Ausgabe 
17.8.1901 Zweites Blatt
 
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Kes Bizewachtmeisters Schulz erteilte, wo er gewesen sei. Aus die Mitteilung, baß der Rittmeister erschossen sei, sagte er, daß, er einen guten Nachmittag gehabt habe. Verteidiger Horn: Ich weise daraus hin, daß immer nur die Rede war, Don sich geschossen oder erschossen. Marten : Vizewachtmeister Schulz lief dann fort und trug mir auf, die Abteilung in den Stall zu führen. Hierher kam nun der Unteroffizier Bunkus und sagte dasselbe zu mir. Präs.: Und trotzdem gingen Sie nicht in die Reitbahn? 'Uiarten: Ja, nachher, als dort die Schwabron antrat. Präs.: Jawohl, aber freiwillig sind Sie nicht zu der Leiche hin­gegangen. Marten: Es war eben immer nur die Rede davon, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe. Präs.: Sie mußten doch aber trotzdem ein gewisses Interesse an der Sache nehmen. Staatsanwalt: Jawohl. Zudem meldete ein anderer -Dragoner Marten den Vorfall auf dem Kasernenhof. Marten: Ja, das ist richtig. Ich mochte aber die Sache absolut nicht glauben. Ich sagte nur: Du Dammelskopf! (Heiterkeit.) Präs.: Was geschah nun mit der Abteilung nach der Ermordung des Ritt­meisters von Krosigk? Marten: Oberleutnant Hoffmann ließ dieselbe vor dem Stall in zwei Abteilungen antreten. Die dienstfreien Leute waren gesondert aufgestellt. Er er­mahnte alle, mitzuwirken an der Ermittelung des Thäters. Nachher trat die ganze Schwadron an der Leiche des Ritt­meisters an. Ich sah, daß die Leiche blutete. Präs.: Vor­her hatten Sie kein Interesse daran, bis Sie wie die an­deren zu der Leiche hingerufen wurden? Marten: Ich glaubte ja eben nicht, daß der Rittmeister erschossen wor­den sei. . Ich dachte anfänglich, es läge ein Unfall vor. Präs.: Weshalb stellten Sie sich dann aber bei der Mit­teilung des Vizewachtmeisters Schulz, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe, als ob Sie von nichts wüßten? Marten: Ich wollte mich nicht verdächtig machen und dann glaubte ich eben auch nicht an die Geschichte. Präs.: Waren Sie nicht im Besitz von Patronen? Marten: Nein, seit dem Jahre 1898 war ich überhaupt nicht aus dem Scheibenschnd. Ich war seit Oktober in Berlin, nachher aus der Telegraphenschule. Ein Beisitzer: Ich beantrage, die Vorlegung des Schießbuches des Angeklagten. Präs.: Wie war nun Ihr Verhältnis zu Ihrem Rittmeister? Mar­ten: Ich habe mich mit meinem Rittmeister stets sehr gut gestanden. Ich bin rasch befördert, und wurde im Frühjahr nach meiner Kapitulation Gefreiter, in demselben Jahr noch Unteroffizier. Präs.: Als Sie in Berlin auf Kommando waren, sollen Sie sich auch lobend über den Rittmeister von Krosigk ausgesprochen haben. Marten: Ja­wohl. Ich hatte ja auch allen Grund dazu. Präs.: Der Rittmeister soll auch mehrfach seine Zufriedenheit mit Ihnen ausgesprochen haben. Marten: Ja, das ist auch der Fall gewesen. Präs.: Wenn Sie nun wirklich mit Ihrem Rittmeister so gut gestanden Haden, dann ist es mir unerklärlich, weshalb Sre nicht wie die anderen hin­liefen, um sich davon zu überzeugen, was eigentlich vor­gefallen war. Marten: Ich muß wiederholen, daß ich an einen Unfall keineswegs glaubte, da ich wußte, daß der Rittmeister sehr vorsichtig war. Präs.: Wie war Ihre Rekrutenvorstellung ausgefallen? Marten: Sehr gut Der Rittmeister schien äußerst zufrieden, und reichte mir die Hand. Präs.: Tas war um Weihnachten? Marten: Ja- ivohl. Präs.: Wurden Sie belohnt? Marten: Es kam häufig vor, daß der Rittmeister erst lobte, und gleich darauf tadelte. Präs.: Tas ist nun wohl auch am 19. Januar der Fall gewesen? Marten: Jawohl. Ich ritt nach dem angezogenen Vorfall das PferdKadet". Der Rittmeister sagte: Marten, Sie reiten das Pferd gut. Präs.: Hat das irgend jemand gehört? Marten: Vielleicht weiß es der Wachtmeister Bnppersch Präs.: Sie haben sich ein- mal über den Rittmeister beschwert? Marten: Ja, im Jahre 1898 im Manöver. Ich diente im zweiten Jahre. Die Beschwerde betraf eine mir auferlegte Strafübung. Präs.: Wissen Sie, daß jemand nach dem Morde ausge­rufen haben soll: Da liegt das Aas und fault sich ab? Marten: Das habe ich aus' der vorigen Verhandlung ge­hört. Präs.: .Hickel soll auch dabei gestanden und gelacht haben. Marten: Davon ist mir nichts bekannt. Hickel (einfallend): Ich muß das entschieden in Abrede stellen. Präs.: Also, Marten, Sie b estr e i t e n , de n M o r d b e- gangen zu haben, ebenso von dem Karabiner, mit dem der Mord ausgeführt wurde, irgend etwas zu wissen? Marten: Jawohl. Präs.: Weshalb entwichen Sie aus dem Arrestlokal? Marten: Ich war verzweifelt, daß ich in einen derartigen Verdacht geraten war. Präs.: Halten Sie Ihre Aussage von früher aufrecht, daß Sie willig zurückgekehrt find? Marten: Jawohl? Staatsanwalt Meyer: Ich beantrage, da ein Bild über die Fahnenflucht sehr wesentlich für die Beurteilung der Anklage erscheint, diejenigen Zeugen zu laden, die über die Begleitumstände bei der Fahnenflucht aussagen können.

Es beginnt die Vernehmung des Hickel. Präs.: Hickel, bekennen Sie sich der Beihilfe an dem Morde des Rittmeisters v. Krosigk schuldig? Hickel (fest): Nein. Präs.: Sie haben auch keine Vermutung, wer die That etwa aus- geführt haben tonnte? Hickel: Nein. Wenn' ich davon wüßte, würde ich sicher nicht darüber schweigen. Präs.: Früher sollen Sie einen solchen Verdacht geäußert haben. Hickel: Jawohl, auf Grund der Angaben eines Dragoners fiel einen Augenblick mein Verdacht auf den Unteroffizier Griegat. Präs.: Was haben Sie zu der fraglichen Zeit ge- mad}t ? Hickel: Ich arbeitete in der Packkammer. Einer der Unteroffiziere, die mit mir und meinem Schwager dort zu thun hatten, sagte: Herrschaft, jetzt wolln wir mal Schnaps trinken. Es wurde darauf etwa ein halbes Liter Sch-naps heraufgeholt. Wir tranken denselben Marten war dabei zu Vieren aus. Etwa um halb 5 Uhr verließen wir dann die Packkammer. Ich ging darauf mit meinem Schwager zu meinen Schwiegereltern. Etwa nach einer Viertelstunde gingen wir von dort wieder fort. Draußen trennte ich mich von meinem Schwager und ging in den Stall, um die Lampen zu revidieren. Staatsanwalt Meyer: Welcher Zeitpunkt war es etwa, als Sie sich von Marten trennten? Hickel: Etwa 4 Uhr 23 Min. Im Rekrutenstall brannten schon die Lampen. Im Stall b war es aber noch stock­finster. Ich rief den Dragoner Madzik, der die Pflicht hatte, die Lampen anzuzünden. Im Stall stand, als ich kam, Domning. Präs.: .Haben Sie sich öfter um die Lampen gekümmert? Hickel: Gewiß, der Herr Rittmeister hatte mir das ja befohlen. Staatsanwalt Meyer: Der springende Punkt ist, ob der Angeklagte um 4 Uhr 30 oder um 4 Uhr 40 Min. in den b-Stall getreten ist. Es wird dies den Gegen­stand eingehendster Erörterung bilden müssen. Präs.: Was geschah nun weiter? Hickel: Ich ging durch den c-d-Stall und befahl daselbst das Anzünden der Lampen. Weiter ging ich in den Rekrutenstall. Dort standen die beiden Unter­offiziere Schielat und Bunkusa in Unterhaltung mit einander. Präs.: Wann kamen Sie etwa in den Rekrutenstall? Hickel: Etwa 4 Uhr 40 Min. Wir drei plauderten. Ich schlug Schielat vor, wir wollten auf die Reitbahn gehen, um den

Hebungen zuzusehen. Gleich darauf gingen wir fort. Bnnttis ging gleichfalls weg und sagte, es sei schon dreiviertel fünf Uhr. Kaurn waren wir auf dem Wege zu dem a-b-Stall, als Domning herbeigelaufen kam und uns zurief: Herrschaften, wißt Ihr denn schon das Neueste? Der Rittmeister hat sich mit feinem Revolver geschossen oder erschossen. Wir liefen sofort zur Reitbahn hin, bjf Rwrneister lag lang auf dem Erdboden. Präs.: Machte nicht jemand dabei eine häßliche Bemerkung? Hickel: Ja. Jemand rief aus: Ta liegt das Aas. Präs.: Sie sollen nun dabei gelächelt haben. Hickel: Keineswegs. Ich drehte mich um und rief: Wer war das? An der Stimme erkannte ich den Dragoner Krause. Präs.: Wie war Ihr Verhältnis zum Rittmeister v. Krosigk? Hickel: Gut! Als ich mich verheiratete, schenkte er mir ein Oelbild. Präs.: In der letzten Zeit mar das Verhältnis ein anderes? Hickel: Der Herr Rittmeister hatte mich einmal getadelt, weil ich ihn beim Reiten nicht angesehen hatte. Präs.: Nannte er Sie nicht auch dickfellig? Hickel: Dessen vermag ich mich nicht zu erinnern. Präs.: Wann schätzen Sie etwa, daß Ihnen Nachricht von dem Vorfall durch Domning zuging? Hickel: Etwa 4 Uhr 47 Min. Aus der Reitbahn befahl Oberstleutnant v. Winter­feld den dienstfreien Unteroffizieren, gesondert Aufstellung zu nehmen. Ich stellte mich zu den dienstfreien Unter­offizieren. Präs.: Wie verhielt sich Marten? Hickel: Ich sah, daß er sich zu der Gruppe der Tiensthabenden stellte. Marten: Das ist richtig. Ich war derart schmerzerfüllt beim Anblick der Leiche, daß ich den Befehl überhörte und zufällig mit den anderen zu den diensthabenden Unter­offizieren hinübertrat. Staatsanwalt Meyer: Ist es richtig, daß Sie den Unteroffizier nach der ersten Vernehmung desselben fragten, welche Angaben er über die Zeit seines Aufenthaltes im Stall gemacht habe? Hickel: Nein, die Sache verhielt sich durchaus anders.

Volltische Tagesschau.

Zum 2. Bürgermeister von Berlin wiederum den bei der ersten Wahl vom Kaiser nicht bestätigten Stadtrat und Reichstagsabgeordneten Kauffmann (Freis. VolkSp.) zu wählen, ist, wie derLokalanz." hört, die Absicht der Mehr­heit der Berliner Stadtverordneten. Das war zu erwarten, doch nicht minder wahrscheinlich ist, daß Herrn Kauffmann auch bei der zweiten Wahl die Bestätigung versagt wird. Ueber die Gründe, ^weshalb die erste Wahl nicht bestätigt wurde, weiß man nur soviel, daß sie anderer als persön­licher Natur find. Ferner ist die Oeffentlichkeit offiziös be­lehrt worden, daß der Reichskanzler eine Bestätigung der Wahl nicht empfohlen, sondern sich in dieser Sache passiv verhalten hat. (Eine andere Version will wissen, der Kaiser habe Kauffmanns Wahl deshalb nicht bestätigt, weil letzterer mit Unterstützung der Sozialdemokraten über seinen Gegen­kandidaten, den sich zur freisinnigen Vereinigung zählenden Syndikus Dr. Dove, gesiegt habe. Auch bei der Neuwahl wird nun Kauffmann ohne Zweifel wieder die sozialistischen Stimmen erhalten, selbst wenn kein Gegenkandidat aufgestellt werden sollte. Die Bürgermeisterfrage wird dem Anschein nach sobald nicht zur Ruhe kommen und vielleicht noch manche Konsequenz herbeiführen, die nicht geeignet ist, das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen der Reichshauptstadt und hohen Stellen zu verbessern.___________________________________________

China.

Aus London kommt folgende Meldung vom 15. August: Heute wurde ein Notenwechsel betreffend China veröffent­licht, der sich auf die Periode vom 1. Januar bis zum 6. April erstreckt. Diese Noten enthalten Mitteilungen über bereits bekannte Vorgänge. Die letzten Depeschen beziehen sich auf die Mandschurei. Am 5. April erschien der russische Botschaftsrat Lessar im Auswärtigen Amt und machte diesem die Mitteilung, daß Rußland die Unterhandlungen bezüglich der Mandschurei nicht weiter fortzusetzen beabsichtige. Er fügte hinzu, daß unter den derzeitigen Umstünden ein Ab­kommen, das die Bedingungen für die Räumung der Mand- schurei festsetze, anstatt als Beweis freundlicher Gesinnung Rußlands gegenüber China zu dienen, für China der Anlaß zu ernsten Schwierigkeiten werden könnte. Rußland habe sich daher geweigert, sich in weitere Unterhandlungen einzu- lassen und werde ruhig die weitere Entwickelung der Ereig­nisse abwarten.

DerTimes" wird aus Schanghai telegraphiert, die Reduktion der britischen Garnison unter die Stärke der deutschen, wodurch der deutfche Kommandeur der höchste Offizier wird, erregt unter der britischen Bevölkerung die größte Erbitterung.

Telegramme deS Gießener Anzeigers.

London, 16. Aug. DerStandard" meldet aus Tientsin vom 15. d. M.: Mitteilungen aus Niutschwang zufolge, sind die Nachrichten über Niederlagen der Russen in der Mandschurei unbegründet. Das Land ist ruhig. Die militärischen Operationen sind infolge der Ueberschwemmungen eingestellt. Die Russen errichteten an verschiedenen Punkten feste Kasernenbauten.

Peking, 15. Aug. Der bisher von den französischen Truppen besetzte Ahnentempel ist gestern den Chinesen über­geben worden.

Engländer und Buren.

Aus Middelburg meldet das Reuterfche Bureau: Oberst Gvrringe hatte am 13. mit den unter Kruitzingers Oberbefehl stehenden Kommandanten Erasmus, Pyper und Cachet in der Nähe von Steynsburg ein Gefecht. Eras­mus und E ach et wurden tätlich verwundet, viele Gefangene wurden gemacht. Bestätigt sich diese Nach­richt, dann bedeutet sie allerdings für die Buren einen sehr schweren Verlust.

Aus Kapstadt wird gemeldet, bovt herrsche eine wahre Epidemie von Verbrechen. Angesehene Leute wer­den auf offener Straße am hellen Tage ermordet, ohne daß die Mörder gefangen würden, Einbruch und Ju- welendiebstahl sind an der Tagesordnung. Am meisten wer­den ausgelöhnte Soldaten beraubt, die Polizei ist macht­los; man denkt an die Einführung einer Lynchjustiz. Man ist um die Sicherheit des Herzogs und der Herzogin von Eornwall, die in Pietermaritzburg ankamen, besorgt und traf außerordentliche Schutzmaßregeln.

In der letzten Sitzung der Entschädigungskommission brachte der österreichische Delegierte die Beschwerdn von 54 Oesterreichern vor, die wegen des Komplotts gegen Lord Roberts unrechtmäßig verhaftet und deportiert

worden seien. Im ganzen seien bei dieser Gelegenheit 374 Personen verhaftet worden, aber es sei niemals ein Beweis dafür erbracht worden, daß das Kom­plott überhaupt bestanden habe. Ardaghh erwidert, den fremden Konsuln sei sofort von den Verhaftungen Mitteilung gemacht worden; sie seien benachrichtigt worden, daß diejenigen auf einen Verdacht hin Verhafteten, für deren Verhalten die Konsuln Bürgschaft übernähmen, frei- gelassen werden würden. Es sei den Konsuln jede Gelegen­heit gegeben, zu Gunsten der überhaupt hierbei in Frage kommenden Personen zu intervenieren.

Das schweizerische Komitee zur Hil feier st- u n g für die Witwen und Waisen der Buren, das eine aus" einem Arzt und sechs Krankenschwestern bestehende Abord­nung nach den Flüchtlingslagern in Südafrika ausgerüstet hat, teilt mit, daß die Abordnung, die am 17. August sich in Southampton nach Südafrika einschiffen sollte, nicht abgehe, da das britische Kriegsministerium dis von Lord Roberts am 10. März 1901 schriftlich erteilte Erlaubnis zurückziehe unter der Begründung, daß die Lage sich seither vollständig geändert habe und daß von England selbst für die Frauen und Kinder der Buren in den Flüchtlingslagern bestenÄ g e so r g t werde. Tas schweizerische Hilfskomitee fei durch Vermittelung des Bundesrats benachrichtigt worden, daß das englische Auswärtige Amt die gewünschte Intervention chbgiltig ablehne. Die Nachricht beleuchtet wieder den Edelmut der Engländer aufs grellste. Zuerst wird den Schweizern die Erlaubnis erteilt zur Entsendung einer Hilfsabordnung, und wenige Monate daraus, nachdem alle Vorbereitungen getroffensind und die Abordnung sich be­reits in einem englischen Hafen befindet, entzogen, und zwar mit der unverschämten Behauptung, daß die Für­sorge, die von feiten der Engländer den Burenfrauen und Kindern zu teil werde, die beste sei, obwohl vor aller Welt gerade durch eine Engländerin das Gegenteil un­widerleglich nachgewiesen worden ist. Reuters Bericht­erstatter von Klerksdorp aber giebt, offenbar durch die Re­gierung veranlaßt, eine glänzende Beschreibung über die idealen Zustände des dortigen 'Surenlagert Doch eine Freundin der Miß Hobhouse, die, obwohl im Oranje-Frei­staat geboren, sich als Engländerin betrachtet, sandte einen Brief, den Miß Hobhouse in denTaily News" veröffent­licht. Ter Brief bestätigt alles, was bisher über die Be­handlung der Frauen und Kinder bekannt geworden ist. Neues erfahren wir jedoch auch insofern, als die Schrei­berin darüber berichtet, daß der Kommandant Major Guin- neß des öfteren die Frauen vor sein Tribunal bringt, um ihnen bestimmte Nachrichten zu entlocken, d. h. also sie zu Verräterinnen nicht allein an ihrem Lande, sondern an ihren Gatten, Vätern oder Söhnen zu machen. So wurde eine Frau Badenhorst ausgefragt, wo auf ihrer Farm ihr Mann Munition vergraben hätte. Sie antwortete^ sie wüßte nichts davon. Darauf erhielt sie 2 4 Stunden Einzelhaft, die sie im Zelte der Wache abzusitzen hatte. Gegen Abend verlangte sie nach ihren Kindern, die ihr auch gebracht wurden. Ta aber das Zelt nicht ordentlich befestigt war, so mußte sie mit ihrem Körper die Kinder vor der nächtlichen Kälte schützen. Am nächsten Morgen ging das Examen wieder vor sich und hatte fern besseres Resultat. Wiederum wurde das arme Weib zu 36 Stunden Einzelhaft verurteilt. Das ganze Verbrechen, das die Arme begangen hatte, schien das gewesen äu fein: Fran Baden- Horst hatte ihre Wäsche auf den Stacheldraht eines Zaunes zum Trocknen aufgehängt. Eine Schildwache befahl ihr, die Wäsche herunterzuuehmen, worauf sie sagte, wenn man die Wäsche dort nicht aufhängen dürfte, sollte man ge­fälligst für Vorrichtung im Lager sorgen. Auf dem schmutzigen Boden könnte man doch die Wäsche nicht trock­nen. Der Major fühlte sich beleidigt und daher die Be­handlung der Frau. Spater wurde Frau Badenhorst in ein anderes Lager gebracht, doch weiß niemand wohin. Ihr Mann war damals Gefangener in Kapstadt. Ein ge­wisses Pretorias wurde ebenfalls bestraft, weil er keine Information darüber geben wollte, wo Munition oergraben* war. Seine Frau, die im selben Lager war, verweigerte ebenfalls die Auskunft und wurde bestraft. Als Pretorias frei kam, war feine Frau deportiert, and er konnte nicht erfahren, wohin man sie gebracht hatte. Die Frauen im Lager wurden von Kommandant Major Gainneß aufge­fordert, ihre Männer wissen zu lassen, daß man sie er­schießen würde, wenn sie die Eisenbahnlinien weiter zer­stören würden. Eine Frau hatte die Kühnheit, za sagen, sie würde es nicht thun, denn die Linie sei von Buren­geld gebaut und konnte von ihnen auch zerstört werden, wann und wie oft sie wollten; 36 Stunden Einzelhaft brachen ihren Tro tz nicht. Als sie unter Begleitung einer Wache wieder im Lager erschien, rief sie ihren Kamerad­innen lachend zu, sie leide gern für die Sache ihres Voltes. Sie hätte nichts Boses gethan. Wenn sie ein Mann wäre, so würde sie sich zu Tode schämen, Frauen und Kinder so za behandeln, wie es die Engländer thäten. Major Gainneß ließ sie ebenfalls deportieren, weil er fürchtete, daß sie die übrigen Frauen mit ihrer Kühnheitanfteden" würde. Major Guinneß, so schließt der Brief, ist alles aiidere,nurnichthuniangegendieFrauenund Kinder. Bei feinen Verurteilungen ist die Schuld der Frauen stets erwiesen, er läßt keinen Beweis antreten oder verhört keine Zeugen. Jede ist eben schuldig, so lange fein Beweis fürs Gegenteil erbracht ist.

Eine scharfe Verurteilung ließ im englischen Unter­bau se Harcourt der neuesten Kitchenerschen Proklamation zu teil werden. Er führte aus: Tie in der Proklamation »um Ausdruck gebrachte Politik fei weder ehrenvoll, noch wirksam. Die Regierung habe kein Recht, dem Feinde mit Verbannung zu drohen. Tie Proklamation würde den Feind nur erbittern, aber nicht zur Unterwerfung zwingen. Mit bekanntem Stolze warf sich Chamberlain voller sittlicher Entrüstung über diese herbe Kritik in die Brust und erwiderte: Er könne seinen bereits früher ab­gegebenen Erklärungen hinsichtlich der Zurückziehung der Truppen nichts hinzufügen. Tie Nachricht, Kitchener kehre am 15. September zurück, entbehre jeder Begründung. 35 ouo Buren wären gefangen genommen ober hätten sich er­geben. Chamberlain bestreitet, daß die Proklamationdie Buren des Rechtes der Kriegführenden beraube. Er erklärt, die Regierung habe beim Schlüsse des Krieges das ReM, von ihrem eigenen Gebiete zu verbannen, wen fte mol*. Es gäbe eine Grenze zwischen Kriegführenden und Banditen. Wenn der Feind nicht in Trupps, sondern zu zwei oder drei durch die englischen Posten schleiche, um zu plündern und zu morden, dann sei es schwer, zu sagen, oatz diese Grenze nicht erreicht sei Tie "Politik Amerikcw auf den Philippinen, wie sie in der Proklamatton des G^ nerals McArthur zum Ausdruck gebracht sei, werde auch sicherlich die Politik der englischen Regierung fein, menn der Krieg in einen a n b 11 e n f r i e g entarte (Beifall , Die Führer ber Buren hielt die Leute im Felbe in der