Ausgabe 
17.8.1901 Zweites Blatt
 
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* Wilhekm II. und die Arpaden. Ein ungarischer Geschichtsforscher- Stefan MichailovitS, hat herausgefunden, :> die Abstammung der Hohenzollern auf den un­garischen König Andreas II. zurückgeführt werden könne, und veröffentlicht nun diese genealogische Tabelle mit folgenden Begleitzeilen: Kaiser Wilhelm II hat schon wieder­holt Beweise seiner Sympathien für Ungarn gegeben. Seine Besuche in Ungarn, besonders aber seine in Ofenpeft gehal- tcne Tischrede sind noch lebhaft in unser aller Erinnerung. Auch jetzt wieder war sein Beileidstelegramm anläßlich des Todes Desider Szilagyis eine kennzeichnende Bekundung da- ür, mit welcher Aufmerksamkeit der Herrscher der Deutschen die ungarländischen Ereignisse verfolgt. Die Mitglieder dcS HohenzollernhauseS hatten immer Sympathien für die Ungarn, sie waren treue Bundesgenossen unserer Könige, kämpften mit ihnen gegen den gemeinsamen Feind und nahmen einst an der Wiedereroberung Ofens teil. Die Herrscher Branden­burgs wurden durch Bande des Blutes an die Könige und Magnaten Ungarns geknüpft. Die Ahnen der Hohenzollern standen in naher Verwandtschaft zu unseren ersten Königen, sodaß die Abstammung Kaiser Wilhelms II. mehrfach bis zu Den Arpaden zurückgeführt werden kann. Namentlich aber kann seine Abstammung zurückgeführt werden bis auf die Könige Bäla III., Andreas II. und Böla IV., aus dem Hause der Arpaden. (Eine Urenkelin der heiligen Elisabeth, einer Tochter Andreas II., Elisabeth Henneberg, war nämlich die Gattin des Nürnberger Burggrafen Johann Hohenzollern, von dem Kaiser Wilhelm II. in direkter männlicher Lime abstammt; dieser ist so in 14. Linie der direkte Nachkomme Andreas II. UeberdieS kann auch noch seine Abstammung auf die Tochter Bola III., Konstantia, sowie auf die Töchter Bola IV., Ilona und Elisabeth, zurückgefühlt werden. Im Anschluß an diesen genealogischen Rückblick kann man auch daran erinnern, daß eine Tochter des Kurfürsten Georg Wilhelm, Katharina von Brandenburg, mit dem sieben- bürgischen Fürsten Gabriel Bettlan vermählt war, und daß in unseren Museen auch zahlreiche Reliquien dieser Fürstin bewahrt werden.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Aug.' Aus Wilhelmshöhe wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag 4 Uhr hier ein und wurden von den jüngeren kaiserlichen Kindern empfangen. Zur Begrüßung war General v. Wittich an­wesend.

ImBerl. Tagebl." lesen wir:

2Ble wir hören, sind die umfassenden AbsperrungSmatz- regeln auf dem Wege, den heute der Letchenkondukt von der Station Wildpark aus passteren wird, zum Teil auf die Anwesenheit deS König« von England zurückzuführen, in besten Begleitung mehrere englische Kriminalbeamte tn Potsdam eingetroffm sind. Auch der seit Jahren der Person König Edwards attachterte S-Hetmpolizeiches Melvay befindet sich hier in der Umgebung deS englischen Königs".

Auf die vom Fürsten zu Wied Namens des Preu- ßischen Herrenhauses anläßlich des Ablebens der Kaiserin Friedrich an den Kaiser gerichtete Beileidskundgebung ist folgende telegraphische Erwiderung eingegangen:

Euerer Durchlaucht danke ich herzlich für den warmen Ausdruck d« Teilnahme, welche Sie mir im Namen deS Herrenhauses anläßlich meine« unersetzlichen Verlustes kundgegeben haben. Ich bitte Sie, auch den Mitgliedern deS Herrenhauses meinen Dank zu übermitteln.

Wilhelm R."

Xelegraen# deS (Siebener Anzeigers.

Paris, 16. Aug. Aus Durban wird gemeldet, daß Louis Botha sich mit 4000 Mann an der Grenze deS Zulu Landes konzentriert habe, und daß ihm der Buren­general Cmmet täglich Verstärkungen zusühre. Die Eng- länder marschieren gegenwärtig nach der Grenze de» Zulu- landeS und man erwartet Nachrichten von einem größeren Zusammenstoß. Der Burengeneral Sruitziuger wurde bei SteynSburg von den Truppen des englischen Obersten Goringer angegriffen; die Buren mußten sich zurückziehen.

Westru türmten sich schwarze Wolkenwände. Auch der nahe Altenberg bot von seinem Steinturm ein schönes Bild. Nun war auch die Gegend der unteren Lahu frei geworden, Braun­fels und Dianaburg grüßten aus der Ferne, und die mäch­tige Rauchwolken ausstoßenden Schlote der Eisenwerke bei Wetzlar zeigten das Ziel des Marsches, zu dem wechselvolle Höhenwege durch Wald und Feld die Wanderer sührten.

t Bermuthshain, 15. Aug. Von dem hiesigen Ortfl- Vorstand wurde im vorigen Jahre eine Hutweiden-Ord­nung in der Gemarkung ^vor unserem Ort an der KreiS- traße nach Licheuroth zu zur Melioration beim landwirt- chaftlichen Verein vorgeschlagen, da ja bekanntlich der Staat ne Häifte dazu giebt. Die Melioration, die eine Größe on 7,7 Hektar hat, wurde denn auch unter Leitung defl Sreiflkulturtechnikerfl Kunz aus Lautetbach ausgeführt und dieses Frühjahr fertiggestellt. Die Fläche ist zu einer Jung- viehweide bestimmt worden. Gestern wurde das GraS der Fläche versteigert und dafür ein Betrag von 412 Mk. erzielt. Die Melioration hat einen Kostenaufwand von nur 2100 Mk. erfordert. Unsere Landwirte erkennen jetzt erst den Vorteil an, den sie durch die Aufbefferuvg der Hutweiden im Vogels­berg haben und zollen nun der Regierung dafür vollsten Dank. Eine weitere Fläche ist für das nächste Jahr vor­gesehen. Die meliorierte Fläche ist eine Zierde für unseren

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 18. August. 11. nach TrinltattS.

Gottesdienst-

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäusgeweinde

DormittaaS 9*/i Uhr: Professor v. Drew«.

Die Mitglieder der Vereinigung der fonfirmtetlen männ.ich n Jugend der MatthäuSgemeinde werden eingeladen, Sonnig de.. 18. August, abends 8 Uhr, zu einer Besprechung im Konfirmandensaal zuiammenzukommen. c_. -

In der JohanneSttrche.

Vormitt-gS 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgemeind..

Vormittags 9V, Ubr: Pfarrer Euler.

Nächsten Sonntag den 25. August findet im H-uptgotteSoir, st Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und JohanneSgemewde gemeinsam statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Katholische Gemeinde.

SamStag den 17. August.

Nachmittag» um 4V, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 18 August. 12. Sonntag na» Pfingsten.

Vormittags von 6«/» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste hell. Messe;

vor und in derselben Austeilung der heil. Äommunior»

um 8 Ubr: Die zweite heil. Mksie.

um 9Vi Ubr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags nm 21 /» Uhr: Sakramentalische Bruderschafts-Ar dach'.

Kervrifchter.

Berlin, 15. Aug. Eine Aufsehen erregende Ent deckung ist im Verlauf der Nachforschungen wegen der Massendiebstähle in der königl. Pulverfabrik zu Spandau gestern spätabends gemacht worden. Man fand nämlich am Hafelufer außerhalb der Stadt ein unterirdisches Lager von Diebeflbeute, die aufl der Fabrik herrührt. Das Versteck, das IV2 Meter unter der Erdoberfläche hergestellt war, barg große Mengen vollkommen neuen Handwerkszeuges, wie Bohrer, Feilen, Hämmer, ferner viele Rohmaterialien der verschiedensten Art, unter anderem auch zwei große Fäffer Spiritus. Die Ausräumung des Diebeslagers seitens der Polizei dauerte bis in die Nacht hinein. Die Behörde war durch anonyme Zuschriften auf dieses Versteck der Spitzbuben aufmerksam gemacht worden. Sie ist ferner auch davon in Kenntnis gesetzt, daß, als die Entdeckung der Diebstähle be­kannt wurde, aus den Behausungen verschiedener Personen, auf denen ein gewiffer Verdacht der Mitthäterschaft ruhte, bedeutende Masten von Gegenständen während der Nacht fortgeschafft wurden. Man weiß noch nicht, wohin sie ge­bracht worden find. Bei der später erfolgten Durchsuchung der betreffenden Wohnungen ist auch nichts mehr an Diebefl- beute vorgefunden worden. Die Zahl der an den Diebstählen mittelbar oder unmittelbar beteiligten Personen steigert fich von Tag zu Tag. Bisher sind zehn Verhaftungen vorge- nommen. Die Festgenommenen sind ein Portier, drei Wächter und sechs Maschinisten, sämtlich eine Reihe von Jahren im Dienste der Pulverfabrik.

Königsberg i. Pr., 15. Aug. Beim Anstrich der Bahnsteighalle der Königlichen Ostbahn stürzten heute vor- mittag mehrere Maler aus einer Höhe von 12 Metern m t samt dem Gerüst herab. Drei Maler fielen auf die Loko- motivschiebebühne und trugen durch den Fall und daS nach- stürzende Gerüst mehr oder weniger schwere Verletzungen davon. Ein vierter Maler konnte fich im Fallen an einem Balken festhalten und wurde dadurch gerettet.

Hoffnung auf eine fremde Intervention oder auf eine Aenderung in der öffentlichen Meinung Englands. Man visse, wie aussichtslos beide Erwartungen seien. Entweder würde die Proklamation den Krieg zum Ende bringen, oder wenigstens die Kolonien von Leuten befreien, die sich un­versöhnlich gezeigt hätten, und die, wenn sie in den Ko­lonien blieben, eine dauernde Gefahr bilden würden. Cham­berlain hält seine früheren Erklärungen lfinsichtlich der möglichen Verwendung der eingeborenen Trup­pen aufrecht und sagt: England hatte in China indische Truppen Seite an Seite mit den Truppen zivilisierter Völker. Tie indischen Truppen hätten sich nicht cüs die schlechtesten der zivilisierten gezeigt. (Beifall?) Tas Wort Banditen krieg ist wirklich nicht so falsch, und die Welt­geschichte wird darüber au urteilen haben, welcher Seite dieser Ausdruck mit Recht zukommt.

ganzen Ort.

Limburg, 15. Aug. Die letzte Handelflkammersitzung beschäftigte fich fast ausschließlich mit der Zolltarif- Vorlage. Es wurde beschlossen, den offiziellen Tarif an ämtliche Kammermitglieder zu verteilen, danach eine Spezial- jeratung vorzunehmen und etwaige Wünsche dem zuständigen Ausschuß des HandelStages mitzuteilcn. Folgende Resolut on wurde angenommen:Die Kammer erachtet ein Festhalten an der bisherigen Bertragflpolitik im Interesse defl Handels und der Industrie für notwendig. Eine Erhöhung der Zölle auf die notwendigsten Lebensrnittel würde nach Ansicht der kammer nicht nur die Interessen dieser beiden Erwerbs- tände, sondern auch den Volkswohlstand im allgemeinen zu chädigen geeignet fein, ohne der übergroßen Mehrzahl der Landwirte des hiesigen Bezirks irgendwie zu nützen.-

Kaffel, 14. Aug. Wie wichtig Legitimationspapiere elbst bei einer Vergnügungsreise find, mag folgender Vor- all, der fich dieser Tage in Großalmerode zutrug, illu- trieren. AuS Frankfurt a. M. befand fich ein Bankbeamter namens Schmidt im genannten Ort, der einige Ähnlichkeit mit dem verschwundenen Generaldirektor Adolf Schmi.dt haben soll. Der letztere Umstand war es nun, welcher dem fich seines Erholungsurlaubs erfreuenden Bankbeamten Der hängnisvoll werden sollte. Die Hüter des Gesetzes hatten schon längst ein Auge auf ihn geworfen, der Verdacht ver- stärkte fich, man hielt ihn schließlich identisch mit dem Gene­raldirektor, und da er fich, eben infolge mangels jeglicher LegltimatiouSpapiere, auch nicht genügend ausweisen konnte, wurde er kurzerhand nach Kaffel transportiert, wo man aller­dings sofort den Fehlgriff erkannte. Der harmlose Schmidt aus Frankfurt a. M., der fich in begreiflicher Entrüstung seiner Verhaftung und Transportierung widersetzte, entging mit Mühe und Not dem Schicksal, geschloffen in Kaffel seinen unfreiwilligen Einzug zu halten. Wir raten also jedermann, zumal wenn er den sonst so schönen NamenSchmidt- haben und Bankbeamter fein sollte, sich schleunigst in den Besitz der für ihn nötigen Legitimationen zu setzen.

Gensingen, 14. Aug. Nachdem in einer General Ver­sammlung des Kreditvereins beschlossen war, daß die von Scherte! unterschlagenen 64,000 Mk. zu einem Viertel durch die Vorstands- und AuffichtflratSmitglieder im Voraus bezahlt werden sollten und jedes Vorstands- und Auffichtfl- ratsmitglied außerdem nochmals 500 Mk. aufbringen sollte, hat fich jetzt herausgestellt, daß der Vorstand (und als solcher wirtschaftete ja Schertet vielfach allein) Mitglieder aufnahm, die nicht einmal für 500 Mk. gut find. An der Frage, wie die Summe von Über 10,000 Mk., welche auf zahlungfl- unfähige Mitglieder entfalle, herbeigeschafft werden könne, scheint leider nun die angebahnte Einigung der unerquicklichen Angelegenheit zu scheitern. Dies wäre umsomehr zu beklagen, als die Mitglieder des SreditvereinS im Falle der Verhängung des Konkurses und der Anrufung richterlicher Entscheidung dann zu den 64,000 Mk. auch noch Gerichtskosten und An- waltflgebühren tragen müßten.

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Aus Stadt und Land.

von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden augemeffen honoriert.

* Rundschreiben an die Ortsgerichte. Die Großh. Hess. Amtsgerichte haben in Ausführung einer kürzlich vom Miuistc. rium etlaffenen Verfügung ein Rundschreiben an die OrtS- gerichte gerichtet, in dem darauf hingewiefen wird, daß diese, den neuen rechtlichen Vorschriften entsprechend, nur Grund­stücke ihres Bezirkes verpachten dürfen, aber keine Vieh- handelflprotokolle, sowie andere Miet- unb Pachtverträge oder Äaufurtunben über bewegliche Sachen mehr aufnehmen können. ,

he. Steinbach, 15. Aug. Wir haben bereits in unserer Sonntagsnummer von bem Schabenfeuer kurze Mitteil­ung gemacht. Nunmehr werben uns folgenbe Einzelheiten mitgeteilt: DaS Feuer brach in ber Nacht von SamStag auf Sonntag gegen 1 Uhr in ben Scheunen beS Paulus Schäfer unb Louis Mack zu gleicher Zeit aus. Die verschiebenen Stallungen unb bie Scheune beS Ludwig Schäfer H. fingen exft später an zu brennen. Das Feuer wurde bald, haupt­sächlich durch die gute Wirkung unserer beiden Gemeinde- Feuerspritzen, auf seinen Herd beschränkt. Die Pflichtseuer- wehr der Nachbar-Gemeinden Annerod, Hausen, Garbenteich und Albach kamen wohl auch noch zur Hilfe, aber erst, als ber größte Teil der Arbeit von uns bereits gethan, d. h. keine Gefahr mehr vorhanden war, daß das Feuer noch weiter um sich greife. Man glaubt, daß Brandstiftung vor liegt, doch hat man bis jetzt nicht den geringsten Anhalts­punkt entdeckt, bet zur Ermittelung bes ober ber Thäter führen könnte. Staatsanwaltschaft unb Amtsgericht haben Untersuchung eingeleitet, bis jetzt aber ohne Erfolg.

e. Bad Ranheim, 15. Aug. Heute fanb im hiesigen Kur- tbeater ein einmaliges Gastspiel ber Mabame 9t 6 j an e unb der ersten Künstler beS Baubeville-TheaterS in Paris statt. Der Theaterfaal war von bem vornehmsten Badepublikum ganz besetzt, obwohl die Preise sehr hoch waren. Zuerst wurde die ziemlich langweilige KomödieLa Parisienne", die eine unbedeutende Handlung hat, gespielt unb banach ber EinakterSolotte*. In beiben Stücken hatte Mabame R^jane bie Hauptrolle. Ihr wunbervolleS Spiel, sowie bie Leistungen beS gesamten Ensembles, fanben starken Beifall; efl würbe ein ganzer Wagen voll ber herrlichsten Blumen qefoenbet. Erst um 11 Uhr war die Vorstellung zu Ende.

§ Bad Nauheim, 16. Aug. Arn 31. August geht die Frist zur Bewerbung um die hiesige Kaminfeger- pelle zu Ende. Mit der Besetzung dieses Postens tritt die vom Kreisamt Friedberg befchloffene Neueinteilung de Kehrbezirke, nämlich Bad-Nauheim, Butzbach, Friedberg un Vilbel in Kraft.

Friedberg, 14. Aug. Der Ausflug desTaunusklub SBetteran am vorigen Sonntag war leider nicht von gutem Wetter begünstigt. Bereits in Friedberg fing es an zu regnen und beim AnSsteigen in Bieber zwang starker Platz­regen zum nicht vorgesehenen Frühstück im Wirtshaus statt auf bem DünSberg. Erstiegen würbe ber Berg aber boch. Die Fernsicht war selbst vom neuen AnSfichtSturm gering; ®ut ber Blick auf bie Nebelschlachten in ben umgebenden Waldthälern bot einigen Lohn für den beschwerlichen Au - flieg. Dann ging eS auf prächtigen Waldwegen hinab und Wieder im Regen hinauf nach Hohensolms. Hier war d c Aussicht etwas besser. Die Berge deS Hinterlandes, Frauen- fterg, Amöneburg und Vogelsberg im Hintergrund vom Slei- »erg und Betzberg, lagen im Sonnenschein, nur drüben nach

Mteratur, Wissenschaft und Kunst.

Auf bem Zoolog en-Kon greß bildete am Don­nerstag ben Gegen stund des Hauptinteresses ein B 0 r t r a g des P r 0 f. Schenk-Wien. Er führte aus: Tie Grund­lage seiner Lehre sei durch Thatsachen gelegt. Schon in den 1860 ec Jahren habe er als junger Student dre ersten Versuche an niederen Tieren gemacht, von diesen sei er bann zum Menschen gelangt. Tiefe Thatsachen seren alle in seinerLehre der Ge s ch l e ch t s b e stli m m u n g' niedergelegt. Er sei durch seine Versuche zu dem Ergeb­nis gekommen, daßj die Nahrung einen großen Einfluß auf das Geschlecht habe, unb daß ein Einfluß nur ber Werbchen möglich sei. Ter Stoffwechsel, EiweißKerfall, müsse zwer bis drei Monate vor oer Konzeption und bis zum zweiten Monat der Schwangerschaft fortgesetzt herbeigeführt werden, um einen männlichen Nachkommen zu erzielen. Seine M e- thode sei eine Abmagerungskur, nicht aber unbedingt eine Entfettungskur. Bei 60 Kilogramm Körpergewicht sei ein täglicher Eiweißzerfall von 120 Gramm nötig. Dieser tömie durch jede Methode herbeigeführt werden, er (Redner) gebe gern Oaorial- oder Schilddrüsenpräparate. Unbedingt not­wendig sei eine tabellarische Aufstellung des Körpergewichts. Ter Redner berief sich wiederholt auf andere Wissenschaft­ler, so auf den Russen Aschansky, nach dessen Theorie zum Starkwerden neigende Frauen weibliche, magere da­gegen männliche Kinder hätten, ferner auch auf jüngste Experimente an Kaninchen und Meerschweinchen, bei denen durch entsprechende Behandlung männliche Nachkommen er­zeugt worden wären. Mit erhobener Stimme verwahrte er sich gegen die Gerüchte, daß sein Rat von einem hohen Fürstenhause, in dem weibliche Nachkommen die Regel seien, gewünscht worden wäre; er habe niemals mit _ diesem Hause in Verbindung gestanden. Auch die Unterstellung, daß er mit einer Wiener Choko laden-Firma, die sein Bild ihren Fabrikaten beilege, Geschäfte mache, wies er energisch zurück. Er würde kein Opfer scheuen, seine Theorie zur festen, unantaftbaren Thutsache zu machen, und wenn er auch an der Straßenecke dermaleinst sein Brot erbetteln müsse, er hätte dann wenigstens für seine Ueberzeugung gelebt und gelitten. Applaus lohnte die Ausführungen, an die sich eine Debatte) von 1 einhalb Stunden schloß«. Die 30 Fälle, in denen die Methode Schenk mit einer Ausnahme ! erfolgreich angewandt wurde, erkannte man allseitig als T hat fache an, verlangte jedoch von Prof. Schenk, der sach­lich und ruhig auf alle Einwände antwortete, die Auf­stellung einer Theorie seiner Methode, schenk selbst er­kannte au, daß dies der vorläufige Mangel ferner durchaus noch nicht abgeschlossenen Versuche sei, die die Erfahrungen langer Jahre und zahlreicher anderer Forscher zusammen­gefaßt hätten. Er dankte für das ihm bewiesene rege Interesse, und bat um Mitteilung jeder etwa wichtig er­scheinenden Kenntnis.