werden, und daß es auch dem größten Staatsmanne nimmer gelingen wird, an Stelle eines zu Grunde gerichteten Bauernstandes einen neuen Bauernstand wieder zu begründen.
Dieweil nun aber diese große Gefahr für Volk und Vaterland droht, daß infolge Einwirkung des übermächtigen Großkapitals, insonderheit des Großhandels, die verbündeten Regierungen auch fürderhin auf Wege gedrängt werden, die nicht dem Wohle des Vaterlandes, sondern seinem Verderben zuführen, ist es Pflicht der Einzellandtage, dem Bundesrate und dem Reichstage, in welch letzterem infolge der Diätenlosiakeit neben dem Proletariat nur das Großkapital das große Wort führt, während das wirkliche Volk aber aus Mittellosigkeit nicht zur Geltung kommen kann, nachdrücklichst, durch Einwirkung auf die heimischen Birndesratsmitglieder, zur Erkenntnis zu bringen, daß so, wie seither der deutsche Bauernstand durch die Gesetzgebung mißhandelt wurde, im Interesse des Wohlergehens aller nimmer fortgefahren werden dürfe.
Aus diesem Grunde beantrage ich:
Hohe Zweite Kammer wolle beschließen:
1. die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, ihre Bundesratsmitgli^der zu instruieren, bei den dem- nächstigen Handelsvertrags-Verhandlungen nur einem M i n i m a l - Z o l l von m i n d e st e n s 7 Mark auf 100 Kilogramm der vier Hauptgetreidearten zuzustimmen;
2. diesen Antrag als dringlich zu behandeln.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 16. Februar.
Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten in Gegenwart von sechs Mitgliedern, später erhöht sich die Zahl der Anwesenden auf 30 bis 40. — Die zweite Lesung des Postetats wird fortgesetzt.
Abg. Graf Oriola (ntl.): Wenn Singer die Austragung der Renten an die Arbeiter und den Verkauf von Ver- ficherungsmarken durch die Post behufs Entlastung der Postbeamten wieder beseitigen will, so spricht er damit gegen die Interessen der Arbeiter. (Widerspruch.) Im weiteren ermahnt der Redner den Staatssekretär, den Polen in der Ad ressen frage kein Entgegenkommen zu zeigen, und verweist auf die polnischen Agitationen.
Abg. Fürst Radziwill (Pole) faßt die Einrichtung der Uebersetzungsstellen in Posen und Bromberg nicht als Kapitulation des Staatssekretärs auf, sieht in ihr. vielmehr nichts als eine neue Reglementierung der Postchikane. Weit entfernt davon, sich die geringste Mühe für die Feststellung einer etwa nicht ganz klaren Adresse zu geben, lassen die Beamten die polnischen Adressen nun einfach zur Uebersetzungsstelle in Quarantäne gehen. (Sehr richtig! bei den Polen.) (Diese Behauptung des Polenfürsten ist, wie wir an anderer Stelle heute beweisen, durchaus unzutreffend. D. Red.) Den Vorwurf bet Agitation weise ich zurück; die Herren, die diesen Vorwurf erheben, sehen den Splitter in unseren Augen, aber den Balken in dem ihrigen sticht. Ihr Patriotismus baut sich auf dem Hasse gegen eine fremde Nationalität aus. (Unruhe rechts.) Nach einer bald 20 jährigen Wirksamkeit der Potengesetze können Sie (rechts) nicht Feder und Tinte genug finden, um über die polnische Gefahr zu jammern. Wenn solche Gesetzgebung den polnischen Felsen nicht hat erschüttern können, die kleinlichen Postchikanen werden es auch nicht. Sie werden in weiteren 20 Jahren mit diesem Ihrem Latein auch zu Ende sein.
Abg. sDr. O e r t e l (kons.): Das Gefühl der Muttersprache kann durch das Schreiben deutscher Mressen nicht verletzt werden. Schließlich würden wir soweit kommen, daß auch alle unsere deutschen Mitbürger — auch innerhalb dieses Hauses giebt es ja solche —, für welche die hebräische Sprache gewissermaßen Muttersprache ist, ihre Briefe hebräisch adressieren und Anstellungverlangen von Post- beamten, die hebräisch sprechen können. (Heiterkeit.) Der Biererlaß entspricht nur dem, was in allen Büreaus als selbstverständlich gilt. Wir selbst verbannen die Bierflaschen aus unserem Sitzungssaal trotz unserer ungeheuer schweren Arbeit. (Heiterkeit.) Der Redner bemängelt dann, daß die Post von den Zeitungen eine frühere Auflieferung als bisher verlange, und klagt weiter über Portoschwierigkeiten im Vorortsverkehr. Die in Vororten Berlins Wohnenden müssen sehr erheblich Strafporto zahlen, obwohl die Empfänger keine Schuld trifft und sie die Sendung garnicht haben wollen. Namentlich Abgeordnete werden davon betroffen, und es wird zu erwägen sein, ob nicht jedem Reichstagsabgeordneten ein Pauschquantum für Ergänzungsporto gewährt werden kann. (Heiterkeit.)
Abg. Glebocki (Pole) verlangt Beweise dafür, daß der Post von den Polen Chikanen bereitet würden.
Staatssekretär v. Podbielski: Die Angelegenheit mit den polnischen Adressen wird über Gebühr aufgebauscht. Thatsache ist, daß große Bankiers in Posen erklärt haben, wir würden gern deutsche Adressen schreiben, aber das Publikum droht uns, bann sofort jede geschäftliche Verbindung abzubrechen. (Hört! hört! rechts.) Unaufrichtigkeit darf man uns nicht vorwerfen, aber wenn die Uebersetzungs- büreaus nicht genügen, so müssen die Briefe mit polnischen Adressen als unanbringbar betrachtet werden. Ich möchte len Termin für die Auflieferung der Zeitungen weiter hinausschieben, aber es wird das kaum gehen. Tas Ziel 'der Zukunft ist für mich, das billige Porto für die Städte auszudehnen auf immer weiter werdende Ringe. Warten wir zunächst ab, bis der Nachbarortstarif sich mehr eingelebt haben wird. (Bravo! rechts.)
Abg. Stöcker (wildk. > wünscht Erlveiterung der Sonntagsruhe und beschwert sich u. a. darüber, daß einmal in Frankfurt wegen des jüdischen Neujahrstages der Sonntagsdienst der Post etwas verlängert worden sei.
Staatssekretär v. Podbielski bekennt sich als Anhänger ausgedehntester Sonntagsruhe, deren volle Durch- siihrung aber nicht möglich sei. Tie Sonderbestimmungen in Frankfurt habe er auch nicht für richtig gehalten und Remedur cintreten lassen. Tie Frage, ob wir bei der Neu Ordnung der höheren Karriere Postreferendare und Post assessoren bekommen, kann ich so kurzer Hand nicht erledigen Der Titel Postkassierer ist kein sehr schöner, ob ich aber Post fekretär oder Staatssekretär heiße (.Heiterkeit), ich meine, nicht der Titel macht den Mann, sondern der Mann macht die Stellung. Für unsere Unterbeamten bestehen recht jchwierige Verhältnisse, ihre heutige Bezahlung ist unbedingt leine ausreichende.
Unterstaatssekretär Fritsch erklärt, die Losung der
Frage der Rechtschreibung hänge nicht in erster Reihe von der Reichspostverivaltung ab. Tie Verhandlungen seien im Gange, jedoch noch nicht abgeschlossen.
Äbg. v. Tiedemann (Reichsp.) kommt nochmals auf die polnischen Adressen zurück. Er habe als Regierungspräsident Briefe mit polnischen Aufschriften stets zurückgewiesen. Man müsse sich gegen die Polonisierung der oeutschen Städtenamen wenden. Es handelt sich hier um einen mutwilligen, um nicht zu sagen frivolen Vorstoß der Polen gegen die Post-Verwaltung.
Abg. Tr. Müller-Sagan (freis. Volksp.) schildert eingehend die Nachteile, die durch die verlangte frühe Auflieferung der Berliner Blätter erwachsen.
Abg. Ledebour (Soz.) bringt Mißstände im Berliner Vorortverkehr zur Sprache und protestiert gegen die chikanöse Behandlung der polnischen Adressen. Tas Vorgehen der Verwaltung gegen die polnische Bevölkerung sei unerhört. (Große Unruhe rechts.) Der Redner tadelt überhaupt die preußische Polenpolitik, indem er den Kampf der Polen für Erhaltung ihres Volkstums mit dem Festhalten der Deutschen in Ungarn an ihrem Deutschtum vergleicht.
Nach unerheblicher weiterer Debatte werden eine Anzahl von Titeln angenommen und die weitere Beratung auf Dienstag 1 Uhr vertagt.
Politische Tagesschau.
Der Besuch des euglischeu Kö'uigspaareS ist nun offiziell angezeigt worden. Unser Kaiser ist bekanntlich am 7. Februar in Homburg eingetroffen; er wird dort noch längere Zeit verbleiben, er und seine Gemahlin werden also in Homburg das englische KönigSpaar erwarten. Unter diesen Umständen soll eS auch auS- geschloffen sein, daß König Eduard und seine Gemahlin nach Berlin kommen werden. Darüber darf man sich leider nicht mehr täuschen, daß die Kaiserin Friedrich mit einer entsetzlichen Krankheit ringt, welche die Kräfte der hohen Frau bald verzehren wird. Ueber den Ernst der Lage ist man sich auch wohl in der Umgegend der Kaiserin Fried rich vollkommen klar. König Eduard hat sich auf das genaueste von dem Kaiser über die Krankheit unterrichten lassen und der Draht nach England spielt ja wohl auch noch jeden Tag. König Eduard und Kaiserin Friedrich haben den sehnlichsten Wunsch, sich noch einmal ins Auge zu sehen, die Hand zu drücken. Mit geradezu heroischer Geduld erträgt die edle Frau ihr Leiden: selbst schwere Herzbeklemmung und Atemnot haben ihr daS lebendige Interesse für alle Vorzüge auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft nicht rauben können. Bei der verhältnismäßig sehr geringen Nahrungsaufnahme ist es natürlich auch sehr schwer, ein Zurückweichen der Körperkräfte zu verhindern. Wie lange daS englische KönigSpaar in Homburg weilen wird, darüber ist Bestimmtes noch nicht verlautbar geworden; aber das darf wohl als ganz sicher angenommen werden, daß der Aufenthalt nicht lange ausgedehnt werden wird.
General von Werder ist nach Petersburg abgereist. Man weiß, daß der General sowohl am Zarenhofe, wie auch in der Petersburger Gesellschaft persona gratissima ist und daß deshalb ganz besondere Gründe vorliegen müffen, die den Kaiser zur Entsendung dieses seines Vertrauensmannes bestimmt haben. An amtlicher Stelle möchte man am liebsten jede politische Bedeutung der Mission in Abrede stellen, doch geht dies wohl kaum an, weshalb die offiziösen Blätter raten, abzuwarten, aber nicht ins Blaue hinein zu phantasieren. Jedenfalls betont man aber mit Nachdruck, daß die Reise deS Kaisers nach England keineswegs die Veranlassung zu einer Mission des Generals von Werder habe bieten können, denn in Petersburg wisse man, daß ihr keinerlei politische, sondern nur persönliche Motive zu Grunde gelegen hätten. Vermutlich handelt eS sich um die Wie derher - tellung des Einvernehmens zwischen der deut- chen und der russischen Diplomatie in Bezug auf ;ie Behandlung der chinesischen Frage. Denn eS ist ein Geheimnis, daß die Auffassung und Beurteilung der age in China seitens der Petersburger und der Berliner Diplomatie zurzeit durchaus verschieden ist, und dieser Zwie- palt muß sich naturgemäß täglich erweitern. Der Räumungsvorschlag bezeichnete den Anfangspunkt deS rufst- chen SonderwegeS, und seit der Zeit hat sich Rußland fast mm er im Lager jener Mächte befunden, die den deutschen Vorschlägen Widerspruch entgegengesetzt haben. Wahrscheinlich oll nun General Werder eine Aussprache herbeiführen, damit )er Ungewißheit der Lage ein Ende gemacht wird; denn nachgerade scheint selbst Graf Waldersee zu erkennen, wie unhaltbar seine Stellung und wie überflüssig eine weitere Ausdehnung Der Dauer seiner Mission ist. Verlautet doch jetzt schon mit Bestimmtheit, daß der General- seldmarschall im April die Heimreise antreten werde.
Die soeben erlassenen Bestimmungen über die Uebungen der Reserve- und Landwehroffiziere bringen manche intereffante Einzelheiten. So ist der Chef des Generalstabes ermächtigt Morden, die Einberufung solcher Oifiziere, die als Adjutanten von Linien Kommandanturen bezeichnet sind — jedoch, soweit sie nicht Reserveoffiziere und als solche noch übungspflichtig ind, nur im Falle ihres EinverständniffeS — zu einer dreiwöchigen Uebung bei den betr. Linien-Kommissionen durch die Generalkommandos zu bewirken. Die Generalkommandos werden ermächtigt, inaktive oder dem Beurlaubtenstand angehörige Offiziere sowie Bezirksoffiziere, die für den Mobilmachungsfall als Adjutanten der stellvertretenden General- kommandoS, der Inspektion der inmobilen Garde-Infanterie oder der stellvertretenden Infanterie-Brigaden von Bezirks- Kommandos ausgebildet werden sollen, — jedoch, soweit sie nicht Reserveoffiziere und als solche noch übungspflichtig sind, nur im Falle ihres Emverständnisses — zu einer sechs- bis a ch t w ö ch i ge nDienstleistung heranzuziehen. Offiziere, die für den MobilmachungSfall als stellvertretende Bezirks-Kommandeure bezeichnet find, dürfen zu einer sechs- bis achtwöchigen Dienstleistung herangezogen werden, wenn sie noch nicht Gelegenheit hatten, den Dienst bei einem Bezirkskommando kennen zu lernen oder wenn seitdem 5 Jahre vergangen sind.
Auch Kavallerie- und Feldartillerie-Offiziere des Beurlaubtenstandes, die im Mobilmachungsfall zu Reserve- und Landwehr- Jnfanterie-Bataillonen bestimmt find, kann bei der Infanterie und zwar während der Manöver herangezogen werden. Sie haben sich auf einem mitgebrachten Pferd beritten zu machen. Freiwillige Dienstleistungen bei Linien-Truppenteilen und der Fußartillerie-Schießschule bis zur Dauer von 8 Wochen von inaktiven Offizieren, sofern diese für den Mobilmachungsfall zu Kompagnie- usw. Führern in Aussicht genommen sind, sonnen unter Gewährung der bestimmungsmäßigen Gebührnisse von den Generalkommandos der obersten Waffenbehörde» genehmigt werden.
Welche Stimmung durch die Roberts-Ehrung in weiten Kreisen des deutschen Volkes erzeugt ist, das kann selbst der Berliner Korrespondent der Londoner „TirneS" seinem Blatte nicht verhehlen; er schreibt:
„Man darf vor der Thatsache gewiß nicht die Augen verschließen, daß der lange Aufenthalt des Kaisers in E gland und einige der komplimentierenden Handlungen, die er dort oorgenommen Hal, mit den Gefühlen der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes nicht im Einklang stehen. . . .
Insbesondere laufen daS Telegramm des Kaisers an Lord Roberts und seine liebenswürdigen Aufm-rkiamkeiten für den Helden von Kandahar und Pretoria den vorherrschendenEmpfindu' gen der deutscyen Nation zuwider, und dieS gilt von dem äußersten rechten Flügel der Konservativen im Reichstage wie im Lande bis zur äußersten radrkalen Linken und selbst bis in die Reihen der Sozialdemokraten. DieS ist die lautere Wahrheit, und es geziemt sich wohl, sie sreimütig zu äußern."
Polnische Postadressen.
Gießen, 15. Februar. •)
Ein Einwohner Gießens erhielt dieser Tage folgende Karte aus dem Oberpostdirektionsbezirk Bromberg durch die kaiserlich deutsche Post richtig zugestellt:
13 Deutsche Reichspost.
<2. Karte poeztowa.
►ö Postkarta.
o Wielmozuy Pan
o ......sz (Name.)
B www. pan dobrodiej
S w Lac (Hasja wyzsza)
. Ulica waltorja.
Die Karte, auf der nicht ein verständliches deutsches Wort stand, (mit Ausnahme deS verbesserten KopfeS) ging zur Feststellung des Absenders durch die Hände von elf Postbeamten, die erklärten, den Absender aus der Handschrift (k!) nicht erkennen zu können. Darauf wanderte sie, tote der aufgedruckte Stempel beweist, in die Uebersetzungsstelle Bromberg und kam folgendermaßen wieder daraus hervor:
"Wielmozuy Pan (Herr.)
« (Titulatur.)
m www. pan dobrodiej.
| (Gießen) (I U) (Oberhessen)
§ w Lao (Hasja wyzsza)
*5 Ulica waltorja
o (Walterfiraße).
Die eingeklammerten Worte sind auf dem Original in roter Tintenschrift zugesetzt. Trotzdem die Karte erst am 7. Februar abends aufgegeben, hat sie bloS 6*/a Tage gebraucht, um nacheinander die elf Postbeamten und die Uebersetzungsstelle zu passieren! Es scheint doch ziemlich „prompt" gearbeitet zu werden auf den neuerrichteten Hebet» setzunasstellen.
Die Vermutung des Herrn Adressaten, daß ein Lexikon polnischer Ortsnamen hiernach existieren muß, ist zutreffend. Ein eifriger Pole hat thatsächlich ein solches herausgegeben, das den polnischen Briefschreibern als Führer bet der Chikanierung der Post dienen soll. Der „Snrtjer Poznans!", ein polnisches Blatt in der Stadt Posen, ist emsig bemüht, dieses Lexikon für immer weitere Teile des Reiches zu ergänzen. Wie weit diese Arbeit bereits geführt wird, ersehen wir aus der neuesten Nummer der „Ostmark"; danach hat der Shirt)er sich nicht mit der Ausdehnung der angeblich polnischen Namen über zweifellos deutsche Orte in Ost- und Westpreußen und Schlesien begnügt, sondern in seiner Nummer vom 29. Januar noch eine wettere Fortsetzung gebracht, die sich auf 60 deutsche Städte erstreckte und die Ueberschrift trug: „Frühere slawische Städtenamen im Westen des Slawenreiches." Zu diesem heute noch unsichtbaren, aber von den Polen erträumten Slawenreiche gehören Städte wie Lüneburg, Magdeburg, Merseburg, Neumünster, Oldenburg, Ratzeburg, Saalfeld, Salzwedel u. a. nt.
Unser Gießen scheint auch bereits Aufnahme dann gefunden zu haben, wie au^dem Namen „Lae" zu schließen ist. „Lae" (sprich: Latsch) heißt zu deutsch: „gießen, strömen".
Ta scheint denn doch die Behauptung, die neulich im Reichstag gefallen ist, daß Graf Bülow einen „neuen Polenkurs" einschlagen wolle, nicht so ganz unzutreffend zu sein, wie die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." es darzustellen unternimmt. Das genannte Blatt nennt diese Behauptung „völlig haltlos" und schreibt weiter: ..
Als Reichskanzler wie als Ministerpräsident i|t sich Graf v. Bülow der Notwendigkeit bewußt, in unseren Ost- marken dem deutschen Volkstum in seiner berechtigten Abwehr gegen das Ueber wuchern eines politisch feindseligen P o l e n t u m s zu Hilf ezu kommen und namentlich dort einzuschreiten, wo staatliche Oran- nisationen zur Förderung n a ti o n al p o l u i sch e r Bestrebungen mißbraucht werden sollten. Deshalb wird auch der Reichskanzler Vorsorge treffen, daß in der Behandlung von Postsendungen mit polnischen Adressen eine feste und gleichmäßige Praxis beachtet wird. Unsere polnischen Mitbürger aber mögen sich in ihrem eigenen Interesse gesagt fein lassen, daß die Abneigung des leitenden Staatsmannes gegen die Anwendung kleinlicher Mittel sie nicht davor schützen wird, eine h a r t e H a n d zu fühlen, wenn sie in einer preuni - j ch e n Provinz etwas anderes sein wollen, als l o tz a l e preußische U n t e r t h a n e n !"
Wir können nur wünschen und hoffen, das; die Aussuyr- nnqen des preußischen Regierungsblattes recht bald in der Praxis sich in unverkennbarer Weise bemerkbar machen.
Fm Rhein. Cour." lasen wir übrigens kürzlich! folgendes: „Tas neueste Mittel der Polen, die Regierungsbehörden sich willfährig zu machen, ist bekanntlich das, daß sie sonst


