geben. Sinnlos betrunken kamen sie kort an und ließen in den Straßen die gutherzigen Buren hoch leben.
Eindruck, daß der Minister über die unerfreuliche Lage durch Schönfärberei Hinwegtrösten will.
Tie „Deutsche Wochenztg. in den Niederland." schreibt: In einem Privatbrief lesen wir: Nichts hat die Eng- länder fo demoralisiert, als die Freilassung der gefangenen englischen Soldaten durch die Buren. Die allgemein bekannte Thatsache, daß die Buren ihre Gefangenen nicht mitschleppen, sie selbst gut behandeln, bewirkt, daß der Soldat viel eher wie früher um Pardon bittet. Er will für ein paar Schilling täglichen Sold nicht gern sein Leben verlieren und giebt lieber Waffen und Munition ab, die ihm ja doch nichts kosten. Kitcheners diesbezügliche Tagesbefehle helfen nichts — die Hände gehen in die Hohe. Nur wenige Soldaten kämpfen für die Ehre ihrer Fahne. T-e la Reh weiß dies und hat den Engländern kürzlich einen Streich gespielt, der viel belacht wurde. In der Nähe von Pretoria fielen ihm anfangs April d. I. 120 Soldaten und drei Proviant- und Munitionszüge in die Hände. Der Vorrat konnte nur zum kleinsten Teil mitgeführt werden. Deshalb schenkte er jedem der Gefangenen, die schmierige, zerrissene Uniformen trugen, eine funkelneue Uniform und zudem je eine Flasche Whisky Auf Strafe des Todes mußten sie sich direkt nach Pretoria be-
Ausland.
Paris, 16. Juli. Mit Rücksicht auf den ungünstigen Gesundheitszustand Jules GuöriuS, der vom Staais- gerichtShof seinerzeit wegen der Vorgänge in der Rue Ehabrol zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt war und seine Strafe
Engländer und Buren.
Lord Kitchener soll, der bisherigen Kriegführung überdrüssig, seine Taktik vollständig zu ändern beabsichtigen, zu Beginn des Herbstes 70 000 englische Soldaten nach Hause schicken und nur 50000 auserlesene berittene Mannschaften in Südafrika behalten, die in drei fliegenden Korps gegen die drei bedeutendsten Buren-Kommandos operieren sollen. Der bisherige Verlauf des Feldzugs hat allerdings gezeigt, daß die britischen Fußtruppen gegen die mit vortrefflichem Pferdematerial versehenen Buren nur wenig ausrichten. Auf der anderen Seite ist jedoch klar zu tage getreten, daß auch die englische Reiterei der Buren nicht Herr wird. Völlig versagt haben besonders die berittenen Buschmänner aus Australien. Lord Kitchener hat spät erkannt, daß mit einem gewaltigen Truppenaufgebot den Buren nicht beizukommen ist. Wenn er jetzt, wie es heißt, glaubt, durch hauptsächliche Verwendung der Reiterei bis Ende Oktober den Krieg zu Ende zu führen, so wird er seinerzeit auch diese Anschauung revidieren müssen. Nur, wenn es ihm gelingt, die Buren zur völligen Erschöpfung zu bringen, kann er zum Ziele kommen. Nach allem, was über die Kampffähigkeit der Buren verlautet, ist er aber diesem Ziele ebenso fern, wie zu der Zeit, als er von Lord Roberts den Oberbefehl übernahm. Uebrigens hört man jetzt auch einmal etwas von humanen Absichten der englischen Regierung. Sie will englische Frauen in die Läger der Burenfamilien entsenden, um Liebesgaben zu verteilen. Wenn es nur wahr ist! — Im englischen Unter» hause erwiderte Staatssekretär des Krieges Brodrick, die Meldung von der Zurückziehung eines großen Teiles der englischen Infanterie aus Südafrika und von einer Aender- ung der gegenwärtigen Art der Kriegführung entbehre jeder amtlichen Grundlage und sei ganz ungenau. Eine weitere Erklärung könne er über den Gegenstand nicht abgeben. Etwas Wahres scheint also doch dran zu sein.
Ueber das Treffen bei Vlakfontein sind nachgerade ein halbes Dutzend längere und kürzerre Darstellungen in die Presse gelangt. Der einzige wirklich übersichtliche Bericht findet sich indessen in dem Privatbriefe eines Offiziers, den die „Times" veröffentlicht. Er ist zu lang, als daß wir ihn hier wiedergeben könnten, aber es ergiebt sich aus ihm, daß der Vorwurf, die Buren hätten auf verwundet am Boden liegende Engländer geschlossen, ganz erheblich an Schärfe verliert. Dieser Offizier erhebt den Vorwurf nicht allgemein, sondern spricht nur von zwei vereinzelten Fällen. Dabei handelt es sich bei dem zweiten Falle um eine ganz leichte Verwundung, die keineswegs Kampfunfähigkeit herbeigeführt hätte. Neu ist die Mitteilung, die Buren hätten Weichbleigeschosse gebraucht. Nach dem kürzlich mitgeteilten Berichte der „Daily Mail" hatten die Buren, welche die Verwundeten erschossen, englische Henry-Martinigewehre. Gegenwärtig ist anzunehmen, daß die Buren ihre Munitionsbestände lediglich' aus den fortwährend erbeuteten englischen Vorräten auffrischen. Es wäre nicht unmöglich, daß sie die englischen Geschosse durch Ablösen des Nickelmantels in Weichbleigeschosse umwandeln.
Sir Gordon Sprigg, der Premierminister der Kapkolo- nie, hielt am 15. d. M. in Kapstadt eine Rede über die politische Lage. Ey »wies darauf hin, daß die südafrikanische Föderation durch allmähliche Entwickelung erreicht weroen müsse. Um die zu beschleunigen, beabsichtige die verantwortliche Regierung, ein umfangreiches System der Einwanderung loyaler Staatsangehöriger auß England und dem übrigen britischen Reiche nach Transvaal und dem Oranjestaat zu fördern. Die gegenwärtige Lage in der Kapkolonie sei günstiger denn je seit Beginn des Krieges. Zwischen Lord Kitchener und dem Kapministe- rium seien Verhandlungen im Gange, die, wie man hoffe, dazu führen würden, die Beendigung des Krieges zu beschleunigen. Die Finanzlage der Kolonie sei befriedigend, die Einnahmen gingen über den Budgetvoranschlag hinaus. Es sei beabsichtigt, gegen das Ende des laufenden Jahres eine Zollkonferenz für ganz Südafrika einzuberufen, um die Aufstellung eines einheitlichen Tarifs für Südafrika zu erstreben. — Wenn Sir Gordon meint, die gegenwärtige Lage in der Kapkolonie sei günstiger denn je seit Beginn des Krieges, so dürfte es ihm schwer fallen, angesichts der fortgesetzten kriegerischen Unternehmungen der Buren in der Kolonie den Beweis dafür zu erbringen. Auch' erscheint es fraglich, wie durch Verhandlungen zwischen Lord Kitchener und dem Kapministerium die Beendigung des Krieges beschleunigt werden können. Man gewinnt den
nicht ohne Mühe zum Abschluß gelangt, da sich die Chinesen zuerst den Forderungen der Gesandten widersetzten. Sie forderten nämlich Zurückgabe aller rm neugeplanten Viertel liegenden Damen und Tempel. Auch wollten sie nickt die Entschädigung der zu enteignenden chinesischen Privatleute auf die chinesische Staatskasse übernehmen, sondern diese den Mächten zuschieben. Es wurde hierauf eine österreichisch-französisch-italienische Kommission ernannt, die die weiteren Verhandlungen mit den Chinesen zu führen hatte.' Ihren Bemühungen gelang es, die Chinesen zur Uebernahme der Enteignungsentschädigungen sowie außerdem zu befriedigenden Zugeständnissen hinsichtlich des Terrains zu bewegen. Unter anderem wurde der bisher als Heiligtum betrachtete kaiserliche Ahnentempel Yantzu für die Zwecke der italienischen Botschaft abgetreten. Um die Verteidigungsfähigkeit des neuen Gesandtschaftsviertels zu erhöhen, wurde die Errichtung einer Art von Glacis aus- bedungen, welches das Gesandtschaftsviertel/ von dem chinesischen Stadtteil trennt, und nach den getroffenen Bestimmungen weder von Europäern noch von Chinesen bebaut und bewohnt werden darf.
im Gefängnis Bon Clairvaux bereits angetrelen hat, ist die Gefängnisstrase in Verbannung °bg-andert worden. @uedn wurde heute nachmittag an d.e schweizerische Grenze gebracht. jnri. 6on Orleans, der sich gegen
wärtig aus einer Forschungsreise in Kambodscha befindet, soll nach Nachrichten, die an seine Familie gelaugt sind, s-hr
DeriFi'garo-'meldet, daß die Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und der marokkanischen Gesandt- chas! bezüglich des Abschlusses eines 6 an beUiibeietn. kommens, dar mit dem zwischen England und Marokko getroffenen Uebereinfommen identisch sei, 8um Ziele 9eI 9 hätten. Gegenwärtig fänden zwischen dem Mmistermm des Aenßern und dem Führer der Gesandtschaft Besprechungen statt, welche die Maßnahmen betreffen, durch die Emsalle narokkanischer Nomadenstämme in algerisches Gebiet verhindert werden sollen.
Kauea, 16. Juli. Als am 12. d. M. der Oberkommissar Qr Kreta Prinz Georg von einer Spazierfahrt in da« NegierungSgebäude zurückkehrte, wurde er von einem Individuum, das in die Nähe des Wagens gelangt war, be- chimpst. Dann wollte sich der Mann auf den Pnuzen stürzen. Zwei inzwischen herbeigeeilte Gendarmen hielten ihn est und verhafteten ihn. Die Polizei verlautbart über diesen Zwischenfall, daß der Verhaftete identisch ist mit einem ge- wissen Muatzu, der bereits wiederholt in einem Jrrenhause nterniert war und erst kürzlich auS dem Jrrenhause in Athen entsprungen ist. Zeugen des Vorfalls behaupten jedoch, daß Muatzu auf Prinz Georg ein Attentat geplant habe.
Aus Stadl und Kand.
Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
•• Hessische Landeslotterie. In der heutigen Ziehung fielen 3 Gewinne ä 5000 Mk. auf Nr. 12166 (WormS), 13 355 (Lampertheim), 22 029 (Gernsheim und Altheim). — 14 ä. 3000 Mk. auf Nr. 1362, 3499, 4936, 11 019, 11 958, 15 656, 15 681, 18 720, 22 323, 22 623, 23 469, 24 401, 34 480, 40 932. — 17 ä 2000 Mk. auf Nr. 2631, 4708, 5772, 9779, 12 279, 12 914, 14 547, 15 633, 16 452, 16 861, 19 188, 26 029, 29 368, 33 728, 34 021, 34 669, 42 448. — 32 ä 1000 Mk. auf Nr. 150, 1702, 3648, 4742,5258, 5818, 7602, 7786, 8545, 102 56, 11 047, 12 340, 12 608, 13 021, 13 663, 13 907, 14 166, 14 291, 16 145, 21 394, 25 123, 25 498, 26150, 27 057, 27 810, 27 864, 31 131, 32 878, 34 050, 36 441, 37 165, 44 225. — 43 ü 500 Mk. auf Nr. 266, 858, 2187, 3754, 5458, 6307,7142, 7251, 7579, 8753, 8947, 10 015, 11 197, 11 267, 11 451, 12 590, 12 868, 14 736, 15 100, 16 111,
18 015, 21 712, 23 739, 27 411, 28 335, 29 400, 29 974,
30 254, 31855, 32 492, 33 730, 36 041, 36 054, 36 553,
36 597, 37 637, 38 666, 39 110, 39137, 40 940, 40 967,
41 038, 44 273. (Ohne Gewähr.)
** Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. Der Gerichtsassessor Dr. Karl Simon in Darmstadt wurde zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und Gerichtsassefsor Otto Dornseiff in Alsfeld zur Rechtsanwaltschaft bet dem Amtsgericht Alsfeld zugelafsen.
• • Konkurrenzeröfsnungeu. Erledigt sind an der Volkschule zu Worms 7 Lehrerstellen, von denen 4 mit evangelischen und 3 mit katholischen Lehrern zu besetzen sind, und eine mit einer evangelischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle, sämtlich mit dem satzungSmäßigen Gehalte.
* * Die 45 tägige GUtigkeit ist jetzt auch den Rückfahrtkarten mit Oesterreich beigelegt worden.
Stiftungsfest. Die anläßlich des 50jährigen StiftungS- estes der Burschenschaft „Germania" stattfindende Wageu- ahrt wird folgende Straßen berühren: Wilhelmstraße, ^udwigfiraße, Gartenstraße, Ostanlage, Wallthorstraße, Marktplatz, SelterSweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Neu- labt, Rodheimerftraße.
* * Zur Beruhigung der Freunde des Gustav-Adolf- Vereins, die von einer Schädigung des Vereins durch den Konkurs der Leipziger Bank gehört haben, teilen wir den Wortlaut des bezüglichen Rundschreibens des Zentralvor- tandeS in Leipzig an die 45 Hauptvereine mit: „Der Zentral« wrstand besitzt an die in Konkurs verfallene Leipziger Bank in Leipzig eine Kontokorrentforderung von 184,095 Mk. 69 Pfg., außerdem 9000 Mk. Aktien derselben, wovon die ältesten im Jahre 1843, die jüngsten 1873 erworben worden sind. Es besteht die Aussicht, daß an der- Kontokorrentforderung eine erheblichere Einbuße nicht erlitten wird; ein Aufschub in unserer Geldsendung ist nicht eingetreten."
**t Hessischer Fechtverein Waisenschutz. Nach dem auf der 9. Landes-Versammlung des Hessischen Fechtvereins Waisenschutz, die am 14. Juli in Steins Saalbau zu Gießen stattfand, vom Vorsitzenden der Oberfechterei Mainz, Schragenberg, erstatteten Bericht betrugen im Jahre 1900 die Einnahmen 5552.26 Mk. Darunter befinden sich 3381.14 Mk. Beiträge von den Zweigvereinen (Gießen ist mit 69.64 Mk.) verzeichnet), 164.34 Mk. von den Fechtwartstellen, 44.41 Mk. von der Verwaltung und 1426.15 Mk. Zinsen aus der 44 800 Mk. betragenden Kapitalanlage. Das Vermögen beläuft sich auf 51316.51 Mk. Eine längere Besprechung veranlaßte die zweckmäßigste Verwendung der Mittel und ihre Aufbringung. Aus den Verhandlungen ging hervor, daß der Fechtverein noch ein weites Feld zur Bearbeitung vor sich hat; eine für den Monat September vorgesehene außerordentliche Landes-Versammlung in Oberolm wird sich über bezügliche Antrgäe schlüssig zu machen haben, u. a. auch darüber, ob der Verein in das Vereinsregister des Amtsgerichts Mainz einzutragen ist, bezw. Korporationsrechte erwerben soll. Der Antrag des Zweigvereins Darmstadt, in Hinsicht auf das Ziel und die Propaganda von den jährlichjen Zinsen mindestens vier Fünftel zur Verpflegung und Erziehung von .Kindern in Familien aufzuwenden, wurde durch den Beschluß, je zwei Kinder aus den drei Provinzen zu unterstützen, erledigt; der weitere Antrag desselben Zweigvereins auf Einsetzung einer Agitationskommission im Landesverband fand durch den Beschluß, für jede Provinz eine solche Kommission zu bestimmen und jeder Kommission 100 Mk. jährlich zur Verfügung zu stellen, seine Erledigung.
§ Oppershofen, 16. Juli. Die junge Ghe-- trau des Andreas Weil starb am 13. Juli. Sie hatte kurz vor ihrem Tode einen Streit mit ihrem 70 jähr. Schwiegervater, sodaß bald das Gerücht austauchte, letzterer
Zollsätze nach unten eine Art Doppeltarif geschaffen wird. Es seien in Aussicht genommen: Für Roggen Mk. 6, Weizen Mk. 6.50, Hafer Mk. 6. Bei Handelsverträgen soll ür Roggen nicht unter Mk. 5, Meizen Mk. 5.50, Gerste Mk. 3, Hafer Mk. 5 festgesetzt werden. Außerdem sollen Zollerhöhungen angesetzt werden für Stiere und Kühe Mk. 25, ür Jungvieh Mk. 15 pro Stück, für Schweine Mk. 10 ür den Doppelzentner, Gänse 70 Pfg., Fleisch und Speck Mk. 30 und 35 pro Doppelzentner, Wurst 45 Mk., Butter und Käse Mk. 30, Eier Mk. 6.
München, 16. Juli. Eine Delegiertenversammlung des bayerischen Bauernbundes erklärte ihr vollständiges Einverständnis mit dem seinerzeit in Würzburg gefaßten Beschluß, daß die früheren Programmpunkte: Verstaatlichung der Sck,ule und Abschaffung der Reichsratskammer fallen gelassen, bezw. gestrichen werden. Dann „verurteilte die Versammlung aufs Schärfste das Eindringen des preußischen Bundes der Landwirte in Altbayern, insbefondere das Gebühren der bayerischen Zentralleitung des Junkerbundes und beschließt, ganz energisch dem Treiben desBundesderLandwirteentgegen- z u t r e t e n".
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Juli. Aus Gudwangen wird gemeldet: Bei gutem Wetter ging der Kaiser heute früh um 6 Uhr von Bergen aus in See und traf am Nachmittag vor Gudwangen ein, wo eine Begegnung mit der „Victoria Luise" stattfand. An Bord ist alles wohl.
— Der Kaiser hat sich, wie nachträglich bekannt wird, vom Justizminister eingehenden Bericht über den Verlauf und das Ergebnis des letzten Militärbefreiungs- irozesses erstatten lassen. An hoher Stelle habe die auch auf dem deutschen Aerztetag gerügte Behandlung der angeschuldigten Aerzte, speziell des sieben Wochen lang in Untersuchungshaft befindlichen Dr. Schultze-Köln, gegen den dann später das Verfahren eingestellt wurde, sehr verstimmt. Der preuß. Minister des Innern habe alsbald die strengste Untersuchung angeordnet, und einen höheren Medizinalbeamten nach Köln entsandt, um über die eingebrachten Beschwerden Recherchen anzustrengen. Heute stehe bereits fest, daß in der kommenden Reichstagssession der Minister über diese Vorgänge von Rednern zweier Fraktionen werde interpelliert werden.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht die Ernennung des Geh. Oberregierungsrats und vortr. Rats im Reichsamt des Innern Caspar zum Direktor im Reichsamt des Innern.
— Ueber die Frage der Besetzung der Lehrstühle ür Nationalökonomie an preußischen Universitäten t)at die schlesische Landwirtschaftskammer folgenden Beschluß gefaßt: „Wir bitten, das ireußische Kultusministerium wolle endlich in einer Zahl, die der Bedeutung der Landwirtschaft innerhalb des preußischen Staates voll angemessen ist, auf preußische Lehr- tühle für Nationalökonomie auch Männer berufen, welche bereit sind, mit vollem Herzen auf Grund ihrer wissen- chaftlichen Ueberzeugung und ihrer Forschungen an der Lösung der Agrarfrage im Sinne der Landwirtschaft mitzuwirken." Die freisinnige „Voss. Ztg." befürchtet an- cheinend, daß der agrarische Prof. Ruhland eine solche Professur erhalten könne, oenn sie schreibt: „Damit wird Herr Ruhland, Professor an der Dominikanerschule zu Freiburg in der Schweiz, der Huld des Unterrichtsministers dringend empfohlen."
— Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine Kabinettsordre, betreffend Aenderung der Aufnahmebestimmungen des Kadettenkorps. Danach sollen in Stellen des Kadettenkorps mit vermindertem Erziehungsbeitrage, die von berechtigten und geeigneten Anwärtern nicht rechtzeitig besetzt sind, unter Berücksichtigung der ein- chlägigen Vorschriften andere Knaben einberufen werden dürfen, deren Väter als Offiziere des Beurlaubtenstandes, als Sanitätsoffiziere oder als höhere Beamte gute Dienste geleistet haben.
— Nachdem wahrgenommen ist daß in einzelnen Eisenbahndirektionsbezirken von Beamten, die zu m il i tär- ischen Uebungen einberufen wurden, die Nachsuchung von Urlaub zu diesem Zwecke verlangt worden ist, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten in Erinnerung gebracht, daß militärische Dienstleistungen der Beamten während ihrer Zugehörigkeit zum Militärverbande als Beurlaubungen nickt anzusehen sind. Die Beamten haben wegen ihrer Entbindung vom Dienst lediglich sofortige Anzeige von der Ein- jerufung zu erstatten. Der Dienstbehörde verbleibt das Recht und die Pflicht, sofern im einzelnen Falle dienstliche Rücksichten dies erfordern, bei der Militärverwaltung die Befreiung der Einberufenen von der Uebung nachzusuchen oder, bei freiwilligen militärischen Dienstleistungen der Beamten, deren Unabkömmlichkeit zu erklären.
— Um angeblichen Schwierigkeiten zu begegnen, welche die polnische Agitation in der Armee verursache, chlagen die hiesigen „N. Nachr." vor, daß nach Ablauf der versuchsweise eingeführten zweijährigen Dienstzeit ein Ge- etz geschaffen wird, das sagt, jeder Soldat, der durch mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache seine Ausbildung verzögert, ist verpflichtet, ein drittes Jahr zu dienen. Das Blatt bemerkt dazu:
„Wenn wir hierdurch auch nicht die Herzen der polnischen Bevölkerung gewinnen werden, so wird ihnen doch eine solche Maßregel in jeder Beziehung äußerst heilsam sein. Mit Nachsicht und mit Zuckerplätzchen wird, wie die Geschichte der letzten Jahrzehnte lehrt, bei den Polen nichts erreicht."
— Der Verband deuffcher Bäckerinnun gen „Ge r-- mania", der gestern und heute in Krossen tagte, und vom 85 Innungen beschickt war, hat einen Antrag auf Abschaffung der Nachtarbeit durch einstimmigen Uebergang zur Tagesordnung erledigt.
Essen, 16. Juli. Das polnische Wahlkomitee hat für den Wahlkreis Duisburg-Mülheim-Ruhrort den Abg. Leon Szczawinski-Thorn als Kandidaten ausgestellt. (Eine Anmaßung sonder Gleichen. D. Red.)
Stuttgart, 16. Juli. Der „Beobachter" erhält von einem Gewährsmann, an dessen Zuverlässigkeit nicht zu zweifeln ist, Mitteilungen über die Gestaltung des Zolltarifs, wonach für die Getreidezölle durch Bindung der


