Ausgabe 
16.8.1901 Zweites Blatt
 
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685 gefangen genommen worden seien, in der That noch günstiger aus. Nach bcm Vergleich beider Verlustlisten wird man indes sagen dürfen, daß die englischen Er­folge nicht eben billig erkauft sind, zumal wenn man bedenkt, daß unter den Gefangenen viele rlinder und Greise sich befinden.

Ter wackere Buren-Kommandant Prctorius, dem vor einigen Wochen die Augen ausgeschossen worden sind, ist gestorben.

Des englischen Obersten Scobell Kolonne, in Stärke von 300 Mann, stieß am 9. August in der Nähe des Fisch­flusses in der Kapkoldnie auf eine annähernd gleich starke Abteilung Buren. Tie Buren leisteten zwar Widerstand, wurden aber, wie eine englisch-offiziöse Meldung lautet, in vierstündigem Kampfe von Kopse zu Kopse getrieben. Auf englischer Seite fielen ein Offizier und ein Mann, sieben wurden verwundet.

Oberst Benson, der südlich der T-elagoa-Bahn operiert, überraschte nach englischen Meldungei, erfolgreich ein kleines Burenlager am 5. August. General Barton fährt in Gemeinschaft mit Kekewich und Allenby fort, die Maga- liesberge westlich vom Kommando Nek zusäubern". Keke­wich nahm am 11. August 40 Buren, darunter den ehe­maligen Vorsitzenden Wolmarans des ersten Volksrates von Transvaal, gefangen. Fetherstonhaughs Kolonnen be­gegneten nur schwachem Widerstande während ihres in Verbindung mit Methuen unternommenen Marsches durch den Kapkoloniebezirk Taungs und find jetzt auf dem Rück­märsche ostwärts. (Man erfährt so nebenbei, daß auch in diesem an Transvaal grenzenden Bezirke der Kapkolonie noch immer gekämpft wird.) Erwähnenswert ist auch die Meldung Kitcheners, daß Andries Wessels durch Rimcngtons Streitmacht bei Heilbron aus burischer Gefangenschaft be­freit und am 10. August in Kroonstad eingebracht worden ist. Wessels hatte bekanntlich in Gemeinschaft mit I. I. Morgendal, der den Ncutralitätscid geleistet hatte und deshalb von Kitchener als britischer Unterthan bezeichnet wurde, als Friedensgesandter am 28. Tezember v. I. Kroonstad verlassen, um einige Burenlager zu besuchen und dort Lord Kitcheners letzte Proklamation bekannt zu machen. In Wessels Farm Paardekraal, nicht weit von Kroonstad, hatten sie eine Unterredung mit einigen Buren­kommandanten, nach deren Schluß ihnen geraten wurde, nach Kroonstad zurückzukehren. Auf dem Rückwege dorthin wurden sie jedoch aufgegriffen, in De Wets Lager ge­bracht und als Gefangene festgehalten. Am 9. Januar morgens befand sich De Wets Lager in der Nähr von Lindley in Gefahr, von den Engländern aufgespürt zu wer­den. Te Wet gab deshalb Befehl zu schleunigem Aufbruch. Auch Morgendaal und Wessels sollten sich fertig machen; da sie dabei aber nicht die gewünschte Eile zeigten, wurde Morgendaal von dem Kommandanten Froneman, der in der Nähe stand, durch Peitschenhiebe angspornt und schließ­lich auf. einige jähzornige Worte Tr Wets, der ebenfalls hinzukam und in dem Zandern der beiden einen Flucht­versuch wittern mochte, niedergefchosfen. Wessels blieb ver­schont; nach einiger Zeit hieß es selbst Kitchener brachte eine entsprechende Meldung, ein Eingeborener habe be­zeugt, daß auch er erschossen worden sei. Es zeigt sich hier wieder einmal, wie vorsichtig man gegenüber den Aus­sagen von Eingeborenen sein muß. TerStandard" ver­öffentlicht einen Feldbrief, in dem es heißt, der Buren­kommandant Beyers sei kürzlich in einem Gefecht ver­wundet worden; man glaube nicht, daß er genesen werde. Ferner berichtet der Brief, daß der Transportdampfer Montrosa mit 900 gefangenen Buren nach Bermuda ab­gegangen sei. Tas Gefecht, in dem Beyers verwundet sein soll, muß mindestens einen Monat zurückliegen. In der That hat man recht lange von ihm nichts gehört.

3000 Burenflüchtlinge, die im Norden des Oranje- staates streifende britische Kolonnen zusammengebracht Hatten, sind in Brandfort" angekommen. Ihr Gesundheits­zustand ist jammervoll. Fälle von Diphtherie und anderen bösartigen Krankheiten treten zahlreich auf.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Aug. Der Kaiser sprach heute bei dem Reichskanzler Grasen von Bülow vor und verweilte dort längere Zeit. Der Kaiser ernannte aus Vorschlag des Reichskanzlers den Regierungspräsidenten Conrad in Brom berg zum Wirkl. Geh. OberregieruugSrat und vortragenden Rat der Reichskanzlei.

Der Kaiser von Rußland hat dem Grafen Waldersee den AudreaS-Orden mit Brillanten und Schwertern verliehen. Der Andreas Orden ist die höchste russische Ordensauszeichnung; mit Schwertern ist er bisher überhaupt nur zweimal vergeben worden. (Graf Waldersee besaß jetzt schon den St. Alexander-NewSky Orden sowie den St. Annen-Ordeu erster Klasse mit Brillanten, die ja aber wohl beim Brande in Peking verloren gegangen find. Immer­hin beleuchtet diese Auszeichnung durch den Zaren die 8e Ziehungen zwischen Rußland und Deutschland in günstigem Lichte. D. Red.)

Miteilungen des Kriegsministeriums über dtie Fahrt der Truppentransportschiffe: DampferNeckar", Transportführer Major v. Freyhold mit Stab der 3. Infan­terie-Regimenter Nr. 5 und 6, 1. Batterie schwerer Feld­haubitzen, Korps-Telegraphen-Abteilung, Train-Komman­deur, Proviantbolonne Nr. 1, 2 und 3, Feldlazarett 6, Kriegslazarett - Personal, Feldintendantur, Etappen­kommando, im ganzen 55 Offiziere, 2002 Unteroffiziere und Mannschaften am 11. August von Taku ab; voraussichtlich 3. September in Aden. DampferAlesia", Transport­führer fcauptmann Graf Zech mit 2. und Teil 3. Eskadron und Pferdetransport, im ganzen 7 Offiziere, 161 Unter­offiziere und Mannschaften, 401 Tiere am 11. August von Taku ab, voraussichtlich 3. September in Aden. Dampfer Silvia", Transportführer Major Nicolai, mit 2. Batterie schwerer Feldhaubitzen, 3. Pionier-Kompagnie, Eisenbahn- Bataillon, Pferdedepot, Bekleidungsdepot, Etappen-Mu­nitionskolonne, Train-Nussichtspersonal, Magazin-Aufsichts- Personal, im ganzen 22 Offiziere, 995 Unteroffiziere und Mannichaften am 12. August ab Taku, voraussichtlich 4. Sep­tember in Aden. DampferBatavia" 13. August in Singa- po-re eingetroffen. DampferBayern" 13. August Aden an und 14. August ab.

bem nächstjährigen Gefechtsschießen auf dem ^^^onubungsplatze Munster (Provinz Hannover) werden - £-1 <frf) eiben an stelle der bisherigen Drehscheiben und feststehenden Scheiben, die einen in der Praxis zu kompli- -zierten Mechanismus besitzen, treten. Auch bei dem Olden- burgischen Infanterie-Regiment Nr. 91 werden dieselben Leim Einzelgefechts- und Gruppenschießen im Veehnerrnocxr zur Verwendung gelangen. Ter Kaiser bringt dieser ver­vollkommneten Ausgestaltung der gefechtsmäßigen Schieß­

übungen im Frieden ganz besonderes Interesse entgegen, sodaß diese neue Errungenschaft, welck)e derartige Hebungen immer kriegsgemäß^r und der Wirklichkeit entsprechender zu gestalten vermag, voraussichtlich in Zukunft mit kleinen Aenderungen, die sich zum Teil bereits jetzt als notwendig erwiesen haben, für die ganze Armee zur Anwendung ge­langen wird. Bei einzelnen ausländischen Armeen, z. B- der belgischen und französischen, hat sich diese Neuerung bereits vorzüglich bewährt, und das Bild des gefechts­mäßigen Schießens gestaltete sich nach dem Urteil maß­gebender Persönlichkeiten bedeutend wirklichkeitsgetreuer.

Die oberste Militärbehörde hat ihre Genehmigung za einer Ehrung gefallener Chinakrieger erteilt. Fast alle Truppenteile, von denen Angehörige in das ost- asiatische Expeditionskorps übergetreten und in China gefallen oder an den Folgen von Verwundungen, Krankheiten u.s.w. gestorben find, planen die Errichtung von Gedenksteinen und Obelisken, an denen die Namen der Verstorbenen angebracht werden. Zumeist sollen diese Gedenksteine ihren Platz in den Truppen-Schießständen erhalten.

Crouberg, 14. Aug. Das Testament der Kaiserin Friedrich wird am 5. September geöffnet werde».

Bremen, 14. Aug. Auf der Werft des BremerVulkan" in Vegesack fand heute nachmittag 4 Uhr der Stapellauf des Dampfers des Nordd. LloydsBreslau" statt.

Karlsruhe, 14. Aug. Von Ende August ab beabsich­tigt die Großh. Regierung über einige wichtige Abschnitte des Zolltarifs noch Sachverständige in mündlicher Be­sprechung zu hören. Die Handelskammern sind a u f- ge fordert worden, diejenigen im Kammerbezirk ver­tretenen Industriezweige namhaft zu machen, auf deren Teilnahme an diesen Verhandlungen besonderer Wert gelegt wird. Auch sind die Punkte bestimmt zu bezeichnen, die nach der Ansicht der Interessenten einer mündlichen Er­örterung bedürfen. Es ist nicht zweifelhaft, daß diese mündlichen Besprechungen den von der Kammer vorzu­schlagenden Vertretern der in Frage kommenden Branchen die beste Gelegenheit zur Vorbringung ihrer Wünsche und Bedenken bieten werden. (Man sieht daraus, daß die süd­deutschen Regierungen sich die Praxis des preußischen Han­delsministers nicht ungeeignet haben. Herr Möller will den amtlichen Handelsvertretungen" bekanntlich die Punkte be­zeichnen, worüber sich nochmals zu äußern er ihnen ge­statten will. Die süddeutschen Regierungen beschränken die Redefreiheit der .Handelskammern verständigerweise nicht, sondern überlassen es ihnen, diese Punkte auszuwählen.)

Ausland.

London, 14. Aug.Truth" meldet, König Eduard werde von Potsdam zu einem dreiwöchigen Kurgebrauch nach Homburg gehen und dann der Herzogin Marie von Sachsen Koburg-Gotha auf Schloß Rosenau und dem Groß Herzog von Hessen in Wolfsgarten einen kurzen Besuch abstatten. Hiernach werde der König sich nach Däne­mark begeben und eine Woche bei König Christian auf Schloß Fredensborg zubringen.

Nach derDaily Mail" verlautet in Hofkreisen, der deutsche Kronprinz werde mit Oberst von Pritzelwitz und dem Grasen Wolff - Metternich morgen abend von Vlisfingeu nach Port Viktoria übersetzen und Freitag früh in England eintreffen. Es werden provisorisch Zimmer in einem Londoner Hotel für ihn bestellt. Der Besuch 'sei streng inkognito, und sein Zweck sei unbekannt. Dor einiger Zeit hieß es, der Kronprinz werde nach Schottland gehen. ES ist nicht bekannt, ob dieser Plan in dem jetzigen Besuch eingeschloffen ist.

DerGlobe" meldet aus Shanghai: Die Russen haben in Niutschwavg eine Proklamation in chinesischer Sprache erlassen, worin angekündigt wird, daß die Russen die Suzeränetät über den Distrikt übernommen haben, verschiedene russische Gesetze einführen, chinesische Gesetze auf« -eben und es den Chinesen unter Androhung schwerer Strafen verbieten, bei Streitigkeiten den Schiedsspruch englischer oder amerikanischer Kaufleute oder Missionäre einzuholen. Alle Streitigkeiten müssen künftig durch die Ruffen geschlichtet werden.

DasReuter'sche Bureau" erfährt folgendes: Zwischen »er Regierung von Gambia (Afrika) und dem einflußreichen Häuptling Monsa Mollah, der auf französischem Gebiete wohnt, ist ein wichtiges Abkommen abgeschloffen worden, dem- zufolge das gesamte Gebiet an beiden Ufern des Gambiaflusses bis zur englisch französischen Grenze num mehr britisch wird. Die französischen Behörden hatten die Genehmigung zur Verhandlung des Häuptlings mit dem britischen Vertreter erteilt. Der Wert des Vertrages liegt »arin, daß die Engländer fortan nicht nur eine nominelle, andern die thatsächliche Kontrolle über das gesamte Fluß­gebiet des Häuptlings haben und die Errichtung eines fran zösischen Postens am Gambiafluß ausgeschlossen ist.

Matta, 14. Ang. Gestern abend wurde die anläßlich des RegierungSjubilänmS der Königin Viktoria errichtete Mar­morstatue der Königin mit einer ätzenden Flüssig kett begossen. Die Urheber der That find unbekannt.

Neapel, 14. Aug. Die Ueberführung der Leiche Crispis nach dem Arsenal gestattete sich sehr feierlich. Um 5 Uhr nachmittags verließ der Trauerzug die VillaLina". Den Zug eröffneten mehrere Truppenabteilungen. Dem Sarge olgten zunächst die Verwandten, dann der Flügeladjutant als Vertreter des Königs, der deutsche Konsul als Vertreter des deutschen Kaisers, Abordnungen des Senats und der Deputiertenkammer, die Minister Baccelli, Morin, Ponza di San Martino, viele Generale und Admirale, hohe Be amte, Freunde Crispis, eine große Zahl Abordnungen von Vereinen, Veteranen und Garibaldianer. Der Sarg wurde, nach dem Eintreffen im Arsenal sofort auf den Kreuzer Varese" gebracht. Während der Ueberfahrt entblößten die Matrosen der im Hafen vor Anker gegangenen Schiffe ihr Haupt. An Bord des Kreuzers, der während der Feierlich­keiten Trauersalut gab, wurde der Sarg dem Kommandanten des Schiffes übergeben. Auf dem Sarge lag neben anderen Kränzen der Kranz des deutschen Kaisers. Der Kreuzer wird unter Eskorte des KriegsschiffesMatcopolo" Mitternacht nach hier abgehen.

Budapest, 14. Aug. Charakteristisch für die Stellung­nahme der ungarischen Agrarier zum deutschen Zoll­tarif ist eine Zuschrift des Somogyer Landwirtschaftlichen Vereins an den Landesagrikulturverein, welcher das Zentrum der agrarischen Bestrebungen in Ungarn ist. In der Schrift

heißt eS, der Zolltarif werde uns wohl großen Schaden zu- fügen, und es sei wenig Ausficht vorhanden, größere Be­günstigungen zu bekommen; doch deshalb sei ein Zollkrieg gegen Deutschland unnötig, sondernwir müssen nur ebenso hohe Agrarzölle aufstellen, und wenn Oesterreich nicht ein« willigen sollte, ein selbständiges Zollgebiet bilden."

Sofia, 14. Aug. Die bulgarische Anleihe ist ge- scheitert. Das Ministerium hat das Angebot der Finanz­gruppe, die 100 Millionen oproz. Schuldverschreibungen zum Kurse von 82 übernehmen wollte, abgelehnt. (82 ist freilich eine spottschlechte Ziffer.)

Konstantinopel, 14. Aug. Biele Beamte verschiedener Ministerien halten sich telegraphisch an den Sultan ge­wendet, weil sie schon mehrere Monate ohne Gehalr und mit Frauen und Kindern dem Hunger ausgesetzt seien. Es wurde befohlen, gegen die Bittsteller eine Untersuchung einzuleiten. (Es ist auch gar zu unverschämt von ihnen, den Sultan mit ihren privaten Angelegenheiten zu belästigen.)

Aos Stadt und Land.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden arrgerrreffer» honoriert.

* * Wifieuschastlicher FortbilduugSknrsuS für Bolksschullehrer- Wie man uns mitteilt, wird Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel die beiden angekündigten Vorträge am 28. September nicht von 2 bis 6 Uhr, sondern von 4 bis 6 Uhr nachmittags halten.

* Rückkehr ans China. DaS 1. Bataillon des 4. Ost. asiatischen Infanterie-Regiments, dem eine große Anzahl Hessen angehören, wird in 8 bis 10 Tagen Bremer­haven erreichen. Unmittelbar darnach wird auf dem Truppen- Übungsplatz Münster oder Döberitz die Entlassung der Mann- schäften stattfinden.

* Wünsche zu« Zolltarif sind nach einer Verfügung des Ministeriums von den Handelskammern bis Ende dieses Monats dem Ministerium zu unterbreiten.

DerHistorische Verein für das Großherzogtnm Hessen" veranstaltet seinen zweiten Ausflug am Sonntag, 18. August, nach der CaperSburg und Friedberg Die Abfahrt erfolgt von Darmstadt 7 Uhr 19 Min. Die Wageufahrt zur CaperSburg und Besichtigung der Ausgrabungen an Kastell und Bad erfolgt unter Führung des Ministerial­rats i. P. Soldan. In Friedberg findet Befichtignng der wiederhergestellten Stadtkirche und der AttertumSsammlung statt. Anmeldungen zur Teilnahme find an das Großh. Haus« und Staatsarchiv zu richten.

Abschlägiger Bescheid. Die Bitte der Handels, kammer Limburg an die Eisenbahndirektion in Frankfurt nm Erleichterung der Benutzung de» Speisewagens iv Berlin-Metzer Zug für Reisende 3. Klasse ist ohne Angabe von Gründen abgelehnt worden.

* Sonderbare Tapeten. In unserer Nr. 189 erzählten wir unterVermischtes" von verschiedenen sonderbaren Tapeten in aller Herren Länder. Heute erfahren wir nun, daß wir nicht allzuweit in die Ferne zu schweifen nötig haben, um recht originelle Tapeten zu schauen. Im Hotelzur Post" in Gladenbach befindet sich ein Zimmer, baß ganz mit deutschen Briefmarken tapeziert ist, und zwar nach Farben zusammengesetzt und Figuren bildend.

§ Großen Linden, 14. Aug. Die hiesige Spar, und Darlehenskasse, G. m. u. H., hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahre ein günstiges Resultat erzielt. Der Gesamt­umsatz pro 1900 betrug 215 112 Mk. 73 Pfg.; die Aktiva sind auf 138101 Mk. 61 Pfg. geschätzt. Die Mitglieder- Ziffer hat sich auf 152 erhöht. Die Rechnung schloß mit 649 Mk. 13 Pfg. Reingewinn ab.

e- Friedberg, 15. Aug. Gegenwärtig bildet das von der Bahnverwaltung vorgelegte Projekt der Straßen- Unterführung am Fauerbacherthor hier den Gegenstand der Beratungen in Bürgerversammlungen und Gemeinderats­sitzungen. So fand am vorigen Sonntag im HotelDrei Schwerter" eine Versammlung statt. Da der Fuhrwerks­verkehr auf dieser Kreisstraße überaus stark ist und durch die Nngemeindung Fauerbachs am 1. Oktober sich noch ver- großem dürfte, genügt nach Ansicht der Interessenten die Breite nicht. In der Bürgerversammlung ist nun vorge­schlagen worden, an der Stelle des jetzigen UebergangS eine zweite Unterführung für den Personenverkehr herzustellen^ um diesen von der Straßenunterführung abzulenken.

§ Groß Eichen, 14. Aug. Kürzlich sah man in der von HöckerSdors kommenden und durch unsere Gemarkung fließen, den Ilsbach, die sehr fischreich ist, eine große Menge toter Fische, Forellen und Weißfische. Die toten Fische fanden fich in dem Bachlaufe oberhalb der Molkerei, während unter* halb derselben nichts bemerkt wurde. Da der Bach nur reines Quellwasser führt, so kann man fich dieses Absterben der Fische in diesem Teil des Waffers nicht erklären.

Offenbach, 14. Ang. Der hiesigen Handelskammer find ebhafte Klagen darüber zugegangen, daß der rechtzeitige Erhalt von Eisenbahnwagen für WagenladungS Send­ungen mit den größten Schwierigkeiten verknüpft sei. Eine Firma, die ganz besonders darunter zu leiden hat, teilt mit, daß sie oftmals an einem Tag, für welchen 8 bis 12* Wagen rechtzeitig bestellt gewesen seien, nicht einen einzigen Wagen erhalten habe. Ganz abgesehen davon, daß die be- stellten Waren mit Verspätung beim Besteller eintreffen, er- wachsen aus dem nicht rechtzeitigen Vorhandensein der Wagen unter Umständen auch noch andere, recht unangenehme Folgen, indem der Versandt in» Stocken gerät und die Verfügung über Fuhrwerk und Arbeitskräfte für den betreffenden Tag durchkreuzt wird. Eine andere Firma führt ähnliche Klagen. Ihr scheint nicht immer thatsächlicher Wagenmangel zu gründe zu liegen, sondern Wagenmangel wegen nicht richtiger Dis­position, denn oft habe es nur der persönlichen Intervention eines ihrer Beamten bedurft, um in ganz kurzer Zeit einen Waggon überwiesen zu erhalten.

Schlitz, 14. Aug. Vor Kurzem wurden, wie man der Frkf. Ztg." schreibt, in der kleinen Filialkirche von Frau- Rombach romanische Wandmalereien unter einer dicken Schicht von Tünche entdeckt; es find unseres WiffenS die einzigen Ueberrefie von Malereien aus der romanischen oder UebergangSzeit, die wir im Großherzogtum Heffen be­sitzen. Von bet romanischen Kirche hat sich das Langhaus erhalten, während der Chor in gothischer Zeit angebaut