Ausgabe 
17.2.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 41 Zweites Blatt

Jahrgang

Sauntag 17. Februar 1901

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger ** **

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Engländer und Buren

t

Deutsches Reich

rühr

Denkmünzen zu ermöglichen, ist beabsichtigt, das Präge- !^^n werden Vielleicht erläutert darin Graf w»

SaFnff/nt« n JAtÖr t,I5 <?"Eräge an dre General richt pon der Reise des englischen K-önigspaares nach Deutsch- ftaatSkaffe auf Umwechselung der Denkmünzen werden nicht land wird vom Londoner Büreau Reuter dementiert. D. NA

Ikbaftion, Expedition und

Druckerei Zchulftrahe 7.

Begrüßungsartikel gespannt sein, den bei diesem Besuche hergebrachtermaßenNordd. Allg. Ztg." undReichsanz." spenden werden. Vielleicht erläutert darin Gras Bülow

Adreflk für Depesche«: Anzeiger Gießen.

FernsprechanschlußNr.bl.

mehr berücksichtigt; die Beantwortung solcher Anträge ist un* möglich.

Telegramm deS Gießener Anzeigers.

Loudon, 16. Febr. Unterhaus. Im Verlaufe der Adreßdebatte erwiderte Cranborne auf verschiedene Be merkungen von Joseph Walton, betreffend China, und führte aus, die eng ische Politik sei nicht aggressiv gewesen und fand kürzlich ihren Ausdruck in dem englisch deutschen Abkommen. Er halte die verlangten Bestrafungen für nicht übertrieben. Hierauf wird die Debatte vertagt. Montag »ährt Cranborne in seiner Rede fort.

Der Herausgeber derSouth African Niews", Cart­wri g h t, der wegen Verbreitung aufrührerischer Schriften verhaftet wurde, wird vor Gericht gestellt, ist aber nach Hinterlegung einer Kaution von 2000 Lstr. vorläufig aus der Haft entlassen worden.

Wie dieD. W." aus bestunterrichteter Quelle erfährt, jsteht die Reichsregierung einer Ansiedelung von Buren im südwestafrikanischen Schutz-, gebiete unter bestimmten Voraussetzungen sehr wohl­wollend gegenüber.

China.

DerKöln. Ztg." wird aus Peking vom 12. d. M. oemdbet: Ein kaiserliches Edlkt ist in Sivganfu am 29. Januar erschienen. Nach einer philosophischen Einleitung über die Entwickelung Chinas seit dem Einfall der Mandschus, über den Wandel der Zeiten und die jüngsten Ereignisse, fordert eS Reformen, die den chinesischen bureaukratischen Konservatismus und nationalen Dünkel beseitigt, und beruft eine Versammlung der Vizekönige und Gouverneure, die binnen zwei Monaten Vorschläge über die Besteuerung, die Vertei drgung und Erziehung unterbreiten soll.

Waldersee meldet auS Peking vom 14. dS.: Eine kleine Kolonne unter Major Delatenaffe ist gestern von Tientsin in südwestlicher Richtung abgeschickt. Die berittenen Truppen und die letzte noch ausstehende Abteilung der Kolonne Trotha kehrten am 12. Februar hierher zurück.

Ausland.

! Stockholm, 15. Febr. DaSAstonbladet" meldet aus HelsrngforS: Am 13. Februar traf hier ein PeieiSbnrger Ministerialbeamter ein mit dem Befehl des Staatssekretärs von Plehwe, daß das finnische Staatsarchiv unver- chgltch sämtliche vom Landtag in Borgs herrührenden Schrift­stücke abliefere, da dieselben im russischen Staats- archiv aufbewahrt werden sollen. Der finnische I Staatsarchivar Hansen lehnte es ab, diesem Befehl ohne bestimmte Erlaubnis des finnischen Senats Folge zu leisten. ! Oie Entscheidung des letzteren steht noch aus.

London (Unterhaus), 15. Febr. Gibson Bowles fragt an, ob die Regierung wisse, daß deutsche Streitkräfte >m September 1900 einen Teil des unabhängige« Kongostaates an sich gerissen hätten, indem sie die belgischen Posten aus den dortigen Stationen unter Kriegs­drohungen entfernten. Ob es der Regierung bekannt sei, daß die Deutschen auf die Weise von dem Gebiet Besitz er­griffen hätten, welches im Jahre 1894 von dem König der Belgier an Großbritannien verpachtet worden sei. Dieses Gebiet sei infolge der von der französischen Regierung erhobenen Einwendungen wieder aufgegeben worden. Parla­mentssekretär Cranborne erwiderte, die Regierung habe davon kerne amtliche Kenntnis, es würden Nachforschungen angestellt. Hierauf wurde die Adreßdebatte angenommen.

Die Meldung, der König beabsichtige uuverweilt den Kontinent zu besuchen, ist unzutreffend.

Madrid, 15. Febr. Die Theater- und ZeitungS- zensur wird von der Militärbehörde in der schärfsten Weise ausgeübt. Auch die Regierungsblätter, sogar die aus dem Ministerium deS Innern herrühreuden Nachrichten, sind der Zensur unterworfen.

Wien, 15. Febr. Unter großem militärischen Gepränge fand in der serbischen Kirche die Leichenfeier für den König Milan statt. Nach der Einsegnung begleiteten der Kaiser, die Erzherzoge und der Herzog von Cumberland den Leichenwagen zu Fuß bis zum Rennweg.

Belgrad, 15. Febr. Am Nachmittag fand in der Kathedrale eine Trauerandacht statt, welcher der König, der Hof­staat, die Minister, das OsfizierkorpS und Zivil und Militär- deputationen aus dem Innern des Landes beiwohnten. Zahl­reiche Kränze wurden dargebracht.

Petersburg, 15. Febr. Der Großherzog von Hessen und Prinzessin Elisabeth sind heute vormittag 10 Uhr in bestem Wodnsein in St. P tersburg angekommen.

Nachprägung der Denkmünzen in größerem Umfange ist m Aussicht genommen. Um die thunlichste Verbreitung der

Berlin, 15. Febr. Das Kaiserpaar traf heute Nach mittag wieder auf Schloß Friedrichshof ein und kehrte um 4V2 Uhr nach Homburg zurück. Prinz Heinrich von Preußen trifft morgen früh hier ein.

Kriegöminister v. Goßler weilte bekanntlich neser Tage zum Bortrage beim Kaiser in Homburg. Er oll dem Monarchen bei dieser Gelegenheit über den Morchinger Totschlag, resp. über die kriegsgerichtliche

Politische Tagesschau.

Aus Berlin, 15. Februar, wird uns geschrieben:

Zu den Unruhen in Spanien liegt heute abend eine Meldung vor, die dadurch, daß sie vom offiziösen Wolffschen Depeschenbüreau verbreitet wird, besondere Be­achtung verdient. Es soll nämlich, nach der Meinung eines Pariser Blattes,Le Journal", bei den gegenwärtigen Re­volten in Spanien kein anderer als England die Hand im Spiel haben, und zwar in der Absicht, durch Zerrüttung Spaniens Frankreich in einem künftigen Kampfe ums Mittel­meer seines einzigen Bundesgenossen zu berauben. Wenn man erwägt, mit welchem Geschick die britischen Staats­männer es verstanden haben, Italien trotz seiner Zu­gehörigkeit zum Dreibunde in aller Stille auf ihre Seite zu bringen, wofür die Afrikapolitik hinreichend Zeugnis ablegt, und wenn man ferner berücksichtigt, daß der andere

Bekanntmachung.

I« der Zeit vom 9. bis 16. Februar I. Js. wurde in hiesiger Stadt und deren Gemarkung

gefunden: 1 Gebetbuch,

verloren: 1 Trauring und 1 Arbeitsbeutel mit Inhalt.

Der Empfangsberechtigte des Gebetbuchs beliebe feinen Anspruch alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, 16. Februar 1901.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Zamlllen- hlätter werden dem An­zeiger im Wechsel mitHeff. Landwirt" undBlätier für Hess Volkskunde" vier» mal wöchentlich beigelegt.

Annahme von Anzeigen R der nachmittags für den gcnben Tag rricheinenden Nummer bi» norm 10 Uhr Abbestellungen ipätcften» abend» vorher.

Panzerzug eröffnete ein Feuer. Zwei Buren wurden ge­tötet.

Colesberg, 17. Febr. (Reuter-Meldung.) Die Buren überschritten am 9. Februar den Oranje­fluß bet Zanddrift und nehmen in der Richtung auf Phi- lippstown eine ausgedehnte Stellung ein. 200 Kolonialtruppen kamen Mittwoch mit 1500 Buren in Fühlung und behaupteten sich, bis sie durch australische Truppen unter Oberst Plumer verstärkt wurden. Der Feind wurde zuerst langsam zurückgedrängt und war gestern in vollem Rückzüge gegen Osten, von Plumer verfolgt.

London, 15. Febr. Unterhaus. Im Verlaufe der Adreßdebatte wiederholten verschiedene irische Nationalisten ihre Proteste gegen den südafrikanischen Krieg und die Art der Kriegführung. Sir Walter Forster und andere tadeln scharf die Verwaltung der Hospitäler in Süd­afrika. Lord Stanley, Finanzsekretär des Kriegsamtes, bemerkte, er glaube, wenn erst einmal der Friede gekommen sei, würden rasch wieder geordnete Verhältnisse in Süd­afrika eintreten.

Cradock, 15. Febr. (Reuter-Meldung.) Eine Abteil­ung von 50Burennahm gestern 10 Meilen von hier einen Transport von 70 Pferden, welche fiir die eng­lischen Truppen bestimmt waren, weg.

Porte Elisabeth, 15. Febr. (Reuter-Meldung.) Einem Privatbriefe zufolge sprengten die Burenvier- maldieBahnzügebeiEdenburgindie Luft. Beim letzten Male verloren sie durch Schüsse, welche aus einem englischen Panzerzuge abgegeben wurden, 12 Tote und Ver­wundete.

Warnung!

$« letzter Zeit wurde des Oeftere« in einer hiesigen Zeitu-.g ein a»tirheumatischer und autiartdrit,scher Vlatreiaiguugsthee, als dessen Erfinder eie Apoiheker Franz Wilhelm in Neunkirchen, N Oe., bezeichnet ist, angepriesen. Nach sachverständigem Gutachten besteht der Thee aus einer Mischung von Bitterstoffen verschiedener Art und Zucker.

Weder bett einzelne« Beftaudteileu deS TheeS, uoch bereu Mischung kauu irgendwelche heilkrästige Wirkung auf rheumatische oder gichtische Zustande begemcfseu werden. Der Thee gehört eben zu den zahlreichen Echwtudelßrodukte«, die keine arzneiliche Wirkung aufweisen, und nur dazu dienen, den Verkäufer zu bereichern, und einen Teil des Publikums abhalten, rationelle Hilfe beim Arzte aufzusuchen.

Gießen, den 15. Februar 1901.

Großherzogliches Polizeiamt Gieße».

Hechler.

Telegramme des Gießruer Anzeigers,

Standerton, 15. Febr. (Reuter-Meldung.) Die Buren sprengten zwischen Vaal und Greylingsstad einen Arbeitszug in die Luft. Ein nachfolgender

Bezugspreis viertkljahrl. Mk. 2.20, monatl. 75 Ps^. mit Bringerlohn; durch be Abholestellen Vierteljahrs. Mk. 1.90, monatl. 65 Ps,.

Be, Postbezug vierteljährt. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld.

Alle Anzetaen-Bermuilun-A. stellen drö In- und 4iuSlonS«O ntbincn Anzeiaen für do Öicftencr Anzciqcr entgrate. ZettenprciS total 12 Vfg, auüwärk» 20 Pfg.

Totschlag, resp. über die kriegsgerichtliche Pyrenäenstaat, Portugal, dem englischen Einfluß völlig Verhandlung und das Urteil eingehenden Bericht erstattet gegeben ist, dann kann man der Auffassung des Pariser haben. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Journals eine innere Berechtigung nicht aberkennen. Sonst Reichstages nannte der Minister das Vorkommnis -ine Hätte auch das Berliner Auswärtige Amt, dessen Zensus Schmach, die glücklicherweise vereinrelt baftebe das Nachrichtenmaterial des Wolffschen Büreaus unterliegt,

_ D,e Nord M s c v die Meldung schwerlich passieren lassen. Also, es ist wohl

rom Reicks amt he« Qnn? werft darauf hw, daß die möglich, daß England durch Geldsendungen und Lieferung A h r , c . . "ern herausgegebenen Nachrichten für von Waffen die aufständigen Elementebei Stimmung^ ->a?5 Industrie heute zum ersten Male Nachrichten erhält. Die Stimmung spielt ja bei den leichtblütige» veröffentlicht über die Kohlenförderung und Beweg Spaniern eine ausschlaggebende Rolle. Das erhellt ungen auf den Kohlenmärkten der wichtigsten deutschen laus der Nachricht, wonach die Sennors und Sennoritas Plätze im unmittelbar abgelaufenen Monat nebst eingehender die Frauen fehlen bei keiner Straßenkundgebung in (Spanien Berücksichtigung des Auslandes. Das Blatt bemerkt, es fciH.W beim Beginn des Karnevals keine Neigung zu bestimmt zu erwarten, daß diese monatlichen Veröffentlichungen, wetteren Demonstrationen bekunden, sodaß Ruhe in Madrid die Graf PosadowSky am 7. Dezember v.J. dem Reichstage I den anderen von Tumults betroffenen Städten einge- nigefagt, eine wesentlich verbesserte Grundlage der Beurteilung Nnn wirit^man HA SÄwird, her ftnrfimirfifinpn »loann wtrsl man |ict) wieder auf dte Poltttk mtt erneuter

h o chw^«gen^Ä^srage biet en werde. Kraft. Ein solchesOperetten-Völkchen" zu dirigieren, kann

® tu ol0ee kann den bet der den klugen und geschäftsmäßig die Gelegenheit ausnützenden

Generalstaatskasse noch täglich einlaufenden Anträgen auf Briten in der Thal nicht schwer fallen. Uebrigens steht Auswechselung von Jubiläumsmünzen nicht ent- nunmehr fest, daß das englische Königspaar anfangs nächster Wochen werden, weil der Vorrat zurzeit erschöpft ist. Eine! Woche in Schloß Friedrichshof eintrifft. Man darf auf de»

Aus Kapstadt wird vom 25. d. M. telegraphiert: Die Buren unterDeWetüberschritten vor drei Tagen in verschiedenen Abteilungen den Oranje- fluß bei Sanddrift. Hertzogs Kommando im Westen rückt auf Kenhardt vor, während die im Zentrum des Landes operierenden Kommandos unter Kruitzinger und Scheeper zurückgingen. Ersterer besetzte Mur­ray s b u r g. Man nimmt an, sie streben danach, eine Ver­einigung mit Dewets Truppen herbeizuführen.

De Wets Manöver ist also vollkommen ge - l u n g e n. Er hat die Engländer durch seine Operationen östlich von der Eisenbahnlinie getäuscht und erreicht, daß sie wohl die östlichen Furten des Oranje, nicht aber die westlichen besetzten. Da zur Beförderung von Truppen nach diesen letzteren Eisenbahnen nicht verfügbar, in der Mar- schierfähigkettdieBurendenBrite naberweit überlegen sind, so fand er sowohl Philippolis als auch dte Za n ddrif t unbesetzt und konnte ben lieber = gang ungehindert bewerkstelligen. Der Erfolg ist ihm also wieder durch die b r i t i s ch e N a ch l ä s s i g Fei leicht gemacht worden. Nach allen -Nachrichten muß man annehmen, daß De Wet zwischen den Stationen Jagers- fontein Road und Springfontein, also genau westlich von Smitsfield, wo der Durchbruch am ehesten zu erwarten war, nicht den gering st en Wider stand gefunden hat, viel­mehr in aller Gemütsruhe noch einigeZügeabfangen und verbrennen konnte. Erst in Philippstown trat ihm eine englische Abteilung entgegen, etwa 50 Kilo­meter südwestlicb von der Zanddrift, und man gewinnt aus Kitcheners Bericht nicht den Eindruck, daß es dieser Abteilung gelungen ist, ihn in seinem Marsche nach Westen aufzuhalten. Es wird sich nun bald zeigen, ob die Erwartung, daß De Wets und Steijns Erscheinen den Hellen ~ " in der Kapkolonie entfachen werde, sich erfüllen

Ucber die Vorgänge im südöstlichen Transvaal ist zu bemerken, daß French in seiner letzten Meldung (siehe unsere ^gestrigen Telegramme) nur von einer Buren- abteilung spricht, die nach Südosten auf Piet Retief zurück- gedrängt worden. Einer andern Abteilung ist es also offen­bar gelungen, nach Norden auszuweichen, vermutlich die 2000 Mann starke Abteilung, die sich südöstlich von Carolina Smith-Dorrien entgegenwarf. French befindet sich 40 Kilo­meter südöstlich von Ermelo, d. h. am Fuße der Trakens- bergausläufer, wo die Buren willkommene Schlupfwinkel finden.