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17.8.1901 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161» Jahrgang

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(Ötaf Bülow.

SRan schreibt uns von besonderer (Seite:

Wer der Meinung ist, daß die Regierung durch die "Ausnahme, die der Zolltarifentwurf gefunden hat, rn einergedrückten" Stimmung sich befinde und mit einiger Besorgnis der kommenden Parlamentssaison entgegensehe, der hat eine durchaus irrige Meinung. Ueberrascht mag man allenfalls an denjenigen amtlichen Stellen sein, die von einer möglichst großen Berücksichtigung der reichlich geltend gemachten Schutzzollwünsche aus den verschiedensten Interessentenkreisen dasHeil" erwarteten, d. h. Zufrieden­heit und Dank, und nun wahrnehmen müssen, daß den For­dernden das Erreichte nickt genug, den Anderen aber zu vrel ist. Diese von der Aufnahme gutgemeinter Bestreb­ungen enttäuschlten Personen in der Regierung sind nur gering an Zahl. Im Reicheschatzamt, im Auswärtigen Amt und wir bemerken dies, gestützt auf gute Informationen im Reichskanzler-Palais hat man sich keiner Illusion darüber hingegeben, das; ein besonders starker Beifall den Zolltarif-Entwurf begrüßen werde. Bereits auf der Ber­liner Ministerkonferenz soll diese kühle Auffassung klar zu Tage getreten und ähnlich auch von den Vertretern größerer Negierungen geltend gemacht worden sein. Offenbar hat die Erwägung den Ausschlag gegeben, daß es sich um vor­läufige Zollsätze handelt, und daß es schließlich Sache des Reichstags ist, das entscheidende Wort zu sprechen, hier den Zoll Zu mildern, dort zu verstärken.

Vom Grafen Bülow wird vielfach angenommen, er habe eine Neigung zum Optimismus. Nichts ist verkehrter, als dies anzunehmen. Die Auffassung mag dadurch entstanden sein. Laß Graf Bülow wiederholt Gelegenheit hatte, im Parlament z. B. nach der Dampferbeschlagnahme durch England, beruhigende Erklärungen abzugeben, und bei solcher Gelegenheit manches allerdings nicht tragisch nahm, was dem großen Publikum als Symptom einer besorgnis­erregenden oder gar kritischen Situation erschienen war. Aber wenn ein Staatsmann in aufgeregter Zeit eine inter­nationale Streitfrage zuversichtlich behandelt, sie in eine möglichst gute und Hoffnungen erweckende Beleuchtung rückt, so beweist das noch nicht, daß dieser Staatsmann im Innersten seines Herzens die Dinge für ganz und gar un­gefährlich hält, und nicht vielmehr sehr ernstlich auch mit ungünstigen Möglichkeiten rechnet. Nur, daß eben gerade der Diplomat das Beste, was er weiß, i>en Leuten nicht sagen darf, daß er vor der Oeffentlich-keit schon deshalb gelassen und zuversichtlich erscheinen muß, um dem Aus­lände gegenüber die Stärke der Position darzuthun und Erörterungen abzuschneiden, die etwa als Ausdruck des Zweifels oder der Befürchtung gedeutet werden könnten. Graf Bülow ist, so wird uns von verträuenswerter Seite ver­sichert, in seiner amtlichen Thätigkeit keineswegs Optimist. Er habe in seiner diplomatischen Laufbahn zu oft^beob- «chtet, wie auch die geschickteste, nahezu sichere Berechnung durchkreuzt wurde, und sich daran gewöhnt, auch das Un- tvahrscheinliche, das Mißlingen in Betracht zu ziehen.

Die Politik ist die Kunst des Möglichen. Wenn Graf Bülow höhere landwirtschaftliche Zölle zugesagt hat, so folgt daraus noch nicht, daß er mit den Zollsätzen, wie sie im Tarifentwurf stehen,siegen" oderuntergehen" will. Das sind einfach Vorschläge; finden sie nicht die Zu­stimmung der Reichstagsmehrheit, setzt etwa das Zentrum eine Ermäßigung der einen und anderen agrarischen Zoll­position durch, so wird sich Graf Bülow auch damit ab- finden. In jedem Falle wäre es verfehlt, in der Aufnahme des Zolltarifentwurfs eineNiederlage" des Grafen Bülow zu erblicken und von einerEnttäuschung" des Reichs­kanzlers zu sprechen. Graf Bülow, der inzwischen wieder nach Bad Norderney zurückgereist ist, soll bei seiner An­wesenheit in Berlin keineswegs den Eindruck gemacht haben, der zu solchen Schlüssen berechtigen würde.

trank zwei Schluck, und war etwas animiert. Präs.: Wann verließen Sie die Kammer? Marten: Nach 4 einhalb Uhr. Sodann begab ich mich in die Wohnung meiner Eltern in Begleitung meines Schwagers Hickel. Tie Wohnung be­findet sich im ersten Stock der Kaserne der dritten Schwa­dron. Präs.: Wie lange hielten Sie sich bei Ihrer Mutter auf? Marten: 35 Minuten. Präs.: Welche Uhr war es, als Sie die Wohnung Ihrer Eltern verließen ? Marten: Es war halb fünf. Ich ging auf meine Stube. Mleüv Schwager wollte in den Stall gehen, um die Lampen zu revidieren. In der Stube traf ich Stumbries und Griegat. Sie sprachen vom Reiten. Ich sagte: Wenn ich den Gaul heute nochmals reiten sollte, muß er Farbe bekennen. Präs.: Sie sollen dabei gelächelt haben. Marten: Dessen kann ich mich nicht erinnern.

Staatsanwalt, Oberkriegsgerichtsrat Meyer: Tie andere Aeußerung, der Hund soll Blut sehen, ist gefallen, aber nicht am 19., sondern nach dem Vorgang am 21. Ja­nuar. Präs.: Jawohl. Darauf werden wir noch zurück! kommen. Wohin gingen Sie dann nachher? Marten: Ich ging zu meinen Eltern zurück, um mir ein Telegraphenbuch zu holen. Dann ging ich wieder zurück, und dabei kam es mir vor, als ob ich auf dem dritten Korridor Schritte hörte. Ich sah nach, weil ich glaubte, daß sich Leute vom Dienst gedrückt hätten. Ich bemerkte aber niemanden. Auf Befragen bestreitet der Angeklagte nun, bei dieser Gelegen­heit in die Nähe des Karabiners gekommen zu sein, der auf dem Korridor stand. Als ich vom Korridor zurück"kam, begegnete mir der Dragoner Bartuleit. Ich fragte ihn, ob meine Abteilung schon ritte. Präs.: Begegneten Sie nicht auch dem Dragoner Weber? Marten: Nein. Ich stand eine Weile am Korridorfenster, dann ging ich hinab. Präs.: Was für Kleidung trugen Sie? Marten: Ich hatte Mantel an, Schirmmütze und Reitstiefel. Präs.: Wann hatten Sie den Mantel angezogen? Marten: Auf der Stube. Es war naßkaltes Wetter. Marten giebt an, daß er zunächst in die Stube, dann in den Stall gegangen ist, um seinen Säbel zu holen. Er fand seinen Beritt vor, die Stände waren leer und er sah die Abteilung in der Reitbahn. Präs.: Welche Zeit war es? Marten: Nach meiner Schätzung war es gegen 4 dreiviertel Uhr.

Aus Wunsch des Staatsanwalts tritt nunmehr eine Inaugenscheinnahme der in Betracht kommenden Oerilich- feiten ein. Der Angeklagte ist dabei zugegen. Das Pu­blikum ist von dieser Besichtigung ausgeschlossen.

Präs.: War Ihnen nicht vorher auf dem Korridor! Stumbries begegnet? Marten: Ja, auf dem Wege, meinen Säbel zu holen, traf ich ihn. Stumbries sagte zu mir: Wissen Sie schon das Neueste? Der Rittmeister hat sich geschossen oder erschossen. Ich erwiderte ihm: Mensch, Du bist wohl verrückt, das ist ja unmöglich. Ich ging dann weiter, zunächst auf meine Stube. Präs.: Ist es nicht wunderbar, daß Sie die Sache so kalt Hinnahmen, obschon es doch Ihr Rittmeister war, der Sie so früh zum Unter­offizier gemacht hatte? Marten: Ich habe die Geschickte nicht geglaubt. Ich ging dann in den Stall, nahm meinen Säbel und schloß den Stall, da die Pferde nicht da waren. Dann ging ich nach der Reitbahn, um zu sehen, ob die Abteilung noch reite. Unterwegs traf ich den Vizewacht­meister Schulz, der mich fragte, wo ich gewesen sei. Ich antwortete, ich hätte meinen guten Nachmittag gehabt, und auf der Packkammer Schnaps getrunken. Staatsanwalt Meyer: Es ist sehr unwahrscheinlich, daß im Stall uln 4 dreiviertel Uhr alles ruhig gewesen sein sollte. Die That war um diese 3eit schon in den Ställen bekannt. Präs.: Sagte Vize Wachtmeister Schulz Ihnen, was passiert war? Marten: Ja, als ich hineinttat, sagte Schulz, der Rittmeister sei verunglückt, er habe sich erschossen oder! geschossen. Ich fragte, ob das wahr sei. Staatsanwalt: Merkwürdig ist die Antwort, die Marten auf die Frage

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Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht.

In Gumbinnen trat Donnerstag früh das Oberkriegs­gericht zusammen, um in erneuter Verhandlung in der Anklage wegen Mordes über das Schicksal der beiden An­geklagten, den früheren Unteroffizier Franz Marten und den Sergeanten Gustav Hickel zu entscheiden. Die Frei­sprechung des im vorigen Prozeß wegen Begünsttgung Mit­angeklagten Unteroffiziers Julius Domning ist rechtskräftig geworden. Dagegen erscheint Domning diesmal als Zeuge. Die Zahl der Zeugen beträgt 111 gegen 96 in der vorigen Verhandlung. Tie Sympathien der Bevölkerung sind jetzt noch lebhafter auf Seiten der Angeklagten als beim ersten Prozeß.

Gegen 8 Uhr werden die Angeklagten in einem ge­schlossenen, dicht verhängten Wagen unter Bewachung von zwei Unteroffizieren einzeln aus dem Arresthaus nach der Kaserne übergeführt und dort bis zum Beginn der Ver­handlung in zwei Jsolirzellen interniert. Den Vorsitz führt Oberstleutnant Freiherr v. Schimmelmann vom Gumbinner Füsilier-Regiment Nr. 33 (Graf Roon), demselben Regiment, das auch den Vorsitzenden des ersten Kriegsgerichts (Major v. Groeben) abgab.

Als die Angeklagten im Gerichtssaal erscheinen, zeigt Hickel, öbschoi^ er blaß aussieht, ein äußerst zuversicht­liches, geradezu vergnügtes Auftteten. Dagegen ist Mar­ten, der infolge seiner Degradation Dragoneruniform trägt, finster und verschlossen. Sein Gesicht ist bleich und glattrasiert, während er bei der ersten Verhandlung einen kräftigen schwarzen Schnurrbart trug. Jeder der An­geklagten ist von zwei- Sergeanten mit geladenem Ge­wehr in die Mitte genommen. Marten ist diesmal un­gefesselt hereingeführt. Tie Angeklagten bekennen sich beide n i ch t sch u ld i g. Der Präsident befragt hierauf die An­geklagten über die Vorgänge beim Reiten am 19. Januar.

Marten: Mein Pferd wurde durch einen Schuß un­ruhig. Ich J&m aber nicht aus dem Gliede heraus. Ich bestreite, daß ich infolge des Tadels durch den Rittmeister erregt wurde. Ich ärgerte mich nur darüber, daß mein Pferd nicht auf den Befehl reagierte. Präs.: Was sagte der Rittmeister zu Ihnen? Marten: Scheren Sie sich herunter? Präs.: Nannte er Sie einen Clown-Reiter? Marten: Nein! Erließ mich nur absteigen und einen jungen Dragoner das Pferd reiten. Präs.: Beim Ab­steigen sollen Sie sehr erregt gewesen sein, und mit den Zähnen geknirscht haben. Marten: Nein, das be­streite ich. Prä s.: Nachher sollen Sie Aeußerungen ge- than haben, wie: Der soll heute noch Farbe bekennen und soll rot sehen. Marten: Diese Aeußerungen bezogen sich nicht auf den Rittmeister.

Anscheinend beabsichtigt das Gericht, alles öffent­lich zu verhandeln. Es kommen jetzt die Reitvorgänge zur Verhandlung, die in dem ersten Prozeß unter Aus­schluß der Oesfentlichkeit besprochen wurden. Marten giebt an, daß das Pferd auch beim Reiten am 21. Januar un­gehorsam war, und zwar in Gegenwart des Oberstleutnants von Winterstein, der sagte, daß ich das Pferd schlecht reite. Darauf sagte der Rittmeister von Krosigk: Schön! Das freut mich! Ich bin auch der Ansicht, daß Marten ein schlechter Reiter ist. Marten läßt sich sodann über die Vorgänge am Mordtage aus und giebt an: Ich war zum Dienst bis 4 Uhr auf die Regimentskammer abkommandiert, nachher habe ich mich dienstfrei gehalten. Präs.: Von 4 (Uhr ritt Ihre Abteilung, also begann Ihr Dienst. Marien: Ich habe das anders aufgefaßt. Präs.: Wie lange waren Sie auf der Kammer? Marien: Vor 4 Uhr kam mein1 Schwager Hickel auf die Kammer, um Mützenschirme zu holen. Vier Unteroffiziere, die auf der Kammer beschäftigt waren, tranken zusammen einen halben Liter Korn mit Kirsch. Präs.: Haben Sie viel getrunken? Marten: Ich

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Bei Pollbezug vierteljtßia. Mk. 2.00 ohne Bestell**.

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Das Kutschkelied. Herr Stationsassistent P. Margolf von hier hat die Güte, das gestern von uns erwähnte Ge­dichtbändchen Hoffmann-Kutschkes uns zuzusenden. Das 213 Seiten zählende Buch trägt den TitelKutschkes aus- gewählte Gedichte. Ein patriotisches Liederbuch für alte und junge Krieger" und ist 1895 in Breslau erschienen. In der Einleitung erzählt der Verfasser:

Es war am 3. August 1870, Nachts zwischen 11 und 1 Uhr, als ich hinter Queichsheim bei Landau vor Weißenburg mit Kamerad Breiter, meinem vertrautsten Freunde, auf Vorposten stand. Da deutete dieser auf ein Geräusch vor uns und rief mir zu:Was mag dort wohlrum> kriechen?" UndWas kriecht dort rum?Napoleurn", reimte ich. Ab- gilbst dichtete ich in einer Scheune daS Lied fertig in der Frühe des 4. August. Ich las es Breiter vor, viele kamen und hörten zu, schrieben es ab, und so ging es wie viele andere in die weite Welt hinaus ohne mein Zuthun. Die erste Erwähnung des Liede« in der Presse geschah durch dieKreuzzeitung" am 14. August 1870, welche den Heldensang des Füsilier Kutschke" als das beste der vielen Lieder des Krieges 6e; zeichnete und die beiden ersten Zeilen desselben zitierte. Erst diese Noti, iimb die mitgeteilten Anfangsverse waren eS, die den Feldprediger, späteren P-räpositius (Superintendent) in Basedow bei Malchin in Mecklenburg, Hermann Alexander Pistorius, zu seinem am 16. August 1870 entstan. benenKutschke-Licde" angeregt - wie der Verleger der »Lieder zu Schutz und Trutz" Lipperheide im 12. Heft der Sammlung bemerkt. Daß Pistorius den Krieg nicht mitgemacht hat daß er seine Krregslieder in irnedlicher Muß-, fern vom Feuer des Feindes, hinter m Ofen gedichtet tot, daß er den NamenKutschke" - unter dem ich schon vor Entstehung des LiedeS bei meinen Kameraden bekannt war, sich eigenmächtig bet, ze-legt, ist aus seinem eigenen 1871 erschienenen Büchlein: ^veSwahr- hlvftwen Kutschke Lieder und Unterhaltungen aus dem Re.chskriege" leimig, Druck von Alex. Edelmann) klar zu ersehen. Der litterarische Silreit, der durch die unbegründeten Ansprüche P'storrus' heniorgerufen wi'Mbe und heftige, ungerechte Anfeindungen gegen mich im Gefolge ge­

habt hat, ist eigentlich schon durch den Nachweis, daß das Piflorius'sche Lied später entstanden und Pistorius mit Kutschke nicht identisch ist, zu meinen Gunsten entschieden worden."

Auf Seite 20 des BüchelchenS finden wir das Kutschke lied in folgendem Wortlaut:

Was kraucht dort in dem Busch herum?

(Auf Dorpostm vor Weißenburg am 3. August 1870).

Was kraucht dort in dem Busch herum?

Ich glaub' eS ist Napolium!

Was will der alte Louis dort?

Drauf Kameraden, jagt ihn fort!

Er hat ja nichts dort 'rum zustehn;

Er hat nichts auf uns herzusehn;

Was kriecht er hier und allerort. Drauf Kameraden, jagt ihn fort;

Er will mit seinen dummen Pfoten Noch orgeln und mit Chassepoten Uns niedermähen auf dem Fleck. O Louis, Louis, scheer Dich weg! Du mit den ganzen Herren FrankenI Wir kennen Dich, Deine Gedanken; Jetzt aber machen wir Dir klar. Wie wacklich doch Dein Standpunkt war! Das Schwert in ur.fetn motFgen Händen, Woll'n wir die Sache nun mal enden, Hurrah, und drauf! und gebt den Lohn Der übermütigen grande Nation!

Es finden sich in dem Buche noch mehrere Kutschkelieder, soKutschkes Abschied vor dem Ausmarsch (Am 28. und 29. Juli beim Abmarsch auf der Bahn gesungen)",Kutschke als französischer Dragoner im Standquartier (Unterwegs im August 1870)",Kutschkes Trost in Leiden (Zu St. Menges bei Sedan)",Was Kutschke zu Paris sagt" rc.

In dem gestern von uns wiedergegebenen Gleiberg- Gedichte ist übrigens ein thörichter Ulk von dem Druckfehler­teufel verübt worden. Die erste Zeile des zweiten Verses lautet selbstverständlich:Nicht Grafen- und Edelfräulein."

Noch ein Urteil über den Frack. Wir erhalten aus unserm Leserkreise folgende Zuschrift:

In Ihrer gestrigen Nummer befindet sich ein Stückelchen über den Frack rc. Ich erlaube mir nun Ihnen ergebenst mein poetisches Urteil, resp. Verurteilung, des alten zudring­lichen Burschen zugehen zu laffen. Der hochverehrteste Dichter desDeutschland, Deutschland über alles m der Welt" rc., Hoffmann von Fallersleben, gab in den 40er Jahren ein prächtiges Büchlein:Unpolitische Lieder" heraus, von denen eines demUnvermeidlichen" gewidmet ist. Darüber fleht:Partus monstrosus vulgaris, diu und dann wird ein Artikel despreußischen Landrechts" zitiert, also lautend:Geburten ohne menschliche Form und Bildung haben auf Familien- und bürgerliche Rechte keine» Anspruch." die beiden Verse lauten:

ES gibt im menschlichen Geschlechte

Für Mißgeburten keine Rechte,

Und dennoch hat der Frack ein Recht:

Wer wäre nicht des Frackes Knecht?!

Wie könnt ibr je von Freiheit träumen. Wollt ihr dem Frack ein Recht einräumen? Ersahri's, wenn ihr's noch nicht erfuh't: Der Frack ist eine Mißgeburt!

(Der alte Hoffmann aus Fallersleben traf auch hier wieder, wie so oft, den Nagel auf den Kopf. D. Red.)