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18/12/1901 Zweites Blatt
 
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Dasselbe (gew. Druck)

zur Rabenau, Fricdelhausen.

rgen.

regung.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Brauerschwend wurde am Sonntag der 63 Jahre alte Dienstknecht des Bürgermeisters Schuchardt, Christian Weitzel, m der Pfuhlgrube seines Dienstherrn tot aufgefunden. Nach der stattgehabten Untersuchung ist anzunehmen, daß W. Selbstmord begangen hat. In Gries heim ist eine, Blatternerkrankung vorgekommen. Es sind alle Maßnahmen getroffen worden, um einer Weiterverbreitung der Krankheit vorzubeugen. Ueber den Ursprung der Krankheit ist nichts bekannt. Am Samstag beging der in der chemischen Fabrik von E. Merck in Darmstadt thätige Fritz Weygandt das 50jährige Dienstjublläum. Der Großherzog ließ dem Jubilar, der schon vor mehreren Jahren die Medaille für treue Arbeit erhalten hatte, als weitere Anerkennung sein Bild mit eigenhändiger Namensunterschrift nebst Begleit-- schreiben unter geeigneter Ansprache durch Geh. Kabinetsrat Römheld überreichen.

gegenüber demGieß. Anz." erlaubt hat.

* Böser Köter. Wie uns mitgeteilt wird, ist der Be- itzer des bösen Köters, der, wie wir in Nr. 295 berich­ten, eine Dame auf dem Kreuzplatz verfolgte und angriff, ermittelt und zur Anzeige gebracht worden. Er wurde mit einem Polizeibefehl bedacht.

? Lang-Göns, 15. Dez. Gestern abend versammelte sich die hiesige freiwillige Feuerwehr im Saale des Gast­wirts Brückel, um den 21. Stiftungstag unserer Wehr festlich zu begehen. Unter den zahlreich erschienenen Freunden und Gönnern bemerkten wir zu unserer Freude den Bürgermeister, den Ortsvorstand, die Lehrer und sämtliche noch lebenden rüheren vier Hauptleute. Nachdem der derziittge Hauptmann Nern, die Anwesenden begrüßt und auf den hohen Pro­tektor der Hess. Feuerwehren, den Großherzog ein begeistert aufgenommenes dreifaches Hoch ausgebracht hatte, stellten unter der Leitung des Photographen W. Boller Mitglieder der Wehr, unterstützt von Mitgliedern des Turn- und Krieger­vereins mehrere, zum Teil humoristisch gehaltene, Bilder, die Szenen aus dem Arbeitsfelde der Feuerwehren und der Weihnachtszeit Wiedergaben. Die Bilder gelangen unter an­gepaßter bengalischer Beleuchtung vorzüglich. Die schönen Zither- und Violinvorttäge während der kurzen Pausen, aus­geführt durch die Herren Weil und Karl Boller, und mehrere Toaste teils ernsten, teils heiteren Inhalts, aus denen das steigende Interesse für den edlen Beruf der Feuerwehr her­vorleuchtete, trugen nicht wenig zur Verschönerung des abends bei. Unsere freiwillige Feuerwehr hat gezeigt, daß sie für den Ernstfall, aber auch für Scherz gewappnet ist, und sie wird sich gewiß immer neue Gönner und Freunde erwerben.

e. Sellnrod (Kr. Schotten), 14. Dezember. Unsere beiden hiesigen Lehrerstellen, die seit einiger Zeit durch Versetzung bezw. Wegmeldung der seitherigen Inhaber erledigt sind, sind gegenivärtig gleichzeitig zur definitiven Besetzung ausgeschrieben. Mit einer der beiden Stellen ist Organistendienst verbunden.

A. Darmstadt, 16. Dezember. Kommt da gestern abend em in flotter turnerischer Manier auftretender Herr an den Stammtisch der hiesigen Turngemeinde mit dec Erklärung, daß er Abgesandter des Stuttgarter Turnvereins sei, die in folge von Darmstadter Herren erlassenen Aufrufes in echt turnerffcher Freundschaft zu dem neuen Baufond des ab­gebrannten TurnhauseS der hiesigen Turngemeinde 1247 M. gesammelt habe; er sei beauftragt, die Summe zu über­bringen. Doch sei sein Gepäck noch an der Bahn, da er an-

Gew.: Prof. Tr. Noack hier.

Peter Halm,Bieb

vorübergehend Civilpersonen beschäftigt werden. Für viele stellen- und arbeitslose Personen wird diese Verfügung eine unverhoffte Weihnachtseinnahme ermöglichen.

** Vou der Eisenbahn. Den vielfach aus dem reisenden Publikum geäußerten Wünschen nach Einlegung eines Früh­zuges von Büdingen in der Richtung Nidda-Gießen scheint die Eisenbahndirektion nunmehr stattgeben zu wollen. Dem Büd. Allg. Anz." wird folgendes Schreiben der Direktion zur Verfügung gestellt:Auf die von Ihnen und anderen Interessenten an die Bettiebsinspettion 2 in Gießen gerichtete Eingabe vom 9. Okt. d. Js. teilen wir ergebenst mit, daß wir die beantragte Durchführung des um 5 Uhr 45 früh von Stockheim nach Gießen fahrenden Zuges 5,01 von Büdingen nach Gießen für den nächsten Sommerfahrplan in nähere Erwägung ziehen werden. Weitere Mitteilungen hierüber be­halten wir uns ergebenst vor."

* Ausstellung. Die Aliceschule eröffnete heute die Ausstellung der von Schülerinnen gefertigten Arbeiten. In den Parterreräumen sind die Erzeugnisse der Koch- und Back­kunst, in den oberen Räumen die des Kleidermach- und Weißzeugkursus ausgestellt. Ferner kann man sich hier von der Fertigkeit überzeugen, die die Schülerinnen im Bügeln, in der Anfertigung mannigfacher Gebrauchs- und Luxus­gegenstände, Stickerei, Brandmalerei, Schnitzerei rc. erworben haben. Von letzteren Gegenständen sind einige verkäuflich. ,Man ist überrascht, nicht allein von der Fülle der Arbeiten, .sondern auch von dem Geschick, mit dem sie angeordnet und

Aus Stadt und Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, den 17. Dezember 1901.

Gedenket der hungernden Vögel!

** Das Personeuverzeichnis unserer Landesuniversität ist so­eben erschienen. Wir haben die Zahl der in den einzelnen Fakultäten für das Wintersemester 1901/02 Immatrikulierten bereits mitgeteilt. Wir fügen dem ergänzend noch hinzu, daß gegenwärtig 16 Damen Vorlesungen hören. Von den 565 in Gießen studierenden Hessen gehören 60 der theologischen, ,182 der juristischen, 87 der medizinischen und 236 der philo­sophischen Fakultät an. Aus Preußen stammen 254, Bayern 52, Sachsen 4, Württemberg 4, Baden 14, Mecklenburg- Schwerin 1, Oldenburg 1, Sachsen-Weimar 2, Sachsen- Koburg 3, Braunschweig 1, Mecklenburg-Strelitz 1, Elsaß- Lothringeri 5, Waldeck 2, Reuß j. L. 1, Hamburg 3, Lübeck .1, Oesterreich-Ungarn 9, Rußland 9, Großbritannien 2, Tückei 1, Schweden 1, Norwegen 1, Niederlande 2, Serbien 1, Nordamerika 4, Indien 1, Japan 2. Medizin studieren im Wintersemester in Gießen im ganzen 171 (Hessen 68), Tierheilkunde 146 (13), Zahnheillunde 11 (6), Philosophie 16 (1), Mathematik 60 (54), Naturwissenschaften 45 (26), Chemie 58 (26), Pharmazie 19 (2), Kameralwissenschaft 4 (3), Forst­wissenschaft 48 (37), Geschichte 12 (7), Klass. Philologie 36 (33), Neuere Philologie 61 (47).

* Arbeiterfürsorge unserer Stadtverwaltung. Wie isehr unsere Stadtverwaltung der Darbenden sich annimmt imd wie sehr ihr das Wohlergehen der Arbeiter am Herzen liegt, dafür liefert einen neuen Beweis die in dem amtlichen Teil unserer heutigen Nummer veröffentlichte Bekanntmachung der Bürgermeisterei, derzufolge hier ansässige Arbeitslose, die Be­schäftigung erhalten wollen, sich am Mittwoch Vormittag 7Vi bei dem Straßenmeister Bommersheim, Oswald- garten, mtt Schippe und Hacke melden sollen.

* * Das Regierungsblatt Nr. 73 enthält eine Bekannt­machung, die Errichtung von Prüfungskommissionen zur Ab­nahme der Meisterprüfungen betreffend.

* * Die Reichspostverwaltnug hat eine sehr dankenswerte Verfügung erlaffen. Seither waren zu dem Exttadienst an Weihnachten und Neujahr stets Soldaten benutzt worden. Nunmehr soll dies mit Rücksicht auf die schlechten Zeiten nur noch so wenig wie möglich geschehen und es sollen statt dessen

richer Allee", Radierungen Gew.: Vergolder Karl Leib jun. hier; Geh. Hofrat Prof. Dr. Siebeck hier; Ingenieur Guthmann hier; Bürgermeister Mecum hier; Geh. Medizinal- rat Dr. Boslröm hier; Finanzminister Gnauth, Darmstadt; Bierhändler Schmall hier; Pros. Dr. Goeppert hier; Baurat Stahlhier. Peter Halm,Weg h ang", Radierung Gew.: Realgymnasiallehrer Luley hier; Graf zu Psenburg-Meerholz; Hauptm. a. D. Kramer, hier; Kaufmann I. Bach, hier; Kommerzienrat Trapp, Friedberg; Schuldirektor Dr. Störiko, hier; Direktor Spamer, hier; Medizinalrat Stammler Wwe., hier; Medizinalrat Dr. Haberkorn, hier; Fabrikant H. Eichen­auer, hier; Fabrikant E. R. Silbereisen, hier; Geh. Medi­zinalrat Prof. Dr. Löh lein Wwe., hier; Güterexpeditions­vorsteher Menzel, hier. P. HalmOberz ell" (Rei­chenau), Radierung, Gew: Rentner L. Flett, hier; Amts­richter Wiener, hier; Theaterdircktor Kruse, hier; Verlagsbuch­händler Toepelmann, hier; Stadt Gießen; Kaufmann Fritz Nowack, hier; Kommerzienrat G. Wortmann, hier; I. Kgl. Hoheit die Großherzogin; Se. Kgl. Hoheit der Großherzog; Redakteur P. Wittko, hier. Halm,Von der Rei­chenau", Radierung, Gew.: Gras zu Erbach-Für'tenau; Prof. Dr. Winkler, hier; Stadt Gießen; Fabrikant G. E. Möhl, hier; Geh. Justizrat Dr. Reatz, hier; Brauereibesitzer G. Bichler, hier; Professor Dr. Leist, hier; Professor Dr. Dieterich, hier; Fabrikant W. Hornberger, hier; Hoflieferant I. Kirch, hier; Frau Geh. Hofrat Streng Wwe., hier; Kauf-^ mann H- E. Jughardt, hier. Peter Halm,Allee bei München", Radierung, Gew. Prof. Dr. Groß, hier; Kreisrat Dr. Wallau, Lauterbach; Prof. Dr. G. Krüger, hier; Zahn­arzt G. W. Koch, hier; Kaufmann A. Montanus jun., hier; Forstmeister Müller, Büdingen; Kaufmann E. Balser, hier; Landgerichtsrat Seeger, hier; Eisenbahndirektor Schoberth, hier; Apothekenbesitzer M. Dornberger, hier; Rechtsanwalt E. Rosenberg, hier; Prinz Ludwig von Battenberg.

** Bauchtechniker. Einen recht boshaften Streich hat der böse Druckfehlerteufel einem Bürger unserer Stadt in dem neuen Adreßbuch der Stadt Gießen gespielt. Der Herr, der den schönen Beruf eines Bautechnikers ausübt, ist indem Adreßbuch zu einemBauchtechniker" umgemodelt worden. Es ist fürwahr ein tückischer Streich des Kobolds, der fast noch die mannigfachen Bosheiten übertrifft, die er sich

dem Geschmack, mit dem sie hergestellt sind. Ter größte Teil der Arbeiten ist von Schülerinnen verfertigt, die erst seit Oktober die Aliceschule besuchen. Und man ist überrascht davon, daß in einer verhältnismäßig so kurzen Zeit so viel geleistet worden ist.

** Bei der Weihnachts-Verlosung des Kunstvereins in Darmstadt sind von 295 Gewinnen folgende auf oberhessische Mitglieder gefallen: P. Halm,Weghang", Radierung (in Eichenholzrahmen) Gew.: Fräulein E. Dingeldein hier; Kaufmann C. W. Nowack hier. P. Halm,Bieb­rich er Allee", Radierung (in Eichenholzrahmen) Gew.: Th. Bücking-Keck, Alsfeld; Stadt Gießen; Justizrat Dr. Gut­fleisch hier; P. Halm,Allee bei München", Radierung (in Eichenholzrahmen) Gew.: Rentner Bücking hier; S. K. H. der Großherzog; Kunsthändler Hochstätter hier; Großh. Ministerium des Innern. P. Halm,Oberzell auf der Reichenau", Radierung (in Eichenholzrahmen) Gew.: Ingenieur P. Wilson hier. P. Halm,Von der Reichenau", Radierung (in Eichenholzrahmen) Gew.: I. K. H. die Großherzogin; Ingenieur Schiele hier; Fabri­kant H. Schirmer hier; Anton Petri Wwe. hier. G. Eilers, Heil. Cäcilie nach Rubens. Düsseldorfer Vereins­blatt" Gew.: E. Silbereisen hier.Mappe des Vereins fürOriginal-Radicrung, Berlin" Gew. Buchdruckereibesitzer Kindt hier.Mappe des Münchener Radiervereins" Gew.: Hotelier K. Stein hier. Mappe der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler" (Vorzugsdrucke) Gew.: Freifrau v. Nordeck

Lemberg, 16. Dez. Ein Hier abgehaltener Partei­tag der ruthenischen Raoikalen beschloß mit Rück­sicht auf die Ausweisung vvn Feldarbeitern durch die Gutsvesttzer tnt Frühjahr für die Veranstaltung eines Generalstreiks der landwirtschaftlichen Ak- beiter einzutreten.

B u d a p e st, 16. Dez. In der gestrigen G e n e r a l v e r- sammlung ungarischer Landwirte erklärte Graf Alexander Karolyi, oie ungarischen Agrarier haben sich der liberalen Partei angeschl^ssen, weck sie dadurch am ehesten den Sieg der agrarischen Ideen erhoffen. Der Jahresbericht drückt besondere Sympathien für die reichs­deutschen Agrarier aus, welche gegen den kaiserlichen Willen die Kanalborlage zu Falle brachten und auch mit dem neuen Zolltarif einen großen Sieg errangen.

Z Belgrad, 16. Dez. Der russische General Rudcr- towski, der einige Zeit in Sofia geweckt hat, hielt sich auch, hier mehrere Tage auf. Er hatte mit König Alexander, dem Kriegsminister und dem Ministerpräsidenten Wujitsch lange Konferenzen und wurde mit dem Großkreuz des Ta- kowv-Ordens mit Schwertern ausgezeichnet. Der General hatte die Aufgabe, der russischen Regierung eingehende Be­richte über die Kr ie gs tüchtig feit der bulgari­schen und serbischen Armee zu unterbreiten, da der seinerzeit vom russischen Militär-Attache Leontjew unter­breitete Bericht von hohen russischen Militärkreisen als zu optimistisch befunden wurde.

Peking, 15. Dez. Nach Instruktionen, die dem -Prinzen Tsching zugegangen sind, verlangt dieser jetzt dringend von Rußland, daß es seine einzelnen For­derungen bezüglich der Mandschurei bestimmter fasse, i)a die von Rußland vorgeschlagenen Vertragsbeftimm- üngen in ihrer jetzigen Form so vage sind, daß sie Rußland so gut wie völlig freie Hand lassen. T-er ja- 'panische Gesandte teilte dem Prinzen Tsching mit, Japan werde für alle Rußland in der Mandschurei eingeräumten Vorteile gleichwertige Konzessionen verlangen.

Washington, 17. Dez. Der Senat genehmigte mit 72 gegen 6 Stimmen den Hay-Paundfotevertrag.

New-York, 16. Dez. Aus Buenos Aires wird ge­meldet, daß dort alles ruhig ist. Der Ministerrat habe den ersten Teil der Note betreffend den Bau von Straßen in dem Gebiet, wegen dessen die schiedsrichterliche Ent­scheidung angerufen ist, angenommen, erklärte jedoch den .zwecken Abschnitt für unannehmbar, _ in dem es heißt, ^Argentinien hätte bei Ultima. Esperanza chilenisches lGebiet besetzt.

Vom Burenkriege.

Tie zweite Ausgabe derTimes" meldet aus Pretoria: Oberst Rimington, Major Damant und Oberst Wilson haben mit ihren Abteilungen nach scharfem Marsch über 35 eng­lische Mecken westlich von Heilbron eine Burenabteilung niedergeritten, 22 Mann gefangen genommen und viel Pferde und Vieh erbeutet.

Das Pariser BlattFrancais" veröffentlicht eine Meld' ung, in der es heißt, daß es Louis Botha endlich ge­lungen sei an Krüger brieflich Nachrichten ge­langen zu lassen. Er soll ihm mckgeteilt haben, daß die Zahl der im iOranjefreiftaat und in der Kapkolonie stehen­den Burenstreitkräfte 24 000 Mann betrage, dar­unter 14000 Ausgebildete und 10000 Rekruten, welch letztere zum größten Teck aus der Kapkolonie stammen. Wecker heißt es in der Nachricht, die Buren hätten Le­bensmittel in großer Fülle, die sie aus den von den Engländern nicht besetzten Provinzen bezogen, sowie aus den den Engländern abgenommenen Proviantzügen entnommen hätten. Der Entschluß, bis zum Tode zu kämpfen, werde von den Buren mehr denn je aufrecht erhalten. Wie es heißt, werden die Buren weder em Kompromiß, noch ein Protektorat oder trüger­ische Autonomievorschläge annehmen, sondern ihre volle Unabhängigkeit fordern oder im andern Falle den Tod vorziehen.

Das sind ja allerdings wohl nur Redensarten eines müßigen gallischen Zeitungsschreibers.

Der Vorstand des belgischen Hilfskomitees für die Buren teilt demPetck bleu" mit, daß er Schritte unter­nommen habe, um bei den Gemeindebehörden die Erlaubnis einzuholen, in sämckichen Schulen eine Kollekte für die in den Konzentrationslagern sich aufhaltcnden Buren abzuhalten. Der von den einzelnen Kindern zu.

fänglich so spät keinen offiziellen Besuch mehr habe abstatten wollen; er werde Montag früh sich seines Auftrages entledigen Er bestellte sich inzwischen ein gutes Nachtessen. Einige Vorstandsmitglieder ließen es sich nicht nehmen, den will­kommenen Abgesandten des opferfreudigen Brudervereins mit einigen Flaschen Wein zu bewirten. Einem abseits stehenden Turner fiel aber, während die Stimmung immer heiterer wurde und man die Brudervereine hochleben ließ, die eigen- tümliche Kleidung des Gastes auf. Das veranlaßte diesen, sich schleunigst zu drücken. Es war ein bekannter Darmstädter Schwindler. Die Herren vom Vorstand sollen bei der Ent­deckung recht lange Gesichter gezogen haben.

Tarmaadt, 16. Dez. Der Großherzog empfing am Sonntag den Herzog von Braganza, den Prinzen und die Prinzessin Wilhelm von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Prin­zessin Olga von Sachsen-Weimar-Eisenach und den Prinzen Leopold zu Isenburg - Birstein. Die Herrschaften wurden danach zur Großherzoglichen Frühstückstafel gezogen. Der Gr h erz o g ist heute nach Birstein gereist und kehtt morgen Abend nach Darmstadt zurück.

t. Darmstadt, 16. Dez. Gestern fand hier im Darm­städter Hof der 39. Verbandstag der hessisch en land- wirtschaftlichen Genossenschaften statt. Nachdem der Verbandsdirektor den Jahresbericht für 1900/01 erfiaüet hatte, legte der Verbandsrechner die Rechnung und Bilanz von 1900 vor. Es, wurde ihm Entlastung erteilt. Sodann hielt Prof. Dr. Albert-Gießen einen Vortrag überge- nossenschaftliche Milchverweriung im Licht der heutigen Molkereitechnik." Im Anschluß hieran referierte der General­sekretär des Verbandes, Dr. Neumann-Darmstadt, über Viehverwertung in Deutschland." An die Sitzung, die aus allen Teilen des Großherzogtums überaus zahlreich besucht war, schloß sich ein gemeinsames Mittagessen. Wir werden morgen ausführlicher auf den Verbandslag zurückkommen.

Nieder-Zngelheim, 16. Dez. Vor einigen Tagen ließ sich ein feingekleideter Herr bei einer hiesigen Dame als Buren­kommandant Joste, der, wie sich unsere Leser erinnern werden, auch in Gießen einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag hielt, melden. Die Dame empfing ihn, imterhielt sich mit ihm eine kurze Zeit, übergab ihm einen 100 Mk.- Schein und befahl dem Kutscher, daß er den Herrn zu einem hiesigen Arzt fahre. An dem Hause angenommen, lud der Herr den Kutscher ein, mit ihm ein Glas Wein zu trinken. Als das Glas Wein vorgesetzt war, legte der Herr einen 100 Mk.-Schein auf den Tisch. Der Gastwirt ließ diesen wechseln und gab das Geld dem Gast zurück. Dieser steckte es ein und verschwand. Zu spät erst sah man, daß man es mit einem raffinierten Schwindler zu thun hatte.

ko. Frankfurt a. M., 16. Dez. Im Elisabethen- kranken Haus kam es gestern abend unter den Kranken zu einer Schlägerei, bei der Blut floß. Der Taglöhner August Ulbrich trug Verletzungen an der Schulter und am linken Schienbein davon, einer derkranken" Raufbolde, der auch nach obendrein angetrunken war, mußte, da er sich ab­solut nicht fügen wollte, festgenommen werden.

P. Limburg a. d. L., 16. Dez. In dem nahen Staffel kam es am Samstagabend zwischen mehreren Zigeuner- banben zu einer förmlichen Schlacht. In der Wirtschaft/ Zur Eisenbahn" gings los, und als der Witt dort die Streitenden hinausgeworsen hatte, wurde auf der Straße unterhalb des Dorfes weiter gekämpft. Gewehre, Revolver, Säbel und Messer traten in Aktion. Das Blut floß in Strömen. Ein Zigeuner wurde so zugettchtet, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Das ganze Dorf war in Auf»