rechts statt. Die Führer der Sozialisten hielten energische Reden, in denen sie erklärten, die Opposition werde zunächst alle gesetzlichen Mittel anwenden, um eine Verfassungsänderung zu erwirken, wenn dieselben aber fehlschlagen sollten, so würde die Opposition bis zum «Aeußersten gehen.
Paris, 13. Nov. In der Beratung, welche die Abgeordneten des nationalen Bergarbeiter-Verbandes heute nachmittag mit der Arbeitskvmmission der Deputtertenkammer halten, setzten sie insbesondere die Wünsche der Bergarbetter hinsichtlich des Achtstundentages auseinander, der nach ihrer Ansicht keineswegs die Produktton vermindern, wohl aber die Lage der Bergarbeiter beträchtlich bessern würde; die Abgeordneten führten das Beispiel der „Mine aux Mineurs" an, wo der Achtstundentag eingeführt sei, und fügten hinzu, durch die Bewilligung des Achtstundentages würde der eventuelle Ausbruch eines allgemeinen Ausstandes beseitigt werden. Tie Arbeitskvmmission wird, ehe sie ihre Entscheidung trifft, nächsten Freitag erst noch die Ingenieure der „Mine aux Mineurs" hören.
Madrid, 13. Nov. Ter „Jmparcial" veröffentlicht ausführlich das Budget der „Union Nacional". Es schlägt eine allgemeine Reform der öffentlichen Verwaltung und eine Verminderung der Staatsämter vor. Der Mindestgehalt der Beamten soll 1500 Pesetas betragen. Ferner wird gefordert die Verminderung der Zivilliste, die Konvertterung der äußeren Schuld in eine innere unter Vergütung von 10 Prozent; Bezahlung aller Coupons in Pesetas; teilweise Abschaffung und Revision der Pensionen nnb verjährter Chargen; Umwandlung der Botschaften in Gesandtschaften; Aenderuug des Konkordats; allgemeine Wehrpflicht, und Abschaffung unnöttger Offiziere; die Festsetzung der Präsenzstärke auf 50 000 Mann; Abschaffung der Subvention der Transatlantica, bettagend 8 einhalb Millionen, Verpachtung von Fernando Po und Riomuni.
Rom, 12. Nov. In politischen Kreisen verlautet, die Dreibundmächte, denen sich wahrscheinlich England än sch ließ en dürfte, verlangten auf Grund chrer Verträge, die ihnen die Rechte der meistbegünstigten Nation geben, die g leichen Zuge ständnis s e von der Dür kei, wie diese Frankreich machte.
Belgrad, 13. Nov. Skupschtina. In Beantwortung einer Interpellation über die Veruntreuung von 128 160 Francs aus dem Depositionsfond durch Mitglieder d-es ehemaligen Kabinetts Wladan Gevrgewitsch erklärte Ministerpräsident 'Dr. Wuitsch, es stehe außer Zweifel, daß es sich hier um einen groben Mißbrauch handle. Da jedoch die strafrechtliche Verantwortung inzwischen verjährt sei, erübrige es nur, die materielle Verantwortung auf dem ordentlichen Gerichtswege festzustellen. Die Skupschttna nahm einstimmig eine Resolution an, wodurch der grobe Mißbrauch mit Äaatsgeldern festgestellt und das Kabinett Georgewitsch der Veruntreuung beschuldigt wird.
Konstantinopel, 13. Nov. Die Pfvrte gab einer Anzahl Forderungen der österreichischf-ungari- fchen Regierung statt, welche u. a. folgende Punkte umfassen: h&ie drei Urheber eines Anschlages auf den Geranten des österreich-ungarischen Konsulats in Prizved, wurden zu exemplarischen Strafen verurteilt. General Uchmed Pascha, der den Dragoman des österreichischen Konsulats in Ueskueb beleidigte, wurde abgesetzt. Die Pforte zahlte dem österreichischen Staatsangehörigen Dawidorätsch der in Djakowo von albanesischen Räubern gefangen war, eine beträchtliche Entschädigung. Bezüglich der Entschädigungssumme von 90000 Francs, welche von österreichisch^ungarischen Staatsangehörigen anläßlich der bei den Unruhen in Armenien «erlittenen Beschädigungen gefordert werden, ist zwischen dem Botschafter und der Pforte ein Uebereinkvmmen zu stände gekommen.
— Die Nachricht, daß der ftanzösische Botschafter Constans bald nach seiner Rückkehr nach Konstanttnopel von feinem Botschafterposten scheiden werde, scheint richtig zu sein, doch handell es sich hierbei keineswegs um eine Folgewirkung des Konfliktes zwischen Frankreich und der Türkei. Constans hat bereits seit längerer Zett die Absicht gehabt, gelegentlich der Neuwahlen zu der ftanzösischen Zamnier wieder in das politische Leben zurückzukehren.
Petersburg, 13. Nov. Heute wurden anttlich Maßregeln bekannt gegeben, welche gegen die liberale „Rossija" wegen eines in der Nummer vom 10. November erschienenen ^Feuilletons des Chefredakteurs Amfiteatrow erfolgt sind. sDer geistreiche Journalist erzählt ein Märchen aus dem Leben der Vogel. Es hat die Form der Tierfabel, die aber nur gewähtt ist, um an der Regierungszensur eine fleirnüttge Kritik üben zu können. Tas Ministerium des Innern und die Oberpreßverwaltung spielen in dem brett- fchweifig erzählten amüsanten Märchen eine wenig würdige, komische Rolle. Auch die Stellung der russischen Presse wird witzig charakterisiert. Es fehlt nicht an Anspielungen aller Art. Tas hiesige Zensurkomtte soll über das Feuilleton sehr ergrimmt sein, und hat den Straßenverkauf der „Rossija" für die Dauer von zwei Monaten verboten. Man findet die Strafe übertrieben streng. Tas Verbot wird voraussichtliche nach zwei oder drei Wochen aufgehoben »verden.
New-York, 13. Nov. Nach einem Telegramm des ^New - York Herald" aus Port of Spain, hat sich der vene- -zolanische General Juan Pietri im Staate Carabobo gegen pen Präsidenten Castro erhoben.
Chicago, 13. Nov. Ein Massen-Meettng deutscher Veteranen beauftragte einen Ausschuß, gegen Chamberlains Aeußerungen energisch zu protestieren, und diesen Beschluß Chamberlain und dem amerikanischen Botschafter in London zu übermttteln.
Graf Pückler, der bekannte antisemitische Agitator, hat dieser Tage wieder einen Vortrag gehalten, der, wie wir meldeten, ein fruh- ,zeitiges Ende fand, da ein Polizeioffizier die Versammlung auflöste. Der Graf sprach „über die Macht des Judentums". Er schilderte u. a. seine polizeiliche Vorführung vor einen Dresdener Gerichtshof, weil er auf die Vorladung vor Gericht nicht erschienen war, folgendermaßen:
Es kam der Amtsvorsteher von Klein-Tschirne und ein Dresdener Gerichtsdiener morgens ftüh um 7 Uhr zu mir und sagten, sie müßten mich verhaften, ich sollte doch ja mitkommen und keine Schwierigkeiten machen, sonst müßten sie Gewalt anwenden. Ich war baff. Man wollte mich, einen preußischen Rittergutsbesitzer und Grafen, mir nichts, dir nichts verhaften. Na, ich ging aber doch mit und sagte zu dem G-erichts- diener: Hären Se mei Kutester, bet is doch eine kolossale Unverschämtheit, bet Sie mich, mich den Grafen Pückler, verhaften wollen. Eigentlich müßte ich Mtz jetzt nehmen und in den Schloßkeller von Klein-
Tschirne sperren! Da erbleichte der Mann. Ja, sagte ich, und denn müßten Sie mal da unten so acht Tage bei meinen Mäusen und Ratten brummen. Da würde Ihnen wohl denn die Lust vergehen, einen preußischen Rttterguts- besitzer verhaften zu wollen. Der Mann erbleichte immer mehr und sagte: Ach nee, Herr Graf, des hätten Se wohl doch nich gedahn. Was, sagte ich, nich jethan? Männeken, Sie duhn mir blos leid. Na, un denn ließ ich anspannen und denn jondelten wir los zum Bahnhof. Uff'en Bahnhof sage ich rund heraus: Gerichtsdiener, ich fahre erster, selbstverständlich, und Sie werden natürlich dritter fahren, sonst fahre ich ieberhaupt nich mit Aber härnse, sagte er da, des geht doch gar nich, Herr Graf! Ach was, sage ich, ob bet jetzt. Denken Sie, ich werde mit Ihnen dritter fahren? Na, denn fahre ich ähm och erschtr, sagte der Mann. Na, da lache ich natürlich und sagte: Det jiebt et nich, Mann, ich werde doch nich mit Ihnen zusammen erster fahren, als preußischer Rittergutsbesitzer. Wo denken Sie hin? Na, er stieg denn dritter in, ich erster, und so jondelten wir los. Auf dem Bahnhof in Jörlitz, wo wir um eins ankamen, holte ich mir denn den Mann und sagte ihm, ich würdejetzteinen ganz en e r g is ch e n Fluchtv e r such machen. Na, da schrie er wieder Ach und Weh, er würde seine Stellung verlieren und so — na und da bin ich denn wieder rnttjefahren. Als wir in Dresden ankamen, nahm ich ne Droschke und jvndelte mit ihm zum „Europäischen Hof". (Dem ersten Hotel in Dresden.) Da verkehre ich immer, und wie nu der Oberkellner kommt, sage ich: Ober, ick bin verhaftet und hier steht der Mann, der mich verhaftet hat. Und der Mann erblaßte zum brüten Mal. Is das nich neriesen- h a f t e F r e ch h e i t, was? Mich, einen schlesischen Rittergutsbesitzer zu verhaften. Det is doch noch nich dajewesen, daß man einen schlesischen Jrafen so mir nicht dir nicht verhaftet. Nu können Se sich denken, was das in dem Hotel, wo sie mich seit Jahren kennen, für ne riesige Bestürzung war. Nachdem ich mich beim erholt hatte, ging ich mit meinem Gerichtsbiener zum Landgericht. Na, die Verhandlung hat mir nu jarnich jefallen. Der Präsident fragt jleich: Geben Sie zu, daß Sie gesagt haben: Jeder Jude so ll Dr e s che kr i e g en? Jawoll! sage ich. Geben Sie auch zu, daß Sie gesagt haben: Man soll die Juden mit Keulen und Dreschflegeln totschlagen, wo man sie trifft? Jawoll! sage ich. Und geben Sie auch zu, gesagt zu haben: Wir wollen ja die Juden nicht totschlagen, aber Haue müssen sie haben, Keile müssen sie kriegen, ganz unbändige Keile, daß ihnen die Schwarte knackt? Jawoll! sage ich. Na, das genügt! sagte er. Und es jenügte voch. Ich war zu hundert Mark Geldstrafe verurteilt. Graf Pückler erzählte dann weiter, daß die Antisemiten in Dresden hiernach! zu feig gewesen seien, eine neue Versammlung zu veranstalten.
Auch in Berlin hat das Gericht einen Vorführungsbefehl gegen mich erlassen. Aber ich hatte bei Zetten davon jehört, und mich dünne jemacht, und wie sie diesmal kamen, war ich längst über alle Berj>e. Zum Termin stellte ich mich aber pünktlich ein. Na, das war nu erst ne Verhandlung. Oede und langwellig, rein zum Verzweifeln. Ter Präsident schnauzte mich jleich an, so wie die Verhandlung losjejangen war, blos weil ich den Zeugen Pvlizeileutnant von Sanden mit den Worten: „Aber verehrter Herr Leutnant!" anjesprochen hatte. Na, wie sollte ich denn sagen? Sollte ich etwa zu ihm sagen: „Mein lieber, Verehrtester Herr!" oder „Mein sehr lieber, guter, bester, hochverehrtester Herr"? Ich kann das doch nicht wissen, und so fluchte und wetterte denn der Vorsitzende in einem fort, und schließlich wurde mir sojar das Wort entzogen. Sie hielten mir vor, daß es doch bedauerlich wäre, daß ein Mann von aristokratischem Namen so zum Demagogen würde. Aber ich sagte: Wir brauchen die aristokratischen Herren höchst notwendig, damit sie hinuntersteigen und die Massen wieder sammeln. Wenn das demagogisch ist, so will ich es gern sein. Wer soll das Volk denn sonst wieder patriotisch und vaterlandsliebend machen? Wer trotzdem haben sie mich verurtellt. Na, ich werde mich ja nicht dabei beruhigen. Diese Handlungsweise gegenüber einem Aristokraten und Patrioten ist einfach unerhört, und ich erkläre das Urteil einfach für inkorrekt und unstatthaft und werde mich an geeigneter Stelle über die mir zu teil gewordene Behandlung energisch beschweren. Wie man mit mir umgegangen ist, das ist einfach doll und die janze Verhandlung machte einen kläglichen und jammervollen Eindruck. Die wissen ja nicht mal, wie sie die Leute behandeln sollen. Ich vers- lange als preußischer Rittergutsbesitzer!, Graf und Patriot Respekt und Achtung, und der ^Deubel soll mir den holen, der mir diese Achtung nicht entjejenbringt. (Stürmischer Beifall.) Zum Donnerwetter, der preußische Wel hat doch noch seine Verdienste. Unsere Väter haben die Rejimenter anjefuhrt, die uns das Vaterland jeschaffen haben in bluttjen Kriejen, und da können wir woll verlangen, daß sowas anerkannt wird, ooch von einem preuß'schen Jerichtshofe und wenn unsereiner dann auch auf der Anklagebank sitzt, so soll man ihn doch respettieren, und so behandeln, wie es einem zukommt. Wer, wie jesagt, nun ist es jenug. Jetzt fange ich an, mich zu beschweren. Ich habe nu jenug davon. Ich bin von den Behörden jenug jeschunden worden, schikaniert und jeschunden mehr wie zu viel. Ich. stehe jetzt auf dem Standpunkt, daß man unsereBehörden und namentlich den Herren am jrünen Tisch energisch und barbarisch dieWahrheitgeigen muß, so geigen, daß die Kerle auf den Rücken fallen. Nich wahr, das wäre ein famoser Anblick, wenn die Leute da in Moabit unterm Tische lagen, und ich stolz wie ein Spanier den Saal verließe?
In diesem Augenblick erhob sich der überwachende Polizeileutnant und bemerkte dem Redner: Ich muß dringend ersuchen, eine andere Tonart anzuschtagen. Ich habe fange genug Geduld gehabt.
Graf Pückler (fortfahrend): Ja, so ist es mir also in Moabit ergangen. Und weshalb? Blos weil ich hier in Berlin in einer Versammlung wie dieser gesagt habe, man solle die ganze Judenbande aus dem Lande schmeißen und einige Salven auf sie abgeben, daß sie wie die Hasen davonlausen. Das sei doch selbstverständlich nur humoristisch gemeint gewesen. Aber das kann ich Ihnen sagen, wenn ich in Klein-Tschime zu befehlen hätte, so würde ich dekretieren: § 1. Jeder Jude kann durchgehauen werden. § 2. Jeder Jude kann rausgeschmissen und mit Dreschflegeln verdroschen werden. § 3. Jeder sehr fteche Jude kann sogar aufgehangen werden. Na, sehen Sie, das fassen Sie doch auch scherzhaft auf. Eigentlich müßte man auch so über mein Urteil lachen, wenn es nicht so traurig wäre, daß sich darin wieder die Furcht vor den Juden zeigt. Unsere Behörden laufen eben wie doll und verrückt hinter den Juden her und ..
Bei diesen Worten setzte der überwachende Polizei leutnant den Helm aus, rief Silentium! und erklärte die Versammlung für aufgelöst.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 14. November 1901.
• • Ernennung. Der Großherzog hat den Schuldiener an der Volksschule zu Alzey Wilhelm Klee zum Pedellen an der Realschule und dem Progymnasium daselbst ernannt.
* * Prof. Dr. Gustav Vogt t- In Zürich ist gestern der ordentl. Professor für Sck)weizerisches Recht Gustav Vogt gestorben. Gustav Vogt ist im Jahre 1829 in Gießen geboren Er ist ein Bruder des bekannten Naturforschers und Politikers Karl Vogt, der fett 1847 an unserer Landesuniversität als Professor wirkte und in der Bewegung von 1848 von der Stadt Gießen zum Obersten der Bürgergarbe gewählt und in das Vorparlament, später auch in die deutsche Nationalversammlung nach Frankfurt a. M- gesandt wurde. Gustav Bogt hat sich wie sein älterer Bruder schrift- tellerisch vielfach bethätigt. Wir nennen von seinen Werken, ölgende: Handbuch des Schweizer isch-en Bundesrechts (Solothurn 1860), Revision der Lehre von den eidgenössischen Konkordaten (Zeitschr. der Bem- Juriftenver. 1865), Beiträge zur Kritik und Geschichte der Administrattvjusttz im Kanton Bem (ebenb. 1869). „Was nun?" Ein Beitrag zur Lösung der Eisenbahnfrage (Schweiz. Zeiffchr- Zürich 91), der Nordostbahnstreit (ebenb. 1894).
• • Liceutiat B. Willkomm, Assistent bei der Bibliothek bet Landesuniversität, wird, wie rotr hören, voraussichtlich zum 1. Januar Gießen verlassen und als Hilfsbibliothekar an der Universität Jena, zunächst in Vertretung des Bibliothekars Dr. Steinhäuser, der einem Ruf als Vorstand der städtischevi Bibliothek in Kassel folgt, nach Jena übersiedeln.
* * Herr Karl William Büller spielt am Freitag im hiesigen Stadttheater den „Striese" in Schönthans üierafiigem Schwank „Der Raub der Sabine rinnen". Die „Augsb.. Ztg." schreibt über die Aufführung folgendes:
„Der Raub der Sabinerinnen" hat wohl noch selten einen solchen Lacherfolg erzielt. Tie Auffüllung der Rolle zwar weicht von dem landläufigen „Striese"-Typus weit ab. Striese ist nichts anders als der Leiter einer „Schmiere". Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet Herr Büller seinen Striese, Emanuel Striese, und das Bild, das er vor uns erstehen läßt, ist denn auch von eminenter Wirkung. Jeder Zug, jede Bewegung, jede Miene ist ein kleines wohlausgeselltes Genrebildchen. Förmlich explosive Wirkung erzielte der £ triefe des Herrn Büller. Solch bedingungslosen Erfolg zu erreichen, dazu gehört ein geborener Komiker, und das _ ist Herr Büller. Das vollbesetzte Haus gab sich denn auch widerstandslos der Kunst des Gastes gefangen und quittierte unaufhörlich mit lautestem Beifall. Wir haben noch selten solche Heiterkeitsausorüche erlebt, als am gestrigen Wend.
* * Eine Zählung der Reisenden in den Eisenbahnzügen findet am 16., 17. und 18. November, am 11., 12. und 13. Dezember ds. Is. und am 12., 13. und 14. Februar n. Is. statt.
** Offene Stellen für Militäranwärter im Bezirk der Großh. hessischen (25.) Division. Neu-Isenburg, Bürgermeisterei, Polizeiwachtmeister, 1700 Mark, steigend bis zu 2300 Mk. und 100 Mk- Kleidergelb pro Jahr; daselbst 3 Schutzmänner, je 1100 Mk., steigend bis zu 1500 Mk. und 70 Mk- Kleidergeld pro Jahr. Im Bezirk des 18. Armeekorps- Camburg (Nassau), Amtsgericht, Kanzleigehilfe zur vorübergehenden (etwa zweijährigen) Aushilfe, Vergütung nach Seiten mit 5—10 Pfg. (je nach vorheriger Festsetzung). Freienohl (Kr. Arnsberg), Polizei- verwaltung, Polizeidtener und Vollziehungsbeamter, An- fangsgehalt 800 Mk., steigt bis 1200 Mk., daneben 50 Mk. Kleidergeld und 50 Mk. Wohnungsgeldzuschuß, Nebengehalt als Vollziehungsbeamter 50 Mk. Nassau, Stadtgemeinde, Polizei- und Gemeindediener, 800 Mk. und 70 Mk- für Uniform. Plettenberg, Amt, Polizeidiener und Vollziehungs- beamter, 1100 Mk., 60 Mk- Wohnungsgeld und 75 Mk. Kleidergeld.
x Nieder-Ohmen, 13. Nov. Kürzlich zog sich das em halbes Jahr alle Kind eines hiesigen Einwohners dadurch eine gefährliche Brandwunde zu, daß es der Bratpfanne zu nahe kam. Jetzt ist das arme Wesen seiner Brandwunde erlegen.
□ Ermenrod, 13. Nov. In der dieser Tage hier stattgehabten Bürgermeisterwahl unterlag der bishettge Bürgermeister. Wie verlautet, konnte indessen der Neugewählte nicht die Bestätigung zu seinem Amte erhallen. Infolge dessen wird eine abermalige Bürgermeisterwahl in unserer Gemeinde stattfinden.
Darmstadt, 13. Nov. Prinz Heinrich von Preußen, vom Großherzog zum Bahnhof geleitet, reifte um 4 Uhr 23 Min nachmittags nach Frankftwt a. M. und fährt von da nach einem Besuch bei den landgräflichen Herrschaften nachts nach Potsdam weiter. — Veranstaltungen, zu denen das Erscheinen des großherzoglichen Paares erwartet' und zugesagt war, sind hier, vorerst abgesagt. Das ist beispielsweise mit einem Diner des russischen Gesandten, Fürst Coudascheff, der Fall, das für die nächste Woche angesagt war.
Darmstadt, 13. Nov. Man schreibt der „D. Z.": „Tie Angelegenheit der Unterzeichnung des Handelsvertragsvereins-Aufrufs durch zahlreiche Darmstädter Geschäftsleute, welche mit der Landwirtschaft in regem Verkehr stehen, scheint von den Landwirten weiter verfolgt zu werden. Wie verlautet, sind auf eine an die seinerzeit unter dem Aufrufe Unterzeichneten ergangene Wfrage neuerdings zahlreiche Mitteilungen von Tarmstädter Geschäftsleuten eingegangen, wonach diese erklären, daß sie den Aufruf thatsächlichnicht unterschrieben haben, ihre Namen vielmehr gegen ihr Wissen und Wttlen nach dem bekannten Vorgehen vom Handelsvertragsverein selbst unter den Ausruf gesetzt worden sind. Es fehlt in den eingelaufenen Zuschriften nicht an Aeußerungen, welche die eigentümliche Art der Unterschristen-Einholung des Handelsvertragsvereins auf das schärfste verurteilen. Wch geht daraus hervor, daß nicht nur Mitglieder des Handelsvertragsvereins, sondern auch andere Geschäftsleute ohne deren Wissen und Einverständnis unterschrieben^worden sind, lvas einer gegenteiligen Aeußerung der „Franks. Ztg." gegenüber konstatiert fet Die von mehreren Landwirten der Umgebung ausgehende Auflage hat nach ihrem Wortlaut den Zweck, hinsichtlich der weiteren Stellungnahme zu ermitteln, welche Firmen die extrem landwirtschaftlich- feindliche Kundgebung des Handelsvertragsvereins absichtlich unterzeichnet haben gegenüber denjenigen, welche gegen Wissen und Willen unterschrieben worden sind unb anscheinend die Mehrheit bilden." — Die vom national*


