Ausgabe 
16.5.1901 Erstes Blatt
 
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h Gefahr befinde, desto leichtsinniger sei er in der Nicht- be.Achtung der Schutzmittel; ja es sei vorgekommen, daß l Gallverhütungsvorrichtungen von den Arbeitern weg- genommen wurden, weil diese sie in der Arbeit hinderten. Auch er glaubt, daß man in den Arbeiterkreisen ganz her­vorragend intelligente Leute finden werde, um sie in der Fabrikinspektion verwenden zu können.

Ter Antrag wird vorerst für erledigt erklärt. Zur Be­ratung gelangt nunmehr der Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes vom 25. November 1871 die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungs-An­ja lt en betreffend.

Tie Abgg. Schubart, Brauer, Schönberger und E r f Heven hervor, daß die Brandversichernngsprämien f:'-r Mühlen und Papierfabriken usw. von den Gesellschaften Uin das Toppelte erhöht wurden und wünschen die Ueber- nahme derselben in staatliche Versicherung. Ter Gesetz- entwurf findet hierauf nach den Ausschußanträgen An­nahme.

Tie Vorstellungen des Gendarmen i. P. Rücket, des Gendarmeriewachtmeisters i. P. Bickel zu Nidda und des Gendarmen Kunze zu Tarmstadt um Pensionserhöhung tverden nach den Ausschußanträgen angenommen. Ter Vor­stellung der angestellten Kreisamtsgehilfen, ihre AnstellungS- und Gehaltsverhältnisse betr., soll nach deni Ausschuß keine Folge gegeben werden.

Tie Abgg. Schön feld und Noack treten in warmer Weise für Bewilligung des Ersuchens ein.

Abg. Molthan plaidiert für eine Erhöhung der Stempelprovision.

Abg. Weidner spricht sich mit Entschiedenheit gegen jede Durchlöcherung des kaum sanktionierten Besoldungs­gesetzes aus.

Abg. Wolff hebt hervor, daß gerade den Kreisamts­gehilfen ganz besondere Nebeneinnahmen zur Seite stehen.

Abg. Jöckel meint, man solle dock) endlich einmal einsehen, daß vorerst nichts mehr bewilligt werde.

Tas Gesuch wird hierauf mit großer Majorität ab­gelehnt. Tie Regierungsvorlage, die Besoldungsordnung (R e a l s ch u l d i r e k t o r e n) und Besetzung einer vroviso- rischen Lehrerstelle am Realgymnasium zu Darmstadt, wird nach dem Antrag des Ausschusses genehmigt.

Zu der Vorstellung der seit dem 1. April 1899 pen­sionierten Volks schult eh rer um Ethöhung ihrer Pensionen beantragt Abg. Backes Absetzung von der Tages- Ordnung.

Abg. Weidner widerspricht aus dem Grunde der Dringlichkeit. Hier liege ein anderer Fall vor wie bei den pensionierten Beamten.

Geh. Ober-Regierungsrat Best stellt fest, daß für die Erhöhung der Pensionen 112 000 Mark nötig seien und daß man hier nicht stückweise verfahren könne. Die Regierung könne aus diesen Gründen dem Gesuche keine Folge geben und er ersucht, es abzulehnen.

Die Ausschußminderheit wünscht Vorlage eines Gesetz­entwurfs, der die Pensionen der Volksschullehrer regelt. Ter Antrag Backes auf Zurückstellung der Vorstellung wird hierauf einstimmig angenommen.

Tie Vorstellung der Kreiskonferenz der Bürger- m eiste r des Kreises Gießen über die Unterrichts­zeit in der Fortbildungsschule wird nach dem Aus­schußantrag für erledigt erklärt, nachdem Abg. Weid- n e r in warmer Weise für eine Regelung der Frage im Sinne der Gewerbetreibenden eingetreten ist.

Dem Gesuch des Sekretärs K o ch der techn. Hochschüle um Regulierung seiner Pension wird keine Folge gegeben. Dem Antrag Ulrich u. Gen., die Besoldung der Kreistier- ärzte betr., beantragt der Ausschuß Folge zu geben und die Kammer beschließt demgemäß.

Danach wird die Sitzung um 1 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.

Politische Tagesschau.

Zu dem Gedanken einer Reichs-Eiseubahugemeinschaft lafseu sich die M®. P. N." wie folgt auS:

»An Stelle des Reichsetsenbahugedsrikens h«t sich in der Preußisch Hessischen Betriebs- und Finanz-Gemeinschafi

ein geeigneter W-g gefunden, den Gedanken der Reichsverfassung, daß die deulschm Eisenbahnen als ein einheitliches Bahnnetz betrieben und verwaltet wndrn sollen, zu verwirklichen. Die vertraglichen Bestimm ungen, auf denen jene Eisenbahnbetriebs- und Finanz Gemeinschaft beruht, sichern dem Bundesstaate, der seine Bahnen in seinem eigenen Jnteressi- mit dem preußischen Bahnsystem orretnigen will, die volle, wirtschaftlichen und finanziellen Vortelle der Zugehörigkeit zu diesem großen Verkehrsunternehmen, zugleich aber auch dem letzteren die zu seiner finanziellen und wiitschaftlichen Leistungsfähigkeit notwendige Einheitlichkeit und Selbständigkeit. Die wesentlichen Grundlagen des Vreußisch-Hesfischev Vertrages würden daher, wenn auch von andere- Bundesstaaten ein Anschluß an die Preußisch Hcssische Betriebs- unv Finanz-Gemeinschaft gewünscht würde, der betreffenden vertraglicher Verständigung zu Grunde gelegt werden müssen. Preußen selbst hat nicht das mindeste Interesse daran, daß seine Etsenbahnverwaltunp, die ohnehin bereits einen riesenhaften Umfang besitzt, sich noch weitcr vergrößert, sein Staatsbahnnetz ist reichlich eroß genug, um die höchste wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Nur der Wunsch beS einen ober des anderen Bundesstaates, an deu wirr schastlichen und finanziellen Vorteilen ein-.s so großen Verkehrs unternehmens teilzunehmen, könnte für Preußen auS bundesfreund lichm Rücksichten den Anlaß geben, die Hand zu einer Erweiterung seiner Eisenbahnoelwaltung zu bieteu. Das könnte aber selbstverständ­lich immer nur unter Bedingungen geschehen, bei denen die wesent- tichen Voraussetzungen für die gedeihliche Verwaltung und Ent Wickelung der Bahnen für dm Preußischen Staat voll gewahr« bleiben .*

Man wird diese offiziösen Auslassungen mit großem Frag? zeichen zu versehen bab-.n.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15 Mai 1901,

L. U. Von der Universität. Am letzten Samstag wurde die Zahl 900 immatrikulierter Studenten über­schritten. Die höchste Ziffer war bisher die des Sommers 1900: 855. Die des letzten Semesters war 847.

** Verkehrsnotiz. Vielen Ausflüglern dürfte noch nicht bekannt sein, daß seit dem 1. Mai auf der Strecke Wetzlar-Gießen ein neuer Zug verkehrt. Er geht in Wetzlar um 9.04 Uhr abends ab, hält in Dutenhofen um 9.17 Uhr und trifft um 9.27 Uhr in Gießen ein.

r. Reiskirchen, 14. Mai. Der seitherige Beigeordnete Ludwig Enders hier wurde mit 87 Stimmen wieder zum Beigeordneten gewählt.

% Darmstadt, 14. Mai. Die 11. ordentliche General Versammlung derZentralgenossenschaft derhess. an btt). Konsumvereine findet am 18. I. M. hier statt. Wir entnehmen dem Geschäftsbericht Über das Geschäftsjahr 1900, daß am Ende desselben 92 landw. Konsumvereine, 10 DarlehnSkassen, 1 Molkereigenossenschaft und 5 Einzelpersonen der Zentralgenoffenschaft als Mitglieder angehören. Sie besitzen ein Geschäftsgulhabrn von Mk. 15 339,05 und es entspricht den 163 Geschäftsanteilen eine Haftsumme von Mk. 81500. Der Reservefonds betrug Ende 1900 Mk. 19 000, die Betriebsrücklage Mk. 38 000. Die Gesamt summe des Warenbezugs, bestehend in der Hauptsache aus Hülfsdünger, Kraftfuttermittel, Sämereien, Kohlen und an deren Waren, betrug Mk. 1 080 873,84. Das Gewinn und Verlust-Konto zeigt einen Gewinn von Mk. 43 163,53. Der Aufsichtsrat beantragt bei der Generalversammlung nebe einer ausreichenden Dotierung des Reservefonds und de- Betriebsrücklage, sowie einer Verzinsung der Geschäft-gut haben mit 5 Prozent eine Warendividende von 3y2 Prozent.

Darmstadt, 14. Mai. Der Großherzvg empfing am 12. Mai den Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosen­berg, der alsdann zur Frühstückstafel der Herrschaften zu­gezogen wurde. Die Großherzogin empfing am 13. Mai den Generalmajor z. D. Enckevort und Frau Gemahlin.

Marburg, 13. Mai. Die vierte Jahresversammlung der H i st o r i s ch e n Kommission für Hessen und Waldeck fand am 11. Mai im Senatssaale der Universität statt. Von auswärtigen Patronen und Mitgliedern waren u. a. erschienen Staatsarchivar Dr. Tieterrch, Tarmstadt, Pro­fessor Tr. Höhlbaum, Gießen. Die Versammlung wählte Exzellenz von Weyrauch, Unterstaatssekretär a. D., in Mar­burg, Archivar Dr. Kretzschmar in Hannover, Privatdozent Tr. Heldmann in Halle, Privatüozent Dr. Glagau in Mar­

burg und Oberbürgermeister Müller in Dassel zu Mitglie­dern der Kommission uno den zuletzt Genannten überdies zum Vorstandsmitglied. An neuen Patronen hat die Kommission gewonnen: Tr. Lucius-Schönstadt, Heinrick) Heraeus, Rudolf Küstner, Fräulein M. Lindenbaucr und die Firma I. T. Weinig u. Co., alle vier in Hanau, die Freiherrlich Riedeselsche Gesamtfamilie, Lauterback), den Ver­ein der Althessischen Rittersck)aft in Kassel und das Ritter- schaftlick^e Stift Kaufungen. Außerdem haben ihr Tr. A. Trapp in Friedberg 1000 Mk. und einUngenannter" aus Friedberg 50 Mk. für das Friedberger Urkunden-Buch, Frau M. Knetsch geb. Grebe in Kassel 50 Mk., Prof. Dr. B. Schulze in Greifswald 100 Mk., die Kreise Fritzlar und Homberg je 20 Mk. und der Kreis Hünfeld 25 Mk. zugewandt. Als neue Unternehmung wurde im Hinblick auf die zum Jahre 1904 bevorstehende vierte Zentenarfeier der Geburt Philipps des Großmütigen die Herausgabe der urkundlichen Quellen zur Geschichte dieses Landgrafen beschlossen. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde dem Beschluß des Magistrats zugestimmt, den bisherigen Beigeordneten Sie­bert zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen.

Uermischtes.

* 6 50 Schoppengläser alsAndenken". Aus Bonn wird die seltsame Thatsache gemeldet, daß bei dem Kaiserkommers, der dort kürzlich von der ge­samten Studentenschaft aus Anlaß der Immatrikulation des Kronprinzen und des Besuches des Kaisers stattfand, nicht weniger als 650 Bierkrüge abhanden gekommen sind, die sich die Teilnehmer offenbar alsAndenken" mitgenommen haben. Tas Korps Borussia, das die Veranstaltung des Kommerses in die Hand genommen hatte, ersucht nun öffentlich um Rückgabe der Bicrkrüge oder aber um Zahl­ung von 1.25 Mk. an den Wirt der Beethoven-Halle, als Kaufpreis für das mitgenommeneAndenken".

Auszug aus de» Kirchenbüchern der Süldt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

JohenneSgemernde. _ , e

Dm 4. Mai. Dr. Otto Emil Dieffenbach, Chemiker zu Gries­heim a M., und Bertha Auguste Charlotte Textor, Tochter dev ver­dorbenen Pfarrer« Friedrich Texwr zu Ober-Beerbach.

Dm 5. Mai. Christian Daniel Ludwig Weeg, Schuhmacher zu Gießm, und Johanna Luise Emilie Susanne Noll, Tochter deS Loko­motivführers Wilhelm Noll zu Gießen.

Militärgemeinde.

Den 4. Mai. Georg Gustav Oskar Robert Giese, Oberleutnant und Regimentsadjutant zu Gießen, und Ella SarioriuS, Tochter bei Apothekers Albert Sartorius zu Gießen.

Getaufte.

MatthäuSgemeinde.

Den 5. Mai. Dem Taglöhner Christoph Henß ein Sohn, Fried­rich Johann, geboren dm 12. April.

M-rkutzgemeinde.

Drn 5. Mai. Dem Spengler Paul Noack eine Tochter, Friederike Cha lotte, geboren den 6. März. , r

Den 5. Mai. Dem Werkführer Johann Jakob Simon ein Sohn, Konrad, geboren den 5. April.

Lnkatzgemeinde.

Dm 5. Mai. Dem Steinmetzen Peter Will ein Sohn, Heinrich August Christian, geboren den 3. Februar

Denselben. Ein unehelicher Sohn, Wilhelm, geborm dm 10. Dezember 1900. ,

Den 9. Mai. Dem Bergbeamten Heinrich Horst eine Tochter. Gertrude Anna Gisela, geboren den 10. März.

JohanneSgemetnde.

Den 5. Mai. Dem Weißbinder Heinrich Stühler ILgctae Tochter, Katharine, geboren dm 10. April.

Beerdigte.

MatthäuSgeMeinde.

Den 10. Mai. Karl Gerbode, Oüerpostsekretär i. P.. verheiratet, 73 Jahre alt, starb den 8. Mai.

LukaSgemeinde.

Dm 7. Mai. Katharine Rühl, Tochter des vrrstorbmen Sp-ngler» meisterS Johannes Rühl, 32 Jahre alt, starb den 4. Mai.

Denselben. Amöne Christiane Gail, geb. Banß, Ehefrau deS HutmacherS Friedrich Emil Gail, 73 Jahre alt, starb dm 5. Mai.

prachen, ist es bei Vergleichung beider von neuern klar geworden, um wie vieles höher die Kunst Wüllners steht; aurf) das Verhalten des zuhörenden Publikums in beiden Füllen hat Zeugnis davon abgelegt.

Hat nun wirklich durch diese Entwickelung Wüllners, wie Herr Tr. Spohr meint, die große Wahrhaftigkeit eines Gesanges Not gelitten? Wenn ein solcher Eindruck entstehen tonnte, so handelt es sich dabei, wie ich meine, um eine leicht erklärliche, und weit verbreitete Verwechslung von Naturwahrheit und künstlerischer Wahrheit. Das Kunst­werk verwandelt alle Natur in Kunst; wo die rohe Natur zum Durchbruch gelangt, ist ein künstlerischer Mangel vor­handen. Dasselbe gilt von dein reproduzierenden Künstler: auch seine Darstellung soll Kunst sein, befreit von jedem Erdenrest eine zweite höhere Natur. Ich kann darauf hier nur kurz Hinweisen; jeder, der sich auch nur ober­flächlich mit ästhetischen Fragen beschäftigt, und vor allem seinen Schiller gelesen hat, wird mich verstehen. Es kam nun bei Wüllner früher öfter als jetzt vor, daß ursprüngliche Natur die Formen der Kunst durchbrach. Tas wirkte rührend, ergreifend, ja oft erschütternd; die Tiefe der Empfindung, die die festen Bande der Kunst zerriß, griff ans Herz. Es war dies ein menschlicher, ein natürlicher Eindruck, aber kein n st l e r i s ch er. Leute, die auch in solchen Augenblicken fähig waren, künstlerisch zu em­pfinden, wurden dadurch verletzt; manchem Musiker ist es so gegangen. An solchen, ich möchte sagen, pathologi­schen Wirkungen war der letzte Liederabend Wüllners ärmer, aber gerade darin erblicke ich den größten Fortschritt. Es sind keine neuen Bahnen, die er heute wandelt, aber auf seiner alten Bahn ist er um ein tüchtiges Stück vor­wärts gekommen. Möge er so weiter schreiten, und ihm auf dem steilen Wege zu den höchsten Höhen der Kunst die Kraft nie versagen!

cm gegenüber wirkte das erste Auftreten Wüllners wie wunderung erfüllt; ich habe von jenem Abend den tiefsten c.ne Offenbarung; man hörte einen Künstler, der das Eindruck davon getragen. Taß jedereinigermaßen über wirklich wollte, was das. Ziel jedes Liedersängers sein dem Mittelmäßigen stehende Sänger" so etwas auch könne, müßte, den Gehalt der Künstschöpfungen, die er wiedergab ist ein Urteil, das ich einfach nicht verstehe. Wir hatten vollständig zum Ausdruck zu bringen. Es war natürlich, im vorigen Winter hier in Gießen Gelegenheit einen recht daß einem Publikum, das gewohnt war, die Musik als eine hoch über dem Mittelmaß stehenden berühmten Sänger zwei die Schönheit der Poesie verbergende Hülle behandelt zu Lieder vortragen zn hören, die auch Wüllner kürzlich sang, sehn, vor allem die, ihm neue, starke Betonung gerade Nicht bloß mir, sondern auch anderen, die mir dies aus- des dichterischen Gehalts ins Ohr fallen mußte. Es war ebenso natürlich, daß ein Künstler, der sich die unendlich hohe Aufgabe stellte, die beiden Seiten des poetisch-musi- kaliischen Kunstwerks zur Anschauung zu bringen, nicht so­fort all der großen im Wege stehenden Schwierigkeiten Herr werden konnte. Hatte seither die Musik direkt zur Verdunkelung der Poesie gedient, so mochte es der neuen Jnterpretationskunst manchmal wohl passieren, daß das poetische Element auf Kosten des musikalischen hervortrat; dem idealen Ziel, das es zu erreichen galt, war sie trotz­dem um ein Bedeutendes näher, als die alte Sangeskunst. Nimmt man dazu, was bereits oben über gewisse gesanges- technische Mängel, die noch vorhanden waren, gesagt wurde, so ist es völlig erklärlich, wie in manchen Köpfen jenes Bild Wüllners als eines Sängers ohne Stimme, eines Re­zitators von Melodramen entstehen konnte. Es war ein Zerrbild, das von manchen gewiß aus ehrlicher Ueber- zeugung, von vielen anderen auch aus Konkurrenzneid und völliger Unfähigkeit, die großen Intentionen des Künst- lers zu verstehen, gezeichnet wurde. Taß Wüllner auf dem rtümgen i-ege war, zeigten ihm nicht bloß die erschüttern­den Wirkungen, die er auf die Hörer hervorbrachte, mich dre begeisterte Zustinnnung wirklich Berufener fehlte ihm nicht. Um nur eines zu erwähnen: einer seiner Lieb- lingsineilter, v\ o hann es Bra hm , erkannte in ihm den hcrvorragenditen Interpreten vieler seiner Schöpfuiiaen und versäumte keine Gelegenheit, sich seine Lieder von ihm Vorsingen zu lassen. Für ihn aber erwuchs die Aufgabe auf dem Wege, den er eingeschlagen, weiter zu streben alle musikalisch-technischen Mängel zu beseitigen, bem mu­sikalischen Element auch dort sein Recht werden zu lassen, wo ihm dies bis jetzt noch nicht gelungen mar. Bis zu welch hohem Grade ihm dies geglückt ist. konnte man neulich hören. M i ch hat dies? Leistung mit staunender Be

Soviel zur Erwiderung auf Herrn Tr. SpohrsVer­such", aus dem ich nur den mir am wichtigsten erscheinen­den Kernpunkt herausgegriffen habe. In eine weitere Tis- kussion einzutreten, ist nicht meine Absicht, zumal ich glaube, daß eine öffentliche Erörterung musikalischer Fragen zwischen Tilettanten weder für die Sache besonders för­derlich, noch für weitere Kreise interessant sein dürfte.*)

A. Strack.

*) N«ch dieser Replik, die eigentlich eine Duplik ist, meinen auch wir, daß nun der Worte um Wüllner genug gewechselt sind. D. Red

Darmstädter Spiele. Man schreibt uns: Die Proben im kleinen Spielhaus der Darmstädter Ausstellung sind seit längerer Zeit in vollem Gange. Als Hauptmit­wirkende an den Spielen sind vorläufig zu nennen: Fräu­lein Mardon, Herzogl. Anhalt. Hofschauspielerin; Fräulein Burger, Großherzogl. Badische Hofscbauspielerin; Frau Godeck; Hans Godeck, Großherzogl. Badischer Hofsck-au- spieler, u. a. In den Konzerten im Spielhause und den Kammermusikabenden wirken u. a. mit: Richard Strauß; Pros. Hugo Becker; Karl Friedberg; Fräulein Frieda Hodapp; Tr. Faisft Stuttgart: Oskar Noe; H- Haas; Fräulein Stapel­feld-Frankfurt; Fräulein Schweicker-Stuttgart; Miß Dorothy Lethbridge-Berlin; Therese Versel; Max Möller; Johannes Hegar. Die Kostüme und Dekorationen nach Zeichnungen Professors Olbrick> sind ausgeführt von Emmerich u. Fuchß in Frankfurt a. M. und Kaiser in Mainz. Orchesterdirigent ist Hans Stix mit dem Neuen Philharmonischen Orchester aus Wien. Tas Programm der ersten Aufführung ist folgen­des: Weihespiel von Holzamer, Fräulein Mardon; Prome­theus (Originalkomposition aus dem Nachlasse Hugo Wolfs), Erstaufführung mit Orchester, Herr Tr. Faißt;Die Stille", Ein'Rondo, (Musik von Schuster), Frl. Mardon und Herr Godeck; Anakreons Grab (aus dem Nachlasse Hugo Wolfs) mit Orchester, Tr. Faißt;In der Thür", Eine Szene, Frl. Burger:Krone des Lebens", ein Spiel, Frl. Burger, Frl. Mardon, Frau Godeck. Zur Aufführung sind nod) in Aus­sicht genommen Stücke von Bethge, Holzamer, Friedrichs Werner van Oesteren, Heckel, L. Psayc, H. v. Hofmannsthat, R. Schautal.