Ausgabe 
18.8.1901 Erstes Blatt
 
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suche, die sonst geheim gehalten zu werden pflegten-, man weis; schon anzugeben, welches System eines Rohrrück lauf-Geschützes bei den Vergleichs-Versuchen den Sieg davon- getragen habe, und französische Zeitungen wissen sogar schon über Probe-Batterien neuer Geschütze und bevor­stehende Versuche mit denselben im Bereiche des 17. Korps zu berichten.

Mag an diesen Auslassungen wahr sein, was will, eins steht fest: sie tragen nicht dazu bei, das Vertrauen in die Voraussicht der Heeresverwaltung zu erhöhen, und setzen die jetzige Artilleriewaffe ganz ungerechtfertigter­weise in den Äugen derer, die sich ihrer bedienen sollen, herab. Es erscheint im Interesse des Landes dringend geboten, daß dieses Treiben nicht fortgesetzt werde."

Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht.

Hickel fährt fort: Kriminal-Kommissar v. Bäckmann ging umher und jemand sagte: Der sucht jemand mit einem schwarzen Schnurrbart. Ich sagte: Einen schwarzen Schnurrbart haben in der Schwadron nur ich, Schulz und Marten! Ich kann noch von Glück sagen, daß ich im Stalle war. Domning fragte ich damals nur, ob er vernommen worden sei. Er sagte, er wäre befragt worden, wann er dabei gewesen sei, die Lanipen anzuzünden. Marten giebt die Erklärung ab, daß am 18. Juli bei seiner Vernehmung die Anordnung getroffen wurde, ihn zu rasieren. Ober­kriegsrat Meyer: Marten und Hickel sahen damals wie die Strauchdiebe aus. Sie hatten wilde Haare und Bärte. Rechtsanwalt Horn bat mich damals, veranlassen zu wollen, daß sie in einen menschenwürdigen Zustand gebracht wür­den. Die Angeklagten wurden darauf geschoren. Marten hatte zurzeit des Mordes nur einen Anflug von Bart.

Erster Zeuge, Wachtmeister Buppersch bekundet: Als der Rittmeister schaß, tadelte er den Unteroffizier Riemer und rief: Wer nicht im Glied bleibt, den bestrafe ich im Augenblick. Ich lud dem Rittmeister zweimal seinen Re­volver mit Platzpatronen, die er auch abschoß- Nach dem zweiten Abschießen rückte Die Abteilung auf und die zweite Abteilung rückte an. Die Rüge erhielt Riemer in dem Augenblick, als sein Pferd nicht aus dein Gliede heraus wollte. Der Rittmeister befahl: Vorrücken. Als das Pferd aber noch immer nicht herauszubringen war, kanzelte der Rittmeister Riemer mit den Worten ab:Sie sind ein ganz fauler Reiter." Er befahl dann dem Unteroffizier Stiebert, das Pferd zu reiten, und fügte hinzu, die Ab­teilung müsse jetzt täglich reiten. Währenddem krachte der verhängnisvolle Schnß. Ich spürte den Luftdruck so stark, daß ich taumelte. Darauf wankte der Rittmeister, nachdem er noch gerufen:Was ist denn los, wer hat ge­schossen?" Dann fiel er....."

-Oberstabsarzt Goebel verbreitet sich über den Leichen­befund nach den Ergebnissen der Sektion. Oberleutnant v. Hoffmann: Zuerst glaubte auch ich, daß nur ein Unfall vorliege. Als ich den Oberrock des Rittmeisters aufriß, öffnete er noch einmal die Augen, zweimal quoll ihm ein Blutstrom aus dem Munde. Ich schickte nun sofort Leute zum Kommandeur und ins Lazarett. Tann fiel mir aber hinterher ein, daß es schließlich besser sei, wenn niemand die Reitbahn verließe. Ich erteilte also einen dement­sprechenden Befehl. Leutnant v. Lorenz: Als der Ritt­meister hinstürzte, sprang Oberleutnant v. Hoffmann hinzu und hob ihn auf. Ich wurde sodann zum Arzt geschickt.

Ter Gerichtshof nahm darauf um 8 Uhr eine Be­sichtigung des Thatortes vor. Tie nächtliche Jnaugenschein- nahrne erstreckte sich ausschließlich auf die Reitbahn, in der der Mord verübt worden war. Sie zog sich bis gegen 10 Uhr hin. Danach wurden die Angeklagten unter sicherer Bewachung in Arrest abgeführt. Dabei spielten sich auf

dem Kasernenhofe erschütternde Scenen ab zwischen der tiefgebeugten Mutter des Marten und ihrem Sohne und dem Hickel und seiner Ehefrau, der Schwester des Marten.

Um 9 Uhr vormittags wird die Verhandlung am Freitag eröffnet. Erster Zeuge ist der Regimentskommandeur Oberst v. Winterfeld Marten war ein guter Soldat und sehr ehrgeizig. Dienstlich war der Rittmeister mit ihm zufrieden. Dagegen tonnte ich aus Redensarten von Krosigk heraus- « /ren, daß v. Krosigk gegen Marten und seine ganze Fa­milie eine gewisse Voreingenommenheit hatte. Am Vor­mittage des Mordtages befand ich mich auf der Reitbahn. Ich war dabei auch Zeuge, wie der Rittmeister sich ver­anlaßt sah, Martens Reiten lebhaft zu tadeln, v. Krosigk ließ Marten hierauf absteigen und einen andern das Pferd reiten. Beim Absteigen bekam nun Marten einen roten Kopf, er rollte mit den Augen und es schien so, als ob er zeigen wollte, wie beleidigt er sich fühlte. Ich hatte schon die Absicht, ihn zu bestrafen, ging aber schließlich fort, ohne diese Absicht zu verwirklichen. Um 5 Uhr nachmittags meldete mir dann der Unteroffizier Ehrenberg, daß der Rittmeister erschossen worden sei. Die dienstfreien und die diensthabenden Unteroffiziere wurden in zwei Gruppen ge­sondert aufgestellt. Marten gab sich dabei als dienst­habender Unteroffizier aus, indem er sich zu den letzteren stellte. Präs.: Wie äußerte sich die Abneigung von Krosigks gegen Marten? Zeuge: Frau o. Krosigk sagte mir, daß der Rittmeister den Marten für einen tüchtigen Mann halte. Dennoch aber, sagte er, wäre es ihm am liebsten, tvenn er abkommandiert würde. Auch selbst mir gegenüber hat v. Krosigk Redensarten fallen lassen, aus denen seine Äb- neigung gegen Marten klar hervorging. R.-A. Burchard: Welcher Art waren diese Bemerkungen? Zeuge v. Winter­feld: Ich glaube, v. Krosigk hatte gegen diese ganze Familie, besonders aber gegen den Vater des Marten einen großen Haß, weil sich der alte Marten in seiner früheren Schwa­dron mit ihm schlecht gestellt hatte. Beisitzer Major Zier­mann: Konnte Marten wohl den Befehl, die dienstfreien Unteroffiziere mögen besonders antreten, überhört haben? v. Winterfeld: Nein. Bert.: R.-A. Horn: War schon ange­sichts der Leiche dazu ausgefordert worden, es möge vor­treten, wer etwas gesehen habe? Zeuge: Jedenfalls. R.-A. Horn: Ich möchte dabei nur auf die Thatsache Hinweisen, daß Skvpek sich nicht meldete, v. Winterfeld: Skopek war schon als verdächtig angefaßt worden. Ich erinnere mich aber, wie der Wachtmeister Buppersch sagte, von den Mann­schaften komme niemand in Betracht, der Thäter sei wohl nur unter den Unteroffizieren zu suchen. Präs.: Wie war das Verhältnis v. Krosigks zu Hickel? Zeuge: Jedenfalls auch kein gutes. Präs.: Er hatte sich doch aber für die Ver­heiratung Hickels verwendet, v. Winterfeld: Im Gegenteil, v. Krosigk sagte mir, er wolle nicht, daß noch einer seiner Leute dieser Familie Marten zugehöre. Ich erwiderte aber dem Rittmeister, daß ich keinen Grund darin für die Ver­weigerung des Konsenses erblicken könne. Gegen die Toch­ter des Wack;tmeisters Marten liege nichts vor. Bert.: R.-A. Horn: Unlängst ist hier der Trompeter Reinisch wegen Totschlages zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er in Stallupönen einen Arbeiter erschlagen hatte. Reinisch soll an jenem Abend, als die Schwadron mit der Leiche konfrontiert wurde, gleichfalls durch seine Blässe aufgefallen sein. Ist vielleicht nachgeforscht worden, wo sich Reinisch zur Mordzeit aufgehalten hat? v. Winter­feld: Davon ist mir nichts bekannt. Bert. R.-A. Horn: Besichtigten Sie beider Augenscheinnahme desThatortes auch die Pforte hinter der Reitbahn, welche vernagelt war? Zeuge: Jawohl. Die Pforte war am Mordtage verschlossen und vernagelt. Ich habe mich persönlich davon überzeugt. Präs.: Tas Geländer zeigt Spuren, daß dort ein Ueber- ft eigen stattgefunden hat. v. Winterfeld: Jawohl. Dom­ning hat damals ausgesagt, das sei die Stelle, wo die

Leute übersteigen, wenn sie in die Kaserne wollten.

Zeuge Büchsenmacher Bergfeld: Zur Zeit der ersten Verhandlung folgerte ich aus der Beschaffenheit der Pa­tronenhülse und des inneren Bruches, daß ein scharfer Schuß durch den Karabiner gegangen sein mußte. Heute ist das allerdings nicht mehr ersichtlich. Oberleutnant v. Roeper bekam den Karabiner am Mordabende zur Auf­bewahrung. Er hielt die Waffe bis zur ersten Verhand­lung in seinem Bureau verschlossen.

v. R o e p e r : Ich erinnere mich, daß Reinisch am Mord­abend befragt wurde, wo er gewesen sei, weil sein bleiches Aussehen besonders auffiel. Nocb an demselben Abend wurde festgestellt, daß Reinisch mit einem anderen Trom­peter zusammen in seiner Stube zur fraglichen Zeit Noten abgetrieben hatte. Der Verdacht fiel damit fort. Außer­dem sah Reinisch immer blaß aus. Er hatte einen kleinen schwarzen Schnurrbart.

Staatsanwalt Meyer: Ich beantrage die genaue Fest­stellung, weshalb Reinisch bestraft worden ist.

Zeuge Leutnant v. Lorenz sagt aus, daß der Schutz um 4 Uhr 37 Min. fiel. Kurz vorher beobachtete er, wie die Bandenthür etwas geöffnet wurde. Dieselbe Beobacht­ung machte der Zeuge am Samstag vor dem Mordtage beim Reiten. Es fiel das sonst nicht weiter auf, weil es öfter vorkam ,daß jemcnrd in die Reitbahn hineinschaute. Skopeck war im Unterricht einer von den Schlauesten. Bert. Hom: Ja! Der Herr Zeuge sagte damals: Unter den Dum­men sei Skopeck der Schlaueste. (Heiterkeit.) v. Lorenz: Moralisch machte Skopeck stets einen guten Eindruck.

Sodann tritt die Mutter des Marten, Frau Olga Marten, zu ihrer Vernehmung vor. Präs.: Wollen Sie uns einmal erzählen, wie es sich mit den Angaben Ihres Sohnes und Schwiegersohnes über den Besuch in Ihrer Wohnung zur kritischen Zeit verhielt. Zeugin: Beide kamen nachmittags zu mir. Ter genaue Zeitpunkt ist mir nicht be­kannt. Ich glaube aber, daß sie vor halb fünf Uhr wieder fortgingen. Präs.: Ihr Sohn kam dann noch einmal wieder? Zeugin: Ja, auf einen Augenblick. Er ging an das Spind. Präs.: Wollen ©ie das beschwören, können Sie mit gutem Gewissen die Wahrheit des damals geleisteten Eides ver­sichern? Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie Ihre Aussage verweigern können. Zeugin (weinend): Was ich gesagt habe, das kann ich auch beschwören. Nur über den Zeitpunkt weiß ich nichts genaues. Präs.: Gewiß, Sie haben aber der Wahrheit gemäß ausgesagt, was Sie wissen? Zeugin: Ja! Präs.: Wollen Sie die Wahrheit versichern auf den bereits geleisteten Eid, dann stehen Sie auf und sprechen Sie mir nach: Ich versichere es. Zeugin (sich er­hebend): Ich versichere es.

Es wird Wachtmeister Buppersch vernommen: Ter Rittmeister tadelte das Reiten des Unteroffiziers Riemer. Tabei lief er umher und sagte: Wachtmeister, schreiben Sie auf, daß die Abteilung von morgen ab täglich reitet. Wer nicht aus dem Glied kommt, der wird bestraft. In diesem Augenblick krachte der Schuß. Präs.: Erzählen Sie nun die Vorgänge, die sich bei der Gegenüberstellung der Schwadron mit der Leiche des Rittmeisters abspielten. Sie haben ge- geschworen, alles sagen zu wollen. Man gewinnt aber aus Ihrem ganzen Verhalten und Zögern den Eindruck, als wenn Sie nicht alles sagen wollten. Buppersch ver­breitet sich über das bekannte Antreten der Schwadron. Tie Leute wurden gemustert, diejenigen, die blaß aussahen, wurden herausgesucht. In der Reitbahn befahl der Oberst, daß diejenigen, die dienstfrei waren, links, die andern rechts hinübertreten sollten. Wohin Marten sich stellte, ist mir nicht bekannt. Präs.: Wurde der Befehl laut ge­geben? Zeuge: Jawohl, jeder mußte ihn hören. Staats­anwalt Meyer: Welche Unteroffiziere in der Schwadron hatten einen schwarzen Schnurrbart? Zeuge Buppersch:

Feuilleton.

3m Frankfurter Opernhaus fand dieser Tage eine Vor­stellung des alten wackeren Lortzing'schenWaffen­schmiedes" und des seltsamen MimodramasDie Hand" von Henry BerSny statt.Der Waffenschmied von Worms" ist die letzte unter den Opern LortzingS, die sich ihre volle Lebensfrische und Zugkraft bis in unsere Zeit erhalten haben. In Leichtigkeit der Erfindung und Schärfe der Charakteristik, in der Fülle anregend unterhaltender Situationen und launiger Einfälle steht sie älteren Werken des Komponisten, zumal dessenZar und Zimmermann" nach. Aber sie hat vor jenen früheren Opern wiederum auch manches voraus, vor allem die gereimtere Erfahrung des Tondichters/sowie die dadurch bewirkte sicherere und gewähltere Verwendung der musikalischen Formeln und Ausdrucksmittel, obwohl auch die Musik zumWaffenschmied" nicht engelreinj dasieht. Aber der frische fröhliche Zug zum Volkstümlichen macht den Waffenschmied" doch zu einer Volksoper im besten Sinne des Wortes. Sie erfreut heute noch durch den liebenswür­digen Reiz ihrer Melodik und durch ihren Humor. Zwar erreicht die Arie der Maria die der Agathe imFreischütz", an die sie bewußt oder unbewußt anknüpft, weder in der Feinheit des Kolorits, noch in der Kraft des dramatischen Ausdrucks, immerhin aber nimmt sie unter den meist lieder­artigen Ariensätzen Lortzings eine hervorragende Stellung ein und bietet jedenfalls der Sängerin ergiebigste Gelegenheit zur wirksamer Bethätigung.

Die neue Frankfurter Opernsoubrette Frl. Ho heu­le itner nahm ja wohl diese Gelegenheit mit Glück und Geschick wahr und rief einen guten Eindruck hervor. Eine jugendfrische, metallreiche, ausgiebige Sopranstimme, deutliche Aussprache, leichter und reiner Ansatz auch in der höchsten Lage, sind ihre wesentlichen Vorzüge. Doch vermißt man in ihrer Vortragsweise die tiefere Innigkeit und daneben das Temperament.

Der leicht fließende Gesang, das gefällige Parlando fällt der Stimme nicht schwer, solange in der Musik das melodische Moment vorherrscht. Die schweren Accente mancher das Dramatische streifenden Rezitativ-Stellen bereiten dagegen der Sängerin insoweit Schwierigkeiten, als ihr dort die Herr­schaft über das Organ noch bisweilen verloren geht, sodaß die Tonstufen ineinander verschwimmen. Bei ihren unzweifel haften gesanglichen Anlagen wird es Frl. H. aber wohl nicht schwer fallen, diese Eigentümlichkeit allmählich zu beseitigen. DaS vor der Hand noch nicht besonders geübte, aber doch gefällige Spiel wird sich hoffenlich noch beleben.

Spielerisch in durchaus annehmbarer Weise, lustig und natürlich führte die Partie des Knappen Georg Herr Schramm durch. Ziemlich leicht erhebt sich sein Ton,

verliert aber in der Höhe an Tragkraft. ES braucht ihm aber nicht besonders unangenehm zu sein, daß ihm über das Durchschnittsmaß eines Tenorbuffos hinausreichende Töne nicht mehr recht eigen find.

Frl. Weber bot als Jrmeutraut eine animierte und recht wirkungsvolle, dabei angenehme dezente und humorvolle Darstellung. ES ist kein Zweifel, daß die Frankfurter in Frl. W. eine Vertreterin für das an anderen Orten fast so gut wie verwaiste Fach der Opernalten haben, mit der sie in jeder Weise zufrieden sein können.

Herr Greef zeichnet seinen HanS Stadinger, wie ihn sich der Hörer wohl meistens vorstellen wird. Die Stimme zeigt Wohllaut und besonders große Tragfähigkeit. Die Darstellung war sehr angeregt. Ich erinnere mich einer vor einigen Jahren in einer großen Musikstadt verübten un­verzeihlichen Geschmacklosigkeit des Darstellers des Waffen­schmiedes. Er gab eine Zusatzstrophe zu dem bekannten LiedeAuch ich war ein Jüngling in lockigem Haar", die den Manen des in Kummer und Not früh verstorbenen Ton­dichters Lortzing geweiht war. So etwas bekommt man glücklicher­weise in Frankfurt nicht zu hören. Den Grafen v. Liebenau fang der Baritonist Herr Brinkmann nicht mit ganz gleichem Gelingen. In die Ensemblesätze fügte sich die Stimme nicht mit genügender Leichtigkeit und Wirkung; ohne irgend hervorzutreten und den gegebenen Rahmen zu durchdringen, konnte der sehr wohl accentuierte Gesang nicht zur vollen Geltung kommen, und auf das Singen mit heller Stimme versteht sich Herr Br. nicht besonders. Doch im Einzel­gesang, in dem es auf Fülle des Tones, Wohllaut des Klanges und auf gute Resonanz ankommt, hielten Ausführung und Wirkung ziemlich gleichen Schritt. Herr Schwarz fang den Schwabenritter Adelhof recht beifallswürdig.

Der Chor machte feine Sache so brav als möglich und das Orchester unter der achtsamen Leitung des Herrn Pittrich spielte seinen Part diskret, sehr leicht und meist sicher zu« sammengehend.

Diesem gemütliche« musikalischen Ausschnitt aus der braven Biedermaierzeit folgte das entsetzliche Grusel Mimo dramaDie Hand", ein Unding von nervenzerreißender Fürchterlichkeit, meisterhaft dargestellt. Aber eS gehören bärenfelldicke Nerven dazu, namentlich um die musikalische Realistik, die von ungeheuerem Raffinement zeugt, ertragen zu können. Wer dieses grausame Ding ersann, ist ein Ton- poet, der augenscheinlich seine Hörer zu Neuralgikern zu machen die böse Absicht hat. Der nicht ohne Geistreichtum ausgeklügelte Vorgang wäre ohne die Musik erträglich, nervenanfpannend und äußerst packend, wenn auch unschön. Die unsäglich klägliche, abgefeimt spitzfindige Musik aber ist kaum erträglich, und doch hält sie den Hörer mit Krallen fest! Ein niederträchtiges kleines Kunstwerk, eine scheußliche Kunst aber immerhin Kunst!

Beim Aufgehen des Vorhangs sehen wir ein in Nacht gehülltes Boudoir einer Tänzerin. Hinter einem Fenster sieht man bald ein mattes Licht hin und her flackern. Dann öffnet sich das Fenster und ein Einbrecher steigt ins Gemach. Aengstlich und behutsam schleicht er umher, erbricht ver­schiedene Behälter, wird aber durch Geräusch gestört. Er verschwindet schleunigst hinter einem Vorhang. Die Tänzerin erscheint mit einem Begleiter und alsbald erstrahlt das Gemach in glänzendem elektrischen Lichte. Ein kurzes Tändel- intermezzo. Der elegante Begleiter überreicht der blühend schönen jungen Dame vom Ballet einen Schmuck, den sie aber verächtlich zurückweist, indem sie ihre Kleinodien voller Stolz zeigt. Er stiehlt sich deprimiert davon. Die Tänzerin, allein, beginnt sich anSzukeiden, bekommt aber plötzlich Lust zum Tanzen und führt im Negligöe einen reizenden Tanz aus. Wie sie grade in den Spiegel blickt, bemerkt sie hinter sich eine ans dem Vorhänge hervorgestreckte Hand. In fürchterlicher Angst versteckt sie sich zuerst, sammelt sich aber bald, glaubt sich getäuscht zu haben, sieht aber diese Hand bald darauf wieder. Beim Betreten des Zimmers hatte sie den Schlüffe! zur Eintrittsthür neben den Vorhang gehängt. Nun möchte sie ihn erhaschen. Aber wie! Die Hand flößt ihr unnennbares Grauen ein. Schließlich wagt sie sich tanzend heran, ergreift den Schlüssel, eilt ans Fenster und wirft ihn auf die Straße. Sogleich aber teilt sich der Vor­hang, der Einbrecher stürzt auf sie und will sie erstechen, wird aber von ihrer Schönheit geblendet. Da erscheint bet vorhin abgewiesene Galant, wer weiß woher nach all den Vorgängen, übersieht sofort die Situation, zieht ein Pistole hervor auch nicht recht glaublich, daß er so ein gefähr­liches Ding bei sich trägt und bedroht den Einbrecher, der, die auf ihn gerichtete Pistole unausgesetzt im Auge, in ein Nebengemach flüchtet, das der elegante junge Herr sofort abschließt. Das dem Tode nahe Mädchen, das am Boden liegt, ruft er zur Besinnung zurück. Dann zieht er wieder die Pistole hervor, öffnet die Thür zum Nebengemach, bei Einbrecher erscheint und drückt sich, ständig bedroht, scheu durch das Gemach, leert, im Anblick der Pistole, feine Taschen, und entweicht durch die Eintrittsthür, nachdem er noch eine blühende Rose, die eben erst der schönen Tänzerin Haar geziert hat, an sich gerissen und an die Lippen gedrückt hat. Nun er verschwunden, will sich auch der junge Herr höflich verabschieden, sie aber finkt ihrem kühnen Retter in di« Arme ....

Ich glaube nicht, daß eS in der Kunst noch ein Zweites gibt, was ein solches Mißbehagen sehr gelinde ausgedrückt hervorzurufen vermöchte wie dieses Mimodrama von bet $anb. P- w-