Der Verteidiger erklärt, er müsse dagegen protestieren, daß hier von Laien über medizinischen Dinge, von denen sie gar nichts verstünden, Urteile abgegeben würden, durch die bei den Geschworenen eine falsche Vorstellung erweckt werden ^önne.
Zw-ei Gendarmen des Bezirks, die beim dritten Augenscheintermin zugegen waren, bekunden im wesentlichen, daß eine an der Holzbekleidung vorgefundene Blutspur den Abdruck der Hand der angeklagten Frau Sch. sei. Die an- geftellten Versuche hätten dies unzweifelhaft dargethan, denn die Sch. habe eine ganz eigentümliche Fingerstellung. Ebenso bezeugen die Gendarmen, daß die aufgefundene blutige Fußspur im Zimmer der Verlebten genau zum Stiefel der Sch. gepaßt habe. Was den Rock betrifft, den die Sch. am Tag der That getragen, erklären die Gendarmen an Hand einer Photographie, daß man das Experiment gemacht habe, der angeklagten Sch. den Rock anzuziehen und sie darin an den Rand des Bettes zu stellen, der von Blut frei war. Es ergab sich, daß die Person der Sch, den blutfteien Raum genau deckte und daß die Flecken am Rock genau die Fortsetzung des Blutstreifens am Bettrand bildeten.
Der eine Gendarm erinnerte sich, daß eines der Geschwister des August ihm mitgeteilt hat, dieser habe am Tage der That einen blauen Anzug getragen. Weller geben die Gendarmen an, daß trotz sorgfältigen Forschens weder im Hausgang noch in der Küche des Schneider'schen Hauses eine Blutspur gefunden wurde.
Der Gefängniswärter von Altenstadt erklärt, er habe alles gethan, um den Verkehr der beiden Angeklagten während der Inhaftierung zu verhindern, trotzdem hätten diese Gelegenheit gefunden, sich zu verständigen. Es liege dies an den baulichen Verhältnissen. Frau Schneider habe -ihm gesagt, er solle den blauen Anzug des August holen lassen, da würde es sich ja zeigen, daß Blutspuren daran seien, denn er habe diesen Anzug an dem Sonntag getragen. Die Angeklagte Sch. erklärt, sie hätte nicht dem Zeugen, sondern seiner Frau gegenüber geäußert: „Lassen Sie den blauen Anzug holen. Diesen hat August angehabt, und wenn er es ,gethan hat, müssen ja Blutspuren daran zu finden sein." (Diese Angabe findet ihre Bestätigung bei ber späteren eidlichen Vernehmung der Frau des Gefängniswärters.)
Hierauf wird Amtsrichter Neuen Hagen vernommen, Her die Sache als Untersuchungsrichter behandelt hat. Er giebt ein klares Blld aller Momente der Voruntersuchung. Besonders eingehend spricht er über das Geständnis der Frau Schneider, welches diese gleich wieder zurückgenommen hat.
Medizinalrat Dr. Lorenz erklärt als Sachverständiger, 'daß die Art der Wunde an der Leiche der alten Frau nicht beurtellen lasse, ob Selbstmord oder ob ein Verbrechen begangen sei. Es fei. außer Zweifel, daß die zwar schwache Frau doch im Stande gewesen sei, einen Selbstmord auszu- fführen. Die Verletzung sei mit einem einzigen Schnitt aus- lgeführt. Die Verlebte sei mit der Wunde höchstens noch 1 bis lx/2 Minuten bei Besinnung gewesen. Er hält es für unmöglich daß sie mit der Wunde am Arm noch in der Lage -gewesen sei, in die Küche zu gehen.
Der Vorsitzende erklärt die Beweisaufnahme für geschloffen und bemerkt zur Fragestellung, daß der Gerichtshof beschlossen chabe, von Amtswegen für jeden der Angeklagten 3 Haupt- ff ch u l d fr a g e n zu stellen und zwar wegen der Lisette Schneider :auf Mord — im Fall der Verneinung des Vorliegens von Mord aufTodtschlag und falls die Geschworenen auch diese Frage nicht bejahen können, auf Körperverletzung. Betreffs des August ^Schneider sind analog der Schuldftagen gegen seine.Mutter ;bie 3 Hauptfragen auf Gehilfenschaft durch die That gerichtet. In jedem Falle ist die Nebenftage gestellt, ob der noch nicht '16 Jahre alte Angeklagte die zur Erkenntnis der Strafbarkeit ffeiner Handlung erforderliche Einsicht besessen habe. Land- ^gerichtsrat Müller wendet sich an die Geschworenen und erklärt, daß der Gerichtshof durch diese Fragestellung nicht etwa seiner Ansicht habe Ausdruck geben wollen, daß die That sich nicht als Mord oder nicht als Todtschlag qualifiziere, es sei Sache der Geschworenen, nicht des Gerichtshofes darüber urteilen.
Auf Antrag des Rechtsanwalts Raab wird da, wo es mach dem Gesetz zulässig ist, für beide Angeklagte die Frage nach mildernden Umständen gestellt.
Staatsanwalt Zimmermann ergriff darauf das Wort izur Begründung der Anklage (der große Schwurgerichtssaal ist mit Zuhörern angefüllt, ebenso die Tribüne, die für Frauen reservirt ist): Das schwerste Verbrechen ist begangen worden, ein Mord. Es handelt sich um Leben und Tod. ?Wir wollen uns alle der Verantwortung voll und ganz bewußt sein, die auf uns ruht. Er verlange von den Geschworenen den Mut der Ueberzeugung, auch dem schwersten Verbrechen die entsprechende Sühne zu gewähren. Staats- Anwalt Zimmermann zieht dann Punkt für Punkt der Beweisaufnahme heran. Er zeigt den Geschworenen das blutgetränkte Hemd der Verlebten und kommt in seiner Inständigen wuchtigen Rede zu dem Schluß, daß die angeklagte Schneider ieinen Mord begangen habe, wozu ihr Sohn August Beihilfe geleistet.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Raab erklärt, er wolle Micht mit der Leidenschaft wie der Staatsanwalt die Sache ^behandeln, er bitte die Geschworenen, ohne Voreingenommen- !hett die einzelnen Momente der Anklage zu prüfen, man werde bann zu bem Schluß kommen, baß kein Verbrechen, sondern nur ein Selbstmord vorliege. Es sei seine Ueberzeugung, beide Angeklagte seien unschuldig. Der Verteidiger geht auf eine Reihe von Indizien ein, die der Ankläger als Beweise für die Schuld vorgebracht hat und sucht sie zu entkräften. 'Die Bilder bewiesen gar nichts. Auf das, was die Schneiders Kinder sagten, könne man nichts geben.
Staatsanwalt Zimmermann erklärt, er hätte nicht noch einmal das Wort ergriffen, wenn der Verteidiger es nicht unterlassen hatte, sich über die Schuldfrage des Totschlages und der Körperverletzung mit tötlichem Erfolg zu verbreiten, wie er es erwartet habe. Eingehend würdigt der Ankläger alle Momente, die die einzelnen Verbrechen von einander unterscheiden, und bittet zum Schluß noch einmal, die Frage wegen Mordes, und gegen August Schneider wegen der Bei- "W zu dem Verbrechen zu bejahen.
Der Verteidiger erklärt, daß es nach dem Gesetz nicht seine, sondern des Herr»: Vorsitzenden Aufgabe sei, die Rechts- belehrung zu erteilen.
Es folgt die Rechtsbelehrung, worauf sich die Geschworenen zur Beratung zurückziehen. Nach etwa 40 Minuten erscheint die Jury wieder im Saal. Kaufmann Zimmermann erklärt als Obmann, die Geschworenen seien zweifelhaft, ob sieben Stimmen mit „ja" bei Abstimmung über eine Hauptfrage schon eine Verurteilung bedeuteten. Der Vorsitzende verneint dies und erklärt, in dem Falle müsse die Frage verneint werden. Nach nochmaliger Zurückziehung verkündet der Obmann den Wahrspruch, der sämtliche Schuldfragen für beide Angekagte verneint, worauf die Freisprechung erfolgen mußte.
Aus Stadt und Zand.
(Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, den 14. Oktober 1901.
** Zur Virchowfeicr. Auch der hiesige freisinnige Verein hat Virchow seine Glückwünsche dargebracht. Wie wir erfahren, hat er ihm durch den Vorstand ein Glückwunschtelegramm übermitteln lassen.
** Unser Stadttheater, das diesmal seine Spielzeit unter besonders günstigen Auspizien begonnen hat, wurde leider soeben von einem schwerwiegenden Verluste heimgesucht. Wie wir hören, ist Herr de Giorgi, unser hochbegabter Charakterdarsteller, dessen Shylock wir nicht so bald vergessen werden, zur Ableistung seiner milttärischen Dienstpflicht nach Frankfurt einberufen worden. Wir bedauern seinen allzu schnellen Fortgang lebhaft und können unserer Theaterdirektion nur wünschen, daß es ihr recht bald gelingt, einen vollgültigen Ersatz zu finden. Herrn de Giorgi aber hoffen wir, sobald als es ihm möglich ist, wiederzusehen.
** Aus dem Theaterbureau. Als erste volkstümliche Vorstellung zu kleinen Preisen geht am Dienstag Lessings „Minna von Barnhelm" in Szene. Leo Tolstoi's fünfaktiges Drama „Die Macht der Finsternis" wird als nächste Novität dieser Saison hier am kommenden Freitag zur Aufführung gelangen.
** Theatervereiu. Carl William Büller, der allbeliebte Komiker, wird Gießen auch in diesem Winter einen Besuch abstatten. Der Theaterverein hat ihn zu einem einmaligen Gastspiel gewonnen, das zwischen dem 11. und 13. November stattfinden soll. Die Entscheidung zwischen diesen drei Tagen folgt in Kürze. Herr Büller wird in demjenigen Stück auftreten, das erst durch ihn zur Aufnahme in die Nepertoirs aller Bühnen kam, in Gerhard Hauptmanns „Biberpelz" als Amtsvorsteher v. Wehrhahn. Das Büller'sche Gastspiel fällt in die 2. Vorstellung. (Die erste ist am 31 Oktober).
** Das gestrige Konzert der Bockenheimer Hu- saren-Kapelle in Stein's Saalbau war, wie man uns schreibt, sehr gut besuche, galt es doch, das 25 jährige Diensv- jubiläum des Dirigenten E. Hecht zu feiern. Hecht, der seit 16 Jahren öfter hierherttimmt, hat sich hier recht beliebt gemacht, und was die Kapelle leistete, war vorzüglich. Durch, rauschenden Beifall, der seinen Höhepunkt erreichte, als Herrn Hecht ein Lorbeerkranz überreicht wurde, dankte das Mblikum für die Darbietungen. Herr Hecht reoanchierte sich, durch verschiedene Einlagen. Baldiges Wiedersehen war der Wunsch vieler Konzertbesucher.
** Der Kaufmännische Verein Gießen beging am Samstag abend in Stein's Saalbau die Feier ber 28. Wiederkehr seines Stiftungstages. Die Teilnehmer an dem Feste hatten sich so zahlreich, eingefunden, daß der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Bockenheimer Hu- saren-Kapelle unter der Leitung des kgl. Musikdirektors Hecht, deren Darbietungen so reichen Beifall fanden, daß sie des öfteren Stücke einlegen mußte. Zur weiteren Unterhaltung hatte man Fr. Leonie v. Bodenhausen-Satory und Bodo v. Badenhausen aus Kassel gewonnen. Die erstere trug den ersten Akt des Rosmer'schen Märchiendramas „Königskinder" vor. Sie zeigte, daß sie die Kraft der Rezitation in reichem Maße beherrscht. Noch größeren Eindruck hätte sie allerdings wohl erzielt, wenn sie hier und dajetwas langsamer gesprochen hätte. Einen ebenbürtigen Partner hatte sie in dem Schriftsteller Bodo v. Bodenhausen, der eine Anzahl mundartlicher und Scherz-Dicht- ungen vortrug. Beiden zollte man vielen Beifall. Den Schluß des wohlgelungenen Festes bildete ein Ball, dem die Jugend bis zum beginnenden Morgen auf das eifrigste huldigte. Am Sonntag nachmittag unternahm der Verein einen Ausflug nach dem Windhof. In der fröhlichsten •Stimmung blieb man hier bis zum späten Abend zusammen und ließ sich selbst dadurch nicht stören, daß die Beleuchtungsanlage nicht richtig funktionieren wollte, sodaß man teilweise Kerzenlicht benutzen mußte.
** Stiftungsfest. Im Saale des Cafe Leib feierte der Verband ber Schneider unb Schneiberinnen am Samstag sein 13. Stiftungsfest. Auch aus Wetzlar hatten sich mehrere Mitglieber eingefunben. Die theatralischen Aufführungen verliefen aufs schönste und fanben reichen Beifall. Mit bemselben Beifall würbe bas Kauplet „Die Schusterjungen" ausgenommen. Daran schloß sich ein Tänzchen, bei ber bie Festteilnehmer bis zum frühen Morgen sich vergnügten. Am Sonntag mittag 4 Uhr erfolgte ein Ausflug nach ben Vier Jahreszeiten. Als ein Zeichen für bas Blühen unb Gedeihen der hiesigen Filiale des Verbandes mußte man die zahlreiche Beteiligung sowohl am Samstag wie am Sonntag ansehen. Auch am Sonntag waren sämtliche Räume des genannten Lokals voll besetzt. In ungetrübter Heiterkeit verbrachten die Teilnehmer an dem Ausflug hier einige Stunden, bis bie hereinbrechende Dunkelheit zur Heimkehr mahnte.
** Der Rad-Klub „Germania" feierte gestern bei schönem Wetter und zahlreichem Besuch sein 2. Stiftungsfest im Schützenhaus. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Straßenrennen, das morgens 9 Uhr ausgefahren wurde und folgendes Ergebnis hatte: I. Fahren um die Klubmeisterschaft: 1. H. Genies, 2. Bauer, 3. Sauer; II. Fahren um ben Wanderpreis, gest. v. Ad. Denninghoff: 1. Genies, 2. Bauer, 3. Hoß, 4. Thomas; III. Trostfahren: 1. Marx, 2. L. Muhl. Mittags vereinigten sich aitt Mitglieder nebst Freunden und Gönnern des Klubs wiederum im Schützenhaus, wo bei einem fröhlichen Tänzchen die Feier ihren Abschluß fand. — Der Klub beteiligte sich, im verflossenen Jahre an 6 Preiskonkurrenzen. Fünfmal ging er als Sieger mit 3 ersten^ 1 zweiten und 1 dritten Preise hervor. Das Vereinslokal befindet sich von heute ttb nicht mehr im Cafe Am end, sondern im Postkeller.
** Stiftun g s f e st. Am verflossenen Samstag beging die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr ihr 46- jähriges Stiftungsfest durch Konzert, Gesang,
Theater und Tanz tn der geräumigen, vk§ aus den letzten Platz gefüllten Turnhalle an der Nordanlage. Die Vertreter von Staat und Stadt, die befreundete Freiwlllige städtische Feuerwehr, sowie der Bauer'sche Gesangverein waren der an sie ergangenen Einladung bereitwilligst gefolgt. Das Programm brachte Liedervorträge des Bauer- schen Gesangvereins, unter Leitung des Herrn Polster, Theater, Marmorgruppen und Musikvorträge, unterbrochen von Ansprachen, von denen wir nur die der Herren Regierungsrat Dr. Böckmann, namens der Großh. Regierung, Kommerzienrat Heichelheim, namens des Stadtvorstandes, Branddirektor Traber und Kommerzienrat Gail erwähnen. Die Gäste und Kameraden der beiden Wehren waren bis zur Mitternachtsstunde vereint, von wo ab der Tanz in seine Rechte trat. Daß ber Bauer'sche Gesangverein mit seinen Chören auch hier wieder nicht wenig zum Gelingen des schönen Festes beigetragen hat, sei noch ganz besonders hervorgehoben.
**DieWinter-Taschenfahrpläne des Gießener Anzeigers gelangen infolge Aufstellung neuer Maschinen in der Brühl'scheu Druckerei diesmal leider verspätet zur Ausgabe. In der Stadt werden dieselben mit der heutigen, auswärts mit der morgigen Nummer verteilt.
** Der Alice-Frauen-Verein für die Krankenpflege (Rotes Kreuz) im Großherzogtum Hessen hielt gestern nachmittag im Saale der „Vereinigten Gesellschaft" in Darmstadt unter dem Ehrenvorsitz der Prinzessin! L'udwig von Battenberg sowie zahlreicher Ehrengäste und Mitglieder seine diesjährige 15. General v er-, s a m m l u n g ab. Polizeirat Dr. Kratz leitete die Verhandlungen und erstattete den Hauptberrcht, aus dem hervorgeht, daß in Darmstadt, Mainz, Offenbach Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim, Langen, Alzey, Oberramstadt und Framersheim zusammen 68 Schwestern und 12 Lehrschwestern sowie eine große Anzahl Pflegerinnen tljätig sind. Der Verein steht auch in engster Fühlung mit allen die gleichen Ziele verfolgenden deutschen Verbänden. Er hat im Frieden gute Erfolge erzielt und auch für einen Kriegsfall alle Vorbereitungen getroffen. — An Stelle des verstorbenen Geh. Med.-Rats Dr. E i g e n b r o d-Darmstadt hat Polizeirat Dr. Kratz die Geschäftsführung übernommen. — Die Gesamtzahl der Mitglieder ist in 14 Vereinen erfreulicherweise gewachsen. Besonders erfteulich ist die Neuerstehung des Zweigvereins Gießen mit 191 Mitgliedern begrüßt worden. Darmstadt zählt gegen 600, Offenbach 562, Alsfeld 301, Bad-Nauheim 200, Büdingen 162, Butzbach 281, Friedberg 237 und Lich 160 Mitglieder. Aus den Geschäftsberichten ist ersichtlich, welche außerordentlichen Leistungen und Erfolge erzielt werden. In den Verhältnissen der Vereine Reinheim, Gr.-Bieberau, Rüsselsheim und Schotten hat sich nichts wesentliches geändert. — Der Schatzmeister Geh. Obersteuerrat 'Dr. Lauer erstattete den Kassenbericht, der ein günstiges Resultat ergiebt, obwohl man ca. 50 000 Mk. für den Bau eines Pflegerinnenheims verwandt habe und auch die Jahresbeiträge zurückgegangen sind. Es sind an Grundbesitz und Barvermögen ca. 200 000 Mk. vorhanden. Dem Rechner wird unter Dankes- worten Entlastung erteilt. Es folgt ein Spezialbericht der Vorsteherin des Alieehospitals; es sind in den letzten zwei Jahren ca. 2000 Kranke gepflegt worden. Allen Aerzten und den Spendern wird Dank ausgesprochen; den Schwestern Engel und Fuchs ist für 20jährige Thätigkeit das goldene, den Schwestern Erbes und Mühler für 15jährige Thätigkeit das silberne Kreuz verliehen worden. 15 Schwestern erhielten für zweijährige Thätigkeit ein Diplom. In ber Kinderkrippe sind 79 Kinder verpflegt worden. Geh. Reg.-Rat v. Zangen berichtet über die Waisenpflege, der Polizeirat Dr. Kratz über die allgemeine Kinderpflege, Reg.- Rat Wick über den freiw. Erziehungsbeirat, in dem ca. 40 ’ Damen und Herren thätig sind. In der Fürsorge für schulentlassene Waisen war der Verein besonders thätig. Zum Schluß giebt der Vorsitzende noch den Bericht des Aliee- Vereins für Ueberwachung von Pflegekindern in Mainz, der unter der Leitung der ‘ Frau Landgerichtsdirektor
io cE en Beim e r steht. Der Verein überwacht gegen 160 Pflegekinder. Das Vermögen betrug am 1. April 1901 320 Mark. Zu bemerken ist noch der fortwährende Zugang von Pflegekindern. Hierauf wurde die Versammlung im Namen der hohen Präsidentin geschlossen.
** Der katholische Gesellen verein feierte am Sonntagabend in Steins Garten unter zahlreicher Beteiligung sein 4. Stiftungsfest. Kaplan Dr. Friedrich begrüßte in einer Ansprache die erschienenen Gäste. Er betonte den segensreichen Zweck des Vereins, der in der kurzen Zeit seines Bestehens mächtig emporgeblüht sei, und forderte die Vereinsmitglieder auf, dem Verein treu zu bleiben und für feine weitere Ausbreitung zu wirken. Nach einigen Vorträgen eines Musikkorps wurde eine kleine Posse, „Ein Ehemann in der Wolle", gespielt. Tie beiden Spielenden gaben das junge Ehepaar, das darin auftritt, so naturgetreu wieder, daß sie des öfteren förmliche Lach? salven unter den Zuschauern hervorriefen. Nach dem meisterhaft vorgetragenen Couplet „Mein internationales Warenhaus" und einigen Musikpiecen wurde abermals ein Theaterstückchen aufgeführt und zwar das hübsche Moser'sche Lustspiel „Die Versucherin". Auch hierin gaben sich die Spieler die größte Mühe, ihre Rollen möglichst natürlich zu geben, und man muß anerkennen, daß es ihnen meist gelang. Der heitere Inhalt des Stückchens, die darin vor- tommeuben Verwechselungen wirkten so auf bas Publikum, baß es aus bem Lachen saft nicht herauskam. Das Couplet „Eine Reichstagssitzung" bilbete ben Schluß ber unterhallen- ben Aufführungen. Es folgte ein Ball, bei bem sich die Anwesenden bis spät in die Nacht hinein vergnügten.
** Die Verwaltung der Biberthalbahn beabsichtigt, wie mir hören, den aus unserm Lese-Publikum laut gewordenen Wünschen nach zweckmäßiger Abänderung des Winterfahrplans zu willfahren U. a. sollen die beiden ausgefallenen Züge wieder eingelegt werden.
•* Zuviel des Guten. Eine hiesige Frauensperson hatte gestern Abend, was sie des öfteren zu thun pflegt, einmal des Guten zu viel gethan. Durch den zu reichlichen Genuß ihres Lieblingsgetränkes wurde sie in eine überaus fröhliche Stimmung versetzt, der sie auf dem Neuenweg und Kreuzplatz durch lautes Schreien Ausdruck gab. Da alle Vermahnungen des hinzukommenden Schutzmannes fruchtlos waren, mußte sie nach dem Haftlokal gebracht werden. Auf dem Wege dort widersetzte sie sich dem sie transportirenden Schutzmann. Sie konnte nur mit Hilfe hinzugekommener Personen, ins Arresthaus verbracht werden.
§ Butzbach, 13. Okt. Heute früh gegen 4 Uhr wurde auf der hiesigen Station bie Leiche des aus bem benachft barten Espa gebürtigen Chmakämpfers Philipp Weil/ ber am 9. dem Typhus im Lazarett bei Bremen erlag, abgeholt. Nachmittags fanb in Espa unter großer Beteiligung der Gemeind»» Äie Beerdigung des so jung Dakfin-i
gefaßte Ne Uen Ber nach CL'9al Geh. Reg Köhler et dere ihre' stimmte Oroßh. - fischen Lc bie Ro! Handel puf die !
F. J Aückssal Ehefrau abend y leit fcö stnst 61' Neider suchte d Md liej Kn Naci Iber Ann S getan ferau so' Aufionm
cs KS rj r° feilte
tzMer "
Köhl-", Pfarrer ■ Bauern^ W Bun! Grosch'
ieiw, >°" w Sllld« HÄdM dl (ung d--'
Hanl
*
auf dem heftig a leicht ve zosen.
'S- Graf be l mit feinem P gelange Mäiw w getroffen, Moje, i
*3 Knöpfen Neger is packte; Czolg wie am verlauf sowie ei wohnen werden, kauft i fünfzig verschaä ganze 2
_ Gri tWkks UOO
Wj» iji“;
W x
iis S’H
alten Hi b»rt gt| -Lapelen ward- wenüet. dem Me Grab qe dessen^ gewandt umgesta des früh, Mr Ori
Achters 'eld gebo war seit w Elben d« tlem,
gewann.
Morien,


