Ausgabe 
18.7.1901 Erstes Blatt
 
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den achtziger

Die Zahl der Aerzte i» Deutschland.

Die Zahl der Aerzte hat in Deutschland in den letzten zehn Jahren ungemein stark zugenommen. Sie betrug 1876 13 728 gleich 3,2 auf 10000 Einwohner, 1887 15 824 gleich 3,3, 1898 24 725 gleich 4,4, 1900 27 374 gleich 5,1. Bis zum Jahre 1887 hielt sich die Aerzte-Mehrproduktion in Deutsch­land in engen Grenzen und übertraf nur wenig die Be­völkerungszunahme, die Zunahme bis 1900 dagegen ist eine riesige und plötzliche.

Die Aufnahme des Reichsgesundheitsamts vom Jahre 1898 unterschied allopathische und homöopathische Zivil­ärzte, Aerzte, die nur in Anstalten beschäftigt sind, aktive Militärärzte und Marineärzte überhaupt und die von diesen zur Zivilpraxis angemeldeten. Außer den appro­bierten Aerzten gab es früher fast in allen deutschen Staaten Wundärzte, in Bayern auch Landärzte. In Preußen wurde die wundärztliche Prüfung schon 1852 beseitigt, so daß hier die Wundärzte nahezu ausgestorben sind. Bei der Zählung der Aerzte am 1. April 1898 wurde auch die Zahl der homöopathischen Aerzte in Deutschland erhoben, da dies 'N Hinsicht auf das ständige Verlangen der Ho- möopathie nach einem eigenen Lehrstuhl von Wert wär. Ihre Zahl ist sehr gering; sie betrug 240. Die meisten kommen auf die größeren Städte, nur 19 praktizierten in Gemeinden unter 5000 Einwohnern. In Deutschland be­schäftigt sich außer den approbierten Aerzten eine große

überhaupt

auf 10,000 Einwohner

tädten zu gute. _ c ri .r ,

Nicht nur zwischen Stadt und Land, auchl zwischen großen und kleinen Städten ist der Unterschied sehr be­trächtlich. Es ist begreiflich«, daß die Zahl der Aerzte in den Städten größer sein muß, da schon dre gerrngere Entfernung vom Arzte eine intensivere Inanspruchnahme bedingt. Aber auch abgesehen hiervon ist an vielen Orten die Indolenz der Landbevölkerung gegen Erkrankungen ganz unglaublich, die nur dann gebrochen wird, wenn heftige Schmerzen Linderung verlangen; so kommt es, daß auch bei wohlhabender Landbevölkerung eine große Anzahl Ein­wohner auf einen Arzt kommen muß- wenn er sein Aus­kommen finden soll. Gegenüber dem Zusammendrangett der Aerzte in den Städten ist die Behauptung aufgestellt worden, es wäre auf dem Lande noch Platz genug für Aerzte, wenn diese nur auf das Land hinaus wollten. Das Bst aber meist nicht richtig, vielmehr werden immer wieder Versuche zu Niederlassungen an Orten, wo bisher 'eine Aerzte wareü, gemacht. Sehr häufig finden hier aber die Aerzte kein solches Auskommen, das einen Ersatz für >ie beständige Anspannung, Verantwortlichkeit und, das tete Bereitsein bei Tag und Nacht böte; zudem ist an olchen Plätzen eine Erweiterung der Praxis nur selten möglich. In Oesterreich, das viel ungleichartigere Verhält­nisse bietet, als Deutschland, ist durch die gesetzliche Ein­richtung des Gemeinde-Sanitätsdienstes, wodurch den Ge­meinden die Pflicht auferlegt wird, für ärztliche Hilfe zu orgen, eine gleichmäßigere Verteilung des Aerztepersonals erzielt worden.

Nach der Ansicht des genannten Gewährsmannes güt die vielfach behauptete Ueberfüllung des Aerztestandes aller­dings zweifellos für die Städte, wo die Aerzte sich zu- ammendrängen, da sie oft auf hem Lande nicht den tätigen Lebensunterhalt erwerben können. Eine Ausgleich­ung ist hier nur durch gesetzliche Einrichtungen möglich, wie das in Oesterreich geschehen ist.

überhaupt

auf 10,000 Einwohner

Man sieht aus diesen Ziffern, daß in

Jahren die erhebliche Zunahme der Aerzte in den Städten nicht dem Riesenwachslum derselben entsprach^ so daß die prozentuale Ziffer sofort zurückging. Ganz kolossal aber war die Zunahme seit 1887; sie kam vor allem den Groß-

Geschäftsbericht des Vorstandes entnehmen wir, daß dem Verbände 81 Innungen mit 3084 Mitgliedern angehören. Ucber die Thätigkeit der Handwerkskammern und ihre Stellung zu den Jnnungsvsd:bänden referierte der Vorsitzende Jessel. Er beschwerte sich über die Konkurrenz der Handwerkskammern gegenüber den Innungen, indem ich dieselben mit Gründungen von Sterbekassen, Heraus­gabe von Lehrbriefen, Arbeitsverträgen befaßten. Diese Thätigteit sollte lediglich Aufgabe der Innungen und Verbände bleiben. Fauser (Weimar) plaidwrte dafür, daß die Kosten für die Handwerkskammern von den ein­zelnen Staaten getragen und nicht den Handwerkern auf- erleqt würden. Ueber die M e i st e r p r ü f u u g s o r d n u n g für das Glaserhandwerk berichtete Meier (Hamburg). Die Prüfung foll sich außer dem Meisterstück und den dazu gehörigen Zeichnungen und Kostenanschlägen auch auf Buch- und Rechnungsführung, die allgemeinen Grundsätze des Wechselrechts sowie vornehmlich, die gesetzlichen Vorschriften betr. das Gewerbewesen erstrecken. Nach längerer Debatte wurden die Vorschläge einstimmig angenommen. . Ueber einen Statutenentwurf einer Unterstützungskasse bei Aus- stäuden und Werkstattssperren für ganz Deutsch­land berichtete Türke (Leipzig). Wenn eine gütliche Einig­ung bei Ausständen und Werfftattssperren nicht herbei- zusiihren sei, dann müsse mit allen gesetzlichen Mitteln gegen dieselben angekämpft, und die betroffenen Hand­werker aus der Kasse unterstützt werden. Der Vorstand empfahl, dem Baugewerksverbande nachzuahmen, und bei allen Ausständen sofort eine gedruckte Liste aller Aus­ständigen sämtlichen Innungen in Deutschland zuzusenden. Bis auf Widerruf dürfte dann keiner der Ausständigen eingestellt werden. Wenn die Arbeitnehmer sehen, daß ie nirgends Arbeit bekommen, dann würden Ausstände nicht so leicht enfftehen. Nach langer Debatte wurde der vorgelegte Entwurf einschließlich der vom Vorstände ab­gegebenen Erklärung angenommen. Ter Vorstand wird das Statut nochmals ausarbeiten. Die Glaserinnungen des Königreichs Sachsen beantragten, die Errichtung einer Un- -all-Berufs-Genossenschaft für das deutsche Gla- ergewerbe baldigst zum Abschlüsse zu bringen. Es wurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt, welche sich mit der Sache beschäftigen soll. Ein Antrag, die Regelung der Submissionsbedingunben bei Staatsbauten betr., wurde dem im September in Gotha stattfindenden allgemeinen deutschen Jnnungs- und Handwerkertag zur Beschlußfassung Oberwiesen. Die Anträge Danzig und Frank- ürt a. M., daß Spiegelglasscheiben seitens der Glashütten und Händler an Nichtglaser nicht verkauft werden dürften, rief eine längere Debatte hervor. Sämtliche Redner sprachen ich entschieden für diese Anträge aus.

W. Homburg v. d. H., 16. Juli. Die Kaiserin traf heute vormittag 11.50 Uhr mit dem Prinzen Eitel Friedrich hier ein. Sie wurde am Bahnhof von dem Prinzen Fried­rich Karl von Hessen und dessen Gemahlin empfangen, und ühr unter dem Jubel des Spalier bildenden Publikums nach dem Königl. Schlosse. Nach! der dort stattfindenden Frühstückstafel begeben sich die Herrschaften 3.15 Uhr nach^- mittags nach Schloß Friedrichshof. Abends 8.15 Uhr reiste die Kaiserin in Begleitung des Prinzen Eitel Friedrichs mit Sonderzug nach! Wilhelmshöhe ab. Prinz Friedrich Karl von Hessen begleitete die Herrschaften zum Bahnhofe. In den Straßen, wie aus dem Bahnhofe Homburg hatten sich amtliche Kurgäste versammelt, welche die Kaiserin mit lautem Jubel begrüßten.

Meine Mitteilungen aus Hessen und deu Nachbarstaaten. Vom Frankfurt-Münchener Schnellzuge erfaßt wurdd am Samstagabend auf Station Aschaffenburg der Rangier­meister Kaupp von dort, Vater dreier Kinder. Er wurde buchstäblich zermalmt. In Saasen stürzte der mit Kirschenpflücken beschäftigte 20jährige Karl Starck so un­glücklich vom Baume, daß er bewußtlos unten liegen blieb. Vorübergehende fanden den Bedauernswerten mit einer laffenden Kopfwunde und schafften ihn in die elterliche Wohnung, wo er nach, einigen Stunden verstarb. Be­züglich einer Notiz aus Mannheim über eine Leich en - L ä n i> u n g teilt dieButzb. Ztg." mit, daß der Soldat Müller mit der angeblich gelandeten Barbara Lutz in keiner Beziehung steht. Wohl hat Müller sich! an eine Mann­heimer Zeitung gewandt um Nachricht, ob ein Mädchen L. L. Selbstmord versucht habe. Doch hieß die Betreffende weder Barbara Lutz, noch, war sie Dienstmädchen, vielmehr Direktrice und war auch nicht in Amlishagen O.-A. Gera­bronn geboren. Ein Liebespaar, Friedrich, Fuchs und Anna Ro do l p h, beide aus Göllheim, haben sich am Abend des 15. Juli zusammen in den Rhein bei Ludwigs­hafen ertränkt. Die Reiseeffekten der Unglücklichen sowie ein Zettel wurden am Ufer gefunden. Wie uns Herr Lehrer Ro t h in Klein-Karben mitteilt, hat, entgegen unserer Notiz in Nr. 161, weder er bisher ein Versetzungsmandat nach Heldenbergen, noch Lehrer Knaup in Heldenbergen ein olches nach Klein-Karben erhalten. Dem z. Z. im Wormser Äarnisonlazarett befindlichen Sanitätsmaaten Reith der 2. Werft-Division Wilhelmshaven, ein geb. Binger, wurde von dem Kaiser das Militär-Ehrenzeichen 1. Klasse ver­liehen. Kurze Zeit vorher hatte err das Militär-Ehren­zeichen 2. Klasse, sowie das hessische Allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift für Tapferkeit erhalten. Sanitäts- maat Reith hat die Beschießung der Takuforts an Bord des Iltis" im vorigen Jahre in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni mitgemacht. Außerdem hat er an dem Vor­marsch gegen Peking teilgenommen.

der Lahn, Albert Cullm ann aus Schweinfurt, Friedrich Ohl aus Bad-Nauheim, Paul Mattke aus Exbrucke und Friedrich Peter Ehr ist aus Groß-Bieberau zu technikern ernannt. In den Ruhestan^wurde Hauptsteu - amtsdiener bei dem Hauptsteueramt ^rmstadt .Lmmt, - tura Oßwald auf sein Nachsuchen mit ^rrttmg vom . Juli versetzt, unter Anerkennung ,emer langjährigen treuen Dienste. .

** Professor Tr. philos. Olt, zurzeit an der Königl. tierärztlichen Hochschule in K

seinerzeit berichtet haben, den an ihn ergangenen Rus als ordentlicher Professorr für pathologische Anatomie, Tw^ Hygiene und Fleischbeschau an der vereinigten medizini­schen Fakultät in Gießen angenommen hat, wurde 1866 m Breitenbrunn, Kr. Erbach i. O. geboren. Cw besuchte die Realschule zu Michelstadt und das Realgymnasium zu Essen­bach Von 1885 bis 1887 studierte er in Gießen und hieraus in Berlin- Tierheilkunde, wo ihm 1889 die Approbation erteilt wurde. Im Wintersemester 1889 studierte er in Heidelberg Naturwissenschaften und nach zweijähriger prak­tischer Thätigkeit zu Ober-Ramstadt und Groß-Bieberau zwei Semester Zoologie in Erlangen, wo er 1891 promovierte. Nach' zweijähriger Thätigkeit am Schlachthofe zu Stettin war Olt in Hamburger Staatsdiensten und alsdann vom September 1894 bis Mai 1895 als Kreisveterinärarzt in Erbach, i. O. thätig. Bon da ab bekleidete er zweieinhalb Jahre hindurch die Stelle eines Repetitors an der tier­ärztlichen Hochschule zu Berlin, wo er den Unterricht in der pathologischen Histologie und Bakteriologie erteilte. Herbst 1897 übernahm er die Leitung der veterinär-bakteriologi­schen Instituts zu Hamburg und Mai 1898 den Lehrstuhl für pathologische Anatomie an der tierärztlichen Hochschule zu Hannover.

**Studenten-Versammlung. Am Donnerstag den 18. Juli findet im großen Saale des Hotel Einhorn eine allgemeine Studentenversammlung statt, in der Dr. Phil- K. Heim über das ThemaTer moderne Student und ine Sittlichkeitsfrage" sprechen wird.

** Der Gießener Turnvere in kehrte gestern übend von der Teilnahme an dem Offenbacher Turnfest wieder zurück. Auf dem Bahnhof wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet und kurz nach 8 Uhr zog er unter dem klingenden Spiel eines Musikkorps wieder in unsere Stadt ein.

** Ausflug. Der kaufmännische VereinB a v a r i a" hat am vergangenen Sonntag einen Ausflug nach Wetzlar unternommen. Nach der Ankunft hier um 11 Uhr ging man zunächst nach demKlostergarten", tou> die mitgebrach-te Regimentskapelle konzertierte. ImRömischen Kaiser" wurde das Mittagessen eingenommen. Nach demselben wurdeGöths Garten" aufgesucht, wo man einige Stunden fröhlich verlebte. Für den Abend hatte man Konzert und Tanz imSchützengarten" vorgesehen und' vertrieb sich dort köstlich die Zeit bis zum Abgang des letzten Zuges.

** Ein Gewitter) ahr soll das Jahr 1901 sein. Im April d. I. veröffentlichte Prof. August Schmidt- Stuttgart eine Wettervoraussage. Die für Mai und Juni angesagte Gewitterperiode fand statt, und jetzt traf Prof. Schmidt auch das Richtige mit der Voraussage einer An­schwellung der Gewiterneigung bis zum 25. Juli folgt eine starke Abnahme bis zum 3. August. Etwa am 23. August sind starke Gewitter zu erwarten. Dann folgt eine Ruhepause bis zum 10. September. Die nun be­ginnende Anschwellung der Gewitterneigung erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem 15. und 22. September. Prof. Schmidt hat seine Gewittertabellen nach den Beobachtungen verschiedener Forscher, wie Bezold, Enkhold usw., aufge­stellt, die nackHUweisen suchen, daß jährlich drei Gewitter- periodeu, die 2628 Tage währen, Vorkommen und daß diese Perioden mit gewissen Stellungen des Mondes etwas Gemeinsames haben. Weniger auf wissenschaftlicher Basis beruhend, aber doch recht interessant und wenigstens in diesem Jahre zutreffend sind die Wetterzeichen, die der Landmann beobachtet. Die Ameisen zeigen ihm durch Zu­rückziehen in die tieferen Teile ihrer Erdwohnungen Regen­wetter an. Auch dem Vieh werden barometrische Eigen­schaften nachgesagt. Ein ungeberdiges Benehmen der Bullen ohne sichtliche Veranlassung wird als Ansage von Regen und Gewittern betrachtet. Der Wetterwitzbold Falb er­zählt, daß die Regen um den 17. einmäßiges Maximum erreichen".

Röthges, 15. Juli. Trotz der Sonnenhitze zogen am Sonntag junge und alte Krieger zum Bezirksfest des Bezirks Laubach nach unserem festliche geschmückten Orte. Eine stattliche Zahl von Vereinen hatte sich emgefunden. Nach kurzer Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Buttron ordneten sich die Vereine zum Festzug. An der Spitze die Schuljugend, gefolgt von blumengeschmückten Festdamen, bewegte sich der Zug durch die Straßen. Auf dem Festpaltze begrüßte Bürgermeister Metzger im Namen der Gemeinde die Festgäste. Vorsitzender Buttron rief allen ein herzliches Willkommen zu. Mit dem Hoch auf den Protektor der Hasfia, Großherzog Emst Ludwig, schloß der Bezirksvorsitzende Ritter die kernige Ansprache, die den Veteranen die Erinnerung an 1866 und 1870/71 wach rief, und das Herz der alten Kameraden bewegte. Pfarrer Scriba rief sodann den Festteilnehmern die Errungenschaften unter dem mächtigen Schutz des Reiches zurück und ermahnte zum treuen Festhalten unter der Devise:Mit Gott für Kaiser und Reich". In das Hoch auf Kaiser Wilhelm II. stimmten alle begeistert ein. Bei Tanz und heiterer Geselligkeit schwanden die Stunden dahin.

Butzbachs 16. Juli. Der Unteroffiziers- ver ein des hiesigen Bataillons unternahm am Sonntag einen Ausflug mit Damen nach Braunfels. In Gießen schloffen sich noch weitere Teilnehmer an. Alle Ausflügler verlebten _ einige wirklich vergnügte Stunden. Mit dem Zuge 8.47 Uhr kehrte man abends wieder hierher zurück.

Vermischtes.

* L6ipzig, 16. Juli. Der Opernsänge r Gr eder wurde heute früh im Rosenthal von zwei Strolchen an- gefallen, zur Erde geworfen und seiner Baarschaft sowie der Schlüssel beraubt. Trotzdem rasch Polizeibeamte zur Stelle waren, gelang es den Strolchen, zu entkommen. Greder selbst mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.

* Könitz, 16. Juli. Heute vormittag wurde der Bar­bier-Lehrling Güde unter dem Verdachte, am 13. Juni 1900, an der Inbrandsetzung der Konitzer Synagoge sich! beteiligt zu haben, verhaftet.

* Eine merkwürdige Geschichte erzählt man aus Lothringen: Ter Besitzer des Gutes Oberweiler bei Saarburg, Baron v. Stietenkron, scheint ein arger Sonder­ling zu sein. Er hat besondere, nicht gerade ungefähr­liche Liebhabereien. So verbietet er jedem, sein Gut zu betreten und hat schon öfters mit Schießen gedroht. Dieser Tage nun hat er seine Trohung auch ausgeführt. Er kam nämlich um 6 Uhr zu den italienischen Arbeitern, die an den Wasserleitungsarbeiten der drei Gemeinden Hoch- walsch, Bruderdorf und Niederweiler beschäftigt sind, unb gerade auf dem Gute des Barons, das derselbe vor einigen Jahren gekauft hatte, einen Graben auswarfen. In reinem Platt", das von keinem Bewohner jener Gegend, noch viel weniger aber von Italienern verstanden werden kann, forderte er diese auf, ihre Arbeit einzustellen. Als nun die Männer nicht sogleich gehorclsten, riß er das Gewehr, das er bei sich führte, an die Wange und schoß einen Arbeiter, einen jungen Mann von 24 Jahren nieder. Zum zweiten Male drückte er sein Gewehr ab und trraf einen zweiten, den die finget zwischen Schulter und Lunge traf und erheblich verletzt. ^Hierauf er­griffen die übrigen die Flucht, denn der Herr war bereits daran, wieder zu laden. Tie Gendarmerie von Saar­burg wurde benachrichtigt und nahm den Baron fest. Als Rittmeister a. T. untersteht Baron v. Stietenkron übrigen^ der Militärgerichtsbarkeit.

Spangenberg, 16. Juli. Welche Verstümmelungen ein Telegramm erleiden kann, mag folgendes vor kurzer Zeit hier eingetroffene Telegramm beweisen. Lehrer Blu- menkern erhielt aus Geisa im Weimarischen drahtlich die Nachricht: Jöcute abend 752 Leiche am Bahnhof abholen.

ein- v 8-c ^isa die umgehende Antwort:Hier alleo gesund/ Trotzdem große Aufregung. Und was wars?

. Abgegebener Zeit ein Kistchen mit Fischen an. Aus Fischen war alsoLeiche" geworden.

fu. M ain z, 16. Juli., Der 21.d e n tsch e Gl a se r ta g begann heute hierunter dem Vorsitz des Verbandspräsi- denten Jessel (Berlin). Zur Begrüßung waren u. a. tjfdnenen firei§amtmann Krug von Nidda, Gewerberat Meuter (TarmstcckU) als Vertreter der großherzoglichen Zen- tralstelle für das Gewerbe, der zweite Vorsitzende der hessi­schen Handwerkskammer Rockel und der Sekretär Engelbach Der Vorsitzende sprach der Regierung für die Schaffung der Handwerkskammern den besten Dank aus und brachte ein .Hoch auf Kaiser Wilhelm aus. Aus dem umfangreichen

Anzahl von Kurpfuschern gewerbsmäßig mit der Heilkunde^ besonders in den letzten 20 Jahren ist dieser ungemein häufig ergriffen worden. Ein bedeutender Unter schied bei der Aufnahme von 1898 gegenüber den früheren besteht darin, daß die sogenamiten Zahntechniker, deren Zahl besonders in den Städten sehr?ugewachsen ist 1898 nicht mehr unter den Kurpfuschern, )ondern getrennt auf- geftihrt sind. Ihre Zahl betrug in diesem, Jahre^4 376, wovon 623 als Gehilfen thatigI warenEin. Motzer Tick der Kurpftischer gehört zum weiblichen Geschlecht; 1898 war dies bei 25 Prozent der Fall. Die Stad e wurden von ihnen mehr bevorzugt als das Land; es kamen 1898 nutz 100 000 Einwohner in den Gemeinden Mit

100,000 Einwohner und mehr 14,1 KurpfUfcyer 40100,000 J,2

20 40,000 6,4

5 20,000 6,8

unter 5,000______ _______3,6 ,,

ganz Deutschland 0,8 Kiirpfuscher

Von Wert ist es, sich ein Bild davon zu machen, welchen Weg die Bevölkerung auf dem Laude zum Arzt zurückzulegen hat. In der folgenden Zusammenstellung, bei der wir uns ün eine Arbeit von Friedrich Pmzing- Ulm in derZeitschrift für Sozialwissenjchaft halten, ftnd nur die Aerzte in Gemeinden von weniger als &OUU Ein­wohnern auf die Gesamtfläche des betrefsenden Staats­gebiets bezogen. Es entfallen 1898 auf je einen praktizieren­den Zivilarzt Quadratkilometer im Großherzogtunr Hessen 28, im Königreich Sachsen 37, Baden 41 Hessen- Nassau 41, Pfalz 41, Rheinprovinz 47, Westfalen 54, Würt­temberg 61, Provinz Sachsen 63, Elsaß-Lothringen 6a ^ckM- rhein. Bayern 65, Hannover 78, Schleswig-Holstein 80, Schlesien 85, Brandenburg 124, Mecklenburg-Schwerin 126, Pofen 139, Pommern 184, Westpreußen 190, Ostpreußen 12 Der Unterschied ist gewaltig; den weitesten Weg zum Arzt haben die Landbewohner der östlichen p^bußischen Pro­vinzen zu machen, auch Brandenburg und Mecklenburg stehen noch sehr weit zurück. _

Die Zahl der Aerzte wächst mit der Große der Städte. Es waren in Deutschland Aerzte in den Städten mit mehr als 5000 Einwohnern , .

und in Gemeinden mit weniger als o0M Einwohnern

1876

1887

1898

7816

9943

16907

7,5

6,8

8,4

1876

1887

1898

5912

5881

7818

1,8

1,8

2,4