausstellungsleiter.
Darmstadt, 16. März. Wie verlautet, wird das Zarenpaar schon in nächster Zeit hierher kommen und auch der K a i s e r i n F r i e d r i ch auf Schloß Friedrichshof einen Besuch abstatten.
fc. Mainz, 17. März. Der bei der dritten Eskadron 13. Husaren-Regiments im zweiten Jahre dienende Husar Gärtner aus Lauter bei St. Goarshausen, st a r b gestern morgen vor Beginn des Stalldienstes, nachdem er sich bereits angekleidet und noch einmal aufs Bett gelegt hatte, plötzlich an einem Herzschläge.
Mainz, 16. März. Der hiesige Taglöhner Georg Frey, der am 23. Dezember v. I. seinen Vater durch Fußtritte in der gemeinschaftlichen Wohnung in der Kurfürstenstraße tötete, wurde wegen Geistesstörung außer Verfolgung gesetzt, und kommt in die Siechenanstalt nach Heidesheim. — In Sachen der Militärdienstpflicht der Volksschullehrer hat der Vorstand des katholischen Lehrervereins folgende Eingabe an das Großh. Ministerium, Abteilung für Schulangelegenheiten, gerichtet „Hohes Ministerium wolle bestimmen, daß das Militär, dienstjahr der Volksschullehrer sowohl bezüglich der Ab legung der Definitorialprüfuna als auch bei Bemessung der Dienstalterszulagen und der Pensionsbezüge so angerechnet werde, als ob es im Schuldienst selbst zugebracht worden sei.
fc. Frankfurt a. M., 17. März. Für das hier zu errichtende Frau Rath (Go e t he)-Den k m a l sind bis jetzt 15 369,90 Mark freiwillige Spenden bei dem Komite eingegangen. — Los von Berlin war das Kampf- gcschrei einer hier abgehaltenen, zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung, die von dem literarischen Verein Jung - Deutschland einberufen war, um der Oberhoheit Berlins über Süddeutschland in geistigen und insbesondere
Theaterfragen den Garaus zu machen. Tas positive Ergebnis der Versammlung war die Feststellung der That- ache, daß der Wunsch nach Errichtung eines Volks - tHeaters hier ein allgemeiner ist.
* • Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Zuchthausgefangener des Butzbacher Zellengefängnisses, der in seinem Zelle als Schuhmacher beschäftigt war, machte jüngst seinem Leben dadurch ein Ende, daß er ich mit oem „Schuflerkneip" den Hals durchschnitt. Die Leiche wurde nach Gießen verbracht.
Vermischtes.
* Coblenz, 17. März. Ein am frühen Morgen auS- gebrochenes Großfeuer zerstörte in Ehrenbreitstein vier große Wohnhäuser, dabei den Gasthof „Weimarer Hof".
* Kriminalschutzmann Stierstädter — bestraft — belohnt. Der Prozeß wider den Bankier Sternberg )atte bekanntlich auch dazu geführt, daß gegen den Kriminal- chutzmann Stierstädter wegen einiger „Dienstunregelmäßig, eiten" ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Nach der vorläufigen Beendigung des Sternberg-Prozesses und Ver- urteilung des Kriminalkommissars Thiel ist auch dieses Berühren nunmehr zum Abschluß gelangt. Das Resultat be- tand in einem einfachen Verweise für Stierstädter, weil sich in seiner Eigenschaft als Polizeibeamter in einer mit >em Dienst nicht gut zu vereinbarenden Weise nicht richtig »enommen hat. Diese Bestrafung hat indeffen ein interessantes Pendant erhalten. Für seine Umsichtigkeit und unerschrockene Amtsbethätigung ohne Ansehen der Person ist dem Schutz, mann Stierstädter vom Berliner Polizei-Präsidium eine Gratifikation in Höhe von 75 Mark zuerkannt und gezahlt worden. St. wird im Polizeidienste bleiben.
* Zur Entschuldigung des Duells schreibt jemand in der „Konserv. Monatsschrift": „ES ist das Duell ein Symbol des allein und ewig vollgiltigen Opfers Jesu Christi." -)as „Ev.-Prot. Kirchenblatt" bemerkt dazu: Und solche an Blasphemie streifende Weisheit will „konservatives, recht- j läubiges und alleinberechtigtes Christentum" sein.
* Wien, 17. März. Der Bankier Albert Bogel, der ehemalige Chef des Bankhauses Meyer & Bogel, wurde heute unter dem Verdachte des Giftmordes und der Erb- chleicherei verhaftet.
* Ueber einen Frauenmord in Bukarest wird gemeldet : Das Opfer nächtlicher Blutthat wurde eine 48jährige, vermögende Frau, Julia Jarca, die ungeachtet ihrer angesehenen Familie und trotz ihres Alters auf dem Pfade des Lasters wandelte. An dem Abend, als die That geschah, begegnete sie dem 19jährigen Schüler des Lyceums Brandza, Alexander Candiano, einem Sohn des früheren Hofmarschalls Candiano-Popescu. Sie lud ihn ein, sie zu begleiten — be- reitwillig nahm der Bursche, in dessen Gesellschaft sich noch ein Ibjähriger Mitschüler, Stefan Vladoianu, befand, die Ein- adung an. Beide hatten das Opfer, das sie seit Langem üchten, gefunden. Die beiden unreifen Burschen hatten in der Thot sich nur dazu zusammen gefunden, um einen Raab, mord zu begehen. Während Stefan vor dem Hause der Jarca zurückblieb, folgte ihr der andere in die Wohnung. Die ahnungslose Frau hatte sich vor das Pianino gefetzt, um eine Polka zu spielen, als der junge Uebelthäter einen Dolch fervorzug und ihn mit voller Kraft in den Rücken der Jarca ließ. Blutüberströmt fiel die Frau vom Sessel, worauf üanbiano ihr noch weiter eine Anzahl Dolchstiche versetzte. DaS Geräusch lockte das Dienstmädchen der Frau Jarca jerbei, die, als sie den jugendlichen Mörder, mit Blut be- pritzt, auf sich zutreten sah, erschreckt um Hilfe rief. Jetzt öffnete der Mörder das Fenster und sprang auf den zwei Meter tiefer liegenden Hof hinab, wo es gelang, den Verbrecher zu ergreifen. Mit ihm wurde ebenfalls der aus sehr angesehener Familie stammende Spießgeselle verhaftet, der sich durch sein Wachestehen verdächtig gemacht hatte. Cynisch erzählte jetzt der junge Candiano den Hergang, gestand auch offen, daß er gemeinsam mit dem jungen Vladoianu noch eine Reihe anderer Mordthaten geplant habe, um sich in drn Besitz von Geldsummen zu setzen, womit beide in da« Aus- land flüchten wollten. Er wies hierbei sein Notizbuch vor, wo die Adressen mehrerer alleinstehender Damen verzeichnet standen, denen die jugendlichen Mörder ihre Besuche zugedacht hatten.
* Ueber einen blutigen Straßenkampf in Ipek erfährt die „Polit. Correspondenz" folgendes: Der in Ipek wohnhafte Albanese Mehemed Rezzo ließ auS Blutrache den Sohn des Notablen Mustapha Bey durch gedungene Arnauteu ermorden. Der Mörder flüchtete in das Haus des Anstifters. Militär umzingelte dieses und ließ dem Mehemed Rezzo sagen, daß daS Haus, falls der Mörder nicht binnen vier Stunden ausgeliefert sei, zerstört würde. Der Mutessariff ließ die Zugänge der Stadt absperren und gegen das Haus Artillerie« feuer eröffnen. Zunächst wurden drei blinde Schüsse abgegeben. Die Eingeschlossenen eröffneten das Feuer und töteten vier Soldaten. Zur selben Zeit entwickelte sich außerhalb Ipeks ein Scharmützel, da Stammesgenossen Rezzos auS Rogora in die Stadt eindringen wollten. Sie wurden von den Truppen zurückgeschlagen. Das Haus wurde hierauf bombardiert und schließlich von Soldaten in Brand gesteckt. Die Jnsaffen, der Mörder mit inbegriffen, wurden durch die zusammenstürzenden Mauern getötet. Mehemed Rezzo verließ das Haus, um sich zu ergeben, wurde aber von den Soldaten niedergemacht.
• Brandunglück. Wie aus New Jork gemeldet roirb, zünbeten brei Neger in Balbwin County, Alabama, aus Rache ein Terpentinlager an, bas 200 Barrels Terp.ntin enthielt. Bei bem Branbe kamen 60 Personen umS Leben. . r .
♦ New-Jork, 16. März. Andrew Carnegie hat sich erboten, der Verwaltung von Groß-New Jork 5200000 Doll, zur Errichtung öffentlicher Bibliotheken zu schenken, wenn die Stadt 65 Baustellen für solche beschafft und sich verpflichtet, für die Unterhaltung der Bibliotheken jährlich 500000 Dollars zu verwenden. Ebenso hat Carnegie der Stadt Saint-Louis (Miffouri) eine Million


