Ausgabe 
15.11.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

liberalen Verein angenommene Protest-Resolution gegen die Auslassungen des englischen Kvlonialministers Chamberlain lautet:

Die am Abend des 12. November hier zahlreichst ver­einigten Bürger und Einwohner Darmstadts weisen mit Entrüstung Die unerhörte, maßlose Verdächtigung des deutschen Heeres, welche der englische Äolonialminister Chamberlain in einer am 25. Oktober öffentlich gehal­tenen Rede vorgenommen, zurück und legen energische Verwahrung gegen diese mit der Geschichte in grellem Widerspruch stehende empörende Beschimpfung des deut­schen Heeres ein. Wir erheben lauten Widerspruch gegen diese nicht bloß das deutsche Heer, sondern auch seine Führer, namentlich den unvergeßlichen Kaiser Wilhelm I., Joie die königlichen Helden, den Kwonvrinzen Friedrich Wilhelm, den Prinzen Friedrich Karl und unseren Prinzen Ludwig, den verewigten Großherzog Ludwig IV. von Hessen, sowie unsere großen DÜinner, mie Fürst Bismarck und Graf Mvltke aufs tiefste verletzende, verungliinpfende Aeußerung und erwarten, daß der deutsche Lieichs- tanzler, wie der deutsche Reichstag, diese dem deutschen Heere uitb seinen großen Führern angethane Schmach in gebührender Weise Äzufertigen wissen werden."

Bürgel, 13. Nov. Gegen die Gemeinderatswahl vom 26. August war bekanntlich von mehreren Einwohnern in Bürgel Einspruch wegen verschiedener Gesetzwidrigkeiten erhoben worden. Die Verhandlung vor dem hiesigen Krcis- ausschuß fanb am 6. statt. In der jetzt verkündeten Ent­scheidung wurde die stattgefundene Wahl vom Kreisausschus; auf Grund des Art. 25 der Landgemeindeordnung wegen erheblicher Gesetzwidrigkeiten beanstandet. Die Verstöße bestanden darin, daß während der Offenlegung der Wahlliste eine Anzahl von Namen von dem Bürgernreister teils aus eigener Machtvollkommenheit nachgetragen und anderseits auch -von den in der Liste Eingetragenen eine Anzahl wieder ge­strichen sind, ohne daß die davon Betroffenen Nachricht er­halten haben. Als weiterer Grund zur Beanstandung rst die in Abwesenheit der Wahlkommission vom Bürgermeister in > Gemeinschaft mit dessen Gehilfen vorgenommene Nummerie­rung der Stimmzettel und Feststellung des Wahlprotokolls ungesehen. Eur neuer Termin ist auf Mittwoch den 20. d. xMts., vor dem Kreisausschuß anberaumt.

Mainz, 13. Nov. Wie üblich hielt der Mainzer Karneval- oerein am 11. November seine Generalversammlung ab. -Darin wurde auch das Programm des am Fastnachtsmontag fftattsindenden großen Zugs vorgelegt. In diesem wird die Darmstädter Künstler-Kolonie eine große Rolle spielen. Dem Mainzer Tagblatt" zufolge sind a. A. folgende Gruppen vorgesehen: Die beiden großen Figuren vom Eingang der Darmstädter Künstler-Ausstellung mit dem Rücken nach der Spitze des Zuges auf zwei Bollerkarren, das Gewand bis oben hin züchtig zusammenraffend; hierauf die sieben Darmstädter Schwaben, einen langen Klingelbeutel wie einen Spieß tragend, mit bem sie bei dem Publikum sammeln. Wagen der Künstler-Kolonie, ganz in grellen Farben gehalten, rechts und links auf dem Wagen Bäume, die auf dem Kopfe stehen, mit den Kübeln nach oben. Vorn das Darmstädter Spielhaus mit dreieckiger Thüre (die Spitze nach unten gekehrt). Der Kassierer an der Kaffe schläft. Auf der Rückseite des Wagens lang herabhängend das Original Darm­städter Riesenplakat. An der Spitze des Wagens, gleichsam von demselben gezogen, der Pegasus in Gestalt eines großen Schaukelpferdes mit herunterhängenden Flügeln; auf demselben ein Tünchcrlehrling sitzend, das Ende des Flügels als Steigbügel benutzend. Zweiter Künstler-Kolonie- Wagen mit der Aufschrift:Großherzogliches Tünchergeschäst". Auf einem erhöhten Throne die trauernde Göttin der Kunst; letzterer wird als Schlußstück von zwei pyramidenartigen Grabsteinen gestützt mit der Auffchrift:Hier ruht in Frieden die Vernunft."Schlumrnre sanft, o Kunst." An der Hin­teren Seite des Wagens eine Waage, in der herunterhängendcn Schale ein Geld sack mit der Aufschrift:280,000 Mk. Defizit", in der anderen Lorbeerkränze, die von den hinten nachlaufenden Künsllern trotz aller Mühe nicht erreicht werden können. Auch sonst wird der Zug reich sein an humoristisch- satyrischen Gruppen.

Mainz, 13. Nov. Die hiesige Ortsgruppe des All­deutschen Verbandes veranstaltete heute abend für den ver­storbenen Reichstagsabg. Lehr eine Trauerkundgebung.. Die Flurschäden der Herbstmanöver im Kreise Mainz be­tragen 20 000 Mk. Die Besitzer sind durch diese Regulierung sehr befriedigt. Auf das Preisausschreiben der Stadt für die Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen Stadt­baumeister Ed. Kreyßig sind 37 Entwürfe eingelaufcn. Das Denkmal, das auf der Kaiserstraße errichtet werden soll, darf nicht mehr als einen Kostenaufwand von 15000 Mk. be­anspruchen.

Wiesbaden, 13. Nov- Im Wiesbadener Architekten­verein machte Eisenbahnbauinspektvr Petry eingehend Mit­teilung über das neue Bahnhofsprojekt. Danach sind Die Pläne ministeriell noch nicht genehmigt. Auch die Geldmittel sind noch nicht bewilligt. Das frühere Pro­jekt erforderte etwa 11 Millionen, das jetzige etwa 17 Mill. Der Personenbahnhof mit 130 Meter Front wird ähnlich dem Frankfurter angelegt und rückt um etwa 700 Meter weiter nach Süden hinaus an die Südseite der hier noch auszubauenden Ringstraße.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Liederbach wurde bei der Beigeordnetenwahl Karl Vierheller mit 27 Stimmen zum Bürgermeister-Stellvertreter gewählt. Etwa 50 Prozent der Wähler hatten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Der bisherige Beigeordnete Weiß II. hatte eine Wiederwahl abgelehnt. In Eltville soll ein Bäcker eine Brodsorte erfunden haben, die 30 Tage frisch bleibt. Der Bäcker hat ein kleines Vermögen an die Versuche gewagt, man spricht von 7000 NU. Armee und Marine prüfen jetzt das patentierte Backwerk. Am Mitt- wochmorgen wurde von dem Binger 8 Uhr-Zug kurz vor der Station Heidesheim ein unbekannter Mann, der sich in selbstmörderischer Absicht auf das Schienengeleise geworfen hatte, totgefahren. Der Kopf wurde ihm vom Rumpf ge- trennt. In Eschborn i. T. sind die Masern in der- arügem Umfang aufgetreten, daß die beidm Schulen seitens der Behörde auf die Dauer von 14 Tagen geschlossen werden mußten. Ein Kind ist der Epidemie bereits erlegen. Fünf Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren trieben sich am Sonntag in der Nähe des sog. Jägerhauses bei Herborn- Seelbach herum. Zwei von ihnen erbrachen ein Häuschen,

in welchem Sprengpulver aufbewahrt wird, entnahmen dem Vorrat einen Hut voll, schütteten es auf einen Haufen und zündeten diesen an. Die entstehende Flamme verbrannte zwei Jungen auf eine ganz schreckliche Weise. Einer von beiden ist bereits gestern gestorben. Ter andere wird den Verlust des Augenlichtes zu beklagen haben.

Uermischtes.

Zum Duell Blaskowitz. Von angeblich com- petenter Stelle wird jetzt in Insterburg gegenüber den bis­herigen Mitteilungen über das Duell, dem der Leutnant Blaskowitz zum Opfer gefallen ist, folgende Richtigstellung veröffentlicht:Erstens: Leutnant Blaskowitz hat sich den Rausch nicht im Offizierkasino, sondern in einem hiesigen Hotel geholt. Offiziere waren nicht zugegen. Zweitens: Der Ehrenrat wie der Regimentskominandeur haben über die Tuellaffaire als solche nicht zu entscheiden gehabt und nicht entschieden. Drittens: Eine Ehrenerklärung seitens des Leutnants Blaskowitz hat nicht stattgefunden; sie war auch nach Lage der Sache vollständig ausgeschloffen. Bedingt war einmaliger Kugelwechsel. Viertens: Weder der Regiments­kommandeur noch der Ehrenrat waren bei dem Duell zugegen." (Es liegt auf der Hand, daß diese Feststellungen, ebenso wie die von uns gestern wiedergegebene Darstellung, ge- migen, um den traurigen Vorfall in milderem Licht erscheinen zu lassen. Man darf wohl auch annehmen, daß die mili­tärischen Behörden mit der obigen Richtigstellung noch nicht das letzte Wort gesprochen haben.

* Rednerische Entgleisungen. In denOesterr. Bl. für Stenogr." finden wir folgende, den Sitzungsberichten des Wiener Abgeordnetenhauses entnommenen orarorischen Stilblüten:Der Herr Vorredner hat sogar in den harmlosen Tauben, deren Zucht nach meinem Anträge gefördert werden soll, ein Haar gefunden".Diese Flotte, welche zum großen Teile nur dem phantasiereichen Gehirne der Gegner entspringt, steht ja überhaupt nur auf dem Papier".Wir schöpfen neue Hoffnung für die bedrängte Bevöllerung aus dem warmen Munde, mit dem der Minister über ihre Lage gesprochen hat".Die Ziegel- und Pflastersteine, welche die Fesüeilnehmer damals gegen die Fenster geschleudert haben, wollen die Herren heute uns in die Schuhe schieben". Es herrscht eine Arbeitslosigkeit auch auf den Abgeordneten­bänken, welche sich scheuen, die sachliche Arbeit in die Hand zu nehmen".

Universitäts-Nachrichten.

Innsbruck, 13. Nov. Die Vorlesungen an der Uni­versität werden am 14. November in vollem Umfange wieder ausgenommen.

Gerichtssaal.

Frankfurt a. M., 13. Nov. Dor der hiesigen Strafkammer hatten sich heute zwei Wechselfabrikanten zu verantworten. Äcr 34 Jahre alte Kausmcmn Richard Wernle offerierte durch Zirkulare, Annoncen u. s. w. geldsuchenden Leuten Accepte, die er als Kundenwechsel bezeichnete. Die Geldsuchenden mußten dafür 3 Prozent Provision pränumerando bezahlen. In Wirklichkeit waren es Gefälligkeitsaccepte, ohne als solche gekennzeichnet zu sein. Die Querschrisl vollzog der vermögenslose Agent Friedrich August Heineck aus Glauchau gegen eine Vergütung von je 50 Psg. 300 Wechsel haben die beiden auf diese Weise fabriziert. Ein Kunde, der einen solchen Wechsel ausdrücklich als Kundenwechsel bezeich­nete uud in Umlauf seyte, ist wegen Betrugs bestraft worden. Ein anderer, der für 1800 Mk. Wechsel genommen und diese als Kunden­wechsel in Umlauf gesetzt hatte, löste sie selbst wieder ein. Alles in allem bezahlten die Leute die 3 Prozent für ein wertloses Stück Papier, auf das ihnen kein Mensch einen Pfennig gab. Wernle, der früher m München und Stuttgart wohnte, und in Basel wegen ähnlicher Geschichten mit 9 Monaten Gefängnis bestraft ist, wurde wegen Betrugs zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Heineck er­hielt wegen Beihilfe 9 Monate Gefängnis.

Hanau, 13. Nov. Dor dem Schwurgericht begann heute ein Mord prozeß. Angeklagt sind der Bauer G l ä s e r und sein 22jährigcr Sohn aus Meerholz bei Schlüchtern, denen zur Last ge­legt wird, am 8. August den Bauer Fuchs aus Meerholz gemein- schaftlich ermordet zu haben. Fuchs, mit dem die Familie Gläser m Streit lebte, hatte gegen den jungen Gläser eine Anzeige er­stattet und war zu seiner Vernehmung am Amtsgericht au Schlüchtern gewesen. Am andern Morgen sand man ihn ermordet am Wege liegen. Der Verdacht der Lhäterschaft fiel sofort auf die beiden Glaser. Der junge Gläser hat auch eingestanden, daß er dem Fuchs ausgelauert und nach einem kurzen Wortstreit mit einem Prügel auf ihn eingeschlagen habe. Der alte Gläser leugnet jede Schuld. Der Prozeß wird etwa 4 Tage dauern.

Schiffsnachrichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 13. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben - SchnellpostdampserKaiser Wilhelm der Große", Kapitän H. Högemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork an­genommen.

Eisenbahn Zeitung.

Herborn, 13. Nov. Infolge eingetreteuer technischer Schwierigkeiten wurde die Eröffnung der Bahnstrecke Herborn- Hartenbach verschoben.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 14. November, abends 8 Uhr, Bibel stunde im unteren Konfirrnandensaal, Kirchstraße 9. Jac. 2, 1 ff.

Pfarrer Dr. Grein.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.

Sabbathfeier am 16. November 1901.

Freitag abend 415. Samstag vormittag 8° Nachmittags 380.

Sabbathausgang 526.

Wöchengottesdienst: morgens 7 Uhr, abends 400 Uhr.

Briefkasten.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Eine Stammtisch-Anfrage. ^Dürfen Herrenkleidergeschäfte ihre Zuschneider SomUags beschäftigen ober als Verkäufer an Sonntagen benutzen? Unter welchen Paragraphen bes Bürger­lichen Gesetzbuches gehören dieselben?" Antwort: Ein Zu­schneider zählt nicht zu den im § 133 a der Gewerbeordnung be­zeichneten Angestellten höherer Art, sondern ist nach einer Ent­scheidung des Berliner Gewerbegerichts vom 16. September 1896

gewöhnlicher Gewerbegehilse: er unterliegt also auch den für Ge> werbegehilfen geltenden Bestimmungen. Nach diesen darf der Ge- iverbegehilfe an Sonntagen nicht beschäftigt werden, mit Ausnahme von 6 Sonntagen im Jahre, über deren Wahl er sich mit dem Arbeitgeber verständigen tind an denen er bis 12 Uhr mittags arbeiten muß. Mil diesen Bestimmungen dürfen aber nicht die für Kontor- oder Ladenangestellte verquickt werden, wie der oder die Fragesteller es lhun. Diese Angestellten dürfen an SonrUaaen bis nachmittags 3 Uhr beschäftigt werden, nut Ausnahme der polizeilich sestgelegten Sonntage vor Festen usw., an bene» länger gearbeitet werden darf. Sie sehen, wir treiben die alttestamen- tarijche PolitikAilge um Auge, Zahn um Zahn". Ihr heutiges liebenswürdiges Schreiben Hal uns vielen Spaß gemacht und wir danken Ihnen für Ihre sremidlichen Gesinnungen verbindlichst. Ganz besoirders bitte» wir, den Herrn von uns heimlich zu grüßen, der ein so außerordentlich zutreffendes Urtell über Dinge und Ver­hältnisse abgegeben habeii soll, in die er, wie der Augenschein lehrt, den allertiefsten Eiriblick hat. Anonyme Ausfälle sind doch immer ein Zeichen nobelster Gesümung.

Ncuefte Meldungen.

Originaldrahtmcldungcn des Gießener Anzeigers.

Berlin, 14. Nov. Zur gestrigen Frühstuckstafel beim Kaiser war u. a- Prinz Hohenlohe-Oehrmgen, der preußische Gesandte in Darmstadt, geladen.

Wildpark, 14. Nov. Prinz Heinrich von Preußen ist heute Vormittag 10 Uhr im Neuen Palais eingetroffen.

München, 14- Nov. Für die Nervofttät, die die Frage der Einheitsbriefmarke in gewißen politischen Kreisen Bayerns erregt, ist ein sehr heftiger Artikel eines Münchener partikularistischenOrgans bezeichnend, das dem Prinzregeuten die Aeußerung in den Mund legtMehr lasse ich mir nicht ab pressen." Das Blatt betont, daß in dieser An­schauung alle Bayern mit dem Herrscher einig seien. Es rst zu erwarten, daß dies bei der auf heute verschobenen Generaldebatte über den Etat oes Auswärtigen Ministeriums zur Sprache ge- bracht werden wird.

Augsburg, 14. Nov. Heute vormittag begann unter großem Andrang des Publikums die Schwurgerichtsverhandlung gegen Kneißl und Genoßen. Bei Beginn der Verhandlungen wies der Präsident mit Bezug auf einen Zeitungsartlkel darauf hin, daß sich die Geschworenen nicht an die angebliche Stimmung tn der Bevölkerung Augsburgs zu Gunsten oder Unguasten des Angeklagten oder der Gendarmen zu kümmern hätten. Er fei übet zeugt, daß die Geschworenen von den Zeitungsartikeln sich nicht beirren taffen werden. Es sind im ganzen 122 Zeugen geladen.

Amsterdam, 14. Nov. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Apeldoorn bestätigt, daß die Königin Wilhelmina vorzeitig entbunden habe. Die Königin fei zwar schwach, ihr Zustand fei jedoch nicht besorgniserregend.

London, 14. Nov. Kriegsuunister Brodrick hielt gestern bei einem Diner eine Rede, in der er aussührte, kein Krieg sei mit mehr Menschlichkeit geführt worden als der in Südafrika. Die Verlängerung des Krieges sei der allzu wohlwolleudeu Behandlung derRe- bellen" zuzuschreiben. Die Buren verheimlichten ihre Spur, indem sie die Eingeborenen auf dem Marsche töteten. Erst heute habe er ein Telegramm von Kitschener erhalten, in dem es heiße, an den Eingeborenen verübte Alordthaten der Buren seien häufig vorgekommen- Am letzten Sonntag seien wieder zwei Einge­borene tot auf dem Boden eines Schacht s ausgesunden worden, wohin sie mit gebundenen Händen hinabgeworfen worden seien. In den Konzentrationslagern und aus den verschiedenen Inseln befänden sich 42 000 Buren. Die Zahl der Ge­töteten und Verwundeten sowie derjenigen, die England verlassen hätten oder aus Ehrenwort freigegeben worden seien, betrage 11 0 00. Unter den Waffen stünden noch 10 000. Durch die Einführung des Blockhäusersystems sei es den Eng­ländern gelungen, den Aufenthalt der Buren in einem Gebiet von 147 000 Quadratmetern in Transvaal und 17 000 Quadrat­metern im Oranje-Staat unmöglich zu machen. Das übrige Gebiet werde durch leichtbewegliche englische Truppen-Kolonnen gesäubert. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Bemerkung, die Regierung fei so sehr von der Notwcudigfeit überzeugt, den Mißstand brechen zu müssen, daß sie b eab sich- tige, Kittchener frische Truppen zu senden, um die Ermüdeten zu ersetzen. Gerade heute habe eine brittsche Kolonie zu diesem Zweck ihren Beistand augeboten.

Berlin, 14. Nov- Heber die Stimmen-Mehrheit, mit welcher der Zolltarif im Bundesrat angenommen wurde, gehen die zudem sehr unsicheren Angaben aus­einander. Cs unterliegt aber keinem Zweifel, haß die Minderheit sehr klein war. Von den wichtigsten Aenderungen, die die Bundesrats-Ausschüsse beziehungs­weise der Bundesrat am Zolltarif-Gesetz und am Zolltarif vorgenommen haben, verzeichnet derL.A." u. a. folgende: Den deutschen Zoll-Ausschüssen sind die vertragsmäßigen Zoll-Befreiungen und Zoll-Ermäßigungen grundsätzlich ein» geräumt worden. Die handelsüblichen Hrnschließungen der Waren (Emballagen) bei deren Eingang in den freien Ver­kehr sind ausdrücklich für zollfrei erklärt worden. Die Hopfenzölle wurden um ein Drittel erhöht, der Que­ll r a ch o - Z o l l um die Hälfte ermäßigt. Der G ä n s e z o l t von 70 Pfg. für das Stück blieb bestehen. Für den Doppelt Zentner wurde indes ein neuer Zoll von 24 Mk. hinzugesügt. Bei dem Gänsezoll hat man es sicher mit einem der vielen 5wmpensations-Obiekte zu thun, die in dem neuen Zoll­tarif-Entwurf enthalten sind. Vielleicht gilt dasselbe auch' von dem erhöhten Hopfenzoll.

Berlin, 14. Nov- Gegenüber allen bisherigen Dar­stellungen ist dasKl. I." in der Lage, folgenden authen- lisch en Bericht der Augenzeugen über dasJnsierburger Duell zu geben: Am Donnerstag den 31. Oktober nachts trafen die Artillerie-Leutnants Hildebrand und Raßmussen auf dem Nachhausewege Blaskowitz, der halb sitzend, halb liegend in einer Ecke hockte und augenscheinlich, stark betrunken war. Da die beiden Genannten die Wohnung des Leutnants nicht kannten, so ging einer von ihnen bis zur nächsten Ecke zurück, um einen dritten Ar­tillerie-Offizier, von dem sie sich eben getrennt hatten, dar­nach zu fragen. Dieser wurde auch eingeholt und war im stände, die gewünschte Auskunft zu geben. Die drei Ar­tilleristen geleiteten nunmehr gemeinschaftlich den Be­trunkenen nach Hause und zwar bis in sein Zimmer. Daselbst angelangt, erklärte Leutnant Blaskowrtz, daß er noch etwas trinken müsse, und versuchte wieder aus seinem Zimmer ins Freie zu gelangen. Da gütliches Zureden nichts fruchtete, die Reden und Gegenreden aber immer heftiger rouroen, so befahl Oberleutnant Hildebrand als der älteste im