Ausgabe 
16.4.1901 Erstes Blatt
 
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palten die Ergreifung folgender Maßregeln für unerläßlich erklärt: 1. Im Laufe des April werden in den höheren Lehr anstalten die Vorlesungen wieder ausgenommen, und es wird nach Anordnung der Lehrobrigkeit zu Uebergavg-prüfungen in der gewöhnlichen Frist und unter den gewöhnlichen Formen geschritten. 2. Falls zur Beendigung der Vorlesungen und Prüfungen bis zu den Sommerferien die Zeit nicht hinreichen sollte, werden jene während der Sommerferienzeit fortgesetzt. 3. Alle, die zu den Prüfungen ohne hinlängliche Gründe nicht erschienen sind, oder die Prüfungen nicht bestanden haben, haben sich allen gesetzlichen Folgen zu unterwerfen. 4. In den höheren Lehranstalten werden in diesem Jahre ausnahmsweise Herbst- und Nachprüfungen in besonders wichtigen Fällen erlaubt.

Düsseldorfer Gendarmerie-Pferdeknecht, der die Verhaftung Schultzes bewerkstelligende Kommissar der im Elberfelder Prozeß vielgenannte Düsseldorfer Kriminalkommissar Koch^. Die ärztlichen Vereine Kölns wollen nunmehr, nachdem bereits ein zweiter Kölner Arzt auf einfache Verdächtigungen hin in Sachen der Militärbefreiung mehrwöchige Inhaf­tierung über sich ergehen lassen mußte, energisch Stellung nehmen.

DerRegierungsbote" widerliegt den Buch'schen Ar­tikel über Die Reichskomptabilität, und weist nach, daß die angeblich fehlenden 30 bis 40 Mill. Rubel keineswegs de- fraudiert worden sind.

Ker uküe Elberfelder Mitarbefrriürlgs-Proreß.

IV.

Aus Stadt und KauS.

Gießen, den 14. April 1901.

* Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Sekretär der Landesuniverfirät Gießen Kanzleirat Friedrich Schäffer die Krone zum Ritterkreuz zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Herr Schäffer feierte, wie wir berichteten, vor einigen Tagen fein 50jährigeS Staatsdienstjubiläum.

Ausland.

Haag, 13. April. Der Minister des Auswärtigen hat als Präsident de« Verwaltungsrates des internationalen SchiedSgerichtshofeS allen europäischen und außereuropäischen Mächten die Mitteilung zugehen laffen, daß der SchiedS- gerichtshof gebildet ist.

Paris, 13. April. DerMatin" veröffentlicht ein Tele­gramm des Vertreters der Filipinos Agoncillo, in denen es heißt, daß der Filipinosgeneral San Digo zum Nach­folger AguinaldoS und gleichzeitig zum Diktator ge> wählt worden sei.

Madrid, 14. April. Mehrere Individuen versuchten das Jesus-Kloster in Aoeiro (Portugal) in Brand zu Peden. Sie hatten das Thor des Klosters mit Theer be» strichen und Feuer an dasselbe gelegt. Einwohner und Polizeimannschaften eilten indessen zeitig genug herbei, um das Feuer zu löschen. Die Schuldigen find bisher nicht er« mittelt worden.

ei c Petersburg, 14- April. DerReqierungsbote" schreibt: Infolge der lüngst ftattgehabten Studenten Unruhen L?«n "anche höheren Schulen vor den Osterferien ge­schloffen, sodaß bte studierende Jugend in die Lage kam entweder ein Jahr verlieren oder sogar die Lehranstalt ver° laffen zu müffen. Wegen dieser schweren Folgen für das Schicksal der Studierenden hat unter dem Vorsitz des Unter- richtSministerö eine Beratung der Hauptleiter der höheren Lehranstalten stattgefunden und zur Wiederherstellung des regelmäßigen Unterrichtsganges in den bezeichneten Lehrau«

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Elberfeld, 13. April.

Der gestern vernommene Untersuchungsrichter Land­gerichtsrat Spies hat nicht nur die lange Untersuchung! gegen Baumann und Genossen geführt, sondern auch die Untersuchung im vorjährigenPillenprozeß". Er berichtet eingehend darüber, wie er nach und nach auf die Spur der jetzigen Angeklagten, insbesondere Baumann und die Witwe Dieckhoff, gekommen sei. Unter den Verdächtigen rm Strucksbergschen Prozesse befand sich auch schon der Angeklagte Felde, der sich als Änjähriger bei dem dritten Feldartillerie-Regiment in Magdeburg gemeldet und sich nicht in seiner Heimat Remscheid, sondern in Erfurt hatte mustern lassen. Der Arzt, der ihn untersucht hatte, war Dr. Schimmel. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß auch Garschagen genau wie Felde in Magdeburg abgewiesen und von Dr. S ch i m m e l in Halberstadt ausgemustert wor­den war. Die Polizeibehörde in Cronenberg hatte dann er­mittelt, daß ein gewisser Heinrichs aus Sudberg von Bau­mann in den 80er Jahren freigemacht worden sei. Der eigene Bruder des Heinrichs hatte die Anzeige gemach^. Nachforschungen bezüglich des Arztes, der Heinrichs unter- ucht hatte, ergaben, daß es wieder Dr. Schimmel war.

Bürgermeister Gläßner aus Höhscheid berichtete, daß vor Jahren ein gewisser Hoppe von .Baumann freigemachit worden sei, sowie daß der Angeklagte Everts, ein Ver­wandter Hoppes, sich nicht zu Hause habe mustern lassen. Alle Umstände bestärkten den Verdacht einer Verbindung Baumanns mit Dr. Schimmel immer mehr. Einen eklatanten ^)eweis dafür lieferte auch eine Liste in Magdeburg. Diese enthielt eine Menge Leute aus hiesiger Gegend, aus Bochum und Essen, die sich als Einjährige nach Magdeburg gemeldet hatten, aber abgewiesen worden waren, und alle diese Leute waren, obwohl auch andere Aerzte in Magdeburg untersuchten, gerade von Dr. Schimmel untersucht wor­den. Weitere Erkundigungen der Polizei ergaben, daß Baumann hier oft mit der Witwe Dieckhoff zusammenkam, daß beide zuletzt zusammen wohnten.

Der frühere Militärarzt Dr. Schulze-Köln, der wegen orperlicher Gebrechen zur Verhandlung nicht erscheinen änn, ist kommissarisch vernommen worden. Er hat aus­gesagt: Nach Beendigung der gegen ihn «führten Unter- üchung habe er sich der Zivilpraxis zugewandt und nie mehr mit Militärbefreiungen befaßt. Er könne daher nur über alte Zeiten aussagen. Genauer bekannt war er mit

rem in Köln wohnhaften F. N. Dieckhoff (dem Schwagev der jetzigen Angeklagten Wwe. Dieckhoff). Dieser dirigierte gesagt: Nach Beendigung der gegen ihn geführten Uuter- uchung gewesenen Aerzte Fromm, Wesch, Brunzlow, Bemmer, sowie anderer, die nicht mit heineingezvgen wur­den, unterhielt man sich damals ganz frei über jene Dinge. Es wurde gesagt, auch der Generalarzt Schöll er in Coblenz sei eingeweiht. Fromm erzählte einmal, er habe ihn durch einen Korb Champagner gewonnen, so daß er ich jetzt auf dem Sanitätsamte die Orte aussuchen könne, an die er zu Musterungen gern kommandiert werden wolle. Nach Münster in Westfalen hatte Zeuge außer zu Dr. Fürsten­berg, der ihn in Köln zu Militärbefreiungszwecken selbst aufsuchte, keine Beziehungen. Er kannte dort nur noch den Oberstabsarzt Dr. Zicker. Dieser befaßte sich mit Militär­befreiungen im größten Umfange, war auch einmal in Untersuchung, wurde aber freigesprochen. Von Oberstabsarzt Dr. Lindner wurde ähnliches erzählt. Dr. Dreyer, ein Schwager des Dr. Zicker, war auch ein Hauptfreimacher. Es ließen sich damals überhaupt sehr viele Militärärzte auf diese Dinge ein. Man sagte, in Köln seien nur zwei, die sich zurückhielten. In Münster, hieß es, sei jeder zu­gänglich. F. W. Dieckhoff machte mir stets einige Zeit vor der Musterung, zu der Zeuge kommandiert war, die Leute, auf die es änkam, persönlich namhaft. Er wußte immer, woher, wohin die Militärärzte kamen. Auch Zivilärzte spielten damals eine Rolle. Sie kamen entweder zu den Militär­ärzten, um sich für junge Leute zu verwenden, oder gaben ihnen Atteste zu den Musterungen mit. Es wurde unter anderem gesagt, junge Leute, die ihre Befreiung wünschten, legten manchmal Atteste von Dr. Mooren (dem verstorbenen Düsseldorfer Augenärzte) bei; er wisse aber nicht, ob Dr. Mooren unrichtige Atteste ausgestellt habe. Von Baumann habe er nie gehört.

Es fei vorgekommen, daß junge Leute, die freigemacht wurden, Mittel anwandten, um ^krankheitsähnliche Er­scheinungen vorzutäuschen. Dr. Schulze wurde am 2. Febr. 1871 vom Korpsgericht in Münster zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. In dem Urteil wurden als strafmildernde Um­stände sein glaubhaftes Geständnis und sein sehr günstiges Führungszeugnis hervorgehoben. Es werden dann Urteile, die von Kriegsgerichten und ähnlichen Gerichten in Sachen der Militärbefreiung gefällt worden sind, verlesen. Dünn kam es noch zu Auseinandersetzungen zwischen einigen An­geklagten und dem Untersuchungsrichter, weil letzterem un­zulässige Einwirkungen vorgeworfen wurden, was er aber entschieden zurückwies. Die weitere Verhandlung wird, wie wir bereits meldeten, auf Dienstag vertagt.

Man meldet weiter: Die Meldung, daß in Köln ein drit ter Mili tärbefreiungsprozeß bevorstehe, ist falsch "Der in dieser Sache verhaftete Arzt Schultze wurde ohne Kautionsstellung aus der Haft entlassen, nachdem die Grundlosigkeit des Verdachtes der Beihilfe zur Mili- tntbefreiung erwiesen war. Der betr. Polizeispitzel ist ein

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Tas Reichsmarine-Amt beabsichtigt, die bei dem in Dftafien befindlichen 1. und 2. Seebataillon vor­handenen Einjährig-Freiwilligen und sonstigen M a n n s ch a f t e n, die bis zum 31. März d. I. ihrer aktiven Dienstpflicht genügt hatten, zurückzuziehen. Diese Mannschaften werden voraussichtlich im Mai oder Anfang Juni die Heimreise antreten.

Cron berg, 13. April. Die Königin von England ist heute Nachmittag von hier abgereift.

Nach dem Berichte der Berliner Gewerkschaftskom­mission für 1900 erreichte die Zahl der organisierten Arbeiter im Jahre 1900 die Höhe von 94758 gegen 70 723 iut vergangenen Jahre. Den größten Anteil an dieser Stei­gerung nahmen die Gewerkschaften mit über 1000 Mit­gliedern in Anspruch, die 16 695 Mitglieder gewonnen haben. Unter diesen stehen an erster Stelle die Metall­arbeiter, welche jetzt 20 000 Mitglieder zählen.

Hamburg, 14. April. Der Reichspostdampfer Laut schon" mit dem Truppentransport aus China ist heute vormittag hier eingetroffen. Eine zahl­reiche MensckMmenge begrüßte den festlich beflaggten Dampfer beim Anlegen mit lauten Hurrarufen. . Nach­dem der Dampfer festgelegt, begaben sich der tomman* bierenbe General des 9. Armeekorps, v. Massow, zahlreiche Offiziere und die Mitglieder des Senats an Bord des Dampfers. Hier hielt General v. Massow eine Ansprache an die Soldaten und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser; die Musik spielteHeil Dir im Sieaerkranz". General v. Massow richtete ivdann an jeden Soldaten einige freund­liche Worte und reichte jedem die Hand. Mit Ausnahme von acht Schwerkranken, die mittelst Krankenwagen nach dem Altonaer Gamisonlazarett gebracht wurden, bestiegen die übrigen Mannschaften, etwa 200, zwei bereitstehende Extrazüge, in denen sie nach den verschiedenen Bahnhöfen befördert wurden, um von hier aus die Weiterreise anzu- treten. Das Aussehen und die Haltung der Mannschaften waren gut. Zahlreiche Anverwandte der heimkehrenden Krieger waren bei der Landung anwesend.

Der Generaladjutant und General der Infanterie v. Werder wird am Montag von seiner Reise nach Pe­tersburg hierher zurückkehren.

- Tie Zahl der i n a k t i v e n S t a a t s m i n i st e r be­trägt jetzt 19. Der älteste von ihnen ist der seit 1876 in Jnaktivität befindliche, am 16. April 1817 geborene Dr. v Telbrück; ihm folgt Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfür't (geboren 31. März 1819), Dr. v. Maybach (geboren 29. No­vember 1822). Dr. von Schelling (geboren 19. April 1824), Xr. v. Hofmann, der frühere Staatssekretär in Elsaß-Loth- rmgen (geboren 4. November 1827 und seit 1880 inaktiv), ©rar Botho zu Eulenburg (geboren 31. Juli 1831), Graf von Hatzseldt-Wildenburg (geboren 8. Oktober 1831), der frühere Gouverneur von Straßburg und spätere preußische Kriegs­minister Dr. von Verdy du Vernois (geboren 19. Juli 1832), Tr. von Bötticher (geboren 6. Januar 1833), Dr. v. Schol (geboren 1. November 1833), Dr. med. Frhr. Lucius v. Ball- yaufen (geboren 20. Dezember 1835), Gras von Zedlitz- Tnchfchlei (geboren 8. Dezember 1837), Dr. v. Goßler (ge­boren 13. April 1838), v. Heyden (geboren 16. März 1839), v-, "oller, ehemaliger Unterstaatssekretär im Ministerium lur Elwß-Lothringen und dann preußischer Minister des Innern (geboren 8. Juli 1841), Frhr. Marschall v. Bieber­stein (geboren 12. Oktober 1842), Dr. Frhr. v. Berlepsch (ge­boren 30. März 1843), Frhr. v. d. Recke v. d. Horst (geboren 2. April 1847), und als jüngster Fürst Herbert v. Bis­marck (geboren 28. Dezember 1849). Von diesen 19 in­aktiven Ministern waren drei Minister des Innern, je Lwei Handels-, Landwirtschafts- und Kultusminister, je einer Justiz-, Finanz, Kriegsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten. Von den inaktiven Ministern stehen noch fünf im preußischen Staatsdienst als Oberpräsidenten und zwei als Botschafter im Reichsdienst.

- TerKreuzzeitung" zufolge ist dem Generalleutiiant vor einiger Zeit im Reichstage zur großen Ueberraschung Des Hauses, der Reichsinvalidenfonds sei bankerott. Diese Erklärung wurde damals vielfach an- gezweifelt, nach der Bilanz aber, die dem Bericht der Reichsschuldenkommission über die Verwaltung des Fonds für das Rechnungsjahr 1899 beigegeben worden ist, ist sie leider nur allzu zutreffend.

-rerKruzzeitung" zufolge ist dem Generalleutnant v. Krosigk, Kommandeur der 2. Garde-Jnfanterie-Di- vislon, unter Verleihung des Kronen-Ordens 1. Klasse der erbetene Abschied bewilligt worden.

Ter Reichstagsabg. Liebermann v. Sonnen­berg hat seinen Wohnsitz in Gernsbach im Schwarz­walde genommen und gedenkt sich künftighin der badischen ) antisemitischen Partei anzunehmen. Der bevorstehende 1 Wahlkampf kann somit nach dieser Richtung recht inter- \ essant werden.

i. Vom Proviuzialausschuß, Der zwei Jahre dauernde ! Streit, ob die Stadt Bad-Nauheim oder der hessische Stait die meisten Kosten zur Polizei zu tragen habe, ist am SamStag durch den Provinzialausschuß zu Ungunsten Nauheims entschieden worden. Bei dem Termin waren als Abgeordnete Nauheims der Bürgermeister Wörner und die Gemeinderäte Sprengel und Kegelmaun anwesend. Nauheim wurde dazu verpflichtet, in Zukunft die Kosten de- Polizei zu tragen; der Staat wird nur den Vorsteher, den Polizeikommissär, besolden. Die streitige Summe betrug über 9000 Mk.; im Ganzen hat Nauheim nun jährlich etwa 1314 000 Mk. Polizeikosten zu entrichten, d. h. aus den Kopf der Bevölkerung über 4 Mk. Dieses ist der höchste Satz in Hessen. Auch die Kreiskassenbeiträae, die Nauheim zu leisten hat, find von 24 000 auf 28 000 Mk. pro Jahr gestiegen. Friedberg giebt nur 26000 Mk. Beide Gemeinden bezahlen jetzt zusammen gerade ein Fünftel der gesamten KreiSumlageu.

~ ** Erkrankt. Wie wir hören, ist der prakt. Tierarzt Seiderer schwer erkrankt und in der Nervenheilanstalt Brunnthal bei München untergebracht worden. Seine Praxis hat Herr Tierarzt Johann, bisher Volontär-Asfistent beim Univ.-Professor Dr. Preusse, übernommen.

Zusammenstoß. Heute morgen V, 12 Uhr stieß em Einspänner mit einem Omnibuswagen an der Ecke deS Marktplatzes zusammen; außer einer leichteren Beschädigung der Wagen hat der Zusammenstoß keine schlimmen Folgen gehabt.

i. Bad'Ranheim, 14. April. Gestern und heute war hier das Gerücht verbreitet, im nahen Wisselsheim, im so­genannten Löwenthal, sei ein Sprudel entsprungen! Findige Köpfe wollten sogar wissen, eS sei Wasser vom Nauheimer Sprudel. Doch die WisselSheimer Einwohner, o hieß es, wollten von dem Sprudel nichts wissen, da dessen salziges Wasser ihre Wiesen zerstöre und hätten deshalb mit Mistgabeln und Schaufeln den Sprudel wieder zerstörb. Thatsache ist, daß es schon feit vielen hundert Jahren in Wisselsheim Salzquellen giebt; es waren sogar bis zu« Jahre 1815 dort Salinen im Betrieb und heute heißt dort noch ein großer Platz im Bolksmund dieWisselSheimer Sud-. Eine im Thale noch vorhandene Salzquelle war, jedenfalls durch die vielen Niederschläge der letzten Zeit, etwas stärker geworden und so verbreitete fich schnell die Kunde vom Spindel zu Wisselsheim. Der vorgestern Dem Gemeinderat vor­gelegte Voranschlag der Stadt Bad-Nauheim für das Jahr 1901/02 zeigt in Einnahmen rund 900,000 Mk. ebenso in Ausgaben. Doch wird der Ausschlag auf die Mark Steuerkapital in diesem Jahre nicht höher. Der Gaswerks- Voranschlag figuriert mit 84 000 Mk. Einnahmen und Aus­gaben. Der Voranschlag wurde von dem Gemeinderat ge- lehmigt. In die Verwaltungs-Kommission des tädtischen KonitzkystiftS wurden die GemeinderatSmitgliedkr, ne Herren: Sprengel, Knieriem und Lentz und als Aerzte )ie Herren: Dr. Kuweit und Stabsarzt a. D. Dr. Stein- terg gewählt. Als Kommiffionsmitglied für das städtische Krankenhaus wurde Gemeinderat Muth, als Arzt Dr. Hahn gewählt. Das im Sommer in großen Mengen nach Nau­heim eingeführte Fleisch von auswärts soll in Zukunft mr noch bei Tage eingeführt werden dürfen. Der Fleisch- »eschauer soll im Gießener Schlachthaus einen Kursus mit­machen. Es weilen bereits über hundert Kurgäste hier; darunter Herr (£ F. Schwetz aus Leipzig, der in diesem Jahre Nauheim zum 25. male mit großem Erfolge besucht. Dergroße Sprudel" erholt sich immer mehr und die Auf­regung in Nauheim hat sich bereits wieder gelegt.

-ck. Lehrerhei» Vogelsberg. Die sehr gut besuchte Hauptversammlung des VereinsLehrerheim Bogels- erg- fand am 11. April in Jugenheim a. d. B. statt. Der Vorsitzende, Lehrer Linck-RüdiugShain, erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorgeht, daß das Unternchme» ch günstig entwickelt. Der Rechnungsabschluß weift ei» Vermögen von nahezu 12,000 Mk. auf. Auf dem Sereinshause lasten zurzeit noch 20 000 Mk. Hypothek- chulden, und da eS rätlich und wünschenswert erscheint, dies abzutragen, wird auf den einstimmig angenommenen Antrag )eS Obmanns des LandeS-LehrervereinS, Oberlehrer Backes- Darmstadt, der Versuch gemacht werden, Anteilscheine zu je 50 Mk. auszugeben. Lehrer Lanz-Ober-Ramstadt empfahl, die Wetterseite deS VereinShauseS durch eine Schindelbedeckung vor dem Eindringen der Nässe zu schützen. Der engere Vorstand wurde beauftragt, die Angelegenheit in Erwägung zu ziehen. Schließlich brachte Lehrer Reidel-Gunders­heim den Antrag ein, der Vorstand solle an den Vorstand des Landes-LehrervereinS das Gesuch richten, max möge das Vermögen des Landes-LehrervereinS gegen eine angemessene Zinsvergütung und unbedingte Sicherstellung in den Dienst >eS LehrerheimS stellen. Der Antrag fand Unterstützung und Annahme. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.

W. Ridda, 13. April. Heute nacht wurde hier ein chwerer Unfug verübt. An der Turnhalle wurden die Fenster eingeschlagen und die Lampen zertrümmert; eine städtische Laterne wurde gänzlich abgeschlagen, auS einer anderen wurde die Lampe entwendet. Gegen 20 Meter