Ausgabe 
17.10.1901 Zweites Blatt
 
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in der Auflösung begriffen sei. Das Kommando von Smuts habe sich in zwei Teile geteilt, deren einer sich nördlich von Aberdeen nach, Westen zu bewege, während der andere südwestlich von Somerset East steA. Beide würden von englischen Truppen verfolgt. Fr euch selbst habe mit einer kleinen Burenabteilung zu thun, die sichi in südlicher Richtung auf Piequetbera zu bewege.

Sonderbar, daß eine kleine Burenabteilung den .großen und viclgerühmten Reitergeneral French so energisch in Schach zu halten weiß. Auch die Kämpfe des englischen Generals Ellivt, von denen Kitchener nichts anderes als jenen ganz kurzen Satz meldet, scheinen danach recht wenig günstig für die Engländer zu sein.

Nach! Privatmeldungen aus Durban soll der Buren- Mhrer Emette, ein Schwager Bothas, gefangen genommen worden sein.

Den Blutthaten an Lotter und Schoernan rechen sich fortwährend andere an. DieMsch Wochenztg. in den Niedert." berichtet davon auf Grund von Mitteilungen,welche die 76jährige Frau Eremer, eine Schwägerin des nieder­ländischen Kolonialministers Eremer, einer Gefangenen im Lager zu Kronstadt gemacht hat. Die alte Dame selbst ist. drei Tage nach ihrer Ankunft im Lager gestorben. Vorher Hatte sie über ihre letzten Erlebnisse folgendes erzählt und andere beteiligte Frauen haben es bestätigt:Am 6. Juli fielen die Buren bei Graspan, in der Nähe von Reitz, den englischen Transport an, bei dem sich Frau Cremer und die 'anderen Frauen mit ihren Kindern befanden-- Als die Eng­länder einige Verwundete bekamen und die Buren immer näher rückten, wurde den Frauen und Kindern be- js.Ä)hlen, aus den Wagen zu kriechen undsichvor die Soldaten hinzu stellen ; diese schossen un ter ihren Armen durch auf die nähernden Buren. Auch, hinter Frau Cremer hatte sich ein Soldat postiert, der unter ihrem Arm durch schoß. Durch das Feuer der Buren fielen acht Frauen uüd zwei Kinder. Als die Buren dies sahen, stellten sie das Feuer ein; sie schrien wiewilde Tiere"' und drangen mit den Kolben in den Kreis der Soldaten ein; sie schlugen die Tommys tot wie tolle Hunde. Zuvor wurden aber wohl noch gegen 20 Buren in kurzer Entfernung von den englischen Soldaten erschossen."

Der der Verräterei bezichtigte Dr. Krause ist wieder bis zur Ankunft neuer Beweisstücke ins Londoner Gefängnis geschickt worden.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Okt. Der Kaiser nahm gestern vor dem Diner beim Elisabeth-Regiment militärische Meldungen ent­gegen. Heute empfing der Monarch den Chef des Milttär- kabinets, Grafen Hülsen-Häseler.

Reichskanzler Graf Bülow empfing heute mittag den bayerischen Staatsrat Frhrn. v. Stengel und hatte mit ihm eine längere Unterredung.

Dem Grasen Waldersee wurde der Orden Pour le merite mit Eichenlaub verliehen.

Der Fideikammißbesitzer Graf Hutten-Czapeski wurde zum Schloßhauptmann von Posen ernannt.

Der italienische Dttnister Baccelli ist nachmittags nach Mailand abgereist.

Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, der in den letzten Tagen vom Kaiser in Hubertusstock und vom Reichskanzler Grafen Bülow empfangen worden ist, hat Berlin verlassen und sich nach Ablauf seines Sommerurlaubs auf seinen Posten zurückbegeben.

Wie Pariser Blätter melden, soll Fürst Radolin demnächst nach London versetzt werden.

Als Nachfolger des demnächst in den Ruhestand tretenden deutschen Botschafters in London, Grafen Hatz- seldt, werden in diplomatischen Kreisen auch der deutsche Botschafter in Rom, Graf Wedel, und der deutsche Ge­sandte in Hamburg, Graf Wolff-Metternich, genannt.

Eingangsportal, dessen Gestalten sich jetzt bei diesem aus- tvocknenden, pfeifenden Oktoberwinde wirklich nach Kleidung zu sehnen beginnen. Unser Klima ist nicht für die Antike. Und nun ist das warme Leben des Sommers verblüht. Porta clausa est!!

Endlich schreibt uns noch! unser Darmstädter S.-Mit- arbeiter:

Das von Bosselt entworfene Plakett ist noch nicht fertig gestellt, und wird erst in einigen Tagen den Dekorierten zügestellt. Es enthält den Spruch:In labore honos. Als Anerkennung für außerordentliche Leistungen verliehen auf der Ausstellung der Künstlerbolonie. Ein Dokument deutscher Kunst". Das dazu gehörende Diplom ist sehr hübsch von Hohmann nach Brücks Entwurf ausgeführt und enthält dieselbe Inschrift mit den Unterschriften der sieben Künstter.

An dem Bankett nahmen außer dem Groß Herzog und seinem Gefolge, sowie den sieben Künstlern ca. 70 Personen teil. Rechts vom Großherzog saß Staatsminister Rotbe, links Prof. Christiansen, vis-a-vis Prof. Olbrich. Nach dem vierten Gang hielt Prof. Olbrich folgende An­sprache:

Eure Königliche Hoheit! Mir ist es heute gegönnt, einer vollendeten Arbeit ein Schlußwort zu sprechen. Mit vielen Hoffnungen nach! einem neuen großen Arbeits­feld Mächte ich diesen Tag beschließen, nicht rückwärts schauend,.sondern mich erfreuend an dem neuen Strahle, der aus' dieser Arbeit erfolgreich erwachst-., uns weiter vorwärts führt. In diesem frohen, mutigen Hoffen liegt der lebenswarme Dank, den wir Ew. Königlichen Hoheit für die unbegrenzte Gnade und Fürsorge nicht oft genug beweisen können. Dieser Dank , den ich heute am Schluß unserer emsigen Arbeit Eurer königlichen Hoheit unter- thänigst ausspreche, soll eingedenk der künftigen mäch­tigen Arbeiten unser erster führender Wahrspruch! sein. Unser allergnädigster Schutzherr, Se. Königl. Hoheit der Großherzog, er lebe hoch, hoch, hoch.

Die Anwesenden stimmten begeistert ein und der Groß­herzog war sichtlich animiert; er unterhielt sich sehr leb­haft und ließ sich, später einige Herren der Gesellschaft vorstellen. Tie Tafelmusik stellte die Kapelle des Artillerie-Regiments Nr. 61, unter Leitung ihres Dirigenten Weber. Ihn 10 Uhr verabschiedete sich der Großherzog doch soll die Tafel noch viel länger gedauert haben.

Die Ausstellung ergiebt trotz ihres außerordentlich guten Besuches voraussichtlich ein außerordentliches Defizit. Man hört, daß der mehr wie eine halbe Million betragende Garantiefonds beansprucht werde. Bestimmte Angaben lassen sich aber erst nach definitiver Abrechnung machen. Die G a r a n t i e z e i chn e r sind a u die schlimmsten D-inge vorbereitet.

Von dem Kommandanten derVineta" ist der erste amtliche Bericht über die Vorfälle bei Puerto Cabello hier eingetroffen. Dieser bestätigt durchaus die aus Carraras eingetroffenen Meldungen. Deutsche Unter­offiziere, bezw. Matrosen sind von dortigen Polizisten an­gegriffen worden, ohne daß sie ihrerseits irgend welche Ver­anlassung dazu gegeben hätten. Das deutsche Auswärtige Amt dürfte bereits die Angelegenheit in die Hand genommen haben.

Ueber angebliche Ausschreitungen auf dem KüstenpanzerHagen" bemerkt dieNattanalztg.": An amtlicher Stelle sei über diese Vorgänge noch kein Bericht eingetroffen. Das dürfte beweisen, daß es sich nur um un­bedeutende Ungehörigketten gehandelt haben könnte. Jeden- facks seien die Vorgänge stark übertrieben. Von einer Un­zufriedenheit der gesammten Mannschaft auf demHagen" wegen Verkürzung ihres Urlaubs könne keine Rede sein. Wie es sich auf derGazelle" nur um die Ausschreitung eines einzigen Obermatrosen gehandelt habe, so dürfte auf dem Hagen" die Zahl der Unzuftiedenen, die wegen Urlaubs­beschränkung Ungehörigkeiten begangen haben, nur sehr ge­ring gewesen sein. Die Untersuchung wegen der Vorgänge auf derGazelle", die in Kiel geführt wurde, ist übrigens noch nicht abgeschlossen. Auch bis heute hat dieselbe nicht das geringste gegen den Kommandanten Neitzke er­geben. In keiner Weise sind die Mannschaften zu stark an- gesttengt worden.

Wie bekannt, hat der Handelsminister Möller in diesem Sommer eine Reise unternommen, um sich über die Fortschritte der Industrialisierung des Ostens zu unterrichten. Ueber den Stand und die Aussichten der öst­lichen Industrie schreibt man u. a.: Zigarrenfabriken würden zweifellos gut prosperieren. Bedingung wäre aller­dings wohl dafür, daß sie an einem Orte eingerichtet würden, der zu gleicher Zeit eine bedeutende Maschinenindustrie hat, wo die Männer ihre Beschäftigung finden, denn dann könnten die Frauen in der Zigarrenfabrtt thätig sein. Den Vorzug hat die Industrie des Ostens vor ihrer älteren Schwester im Westen voraus, daß sie billigere Arbeitskräfte und billigeren Grund und Boden zur Verfügung hat. Der Kohlenbezug mag sich dagegen etwas teurer stellen; bedeutend sind die Mehrkosten bei dem billigen Wafferttansport aber nicht.

Der Zolltarif soll, dem Reichstage sehr bald nach seinem Zusammentritt zugehen, nachdem die Annahme der Vorlage seitens des Bundesrats bis dahin erfolgt sein wird. Wesentliche Aenderungen sind im Bundesrat nicht vorauszusetzen. Im Uebrigen wird man nicht fehlgehen in der Annahme, daß wettere Erhöhungen der Agrar­zölle ebenso ausgeschlossen sind, wie die Ausdehnung des Doppeltarifs auf Viehzölle u. s. w., daß aber auch andererseits eine weitere Herabsetzung des Minimal­tarifs nicht in Aussicht zu nehmen ist.

Aus Argentinien wird gemeldet, daß der Ackerbau­minister am 20. September den Minister des Auswärttgen ersuchte, bei der deutschen Regierung die geeigneten Schritte zu thun, damit der dem Reichstage vorzulegende Z olltarif, sowett er die Einfuhr von Quebracho, Getreide und Vieh erschweren würde, nicht genehmigt werde.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht heute eine Chin a- Verlustliste Nr. 20. Danach sind im französischen Hospital zu Suez gestorben 2 Mann am Typhussieber, im Hospital zu Aden 1 Mann, an Bord desErzherzog Franz Ferdinand" 1 Mann am Unterleibstyphus, 1 Mann an Lungenentzündung, an Bord derKrefeld" 1 Mann an der Ruhr, im Baracken­lazarett zu Bremerhaven 2 Mann am Typhus, 1 Mann an einem Leberabseeß, im Barackenlazarett zu Munster 2 Mann am Typhus, an Bord desNeckar" 1 Mann am Typhus, im Garnisonlazarett I zu Tientsin 1 Mann an der Ruhr, an Bord derBatavia" 1 Mann am Typhus, in Nagasaki 1 Mann am Typhus.

Ausland.

London, 15. Okt. Wie amtlich bekannt gegeben wird, ist Prinz Heinrich von Preußen zum Ehren-Ad- miral in der britischen Flotte befördert worden.

TerMorning Post" wird aus Washington gemeldet: Präsident Roosevelt beschäftigt sichi gegenwärtig mit drei Punkten, die in die erste Botschaft an den Kongreß Auf­nahme finden sollen, nämlich eine Gesetzgebung gegen di e Trusts, eine Be s chrän kun g der Einwander­ung und eine beträchtliche Vermehrung der Flotte. Der Präsident ist bestrebt, Amerika zur See stärker zu machen, als, von England abgesehen, irgend ein Land Europas, und er wird eifrig thätig sein, um beim Kongreß die Bewilligung beträchtlicher Mittel für diesen Zweck in der nächsten Tagung durchgusetzen.

New-V^rk, 15. Okt. Der zum Tode verurteilte Czolgosz erhält Blumen, Früchte und sonstige Ge­schenke, besonders von Frauen. Beim Gefängnisdirektor laufen tausende Gesuche ein um die Erlaubnis, bei der Hinrichtung zugegen sein zu dürfen.

Aus Stadt und Kand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrtt befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 16. Oktober 1901.

Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen hält sein diesjähriges Herbstpreisschliefen für Dachs­hunde am 20. Oktober auf derSchönen Aussicht" zu Gießen ab. Als Preisrichter fungiert: Königl. Forster O. Luban (Remscheid-Reinshagen. Letter der Schliefen ist Schliefplatzmeister Schreiner. Ordner sind die Herren Benner, Dickorö und Kuhl. Folgende Nennungen sind er­folgt: I. Jugendschliefen. 1. Mäuschen vom Jägerhaus, Besitzer C. Jsermann, Sondershausen. 2. Dewet vom Jäger­haus, Besitzer Derselbe. 3. Kicks-Bottrop, Besitzer Jos. Fische- dick, Bottrop i. W. 4. Kneissel v. Planegg, Besitzer Schaeffler, Gießen. 5. Max, Besitzer Fritz Jung, Gießen. II. Ncu- lings-Schliefen. 1. Sieger Nttrck v. Wallenstein, Besitzer G. Brücher, Gießen. 2. Waldmann, Besitzer Sylvester Wirtz, Gießen. 3. Lump-Bingen, Besitzer Carl Gräff L, Bingen. 4. Loni von der Seilbach, Besitzer Friedrich Schön, Lollar. ®. Donner vom Jägerhaus, Besitzer C. Jsermann, Sonders­hausen. 6. Hansel vom Jägerhaus, Besitzer Derselbe. 7. Ferry Victoria, Besitzer Fritz Lucas, Frankfurt a. M. 8. Schnapp vom Vesuv, Besitzer Königl. Förster Weber, Riedelbach i. T.

9. Kicks-Bottrop, Besitzer Jos. Fischedick, Bottrop u W 10. Kneissel v. Planegg, Besitzer Schaeffler, Gießen. 11. Hackel- Eichhorst, Besitzer Rechtsanwalt Grünewald, Gießen. III. Of­fene Schliefen. 1. Schlüpfer-Walhall, Besitzer Dr. G. Steffens, Schliersee, Ober-Bayern. 2. Lutz von Mainthal, Besitzer Wilhelm Heyl, Offenbach a. M. 3. Hexe vom Reichen­berg, Besitzer K. Zimmer, Oberlehrer, Bingen. 4. Loni von der Seilbach, Besitzer Friedrich Schön Lollar. 5. Waldine, Bingen, Besitzer Carl Gräff L, Bingen. 6. Hexe-Bingen, Besitzer Derselbe. 7. Max vom St. Gotthard, Besitzer Förster König, Forsthaus Hinkelstein. 8. Hexe vom St. Gotthard, Besitzer Ingenieur E. Fornerod, Lüttich. 9. Racker v. Zion- Teckellust, Besitzer Hermann Förster Gießen. 10. Seppel vom St. Gotthard, Besitzer Ingenieur E. Fornerod, Lütttch. 11. Gert, Besitzer Förster Weber, Riedelbach i. T. 12. Wildfang von der Klause, Besitzer Königl. Förster Weber, jRiedelbach i. T. 13. Botha vom Jägerhaus, Besitzer C. Jsermann, Sonders­hausen. 14. Lump-Bingen, Besitzer Carl Gräff I., Bingen. 15. Waldmann, Besitzer Sylvester Wirtz, Gießen. 16. Ferry- Victoria, Besitzer Franz Lucas, Frankfurt a. M. 17. Jupp, Besitzer Louis Benner, Gießen. 18. Erllönig von Radeberg, Besitzer Louis Benner, Gießen. 19. Ratzmann-Kismet-Eichhorst, Be­sitzer Friedrich Schreiner, Gießen. IV. Sieger-Schliesen.

1. Cronje vom Jägerhaus, Besitzer C. Jsermann, Sondershausen. 2. Waldine Bingen, Besitzer Carl Gräff I., Bingen. 3. Hexe- Bingen, Besitzer Carl Gräff L, Bingen. 4. Hexe vom St. Gott­hard, BesitzerE.Fornerod-Lüttich. V. Vereins-Schliefen. 1. Ratzmann-Kismet-Eichhorst, Besitzer Friedrich Schreiner, Gießen. 2. Gert, Besitzer Königl. Förster Weber, Riedel­bach i. T. 3. Erlkönig von Radeberg, Besitzer Louis Senner, Gießen. 4. Loni von der Seilbach, Besitzer Friedrich Schön, Lollar. 5. Sieger Muck von Wallenstein, Besitzer G. Brücher, Gießen. 6. Schlüpfer-Walhall, Besitzer Dr. Steffens, Schlier- see. 7. Waldmann, Besitzer Sylvester Wirtz, Gießen. 8. Kneissel v. Planegg, Besitzer Schaeffer, Gießen. 9. Hackel-Eichhorst, Besitzer Rechtsanwalt Grünewald, Gießen. Die Ehrenpreise sind bei dem Kaufmann Hrn. Herber (auf dem Seltersweg) ausgestellt. Ein Zeichen für das Blühen des Vereins ist die Thatsache, daß der Verein diesmal das größte Schliefen ab­hält, das jemals von irgend welchem Verein abgehaÜen worden ist. Während bisher die Nennungen die Zahl 30 niemals überstiegen haben, ist diesmal die Zahl 51 erreicht worden. Möglicherweise nimmt das Schliefen wegen seines großen Umfangs erst am Montag sein Ende. Der Verein zählt jetzt 132 Mitglieder.

* * Die Hegezeit für weibliches Rehwild schließt mtt dem 15. Oktober. Die Jagdzeit dauert bis zum 15. Dezember.

* * Die Ziehung der LU. Baden-Badener Geld-Lotterie ist in Folge der allzugroßen Konkurrenz und der ungünsttgen Zeitverhältnisse auf den 6. und 7. Dezember verlegt worden, um einen vollständigen Ausverkauf zu erzielen.

* * Ein neuer Kasienrevisor. Ein start Angetrunkener, an­scheinend dem Arbetterstande angehörender Mann, trat gestern lärmend gegen Abend in ein Geschäftslokal an der Schul- sttaße, um daselbstdie Kaffe zu revidieren". Er wurde na­türlich sofort wieder dahin, wohin er gehörte, an die Lust befördert. In ziemlich lauter Weise gab er seiner Entrüstung ob dieser respektwidrigen Behandlung Ausdruck, trollte sich aber, als die Polizei dazu kam, seines Weges.

* Studienreise. Eine Anzahl hessischer Kreisärzte unternahm unter Leitung des Geh.-Rctts Prof. Dr. Gaffky vor einigen Tagen im Auftrag und auf Kosten des Staates eine Studienreise nach Hamburg, um die dortigen hygieni- chen Einrichtungen zu besichtigen.

* Wohlfahrtseinrichtung. In diesem Wntter werden vom 1. Dezember ab 146 Mädchen und 119 Knaben der städttschen Volksschulen, die von den Lehrern im Ein­vernehmen mit dem Schularzt ausgesucht werden, mit warmem Frühstück versorgt werden. Das Früh­stück besteht in einem Viertelliter heißer Milch und einem Brötchen. Die entstehenden Kosten, die sich auf mehr als 1000 Mark belaufen, werden gedeckt durch die Zinsen aus der Konrad Koch-Sttstung und durch die Zuwendungen, die der Kronbauersche Quartettverein und der VereinC o n t e n t i a" aus den Erträgen ihrer Veranstalt­ungen machen. Wie wir hören, beabsichtigt der Kron- bauersche Quartettverejn, im Januar ein Konzert zu ver­anstalten, dessen Erlös zu dem genannten wohlthätigen Zweck verwenoet werden soll.

r. Lollar, 14. Okt. Lehrer Daab aus Bersrod wurde hierher versetzt.

Lich, 15. Okt. Bei Legung von Zementröhren zur Kana­lisation wurden Bleirohre zu den Hausanschlüffen der städttschen Quellwafferleitung frei gelegt. Es soll sich nun herausgestellt haben, daß diese Röhren bedeutend dünner sind als sie der Vorschrift entsprechend verwendet werden dürfen, daß sie aber als schwerere Qualität bezahtt worden sind. Entspricht dies den Tatsachen, so wäre ein großer Unterschleif dadurch aufgedeckt. Einige Stadtvertteter sollen sich der Sache angenommen haben.

Grüuberg, 15. Okt. Einem Dekret gemäß wurde Pfarr­vikar Römheld, der seither als Assistent des Kirchenrats Pullmann wirkte, wegen Erkrankung des Pfarrers Koch die Verwaltung der zweiten Pfarrstelle übertragen, während die der ersten Pfarrstelle Pfarrvikar Schmidt auS Treis a. d. Lumda übertragen wurde. Zum Gallusmarkte ist die kürzlich konzessionirte Wirtschaft in dem Baurat Dr. Dieffenbach'schen Hause am Bahnhofe, das zu diesem Zwecke von der Gießener Aktienbrauerei gepachtet und an Herrn G. Allendorf auS Ortenberg weiterverpachtet wurde, eröffnet worden und hat den NamenZur lustigenKanone" erhalten.

** Friedberg, 15. Okt. Gestern wurde hier ein Wechsel­fälscher verhaftet. Er hatte an eine hiesige Bankfirma 2 Wechsel, die von einem Niddaer Mühlenbesitzer auf 2 hiesige Bäcker gezogen waren, gesandt mit einem Begleitschreiben des Inhalts, daß am Montag ein Reisender käme, um das Geld cinzukassiren. Eine Anfrage bei den beiden Firmen ergab, daß die Sache auf Schwindel beruhte. Die Polizei wurde benachrichtigt. Der Reisende wurde, als er das Geld holen wollte, verhaftet. Er heißt Emil Koppe und stammt aus Wolfenbüttel. Das Resultat der Arbettsvermtttelung im Kreise Friedberg im 3. Quartal 1901 ist folgendes: 1. Herberge zur Heimat Friedberg: von Arbeitgebern gemeldete Stellen 111, von Arbeitnehmern besetzte Stellen 90; 2. Verpflegungsstation Butzbach: von Arbeitaebern gemeldete Stellen 19 von Arbeit-