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Dienstag 18. Juni 1901
Nr.° 140
Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
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8Ureffe für Depesche«! Anzeiger Stehen.
Fernsprechanschluß Nr. k.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Die Amtszimmer der uuterfertigteu Behörde befiudeu sich von heute ab
Wallthorstrafte Nr. 71
im Hanse des Herrn Bauunternehmers Scheppel- mann. Die Registratur dagegen bleibt nach wie vor Braudplatz Nr. 9. DaS Baubureau ist nach Wallthorstraße 48, gegenüber dem KreiSamt, verlegt worden.
Gießen, den 14. Juni 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. Bechtold.
Gießen, den 14. Juni 1901.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Die vorstehende Bekanntmachung, betreffend die Verlegung unserer Amtszimmer, wollen Sie dreimal, und zwar in Zwischenräumen von je einer Woche, in Ihren Gemeinden ortsüblich veröffentlichen lassen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf schlags von Fünf vom Hundert pro Monat Mai 1901 für den Lieferungsverband Gießen pro 1OO Kg. betragen: Hafer Mk. 17,10, Heu Mk. 9,40, Stroh Mk. 8,10.
Gießen, den 17. Juni 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
An der Großh. landw. Schule zu Friedberg findet in der Woche vom 8. bis 13. Juli ein landw. Repetilions- kursus statt.
Die Stunden sind gelegt täglich vormittags von 9—12 und nachmittags von 3—5 Uhr, sodaß der größere Teil der Besucher die Züge benutzen kann.
3 Stunden täglich Buchführung (Durchführung eines Beispiels aus der Praxis und Einrichtung der Buchführung für die Tetlnehmer).
2 Stunden täglich Besprechung landw. Fragen aus dem Gebiete der Tierzucht und Fütterungslehre, des Obstbaues, und der landw. Schädlinge.
Fragen, auf deren Beantwortung besonderer Wert gelegt wird, sind bis 8 Tage vorher einzusenden, oder können in den im Schulsaale aufgehängten Briefkasten eingeworfen, oder in freier Diskussion erörtert werden.
Honorar für junge Landwirte, die keine Ackerbauschule besucht haben 5 Mk., frühere Ackerbauschüler honorarsrei.
Ich empfehle den Landwirten des Bezirks die Gelegen, heit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht zu versäumen.
Gießen, den 12. Juni 1901.
Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringelshausen.
In der Zeit vom 18. Juni l. IS. bis einschließlich 24. Juni l. IS. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen: , nc
1. das GeldausgleichungSverzeichnrS über zuvrel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grevzregnlierung mit Langd; , . r .
2 das GeldauSgleichungsverzerchmS über zuvrel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grenzregulinung mit Rabertshausen;
3. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenen Obftbaumwert infolge Grenz- regulternng mit Rabertshausen;
4. das hierzu gehörige AbschätzungSverzeichmS der Obst, bäume;
5. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grenzreguliernng mit Rodheim;
6. das GeldauSgleichungSverzeichutS über zuvtel oder zuwenig empfangenes Gelände;
7, daS Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenen Obftbaumwert;
8. das Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume.
Einwendungen hiergegen find bei Meidung des AuS-
schlnss-S innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen schriftlich ein* zureichen.
Friedberg, 10. Juni 1901.
Der Großh. BereinigungSkommlssär: Spamer, KreiSamtmann.
Bekanntmachung
des Königlichen LandratSamtcS in Hauan.
Der § 3 der Verordnung vom 21. Juni 1897 A III 6310 enthält die Vorschrift, daß das Aufbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf die Märkte nur dann gestattet ist, wenn den marktpolizeilichen Organen eine von der zu ständigen Ortspolizeibehörde ausgestellte Bescheinigung darüber vorgelegt wird, daß in der Ursprnugsgemeiode seit vier Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche herrscht. Diese Bescheinigung hat, wie die Erfahrung gelehrt hat, vielfach ihre Wirkung dadurch verfehlt, daß die OrtSpolizeibehöcden den Händlern, welche ihr Vieh in der betreffenden Ortschaft nur ganz kurze Zeit — oft nur wenige Stunden — auf stellen, um es dann auf Märkte unterzubringen, die gewünschte Bescheinigung der Seuchenfreiheit für ihre Ortschaft oft ohne Rücksicht darauf ausstellen, wie lange das Vieh dort gestanden hat. ES liegt auf der Hand, daß eine derartige Auffassung des Wortes „Ursprungsgemeinde" dem Sinne der Verordnung widerspricht, und daß derartige Bescheinigungen in veterinär-polizeilicher Hinsicht keinerlei Wert haben.
Ich mache die Ortspolizeibehörden hierauf aufmerksam und weise sie hiermit an, die Bescheinigungen nur bann auszustellen, wenn ihnen in glaubhafter Weise (z. B. durch die Händlerlisten) nachgewiesen wird, daß das betreffende Vieh wenigstens 14 Tage laug in der Ortschaft gestanden hat. Falls daS Vieh kürzere Zeit dort gestanden hat, kann die Bescheinigung nur dann erteilt werden, wenn für die fehlende Zeit' Ursprungszeugnisse der Polizeibehörden der früheren Standorte vorgelegt werden.
DaS unten abgedrukte Formular eines Ursprungszeugnisses, das den vorstehenden Bedingungen entspricht, ist hinfort ausschließlich zu benutzen.
Hierzu bemerke ich noch, daß den Ortspolizeibehörden eine Mehrbelastung aus dieser Anordnung nicht erwächst. ES ist Sache der Viehbesitzer, den Polizeibehörden den er- forderlichen Nachweis beizubringen. Hält sich der Polizeibeamte von der Richtigkeit der Angaben nicht überzeugt, so hat er die Ausstellung des Zeugnisses abzulehnen.
Hanau, den 29. Mai 1901.
Der Königliche Landrat.
V 5848 v. Schenck.
Ursprungs Zenguis.
Nachstehend näher beschriebene (Zahl) Tiere nämlich: __________,
Nr.
Gattung (Geschlecht)
Alter
Rasse
Farbe
Abzeichen
gehörig dem zu ...........................
Kreis .............................., welche zum Markte gebracht
werden sollen, steht seit dem d. IS., d. h. seit Tagen am hiesigen seuchenfreien Orte und*) standen vorher seit dem , d. h. seit Tagen laut hier vorgelegten Ursprungs attesten in der seuchenfreien Gemeinde ........-........
Es wird bescheinigt, daß am hiesigen Orte jetzt und seit vier Wochen keine Maul- und Klauenseuche herrscht, und daß der hiesige Ort nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a B.*J. vom 27. Juni 1895 gehört.
den ... . 190 . .
(Siegel.) Die Ortspolizeibehörde.
*) Nur ausfüllen, wenn die Tiere weniger als 14 Tage am Orte des Ausstellers standen.
Oit AnsWt» btt fanbwirtfibaff im imanrigBtn MthMtri.
Ein kurzer Rückblick auf die Getreidepreise des vorigen Jahrhunderts lehrt, daß der Anfang desselben infolge der spärlichen Ernten mit sehr hohen Getreidepreisen einsetzte, worauf dann von 1806—1812 die Kriegsjahre mit ihren Verwüstungen folgten. Tie Tonne Weizen kostete in Berlin während des ersten Jahrzehnts durchschnittlich 230 Mark, im zweiten Jahrzehnt 195 Mark. Dann brach die Agrarkrisis von 1820—1830 herein, wodurch der Weizenpreis 1825 aus 95 Mark pri Tonne sank; erst Ende der zwanziger Jahre besserten sicy die Verhältnisse einigermaßen, sodaß Mitte der dreißiger Jahre der Preis durchschnittlich auf 138 Mark sich hob ; diese Steigerung dauerte in den vierziger Jahren an und brachte für die folgenden drei Jahrzehnte einen gleichmäßigen Preisstand von
210 Mark Weil er so lange anhielt, wurde er vou der Landwirtschaft als der „normale" angesehen und der Rückgang unter diese Linie als verl-ängnisvoll betrachtet; die Jahre 1894—95 brachten in der That eine Krisis, die den Preis auf 125 Mark (im Jahre 1894) inkl. Zoll herabdrückte.
Nicht dieselben Verhältnisse wie bei der Agrarkrisis in den dreißiger Jahren bestimmen jetzt den Getreide- preis, sondern der Weltmarktpreis, der heute bis auf die entlegenste Ortschaft im Deutschen Reiche seinen Einfluß übt. Ter Weltmarktpreis reguliert sich durch die Ernten der ganzen Welt und insbesondere durch die Ausfuhrüberschüsse der Exportländer und die Selbstkosten dec Getreideerzeugung bei uns in Deutschland und die Transportkosten aus den Exportländern zu uns. Die großen Getreideländer: die Vereinigten Staaten, Rußland und Argentinien haben seit den achtziger Jahren bestimmend auf den Weltmarktpreis gewirkt. Wird sich dies ändern, und wie können und werden sich dann die Preise voraussichtlich in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts gestalten?
Tiese Frage warf kürzlicy der Breslauer Universitäts- Professor Tr. Julius Wolf in einem Vortrage, gehalten im niederösterreichischen Gewerbeverein zu Wien, auf. Durch reichhaltiges Material ergänzt, liegen die damaligen Ausführungen Wolfs jetzt im Truck vor.
Entgegen der Meinung von anderen Kennern der Ber hältnisse der Vereinigten Staaten ist Wolf der Ansicht, daß Amerika noch lange nicht an die Grenze seiner Getreideproduktion gelangt ist, die in den nächsten Jahrzehnten eine Stockung der Getreideausfuhr nadj den europäischen Staaten Hervorrufen müßte. Reben den großen Flächen, die noch des Getreideanbaues harren, sind aber dort auch die Produktions- und die Frachtkosten gesunken, sodaß Deutschland mit der amerikanischen Konkurrenz für Weizen zunächst in unverminderter Stärke für das 20. Jahrhundert zu rechnen hat. Aehnlich verhält es sich mit Rußland, dem Deutschland regelmäßig zwei Drittel bis vier Fünftel feiner Roggeneinfuhr verdanlt, abgesehen von der geringeren Weizen-, Gerste- und Hafereinfuhr. Trotz der wenig entwickelten Verkehrsmittel Rußlands, die seiner Getreideausfuhr hindernd in den Weg treten, kann man mit Sicherheit annehmen, daß sich die Exportfähigkeit Rußlands, während der nächsten Jahre zum mindesten auf derselben Höhe halten wird, wie jetzt. — In Argentinien haben die angestellten Untersuchungen ergeben, daß die Kultur- Weizenflächen noch auf das 16fache der bisherigen vergrößert werden können.
Das alles führt zu dem Endresultat: die den Weltmarktpreis bestimmenden Getreideländer werden ihre bisherige Leistungsfähigkeit nocy für länger bei den bis-, herigen Preisen aufrecht erhalten können.
Aber auch für später? Zur Beantwortung dieser Frage muß ein bisher außer Beachtung gelassenes Moment in Rechnung gezogen werden: die Volksvermehrung. Europcr hat sich in den 90 Jahren von 1800—1890 von 170 auf 350 Millionen Menschen vermehrt; gering gerechnet wird das Ende des 20. Jahrhunderts in Europa eine Bevölkerung von 500—600 Millionen Menschen vorfinden. Der Völkerzuwachs in den anderen Erdteilen, hauptsächlich itr den Getreide produzierenden Ländern macht es wahrscheinlich, daß die steigende Nachfrage nach Brod auch wieder höhere Preise hervorruft. Dann aber würden Anbaugebiete in Frage kommen, die bisher noch nicht ins Auge gefaßt wurden, die aber nur noch der Erschließung harren, wie z. B. Kleinasien und Mesopotamien, Jnnerasien, Nordafrika und Australien.
Nach alledem, meint Prof. Wolf, scheine das zwanzigste Jahrhundert in seiner Preisentwicklung für Getreide ein ziemlich getreues Spiegelbild des neunzehnten Jahrhunderts, mindestens vom zweiten und dritten Jahrzehnt desselben an, werden zu wollen. Es sei auch nicht ausgeschlossen, daß in der zweiten Hälfte desselben noch einmal" Erscheinungen der Ueberproduktion den Preis zum Sinkeu bringen, wenn auch schwerlich in solchem Grade, wie das in dem verflossenen Jahrhundert geschah.
Politische Wochenschau.
Tie Reichstagsersatzwahl im Kreise Ottweiler- St. Wendel, die durch den Tod des Frhrn. v. Stumm notwendig geworden war, hat am Mittwoch stattgefunden- Es standen sich gegenüber der nationalliberale Kandidat Prietze und der Zentrumskandidat Fuchs. Bei mehr als 30000 Abstimmenden erhielt der nationalliberale Bewerber eine Mehrheit von 710 Stimmen.
Kaiser Franz Joseph von Oesterreich hat am Mittwoch seine geplante Reise nach Böhmen unternommen. Schon lange vorher trafen die Tschechen Vorbereitungen, um den Monarchen, in dem sie nichts als den König, von Böhmen und zwar von Böhmen als einem tschechischen Lande sehen wollen, für sich in Beschlag zu nehmen, unter Beiseiteschiebung des deutschen Elementes, dessen kulturelle Bedeutung für das Land die zahlenmäßige Minderheit doch immerhin aufwiegen sollte. Es hat nun aber den Anschein, als seien den übereifrigen Tschechen für den Besuch Bedingungen gestellt worden, die ihren Uebermut zu dämpfen geeignet waren. Selbst in dem mit dem bekannten Hochdruck tschechisierten Prag erweckte das Verhalten der städtischen Behörden den Eindruck, als wenn sie, wenn auch nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, eine gewisse paritätische Behandlung der beiden Nationalitäten:


