Ausgabe 
17.2.1901 Zweites Blatt
 
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Kammermusik.

i Gießen, 16. Februar.

Die Kammermusik - Konzerte unseres vortrefflichen Klaviertrios Trautmann, Redner, Hegar fanden mit dem gestrigen in der großen Aula der Universität abge­haltenen dritten Konzertabend für diese Saison ihren Ab­schluß. Znxrr war die Zahl der erschienenen Zuhörer nicht so groß als sonst, doch war dafür die Andacht um so größer und der Beifall nach den einzelnen Vorträgen um so reicher und herzlicher. Und in der That hatten unsere geehrten Künstler wieder ein Programm zusammengestellt, dessen Ausführung man nur mit größtem Interesse verfolgen konnte.

Tas Konzert wurde eröffnet durch ein Trio des auch in Deutschland zu gutem Rufe gelangten Franzosen Saint- Saens, und wir gestehen gern, daß das interessante Werk wohl geeignet ist, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln. Wenn auch weniger hervorragend in der Tiefe der Er­findung, so ist es doch ein deutlicher Beweis für die Fähigkeit des Autors, nicht nur seine Gedanken geschickt auszuarbeiten, sondern ihnen auch durch die Einkleidung in eine glänzende Instrumentation einen äußeren Reiz zu verleihen, der das Publikum leicht für das Werk einnimmt.

Die Serenade von Beethoven für Violine, Viola und Eello, in der Herr Musikdirektor Trautmann die Partie der Viola in dankenswerter Weise übernommen hatte, ge­hört zu den leider so selten gehörten köstlichen Perlen der Kammermusik, und wir nehmen keinen Anstanp, den ge­ehrten Künstlern für die Aufführung eines derartigenWerkes besonders zu 'danken um so mehr, als unserem Herrn Musikdirektor Trautmann dadurch Gelegenheit geboten wurde, auch seine Fähigkeiten als Geiger bezw. Bratscher einmal persönlich zur Geltung zu bringen. Ten Schluß bildete Schuberts außerordentlich schwieriges, aber mit Schönheiten auch! reich ausgestattetes Trio in B-dur opus 99. Wer dieses herrliche Werk vor mehreren Jahren im Konzert­verein von den Herren Pauer, Zajic und Grünfeld gehört hat, wird die gestrige Wiederholung durch die Herren Traut­mann, Rebner und Hegar mit um so größerer Freude be­grüßt haben, als die Ausführung der einzelnen, oft mit ganz besonders großen Schwierigkeiten ausgestatteten Sätze das beste Zeugnis von dem vorzüglichen Können unseres jetzigen Trios ablegte. Sämtliche drei Kammermusikwerke wurden ihrer ausgezeichneten Wiedergabe entsprechend von dem Publikum äußerst dankbar ausgenommen.

Zwischen diesen Ensemble-Nummern sang die von der letzten Messias-Aufführung her vorteilhaft bekannt gewordene Altistin Fräulein Martha Stapelfeldt Lieder von Schubert, Brahms, Trautmann und Schumann und be­kundete, daß das günstige Urteil, das wir seiner Zeit über sie abgaben, durchaus gerechtfertigt war. Wenn auch die Lieder, mit denen sie die Zuhörerschaft gestern erfreute, sich nicht alle für Frauenstimme eignen, so muß doch an­erkannt werden, daß sie bei der Wahl ihrer Vorträge den Klangcharakter ihrer Stimme stets in glücklichster Weise berücksichtigte. Ter Erfolg war auch dem entsprechend groß, denn das Publikum hörte nicht eher auf mit Applaudieren, als bis sich die geschätzte Künstlerin mit einer Zugabe fapphische Ode von Brahms losgekauft hatte. Pr.

Aus Stadt und Aand.

Gießen, 16. Februar 1901.

[Gedenket der hnngernden Vögel!

** Wintertouri st ik. Die zweite diesjährige Pro- granrmtour der Sektion Gießen des D. u. Oe. A.-V. galt dem Gebiete der oberen Lahn, den Höhen und Gründen slußaufwärts von Marburg und ihrem Gebieter, dem Rim­berg. Freilich mochte die schlüpfrige Beschaffen­heit der Straßen unserer guten Provinzial­hauptstadt manchen erprobten Wanderer zu der un­begründeten Voraussetzung verleitet haben, daß auch für das Gebirge die gleichen Bedingungen zutreffend seien, und so war es denn im Verhältnis zur Mitgliederzahl nur ein kleines Häuflein unerschrockener Alpinisten, das sich zum Achtuhrzug am Bahnhofe einfand. In Marburg-Süd beginnt punkt 9 Uhr die Fußwanderung. Bald wird der Weg verlassen und in steilem Anstieg durch Gärten und Felder die Höhe der Wehrshäuser Landstraße erklettert, eine kleine Vorübung, deren befriedigender Ausfall zu den besten Erwartungen für den weiteren Verlauf der Tour berechtigt. Ein letzter Gruß nach den schlanken Türmen der freundlichen Lahnstadt, und rüstigen Schrittes geht es hinein in den heiteren Sonntagmorgen den Hinterländer Bergen zu. Ländliche Schlitten von ursprünglichster Bauart, einem auf Kufen gesetzten Bettgestell gleichend, eilen vor- kber. Und was ist das für eine Gruppe sonderbarer Ge­stalten, die dort mehr aleitend als schreitend in unbeholfen steifer Haltung der Höhe zustreben? Skiläufer sind es, Studenten, wie beim Näherkommen die unregelmäßige Zeichnung der Wangen verrät, freilich noch Neulinge des nordischen Wintersports. Nur der Führer der Kolonne, dessen rundliche Leibesbeschafsenheit mit des Rucksackes lieblicher Fülle im Einklang steht, bemüht sich sichtlich, die Ueber- zeugung zu erwecken, daß er schon etwas tiefer in die Ge­heimnisse der edlen Kunst eingedrungen ist. Wehrs - Hausen ist rasch erreicht, Elln Hausen wird durch- ßhritten. Die Doristraßen sind wie ausgestorben, gleichgiltig schaut nur hie und da ein menschliches Antlitz hinter trüben Scheiben hervor. Auch Dilschhausen liegt bald im Rücken der frohgemuten Wanderer, schon winkt im Vorder­grund die Kuppe des Rimbergs freundlichen Willkommgruß. Doch sogleich umhüllt ein Nebelschleier die Höhen ringsum, '»iw ein munteres Schneegestöber erschwert das Zurecht- finden nach den blauen Farbenzeichen auf dem nur spär­liche Spuren des Verkehrs ausweisenden Wege. Und als dann die -sonne wieder siegreich den Vorhang zerteilt, liegt bereits Kälbern vor den Blicken der Wanderer, und von der Hohe zur sinken lugt die Pyramide des Rimberaturmes nach ihrem angesagten Besuche aus. Tie Uhr zeigt elf Jetzt heißt es, die Straße verlassen und querfeldein geht es durch Feld und Wald, über Graben und Schneewehen in gerader Richtung dreiviertel Stunden lang dem Fuße des Berges zu. Sofort beginnt der Ausstieg an der steilen Bergwand,'wo stellenweise metertiefer Schnee durchwatet werden muß, andererseits auch bei der Glätte des Bodens ein Zurückgleiten oft unvermeidlich ist: du leisten denn die mitgeführten Berg­stöcke willkommene Dienste, und die gute Laune hilft über manch kleines Mißgeschick hinweg. Kurz vor 1 Uhr ist end­

lich der Gipfel erklommen. Fürwahr, reichlich lohnt sich die aufgewandte Mühe! Kein Lüftchen regt sich, in der warmen Mittagsonne glitzern die schneeüberzogenen Stämme und Zweige der Buchen, köstlich mundet der Inhalt der Rucksäcke. Der Turm, der bei der letzten Anwesenheit der Sektion im Juni noch unvollendet war, macht in seiner leichten Bauart aus geschältem Tannenholz einen höchst ge­fälligen Eindruck. Von den drei geräumigen Plattformen bietet sich ein prächtiger Rundblick auf die in ihr jungfräu­liches Winterkleid gehüllten Kuppen und Thäler, und dar­über hinaus schweift der Blick nach Osten zum Knüll, nach Norden zur Sackpfeife, und im Süden erhebt der heimatliche Dünsberg zu vertraulichem Gruße sein Haupt, das nach neuester Messung vom Rimberggipfel noch um einige Meter überragt wird. Hatte der Aufstieg fast eine volle Stunde beansprucht, so vollzieht sich in kaum einer Viertelstunde der Abstieg, richtiger die Abfahrt, bei der es wiederholt zu inniger Berührung mit der Schneedecke kommt, und kurz nach 2 Uhr sitzen die Wandergenossen in behaglich durch­wärmter Stube des freundlichen Gasthauses zu Kaldern und sprechen wacker dem braunen Tranke zu, den das schmucke Wirtstöchterlein aus geblümter Kanne spendet. Tie Weisen einer fröhlichen Sängerschar schallen die Dorfstraße herauf, und bald beginnt es im anstoßenden Saale lebendig zu werden: die Burschen des Ortes feiern heute Kaisers Ge­burtstag. In pietätvoller Rücksichtnahme auf die schwere Erkrankung eines Kameraden hat man die Lustbarkeit bis heute verschoben. Auch die Torfschönen finden sich ein, im langsamen Walzer drehen sich die Paare und gewähren durch die bunten Trachten der Mädchen ein farbenfrohes Bild. Zu früh eigentlich muß von dem munteren Treiben Abschied genommen werden, aber der lachende Sonnenschein mahnt zum Aufbruch, wenn bei guter Tageszeit noch Mar­burg erreicht werden soll. Auch dieser letzte Teil des Weges offenbart dem empfänglichen Auge die lieblichsten Bildchen einer winterlichen Landschaft, belebt von zahlreichen Schlitten, unter deren Insassen die akademischen Bürger zu überwiegen scheinen. Abwärts führt die Straße über Marbach nach der Musenstadt. Noch bietet hier eine zwei­stündige Rast bis zur Heimfahrt den Touristen Gelegenheit zu gemütlicher Aussprache über die Eindrücke des genußreichen Tages und über die Einzelheiten der beendigten Tour, einer Tour, die zwar nicht jedermanns Sack)e sein wird, auch nicht sein kann, die aber unter der Voraussetzung entsprechen­der körperlicher Eigenschaften in vollem Maße dem Haupt­zweck des Alpinismus zu dienen geeignet ist, Nutzen zu bringen für Körper und Geist, Gesundheit und Lebensfreude zu fördern.

Zugverspiitungeu. Wegen Schneeverwehungen hatte )er heute morgen fällige Zug aus Berlin Verspätung. In Kassel mußte der Zug zwei Stunden und 10 Minuten Auf­enthalt nehmen. Auch der Fuldaer Frühzug hatte über eine Stunde Verspätung.

x- Jagd-Verpachtung. Die der Gemeinde N jeder - Gemünden zustehende Feldjagd wurde bei der am 14. er. abgehaltenen Versteigerung dem Metzgermeister Fr. S ch r e i n e r von Gießen, für 350 Mark jährlich als Höchstbietenden zu- geschlagen. Von der Oberförsterei ist sie für 140 Mark taxiert. Die seitherigen Pächter bezahlten 161 Mk. pro Jahr.

* * Eine Feldpost nach China geht wieder am nächsten Montag den 18. Februar von Berlin ab. Sie trifft am 23. März in Shanghai ein und etwa Anfang April auf dem Kriegsschauplatz. Diese Feldpost befördert außer Briefen und Postkarten auch Postanweisungen bis zum Betrage von 100 Mark gegen eine Gebühr von 10 Pfennig.

* * Maskenball. Der durch vorzügliches Arrangement wie prächtige Gruppen-Aufführungen sich großer Beliebtheit erfreuende Maskenball desBauer'sch en Gesang Vereins" findet heute abend imCafö Leib" statt.

* * Aus dem Theaterbureau. Der erste Held und Lieb' Haber des Nürnberger Stadttheaters, Herr Hubert Dietzsch, gastiert am hiesigen Stadttheater am Mittwoch, den 20. d. M. alsDr. Martens" in Jugendfreunde", am Donnerstag, den 21. d. M. alsTellheim" inMinna von Barnhelm" (Bolksvorstellung) und am Freitag, >en 22. d. M. zum letzten Male alsFuhrmann Henschel".

Deutscher Verein. In der bereits von uns angeküm >eten politischen Versammlung am Sonntagnachmittag Zi/z Uhr (Steins Garten) wird u. a. auch Abg. Lieber­mann vonSonnenberg die Stellung der deutschen Reichsregierung zum Burenkrieg behandeln.

w- Großeu'Busecker Bürgermeisterwahl. In der heutigen KreisauSfchußsitzung kam die Angelegenheit der letzten Bürgermeisterwahl in Großen-Buseck zur Verhandlung. Wie wir seinerzeit berichteten, siegte in der Stichwahl zwischen dem Altbürgermeister Meyer und dem Polizeidiener Schwalb der Letztere. Meyer legte Revision ein. Es wurden heute 38 Zeugen vernommen und die Wahl zu Gunsten des gewählten Bürgermeisters Schwalb ent chieden.

R 0 dheim a. d. Bieber, 15. Febr. In dem benach­barten Vetzberg spielen sich zur Zeit derTischen. Volks- wacht" zufolge, saubere Vorgänge ab. Ein 13 jähriges jü­disches Schulmädchen befindet sich in gesegneten Umständen und sieht seiner Niederkunft entgegen. Alle eifrigen Nach- orschungen des Gendarmen Bechstein bei dem Mädchen nach dem Thäter blieben erfolglos. Es sagte, es wäre von einem Mann mit einem schwarzen Schnurrbart, den es nicht erkannte, angepackt worden. Als aber der Vater in Unter­suchung geführt wurde, gab das Kind auf einmal (!!) den Lehrer des genannten Ortes als Thäter an, worauf der Vater wieder hi Freiheit gesetzt wurde. Ganz Vetzberg ist jedoch von der Unschuld des Lehrers (eines tüchtigen Mannes) überzeugt, wie er auch selber erklärt hat, daß ihn die Sache nichts anginge und seine Unschuld an den Tag kommen müsse.

Lützellinden, 15. Febr. Unserer gestrigen Mitteilung be­treffend die Gemeindejagd ist noch nachzutragen, daß vor Wochen schon der Gemeinderat wozu er vollständig be­rechtigt ist den besten Teil des Jagdbezirks, einen nach dem Stoppelberg zu gelegenen Waldkomplex von mehr als 400 Morgen Größe, aus der Hand an den hiesigen OrtS- bürger Bork, einen bekannten Jäger, für den bescheidenen Preis von 130 Mk. pro Jahr vergeben hat.

Büdingen, 16. Febr. Heute feiert Fürst Bruno 8U Vfenburg und Büdin gen das 40jährige Re­

gierungsjubiläum. Am 16. Februar 1861 wurde der damalige Erbprinz Bruno nach dem Tode seines Vatertz Ehef des Fürstlichen Hauses Menburg und Büdingen in Büdingen und übernahm die Verwaltung des Fidei­kommisses. Fürst Bruno ist am 14. Juni 1837 geboren. Er, besuchte die Gymnasien zu Tuisburg und Marburg, ging sodann zu seiner weiteren Ausbildung nach Lausanne und bezog im Herbst 1857 die Universität Göttingen. Am 9. Mai 1859 trat er als Leutnant in das Ungarische Infanterie- Regiment Erzherzog Franz Karl Nr. 52 ein. Seine mili­tärische Laufbahn führte ihn alsbald auf das Schlacht­feld. tzchon am 24. Mai nahm er an der Schlacht von Solferino teil und wurde bei dem Sturm auf Medole durch einen Schuß in den Schenkel verwundet. Er blieb autz dem Schlachtfelde liegen und kam in französische Gefangen­schaft. Ta er aus der Schlacht nicht zurückkehrte, nahm man an, er sei tot; und in Büdingen traf die Nachricht ein, daß er in der Schlacht bei Solferino gefallen sei. Erst nach dem Frieden von Villafranca konnte er heim­kehren. Die Folgen seiner Verwundung nötigten ihn jedoch, seinen -Abschied zu nehmen, welchen er als Oberleutnant am 1. Mai 1861 erhielt. Schon vorher war er an dasj Sterbelager seines Vaters gerufen worden, welchem er am 16. Februar 1861 succedierte. Am 31. Juli 1862 vermählte sich Fürst Bruno mit Prinzessin Mathilde zu Solms-Hohen- solms-Lich, welcher Ehe zwei Töchter entsprossen. Am 11. Sep­tember 1867 starb die jugendliche Fürstin Mathilde. Nach zweijährigem Witwerstande vermählte sich Fürst Bruno am 30. September 1869 mit der Gräfin Bertha zu Castell- Rüdenhausen. Aus dieser Ehe sind 8 Kinder entsprossen: 1 Prinz, 7 Prinzessinnen. Vierzig Jahre sind verflossen, seit Fürst Bruno seinem Vater succedierte. Ueber die Grenzen seiner Standesherrschast hinaus hat sich seine Wirksamkeit erstreckt. Trotz seiner 63 Jahre ist der Fürst noch frisch und gesund.

Darmstadt, 14. Febr. Der Landesausschuß der nationalliberalen Partei tritt am 3. März hier zu­sammen, um in der Reorganisation der Landespartei, wie sic von der Landesversammlung am 11. November im Prinzip festgesetzt ist, die entscheidenden Beschlüffe zu fassen.

ach- Darmstadt, 15. Febr. Der Maurermeister D. in Oberramstadt benötigte nach Fertigstellung eines Neubaues die entsprechende Hypothek. Da er diese in Oberramstadt nicht erhalten konnte, wandte er sich u. a. auch an einen hiesigen Agenten, durch den er dann den 22 Jahre alten Bautechniker Alexander Stumpfi aus Wien kennen lernte, dessen Vater dort K. K. Rat sein soll. St. versprach dem vertrauensseligen Maurermeister, ihm die Hypothek zu ver­schaffen, entlockte ihm aber nach und nach ca. 400 Mk., als auch diesem das Geld knapp wurde, machte er auf Anraten des St. einWechselchen" von 1000 Mk., den St. zu ver­silbern versprach. Er ging auch mit dem Papier nach Darm­stadt, kam aber nach ein paar Tagen mit dem Bemerken zurück, Niemand wolle ihm das Papier abnehmen, er habe es deshalb verbrannt. Am 1. Februar aber wurde zum Schrecken des Geschäftsmannes der Wechsel durch ein hiesiges Bankgeschäft, das ihn diskontiert hatte, vorgezeigt, er mußte ür Deckung sorgen. St. ist seitdem verschwunden und treibt ich anscheinend in den Nachbarorten herum, er ist ein tüch- iger Zeichner, bummelt aber gern. Die Staatsanwaltschaft ahndet auf ihn. Er spricht echten Wiener Dialekt und »ürfte leicht zu fassen sein. Der Oberkellner Arthur Schaal aus Homburg vor der Höhe, der, wie wir bereits berichteten, im Hotel Traube hier seinen Prinzipal um ca. 4000 Mk. beschwindelte, hat nunmehr im Untersuchungsgefängnis auch eingestanden, daß er seinerzeit eine Büchse, von der er angab, daß sie von dritter Seite erbrochen und ihres Inhaltes von ca. 300 Mk. beraubt war, elbst geöffnet und den Diebstahl erdichtet hatte. Sch. soll übrigens sehr krank sein. Das Dienstmädchen Margaretha Proci, das schon einige Zeit dahier, zuletzt bei einem Buch, druckereibesitzer in Stellung war, nahm gestern vormittag in einem Anfalle von Schwermut in der Nähe des Schlacht- loses Schwefelsäure, die sie sich in der benachbarten Apotheke zu verschaffen gewußt hatte und verbrannte sich innerlich derart, daß sie nachmittags ihren Bövletzungen im Krankenhaus erlag. Großes Erstaunen erregte es, als ich bei der letzten Gläubiger-Versammlung der Zuckerfabrik Kerns he im ein hiesiger Anwalt den Gläubigem als Konkursverwalter selbst anbot, unter der Bedingung, » fein Vater, der eine Anzahl Gläubiger zu vertreten hat, in den Gläubigerausschuß gewählt werde. Wir hören, daß ihm die entsprechende Antwort zu Teil geworden ist.

8. Offenbach, 15. Febr. Der auf dem Polizeiamt be- chäftigte Gehilfe Lamsbach, der sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten erschwindelt hatte, und den man auf dem Fund­bureau daselbst beschäftigt, entnahm in einer ganzen Reihe von Fällen aus den abgegebenen Portemonnaies einen Teil »es Inhaltes an Geld und verbrauchte es für sich; auch einen Vorschuß von Mk. 100, den er sich unter falscher Aus­rede von dem Oberbürgermeister auf seinen Gehalt verschaffte, vermöbelte er in Oberrad. Er wird jetzt seinem Schicksal nicht entgehen.

* Kleine Mitteilungen auS Heflen und den Rachbar-aaten. Bei Mainz stürzte der Schiffskapitän Hofmann von GernS- heim beim Besteigen seines Schiffes in den Rhein und er* trank. Man fand die Leiche.

Vermischtes.

Gumbinnen, 17. Febr. Die Thätigkeit de- KriminalkommiffarS v. Bäckmann, der nun schon seit dem 25. Januar mit einem Schutzmann in Gumbinnen weilt, um den Mörder des Rittmeisters v. Krosigk zu ermitteln, scheint doch von Erfolg gekrönt zu sein. Unter den drei in Haft genommenen Angehörigen des Regiments dürfte zwar kaum der eigentliche Thäter sein, jedoch der Mitwiffeistchast sind zwei von ihnen dringend verdächtig. Die Aufklärung der That ist deshalb zu erhoffen. Die obersten Militär­behörden verfolgen den Verlauf der Untersuchung mit ge­spanntestem Jntereffe. Bald nach der Rückkehr des Kaiser­aus England wurde der Kriegsminister nach Homburg be-