Ausgabe 
16.4.1901 Zweites Blatt
 
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Berlin, 13. April. Wie derVoff. Ztg." gemeldet wird, geht aus hinterlassenen Briefen hervor, daß der Sani- tätsrat Dr. BarwinSki in Elgersburg Selbstmord ver­übt hat, weil er an einem unheilbaren Leiden erkrankt war, da- ihm voraussichtlich ein langes Krankenlager bereitet haben würde.

eingereicht hat.

-k. F r a n k f u r t, 13. April. Die zur ordentlichen Haupte Versammlung sehr zahlreich vereinigten akademisch ge­bildeten Lehrer des Großherzogtums Hessen gaben nach Anhörung eines Vortrags über das Thema:Er­strebtes und Erreichtes" einmütig ihre Zustimmung zu folgender Erklärung:

Es wird unter großem Dank gegen die hessische Re­gierung und die hessischen Ständekammern anerkannt, daß durch das mit dem 1. April 1900 in Kraft getretene Assessorengesetz, welches die Vergütungen der unständig- Beamten einheitlich für alle Ministerien regelt, eine weitere bedeutsame Etappe erreicht ist auf dem Weg zur Gleichstellung der akademisch gebildeten Beamten mit gleicher Vorbildung. Dagegen hat der höhere Lehrerstand Hessens mit Befremden die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhaus vom 8. und 9. März d. I. verfoltzt, wo, und zwar in erster Linie vom Finanzminister, der Versuch gemacht wurde, die alte, mit schwerwiegenden Gründen als berechtigt und notwendig nachgewiesene Forderung der Gleichstellung des höheren Lehrerstandes mit dem Richterstande nicht aus finanziellen, sondern aus prinzipiellen Gründen zurückzuweisen. Die Versamm­lung drückt ihre Freude darüber aus, daß der preußische höhere Lehrerstand, wie aus seinen bereits vorliegenden Kundgebungen ersichtlich ist, an seinen alten Zielen un­bedingt festhält, und wünscht seinen Bestrebungen besten Erfolg. Tie Versammlung kann nicht anerkennen, daß die Art und Weise, wie der höhere Lehrerstand Deutsch­lands durch seine Vereinigungen und seine berufenen Ver­treter seine Interessen zu wahren sucht, Grund und Ver­anlassung geben zu dem Vorwurf einer unzulässigen Agi­tation. Die akademisch gebildeten Lehrer Hessens wissen sich eins mit den Kollegen ganz Deutschlands, wenn sie die Forderung der Gleichstellung mit den Richtern nicht sowvhl aus materiellen, als vielmehr aus ideellen Gründen auch fernerhin als berechtigt und notwendig in den Mittelpunkt ihrer Standesbestrebungen stellen.

* meine Mitteilungen an» Hessen nnb den Nachbarstaaten. Die Frau des Schuhmachers Zahn in Mainz hat sich das Leben genommen, indem sie sich im Keller mit Petroleum begoß und sich selbst in Brand setzte. Die Frau ist voll­ständig verbrannt. Der Arbeiter Hartmann von Hoch­heim geriet in einer Fabrik in Zahlbach in den Treib­riemen der Maschine. ES wurden ihm beide Beine zermalmt. _ Gegen den Schreinermeister Hahn in Mainz, einen be­kannten antisemitischen Agitator, ist eine Untersuchung weg-n MajeftätSbeleidigung eingeleitet worden. Neu errichtet wurden am 1. April das Bezirkskommando Höchst und ein Filial-Artillerie-Depot in Fulda. Vom 1» Oktober ab werden neu errichtet: ein Pionier-Bataillon Nr. 21 mit dem Standort Mainz, und eine dritte Kompagnie bei dem groß­herzoglich hessischen Train-Bataillon, Standort Darmstadt.

Bingen, 13. April. Der wegen bedeutender Unterschlag, ungen steckbrieflich verfolgte Kassierer der Spar- und Dar- lehenskasie von Gensingen, der Postagent Scherte!, wurde vor einigen Tagen in der Nähe von Windecken in der Nidder als Leiche geländet. Scherte! hatte, wie seinerzeit gemeldet, in einem Schreiben seinen Angehörigen mitgctciltr daß er sich das Leben nehmen werde.

Während Herr Harden sich in der MajestätSbeleidi- gungS-Sommerfrische befindet, setzen dieKleinen von den Seinen" die Opposition gegen den neuen Kurs mit Eifer fort. Als Kostprobe für die Art, in der der Kampf geführt wird, zitieren wir aus Nr. 28 derZukunft", daß jetzt der Bürger lesen könne, wie fleißig dieser Kanzler sei, der sogar in den Ferien arbeite und auf einer Klingelbahnstation rasch den wackelnden Dreibund auf festere Füße stelle. Das geht immer noch an; weit hämischer ist die unglaubliche Bemer­kung, daßder Kanzler nicht alle guten Bilder aus den Berliner Museen in seine Empfangsräume tragen lassen kann ein paar hat er schon in die Wilhelmstraße gerettet". (!)

Solche Geschmacklosigkeiten sollte man im politischen Kampfe unterlassen, schon deshalb, weil sie im Auslande sofort vergröbert und zu schweren Verdächtigungen erweitert werden.

Engländer bis nach Petersburg im Norden des Transvaal vorgedrungen, wo sie einige Bente machten; dafür haben die Buren bei Aberdeen eine englische Abteilung von 100 Mann eingeschlossen und gefangen genommen.

Nordhausen ist.

** Zum alldeutschen Rhein-Main Gau gehören jetzt fo!> gende Ortsgruppen: 1. Alzey, 2. Darmstadt, 3. Dieburg, 4. Flonheim, 5. Frankfurt a. M., 6. Gießen, 7. Höchst a. M., 8. Mainz. 9. Marburg i. H., 10. Monsheim, 11. Offenbach, 12. Sprendlingen, 13. Wiesbaden, 14. Wöllstein, 15. Worms. Vorort ist Mainz. Vorsitzender Rechtsanwalt Claß. Gesamtmitgliederzahl 1800.

** Anton Henrich t. Am Sonntag morgen wurde hier der plötzlich im hohen Alter von 84 Jahren aus dem Leben geschiedene Geometer Anton Henrich zur letzten Ruhe gebettet. Ter Verstorbene hat ein thaten- und segensreiches Leben hinter sich, zwölf Jahre hat er das Amt eines Ge- meindeeinnehmers und achtzehn Jahre das eines Bürger­meisters von Langgöns verwaltet. 1871 trat er von den Funktionen eines Bürgermeisters jenes Ortes zurück und siedelte hierher über. Er hatte im Jahre 1862 die Spar- und Leihkasse in Langgöns gegründet und diesem Institut hat er bis zu seinem Tode als Direktor vorgestanden. Auch als Mitgründer und Förderer des Verbandes der Ober­hessischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaftcn hat er sich große Verdienste erworben. Ter Verband ließ ihm aus diesem Anlaß Weihnachten 1899 durch seinen Vorstand ein Ehrendiplom überreichen. .Herr Henrich stand allen mit Rat und That zur Seite. Bis zur letzten Stunde seines Lebens war er geistig frisch und arbeitete noch wenige Stunden vor seinem Tode. Möge ihm die Erde leicht sein? Man wird ihm ein teures Andenken bewahren.

** Schulranzen oder Schulmappe? Das ist die Frage, die jetzt in manchen Familien aufgeworfen wird, wo das kleine Lieschen, Lenchen oder Hannchen täglich den Weg zur Schule machen soll. Der Knabe freut sich schon darauf, das soldatenmäßig ausschauende Ränzchen anschnallen zu können, allein das kleine Mädchen in seinem Anhauch weiblicher Be­fangenheit, vielleicht wohl gar auch aus Eitelkeit, will sich zum Ranzen oft schwer bequemen, er kommt ihr zu knaben­haft vor. Sie will eine Mappe haben, wie sie die JnstitutS- fräulein tragen. Dabei ist aber zu beachten, daß eine Mappe, wenn sie auch nicht besonders schwer ist, durch den tagtäg­lichen Gebrauch, und, weil man meistens rechtSarmig, wenigstens einhändig gewöhnt ist, leicht ein Schiefwerden des jugendlichen Körpers bewirkt. Die Mappe zieht ferner nach unten und beengt die Brust, während ein Ranzen die Brust freiläßt. Mithin wäre dem Ranzen entschieden der Vorzug zu erteilen, wenn sich auch die kleinen A-B C-Schützmneu, die da noch im Flügelkleide zur Mädchenschule geh'n, dagegen zu sträuben suchen.

Darmstadt, 14. April. Der Großherzog empfing am 13. April u. a. den Oberstleutnant a. D. Cramolini, Präsident der KriegerkameradschaftHasfia", und den Kreis- rat Melior von Alsfeld.

Wetzlar, 3. April. Die hiesige Handelskammer ist davon benachrichtigt worden, daß der Minister der öffentlichen Ar­beiten die Pläne über die Kanalisierung der Lahn dem Regierungspräsidenten zu Wiesbaden zur Begutachtung

chreibt derFrkf. Ztg.":Wie man hört, wird der der­zeitige Referent für Eisenbahnbau und Betrieb im hessischen Ministerium die erledigte hessische Stelle im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin erhalten. Damit wird ein Preuße als Vertreter Hessens im preußischen Ministerium durch einen Württemberger ersetzt". ES heißt dann weiter, daß jetzt das hessische Ministerium wieder einen Preußen nach Darmstadt als Ersatz für den Württemberger sucht. Der Einsender meint, daß die Einflußlosigkeit dieser Ministerial-Abteilung auf unser Verkehrswesen keine Aenderung dadurch erfahren wird, und klagt u. E. nicht ganz mit Unrecht, darüber, daß die höheren Be­amtenstellen bei uns zu Lande fortgesetzt mit Nichthessen besetzt wevden.

** Pfiugsttagungen. Vom 29. Mai bis 1. Juni findet bei uns in Gießen der neunte Kongreß der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie stakt. Zur selben Zeit versammelt sich auch in unseren Mauern der Deutsche Mathematikerverein, deffen Vorsitzender Prof. Pietzker in

Mitische Tagesschau.

Ueber den Stand der russischen Vorbereitungen zu den Handelsverträgen bringt die soeben erschienene Nr. 2 der Zeit- ichriftRußland und Deutschland" einen offenbar von gut informierter Seite herrührenden Artikel, in dem anknüpfend an die bekannten offiziösen Mitteilungen in der St. Peters­burger Industrie- und Handelszeitung betont wird, daß man auch in den einsichtigen Kreisen Rußlands dem Zustande­kommen eines russisch-deutschen Tarifvertrages die höchste Bedeutung zumißt. Allerdings herrsche heute schon in der russischen Industrie eine starke Bewegung, der es sehr will kommen wäre, die deutsche Konkurrenz durch deren eigene Schuld los zu werden. In bestimmtester Weise werde jedoch von russischer Seite in Abrede gestellt, daß man bereits Maßnahmen für den event. deutsch-russischen Zollkrieg ins Auge gefaßt habe. Die Frage des Doppeltarif e$, der Diffe­renzierung von Roggen- und Weizenzoll rc. sei noch gar nicht ernstha ft ventiliert worden. Es wird hervorgehoben, daß die offiziösen Auslassungen der russischen Regierung nicht als Kampfruf, sondern als War- nung aufzufassen seien, als Warnung, sich nicht durch agrarische Behauptungen über den durchaus nüchternen Standpunkt Rußlands täuschen zu lassen. Die russische Regierung sei fest entschlossen, die Frage der Handelsverträge als eine rein wirtschaftliche von der Politik vollständig fern zu halten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. April 1901.

-o Konfirmation. Eine schöne, durch das Alter und durch )ie kirchliche Tradition geheiligte Sitte ist es, die dem Kindes­alter entwachsene Christenheit vor den Altar Gottes zu führen, um für den neuen Lebensweg seinen Segen zu erbitten. Aus »em heiteren, sonnigen Kinderzimmer führt ein schmaler Steg finüber in die ernste, dunkle Welt, deren Gefahren und Ver- uchungen, deren Bitterkeiten und Enttäuschungen an jeden, elbst an den Glücklichsten herantreten. Eine schöne Sitte, liefen ersten Schritt auf neuem LebenSpfad zu segnen! Ob man diese heilige Handlung als solche auf sich wirken läßt, ob man sie philosophisch auffaßt, niemand entzieht sich ihrem Eindruck. Sie ist in erster Linie eine Sache des Herzens, »ei der sich unseres großen Dichters Wort erfüllt:Wenn Jhr's nicht fühlt, Ihr werdet's nie erjagen!" Am gestrigen Sonntag wie am zweiten Öftertag standen sie wieder vor Gottes Altar, die jungen Christen, lauschten sie aufmerksam )en Worten des geistlichen Freundes, der ihnen so viel Gutes und Edles sagte, der sie so innig an ihre Pflichten gemahnte. : Nieend empfingen fie den Segen, und während mächtige Orgelklänge den geweihten Raum durchtönten, huschte vom wolkenreichen Himmel ein Sonnenstrahl durch die bunten kirchenfenster und beleuchtete hell die junge Schar. Betende Kinder! Giebt es etwas Schöneres?

* Perfonalnachrichten. Der Großherzog hat den Großh. Kreisamisgehilfen bei dem Kreisamte Worms, Ludwig Klöß, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt, dem Pfarrer Konrad Velte zu WormS eine evangelische Pfarrstelle an der Stadtgemeinde zu Darm­stadt, Dekanat Darmstadt, und dem Pfarrverwalter Heinrich Wagner zu Nordheim, Dekanat Zwingenberg, die ev. Pfarr- stelle dort übertragen.

* Der hiesigen Handelskammer sind zuverlässige Mit­teilungen, betr. Nachsuchung von Patenten in Prätoria, sowie betr. Erteilung einer Konzession in Serbien zur Holzschleiferei in Verbindung mit Sägewerk, zuge- gangen. Interessenten wird hierüber vom Sekretariat der Kammer näheres mitgeteilt.

* Von der preußisch-hessischen Eiseubahngemeinschast. Man

Nach den Neichsgesetzen tritt die Groß- und Voll - zährigkeit der Fürsten mit der Vollendung des 21. Lebensjahres ein. Tiefe Bestimmung gilt jedoch nicht für die Mitglieder der landesherrlichen Familien und die Bun­desfürsten selbst; für sie sind die Bestimmungen der Ver­fassungen und Hausgesetze maßgebend. Die Folge davon ist, daß die Besttmmungen über die Großjährigkeit der Mit­glieder der bundesfürstlichen Familien und damit auch über den Zeitpunkt, zu dem der Thronerbe die Regierung selbst übernehmen kann, in den einzelnen deutschen Staaten nicht übereinstimmen. Nicht in allen Verfassungen befinden sich Vorschriften darüber. So enthalten die von Baden, Hessen, Sachsen-Weimar, Anhalt, Schwarzburg-Rudolstadt und Lippe keine derartigen Bestimmungen. In den übrigen Staaten ist entweder der Tag, an dem das 18. oder das 21. Lebensjahr vollendet wird, der Tag der Großjährigkeit. In beiden Mecklenburg, die bekanntlich! keine Verfassung haben, ist durch die Hausgesetze die Vollendung des 19. Lebensjahres festgesetzt; deshalb ist am 9. April der junge Großherzog von Mecklenburg-Schwerin majorenn geworden und hat demzufolge die Regierung übernommen. In Ueber» cinstimmung mit den ReichBgesetzen (21. Lebensjahr) be­finden sich Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen- Coburg-Gotha, Waldeck, beide Reuß und Schaumburg-Lippe. Mit dem 18. Lebensjahre ist die Großjährigkeit für die Fürsten, die in den großen Bundesstaaten zu herrschen berufen sind, festgesetzt, so für Preußen (damit auch für das Reich), für Bayern, Sachsen und Württemberg, außer­dem noch für Oldenburg, Braunschweig und Schwarzburg- Sondershausen.

anderen aus dem engeren Gebiete der operativeu Gynäkologie^di^ sich wegen ihres ausschließlich fad)? wissenschaftlichen ^Charakters zur Wiedergabe an dieser.Stelle uicht eignen. Eine lebhafte Diskussion schließt sich an den Vortrag von Petersen- Heidelberg, über Aufbau, Wachs­tum und Histogenese der H a u t k r e b s e an. Güssen- bauer- Wien, H e i d e n h a i n - Worms und hervorragende pathologische Anatomen, «wie v. Kahlden - Freiburg, Äansemann und Israel-Berlin beteiligen )id)i an der Debatte. Ehrhardt -Königsberg empfiehlt die An­wendung heißen Wassers zur Unschädlichmachung von Ge- fchwulstresten, deren gründliche Entfernung durch die Operation nicht möglich war. Holländer-Berlin zeigt eine feit über 25 Jahren an vielfachen Hautkrebsen leidende Patientin. Krönlein- Zürich sucht an der Hand einer umfangreichen Statistik den Nachweis zu erbringen, daß die Gefahren der totalen Resektion des Oberkiefers bei Ge­schwülsten hauptsächlich durch die Anwendung völliger Nar­kose bedingt werden, welche die Entstehung von Lungenent­zündungen infolge Verschluckens begünsttgen. Krön le in empfiehlt deshalb, nur für den ersten Akt der Operation tue Narkose anzuwenden, und den Rest der Operation ohne jede Schmerzbetäubung durchzuführen, ü o h 1 h a r d t Halle spricht über die Entgiftung des Cocains im tierischen Körper auf Grund von Tier-Experimenten. Blauet- Tübinger, Hot aus Grund zahlreicher Blutdruckbestimmungen die Erhöhung

des Blutdruckes während der Aethernarkose, die Erniedrigung während der Chloroformnarkose graphisch illusttiert.

Tie Nachmittagssitzung wurde mit einem Vortrag von v. Hacker-Innsbruck über die eitrigen Entzündungen ^in der Umgebung der Speiseröhre eingeleitet. Gottstein- Zreslau erörtert an der Hand zahlreicher mikroskopischer Präparate die diagnostische Bedeutung der probatorischen lusschneidung kleiner Geschwulststückchen aus der Tiefe der Speiseröhre mittels eigens hierzu konstruierter Zangen und unter Leitung des Speiseröhrenspiegels. Es folgen zwei Demonstrationen aus dem Gebiete der Extremitäten-Chi­rurgie. Küster-Marburg zeigte eine neue Methode der osteoplastischen Fußamputation. Schuch ard t-Stettin ist in einem Falle von schwerem Gelenkbruch am unteren Ende des Oberschenkels (sogenannte Epiphysenlösung) die Wiedervereinigung der Bruchenden auf blutigem Wege ge­nügen. Henle-Breslau erblickt die wesentliche Ursache der nad) Bauchschnitten nicht selten auftretenden Lungen­entzündungen in der meist nicht ganz zu vermeidenden Abkühlung des Kranken. Stolper-Breslau konnte in einem ähnlichen Falle als Ursache der Entzündung eine Verschleppung feinster Fett-Tröpfchen auf dem Blutwege nachweisen (sog. Fettembolie).

Von den folgenden Verhandlungen aus dem Gebiete der Magendarm-Chirurgie können mehrere Mit­teilungen ihres rein fachlichen Charakters wegen hier eben nur erwähnt werden, so die Vorträge von Samt er - Königsberg über die Verwendbarkeit der Schürzentampo­nade nach v. Mikulicz, ferner von Kellin g - Dresden über den Mechanismus der akuten M a g e n e r w e i t e r- u n g und über einen in physiologischer Beziehung be­merkenswerten Fall von Magenresektion. Meinhard Schmidt- Kuxhaven ist es bei einem Säugling mit an­geborener Verengerung des Magenpförtners und bedroh­lichem Erbrechen jeglicher Nahrung (sog. Hyperemesis ne­onatorum) gelungen, durch Freilegung des Magens, stumpfe Ueberdehnung des Pförtners durch eingeführte Zangen nach dem Vorgänge von Nicoll das Erbrechen zum Schwinden zu bringen und so das Kind zu retten.

In der heute abgehaltenen ordentlichen General-Ver- ammlung wurde zunächst der Bericht des Kassenverwalters, erstattet. Tie Gesellschaft besitzt zurzeit ein Vermögen von 414 777 Marl. Alsdann wurde Kocher- Bern mit 305 von 406 abgegebenen Stimmen zum Vorsitzenden des nächst­jährigen Kongresses gewählt.

15« Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

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Berlin, 12. April.

Der dritte Sitzungstag brachte eine große Reihe wichtiger Vorträge, Mitteilungen und Demonstrationen von Jordan-Heidelberg, Schuchardt-Stettin, Freund-Straßburg, Tuehrssen-Berlin, Toederlein-Tübingen, Olshausen-Berlin, Martin-Greifswald, Wertheim-Wien, Kümmell-Hamburg und

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* Lüneburg, eines zum Tode Gefängnisse wird folg, Arthur Kornmann zwei Komplizen im do in der hiesigen Straf, und deswegen vom hi« beiden pchrshchrn z findet sich seit mehrere« richtSgesängniS als Uni urteil ist vom Arichtzgr gehoben worden und nächsten Schwurgericht hat fetzt den Versuch auszubrechen, milder nötigenfalls wiederur Kornmann, der von Bechern in der Schn mäßig noch am venia

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